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L Sich. 4. Nov. Dre Amtsgerichts- frage, die jetzt die Gemüter in unserem Nach- barstädtchen Hungen mit Recht erregt, war schon einmal Gegenstand lebhafter Erörterungen. Es war im Jahre 1879, als in Hessen die Deutsche Gerichtsverfassung einge­führt wurde und an Stelle der Landgerichte die Amtsgerichte traten. Damals befaßte man sich in Darmstadt auch mit dem Plan des Abbaus einiger Gerichte, es war aber iricht das Hungener Gerrcht, dessen Eingehen beabsichtigt war, sondern das Sicher Landgericht sollte aufgehoben werden. Cs blieb natürlich von hier aus kein Schritt unversucht, dasUnheil" abzuwenden, was den Erfolg hatte, dah Lich sein Amtsgericht bekam. Aach dem Brauche der damaligen Zeit war es selbstverständlich, dah der Lolalpoet die Vor­gänge in Verse brachte und bei Vereinsveranstal­tungen in einem zeitgemäßen Couplet als Lokal­strophe der Oeffentlichkeit bekanntgab. Aus der Erinnerung eines alten Lichers sei nachfolgend die betreffende Stelle im Wortlaut angegeben: Als preußische Amtsgerichte worden auch hier in Hessen eingeführt, sollt Lich mit noch verschiedenen Orten gerichtlich werden Pen­sioniert. Da sah sich Hungen schon auf­blühen, -- mit großem Jubel sie schon schrei'n: -- Jetzt Licher, tut herübergehen zu uns nach Himgen, ach das muß so sein? Doch aus der Freude wurde Schrecken denn Lich sein Amtsgericht bekam. Es war ein herr­licher Gedanke. nur schade, daß es anders kam." Möge es auch jetzt anders kommen, als es von der Regierung geplant, d. h. möge dies­mal unser Aachbarstädtchen mit uns sein Amtsgericht behalten?

* Bettenhausen, 4. Nov. Gestern hat der hauswirtschaftliche Unterricht an der hiesigen Fortbildungsschule seinen An­fang genommen. Durch Freiwerden des früheren Schulsaales war der geeignete Raum vorhanden. Der Gemeinderat bewilligte die nötige Summe, um den Schülerinnen den Weg nach Langsdorf zu ersparen. Das Interesse für hen Unterricht ist recht groß, zu den Pflichtteilnehmerinnen haben sich noch 15 Mädchen des Dorfes freiwillig gemeldet. Da auch noch die Schülerinnen von Birklar und Mu- schenheim hierher zum Unterricht überwiesen wor­den sind, mußten zwei Abteilungen gebildet werden, f. Grünberg, 4. Nov. In unserem Städtchen ist man zur Zeit daran, die Kochschule für die Mädchenfortbildungsschule einzurichten. Da es den kleinen Gemeinden der Umgegend nicht möglich ist, eigene Kochschulen zu schaffen, wird unsere Einrichtung zu einer Bezirkskoch­schule werden. Die Schülerinnen aus sämtlichen Gemeinden der Umgegend bis weit in die Rabenau hinein erhalten diesen Unterricht hier. Es liegen bis letzt ungefähr 100 Anmeldungen vor, so daß in etwa sechs Abteilungen Unterricht erteilt werden muß. Wie wir hören, ist beabsichtigt, außer Frl. M o o tz noch eine Hilfskraft für den Kochunterricht heranzuziehen.

