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unb fuhr auf einem Mvtvrrade davon. Die Ver­wundung des Franzosen ist ernst. Die deutsche Polizei hat sich sofort den französischen Militär­behörden zur Verfügung gestellt, um des Täters, dessen Person bek annt sei, habhaft zu werden. Dr. Dells Reise ins besetzteGebiet.

WSR. Darmstadt, 4. Okt. Infolge der Lleberlastung mit Arbeiten ist der Reichsjustiz­minister und Minister für die besetzten Gebiete, Dr. Dell, gezwungen, seine Reise in das besetzte Gebiet etwas abzukürzen. Er wird am 10. Oktober von Berlin abreisen und sich zunächst nach Darmstadt und Mainz zum Besuch der hessischen Regierung begeben. Darauf besucht er die pfälzische Re­gierung in Speyer. Don da begibt er sich nach Wiesbaden und Kreuznach, sodann in den oldenburgischen Landesteil Birkenfeld. Seme Reise führt ihn dann weiter über D e r n c a st e l, Trier, Aachen und Euskirchen. Am 16. Oktober' wird der Minister über Köln nach Berlin zurückreisen.

Dankerlah

des Reichspräsidenten.

Berlin, 4. Okt. (WB.) Das Büro des Reichspräsidenten gibt folgenden Erlab des Reichspräsidenten v. Hindenburg bekannt:

Auch in diesem Iahre sind mir zu meinem Geburtstage aus allen Teilen des Reiches und von Deutschen aus dem Auslande zahllose Glückwünsche zugegangen, deren Einzelbeantwor- tung mir leider unmöglich ist. Allen, die freund­lich meiner gedacht haben, spreche ich daher auf diesem Wege meinen herzlichen Dank aus und bitte sie zugleich, mit mir weiter auszuhalten im steten Bemühen um die Befriedung und Befreiung unseres Vaterlandes.

Die britische Reichskonferenz.

Die Stellnng der Dominions.

London, 4. Oft (Reuter.) Der südaftlla- nische Premierminister General Hertzog, der zur Tellnahme an der bevorstehenden britischen Reichskonferenz hier eingrtroffen ist, erklärte, die südafrikanische Union wolle auf der Rnch^konfe- krenz nichts anderes sein als ein hilfreicher Genosse bei der Förderung der Interessen der britischen nationalen Gemeinschaft. Es sei nichts Revolutionäres in seinen Absichten verborgen, nichts, was nicht in vollster älebereinstimmung mit den bereits vorhandenen Grundlagen stehe. Der australische Ministerpräsident Druco er­klärte: In London werden wir mit den britischen Ministern die Frage unserer Beziehungen zum britischen Reiche besprechen. Von Separa­tismus kann keine Rede sein. Alle Donu- nions und alle Kolonien beweisen eine solcyr Anhänglichkeit, dah dieses Wort überhaupt Nicht ausgesprochen werden s llte. Aber diese Anhäng­lichkeit kann uns nicht daran hindern eine weit größere Autonomie als die der­zeitige innerhalb des Rahmens des britischen Reiches zu fordern. Wir wün­schen und wir verlangen, wie auch d:e Kandier, daß uns eine immer gröbere Freiheit zugebilligt wird, und dah man uns immer mehr unsere eigenen Institutionen orgäni- sieren läßt.

Die Lage im englischen Bergbau.

L o n d o n, 4. Oft. (WB.) Heute haben nahezu 9000 weitere Bergarbeiter die Arbeit toie- e r ausgenommen. 7000 von ihnen sind in Rottingshamshire und Derbyshire beschäftig, wo die Bezirksausschüsse die Annahme der Regie­rungsvorschläge empfohlen haben. Von unter­richteter Seite wird festgestellt, dah nunmehr die Gesamtzahl der in den Kohlengruben beschäftigten Personen 171419 beträgt. In den Grubenbe­zirken findet in diesen Tagen die Entscheidung der Bezirksorganisationen über Annahme oder Ablehnung der Regierung s v o r s ch lag e statt. Im Westmidlandbezirk beschloß eine Min­derheit der Bergarbeiter die Vorschläge der Re­gierung abzulehnen. In Südwales wurden wah­rend des Wochenendes Massenversammlungen veranstaltet, in denen fast einmüttg für die Ab­lehnung der Vorschläge gestimmt wurde. Im Bezirk von Rorth-Stefford hat der Arbeiter­rat seinen Mitgliedern die Annahme der Vor­schläge empfohlen. Aus den anderen Bezirken liegen die Ergebnisse noch nicht vor.

