Nr. 181 Erstes Statt
116. Jahrgang
Donnerstag, 5. August 1926
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Gietzener Anzeiger
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Dr. Friedr Wilh. Lange. DerantwoNlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange: für Feuilleton Dr H.Tyyriol: für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Gießen.
Amerika an öre Kaufleute der Welt.
Die Gründung der Internationalen Handelskammer, an der jetzt so ziemlich alle zivilisierten Staaten beteiligt sind, ist von Amerika ausgegangen, und dieses spielt dort auch die erste Geige. Das ist begreiflich, denn Amerika beherrscht nun heute einmal den Geldmarkt vollständig, und zweitens sind seine Handelsverbindungen mit andern Ländern am größten. Dor einiger Zeit hat das amerikanische Glied der Internationalen Handelskammer einen Ausschuß eingesetzt, der die Frage prüfen sollte, was für hauptsächliche Hindernisse im internationalen Handelsverkehr vorhanden sind und wie diese am besten beseitigt werden könnten. Der Bericht ist jetzt beim Sekretariat des amerikanischen Verbandes von Handelskammern eingereicht worden.
Es werden darin sechs besondere Hindernisse aufgesührt. die dem allgemeinen Handelsverkehr im Wege stehen. DaS sind die sinkende Kaufkraft der Bevölkerung in allen Ländern. der sinkende Wart aller Währungen, das Schwanken der Wechselkurse, die politische Unsicherheit, die starke Vermehrung der Zollgrenzen durch das Entstehen neuer Staaten, die Einmischung fast aller Regierungen in Angelegen- beiten des Handels und der Industrie in einem, Maße, das man früher nicht kannte.
Daß diese angeführten Punkte tatsächlich im wesentlichen die Mitschuld an der ungünstigen Gesamtlage des Handels tragen, ist unbestreitbar. Wir vermissen jedoch die Angabe des eigentlichen Grundes für die heutigen Zustände, nämlich den Weltkrieg und seinen Ausgang. Ein gewisses Fortschreiten aus dem Wege der Erkenntnis ist allerdings in der Bezugnahme auf die Vermehrung der Zollgrenzen zu erblicken, und damit wird auch auf den Kern des ILebels hingewiesen, nämlich auf den sogenannten Friedensvertrag von Versailles. Eines der schwersten Liebel, die wir diesem erbärmlichsten aller Machwerke zu verdanken haben, ist die Balkanisierung Europas. die Zerreißung in eine große Anzahl kleiner Staaten, die als Glieder des internationalen Handelsverkehrs weiter nichts zu erzielen vermögen, als unabsehbare Hemmungen und Schwierigkeiten hervorzurufen. Wo es früher nur drei große Reiche, also auch nur drei Zolllinien gab. sind heute im ganzen sieben bis acht Staaten von ganz verschiedener Größe vorhanden, die sich teilweise untereinander durch hohe Zollmauern abgeschlossen haben und zum andern Teil schon seit längerer Zeit untereinander im Zollkrieg liegen. Es kommt hinzu, daß der auf die Dauer ganz unmögliche polnische Korridor sich mitten durch deutsches Gebiet schiebt, und hier sogar zwe» neue Zollgrenzen geschaffen hat.
Die Klage amerikanischer Reisender über die Häufigkeit der Zollgrenzen in Europa ist nicht ganz neu. Wir haben schon mehrfach Aeußerungen des Erstaunens darüber gehört, daß man auf einem so kleinen Gebiet nach wenigen Stunden Bahnfahrt immer wieder neue Zollrevisionen und Zollplackereien durchmachen muh. Aber bei dem kurzen Gedächtnis und der bekannten Oberflächlichkeit des Turchschnittsamerikaners brauchen wir uns nicht darüber zu wundern, dah die Herrschaften vollständig vergessen, welches Maß von Schuld ihr damals vergötterter Präsident W i l- son an diesen Zuständen trägt. Er hatte die Macht, das Zustandekommen des Vertrages von Versailles und die unhaltbare Zerreißung Deutschlands durch den polnischen Korridor, sowie die Errichtung zahlreicher Zollschranken zu verhindern. Jetzt lernt auch die amerikanische Handelswelt an praktischen Beispielen erkennen, was für ein gewaltiger Schaden vor sieben Jahren angerichtet worden ist.