z. Allendorf a. d. Lumda, 4. Aov. Der mit Ferkeln und Läuferschweinen gut befahrene Aikolansmarkt wurde bei sehr reger Kauf­lust schnell geräumt. Die Preise für Ferkel stellten sich wie folgt: 4 bis 6 Wochen alte 30 bis 35 Mark, 6 bis 8 Wochen 40 bis 45 Mark, Läuferschweine: 10 bis 12 Wochen 65 bis 85 Mark. Trotz der drei hiesigen Schafherden waren Käufer für Schafe nicht erschienen. Es wurden gefordert für erstklassige fette Schafe 42 bis 45 Mark, mittlere Qualität 35 bis 38 Mark, geringe und junge 25 bis 30 Mark. Der Absatz an Schafen war in früheren Märkten stets sehr bedeutend. Auch der Krämermarkt überstieg an Ständen und Ausstellungen, an Anzahl und Kauflust weit die früheren Jahre, ein Zeichen dafür, daß Altendorf zu Einkäufen aus nah und fern stets noch aufgesucht wird. Die Verkäufer dürften sämtlich auf ihre Rechnung gekommen fein. Bei der Treibjagd in unserer Ge­markung wurden 18 Hasen und ein Fuchs geschossen.

Kreis Frievberg.

.V Bad-Nauheim, 4.Nov. Sie jüngste Hitzung der Stadtverordneten sand unter dem Vorsitz des Beigeordneten Kling L statt. Für S i e l b a u t e n in der Karlstraße "wurden 50 bis 60 000 Mark bewilligt, die gleiche fSumme für die gleichen Arbeiten in der nörd­lichen Frankfurter Sttaße. Die Israelitische Ge­meinde, die int nächsten Jahr mit der Erbauung einer neuen Synagoge beginnen will, muh 150 000 Mark für den Zweck aufnehmen. Der Bitte an die Stadtverordneten, daß die Stadt die Bürgschaft für das Darlehen übernehmen

solche Kolonien in einem Landstrich ansiedelten, glaubte man, sie kämen aus dem Norden: in Wirklichkeit kamen sie aus einem anderen deut­schen Landstrich." Diese Vermutung wird eben fein forschender Ornithologe ohne weiteres auf- stÄlcn. Venn um seßhaft gewordene Nordlands­drosseln wird es sich nur dann handeln, wenn feststeht, daß die betreffende Gegend zuvor außer von den zur Zugzeit anwesenden Drosseln nie von diesen Vögeln besiedelt war, und diese dann beim erstmaligen Auftauchen in der Gegend den in meiner Ansicht wieder gegeben en ilebergangä« Prozeß durchgemacht haben, und das ist für den Vogelsberg, wie wir sahen, erwiesen, ülnd not­gedrungen müssen, wie Beobachtung und Ver­gleich der Wohn- und Nahrungsbedingungen er­gaben, nordische Vögel zuerst sich in den hohen, später, toemt sie daselbst sich an die neuen Lebens­bedingungen gewöhnt haben, in den tieferen Lagen anzusiedeln versuchen. In diesem Falle steht «s bann fest, dah die Krammetsvögel aus dem Norden gekommen sind, denn irgendwo müssen sie ja zum ersten Male auftauchen, und dann wird, wie hier, ihr Vordringen in dem geschilder­ten Sinne erfolgen.

Aber der wissenschaftliche Erklärungsversuch Schusters beginnt erst jetzt:So (er verweist damit auf obiges Zitat) schrieb ich 1909 in der 1. Auflage. Heute kenne ich den Grund des Zigeunerns: Die Llnsicherheit hat in diese Vogel­art mchts anderes gebracht als die wiederkehrende tertiärzettahnliche Tierlebensperiode."

Dieser Umstand hat offenbar den echten Paläarktiker (mit Vorliebe für gemäßigte Klimata) bereits im größten Teil seines Bestandes nach Norden gedrängt, aber noch nicht ganz, wie z. B. Tannenhäher. Seidenschwanz. Mornellregen- Pfeifer. Während die Hauptmasse (infolge der sich in der Nacheiszeit langsam mehrenden Erwär­mung) nach Norden abgeschoben wurde, blieb ein beträchtlicher Teil in Deutschland zurück, dem die schon zaghaft eingetretene Veränderung der Zeiten noch nicht ausschlaggebend genug war. wie bei­spielsweise vom Rauhsuh- und Zwergkauz noch Eiszeitrelikte im Schwarzwald und Württemberg

