Einzelbild herunterladen

Nr. M Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen)Donnerstag, 5. August (926

vtutschlands (Eintritt in den Völker­bund und die Kolonialmanöate.

Don

Gouverneur D. Dr. Heinrich Schnec. M. d. R.

3m September wird voraussichtlich der Ein­tritt Deutschlands in den Dölkerbund stattfinden. Welche Forderungen ergeben sich daraus auf kolonialev Gebiet?

Zunächst erscheint es als selbstverständlich. Last die Ausnahmebestimmungen und Ausnahme- inaftnahmen gegen Deutsche, soweit solche in den Mandatgebieten noch vorhanden sind, in Weg­fall kommen müssen. Mr einen Teil der afri­kanischen Kolonien, soweit sie in das Gebiet des Geltungsbereiches der früheren Kongoakte fallen, ergibt sich das ohne weiteres aus dem im 3ahre 1919 geschlossenen Vertrag von St. Germain- en-Laye. der zwar die alte Kongoatte wesentlich verschlechtert, aber doch den Dölkerbundmitglie- dern das Recht des Beitrittes und ihren Ange­hörigen die gleiche Behandlung wie den Ange­hörigen der betreffenden Kolonialmächte selbst zugestanden hat.

Aber auch in den Mandatgebietcn oder Tei­len von solchen, die nicht unter den revidierten Kongovertrag fallen, müssen noch für Deutsche bestehende Beschränkungen mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund Wegfällen, da sie sich mit dem Sinn und Geist der Völkerbund- sahung keineswegs vertragen. Solche rechtlichen oder tatsächlichen Beschränkungen sind noch in den französischen Mandatgebieten Kamerun und Togo vorhanden, in dem belgischem Mandat unterstellten Teil von Deutsch-Ostafrika (Ruanda- Arundi) sowie in Reu-Guinea (unter austra­lischem Mandat, und Samoa (unter neuseelän­dischem Mandat,.

Ebenso erscheint es als eine selbstverständliche Folge des Eintrittes Deutichlands in den Völker­bund. das; die Liquidationen beschlagnahmten deutschen Eigentums ihr Ende erreichen, wie sie auch heute noch in manchen Kolonialmandaten, z. B. Reu-Guinea. fortgesetzt werden. Es geht doch nicht an, gegen Angehörige von Mitgliedern des Völkerbundes derartige Kriegsmaßnahmen fortzusehen, die angesichts der Unfähigkeit des Deutschen Reiches, die Liquidierten voll zu ent­schädigen, auf nichts anderes als entschädigungs­lose Wegnahme, also Bolschewisierung oder wie Immer man es nennen mag, hinausläuft. Das noch nicht liquidierte Eigenrum muh den recht- mastigen deutschen Eigentümern wieder zugestellt kerben. Cs erfordert dies die Wahrung der Anverlehlichkeit des privaten Eigentums inner­halb des Völkerbundes.

Eine weitere Folge must sein, dah Deutsch­land. ebenso wie es einen ständigen Sih im Völkerbundsrat erhält, auch ein Mitglied in die Permanente Mandatskommission entsendet. Diese besteht gegenwärtig aus neun Mitgliedern, nämlich aus je einem Vertreter der vier Rattonen. welche einen ständigen Sitz im Rat haben, und fünf Mitgliedern. t>tf anderen Ra­tionen angehören. Es liegt auf der Hand, dah man Deutschland als Inhaber eines ständigen Ratssihes ebensowenig die Entsendung eines Vertreters in die Permanente Mandatskommis­sion vorenthalten kann wie den übrigen ent­sprechend gestellten Mächten, und zwar um so traniger, als Deutschland naturgemäß das stärkste Interesse daran hat, die Wahrnehmung der Vormundschaft über diejenigen Eingebvrenen- völker mit zu überwachen, die bis zur Einrichtung des Mandatshstems seiner eigenen Verwaltung unterstanden.

Das Werk des Meisters Hans von Köln.

Don Wilhelm Conrad Gomoll.

