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Die Wassernot am Niederrhein.

Kleve. 5. 3an. (WLB.) DaS Hochwasser deö Niederrheins ist während der Nacht weiter <1 cf allen. NuS einzelnen überschwemmten Ort­schaften werden erschütternde Einzelheiten ge­meldet. Sv sind einem Gutsbesitzer 34 Stück Großvieh ertrunken. In einem anderen Orte sind viele Schweine umgekommen. In den Fluten wurden auch zwei Menschenleichen gesehen, die noch nicht geborgen worden sind. An die ge­fährdeten Dammstellcn im Kreise Kleve sind heute morgen weitere Verstärkungen abgegan­gen. Die Arbeiten schreiten rüstig fort, so daß man hofft, im Laufe des Tages jede Gefahr beseitigt zu haben.

Nach einem Funkfpruch aus Amsterdam ist der Zustand int holländischen älcberschwemmungs- gebiet zwischen Maas und Waal dagegen noch sehr ernst. Die Maas steht an einigen Stellen 4 bis 5 Meter hoch und steigt noch.

Heute morgen ist der sog maimte P ol der - dämm in Pannerden bet Lob.th zwischen Emme­rich und Arnhem gebrochen. Die Flut ergoß sich in die Orte Pannerden, Herwen uixb Aerdt. Die Bewohner wurden von der Katastrophe so schnell überrascht, daß sie nur mit knapper Not das nackte Leben retten konnten. Sie flüchteten auf den Nheindamm. Diel Vieh ist in den Fluten umgekommen. In der Kirche in Herwen steht das Wasser über 1V3 Meter hoch. Die Blätter veröffentlichen Aufrufe für eine allgemeine N a t i o n a l s a >n m l u n g zugunsten der vom Hochwasser geschädigten Bevölkerung. Einen ähnlichen Aufruf erläßt die Ständige Kommission zur Milderung von Hochwassevkata- strophen, die ihren Reservefonds in Höhe von 250 000 Gulden sofort zur Verfügung gestellt bat. Die Königin hat dieser Kommission nach ihrer Rückkehr aus dem Hochwassergebiet als ersten Beitrag 10 000 Gulden überwiesen.

In Frankreich läßt das Wasser langsam nach. Die Loire hat beinahe ihren normalen Stand wieder erreicht. Mehr als 1200 Arbeiter feiern infolge Stillstandes der Fabriken. Der Eisenbahnverkehr nach Belgien hat jedoch gestern vormittag wieder ausgenommen werden können. Die Rhone ist trotz des Steigmrs ihrer Neben­flüsse im Fallen begriffen. Nach Meldungen aus S e r a i n g bei Lüttich sind bei dem Damm­bruch der Maas 15 Häuser eingestürzt. Mehrere Personen werden vermißt.

Amerika und dieAbrüstungskonserenz.

Reuyort. 5. Ian. (TU.) Eine amtliche Erklärung unterstreicht stark, daß die der Vor­konferenz folgende Abrüstungskonferenz schon durch die Wahi des Tagungsortes zum Ausdruck bringen mühte, daß das gesamte Abrüstungs- Problem europäischen Händeln fern­gehalten werden müsse. Die Vollmachten der mexckanischen Vertreter in Genf würden äußer st beschränkt sein. Um zu irgendeiner Frage Stellung zu nehmen, müßten sie die jeweilige Entscheidung der Washingtoner Regierung ein­holen. Amerika wünsche keinesfalls in die Fra­gen des Völkerbundes verwickelt zu werden. Fragen, wie Bevölkerungsziffer und S cherhe'ts- pakt, die indirekt mit der Abrüstung in Ver­bindung fteben, dürften von den amerikanischen Vertretern nicht angeschnitten werden. Ihre An­weisung ginge dahin, nur rein technische Abrüstungsfragen zu erörtern.

Die Mossul-Frage.