Auch die dauernde politische il n - sicherheit, die in dem Bericht beklagt wird, ist die natürliche Folge des Entstehens so vieler neuer Staaten, von denen verschiedene sich schwerlich auf die Dauer halten können. Gerade nach amerikanischem Zeugnis haben die Polen bereits ihre Llnfähigkeit reichlich bewiesen, sich aus die Dauer selbst zu regieren. Es ist daher kein Wunder, wenn unter solchen Verhältnissen mit der politischen Ungewißheit und mit den zahllosen Erschwerungen jedes geregelten Handelsverkehrs auch die Währungen in heftiges Schwanken geraten. Die äußeren Symptome der Kraniheit haben die amerikanischen Doktoren richtig erkannt, und es ist erfreulich, daß sie immerhin soweit gekommen sind, auch der Welt ihre Weisheit nicht vorzuenthalten. Aber wir möchten wünschen und hoffen, daß sie auf dem jetzt betretenen Wegeder Erkenntnis schnell weiter fortschreiten, und schliehlich dahinkommen, den Dingen a^us den Grund zu schauen. Wenn erst die ganze amerikanische Handelswelt erkannt haben wird, daß der Friede von Versailles als Ganzes der friedlichen Entwicklung und der Rückkehr zu ge- - fanden Zuständen hinderlich ist. dann werden sie vielleicht auch die einzig mögliche Schlußfolgerung fcarauS ziehen.
Der amerikanische Vorschlag.
Reuhork. 4. Aug. (WB.) Das „Journal of Commerce" meldet aus Washington, daß das Amerikanische Komitee der 3n- ' ternationalenHandelskammerin einer Erklärung den Vorschlag unterbreitet, die Kaufleute der ganzen Welt sollten sich durch Vermittlung der Internationalen Handelskammer
Weitere Inflation in Frankreich?
Die Bank von Frankreich kaust Gold und Devisen!
Paris, 4. August. (WTB.) Der angekündigte Gesetzentwurf, durch den die Bank von Frankreich ermächtigt werden soll, Gold und Devisen an der Börse zu kaufen, was ihr durch ein Gesetz vom 12. Februar 1916 untersagt war, ist heute nachmittag in der Kammer eingebracht worden. Er enthält vier Artikel. Die Bank von Frankreich darf nach dem Gesetzentwurf für die entsprechende Menge Gold oder Devisen, die sie erwirbt, Banknoten ausgeben, die nicht zum Notenumlauf, dessen Höhe festgelegt ist, hinzugerechnet werden sollen. Außerdem erhält der Finanzminister die Ermächtigung, innerhalb dreier Monate mit der Bank von Frankreich Abmachungen zu treffen, die zur Vorbereitung der Währungs- stabilificrung durch Hebung des Frankenkurses geeignet sind. Zn der Begründung wird der Standpunkt vertreten, daß es klar sei, daß die gegen Metall- oder Devisenbestände ausgegebenen Banknoten nicht als eine neue Inflation angesehen werden könnten, da sie ja zu 100 Prozent gedeckt sind. Jedenfalls werde dieses Gold und diese Devisen den zur Deckung des Notenumlaufes vorhandenen Bestand verstärken.
DerFinanzausschutz der Kammer für Poincar^s Plan.
Paris. 4. Aug. (WB.) Der Finanzausschuß der Kammer hat heute vormittag mit der offiziösen Prüfung des Regierungsentwurfs betreffend die Amortisierungs- kaffe begonnen.
Der Generalberichterstatter de Chappe- d e I a i n e gab zunächst Kemrtnis von einer 11 n- terredung mit Poincars, nach der dieser nicht beabsichfige. dem eigentlichen Text des Gesetzes einen verfassungsmäßigen Charakter zu geben, sondern von der Rattonalversammlung einen einzigen Artikel unter folgenden Bedingungen annehmen zu lassen: Dieser Artikel würde die
Unantastbarkeit der Amorlifierungskasse ihres Bestehens und ihres Funktionierens und ebenso die dauernde unverminderte Speisung mit den notwendigen Mitteln
garantieren. Außerdem würde feine Präzisierung über die Einzelheiten der der Kasse zufließenden Mittel in dem Text enthalten sein, so daß die Rechte des Parlamentes in finanzieller Hinsicht gewahrt bleiben würden.
Don radikaler Seite wurden Bedenken dagegen erhoben, daß bereits jetzt die für die Amortisierungskasse bestimmten Mittel in einem verfassungsmäßig zu haltenden Texte festgelegt würden, während von sozialistischer Seite angekündigt wurde, daß man den alten sozialistischen Plan für die Ausbeutung des Tabakmonopols in Form eines Gegen- entwurfes wiederaufnehmen würde.