Aus Spanien ist eine Nachricht zu uns ge­kommen, die die Kunstfreunde in Deutschland mit Besorgnis aufhorchen lieh: Die Königliche Aka­demie der Schönen Künste zu Madrid hat be­kanntgegeben, dah eines der wertvollsten Bau­werke auf spanischer Erde von unvermeidlicher Einsturzgefahr bedroht wird, falls nicht aus­giebige und schnelle Hilfe das Anheil beseitigt. Es handelt sich hierbei um die wunderbaren gött­lichen Haupttürme der Kathedrale von Burgos, um jenes herrliche und erhabene Kunstwerk eines deutschen Meisters, das sich durch seine große kunstgeschichtliche Bedeutung nicht nur in Spanien selbst, sondern in der ganzen Welt einen Ruf erworben hat. Hochberühmt find die Dogen- gewölbe, die die Haupttürme tragen, die nun, da es wohl der richtigen Aeberwachung und Pflege ermangelte, so bedenklich vom Zahn der Zeit angefressen zu sein scheinen, dah nur noch ein Rot schrei in aller Oeffentlichkeit die Rettung des Werkes verspricht.

Erschüttert durch die Rachricht, hoffend, dah noch das Schlimmste abgewendet werden möge, richten wir nun wieder imfere Blicke auf das historisch und kunstgeschichtlich bedeutsame Gottes­haus. das dort unten im lateinischen Süden wie ein vorgeschobener Posten für den Geist der Gotik, für den himmelanstrebenden Flug deutscher Geistesarbeit schon durch Jahrhunderte Zeugnis ablegt. Inmitten einer fremden Welt, die noch afrikanisch-maurisch eingestimmt ist, erhebt sich die Kathedrale über den eintönig grauen Häusern von Burgos als weithin sichtbares Wahrzeichen. Wer aus dem nordwestlichen Grenzlande der Pyrenäen, aus den Küstenstrichen des Golfes von Biskaya und den baskischen Provinzen zum tafelförmigen Hochlande Altkastiliens hinaufsteigt, kommt in die von nördlichen Winden beherrschte, kälteste Zone Spaniens. Acht Monate währt dort oben der Winter. Oede ist die Landschaft, durch die hier der Reiseweg über Valladolid nach

Endlich wird mit dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund die Uebertragung von Kolo­nialmandaten auf das neue Mitglied aktuell. Der Reichsauhenminister Dr. Strefemann hatte bereits in seinem Memorandum vom September 1924, in dem er die Voraussetzungen für den Ein­tritt Deutschlands in den Völkerbund darlegte, hervorgehoben, dah Deutschland erwarte zu ge­gebener Zeit aktiv an dem Mandatsvftem be­teiligt zu werden. In Locarno ist dann die Uebertragung von Kolonialmandaten zwar nicht Gegenstand schristlicher Abmachungen gewesen, wohl aber ist. wie erst kürzlich der englische erste Minister Baldwin auf Anfrage im Unterhause feststellte, der deutschen Delegation mündlich mit­geteilt worden, dah Deutschland, sobald es Mit­glied des Völkerbundes sei, ein möglicher Kan­didat für Kolonialmairdate, wie jedes andere Mitglied sein würde. Er fügte hinzu, dah ein bestimmtes Versprechen nicht gegeben sei und dah nach englischer Auffassung das englische Mandat über Deutschostafrika dauernd sei.

Die letztere Auffassung ist zweifellos un­richtig. Wie immer man sich auch zu der Frage der Souveränität stellt, ob man die mit ge­wichtigen Gründen belegte Meinung derer teilt, welche dem Völkerbund die Souveränität zu­schreiben, oder ob man der Ansicht ist, dah die Souveränität noch bei denalliierten und asso­ziierten Hauptmächten" verblieben ist, zu deren Gunsten nach dem Versailler Vertrag Deutsch­land auf seine Rechte verzichtet hat, jedenfalls entbehrt die These des englischen Kabinettes jeder Grundlage. Rirgends ist, weder im Ver­trag, noch in der einen integrierenden Bestand­teil des ersteren bildenden Völkerbundsahung irgend etwas von einem selbständigen dauernden Recht des Mandatars aus das Mandatgebiet gesagt. Im Gegenteil heiht es ausdrücklich in der Völkerbundsahung, dah die betreffenden Ra­tionen die Vormundschaft lediglich als Mandatare des Bundes und in feinem Rainen führen. Der Völkerbundsrat hat übrigens selbst kürzlich die Auffassung der Permanenten Mandatskommission gebilligt, wonach die Mandatsmächte in keinem Teil des ihnen anvertrauten Mandat gebiet es andere als Verwaltungsrechte besitzen. Hieraus geht hervor, dah der Völkerbundsrat und zwar unter Zustimmung des englischen Vertreters eine andere Meinung von den Kolonialmandaten hat als die, welche der englische Erste Minister in dem Anterhaus in London betreffend Deutsch­ostafrika zum Ausdruck gebracht hat.

