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Am Sonntag, 10. Oktober I.J., abends 8l/a Uhr, findet im Saale des früheren Hotels Großherzog von Hessen ein Familienabend mit Hausball statt
Eintritt nur gegen Karten, welche unentgeltlich beim Portier im Hotel Schütz zu haben sind
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Mittwoch, den 6. Oktober
Schlachtfest
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: und die Zentralheizung mußte mit ihm besonders -gefeilscht werden. Noch heute war Lily empört. Aber Frau Julie sagte: „Hätte sich ein anderer Mieter gefunden?" „Für mich ist Hutchinson gestorben", oer« sicherte Lily.
Immer schlimmere Nachrichten brachte der Vater nach Hause. Der Konkurs war da. Ein trockener Herr mit einem Lek*!urengesicht amtierte im Bureau in der Jerusalemer Straße. Tag um Tag schwoll der Unmut der Gläubiger. Jede Stunde wurden neue Forderungen angemeldet. Fünfzehn Prozent waren das Aeußerste, was die Gläubiger erwarten durften.
Ständig massierte Ernst Wilemar seinen blanken Schädel. Die dünnen Lippen aufeinandergepreßt, würgte er alles hinunter. Nur das Notwendigste sprach er daheim. Um Jahre war er gealtert. Und zählte doch kaum fünfzig.
Am Silvestertag nahm er Julie beiseite.
„Ich komme von Oriewicz."
Julie horchte auf.
„Du stehst mit Oriewicz in Verbindung? Welchen Sinn hat das? Unser Kredit ist alle, die Börse überdies flau. Ich kann mir nicht denken, was Oriewicz uns noch nützen soll."
„Zehntausend Mark müßte ich jetzt haben," sprach Ernst Wileipar heiß. „Oder fünf. Es wäre etwas zu machen."
„Sagt Oriewicz."
„Weiß Oriewicz. Baugesellschaft und Terag muß man jetzt kaufen. Spätestens im März kommt die Hausse."
„Die Hausse wird nicht kommen, Ernst. Und wenn sie kommt, verpassen wir den richtigen Augenblick." Julie zog die Oberlippe hoch^„Es ist doch sinnlos. Wir haben ja nichts."
„Wir haben Sachwerte. Verkaufen wir etwas, Julie." Durch den Kneifer blickte Ernst Wilemar seine Frau an. Stumm flehten die leicht entzündeten, glanzlosen Augen. „Natürlich nicht für das Geschäfte Dort ist alles verloren. Aber für dich, für die Kinder." Wilemar sprach weiter, seine Stimme bebte. „Für euch, nur für euch. Ich brauche ja nichts. Doch ihr, wie sollt ihr dieses Leben ertragen? Irgendwie müssen wir über das-nächste halbe Jahr Hinwegkommen. Ihr geht mir ja zugunde da." Seine Blicke liefen durch das Zimmer.
(Fortsetzung folgt.)
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Daß Benno frühestens im Januar zurückkommcn würde, wußte sie. Doch nirgends war von Abbazia und Ragusa die Rede gewesen.
Dennoch bezähmte Martina ihre Ungeduld. Erst daheim in dem stillen, weißen Zimmer, das sie jetzt mit Lily teilte, las sie Wort für Wort, Zeile für Zeile. Zur Erholung sei Schwarzkopf an das Meer gereist. Es habe mächtig zu tun gegeben in Serbien. Benno sähe auch schon klarer: Schwarzkopf arbeitete als Vertreter unzähliger Firmen, mit unzähligen Vollmachten ausgestattet. Die Einkaufs- vcrhältnisse in Deutschland waren günstig. Die meisten Kaufleute machten, um ihre Waren loszuwerden, kulante Zahlungsbedingungen. Schwarzkopf war ein Meister darin, kulante Zahlungsbedingungen zu erzielen. Einzelne Kaufleute und Fabrikanten lieferten sogar ganz auf Kredit.
Was Schwarzkopf nebenher noch triebe? Benno konnte sich auch jetzt kein rechtes Bild davon machen. Auch in Abbazia und Ragusa ruhte Schwarzkopf nicht. Immer hingen ein paar verdächtige Gestalten an seinen Fersen. Immer wechselten seine Vertrauensleute. Immer war er hinter anderen Frauenzimmern her. Immer spielte er.
