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Wirtschaft.

Die amtliche Großhandelsindex- Ziffer. Die auf den Stichtag des 3. November be­rechnete Großhandelsindexzisfer des Statistischen Reichsamtes ist gegenüber dem 27. Oktober um 0,7 v. j). auf 131,5 zurückgegangen. Von den Haupt» gruppen haben die Agrarerzeugnisse um 0,8 o. H: auf 136,3, die Jndustriestoffe um 0,3 o. H. auf 122,6 nachgegeben. Im Durchschnitt Oktober ist die Ge­samtindexziffer gegenüber dem Durchschnitt Septem­ber um 2,7 v. H. auf 130,2 gestiegen. Die Gruppen­indexziffer der Agrarerzeugnisle hat im Durchschnitt Oktober bei gestiegenen Getreide- und Kartoffelprci- sen auf 133,9 angezogen, die Gruppenindexziffer der Ändustriestoffe dagegen bei rückläufigen Preisen für Textilroh- und Halbstoffe auf 123,3 nachgegeben.

WSN. Belebung des Siegerländer Erzbergbaues. Von zuständiger Stelle wird mitgeteilt, daß infolge der im Juni dem Siegerlän­der Erzbergbau gewährten Reichsbeihilfe von 2 Mk. pro Tonne die Förderung im Monat September auf 225 000 Tonnen gestiegen ist. Dabei ist zu beachten, daß die Produktion im Monat Juni nur 70 000 Tonnen betrug, und daß sich die durchschnittliche Produktion nur auf ungefähr 200 000 Tonnen stellt. Durch die Belebung konnte die Zahl der Belegschaft um 4000 erhöht werden. Die Gesamtbelegschaft mochte früher ungefähr 14 000 Mann aus. Sie ging in der Zeit der schweren Erzkrise auf 3000 her­unter und ist jetzt wieder auf 7000 gestiegen.

Berliner Börse.

Berlin, 5. Rod. Bach dem stürmischen Geschäft der letzten Tage trat heute eine we- sentliche Beruhigung ein, die auch zu einem Stillstand der allgemeinen K u r s - st eigerungen führte. Bei Festsetzung der ersten Kurse kam beträchtliches Material in eini­gen Terminpapieren an den Markt, das nur zu ermäßigten Kursen Aufnahme fand. Die Ten­denz war daher anfangs uneinheitlich: die Rück­gänge betrugen aber im allgemeinen nicht mehr als zwei Prozent und nur in vereinzelten Fäl­len, wo ein besonders scharfer Kursauftrieb vor­angegangen war, drei bis fünf Prozent. (3. - G.° Farben.) Später konnte sich wieder eine freund­lichere Stimmung durchsetzen, als sich heraus- steilte, daß nach Montanaltien (besonders Kohlenwerten) unter Führung von Phönix und Rheinstahl nach wie vor starke Rachfrage vor­handen war. Die Widerstandsfähigkeit fast sämt­licher Rebenmärkte und die flüssige Lage des Geldmarktes bvten Anlaß zu den gegen Ende der ersten Dövsenstunde auftretLn- den Besserungen, die jedoch im allgemeinen klein blieben Lagesgeld stellte sich auf 5 bis 6,5 Prozent, Monatsgeld 6 bis 7 Prozent. 3m Devisenverkehr verursachte die Gold­verschiffung nach Deutschland ein stär­keres Anziehen des Dollarkur es, der sich gegen die Reichsmark auf 4,2085 stellte und damit den höchsten Stand seit der variablen Rotierung erreichte. Paris schwächte sich gegen Londvni nach der gestrigen starken Befestigung ab und stellte sich aus 145,75. Mailand gegen London 113.-.

Frankfurter Börse.