Das völlig Anhaltbare dieser letzten Auf­fassung wird besonders klar, wenn man die Ent­stehungsgeschichte des Mandatsystems betrachtet. Rach dem von Baker in seinem bekannten Wilson- buch veröffentlichten Geheimprotokoll des Rates der Zehn von Anfang 1919 schlug Lloyd George namens der englischen Vertreter die Annexion der deutschen Kolonien vor. Präsident Wilson widersprach dieserVerteilung der Kriegsbeute" und bestand seinerseits auf dem Mandatshstem. Dem gaben schließlich die Staatsmänner der anderen Rationen nach, wenngleich sie es ver­standen, Wilson zu dem Zugeständnis der Ver­teilung der Mandate unter die Mächte nach deren Abmachungen zu bewegen. Daß habet aber keines­wegs an die dauernde Uebertragung dec Mandate zu eigenen Rechten an die Mandatare gedacht wurde was ja auch völlig unvereinbar mit dem Wortlaut und Sinn der von allen unter­schriebenen Völkerbundsahung ist, ergibt sich daraus, daß noch am 2. Mai 1919 das amerika­nische Pressebureau berichtete, dah, obgleich Deutschland vorläufig jegliche Kolonie versagt weiche, die Sache noch mcht endgülttg geregelt

Madrid führt. In der Höhe von 850 Metern, am Rande eines einförmig wirkenden Höhenzuges, trifft der Reisende auf die Trümmer einer ehe­mals mächttgen Burganlage: es ist das einst stolze Kastell, das eltehrwürdige Caput Castellae, das aus den Romanzen des Cid bekannte Burgos. In früheren Zeiten ein Königsfitz, um den sich machtvoller Adel scharte, dessen Rähe vermögende Kaufherren suchten, ist die Stadt heute zu einem armseligen Provinznest geworden. Von den düste­ren Häusern und traurigen Gassen der Stadt spräche man wohl schon längst nicht mehr, wenn nicht die Kathedrale noch immer in das Land hineingrühte, wenn ihre Türme nicht den Ruhm Gottes predigten, wie feine zweiten im ganzen Lande. Herrlich durchbrochen, durchleuchtet von der Farbe des Himmels, ragen ihre Helme auf. Ein Filigran aus Stein hebt sich mit entzückender Leichtigkeit empor, und es ist begreiflich dah König Philipp II. einmal das Wort sprach, die Laterne sei ein Gebild der Engel, kein Werk von Menscheichand.

Der deutsche Altmeister der spanischen Kunst­geschichtsforschung, Carl 3 u st i, hat an diese Aeuherung des spanischen Königs angeknüpft, als er niederschrieb, wie er inmitten der trost­losen hochkastilischen Landschaft dieses 'Bauwerk fand:3m Schweigen dieser Oede" wirkte es auf ihnwie eine aus den Lüften tönende Musik von Menschen- und Engelzungen, ein Hymnus von Geschlechtern, Taten und Gedanken, die längst im Strom der Zeiten versunken sind". - Herrlicheres Lob kann man wohl nicht spenden. Doch es muh verdient fein, denn wie schon von altersher nennt auch heute noch das Volk dieses Gotteshaus:Mutter und Haupt der Kirchen Casttliens". Anfänglich geht der Bau auf eine kleine Kapelle zurück, die 1096 Alfons VI. im romanischen Stil hatte errichten lassen. Als sie nicht mehr genügte, wurde Bischof Mauricio von Burgos die treibende Kraft für den Ausbau. Er mußte den jungen König Ferdinand für den Kathedralenbau zu erwärmen, und faßte so alt die Eindrücke durch, die er auf einer Reise in Frankreich und Deutschland empfangen hatte. Er war als Brautwerber des Königs an den Hof nach Speyer gezogen und führte die Tochter des ermordeten Ätmigä Philipp von Schwaben,

(ci. Wilson hätte vorgeschlagen, daß Deutsch­land genügendes Kolonialgebiet wieder zurück­erhalten solle, um es von anderen Ländern be­züglich tropischer Rohstoffe unabhängig zu machen und ihm keine Sphäre für Auswanderung zu gewähren. Deutschland sollte keinerseits Zulagen, daß es keine militärischen oder politischen Pläne in dielen Kolonien verfolgen wolle."