Paris. 6. Jon. (TU.) Der türkische Bot - _Jd) q f t e r in London hat während seines gestrigen ' Besuches bei Baldwin eine Rote überreicht, in der die türkische Regierung sich bereit erklärt, die Mossulfrage zum Gegen st and direkter Ver­handlungen mit England zu machen. Die tür* kische Regierung knüpft allerdings gewisse Be­dingungen daran, so u.a., daß die Prüfung der 'Angelegenheit durch das englische Kabinett erst nach der Rückkehr Chamberlains vorgenommen werde.

Erkrankung der Königin von Schweden.

Hamburg, 5. 3 an. (TU.) Wie das »Ham­burger Fremdenblatt" aus Kopenhagen meldet, hat sich der Zustand der schwedischen Königin, die seit längerer Zeit an einem chronischen Luft­röhrenkatarrh leidet, sehr verschlechtert. Königin Viktoria ist 1862 als Tochter des Groß­herzogs Friedrichs I. von Baden und der Großherzogi r Luise geb. Prinzessin von Preu­ßen geboren. Eie ist also eine Enkelin des alten Kaisers. Seit 1381 ist sie mit König Gustaf V. von Schweden verheiratet.

Hauprausschutztagung des Vereins für das Deutschtum im Auslande.

Im Anschluß an einen Dortrog über die vom tschechischen Staate und Volke betriebene Unter­drückung der Sudelendeutscken fand in der vergan­genen Woche die Hauptausschußsitzung des D. D. A. statt, die sehr gut von Vertretern aus dem Reiche, Oesterreich und dem Auslande besucht war. Professor E s a k i, Hermannstadt, berichtete nach den Begrü­ßungsworten des Vorsitzenden von Hintze über die Grundlagen der Zusammenarbeit zwischen Binne-ndeutschtum und A u ß e n d e u t s ch t u m. Schon vor dem Kriege be­standen die Beziehungen zu dem V. D. A. und das Bewußtsein des Auslanddeutschtums, daß von der V. D. A.-Bewegung das Heil zu erwarten sei. Heute verkörpere der V. D. A. am stärksten die Idee der deutschen Gemeinschaft. Seine Jugendbewegung verbürge durch chr gewaltiges Anwachsen dem Ge­meinschaftsgedanken die Zukunft. Profestor Csaki entwarf ein Programm für den Ausbau der Zu­sammenarbeit, besten Gedankengänge allgemeinen Beifall fanden. Frau v. V o p e l i u s schilderte recht packend die Röte des Saargebietes, das zwar kein 'Auslanddeutschtum sei, aber doch Grenzlandschicksal erleide. Der Geschäftsbericht ergab, daß die Aufbringung der im Voranschlag ausgestellten Sum­men bis Ende des Jahres zu erwarten sei. Die Or­ganisation hat auf allen Gebieten Fortschritte ge­macht. Die Entwicklung der Schulgruppenbewegung wird durch die Auflage des Jungroland von 150 000 gekennzeichnet. Zahlreiche Ausblldungskurse haben stattgefunden. In den geräumten Gebieten ist die

Organisation wieder aufgebaut würden. Zum Ort der nächsten.Hauptversammlung wurde.Hirschberg in Schlesien gewählt.

Aushebung des Artikels 18 in Frankreich.

Paris, 6. Jan. (TU.) Wie die Teluuion von gut unterrichteter französifcber Seite erfährt, trifft es zu, daß die deutsche Regierung die A u f° Hebung des Artikels 18 des Versailler Ver­trages beantragt Hai. Der Artikel gibt Frank- reich das Recht, für den Fall, daß die Deutschen ihre Reparationszahlungen einstellen würden, deutsches Eigentum i n Frankreich z u beschlagnahmen. Die Alliierten Frank­reichs haben bekanntlich auf diesen Artikel schon vor längerer Zeit ausdrücklich verzichtet. Die deut­sche Regierung steht auf dem Standpunkt, daß die Unterzeichnung eines Wirtschaftsvertrages mit Frankreich sich schlecht mit der Aufrechterhaltung dieser Bestimmung des Versailler Vertrages ver­einbaren läßt. Es ist ihr gelungen, es dahin zu bringen, daß die französische Regierung diese An­sicht teilk und formell die Aushebung des Artikels t n Aussicht gestellt hat.

Dr. Luppe vom Amt suspendiert.

