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Nr. 4 Erstes Blatt

176. Jahrgang

Mittwoch, 6. Januar 1926

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheflen

vniü und Verlag: vrühl'sche lluiverfitöls-Buch- und Stcinöruderet R. Lange in Sietzen. 5chriftlettung und Geschäftsstelle: Schulttratze 7.

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Dr Friedr Will). Lange. Verantwortlich.

für Politik und Feuilleton Dr. Friede. Wilh. Lange; für den übrigen Teil Ernst Biumschcin: für den An­zeigenteil Hans Züfiel, jämtlich in Gießen.

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Intriguen.

Gegen den Generalobersten n. Seeckt wird seit einiger Zeit wieder einmal mit allen Mitteln intriguiert. Die Geschichte fing ganz harmlos an mit einer Andeutung, daß auf englischer Seite die Einladung zum Frühstück, die der Chef der Heeresleitung an den rußrschen Außenminister Tschitscherin hatte ergehen lassen, übel vermerkt worden sei und einen offi­ziellen Schritt des englischen Botschafters ver­anlaßt ^habe. Ratürlich ein glatter Schwindel Wir würden es uns schon verbitten, wenn uns von außen her Vorschriften gemacht wurden dar­über, mit wem unsere Offiziere frühstücken dür­fen. Die Engländer sind auch viel zu klug, als daß sie auch nur indirekt sich eine Einmischung erlauben würden. Der Zweck der Hebung aber war der. den General v. Seeckt als den Mrttel- punlt aller derfenigen Kräfte zu kennzeichnen, die gegen die Außenpolitik Sturm laufen, ihn also gewissermaßen zumKoPf einer Oppo» sition zu stempeln, die sich nicht allein gegen den Außenminister, sondern auch gegen den Reichspräsidenten selbst richtet. Dieses Schel- incnstück ist mißlungen. Jetzt sotten die Spuren verwischt werden mit der Behauptung, daß die ganze Intrigue von Graf Brock- dorff ausgegangen sei. Soweit braucht man gar nicht zu suchen: wenn das Auswärtige Amt sich wirtlich die Mühe machen wottte, den Fä­den nachzuspüren, die hier gesponnen wurden, dann wird es die geistigen Leiter sehr wahr­scheinlich irgendwo in der Rähe der Sozial» denwkraten und des linken Zentrumsflügels finden.

Gerade diesen Kreisen nämlich ist von jeher Herr v. Seeckt eine unheimliche Größe gewesen, weil sie nicht recht wissen, was sie mit ihm anfangen sollen. Er paßt in ihre Schablone nicht und am liebsten wäre es ihnen schon, wenn sie gleichzeitig mit der Beseitigung des Reichs-- wehrministers Gehler auch Herrn v. Seeckt kalt stellen könnten. Sie sollten ihm dankbar sein, dafür, daß er aus den Trümmern deS alten Heeres eine kleine, aber zuverlässige Reichswehr geschaffen hat, die heute die stärkste Stütze der Republik ist, sie sollten ihm dankbar dafür sein, daß er der ruhende Pol in der Erscheinungen Flucht ist, der jeden Putsch, ob er von rechts oder links kommt, mit der gleichen Zuverlässigkeit Niederschlagen wird. Statt dessen wühlen sie gegen ihn und empfingen es schmerzlich, daß der Reichspräsident in betont herzlicher Art dem ersten Offizier der Reichswehr den Rang des Generalobersten verliehen hat.

Rachdem nun der erste Versuch aus dem Umwege über England mißlungen ist, fetzen die Sozialdemokraten zu einem zweiten Stob an, indem sie aus dem Etat der Reichswehr für das nächste Jahr Anklage gegen das ganze System zu schmieden trachten. Sie rechnen heraus, daß die Steigerung der Ausgaben von 1925 zu 1926 beim Heeresetat 66 M.llionen betragt und beim Marineetat 471,'. Millionen. Das sind 25 Prozent der Gesamtausgaben mehr als im Vor­jahre. Rechnet man sich allerdings die Zahlen einmal zusammen, dann verschiebt sich das Bild ganz wesentlich. Beim Heer werden allein 34 Millionen für Ergänzung und Auffrischung der Bestände und 11 Millionen zur Vervollständigung der Verteidigungsmittel angefordert. Das sind allein schon 45 Millionen, während bei der Ma­rine zwei kleine Kreuzer, sechs große und ein kleines Torpedoboot neu gebaut werden sollen.