Frankfurt a. M., 5. Rov. Tendenz: schwächer. Rach der gestrigen stürmischen Hausse war die Stimmung heute etwas be­ruhigter. Die Tlmsatztätigkeit hat sich stark vermindert und nahm nur in einigen Spezial- werten einen etwas größeren Almfang an. Die Tlnficherheit, die sich am Dorabend bemerkbar machte, lieh sich auch heute feststellen, doch war vorbörslich ein fester Unterton der Börse unver­kennbar. Die Spekulation disponierte etwas vor­sichtiger, indem sie sich ruhig und zurückhaltend verhielt. Das 3nteresse erstreckte sich in der Hauptsache auf 3. G. ° F a r b e n und einige M o n t a n a k t i e n, die weiter leicht gesteigert waren. Das Geschäft in heimischen An­leihen begann unter Führung von Kriegs­anleihe aufzuleben, als Ursache für diese Do- wegung wurde auf die stark gesteigerten Kurse der Auslandrenten verwiesen, wodurch ein DClv'.sser Ausgleich der Kursanlagen notwendig geworden sei. Kriegsanleihe zog auf 0,8 an, wäh- rend Schutzgebiet niedriger wurden. Bei Be­ginn des amtlichen Verkehrs kam es zu einem f TenLenzumschwung infolge von Gewinnsicherun­gen. Die Baissespekulation unternahm . einen erfolgreichen Vorstoß und suchte Material abzugebrn, was zu einem Kursdruck vcn 3 bis 4 Prozent führte. Bei 3. - G.- Farben wirkte sich der Rückschlag empfind­licher aus. Der Kurs stellte sich auf 373 Prozent bis 370 Prozent (minus etwa 7 Prozent). Montanaktien waren im allgemeinen bis zu 3 Prozent schwächer. Am Elektrvmarkt betrugen die Abschwächungen etwa 2 Prozent. Licht und Kraft konnten um 0,5 Prozent an­ziehen. Der Dankenmarkt hatte Rückgänge von. 1 bis 3 Prozent auszuweisen. Deut'tcha und Metallb.mk je minus 2 Prozent, Commerz minus 1 Prozent, stärker gedrückt Darmstädter minus 3,62 Prozent. Bayrische Hypotheken ge­halten. Schiffahrtsaktien gaben 1 bis 2 Prozent nach. Bon Zellstoffaktien wa­ren Daldhes stärker abgeschwächt (minus 3,5 Prozent), die übrigen Werte dieses Gebietes büßten 1 bis 2 Prozent ein. Auto-Aktren bröckelten ab. Kleyer minus 1,5 Prozent, dagegen konnten sich Hansa-Lloyd um 3 Prozent brs .stigen. Daustoss - und

Zuckeraktien schwächer, nur Holzmann gehalten. O e l a k t i e n konnten ihren Kurs­stand behaupten. Ausländische Renten waren nur wenig verändert. Der weitere Ver­laus brachte neue Abschwächungen, später aber eine Erholung bei lrä tiger Aufbesserung der Verluste und lebhafter Almsatztätigkeit. 3. G. Farben konnten sich auf 376 Prozent erholen. Don heimischen Renten wurde Kriegsan­leihe stärker gefragt und mit 0,818 gehandelt. Der Geldmarkt ist weiter flüssig. Geld war angeboten. Tagrsgeld 4,5 bis 5 Prozent, Monats­geld 5,75 bis 7 Prozent je Adresse. Privatdis- tonten 4,62 bis 4,75 Prozent, 3ndustrieak;epte 5,12 Prozent. 3m Devisenverkehr lag der fran­zösische Franken nach der gestrigen starken Be­festigung erheblich schwächer und stellte sich auf

145,50 gegen daS Pfund. Die Alrsach« hierfür dürste in dem neuen Ausweis der Dank von Frankreich zu suchen fein, der noch immer die Fortdauer der 3nflation zeigt. Delga-Drüssel gegen London 34,85 stabil. Das englische Pfund stellte sich gegen Kabel auf 4,8455 etwas schwä­cher. Auch die Mark war erneut schwächer mit 4,2075 gegen Kabel. Holland gab gegen die Reichsma^ auf 1,682 nach.

Dörsenkrrrle.

Datum:

Frankfurt a.M.