möge, wurde stattgegeben. Ebenso wurde die Bürgschaft übernommen für ein Darlehen von 850 Mark, das beim Ministerium für Arbeit und Wirtschaft beantragt wurde und für die Instandsetzung des der russischen Kirchengemeinde gehörigen Hauses Dchulstrahe 10 benötigt wird. Gegen Zahlung einer jährlichen Gebühr von 150 Mark wird in zwei Fällen die Aufstellung von Benzintankstellen auf städtischem Gelände auf Widerruf genehmigt. DerS)afraba, d. h. dem Verein zur Vorbereitung der Autostraße HamburgFrankfurt a. MBasel, tritt die Stadt als Mitglied bei. Die 1922 aufgelegte städ­tische Anleihe über 200 Mill. Mark soll durch Barabfindung getilgt werden. Der Vor­schlag des Finanzausschusses, eine Ablösung von 0.60 Goldmark für 10000 Papiermark anzubieten, fand das Einverständnis der Versammlung. (Der Goldwert der Anleihe beträgt nach dem Stand vom 1. Januar 1923 4,94 Gvldmark für 10 000 Papiermark, die Auswertung also 12V2 Prozent.) Die Stadt sucht auch eine Regelung der Ablösung des Kleinbesitzes (Altbesitz unter 500 Mark). Der Vorschlag des Finanzausschusses, den Altbesitzern von Markanleiyen der Stadt Bad-Nauheim eine Darabfindung von 12Va Prozent des Goldwertes zu gewähren, fand Annahme. Este nichtöffentliche Sitzung beschäftigte sich mit verschiedenen Arbeits­vergebungen, außerdem wurde der Erwerb von Gelände beschlossen.

Kreis Büdingen.

rl. Büdingen, 4. Nov. Vor Jahresfrist er« warben die Schulen des Kreises gemeinsam einen L o u f b i l d w e r f e r. Er hat nun 5 Vor« tragsreisen durch den Kreis hinter sich. Die Ein­richtung bewährt sich. Die Arbeit des Lehrlicht­bild-Ausschusses, der die Filme auswählt und die Schulen beim Ankauf von Bildwerfern be­rät, ist nicht ohne Erfolg. Da es besonders für die schon ziemlich zahlreich vorhandenen Bildwerfer an heimatlichem Bildermaterial mangelt ist der erwähnte Ausschuß vor Monaten daran ge­gangen, einHeima 1 album" zu schaffen. Es soll bringen: Bilder aus der Borgeschichte, Geschichte und Kulturgeschichte der engeren Heimat, von heimat­licher Baukunst, Siedelung und Landschaft, von In­dustrieanlagen und ähnlichen, sowie auch geolo­gische und botanische. Durch die uneigennützige Hilfe eines Schlüchterner Photographen sind be­reits 150 bis 160 derartige Bilder geschaffen. Die Reihe soll nun noch durch die Mithilfe vhotographie- render Lehrer so erweitert werden, daß möglichst lückenlos alles das aus verborgenen Ecken und Win­keln gezogen wird, was für die Kenntnis der Heimat irgendwie von Bedeutung ist.

* Bisses. 4. Nov. Das hiesige Krieger­denkmal, über dessen Einweihung kürzlich be­rietet wurde, ist nicht von dem Bildhauer May (Heldenbergen), der es lediglich hat ausführen lassen, entworfen, sondern von dem Hochbauamt Bü­dingen unter besonderer Leitung des Regierungs­baumeisters Götz. Das Denkmal steht vor der Kirche auf dem ansteigenden Gelände zwischen dieser und der Straße. Auf diesem Hang, der durch die Anlage einer Terrasse mit Freitreppe (in Muschel­kalk) entsprechendbaureif" gemacht wurde, erhebt sich, von einem alten Baum beschirmt, das Ehren­mal, das aus einem kräftigen Unterbau mit einer zierlichen Säule besteht.