In der Rachmittagssihung des Finanzausschusses erstattete Ministerpräsident Poincars zunächst Bericht über den Regierungsentwurf betreffend die Amortisierungskasse. Er betonte dabei seine bereits am Dormittag vom Generalberichterstatter de Chappedelaine übermittelten Aeußerungen betreffend den Charakter des Gesetzentwurfes. Aus eine Anfrage des Abgeordneten Blum über die der Amortt- sierungskasse za gewährende Ermächttgung, sich D o r s ch ü s s e leisten zu lassen, erklärte Poin- care, daß diese Dorschüsse überhaupt nichts'mit denen der Dank von Frankreich an den Staat gemein hätten und daß er auf keinen Fall die Erhöhung des für diese Vorschüsse festgesetzten Betrages ins Auge fassen würde. Poincars ging alsdann über zur Erläuterung des Regierungs- eittwurses betreffend die
Ermächtigung der Bank von Frankreich, Gold und Devisen im Hinblick auf die Stabilisierung des Franken anzukaufen.
Auch hier gab Blum seinen Bedenken Ausdruck, daß dadurch, daß die Dank von Frank
reich ermächtigt werden solle, auf Grund dieser Devisen und Goldstücke Roten auszugeben, eine neue Inflation im Anzuge sei. Poincars suchte dies zu entkräften und erklärte, daß diese neue Ausgabe von Danknoteri auf keinen Fall als eine neue Inflation angesehen werden könne, da sie restlos durch den Wert des von der Dank von Frankreich zu erwerbenden Devisen- und Goldbestandes gedeckt würde. Poincars betonte, daß er bei der Deratung der beiden Gesetzentwürfe für jeden einzelnen Artikel und für die Gesamtannahme die Vertrauensfrage stellen und auf keinen Fall irgendeine Aenderung am vorgelegten Text annehmen werde. Dagegen wäre er bereit, gewisse unwesentliche Aenderungen am Entwurf der Amortisierungskasse anzunehmen. Auf die Frage, ob es nicht angebracht sei, auswärtige Kredite für die Währungs- ftabili|ierung heranzuziehcn, erwiderte Poincars, daß er prinzipiell nicht dar gen fei, daß man aber für den Augenblick nicht daranzu denken brauche. Er frage sich auch, ob es nicht angebracht sei. eine innere Kon - > olidierungsanleihe aufzulegen, sobald die Marktlage es gestatten würde, die jedoch keineswegs vor Ende September in Frage kommen könne. Zum Schluß forderte Poincars den Ausschuß auf, möglichst schnell die Beratung zu fördern, damit die beiden Gesetzentwürfe morgen in der Kammer und am nächsten Dienstag in der Rationalverfammlung. für die bereits alle Vorbereitungen getroffen feien verabschiedet werden könnten.
Rachdem P o i n c a r e den Ausschuß verlassen hatte, wurde in die Einzelberatung eingetreten. Ein sozialistischer Gegenentwurf und ebenso ein anderer, der von einem Mitglied der Gruppe Marin gestellt war, wurden abgelehnt.
Schließlich wurden die beiden Gesetzentwürfe mit 12 gegen 7 Stimmen angenommen. Rur unwesentliche Aenderungen wurden am Statut für die Amortisierungskasse hinsichtlich der Zusammensetzung des beratenen Ausschusses dorgenommen und bei dem Gesetzentwurf, betreffend den Ankauf ton Gold und Devisen auf Antrag des radikalen Abgeordneten Margaines. mit dem Ministerpräsident Poincars sich einverstanden erklärt hatte, be schlossen, den Höchstbetrag der Banknotenausgabe oder den Betrag der Vorschüsse der Dank von Frankreich an den Staat über die durch frühere Gesetze festgelegte Summe hinaus zu erhöhen.
Die beiden Berichte des Finanzausschusses der Kammer sind bereits heute abend in der Kammer eingebracht worden und werben morgen im „Journal Officielle" erscheinen, so daß die Beratung in der Kammer darüber morgen nachmittag beginnen kann.
Die Einleitung einer neuen Inflation.