Nürnberg, 5. Ian. (Wolff.) In einer heute vormittag auf dem Rathaus cingegangenen Entschließung der Regierung von Mittelfranken wird die Suspendie­rung Dr. Luppes von feinem Amt als Ober­bürgermeister der Stadt Nürnberg ausgesprochen. In der Verfügung her Regierung von Mittel- franken heißt es, für die Entscheidung sei ledig­lich die Tatsache maßgebend, daß sich in der Führung der Stadtverwaltung und in der Lei­tung nach außen Schwierigkeiten ergehen könnten, wenn die einstweilige Suspendierung nicht erfolge. Zu der Frage, ob die Vorunter­suchung zu einer eigentlichen Untersuchung führen oder ob das Verfahren eingestellt werde, sei mit der Suspendierung in keiner Weise Stellung ge­nommen worden.

Vom Hessischen Landtag.

WSN. Darmstadt, 5. Jan. Der Hessische Landtag wird am 12. Januar zu seiner neuen Tagung zusammcntreten, in der es voraussicht­lich sehr lebhaft zugehen wird, da außer den un­erledigten 40 Punkten inzwischen weitere zahlreiche Anträge und Anfragen eingebracht worden sind. Der wtaatsvoranschlag soll in der nächsten Woche durch den Finanzminister vorgelegt werden, so daß sich nach Schluß der Tagung der Finanz­ausschuß mit den Beratungen beschäftigen kann.

Kunst und Wissenschaft.

Frankfurter Uraufführung.

In den Kammerspielen, einer Zweigstelle der städtischen Bühnen, kam mit seinem DramaKa­spar Hauser, ein homo novus, Karl Han­ne m a n n , erstmals zu Wort. Es lag wirklich nicht an der von Fritz Peter Buch mit aller Liebe und Eindringlichkeit vorbereiteten Uraufführung, wenn das Publikum dem Werk und seinem Auwr höchstens einen kühlen Respektserfolg entgegen­brachte. Man ist des ewig gleichen Tons, der uns aus ungezählten expressionistischen Dramen längst erklungen ist, satt geworden, und auch die wildesten Schreie, die grellsten Nebeneinanderstellungen der Leidenschaften und ungezügelten Triebe im Men­schen und imTiermenschen" bleiben ohne nach- halttge Wirkung, wenn sie, wie hier, blaffe Schemen- gestalten und keine festumrissenen, lebensvollen Cha- raktere umstrahlen. Strindberg, Wildgans, Werfel, Kaiser haben in Karl Hannemann einen schwäche­ren Nachzügler bekommen, dessen Gestaltungskraft für das kühne Thema, das er sich setzte, nicht aus­reicht. Er wollte, den Sinn eines Goethewortes variierend, zeigen, wie der alle Hauser einen neuen Heiland der Welt zu schenken bestrebt war, als er den angenommenen Sohn für 20 Jahre in der Kammer einschloß und von allem Verkehr mit den Menschen fernhielt und wie es fein Los wurde dasentfesselte Tier im Menschen' heranzuziehen, das er zuletzt selbst vernichtet. Mit der historischen, rührenden Gestalt des Kaspar Hauser hat diese Dramenfigur, in ihrem Schicksal vorbestimmt und ohne Willensfreiheit, wenig gemein. Nur eine Idee entnahm ihm der Autor sie ist groß, aber in der Ausführung gescheitert. DemSpuk im Alltag" stellten die Frankfurter Künstler, voran Norbert Schiller, Martha Schanzcr, Theodor Danegger ihre besten Kräfte und eine oieltönig gestufte Empftn- dungsskala zur Verfügung. Auch die Bühnenbilder Max Bosseckers waren zumeist von starker Kraft. Trotzdem es blieb ein Versuch ohne Erfüllung.

Dr. G. S.

Der Arbeitsplan des Frankfurter Schauspiel« Hauses.