-s« Vom oberen Nidde rtal, 4. Nov. In den Gemeinden Burkhards, Kaul stoß und Sichenhausen wütet noch immer die Mau l- und Klauenseuche. Es ist eigentümlich, wie verschiedenartig sich diese schlimme Viehkrankheit in Sichenhausen und Burkhards ganz verheerend auftritt, verläuft sie in Kaulstoß glücklicherweise ganz harmlos. So ist in Kaulstoß ein Verlust von Vieh nicht zu beklagen: dagegen sind in Sichenhausen mehrere Stück Vieh, in Burkhards drei Stück Groß­vieh und ca. 15 bis 20 Stück Kleinvieh der Seuche zum Opfer gefallen.

Kreis Schotten.

t Schotten, 4. Nov. Sonntag abend hielt der Turnverein sein diesjähriges 21b*- turnen ab. Der hierbei gezeigte S p o r t f i (m Kraft und Schönheit" fand begeisterte Aufnahme. Das FrankfurterKünstler- theater (frühere Landeswanderbühne) gab ge­stern in der Turnhalle eine sehr besuchte Vor­stellung mit Calderons LustspielDame Kobold". Drei weitere Gastspiele des Theaters werden im Laufe des Winters noch folgen. Wie alljähr­lich, fand gestern imHessischen Haus" die von der F ö r st e r s ch u l e veranstaltete Hubertus­feier bet Jäger statt. Bei der am Vormittag stattgehabten Treibjagd wurde in einem Baumbestand eine unbekannte, schon stark

als Brutvögel zurückgeblieben sind, jedoch ver­einzelter und nicht in dem Maße wie bei der Wacholderdrossel. Je mehr aber die Zeiten fort­schreiten. um so mehr muß sich die Llnsicherheit in dieser Art gelteird machen. Je milder unser Klima wird, je mehr Sonnenbestrahlung wir erhalten, um so eher muß die neue Zeit die bei und zurückgebliebenen umherzigeunernden Kram- metsvogelgesellschaften, die eben dadurch zum Zigeunern veranlaßt wurden, daß sie den Zu- smnmenhang mit dem Hauptbestand verloren hatten, nach Norden treiben."

Wenn die Wacholderdrossel, wie Schuster angibt, wirklich schon feit Jahr­tausende n in Deutschland Brut Vogel wäre, der den Zusammenhang mit der nordischen Hauptmasse verloren hätte, um wieviel eher hätte dann der Ziemer eine deutsche Form her­ausbilden müssen als der Girlitz, der doch erst seit Jahrhunderten bei uns heimisch ist, dabei als Zugvogel ständiginVerbindungmitderHaupt- massebleibtunddochschonseinedeut- lichzuunterscheidende deutsche Form gebildet hat? Unb geht endlich nicht aus der allernatürlichsten Beobachtung der Vorgänge und erst recht aus der Tatsache, daß die Wacholder­drossel ständig ihre Wohngebiete auSzudehnen sucht, klar hervor, daß die Sache umgekehrt liegt? Schuster weiß ganz gut, daß mit der Lösung des Wacholderdrosselproblems feine Hypothese steht ober fällt:Es kann also gewissermaßen als Prüfstein meiner These betrachtet werden: Ob die deutschen Wacholderdrosselbrutvögel abneb- men und allmählich ganz verschwinden, oder ob sie bleiben und vielleicht zunehmen, nachgeprüft in ein paar Menschenaltern oder ein paar hundert Jahren, wenn es nicht schneller geht: in ersterem Falle besteht sie zu Recht, im zweiten zu iln- recht." ilnb bann bitte ich immer noch eins zu bedenken: sollte es sich später einmal Heraus­stellen, daß die Wacholderdrossel aus irgend­einem ihrer jüngsten Dorftoßgebiete wieder ver­schwindet. so muß fcstgeß-^llt werben, ob nicht

in Verwesung über gegangene Leiche aufge­funden.