Man denke! Diese bescheidenen Mittel, die kaum für die Verteidigung geeignet sind, die bestenfalls dazu dienen können, die deutsche Flagge wieder einmal in fremden Häsen zu zeigen, sotten eine Gefährdung des europäischen Friedens dar­stellen. Während rings um uns immer noch die Welt in Waffen starrt und die Siegerstaaten sich alle erdenkliche Mühe geben, die Abrüstungs- konserenz zu sabotieren, bevor sie angefangen hat, macht derVorwärts" auf der ersten Seite im Fettdruck die Spione der Kontrollkommission darauf aufmerk'am, welchegewaltigen" Sum­men in Deutschland für Zwecke der Reichswehr zur Verfügung gestellt werden! Gewiß, hätte die Revolutionsregierung nicht die ganze deutsche Flotte mit roten Fahnen nach Scapa Flow hin- überfobren lassen, dann brauchten wir jetzt viel­leicht keine neuen Kreuzer zu bauen. Aber dafür ist doch schließlich niemand anders verantwort­lich, als dieselben Herren, die sich jetzt darüber aufregen, daß wir ein Minimum an Küsten- oerteibigung im Rahmen dessen, was uns ge» stattet ist. neu schaffen wollen. Im Reichstag wird sich die überwiegende Mehrheit auf den Stand­punkt stellen, daß das kleine Heer, über das wir heute noch verfügen, wenigstens zur Verteidigung hinreichend gerüstet sein muh.

Ium Haushaltsplan der Reichswehr.

Berlin, 6. 3an. (Täl.) Amtlich Heber den Haushaltsentwurf der Reichswehr sind Mit­teilungen verbreitet, die irrige Anschau­ungen zu erwecken geeignet lind. Für den Heereshaushalt sind für 1926 64 Millionen Mark mehr angefordert worden als für 1925. Hiervon entfallen über zwei Drittel, nämlich 45,5 Mil­lionen Mark, auf die allgemeinen Ge- haltserhohungen, die im vergangenenIahr eingetreten find. Die im Vertrag von Versailles festgesetzte Zahl der Offiziere, Beamten, Unter» Offiziere und Mannschaften hat sich nicht ge­ändert. Die weiteren 18h Millionen Mark dienen nicht umfangreichen Anschaffungen an Waffen und Munition, sondern finden ihre Erklärung in der Erhöhung aller Gestehungs­kosten seit dem 1. April 1925. Diese wird auch

Der Budapester Fälfcherskandal.

Geständnis des Prinzen Windischgraetz. - Neue Verhaftungen.

Budapest, 5. Ian. (Tül.) Die Ermitt­lungen in der Frankcniälscherasf.ire tt> ri)en eifrig fortgesetzt. Ministerpräside it Graf Bethlen erklärte, daß der moralische Sumpf um jeden Preis ausgetrocknet werden müßte. Die Regie­rung will mit größter Schärfe g?gen die Fälscher Vorgehen. Die Oppostt >onsparte.en, die der Regierung zunächst scharfe Vorw irfe wegen ihres angeblich viel zu milden Vorgehens mach­ten und daher die sofortige Einb.rufung des Parlaments forderten, haben j.ht die Haltung der Regierung gebilligt und von der E n- berufung des Parlaments Ab'iand genommen. Die Presse stellt fest, daß dir Frankenfälschungen auf den Kurs des ungarischen Geldes an den ausländischen Börsen f inen E nfl ß g habt hab n und daß die heute in London aufgelegt? Agrar­anleihe überzeichnet worden sei. Das w cht'gste Ereignis der Banlfälsch?raifäre ist ein teilweises Geständnis des Prinzen Windisch- graeh, der zugibt, es tatsächlich übernommen zu haben,im Dienste einer patriotischen Sache die Altion des Herrn Obersten Iancowitz zu fördern". Die polizeiliche Feststellung hat mit ziemlicher Sicherheit festgestellt, bafl

die Gerätschaften für die Fälschung nach dem Schloß des Prinzen Windischgraetz gebracht worden sind, in dessen Kasematten sie verborgen sein dürften. Die polizeiliche Unterfu^unq soll neuen Komplizen auf der Spur fein. In der letzten Rächt wurde ein Zintograph vrhaftet.