Besuch des finnischen Staats­präsidenten in Norwegen.

Oslo, 4. Oft (WTB.) Der finnische Prä­sident Relander rst heute vormittag zu einem offiziellen Besuch hier eingetroffen. Die Stadt trägt reichen Flaggenschmuck. Der König, der Kronprinz und zahlreiche amtliche Persönlich­keiten waren zum Empfang auf dem Bahnhof erschienen. Längs des Weges zum Schlosse bil­deten Truppen Spalier. Grohe Menschenmengen bereiteten dem Staatsoberhaupt bei der Fahrt durch die Stadt lebhafte Ovationen. Der finnische Staatspräsident wird sich hier bis Mitt­woch nachmittag aufhalten. In der Begleitung Relanders befinden sich der Außenminister Se- tälä, der Landwirtschaftsminister Sunila, der kommandierende General S i h v o und eine Reihe von Beamten des Ministeriums des Aeutzern.

Kunst und Wissenschaft. 50jähriges Jubiläum des Städtischen Orchesters in Mainz.

Die Begehung des 50jährigen Jubiläums des Städtischen Orchesters in Mainz wurde durch eine akademische Feier im Stadttheater eingeleitet. Oberbürgermeister Dr. Külb schilderte die Verdienste und die Bedeutung des Orchesters für das Mainzer Musikleben und für das deutsche Kul­turleben in der Westmark. Namens der hessischen Staatsregierung beglückwünschte Finanzminister ft e n r i ch das Orchester zu seiner Jubelfeier. Beig. ft i e m e n z gab Kenntnis von der Stiftung eines Fonds zur Unterstützung bedürftiger Orchestermit­glieder. Nachdem ein Vertreter des Orchesters in herzlichen Worten den Dank der Gefeierten für die zahlreichen Ehrungen zum Ausdruck gebracht hatte, fand die stimmungsvolle Veranstaltung mit dem Vortrag der Ouvertüre zur Euryanthe von C. M. o. Weber ihr Ende.

Beekhoven-Gedächtnisfeier in Mailand.

Dom 7. bis 11. Oktober wird die Skala in Mailand eine Gedächtnisfeier für Beethoven ab­

halten in der Form von vier großen Beethoven- Konzerten, in denen alle neun S y in - p h o n i e n zu Gehör gebracht werden sollen. Die Konzerte stehen unter Leitung Toscaninis. Den Schluß der Beethoven-Konzerte wird die Aufführung der 9. Symphonie bilden, bei der 220 Stimmen Mitwirken.

Berufung eines deutschen Kapellmeisters nach Madrid.

Der Generalmusikdirektor ter Kölner Oper, Eugen S z e n k a r, früher Kapellmeister am Frankfurter Opernhaus, ist von der königlichen Oper in Madrid eingeladen worden, Aufführun­gen vonTristan und Isolde" und derWalküre" zu dirigieren. Szenkar hat diese Einladung an­genommen und wird sich im Ianuar 1927 dorthin begeben.

Professor Sauerbruch nach Berlin berufen.