Kreis Alsfeld.

---Alsfeld. 4. Nov. Die Ansitte der Landleute, Kindern Pferde in dre Hand zu geben, führte in dem Nachbarorte Lingel- bach zu einem bellagenswerten älnglücksfall. Ein Landwirt übergab seinem 7iahrrgen Knaben die sonst treuen Pferde, und dieser schwang stolz die Peitsche. Aber an abschüssiger Straße scheu­ten die Pferde und jagten davon. Der Junge rutschte vom Wagen und Hämmerte sich in der Toüsangst an der Deichsel fest. Als die Pferde eingefangen wurden, holte man den bedauerns­werten Jungen mit gebrochenen Beinen hervor.

| Mücke, 4. Nov. Bekanntlich hat die Ge­meinde W e t t s a a s e n bei der Postbehörde den Antrag gestellt, die Postautos der Linie Ul­richsteinMücke über Wettsaasen fahren zu lassen. Angeregt wurde die Gemeinde Wettsaasen zu diesem Anträge durch die Fahrten des Postautos über Wettsaasen während der kürzlichen Walzarbei- ten auf der Sttaße RuppertenrodMücke. Wie man hört, yat die P o st v e r w a l t u n g eine entspre­chende Garantiesumme von der Gemeinde Wettsaasen verlangt. Bis jetzt ist noch nicht bekannt, ob diese Summe bewilligt werden wird

öp Bleidenrod, 4. Nov. Unvorsichtig­keit eines Autofahrers führte zu einem Vorfall, der leicht einen schlimmen Ausgang hätte nehmen können. Der Sohn des Bäckermeisters Buch befand sich gegen Abend auf der Heimfahrt mit dem Däckerwagen. Als er durch Bühfeld fuhr, kam plötzlich ein Auto in schnellster Fahrt mit unabgeblendeten Scheinwerfern um eine Kurve. Die Pferde, von der plötzlichen Lichtfülle ge­blendet, scheuten, gingen durch und jagten mit dem Wagen durch das Dorf. Glücklicherweise ging die Straße gegen einen Berg, so daß es dem Fuhrmann gelang, sie zum Stehen zu bringen.

Kreis Lauterbach.

Lauterbach, 4. Nov. Aus der jüngsten Sitzung des Stadtvorstandes ist u. a. zu berichten: Die Landesabteilung Hessen der Reichszentrale für Heimatbien st. die im vergangenen Winter hier einen staats­bürgerlichen Bildungs tag abhielt, be­absichtigt, am 20. November wieder eine solche Tagung hier zu veranstalten. Der Gemeinderat beschloß, hierzu einen Betrag von 50 Mark zur Verfügung zu stellen. Bei Ausbesserungs­arbeiten am Chor der hiesigen Stadtkirche ist festgestellt worden, daß das Gefüge der Quaderungen an der .ganzen Kirche stark gelockert ist. Hm evtl. Hnglücksfälle und Sachschaden zu verhüten, empfiehlt das Hoch­bauamt, die StraßeAn der Kirche" für Lastfuhrwerke und Lastkraftwagen zu sperren. Der Gemeinderat beschloß demgemäß und ge­nehmigte den vom Bürgermeister vorgelegten dahinzielenden Entwurf einer Polizeiverordnung. Hierauf beschäftigte man sich mit dem vom Bürgermeister angeregten Abschluß einer Haft­pflichtversicherung für die im Eigentum der Stadt stehenden Gebäude. Die Aachen- Münchener-Feuerversicherungsgesellschaft hat sich bereit erklärt, anstatt der Minimalprämie von 6 Mark pro Haus und Jähr nur eine solche von 4 Mark in Rechnung zu stellen. Es wurde be­schlossen, die Versicherung zu tätigen, wenn bei dem niedrigeren Prämiensatz dieselben Leistun­gen gewährt werden wie bei der Normalprämie von 6 Marl. Nach den Mitteilungen des Bürgermeisters wird von der Regierung beab- sichtigt, das Hochbauamt Lauterbach aufzuheben. Der Stadtvorstand beschloß, gegen diese Maßnahme an zuständiger Stelle Protest einzulegen und kein Mittel unversucht zu lassen, um das Amt für Lauterbach zu erhalten. In einer früheren Sitzung hatte der Stadtvorstand die Errichtung eines Schulbrausebades be­schlossen. Für die erforderlichen Arbeiten sind zwei Angebote, und zwar von Hermann Hardt, Lauterbach, und Firma S ch a f f st ä d t in Gießen, eingegangen. Das Bauamt, wie auch die Bau­kommission empfehlen, der Firma Hardt in An­betracht des günstigeren Kostenanschlags sowie der größeren Intensität der Heizausnuhung den Vorzug zu geben. Der Stadtvorstand schließt sich diesem Vorschlag an und beschließt weiter, die erforderlichen Poften im Voranschlag 1927 vor­zusehen, falls diese nicht noch aus dem dies­jährigen Voranschlag bestritten werden können. Die Arbeiten sollen in den Monaten Februar bzw. März begonnen werden. Die Gesamtkosten betragen etwa 3000 Mk. Für den H e i l - stättenverein für Hessen wurde für