Es wurde weitcr festgestellt, d'ß Prinz Win- dischgraeh pekuniär vollständig rui­niert ist und mit großen finanzicllen Schwierig­keiten zu tänrpfrn hatte, sodaß die Behauptung, er hab? aus patriotischen Gründen die Frank- fälschungen unterstützt, nicht stichhaltig ist. Heute wurde ein Mann von der Polizei verhaftet, der sich einen mit doppeltem Boden versehenen Koffer bestellt hat, in dem Effekten so untergebracht werden können, daß sie bei der Zollrevision nicht zum Vorschein gelangen. Der Verhaftete, namens Stephan Winkler, hat zugegeben, diesen Koffer den Franksälschern übermittelt zu haben. Ferner tourbe der pensio­nierte Beamte Eugen Olchvary in Hast, ge* nommen, der ein Bruder des in Hamburg verhafteten Edmund Olchvary ist und mit ihm in ständiger Verbindung stand. Als Olchvary den Eindruck gewann, daß es der Poli­zei alsbald gelingen wird, in der Angelegenheit der Frankenfälschung den Tatbestand aufzudecken, schickte er aus Wien an Edmund Olchvary eine Depesche und machte ihn darauf aufmerksam, seine Aktion einzust eklen und ohne Ver­zug nach Budapest zurückz k-hren.

Dieses Telegramm wurde von der Hamburger Polizei beschlagnahmt,

die die Budapester Oberstadthauptma mschaft ver­ständigte, indem sie g.'e.chzeitig mitteilte. daß b.i Edmund Olchvary mehrere hundert Stück falsche Franknoten gefunden wurden. Auf Grund einer Verständigung wurde von der Polizei auch eine Kopie des Wiener Telegramms beschafft und Eugen Olchvary verhaftet. Die Budapester Polizei hat auf Grund der in Hamburg erfolg­ten Verhaftung Recherchen vorgenominen, die oon Erfolg gewesen sind. Es besteht kein Zweifel, daß es sich bei dem Verhafteten um das Mitglied einer und derselben Bande handelt, der auch die im Haag und in Budapest Verhaf­teten angeboren. Di? Mitteilungen der Ham­burger Polizei verhalfen der Budapester zu wert­vollen Informationen, auf Grrmd deren fest­

gestellt wurde, daß von den bisher Verhafteten, namentlich Stephan W'.nller und der Privat­sekretär Raba, mit dem in Hamburg verhafteten Olchvary in engen Drehungen standen. Alle Mitglieder der Bande scheinen Kreaturen von Windischgraetz gcto.fe.i zu sein. Prinz Windischgraetz gab diesen Leuten an, einen legi- timist, schon Putsch ausfuhren z". wollen, scheint aber zugunsten von Crzh rwg Abrecht gearbeitet zu haben. Windischgraetz sieht übr gens seit V/s wahren unter Kuratel, da er

fein Vermögen durchgebracht

hat. Seine Frau, eine viel bewunderte Schönheit, sandte er mit seinen Kindern nach dem Schloß Sarospatak. Es wird behauptet, daß diese völ­lig mittellos sind. Der Chauffeur des Prinzen Windischgraetz, der durch di? Polizei vernommen wurde, hat ausgesagt, daß der Prinz und sein Sekretär häufig in entlegene Stadtteile gefahren wären, dort den Wa­gen verlassen hätten und dann in Rebenstraßen verschwunden wären. Rach ein bis zwei Stunden wären sie dann zurückgelehrt. Eine andere Aus­sage stammt von einem Journalisten, den Prinz Windischgraetz beauftragt hatte, in Wien wegen einer Anleihe zu verhandeln. Gegen Weih­nachten habe der Prinz dann seinen Auftrag zurückgezogen, offenbar weil er bereits die Mit­teilung erhalten hatte, daß die Plazierung der falschen Frankennoten geglückt sei. Wie bekannt wird, hatte der Prinz bereits fällige Schulden in Höhe von 5 Milliarden un­garischen Kronen. Landespolizeichef Emmerich R a d o s s h wurde heute abend verhaftet. Seine Festnahme erregte noch mehr Aufsehen als diejenige des Prinzen Wjndisch-graeh ,da er sich allem Anschein nach nicht nur der Dorschub­leistung, sondern der direkten Beteili­gung an der Falschmünzerei schuldig gemacht hat. Auch der Abg. Dr. 111 a i n ist heute abend verhaftet worden.