Berlin

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Berliner Handelsgesellschaft Commerz- and Privat-Lank Tarmft. und Naiionalbanl Deutsche Bank Deutsche VereinSbank . . . . Tiscoino Commandil . . Mrtalldank Mitteldeutsch« Creditbank. Leite, reichliche Creditanslalt Weltbank .......

Bochumer 'Sah ...... Buderus .........

Laro ......

Demich-Luxembiirg .

Äclsenkirchencr Bergwerk. harvcncr Bergbau

Kaliwerke AswcrSleden.... Kaliwerk Westeregeln .... Laurahükte . Oberbeönrf Pbönir Bergbau ..... Ndeinstahl ....... "Hicbed Piontau.......

Tellns Bergbau Bereinigte Stahlwerke A.-G- Hamburg-Amerika Pake«. . . Norddeutscher Llovd . . , Lhcramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Pbilivv Holzmann .....

Anglo-Cont-Guano .

Chemische Mayer Alapin . . 5- G- starbenindustric, A.-G. Goldschmidt Holzverkohlung NütgerSwerkc Echeideanstalt . ANg. ElekkrtzitälS-Gesellschafl Bergmann ...... Mainkraftwerke ....... Schuden . , Siemens A HalLke ..... Adlcrwcrlc Kleyer ..... Daimler Motoren. ...... Hcyligeustacdr.....

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Piotdrenwerke Mannbeim

Kranlsnrter Armaknreu Konservenfabrik Braun . . . Metallgesell'chaft Frankfurt. Pet. Union A.-G, ....

Schnhwbrtk Herz .... Sichel. .......

Zellstoff Waldhof Hudrrffibrtf Frankenthal . . Zuckerfabrik Waadäulel . . .

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212,25

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223

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Devisenmarkt BerlinFrankfurt a. M.

Telegraphische Auszahlung.

4 Novbr.

6. Novbr.

Amtliche Nori run»

Amtliche Notierung

Keld

Briet

Geld

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amft.-iKoti

168,01

168,43

167,04

168.36

Buen-AireL

1.702

1,706

1.704

1.708

Brsi-Anttv

33,53

58,67

58.55

58,6'1

Lbristiania

105,12

105,38

105.19

105.45

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112,04

111,76

112,04

Stockholm

112,14

112.42

112.16

112,44

HellingforS

10,561

10.606

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Italien. .

18.07

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17,96

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London. .

20,364

20,414

20,367

20,417

Vicunort . .

1.2015

4,2115

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4,214

Paris. . .

Schwei» .

14,08

14,12

13,76

13,80

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63,64

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Javau . . 'Mio de Jan Wien in ®..

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2.64

2,065

2,069

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0.572

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Lest, abgefl

30,28

59,42

59,27

59,41

Prag . . .

>2,44

12,48

12,447

12,487

Belgrad .

7.412

7,432

7,413

7,433

Budapest. -

>,885

5.905

3,89

5,91

Bul'arien

3,033

3,043

3,027

3,031

Lissabon

21.525

21,575

-1,575

1,62.)

Danna .

81,46

81.66

81,48

81,68

Konst. NttN

-.105

2.115

2.095

2,105

Silben

5.29

5,31

5.24

5.26

Canoda. .

1,205

4,215

4.165

1.175

UruauaN

4.155

4.165

4.165

4.175

Banknoten.

Berlin. 4 Novbr

Geld

Brie.

Amerikanische Note, ..... Llelgischr Noten ....... Dänische Noten ....... firnoHlthr Noten. ....... Französische Noten ...... Holländische Noten ..... stt^lienlkche Noten......

Nonveatsche Noten ...

Deutsch Oestcrr, a 100 Kronen Rumänische Noten......

Schwedische Noten ..... Schweizer Noten .....

Svantsche Neuen ...... Tlchechoilowalische Noten . . Unaartsche Noten . . .

1.19 58,35 111.42 20,323

14.08 167,58

18 11 104.94

59.05

2.2.1 111.84

KO. 75 63.46 12,405 5.855

4,21

58,65 UI.98 20,423

14.16

168,42

18.21

105,46

59,35

2,27

112,40

81,15 U3.78

12,465

5.895

o ankfurter GetreiScbörse.