die fortschreitende Kultur, die jetzt ja fast alle unsere heimischen Singvögel zum großen Teil bertreibt, auch an dem Auswandern der Wa­cholderdrossel schuld gewesen ist.

Frankfurter Theater.

Ein interessanter Gast ist für zwei Tage im Neuen Theater eingekehrt, es ist eine der bedeutendsten Vertreterinnen der Filmkunst: A st a Nielsen. Diese markanteste, eigenartigste Erscheinung der Leinwand hat den Sprung aus der Flimmerwelt in die der Bretter gewagt. Die Persönlichkeit Asta Nielsens war bisher von dem Kunstbegriff Film untrennbar, sie war die Filmschauspielerin, aus ihrem Wirken heraus charakterisierte sich das eigentliche Wesen des Films, für den sie ein klassisches Vorbild war. Nun hat sie der stummen Leinwand die Treue gebrochen und die Jupiterlampen gegen das Rampenlicht der Bühne vertauscht. viellÄcht aus der Sehnsucht heraus, den persönlichen Kontakt mit dem Publikum zu fühlen und während der Darstellung zu erleben. Jetzt gesellt sich zum Körperrhythmus, zu den sprechenden, großen Augen das klingende Wort. 2llsRita Cavallini" (Schauspiel in drei Akten von E. Shaldon, deutsch von Sil Vara) stellt sie sich dem Publikum vor. Das Stück selbst gibt Asta Nielsen große Spielmöglichkeiten, sie kann alle Register ihrer differenzierten Ausdirnckskunst spielen lassen. Inhaltlich ist diese Geschichte von der Sängerin Rita Eavallini leider im schlechten Sinne der reinste Film. ES wäre unbedingt interessant, die Künstlerin vor eine wirklich be­deutende Darstellungsaufgabe gebracht zu sehen. Festgestellt sei, daß Asta Nielsen auf der Sprech­bühne die gleiche starke Persönlichkeitswirkung entfaltet wie im Film, und dah sie einen wahren Beifalls-Orkan entfesselte. L. W.