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Zum Thronverzicht des

Prinzen Karol.

Berlin, 6. Ian. (TU.) Wie derLokal- anzeiger" aus Rom meldet, trifft die Königin Maria von Rumänien am Mittwoch zur Teil­nahme an der Trauerfeier für die verstorben« Königin-Mutter Marghuerita ein. Wie verlautet, beabsichtigt die Königin, sich in den nächsten Tagen nach Mailand zu begeben, um in der Scheidungsangelegenheit ihres Sohnes, des Prinzen Karol, vermittelnd eiirzugreifen. Die Kronprinzessin Helena ist am Dienstag in Mailand eingetroffen, um den Versuch einer Aussöhnung mit dem Kronprinzen zu unter­nehmen. Rach anbern Berichten begibt sich He­lena direkt zu ihrer Mutker nach Florenz, ohne in Mailand mit ihrem Gemahl, dem Prinzen Karol, zusammenzutreffen. Von dort werde sie weiter nach Palermo reifen, um an den Feier­lichkeiten am Todestage des Königs Konstantin von Griechenland teilzunehmen.

Der rumänische S ch a tz m i n i st e r ist in Mailand eingetroffen. Hinsichtlich der politischen Beziehungen des Prinzen eriTärte er in einem Interview, daß dieser mit General Vvarescu, dem Führer der Opposition, sehr freundschaftliche Beziehungen unterhalte. In Mailand wird die Ankunft eines rumänischen Würdenträgers er­wartet, der dem Prinzen den Beschluß des ru­mänischen Kronrates überbringen sott.

durch die genannten 18,5 Millionen Mart noch nicht ausgeglichen. Die in der Finanzlage des Reichs begründete Rotwendigkeit zu sparen, hat nicht einmal zugelassen, bei der Auffrischung der Waffen und Munition die Möglichkeiten zu erschöpfen, die den Festsetzungen der Interalli­ierten Militärkontrollkommission entsprochen hätten.

Doumers Sanierungsplan.

Paris, 5. Jan. (WTB.) Finanzminifter D o u- m e r hat heute den endgültigen Text seines Finanzgesetzes der Kammer unterbreitet.' In der Begründung des Antrags heißt es: Der Kredit des Staates ist schwer erschüttert. Man kann ihn wieder Herstellen dadurch, daß man ein für allemal erklärt, daß nicht von gefährlichen Not­behelfen, die man mit dem Namen Konsolidierung belegt, aber in Wirklichkeit den Namen B a n t r o ft verdienen, die Rede fein kann. Die schwebende Schuld Frankreichs ist nicht nur durch ihr Gewicht erdrückend, sondern doppelt beunruhigend durch ihre Zusammensetzung. Die Bonds der na­tionalen Verteidigung haben dem Schatzamt nur ge­ringe Einnahmen gebracht, es jedoch dazu verurteilt, in einem Zustand unerträglicher Unsicherheit zu leben. Es wäre ein großer Irrtum, zu glauben, daß das Budgetproblem des Schatzamtes und das Problem der Währung unabhängig voneinander seien, und daß jedes einzelne dieser Probleme durch eine be­sondere Lösung geregelt werden könne. Ein Anleihe­projekt könne die Währung in solider Weise festigen und in Bälde die für ein regelmäßiges Wirtschafts­leben unerläßliche Stabilität geben. Da der Budgetausgleich die Vorbedingung für die Sanie­rung der Währung sei, müsse dieser gegen d i e Bedrohung durch eine unftabile Wäh­