Martina wollte die Fenster öffnen. Auf einmal schien es ihr stickig heiß in dem Zimmer. Aber Lily machte eben erst Toilette. „Schreibt er denn nicht nett?" fragte sie die Schwester. Sie kannte Martina genau. Mit dem Lippenstift in der Hand, forschte sie nach ihren Mienen im Spiegel.
„Doch", lächelte Martina. Immer aufs neue las sie die letzte Seite des Briefes. Langsam und leise bewegte sie die Lippen dabei. Manche Worte knisterten förmlich, wenn man^sie still aussprach. Ganze Sätze waren wie brennende Häuser: dunkelflammig, verheerend, wild. Heiß und kalt wurde es Martina.
Andere Briefe kamen. Drückend waren die Weihnachten vorüberaeschlichen. Martina dachte an den ersten Januar. Fast zählte sie die Stunden. Dann hatte man wenigstens ein Ziel. Hoffentlich gab es viel Arbeit; je mehr Arbeit, um so besser. Besinnungslos mußte man sich auf die Arbeit stürzen.
Frau Julie lächelte zu ihrem Eifer. Sonderbar gefaßt zeigte sich die Mutter in den letzten Wochen. Hatte sie sich schon abgefunden mit allem?
Seit erstem Dezember bewohnte Charles Hutchinson die sechs schönen Zimmer. Er bezahlte nur fünfhundert Mark. Um seinen Beitrag für das Licht
im Gesicht. Di«I bezeugt Herr P. M. Lachmann In Robt)lin, indem er schreibt> „Weil 2hr« Herda- Sett« meiner Tochter die nassen flechten binnen 14 Tagen gebeut und seht eine gang klare Haut vorhanden ist, sage ich, sowie meine Frau, den besten Dank. Meiner Swwester, welche im »efldbt tote Flecken baue, auch auf der Nase, find die Flecken vergangen." Per Stück M. -.65, 50«/, verstärkt M. i — Zur Nachbehandlung ist H e r b a - «Kreme besonder« zu empfehlen. Zu baden in eilen Apotheken, Drogerie» und Parfümerien.
Adter-Drogerte W. Watdschmidt.
Bekanntmachung.
In unser Handelsregister Abt. A wurde heute bei der Firma Modehaus Salomon, Kommanditgesellschaft Gießen, folgendes eingetragen: Nachdem 3 Kommanditisten ausgeschieden sind, sind jetzt noch 3 Kommanditisten vorhanden. 81320
Gießen, den 29. September 1926.
Hessisches Amtsgericht.
Das große Würfelspiel.
Martina Wilemar.)
Roman von Franz Laoer Kappus.
7. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Export und Import?" fragte Carsten mißtrauisch. _ , , „
„Ein Aushängeschild mußte die Firma haben , lächelte Julie fein. „In Wirklichkeit machte Ernst alles, was sich bot. Er war tüchtig, sehr tüchtig. Bald hatten wir unser eigenes Auto, eine herrliche Wohnung, drei Dienstboten. Glänzend waren wir heraus." _
Immer kleiner wurde Carsten auf seinem Sitz.
Julie seufzte schwer. „Und jetzt," sprach sie leise, „jetzt stehen wir vor dem Konkurs."
Zum zweitenmal erfaßte Carsten den Briefbeschwerer. Lange drehte er ihn hin und her. Umständlich untersuchte er den Fuß. In kleinen Buchstaben war dort der Name des Bildhauers zu lesen. Halblaut sprach Carsten: „Stachler. Ein geschickter Mensch."
„Vor dem Konkurs", wiederholte Julie.
Ohne seine Haltung zu verändern, sagte Carsten: „Nein." Und noch einmal: „Nein." Dann erklärte er: „Wenn Sie vor einem Monat gekommen wären: vielleicht. Aber heute: nein."
Mit der Rechten griff Julie in die Luft. „Ich verstehe Sie nicht, Bernhard Carsten. Mir ja — und dem Geschäft nicht?"
„So einem Geschäft nicht."
Klingend lachte Julie.