Diese Absichten wurden zwar nicht ausge­führt, da die Vereinigten Staaten von Amerika den Vertrag nicht ratifizierten. Aber aus vieler Entstehungsgeschichte des Mandatsystems geht klar hervor, dah die betreffenden Gebiete den Man­dataren nur zur Verwaltung zu treuen Händen, als trustees übergeben werden sollten.

Es geht nicht an, und ist mit der Vertrags­treue nicht zu vereinbaren, dah jetzt hinterher Anterzeichner des Versailler Vertrages, mit dem die Völkerbundsahung ein untrennbares Ganzes bildet, sich andere Rechte aneignen wollen, als ihnen zugestanden sind. Die Beanspruchung von Mandatgebieten zu dauerndem Besitz kommt prak­tisch auf Forderung der Annexion heraus. Dies ist aber bet den Verhandlungen über den Ver­sailler Vertrag gerade vom Präsidenten Wilson verhindert worden.

Mit welchen Gründen ist die Wegnahme der deutschen Kolonien und ihre Anterstellung unter die Mandatsverwaltung anderer Rationen mo­tiviert tirorben? 3n den beiden Roten vom 16. 3uni 1919, mit denen mittelst Ultimatum die Annahme des Versailler Diktats erzwungen wurde, ist die Antwort gegeben: tragen deutscher kolonialer Anfähigkeit und Anwürdigkeil. Diese Behauptungen sind längst als unrichtig crtolefen und durch die Erklärung in Locarno, dah Deutsch­land im Falle seines Eintrittes in den Völker­bund ebenso wie andere Mitglieder für Kolo­nialmandate kandidieren könne, von den Alliierten selbst aufgegeben worden. Wie wollen die Man­datmächte trotzdem die Beibehaltung der Man­date dem neuen Völkerbundmitglied gegenüber rechtfertigen? Wollen sie nachträglich die in den Roten angegebenen Gründe als bloßen Vorwand hinstellen und die Völkerbundsahung als Deck­mantel für tatsächliche Annexionen? Ein solches Verfahren mühte moralisch von der gairzen Welt verurteilt werden, würde auch angesichts des von ihnen unterzeichneten Vertrages einen Rechts­und Vertragsbruch bedeuten.

Die Mächte, welche den Locarno-Vertrag geschlossen und damit den Weg der Verständigung betreten haben, können sich der Konsequenzen bezüglich der Kolonialmandate nicht entziehen. Sie sind hinsichtlich einiger Mandatgebiete in ihren Entschließungen lediglich an die Zustim­mung des Völkerbundes gebunden, ohne daß die Mitwirkung einer anderen Macht oder eines englischen Dominions als Mandatar in Frage käme. Es sind dies Deutschostafrika, in dessen Hauptteil England allein, sowie Kamerun und Togo, in denen zum größeren Teil Frankreich, zum Heineren England das Mandat wahr- nehmen. Die Uebertragung des Mandates über diese afrikanischen Kolonien aus Deutschland würde eine Tat ebenso der Gerechtigkeit wie einer weisen Politik sein. Dah das übervölkerte Deutsch­land, das auf feinem zu kleinen Gebiet seine wachsende Bevölkerung nicht ernähren kann, eine Erweiterung seiner Bvdengrundlage über See erhält, auf der es Rahrungsmittel und Roh­stoffe erzeugen kann, ist nicht bloß eine Rot- wendigkeit für uns Deutsche, sondern liegt ebenso im Interesse der ruhigen Zukunftsentwicklung Europas.

Prinzessin Beatrix, nach Spanien. In Deutsch­land wie auch in Frankreich wuchsen damals die großen Dome empor, und so ist es verständlich, wenn das Gotteshaus in Burgos, von den ande­ren Bauten beeinflußt, mancherlei Anklänge auf- weist.