rung geschützt werden. Das Ziel, das man er­strebe, könne erreicht werden durch Sparsam­keit, durch Entwicklung des Ertrages der bestehen­den Steuern und durch neue Steuerquellen. Was die neuen Steuerquellen anlange, so müßten sie ge­statten, die Bedürfnisse des Schatzamtes zu decken. Sie müßten aber sofort realisierbar fein. Aus diesem Grunde sehe sich die Regierung veran­laßt, im Rahmen der jetzt bestehenden Steucrorga- nijation die für die augennblirflid) nötigen Be­dürfnisse erforderlichen Einnahmequellen zu schaffen.

Pressefreiheit in Südtirol.

Innsbruck, 5. Ian. (WTB.) DieInns­brucker Nachrichten" melden, daß gestern die Meraner Zeitung" mit der Begründung beschlagnahmt worden sei, das Blatt ver­letze durch seine Schreibweise das Wesen des italienischen Vollstums.

Der Erzberger-Mörder Schulz verhaftet?

Linz 6., Ian. (Täl.) Nach derLinzer Tagespost" sott am Montag von der Gendar­merie des Bades A u s s e e auf der Suche nach einem Wechselfälscher der Mörder^ Erzbergers, Schulz aus Saalfeld an der Saale, ver - haftet worden sein. Schulz gab an, ein Kame­rad Tilles sens zu sein. Er wohnte unter dem falschen NamenEdgar von Pachmann, Kaufmann aus München" bei dem Kaufmann Verger in Bad Außer. Die deutschen Behörden sotten von der Verhaftung des Schulz verstän­digt worden sein. Eine Bestätigung dieser Nach­richt liegt weder in Berlin noch in Wien vor.

Die Hochwasserschäden in der Nyeinprovtnz.

Koblenz, 5. Ian. Der Ober Präsident der Rheinprovinz h?.tt? heue vormittag Vertreter der Presse zu einer eingehmdon Aus­sprache über die Hochwasserl'tastro^he, hie da­durch entstandenen Schäden und die LI t.rstrtzu:g der Geschädigten aus Staatsmitteln eingeladen. Der Obnpräsidmt schilderte die ungeheure i Aus­wirkungen der Katastroph? im gesamten Rhein­land, die einen G e s a m t s cha d e n v o -> schät­zungsweise 25 Mill. Mark X) roorge- rufen h. bm gegenüber 18 Millionen im Iayre 1924. Ein weiter r großer Sch den sei durch die treffliche Organisation d r Hochwassermeldestelle der Rheinstromb.uv?rwaltung verhindert worden. Run heiße es für den Staat wie 1921 und 1924 die durch des Hochwasser geschädigte Bevölkerung der Rheinprovinz zur Beseitigung der Schäden zu unterstützen. Durch b'S Hoch­wasser seien im Bezirk Koblenz etwa 6?00 neue Erwerbslose hinzugekommen. Man hoffe, daß aus ben Mitteln der Crwerbslosenfnrsorge des Staates diesen Erwerbslosen g'halfen wer e. Weiter hoffe d'.e rheinisch: Devö.l'erung, daß man bei der Regulierung der Schäden das weit­gehendste Verständnis für ihre nicht nur durch das Hochwasser, sondern auch durch den K neg und die Nachkriegszeit mit ihrer schweren Be­satzung hervorgeruf ne Verarmung zeige. Die ersten Mittel der Regierung wurden durch d s Entgegenkommen deö Ministers deS Iimern. Severing, einmal mit 503ODO und mit 300CCO Mark zur Abwendung der dringend­sten Schäden verwendet. Minister Seveä g Habs in einer Besprechung in Düsseldorf zu^e° sagt, eine weitere älnterstützung in Höhe von einer Million Mark vom preußischenSfaat den Geschädigten zukommen zu lassen. Weiter­hin erhvf,t die rheinische Devötterung von staals- toegen ein Darlehen von 2 Millionen Mark auf 10 Iahre zu erhalten.