Der Arbeitsplan des Schauspielhauses sieht die Aufführung folgender Werke vor: Nach her Uraufführung von Bernhard«3 ag b Gottes" folgt noch im Januar ein Tanzspielabend, bei dem Der Wald" zur Erstaufführung,Die Hoch­zeit der Schäferin" zur Uraufführung ge­langen werden. Beide Spiele sind von Lahusen. 3m weiteren Verlaufe der Spielzeit sind Aus­führungen von KleistsKätchen von Heil- bronn", RaimundsBauer als Millio­när" und Shakespeares .Othello" und Sturm" geplant. An modernen Stücken wur­den erworbenMensch und Uebermensch" von Bernhard Shaw, die GroteskiB l u f f von Rudolf Schneider und die KomödieKade- brechts Meineid" von P. G. Hahn, letztere zur alleinigen Uraufführung.

Düabschiedung Dr. Rottenbergö.

Der erste Kapellmeister des Frankfurter Opernhauses, Dr. L. Rottenberg, wird im August 1926 aus dem Verband der Städtischen Bühnen ausscheiden. Nachdem er in Wien bei Fuchs und Mandhczerski studiert hatte und eine zeitlang Konzertbegleiter sowie Dirigent des Orchestervereins der Gesellschaft her Musik­freunde in Wien gewesen war. ging er auf drei Jahre nach Brünn und tarn dann auf Empfehlung von Johannes Brahms und Hans v. Bülow im Jahve 1893 nach Frankfurt a. M Der Ruf, den er sich hier als Opernhirigcnt erwarb, hatte auch ehrenvolle Berufungen nach auswärts, u. a. nach London, zur Folge.

Die Retchsregierung aa Rudolf Gucken.

Berlin. 5. 3an. (WTB.) Namens der Reichsregierung sandte Reichsw.hrminister Dr. Gehler an Herrn Geheimrat Prof. Dr. Rudolf Eucken folgendes Telegramm: Zur Vollendung Ihres 80. Geburtstages sende ich Ihnen, hoch­

verehrter Herr Geheimrat, im Namen der Reichs- regieritnq herzlichste Glückwünsche. Mögen Sie dem deutschen Volke als einer seiner großen geistigen Führer, dessen Lebenswtrk bei de. ge­samten Kult urwett Anerkennung gefunden hat, noch lange erhalten bleiben.

Don der Aniversität Würzburg.

Zur Wiederbesetzung her durch den Weggang des ordentlichen LlniverftaUsprojessors Dr. Paul M o r a w i h nach Leipzig erledigtcn ordent­lichen Professur für innere Medizin ist ein Rus an den ordentlichen Professor an der llniberfität R o sto ck Dr. Erich Grase ergangen. Ferner ist zur Wiederbesehung der durch den Rücktritt deö ordentlichen Llniver'i.'äts- professors Geh. Rates Dr. Eilhard Wiede­mann an der Tlniversität Erlangen erledigten ordentlichen Professur für Experimental­physik ein Ruf an den älniversitätsprofessor Dr. Bernhard G u d d e n in Göttingen ergangen.

400-Iahrfcier eines Nürnberger Gymnasiums.

Das vielleicht älteste Gymnasium Deutsch­lands. das Alte Gymnasium (Melanch- thon-Gymnasium) in Nürnberg begeht in den Tagen vom 28. bis 30. Mai d. I. die 400°Iaht> feier seiner Gründung. Aus diesem Anlaß wird vor dem Ekandbilde Melanchthons ein Gedächt­nisakt ftattfinöen, dem sich ein Festakt im Rat­haus anschließen wird.

AuS der Schschwelt.

Donnerstag, den 7. Januar 1926, wird der Rheinschachmeister W. Orbach in der Freien Schachvereinigung zu Frankfurt am Main eine Simultan Vorstellung gegen 25 Gegner geben. Im diesjährigen Winterturnier der Freien Schachvereinigung zu Frankfurt am Main gingen als Sieger hervor: ilnger 1. Preisträger, Dr. Naumann, Concor 2. und 3. Preis geteilt. 3m Winterturnier des Schachvereins Anderssen zu Frankfurt am Main siegten: I. Preisträger F. Präger. 2. Preis Prof. Dr. Mannheimer, 3. Preis Sauer.

2lus aller Wett.

Erdstoß im Rheinland.