Der berühmte Chirurg der Münchener Univer­ität Geh. Rat S a u e r b r u ch hat einen Ruf als Nachfolger für den am 1. April 1927 in den Ruhe- tand tretenden Direktor der chirurgischen Univer- itätsklinik in Berlin, Professor Otto ft i l d c - brand, erhalten. Sauerbruch, der 1875 in Bar­men geboren ist, war Assistent in Kassel, Erfurt und Berlin, habilitierte sich 1905 in Breslau, wurde Assistent von Friedrich in Greifswald und Mar­burg, bann als Nachfolger Krönleins Professor in Zürich, 1913 in ftalle, 1915 Ordinarius in Mün­chen. Sauerbruch ist berühmt geworden durch einen ür die Kriegsverletzten besonders segensreich ge­wordenen Eingriff. Es gelang ihm, die Ampu­tationslymphe des Armes durch Benützung der Muskeln willkürlich beweglich und jo den Arm ver­mittels einer nach seinen Angaben hergestellten Prothese wieder gebrauchsfähig zu machen. Eine zweite durch Sauerbruch eingeführte Operation ist die Verengerung des Brustkorbes bei Lungenkran­ken durch fterausnehmen von Rippen.

Professor Gutbier t-

In Jena erschoß sich in seinem Laboratorium der Rektor der Universität, Professor der Chemie Dr. G u t b i e r, aus bisher unbekannter Ursache.

Tagung der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft.

In Karlsruhe findet vom 4. bis 7. Oktober die 15. allgemeine Versammlung der deutschen meteorologischen Gesellschaft statt. Anwesend sind zahlreiche hervorragende Fachleute aus allen Tei­len Deutschlands. Auch die österreichische meteoro­logische Gesellschaft ist vertreten. Der feierlichen Eröffnungssitzung in der Aula der Technischen Hochschule wohnten u. a. bei: Anterrichtsminister Remele, Prof. Dr. Iunggärtner, Vertreter der interessierten Behörden und der Stadtverwaltung owie der Technischen Hochschule. Rach einer kur­zen Begrüßungsansprache des Ehrenvorsitzenden, Geheimrat Prof. Dr. Hellmann und Dem Willkommgruß des Ministers und anderer Herren hielt der erste Vorsitzende der deutschen meteoro­logischen Gesellschaft Prof. Dr. S ch m a u ß -Mün­chen einen Vortrag über das Thema:Schulge­mäße und nicht schulgemäße Meteorologie".

Ein Lehrauftrag

über die Entwicklung der Friedensbewegung.

Das preußische Llnterrichtsministerium hat Professor Schücking einen besonderen Lehr­auftrag für die geschichtliche Entwicklung der internationalen Friedensbewegung erteilt.

Aus aller Welt

Schweres Erdbeben?

Paris, 5.Okt (MTV. Funkspruch.) Das Pa- riser Observatorium bestätigt die Meldung des 06- ervatoriums von Faenza, desien Apparate in der Rächt zum IRonfag außerordentlich hef­tige, stundenlang andauernde Erd- töße in 12000 Kilometer Entfernung verzeich­neten. Die Seismographen der französischen Sta­tion haben vier Stunden lang reagiert, und zwar so stark, wie es nur bei katastrophalen Erscheinungen der Fall zu fein pflegt.

Nenn Bahnbcamte im Tunnel erstickt.

Infolge atmosphärischer Einflüsse wurde am Montag der Abzug des Rauches im Ricken- t u n n e l (Schweiz) dermaßen gehemmt, daß das Personal eines Güterzuges durch Kohlengase betäubt wurde. Der Zug blieb dadurch i m Tunnel stecken. Bei den ersten Rettungsver­suchen gelang es, wegen der drohenden Gasver­giftung nur den fteizer des Zuges in bewußt­losem Zustande aus dem Tunnel zu schaffen. Nach den neuesten Feststellungen sind neun Mann des im Tunnel befindlichen Zuges und Lokomotiv- perfonals den Vergiftungen erlegen.

Schweres Handqranateriungliick.

In einem an der Freihafenstraße gelegenen Schrebergarten erfolgte in einer Laube eine hef­tige Explosion. Herbeigeholte Polizeibeamten fan­den vier Kinder, zwei Knaben im Alter von 10 und 5 Iahren, und zwei Mädchen im gleichen Alter, mit zerrissenen Glied­maßen in einer völlig zertrümmerten Laube vor. Drei Kinder waren bereits tot, das vierte starb bald nach der Einlieferung ins Krankenhaus. Die Kinder hatten mit Hand­granaten gespielt, wobei eine der Gra­naten explodierte und die Kinder zerriß. Die Handgranaten stammten aus der Laube eines Schlachters, der bis 1924 der Hamburger Ord- nungspolzei angehörte. Der Schlächter, in des­sen Laube noch weitere Waffen gefunden wur­den, wurde fe st genommen, will jedoch von dem Vorhandensein der Waften in seiner Laube nichts gewußt hoben.