Der Berichterstatter für die Hochwasserangelegen- beiten, Regierungsrat Heller, schilderte dann die Hochwasserschäden in den Jahren von 1784 bis heute und legte dar, daß dieses Hochwasser nicht aus irgendwelchen technischen Gründen entstanden, sondern lediglich durch die ungünstige Wet­terlage beeinflußt worden sei. Die Schnee- massen im Schwarzwald, in der Eifel, in den Vogesen ufro. hätten in erster Linie dieses große Hochwasser bewirkt. Dazu kamen dann noch die großen Regenmengen der letzten Wochen, die das Hochwasser noch verstärkt hätten. Im Regie­rungsbezirk Koblenz betrage die Zahl der be schädigten Häuser 19 392, die Zahl der betroffenen Familien 17768, die Zahl der durch das Hoch­wasser erwerbslos Gewordenen 63 182. Koblenz-Stadt habe allein einen Schaden von zwei Millionen: Koblenz-Land habe 5100 beschädigte Häuser. Der Gesamtschaden im Regierungsbezirk Koblenz belaufe sich schätzungsweise auf 14 Mill. Mark, der der Stadt Köln auf 2,5 Millionen Mark, der in Köln-Land auf 700 000 Mark, der von Bonn- Land auf eine Million Mark. Im S i c g- kreis berechne man den Schaden auf ungefähr 1,9 Millionen Mark. Diese Zahlen seien jedoch nur vor läufig und könnten nicht als endgültig angesehen werden. An manchen Stellen schätze man den Scha­den auf bedeutend höhere Summen. Besondere Sorge habe dieses Hochwasser bei dem Deich schutz am Niederrhein hervorgerufen. An manchen Stellen habe man den Einbruch der Dämme befürchtet, der einen kaum zu übersehenden Gehaben hervorgerufen haben würde. Die Provinz denke daran, diese Deiche mit allen Mitteln wieder instandzusetzen und sie für ein etwaiges künftiges Hochwasser widerstandsfähig zu machen. An diese Besprechung schloß sich eine Fahrt nach Neuwied unb Andernach an. In Neuwied sind 80 Prozent der bebauten Stadt unter Wasser, davon insgesamt 1000 Wohnungen unb 200 Labengeschäfte. In A n - bemach ist ber Schaben nicht so groß, weil bort tue Wasserhöhe nur einen Stand von 2 Meter er­reicht hat.

Staatliche Hilfe für die Hochwassergeschädigten.

Düsseldorf, 5. Ian. i Wolfs.) Heute sand in 'Düsseldorf eine Sitzung des Rheinischen Pro- vinzialausschusses statt, an der auch die preußi­schen Minister Severing und Hirthsiefer teilnahmen. Es wurde u. a. beschlossen, für die vom Hochwasser Geschädigten 200 000 Mark zur Verfügung zu (teilen. Eine weitere Beteiligung des ProvinzialverbandLs könne nur so erfolgen, daß zu ben von Reich und Staat zur Verfügung gestellten Mitteln ein Zuschuß bis zur Höhe von zwei Millionen Mark von der Provinz in der Weise gegeben würde, daß der zuschießende Be­trag vom Provinzialverband aus Reichs- oder Staatsmitteln als Darlehen zu einem er­mäßigten Zinsfuß gegeben und vom Pro- vinzialverband in zehn Iahren verzinst und ge­tilgt wird. Die Landerbank sei fernerhin bereit, den Stadt- und Landkreisen Vorschüsse bis zrcm Vetrage von zwei Millionen auf ein Iahr fest zu einem gegenüber den sonstigen Kommunal­darlehen ermäßigten Zürssatze zu gewähren. Mi­nister Severing erkannte die außerordentlich schwere Notlage der Rheiirprovinz an unb tagte zu, daß bereits in den nächsten Tagen weitere Mittel seitens der Reichs- und Staatsregierung zur Linderung ber ersten Rot zur Verfügung gestellt würden.

Zur Linderung ber Rot bet Fochwasserge- schädigten hat Reichspräsident v. Hin­denburg den Betrag von 200 000 Mark auS seinem Dispositionsfonds zur Verfügung gestellt.