Frankfurt a. M., 5. Nov. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 29,50 bis 29,75 Mark: Roggen, inländischer, 24 bis 21,50; Sommergerste für Brau­zwecke 24,50 bis 27; Hafer, inländischer, 20 bis 20,75; Mais (gelb) 20 bis 20,25: Weizenmehl, in­ländisches (Spezial 0), 42 bis 43; Noggemehl 35 bis 36; Weizen- und Noggenkleie 11 bis 11,25 Mark.

Berlin .Aöuitenbörfe.

Berlin, 4. Rov. Die Weltrnarttdepefchen lauteten aus Rordarnerika teilweise höher und auch Liverpool hatte befestigte Preise gemei- öet. Berlin folgte wohl dieser Tendenz und nahm aber doch in weit g.öß.rem Maße s.ine Anregung den rein technischen Momenten im 3nland. Das Weizenangebot auf vrompte Abladung toarredj; klein, so daß bei diesem Mangel die Gebote teilweise erhöht werden mußten. Auch Export­frage trug mit zur Befestigung bet 3m Zeit­geschäft wurde das Riveau des Vortages um

eine halbe Mark erhöht. Beträchtlicher waren | die Steigerungen für Roggen. Die Mühlen kön­nen sich in dieser Getreideart nur sehr schwer erwägen und wenn auch das Mehlgeschäft augenblicklich schleppend ist, so wurden doch die gesteigerten Forderungen heute glatt bewilligt. Die ersten Rotierungen waren für vordere Monate 1,50 Mark höher, um sich für spatere Lieferungen bis 2.50 Mark zu steigern Gerste hat bet ruhigem Angebot sehr stilles Geschäft. Auch Hafer ruhig, da die Forderungen unnach­giebig gehalten werden. Gerste und Futtermittel lustlos Es notierten: (1000 Kilogramm). Weizen. märkischer. 271 bis 274 Marl: Roggen, märkischer, 220 bis 225; Sommergerste 220 bis 261; Wintergerste 192 bis 205; Hafer, märkischer. 178 bis 193; Mais, loco Berlin, 201 bis 206; (100 Kilogramm): Weizenmehl 35 75 bis 38,75, Roggenmehl 32 bis 33,75; Weizenkleie 12; Roggenkleie 11,75; Viktoria- er&ren 58 bis 68; kleine Speiseerbsen 40 bis 42 Futtererbsen 22 bis 26; Peluschken 21 bis 22- Ackerbohnen 21 bis 23; Wicken 25 bis 26; Lupinen, blau, 13 bis 14; Lupinen, gelb, 14 bis 15; Rapskuchen 15,80 bis 16; Leinkuchen 20 60 bis 20,80; Trockenschnitzel 9,60 bis 9,80; Soyaschrot 19,40 bis 19,70; Kartoffelflocken 24 bis 24.10.

Amtsgericht Gießen.

* Gießen, 2. Nov. Ein Milchhändler von hier, der mit einem im gleichen Hause wohnenden Metzger nicht gut steht, hielt einen Lieferanten des letzteren auf der Straße an und teilte ihmim Vertrauen" mit, er wolle ihn warnen, der Metzger sei wahr­scheinlich mit seinen Zahlungen im Rückstand. Ver­schiedene Lieferanten, die früher gekommen wären, kämen nicht mehr, sie würden ihm nichts mehr liefern, wahrscheinlich, weil sie ihr Geld nicht be­kämen. Der Milchhändler suchte die Sache heute so hinzustellen, als ob der Lieferant ihn nach den Ver- yältnissen des Metzgers gefragt hätte, allein er hatte damit keinen Erfolg. Er nahm schließlich seine Aeußerungen mit Bedauern zurück und verpflichtete sich zur Zahlung sämtlicher Kosten.