Ein Riesenspriischmuggel aufgedeckt

Im Zusammenhang mit der Beschlagnahme eines Spritschmuggelschiffes auf der Oder bei Schwedt ist ein großes Spritschmugglerkomplott ausgedeckt worden. Es sind Steuerhinterziehungen im Betrage von etwa 750 000 Mk. begangen. Das beschlagnahmte Schiff, eine elegante Pacht, gehörte einem Schiffsingenieur Bauer, der schon lange unter dem Verdacht des Spritschmuggels stand. Finanziert wurde das Schmuggelgeschäft von einem Berliner Bankgeschäft in der Moh- renstraße, dessen beide Inhaber, Otto und Gustav Lindemann, ebenso wie Bauer und ein Ver­kaufsagent Simonsohn sowie ein gewisser Wüst aus Dortmund fest genommen wurden. Bei Buch­prüfungen in der Berliner Bank wurden schwere Unregelmäßigkeiten aufgedeckt. Die be­lastenden Konten waren zum Teil aus den Büchern herausgerissen, dreiviertel Millionen Mark tonhten beschlagnahmt werden. Auch eine An­

zahl von Likörfabriken werden in das Strafverfah­ren einbezogen werden.

Die Ermittlungen in dem Riesenspritschmug­gel mit Hilfe der MotorjachtInge" alias Rixe" ergaben so belastendes Material, daß der Vernehmungsrichter die Haftbefehle gegenKvmmerzienratK. Lindemann, seine Brüder Otto und Gustav sowie gegen den bei der Tleberrumpelung derInge" eben- alls verhafteten Dentisten Rößlers bestätigte. Der flüchtige Ingenieur Bauer ist schon seit langem auf dem Hamburger Hauptzollamt als gewerbsmäßiger Schmuggler be­kannt. Er soll auch zahlreiche Likörfabrikan- ten angeborgt und ihnen dafür Spritlieferungen in Aussicht gestellt haben, die nachher nicht ein» getroffen find. Ebenso soll er sich Autos ver- chafst und diese dann schleunigst weiter verkauft haben. Es ist jetzt gelungen, den Kapitän der dem Kommerzienrat Lindemann gehörenden Iacht Pelikan" festzustellen. Es handelt sich um einen Kapitän Kowih aus Kiel. Die SegeljachtPeli­kan" liegt zurzeit wieder außerhalb der 10 Meilen-Grenze in der Höhe der Swinemünder Bucht und wartet auf dieInge", ohne $u wis- en, dah diese unter polizeilicher Aufsicht im Berliner Westhafen liegt. Das Schiff wird zurzeit von Fahrzeugen der Reichsmarine und den zu- tändigen Hafenpolizeibehörten beobachtet.

Ein Flugzeug für 100 Personen.

Die Junkerswerke sind zur Zeit mit dem Bau eines Riesenflugzeuges für 100 Fluggäste be= djäftigt. Das Flugzeug soll eine Länge von 128 Meter erhalten, vor vier Motoren angetrieben wer­den und aus einer einzigen Flügelfläche bestehen. In dem Flügel sind Räume für die Post, Fracht, Vorräte und für dienstfreie Mannschaften angeord­net. Im vorderen Teil befinden sich die D = 3 u g = artigen Kabinen für 100 Fluggäste mit Ober­lichtfenstern und elektrischem Licht. Die als ftöhen- teuer dienenden Flächen des Flugszeugs enthalten Speise- und Aufenthaltsräume. Der neue Typ soll namentlich für Flüge über den Ozean dienen.

Von einem Traktor erdrückt.