„Sie können die Bücher einsehen. Auch heute sind die Aussichten noch günstig. Ganz ernst wird jetzt gearbeitet. Wir sollen Motorpflüge liefern: die Korrespondenz ist da. Aber Sie wissen: heute, wo ein paar hundert Mark ein Vermögen sind —"
„Nein", sagte Carsten mit ansteigender Stimme. „Es ist genug gewuchert worden. Unzählige Tausende haben Ihr Automobil bezahlt. Ihre herrliche Wohnung. Ihre drei Dienstboten. Diese Tausende hungern heute."
Julie wurde aschfahl. Mit einem Ruck stand sie auf. Mit zwei Schritten war sie beim Schreibtisch.
„Warum sehen Sie mir nicht in die Augen, Bernhard Carsten?"
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Rheinische hypotnekenhank, fflannheiia.
Wir beabsichtigen nach Maßgabe der gesetzlichen Vorschriften auf 1. Januar 1927 den Besitzern unserer Paviermarkpfand- briefe eine Teilausschüttung durch Aus- bändtgung von 4V2 Goldvfand- bricsen au gewähren, wobei in Aussicht genommen ist, diese Goldvfandbriefe zugleich mit Anteilscheinen für die künftigen Ausschüttungen zu versehen. Alles nähere bleibt einersväterenBekanntmachung Vorbehalten. Im Interesse einer rascheren Abwicklung des VersalirenS empfiehlt cs sich aber, die Pfandbriefe schon jetzt bei unö cinznreichen, wofür jedoch nur unsere Formulare verwendet werden dürfen. Solche Formulare sowie Merkblätter über das etnzuhaliende Verfahren werden von uns kostenlos verabfolgt.
Mannheim, September 1926. [8149D
Rheinische Hypothekenbank.
Hoch wölbte Carsten den Rücken. Ein kurzer, dumpfer Lyut brach aus ihm. Hart setzte er den Briefbeschwerer nieder.
„Soll auch ich hungern?" fragte Julie. „Ich?
Langsam drehte er das Gesicht herüber. Sekundenlang blickte er in ihr stilles, blasses, schönes Antlitz. Hoch und schlank stand sie vor ihm.
„Sie sollen nicht hungern, Julie."
Carsten schloß die Schreibtischlade auf, tauchte die Feder ein und füllte einen Scheck aus. „Es ist nicht viel, es kann nicht viel fein. Ich will nicht Gefahr laufen, daß Sie das Geld in das Geschäft stecken. Es ist für Sie, Julie. Oder für die Kinder. Wie Sie wollen."
„Danke, Bernhard Carsten."
Er erhob sich. Kaum erwiderte er den Druck ihrer Hand. Aber in kurzen Stößen flog fein Atem. „Wenn Sie wieder einmal —" murmelte er, „ich bin da."
„Danke, Bernhard Carsten."
Matt lächelte er zum Abschied.
VI.
Weihnacht kam mit Schnee und klirrendem Frost. Am ersten Feiertage hellte sich der Himmel auf. Weiße Sonne schlug Funken aus Fenster- gesimsen und Balkonen. Fein stäubte es von den Bäumen des Kurfürstendammes. Unwirklich klar war die Luft.
Bis zur Knesebeckstraße ging Martina dein Briefträger entgegen. Sie mußte auf der Hut sein: wenn er in einem Hause verschwand, konnte es lange Minuten dauern, bis er wieder herauskam. Oder sie lief weiter, während er schon hinter ihrem Rücken war.
Ader sie hatte Glück. Der Briefträger lachte, suchte in seiner Ledertasche und reichte ihr zwei Karten und einen Brief. Martina nickte ihm freundlich zu. Wem hätte sie in diesem Augenblick nicht freundlich zugenickt? Wie verzaubert war die ganze Welt. Freude und Glück strahlten aus den Gesichtern der vielen Menschen. Lieblich tuteten die Autohupen, lauter Zufriedene saßen am Steuer.
Die Postkarten waren aus Abbazia. Der Brief zeigte den Stempel von Ragusa. Abbazia, Ragusa — überlegte Martina. Bisher hatte sie Nachrichten aus Wien, Budapest und Belgrad erhalten: lange und kurze Briefe, etliche Karten mit dürftigem Inhalt, ein paar Depeschen voll Leidenschaft und Glut.
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