Zu demselben Ergebnis kam man auch bei der Privatklage eines hiesigen Architekten gegen einen feiner Mieter. Zwischen beiden bestanden Mei­nungsverschiedenheiten wegen eines Mansardenzim­mers und eines Gartenanteils. 9m Verlauf des hier­über entstandenen Briefwechsel schrieb der Mieter dem Hausherrn:9ch kann nur annehmen, daß die eingetretene Hitze es Ihnen unmöglich macht, ein wenig zu denken . . . Nachdem Sie das Geld ge­schluckt haben, wollen Sie nun mit Ihren Mietern Fußball spielen . . . Daß ich gegen Sie rabiat vor- aehe, haben Sie selbst verschuldet, da es nicht soweit hätte kommen dürfen, wenn Sie ein anständiger Hauswirt gewesen wären . . ." Auch gebrauchte er mit Bezug auf Aeußerungen des Hauswirts die Wortelügenhafte Verdrehung", die er nachträglich zwar durchstrich, aber nur so, daß man sie trotzdem deutlich lesen konnte. Auch hier wurde ein Vergleich geschlossen, wonach der Mieter seine beleidigenden Aeußerungen mit Bedauern zurückzog und sämtliche Kosten einschließlich des Sonderhonorars des flöge- rischen Vertreters übernahm.

/3untes Allerlei.

Reue Streiflichter auf Cromwell.

Ein englischer Historiker, der die alten Archive der Stadt Genua durchforschte, hat interessante Be­richte des Gesandten der Republik Genua in Lon­don, Francesco Bernardi, aus den Jahren 1651 bis 1665 gefunden. Er veröffentlicht in denTimes" einige Stellen, die auf Leven und Charakter Crom­wells und auf seine Legierung interessante Streif­lichter werfen. Man hat viel über die Beziehungen gesprochen und geschrieben, die der rauhe Krieger und fromme Staatsmann zu der Frau des Generals Lanwert unterhalten haben soll. Einer der frühesten Biographen Cromwells, Gregorio Leti, hat daraus einen ganzen Liebesroman gemacht, bei dem Crom­well. ähnlicb wie König David in der Bibel den lästigen Ehemann an die Front geschickt haben soll, um sich seiner Frau ungestörter nähern zu können. Der genuesische Gesandte faßte diese Ge­schichte mehr als eine politische Maßnahme auf, indem sowohl Cromwell wie Lambert die Frau benutzen wollten, um über ihre gegenseitigen Pläne etwas herauszubekommen.Die Gunst und intime Höflichkeit, mit der Seine Hoheit die Gattin des er­wähnten Offiziers behandelte," schreibt Bernardi am 23. Juli 1657 seiner Regierung,dürste trotz ihrer Schönheit den Zweck haben, die Pläne ihres Gatten zu enthüllen, während er seinerseits seine Frau zu einem solchen Entgegenkommen gegen Seine Hoheit aufmunterte, um seine Pläne zu er­kennen, denn Lambert strebte immer zur Herrschaft nach dem Tode Seiner Hoheit. Aber er und all die anderen werden sich täuschen; denn wenn Seine Hoheit erst einmal gekrönt ist was wohl noch vor Ostern erfolgen wird, wenn er so lange lebt, dann werden sie aus einem aanz anderen Ton fingen." Die Depeschen des Gesandten beschäftigen sich eingehend mit den Absichten Cromwells auf die Krone, und als cc sich zum Lord-Protektor gemacht hatte, schreibt Bernardi, er strebe nach einem noch höheren Rang. Er selbst buhlt eifrig um die Gunst des allmächtigen Mannes und ist sehr stolz darauf, daß ihm Cromwell Trompeter urrt) Trommler sen­det, die zweisehr schöne, reich geschmückte Hirsche" ihm zuführen. Seine Begeisterung kühlt sich aller­dings ab, als er nachher erfährt, der schwedische Ge­sandte habe sechs Hirsche bekommen. In den Be­richten finden sich viele seltsame Vorkommnisse mit- geteilt, so z. B. die Ankunft eines geheimnisvollen Menschen, der direkt aus dem Meere gestiegen sein soll, oder die De.h indlungen der Amsterdamer Juden mit Cromwell über den Kauf der St. Pauls- Kathedrale für 200 000 Pfund, die als Synagoge dienen sollte. Cromwell blieb durchaus nicht der starre Purii.mer, der er früher gewesen war, sondern an seinem Hose fanden prachtvolle Festlichkeiten statt. So meldet der Gesandte am 13. September 1657 von einem Bankett zu Hampton Court zu Ehren der Hochzeit feiner Tochtermit so viel Gängen als Tage im 9ahre sind".Von den herr­lichen Kleidern und Uniformen ist nicht nötig zu sprechen." fährt er fortda nur die Hemden der Braut aus 12 Dutzend Ellen holländischen Stoffes