In Schwabmünchen bei Augsburg hatten ein Landwirtschaftsschüler und ein Tagelöhner mit einem Traktor und einem Pfluge ein Stück Land umzuackern. Als beide am Abend nicht zurückkamen, wurde Nachschau gehalten und man fand, daß der Traktor über den Rand der Straße geraten, den 1,5 Meter tiefen Abhang hinabge stürzt war und die beiden jungen Männer unter sich be­graben hatte. Beide konnten nur noch als Leichen geborgen werden.

Oberbürgermeister Boß wieder im Dienst.

Der Oberbürgermeister von Berlin, Böß, der an eitler leichten Furunkulose erkrankt war, hat die Amtsführung im Rathaus wieder übernommen.

Amerikanische Unfallstatistik.

Die amerikanische Straßenbauvereinigung teilt über die Tlnfallzifsern für 1926 mit, dah im Laufe des Iahres bisher 1 3 2 5 0 Personen! durch Automobilunfälle getötet und 50 000 verletzt worden sind.

Franziskusfeiern in Italien.

Die Feierlichfeiten anläßlich der Siebsnhun-- dertjahrfeier des Todestages des heiligen Franz von Assisi sind in Assisi in würdigster Weise be­gangen worden. Sie erhielten ihr besonderes Ge­präge durch die Anwesenheit des Kardinals Merry del Val, der als Vertreter des Papstes mit Gefolge eingetroffen war. Der Kardinal zelebrierte in der Basilika des Helligen Franz über dem Grabe die feierliche Pontifikalmesfe. Die Stadt war abends reich illuminiert. Die Regierung hat den ülitterrichts- minister als Vertreter entsandt. In ganz Italien wurde der 4. Oktober als ein Rationalfeier- t a g gefeiert. Die staatlichen und städtischen Be­hörden sowie die Börse blieben geschlossen.

Zwei Kinder

bei einem Brand ums Leben gekommen.

In Roermvnd (Holland) ist in einem Hotel ein großes Schadenfeuer ausgebrvchen, durch das der größte Tell des Gebäudes eingeäschert wurde. Zwei Söhne des Besitzers im Alter von fünf und sechs Iahren kamen bei dem Brande ums Leben.

Ein 64jähriger zum Tode verurteilt.

Das Schwurgericht Landshut verurteilte den 64jährigen Landwirt Vitus Brunner aus Pattendorf wegen Mordes zum Tode. Brunner hatte am 19. März d. I. den 62jährigen Händ­ler Mayerhofer in einem Walde auf besti- al ische Weise ermordet. Die Leiche wurde erst nach 14 Tagen gefunden. Die Ur­sache der Tat war darin zu suchen, dah der Er­mordete Mitwisser verschiedener Verbrechen war, die die beiden gemeinsam verübt hat­ten und daß er von Brunner mehrmals Geld­beträge forderte. Mayerhofer war bereits mit 20 Iahren Zuch thaus vorbestraft.

Unterschlagung.

Der bereits wegen Betruges vorbe­strafte Alvis Forschner, der vom Roten Kreuz als Kassierer bei der Zenlralsü-forgestelle Düssel­dorf angestellt worden war, hat wiederum Unter­schlagungen in Höhe von 90 000 Mark begangen. Er wurde jetzt vom Gericht zu drei Iahren Zuchthaus verurteilt.

Riesenfälschung.

Ein in München wohnender Optiker aus Würzburg und ein Bankbeamter aus München kauften im Werte von 350 000 Papiermark R a ch- kriegspfandbriefe der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank, das Stück zu 2000 Mark, die der Bankbeamte in seiner Wohnung in Dorkriegspfandbriefe ab-- äni>erte. Im ganzen wurden 70 Stück rm Werte von 16 bis 17 000 Mark bei auswärtigen Banken verkauft. Runmehr wurde in Leipzig der Optiker beim Verkauf von solchen gefälschten Pfand­briefen fest genommen und nach München geschafft, wo er ein volles Geständnis ablegte. So gelang es auch, feinen Genossen festzunehmen. Bei der Verhaftung fand die Polizei noch 10000 Mark vor. Ob weitere gefälschte Pfandbriefe um» gesetzt wurden, ist noch nicht festgestellt.