21m 6. 3amtar, ungefähr 20 Minuten vor 1 Tlhr früh, wurde in Krefeld ein heftiger kurzer Erdstoß gespürt. Es scheint sich um ein Beben zu handeln, das im ganzen Rheingebiet beobachtet werden konnte. Beamte des Telegra­phenamts teilten mit, daß d'.e Mehrzahl der nachts mit Beamten besetzten rheinischen Telegraphen- ämter dieselbe Wahrnehmung gemacht hätten. Nach bisherigen privaten Mitteilungen sollen Stühle und andere Gegenstände umgefallen sein.

Einführung der Zugtelephonie.

Wir erfahren von zuständiger «Stelle, daß die bisher zwischen Berlin und Ham­burg.in einigen Zügen versuchsweise erprobte Telephonie vom fahrenden Zuge nunmehr end­gültig am 7. Januar der Oeffentlichkeit zugänglich gernacht wird. Für den Fern­sprechverkehr ist zunächst nur ein Nachrichtenaus­tausch mit Teilnehmern in Groh-Deriin, Witten­berge und Groß-Hamburg möglich

Rundfunkgerät für Dttnd«.

Unter den Blinden die Teilnahme am ün- terhaltungsrundfunk zu ermöglichen, veranstaltet die Ober post direktion Berlin in diesem Monat eine Sammlung. Außer Geldzuwendungen werden auch Empfangsapparate und Einzelteile entgegen^ enommen.

Amerikareifende.

Der Oberbürgermeister von München, Dr. S ch a r n a g e l, ist gestern in Begleitung mehrerer Mitglieder der Münchner Stadtverwaltung mit dem HapagdampferDeutschland" von Hamburg nach Reuyork abgefahren. Mit dem gleichen Schift begibt sich der Wiesbadener Generalmusikdirektor Plem­peret nach Amerika.

Selbstmordversuch Paul Lafsirers.

Der Berliner Kunsthändler und Kunstsammler Paul Cassirer hat gestern nachmittag versucht, durch Erschießen Selbstmord zu verüben. Er ist schwer verletzt ins Krankenhaus eingeliefert worden. Seine Gattin, die Schauspielerin Tilla Durieux, weilt an seinem Krankenlager. Heber die Gründe des Selbstmordoersuchs weiß dieVoss. Ztg." mitzutei- lcn, daß Cassirer seit Jahren schwer herz- leidend ist und wahrscheinlich durch den kürzlich erfolgten Tod feines Bruders niedergebrochen war. Sein Befinden wird von den Aerzten als sehr be­denklich angesehen. Er ist sofort operiert worden.

3n der Trunkenheit zum Mörder.

Der Mordkomission der Berliner Kriminalpolizei ist es gelungen, den Mord an dem Schuh­macher Grau, der in der Silvesternacht mit durchschnittener Kehle auf der Treppe des Hau­ses, in dem seine Wohnung lag, aufgefunden wor­den war, vollständig aufzuklären. Bei näherer IIn-- tersuchung des Rasiermessers, das neben der Leiche Graus gefunden wurde, ergab sich, daß dort der Name Schreiber eingekritzelt war. Als Eigen­tümer des Messers wurde der 23 Jahre alte An­streicher Schreiber festgestellt und verhaftet. Seine Kleidung, besonders die Manschetten des Oberhemdes, waren stark mit Blut besudelt. In dem Verhör erklärte er, er sei so stark betrunken gewesen, daß er sich auf nichts mehr b e f i n n e n könne. Er könne die Tat weder zugeben noch be­streiten. Das Rasiermesser erkannte er als fein Eigentum an. Den Schuhmacher Grau hat her Ver­haftete gar nicht gekannt.

Brandstifter.

Der MühlenbZitzer Georg Hausler in Aufhausen bei Nördlingen hatte im Frühjahr vorigen Jahres seine Mühle durch seinen Mullerb:,. scheu Rieder anzünden lassen mit bem Erfolg, daß das 'Besitztum völlig nieder­brannte. Die Sache kam aber ans Tageslicht, und nun erhielt Rieder 3 Jahre und sein Herr als Anstifter 3 Jahre 7 Monate Zuchthaus.