hergestellt waren, von dem jede Elle 30 bis 40 Psd. kostet, mit den kostbarsten Spitzen besetzt. Nachdem sie sie einen Tag getragen hat, verteil sie sie unter ihre besten Freundinnen." Den Tod Cromwells führt Bernardi bauptsächUch auf den Schmerz über das Hinscheiden seiner zweiten Tochter zurück,denn er liebte sie so, daß es ihm seine Eingeweide zer­riß." Er starb 14 Tage nach ihr am 3. September um drei sihr nachmittags.Seine Leiche wurde noch in derselben Nacht geöffnet und dann einbalsamiert, aber mpn fand keinen Stein, wie alle Aerzte er­warteten, nur etwas Sand und Entzündung der Leber. Nicht das hat ihn getötet, sondern das heftige Fieber,- das feiner Trauer über den Tod feiner Tochter folgte."

Büchertisch.

Hans WolsgangBchm: Welteis und Weltentwicklung. Gemeinverständ­liche Einführung in die Grundlagen der Welt- eislehre. 48 S. R. Voigtländers Verlag, Leipzig. 1926. 3n dieser Schrift dos bekannten Ratur- forschers ist in knappster Form eine Vorstellung von dem Lehrgebäude der Welteislehre entwickelt. Richts wird darin vorausgesetzt, alles ist denk­bar leicht faßlich behandelt. Somit wendet sich die Schrift an alle Kreise. Besonders aber trägt die Abhandlung dazu bei, die vielfach irrtümlich umlaufenden Anschauungen über die Welteis­lehre zu zerstreuen. 550

Ein allerliebstes Bändchen ist der neue Almanach von Velhagen & Klasing. Hier lebt eine fast auZze'torbrne, literarisch­bibliophile Gattung wieder auf, die dem 18. 3ahr- hundert zugleich Entstehung und hohe Blüte ver­dankt. Es war ein ebenso aparter, wie origineller Einfall, jedem 3ahresband das Kleid^eivs längst historisch gewordenen Stils zu geben. Der vor­jährige Almanach erschien als 5^ mb des Rokoko, sozusagen in Reifrock und Puderperücke. Dieser ist ein D.edermeier-3ahrbuch geworden, innen und außen, so täuschend anmutig und schlicht zu­gleich, daß man, in zwecklos zurücksiirnende Resig­nation verloren, den zarten Lavendelduft un­wiederbringlicher Jahrzehnte in den schmalen Seiten zu verspüren meint. Starke Stileinheit hält icn 3nhalt geistig zusammen, ob Hohlbaum von Goethes tragikomischer Hundeep.sode erzählt, oder Friede H. Kraze von Ludwig Richters böhmischer Reife; ob Heyck von der Hervcmnvde vor 100 Jahren plaudert, ob Enking ein gemütliches Kleinstadtabenteuer zum Besten gibt, oder Oscar Die einen Brief erdichtet, in dem von den Sonn­tagsmusiken bei Mendelssohns berichtet wird es fügt sich alles geheimnisvoll und innerlich zu­sammen und jxfßt in den äußeren Rahmen hin­ein, dessen Ausstattung von Erich M. Simon liebevoll und stilsicher überwacht wurde. Das Düchelchen sei auch zu Gescheitkzwecken angelegent­lich empfohlen. 576