Wettervoraussage.

Nördliche bis östliche Winde, Nachttemperaturen fallend, tagsüber ziemlich milde, anfangs bedeckt, dann strichweises Aufklaren, trocken.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 16,7 Grad Celsius, Minimum: 8,7 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 10,0 Grad Celsius.

Aus der provmMlhauptstadt.

Gießen, den 5. Oktober 1926.

Richard Haupt.

Zu feinem 80. Geburtstag am 6. Oktober.

Von Dr. Carl W a l b r a ch.

Der Konservator der Kunstdenkmäler von Schleswig-Holstein, Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. D. e. h. R. Haupt, ein Vetter von Geh. Rat Haupt in Gießen, wurde am 6. Oktober 1846 in Düdin gen geboren, wo sein Vater zuletzt Gymnasialdirektor war. Er studierte zunächst in Bern und wohnte dort bei dem aus Gießen stammenden Prof. Rettig, einem Verwandten. In Gießen, wo er der Burschenschaft Germania angehörte, wurde er 1867 zum Dr. phil. promo­viert; 54 Iahre später ernannte ihn die Uni­versität Kiel zum Dr. theol. e. h. Haupt hat als Iünglingden Segen eines eingeschränkten Lebens und einer genauen Haushaltung und die alt­modische und halbverschollene Lehre kennen ge­lernt, daß man keiner großen Geldmittel bedarf, um ein reiches Leberrswerk auszuwirken und auch am Genuß des Lebens einen unverächtlichen An­teil rnitzubekommen und noch entern zu helfen".

Die nächsten Iahre nach Abschluß des Stu­diums war er als Gymnasiallehrer in Hessen, Oldenburg, Baden und Preußen tätig, bis sich in Plön (1873) sein Schicksal entschied: Die alte Liebe zur Kunstwissenschaft, die er gleich seinem Bruder Albrecht (o. Hon.-Prof. in Hannover) offenbar von dem Großvater, dem Dekan und Baumeister K. L. Schmidt in Büdingen geerbt hat, erwachte aufs neue in ihm. In wenigen Iahren stellte er das erste Inventar-der Schles­wig-Holsteinischen Bau- und Kunftdenkmäler her neben seinem Beruf als Gymnasiallehrer, den er erst 1900 aufgab, um sich ganz seinen Studien widmen zu formen. Die Ergebnisse seiner For­schungen legte er (bis 1926) in sechs Riesenbänden von je beinahe 1000 Seiten nieder. ..Es gehörte", schreibt einer seiner Mitarbeiter in dep zu seinem 75. Geburtstag erschienenen Festschrift,die ganze Tapferkeit, die ausharrende Zähigkeit, der wun­dervolle Ordnungssinn, das niemals Irrewerden und auch das Quentchen älngestüm dazu, das Ihnen mitgegeben war", um dies fein Lebens- Wert durchzuführen. Fast alleinstebend hat er das Werk beginnen müssen, bis er allmählich immer mehr Verständnis gewinnen konnte, und heute das ganze Land ihm für seine Arbeit dankbar ist. Da er nicht Historiker oder Künstler von HauS aus war. hat er manchem Angriff sttmdhalten müssen. Aber eine Persönlichkeit wie Haupt konnte das in feinem Ziel nicht irre machen. Durch feine unermüdliche schöpferische Tätigtet wußte er sich Anerkennung zu erringen. Von 1893 bis 1924 ist er erster Konservator der Dau- und Kunsttenk- maler der Provinz Schleswig-Holste n gewesen. Reben der Arbeit an seinem Lebenswerk hatte er Zett und Kraft, sich mtt fast allen Gebieten zu beschäftigen,an den Verstand und Gemüt Anteil nehmen können". So umfaßt das Verzeichnis seiner Veröffentlichungen, von denen besonders die Arbetten über de Vizelinkirchen zu nennen sind, mehr als 450 Rummern. Und eine ganze Menge von diesen handelt von der oberhessi­schen Heimat, insbesondere von Büdingen. Denn auch in der Ferne ist er der Heimat treu geblieben.