'Bischof Mauricio tonnte die Kirche nicht voll­enden. Es bleibt ihm aber der Ruhm, mit dem Bau die erste Kirche im mittel-französischen Kathedralstil des XIII. Jahrhunderts auf spa- irischem Boden begonnen zu haben. Er half diesem Stil die Pyrenäen zu überschreiten, wo er sich dann eine neue Provinz erobern konnte.

Mit vollendetem Chor, doch ohne Türme, stand der Bau Mauricios, bis ihn um die Mitte des XV. Jahrhunderts Bischof Alonso de Car­tagena mit neuer Baulust förderte. Er berief fremde Baukünstler nach Spanien, und unter die­sen befand sich auch Hans von Köln. Auch Bischof Alonso hatte auf einer Konzilfahrt die deutschen Dome kennen gelernt, die seinen Dau- Willen angesport haben müssen, und so wuchsen nun unter dem Meister, der in der Kölner Dom­bauhütte geschult worden war. die herrlichen Steinnadeln auf, die das Entzücken der Welt und ein Meisterwerk des XV. Jahrhunderts wurden. In den baugeschichtlichen Akten der Kathedrale von Burgos ist Hans von Köln viele Male als Juan de Colonia aufgeführt, und im 12. Baujahr wird er als Maestro de las obras genannt. Seine entwerfende und aus­führende Arbeit ist einwandfrei festgelegt und alles weist daran nach Deutschland: verwandte Züge führen nach Köln, Freiburg, Basel.

Hans von Kölns Raine ist aber auch noch weiter mit der künstlerischen Entwicklung der Kathedrale verknüpft. Der deutsche Meister hei­ratete in Spanien und gründete eine Familie von Baumeistern. Alle arbeiteten nach ihm an dem Dombau. Simon von Köln, der älteste Sohn von Hans, war dreißig Jahre daran tätig, und Franz von Köln, in Spanien als Francisco de Colonia wie Simon gerühmt, schufen manche herrlichen Einzelheiten und Beigaben, durch die dieses wunderbare Steingedicht noch an Wert gewann.

Pressefreiheit am Rhein"

In den letzten Wochen mehren sich die Fälle von Ausschreitungen der Befatzungstruppen. Sie bringen auch dem unbesetzten Deutschland zum Bewußtsein, daß die Zusicherungen von Locarno sogar in den selbstverständlichen Belangen noch keineswegs erfüllt find, baß immer noch ein System sich geltend macht, das ein Hohn aut den verkündeten Geist des Friedens und der Ver­ständigung ist. während schon vor gerade heben Jahren, am 29. Juli 1919, die hier an der Be­setzung beteiligten alliierten Regierungen der Be­völkerung freie Ausübung ihrer persönlichen und staatsbürgerlich n Rechte. Freiheit der Presse, der Wahlen und Versammlungen zusicherten. Can besonderes Kapitel bildet die Freiheit der Met- nungsäußerung im gedruckten Wort Wie dte Presse durch die Besayungsherrschaft dauernd be­droht wurde und was die Presse in alt den Jahren gelitten hat. das vermag im unbesetzten Gebiet der Außenstehende fd>tocr zu ermessen, mit Ausnahme der Zeitungsleute selbst, da ja auch Druckerzeugnisse des unbesetzten Gebiets viel­fach verboten wurden und noch verboten werden.

Es ist deshalb ebenso für die künftige Ge­schichte dieser Zeit bedeutsam wie für dte Gegen­wart und das ganze deutsche Volk von Belang, wenn jetzt 5um erstenmal hierüber eine zusam­menfassende Darstellung erscheint als Sonder­heft der Süddeutschen Monatshefte (München) unter dem TitelPressefreiheit am Rhein, an Ruhr und Saar' Zum erstenmal ist hier der Kamps der deutschen Presse gegen die fremden Bedrücker vom Einmarsch bis zur Gegen­wart packend und durchaus überparteilich dar- gestellt von Forschern der Zeitungswissenschaft wie von Männern der Feder selbst, die jenen Kampf um Recht und Freiheit so oft mit Kerker. Mißhandlung und Verjagung büßen mußten. Rur angedeutet irarben kann hier der reiche Inhalt, der eingeleitet wird von Präsident Dr Kauf­mann. dem Vorsitzenden des ReichSverbandrs der Rheinländer in Berlin. Das Kapitel der Pre'severordn ungen gibt ein fesselndes Bild von der wechselnden, willkürttchen Anter- drückung der Zeitungen, darunter auch von jenem damaligen besonders unsittlichen Zwang, täglich einen rein französischen Rachrichtendten«. (Havas) im Amfang von tausend deutschen Worten un­verkürzt und ohne jeden Kommentar zu bringen. Das berührt sich eng mit der eigentlichen fran­zösischen Pressepropaganda an Rhein und Ruhr, die auch völkerpsl)chologisch Beachtung ver­dient, so besonders in der Geschichte des in deut­scher Sprache herausgegebenen französischen R a ch r i ch t e n b a 11 s" mit seinen raffinierten Methoden der Seelenvergiftung und Gegenpropa­ganda gegen alle wahren Meldungen über die schwarze Schmach, die Ausschreitungen undAeber- griffe der Befatzungstruppen und Behörden und die Kriegsschuldlüge. Verschiedene Spottbilder diesesschmutzigsten Blattes der Welt" sind in dem Hefte wiedergegeben.