6. Reihe in der von der Reichszen-

trale für Deutsche Verletzrswerbung (Berlin) her- ausgegebenen Sammlung .Deutsche Bilder" erschien die SchriftR o r d b a y e r n". Sie bringt zahlreiche, besonders ausgewählte Auf­nahmen nordbaherischer Sehenswürdigkeiten. Da sind neben dem berühmtem Stadtbild von Rürn- berg mit seinen zahllosen Giebeln, neben der groß­artigen Wandelhalle Kifsrngens durch ihre Ro­mantik berühmte Bauwerke, wie die alten Pa­trizierhäuser in Marktbreit, oder das Schloß des Deutschherrnordens in Ellingen oder der Spih- wegsche Marktplatz in Miltenberg u. v. a. 3n der Bilderreihe wirkt in tadellosen Reproduktio­nen, die von knappem Sejt kommentiert werden, die behagliche Idylle und Heiterkeit des Fran­kenlandes auf den Beschauer. Die Ausstattung des Werkes ist gediegen und geschmackvoll. 506

Der Herzog von Sylt. Ein phan­tastischer Romen. Von Cd-mund Hveh.e. 193 S. 8". 3. M. Spaeth, Verlag, Berlin 1926. Der Verfasser schildert hi-r in ^äamlich ausschweifen­der Phantasie die Verwirklichung desfjgnal- kühnen Beschlusses einer Skat nacht", die Grün­dung eines autonomen Friesenstaates im toirt- schaftlich-polit.scheu deutschen Racheriegschaos.

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Georg Hirschfeld: Lord Dhron: Band XIV der SammlungMenschen / Völker / Zeiten". 200 Seiten, 34 Abbildungen. 1926. Ver­lag Karl König, Wien. Ein Dichterleben mit allem Glanz von Frauenliebe^ Ruhm und Größe, mit aller Tragik von Verkan^.'ein, Verirrung und frühem Tod. Hirsch; eld hebt das Bild des eigenartigen Genies aus dem umgebenden und verdunkelnden Legenden- un- Anekdotmlabyrinth und zeigt uns einen neuen Byron, wie er aus seiner Zeit und seinen Lebensumständen heraus erwuchs und lebte, schuf und starb. 610

Ernst Zahn: Tito. 3. Eugelhorns Rachf. Stuttgart, 1928. Cngelhorns Roman­bibliothek, die Anfang September das Jubi- täum der Ausgabe des 1000. Bandes feierte, bringt als 10001. Dmd zum ersten Male eine Erzählung von Ernst Zahn. Die heiße Sonne und der glulb'aue Himmel des Tessin stehen übet dieser Liebesgeschichte, die auf Schritt und Tritt die reife Kunst des berühmten Schweizers atmet. Zahn^che Menschen haben stets etwas Aleber- lebensgroßes an sich in ihren Leidenschaften, ihrer Kraft bis ans letzte zu gehen, und so werden wir auch in diesem Buch innerlich gepackt und erschüttert. 607

Rundfunk-Programm

des ftrn::f*nrMr Senders.

(Aus derRadio-Umschau".)

La ndtag, 6. Rovembrr.

3.30 bis 4: Stunde der Jugend. 4.30 bis 5.45: Konzert des Hausorchesters: P. Tschaikowsky. 5.45 bis 6.05: Die Lesestunde. 6.15 bis 6.45: 3iele und Zwecke der Verwaltungsakademie", Vorlrag von Studenrat Liebmann. 6.45 bis 7.15: Der Briefkasten. 7.15 bis 7.45: Funkhochschule: ®er europäische Roman im 19. und 20. 3afjr- hundert I, Vortrag von Prof. Dr. Schultz. 7.45 bi$ 8.15:D.e soziale Stellung der Frau bei den Alrvöllern", Vortrag von 3da Posen. 8.15 bis 9.15: Smsonie-Kon.er:. 9.15 bis 10.15: Konzert te3 Harmonieorchesters les Frank urter Orchester - Vereins Anschließend bis 12.30: Alebertragung von Berlin: Tanzmusik.