Wie er noch als Achtzigjähriger stolz sein Gießener Germanenband trägt, so hat er auch in diesem Sommer noch fröhlich die rote Mütze zur 325-Iahrfeier unseres Gymnasiums in Büdingen getragen. Trotz seines biblischen Lllters ist' es in seinem Herzen ein Iüngling geblieben. Er hat vielerlebt seit seinen Stndcntentagen. Er bat den Ausbau des Dismarckschen Werkes gesehen und seinen 3ufainmenbrucb. Aber vertrauend auf den,der unvergänglich unser aller Geschicke lenkt", schaut er in die Zukunft seines Volkes und in seine eigene. Wir wünschen ihm, daß er noch zu mehr als einer frohen Gelegenheit den schon so oft zurückgelegten Weg in die alte Heimat ftnde, und daß es ihm vergönnt sei, der jetzt erreichten Zahl von Iahren noch manches zuzumessen. Die ober- hessische Heimat grüßt ihn!

Gießener Wochenmarktvreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochen markt: Butter 160 bis 180, Matte 35, Wirsing 7 bis 10, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 8 bis 15, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, S>inat 20. Römisch- kohl 5 bis 8, Unter-Kohlrabi 5, Feldsalat 100, Tomaten 10 bis 30. Zwiebeln 7 bis 8, Meer­rettich 30, Kürbis 8, Kartoffeln 4 b's 5, Aepsel 15 bis 25, Dirnen 10 bis 20, Zwischen 22 bis 25, Brombeeren 50 bis 60, Rüsse 80, junge Hahnen 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 110, Gänse 90 bis 110 Pi. das Pfund: Käse 10 Stück 60 bis 150 Pf.; Eier 15 bis 16, Blumenkohl 10 bis 150, Salat 10 bis 20, Salatgurken 10 bis 30, Endivien 10 bis 12, Ober-Kohlrabi 5 bis 12, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 dis 45 Pf. das Stück; Radieschen 12 Pf.

Vornotizen.

Tageskalender für Dienstag. Stadttheater, ^Ihr, Eröffnungsvorstellung: Der Kaufmann von Venedig" (Ende 10i/t älhr). Deutsche Volkspartei: 8>/i älhr, Restaurant Hindenburg": Mi gliederversamirlung. Licht­spielhaus Bahnhofstraße:Der Dieb von Bag­dad". Astoria-Lichtspiele:Feuer an Bord".

Oberhessische Gesellschaft für Natur- und fteilkunde. Nächsten Donnerstag abend im Physikalischen Institut Sitzung. Näheres in der heutigen Anzeige.

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** Von der Landes-Universität. Dr. George Sessous aus Schlanstedt, Bezirk Magdeburg, wurde mit Wirkung vom 1. September 1926 an zum ordentlichen Professor für Acker- und Pflanzenbau an der Landes-Universität Gießen er­nannt.

** Grundstücksverkauf. Frau Architekt Stein Ww., Celtersweg, hat ihr Gartengrund­stück an der Südanlage, gegenüber der Einmün­dung der Bleichstrahe in die Südanlage jenseits des Klingelbachs gelegen, für 50 000 Mark an einen Frankfurter Käufer zunächst unter Bedin­gung übereignet. Der Kauf ist an den Vorbehalt geknüpft, daß gewisse Pläne des Frankfurter In- teressenten die Genehmigung der Stadt finden. Wie wir hören, sollen auf dem Grundstück ein Kino, ein Cafe und einige weitere Einrichtungen geselligen Charakters geschaffen werden. Ob ge­rate für ein Kino und ein Cafe in unserer Stadt noch Geschäftsmöglichkeiten vorhanden sind, er­scheint doch etwas zweifelhaft.

Sonntags-Sonderzug nach Ro­thenburg o. d. Tauber. Es ist in Aussicht genommen, am Sonntag, 10. Oktober, ehren