Es folgt eine ebenso wertvolle wie inter­essante Statistik über die Verbote der Ret­tungen aller Richtungen und Parteien im ge­samten verflossenen Zeitraum Erschütterrrb sind die Kämpfe, Leiden und Schicksale der Zeitungen wie der einzelnen Redakteure, Verleger und ihrer Familien während des Ruhreinbruchs. Die Anter- suchungen find bis auf die Gegenwart, bis auf Locarno durchgeführt. Das gerade ist das Be­drohliche der heutigen Lage, daß die Bedrückung immer noch an bauert. So verurteilte das französische Militärgericht in Mainz am 1. Sep­tember 1925 den Schriftleiter Pfund vom Alzeyer

Erlebnisse mit Gorillas.

Als vor mehr als 2000 Jahren der kartha­gische Admiral Hanno von seiner ilmfeglung der afrikanischen Küste die ersten Gorillas mitbrachte, da hielt man sie fürhaarige wilde Menschen" und mußte sie töten, da sie auch gefesselt nicht zu halten waren. Seitdem ist dem Gorilla der Rus beofnberer Wildheit geblieben, aber beim näheren Umgang mit diesen Tieren zeigt sich, daß diese Anschauung nicht richtig ist. Alice Cunningham, die in Afrika viele Monate mit den Gorillas in vertrautem Umgang gelebt hat, und die be den berühmtesten Exemplare dieser Gattung, John Daniel I. und John Daniel II.. mitgebracht hat, ist der Ansicht, daß der Gorilla nicht schwere.' zu behandeln ist als irgend ein anderes pflanzen­fressendes Tier. Sein Benehmen muß nur richtig gedeutet werden. So glaubte Duchailu. der um 1860 die ersten Gorillas fing, daß es ein Zeichen von Wut sei, wenn sie sich gegen die Brust schlagen. Miß Cunningham stimmt aber darin mit anderen erfahrenen Gorillajägern überein, daß dies ein Zeichen besonderer Freude und Wohl­behagens ist.Ich habe an den drei Gorillas, die ich aufgezogen habe," schreibt die Dame, ,bie größte Freude erlebt. Sie waren ganz jung, zwischen 3 und 6 Jahren alt, und ich ließ sie ganz ungestört aufwachsen, ohne ihnen irgenb- welche Kunststücke beibringen zu wollen. Die einzige Ausnahme bestand darin. Daß ich ihnen Reinlichkeit beibrachte, die sie sehr schnell lernten. In bezug auf die Reinlichkeit ihrer Körper hatten sie nichts zu lernen, denn ich fand, daß sie sehr sauber waren, als ich sie fing. Affen und andere wilde Tiere sind in wildem Zustande sehr sauber: nur wenn die armen Geschöpfe unter ungesunden Verhältnissen in der Gefangenschaft gehalten wer­den. sind sie von Würmern und anderem An- geziefer heimgesucht. Was man an den Assen in den ZoosLausen" neimt, das ist nur das 216- suchen von Hautstückchen und Staub, das sie an sich selbst und anderen vornehmen. Sehr auf­fallend ist es. daß die Gorillas instinktiv Spiele vornehmen wie menschliche Kinder: so jagen sie sich z. D. und spielen Verstecken. Sie benehmen sich dabei wie Kinder und spielen sogarBlinde­kuh".