Gemäldeverkauf auf der Stratze

Die französischen Maler leiden nicht minder Not als die deutschen, aber sie sind geschickter in den

Rj. 1926, sowie die kommenden Jahre ein jähr­licher Beittag von 40 Mk. bewilligt. Der Stadtvorstand hatte in einer früheren Sitzung be­schlossen, den sogenannten Sandmanns Gar­te n am Steinweg als Diehmarktplatz und gleichzeittg auch als Sport- und Spiel- pla.h auszubauen. Da sich die Viehmarktplatz­frage durch die Pachtung des früheren Henkelschen Zimmerplatzes inzwischen gelöst hat und der frag­liche Garten in der Hauptsache als Sport- und Spielplatz sich als zu klein und ungeeignet er­wies, war man von der Herrichtung als solchen abgekommen. Die Bürgermeisterei war dann beauftragt worden, mit dem Verein für Leibes­übungen zu verhandeln, feinen von dem Frei­herrn Riedefel gepachteten, an der Dirlammer Straße gelegenen Platz auch den übrigen hiesigen Vereinen und Schulen als Sport- und Spielplatz zur Verfügung zu stellen. Der Bürgermeister teilte heute mit, dah der Verein für Leibes- K Übungen grundsätzlich bereit ist, feinen Platz in der gewünschten Weise zur Mitbenutzung zu über­lassen. Eine Pacht wird nicht gefordert, jedoch soll die Stadt die Einfriedigung des Platzes übernehmen. Nach Ansicht des Bürgermeisters kostet eine derartige Einfriedigung mindestens 3000 Mk. Heber diesen Kostenpunkt entspann sich eine rege Aussprache, in der man zu dem Er­gebnis kam, in Anbetracht der hohen Kosten von der Herrichtung bzw. Beschaffung eines allgemei­nen Sport- und Spielplatzes vorerst Abstand zu nehmen. Es soll jedoch über die Bereitstellung eines Spielplatzes für die Schulen nochmals mit dem Verein für Leibesübungen und dem Turn­verein unter Hinzuziehung der Baukommission Fühlung genommen werden. Außerdem wurde beschlossen, bei der voraussichtlich in nächster Zeit kommenden Feldoekttnigung zu versuchen, einen größeren Sport- und Spielplatz für die Stadt auszu scheiden. Durch die Errichtung eines Wohngebäudes sei­tens des Reiches ist vor Ankauf des Baugelän­des die Aufstellung und Festlegung des Orts- bauplanes für das östlich des Finanzamts gelegene Geländestück erforderlich geworden. Der Regierungs-Daurat, sowie die Baukommifsirm empfehlen, längs der Lauter eine Pa - rallelstrahe zur Bahnhof st raße von der Angersbacher- bis zur Dleichstrahe hinter der älngemachsmühle vorzusehen. Ilm die nötige Verbindung mit der Bahnhofstraße zu erreichen, die seither nur vom Marktplatz über LandS- knechtsweg ober die steile und gefährliche Straße am Kreisamt, den sogenannten Müllersweg, mög­lich war, wurde vorgeschlagen, eine Verbin- dungsstrahe zwischen Bahnhofstraße und den Pflanzenröder bzw. Högrich zu projektieren. Der Stadtvorstand beschloß, neben dem Finanzamt eine Gelände-Offenhaltung von 8 Meter Breite mit einer östlich anschließenden Vorgartentiefe von 4 Meter (zur Ermöglichung etwaiger wei­terer Straßenverbreiterung) vorzusehen. Der Bürgermeister empfahl sodann, für sämtliche Llnterstühungsempfänger, wie im Vor­jahre, eine Winterbeihilfe zu bewilligen. Diese soll nach den vom Staate demnächst herauskom­menden Richtlinien bzw. Grundsätzen bemessen werden. Der Stadtvorstand erklärte sich grund­sätzlich mit der vorgesehenen Bewilligung ein­verstanden. Die Verteilung der Llnterstühungen soll unter Hinzuziehung der Armen-, Sozial- und Kleinrentnerkommission, sowie der Erwerbslosen­kommission stattsinden und vorwiegend in Na­turalien vorgenommen werden.