Beim Fensterln verunglückt.

Beim Fensterln verunglückt ist ein led'ger Fabrikarbeiter in Goldkronach (Oberfr.). Hm fein Ziel zu erreichen, mußte er über das Dach eines Anbaues klettern. Dabei hielt er sich an einem Kamin fest, der zusammenbrach und den Arbeiter mit in die Tiefe riß. Durch die nachstürzenden Steimnassen wurde der Kops des Llnglücklichen furchtbar zugerichtet.

Schafe von einem wildernden Hunde zerriften.

Vor einem wildernden Hunde wurde in der Schäferei Verstand bei Wittdorf 24 Schafe zerrissen. Das Tier wurde vom Landjäger er­schossen. Sein Besitzer wird den entstandenen Schaden von etwa 600 Mk. ersetzen müssen.

Wettervoraussage.

Vorübergehend aufklärend, harnt meist be­deckt, frische westliche Winde, etwas milher^ später wieder Niederschläge.

Wir kommen nunmehr in den Bereich des starken Fallgebietes, dessen Kern heute noch immer südlich von Island lagert. Regnerisches stürmisches Wetter wird in den nächsten Tagen vorherrschen, während die Temperaturen zunächst noch etwas ansteigen, dann aber aufs neue finken werden.

Gestrige Tagestemperaturen Maximum 7,6. Minimum 3 Grad Celsius. Heutige Morgen- temperatur: 3,5 Grad Celsius.

Aus der Nrovinzialhauptstadt.

Gießen, den 6. Januar 1926.

Kulturelle Tagung in Götzen,

vierter lag.

Den ersten Vortrag hielt

.Profeffor Dr. Huntemüller

über die Erhaltung und Mehrung der deutschen Volkskraft.

2er Krieg brachte uns eine große Schwächung der Volkskraft an Quantität und Qualität. Besonders der qualitative Verlust fällt ins Gewicht, da der gute Stamm junger Männer im Felde stand und für die Fortpflanzung nicht in Betracht kam. Sehr starken Einfluß übte die Hungerblockade aus, die unsere Jugend körperlich schwächte. Der Rückgang der Geburten bedeutet eine Minderung unserer Volkskraft. Betrübend ist die Tatsache, daß nicht nur Zeiten der Rot und Verarmung, sondern gerade Zeiten des Wohlstandes einen Geburtenausfall zei­gen. Mit dem Wachsen der Ansprüche macht sich ein materialistischer Egoismus breit, bem es lästig ist, für eine gute Nachkommenschaft zu sorgen; das beweist uns treffend der Geburtenrückgang in Deutschland vor dem Kriege. Geburicnausfall in Zeiten der Nöt geht meist auf Kosten der Qualität, denn die guten Elemente im Volk scheuen sich, ihre Nachkommen einem ungewissen Los auszusetzen und mindern deshalb deren Zahl herab, während die Minderwertigen derartige Hemmungen nicht kennen. Nach dem Vorbild der Chinesen müssen wir Be- oölkerungspolitik und Bodenreform treiben, wenn wir zu gesunden Zuständen zurückkehren wollen, und nicht dürfen wir im Materialismus versinken.

Nachmittags sprach

Professor Dr. Huntemüller über die Bedeutung der Leibesübung für die Jugenderziehung.