* Lauterbach, 4. Nov. Zu dem Bericht über eine Mitgliederversammlung der Deutschen Dolkspartei in Lauterbach (veröffentlicht imGieß. Anz.", Nr. 257 vom 2. November) wird uns von dem Geschäftsführer Weißer- Gießen folgende Richtigstellung üoermittelt:Der SatzDie Deutsche Volkspartei fordere den Abbau dec höhe­ren Beamtenstellen", gibt den Sinn meiner Aus­führungen höchst entstellt wieder. Ich habe in dieser Versammlung der D. Vp. nachgewiesen, daß in den Nachkrieysjahren die Verwaltung in Darmstadt in einem für unsere wirtschaftliche Lage nicht erträg­lichen Ausmaße angewachsen ist. Sparmaßnahmen, die bei dem hessischen Defizit notwendig seien, müß ten zunächst einmal eine Vereinfachung des Zentral­verwaltungsapparates in Angriff nehmen. Dieser Abbau in der Staatsverwaltung sei eine Forderung der Oppositionsparteien. Außerdem gelte es aber dafür Sorge zu tragen, daß die höheren Beamten­stellen nicht nach dem politischen Glaubensbekennt­nis, sondern nach der Vorbildung und den Fähig- teiten des einzelnen besetzt würden. Der Sinn die­ser Ausführungen ist wohl ein wesentlich anderer, als er in dem oben angegebenen Satz zum Aus­druck kommt."

Mitteln, diese Not zu lindern. So gibt es in Paris verschiedene Jahrmärkte auf dem Montmartre, auf denen man Bilder unter freiem Himmel verkauft, und in dem Viertel des Montparnaffe, in dem sich jetzt die Künstler mehr und mehr angesiedelt haben, findet zweimal jährlich ein Gemäldeoerkauf auf der Straße statt, der von dem KünstlerbundHorde" veranstaltet wird. DieHorde" ist eine Vereinigung, die hauptsächlich durch ihren großen Ball alle Jahre von sich reden macht. Ihre Reklame dafür ist ori­ginell. So wurde man im vergangenen Jahr beim Eintritt in das KünstlercafL derRotonde" durch das Bild eines Gehängten erschreckt, der seine Zunge weit herausstreckte und traurig mit den Beinen schlenkerte. Darunter war zu lesen:Er hat sich auf­gehenkt, weil er nicht am Ball derHorde" teilnehmen konnte. Tun Sie nicht so wie er!" Der diesjährige Ver­kauf auf dem Boulevard Raspail sand bei strömen­dem Regen statt, und unter einem dichten Dach von Regenschirmen ging der Handel flott vonstatten, an dem sich vorüberschlendernde Bürger, herbeigeeille Sammler und auch Händler beteiligten. Viele der kleinen Bilder brachten nur-ein paar Franken-, es hatten etwa 160 Maler diesen Straßenoerkauf be­schickt, und die Summe, die gelöst wurde, belief sich immerhin auf gegen 80 000 Franken. Ein Prozent von dem Erlös fließt der Wohltätigkeitskasse der Horde" zu, die sehr viel Gutes stiftet. Den größten Beitrag liefern die Einnahmen von dem Ball, die sich im vorigen Jahr bei der ersten Veranstaltung auf 15 000 und bei der Wiederholung auf 25 000 Franken beliefen. Der Begründer derHorde", der Bildhauer Dubois, erzählt, daß seine Hilfe viel in Anspruch genommen werde:Da kann sich ein Maler keine Rahmen für seine Ausstellung taufen; man leiht ihm Geld. Einem andern gibt man die Mittel zur Anschaffung von Farben. Neulich kam ein Kamerad zu mir, der keine Schuhe hatte; ich schickte ihn zum Schuster. Ein anderer klagte sein Leid: er hatte vier Kinder krank liegen; ich chng 40 Kilometer, um ihm 500 Franken zu bringen. Jede Hilfe wird sofort geleistet. Dabei sage ich ihnen immer:Seid vergnügt, laßt den Kopf nicht hängen. Bei dem Straßenoerkauf zieht euch so gut an wie ihr könnt: seht nicht aus wie Bettler!"