Harmonisch gleichmäßige Ausbildung der törper- lichen und geistigen Kräfte, die im Menschen schlum­mern, muß uns heute Erziehungsideal fein, wie es schon dos der Griechen war. Der Mensch ist abhän­gig von dem Gute, was er bei der Geburt als Erb­schaft auf de« Weg mitbekommt, und von seiner Um­welt, so vor allem von Ernährung, Wohnung und Erziehung. Soweit nun das Erbgut schlechte Ver­anlagungen enthält, kann man diese durch Erziehung zugunsten guter, bis dahin weniger entwickelter Eigenarten zurückdämmen. Daß auf körperliche Er­tüchtigung viel zu wenig Wert gelegt wird, ersieht man schon daraus, daß bei weitem die Mehrzahl der zum Militärdienst Untauglichen nicht aus Kranken, sondern aus Engbrüstigen bestand, und baß ber Prozentsatz ber zum Militärdienst Tauglichen zwi­schen 20 und 30 o. H. schwankte. Das Geräteturnen der Turnvereine bildet kräftige Muskeln, vernach­lässigt aber die Ausbildung von Herz und Lunge. Großer Wert ist auf bas Nacktturnen im Freien zu legen; denn es ist von höchstem gesundheitlichem Wert, die Haut den Sonnenstrahlen auszusetzen. Durch Sonnenbehandlung kann ber Dolkskrankheit ber Tuberkulose, ber englischen Krankheit u. a. m. erfolgreich entgegengetreten werben. Heilkunst und Gymnastik stehen so in engster Beziehung zuein- anber. Und nur ein gefunber Körper ist auch lei­stungsfähig. So gliebert sich denn die Gymnastik ein in dem Streben nach Stärkung des Volksganzen.

* Der Tag wurde beschlossen durch einen Vortrag von

Oberst 3manuel über den erzieherischen wert des allen Heeres.

Den geschichllichen Ursprung unseres alten Heeres bildete die Armee Friedrichs des Großen, die, wenn auch von Haufe aus aus schlechtem Material, durch strafte Disziplin zu der Truppe erzogen worden war, die sich im Siebenjährigen Kriege be­währen sollte. Nach Friedrichs II. Tod schlief man auf den Lorbeeren dieser großen Vergangenheit ein. Die Folge war der Zusammenbruch im Jahre 1806. Doch Scharnhorst schuf aus den Trümmern eine von neuem Geist beseelte Wehrmacht. Zugleich wurden die sittlichen Strafte der Jugend erweckt und sie im Sinne der Wehrfähigkeit erzogen. 1814/15 wurde die allgemeine Wchrpflicht ein­geführt und das Heer geschaffen, dem Preußen seine Vormachtstellung verdankte. Denn durch dieses Heer war Preußen in der Lage, sich selbst in feinen Stämmen zu einigen und auch den nationalen Fort- schritt zu fördern. Die Standesunterschiede wurden Überbrückt; Gehorsam, Verantwortlichkeitsaefühl und Gemeinschaftsgeist waren die Folge ber Wehr- pflicht. 1870 erlebte bieses preußisch-deutsche Heer feinen Höhepunkt, von dem es bis 1918 nicht mehr herabsank. Und selbst ein Marschall Fach mutzte anerkennen, daß es eine ftahlhärtere Armee als die deutsche nicht gegeben habe. Doch trotz dieser glän­zenden Erziehung unterlag das Heer ber lieber- macht. Der alte Geist aber lebt fort in bem kleinen Reichsheer. Die Jugend müßen wir körperlich unb sittlich schulen im Gedanken an das Vaterland. Ein Volk, das das Selbstbewußtsein nicht verliert, kann nicht untergehen. Hn.

SLandesamIsnachrrchten aus Hessen.

Nach den Mitteilungen der Zentrale für die Landesstatistit waren tm dritten Quartal 1 9 2 5 bzw. 1 924 zu verzeichnen: Gestorbene 1925: 3213. 1924: 3159; Eheschließungen: 1925' 2461, 1924: 2174; Lebend geborene: 1925 6625. 1924: 6336. An Todesursachen wurden festgesteUt (Die in Klammern gesetzten Zahlen bedeuten 1924 gleich? Zeit): Ang?bliche Lebensschwache und Bildungsfehler 153 (167); Altersschwäche 405 (395); Kindbettfieber 12 (bf.- andere Folgen her Geburt oder des KiudbetteS 16 (15); Scharlach 2 (3); Masern und Röteln 26 (1); Diphtherie 6 (9); Keuchhusten 27 (15); Typhus 5 (7); Rose 9 (6); andere Wundinsek- tiorrskrankhriten 45 (41); Tuberkulose der Lungen 234 (244); andere Organe 76 (70), akute all­gemeine Miliar-Tnberkülose 11 (11); Lungen- entzündung 196 (157); Influenza 12 (21); andere übertragbare Krankheiten: Venerische Krank-