Die Sachverständigen sollen dem PlanP o i n- rares über die Gold- und Devisenkäufe der Dan? von Frankreich, der eine neue Inflation einleitet, ihre Zustimmung gegeben haben. Diese Maßnahme steht allerdings in einem gewissen Widerspruch zu dem eigentlichen Plan Poincares einer allmählichen Revalorisierung des Franken. Die ursprüngliche Idee Poincares, den Franken allmählich zu heben, dürfte sich nach dem Urteil der Sachverständigen überhaupt als unmöglich Herausstellen. In Wirklichkeit dürfte es sich bei der vor- geschlagenen Maßnahme einer Erhöhung der Ausgabegrenze der Dank ton Frankreich darum handeln, daß die Dedürfnisse desStaats- s ch a tz e s an fremden Devisen zur Deckung der Fälligkeitstermine des Monats August in vollem Umfange fortbestehen. AufUrnwegen soll so die Inflation, die von allen Seiten
als unvermeidlich bezeichnet wurde, eingeleitet werden.
Getreidebewirlschaftung.
Paris, 4. Aug. (WTD.) Die Kammer Hal heute nachmittag die Diskussion des Gesetzentwurfes über die Sicher st ellung der Versorgung Frankreichs mit Getreide, Mehl und Drol begonnen. Der Generalberichterstatter analysierte die verschiedenen Artikel des Gesetzentwurfes, der Vorsicht daß die Landwirte eine Erklärung abgeben, wieviel Getreide sie ausgesät haben, ferner die Schaffung einer Getreide st eile, die die Kontrolle durchführen soll. Festsetzung der A u s- mahlung, Kontingentierung der Einfuhr ausländischen Getreides und anderes mehr. Der Generalberichterstatter fordert zu strengen Maßnahmen gegen die Getreidespekulation auf. Der Gesetzentwurf wurde nach Ablehnung eines sozialistischen und eines lommunistischen Ocgenent- wurses schließlich mit s ast allen gegen sechs Stimmen angenommen.
Abgeordnetenabb2u erroür/ ’ \
Paris. 4. Aug. (WTD.) Die der Demo- lratisch-Republitanischen Vereinigung angcljoren- den Abgeordneten Serot. de Monicauelt und Donnefons brachten eine der Kammer vorzulegende Entschließung über die Einschränkung der Zahl der Abgeordneten und Senatoren ein, die besonders durch die beschlossene Erhöhung der p a rla- m e n t a r i f d) c n Aufwandsentschädigung nötig geworden fei. Sie wollen Vorschlägen, die Regierung zur Vorlegung eines Gesetzentwurfes auszufordern, durch den die Zahl der Senatoren um 175 und die der Abgeordneten auf 350 herabgesetzt werden soll.
Amerikanisches Mißvergnügen über die prügelnden Franzofen.
Washington, 4. Aug. (WB.) Das Mitglied des Finanzkomitees des amerikanischen Senats, Need (Pennfyloanien), der am Donnerstag nach Europa fährt, um die wirtschaftlichen Bedingungen im Auslande zu studieren, erklärte, daß alle Anstrengungen, die gemacht wurden, um Amerika zur Streichung der ihm geschuldeten Beträge zu veranlassen, vergeblich seien. Die Ausschreitungen gegen Amerikaner in Paris hätten unter den amerikanischen Freunden Frankreichs großes Mißvergnügen erregt. Die Ausschreitungen seien der Tatsache zuzuschreiben, daß die französischen Blätter und die französischen Politiker dem Volke nicht mitteilten, wie großmütig die Vereinigten Staaten in Wirklichkeit gewesen seien.
Eine amerikanische Absage.
N e u y o r k, 4. Aug. (TU.) Die Informationen aus Paris, daß Poincars beabsichtige, vor der Ratifizierung des Schuldenabkommens mit Washington neue Verhandlungen aufzunehmen, werden hier stark beachtet. Maßgebende Äjeife in Washington erklären auf das bestimmteste, daß an einer Wiederaufnahme der Schulden- ver Handlungen schon deswegen nicht zu denken sei, weil der Kongreß das Abkommen bereits in der vorliegenden Form ratifiziert habe.
Dr. Schacht und Strong in Scheveningen.
Paris, 4. Aug. ($11.) Reichsbankpräsident Dr. Schacht ist im Rordseebad Scheveningen eingetroffen und wird bereits heute mit dem Leiter der Federal Reserve Dank, Benjamin Strong, zusammentreffen.
Wie die Telegraphen-Union in Berlin erfahrt, sollen bei der Begegnung der beiden Finanzmänner bank- und währungstechnische Fragen besprochen werden. 3m Augenblick besteht jedoch kein Anzeichen dafür, dah man von deutscher Seite Aktivität in der Frage der Stabilisierung des französischen Franken entwickeln wird.
vereinigen. Die Erklärung enthält Hauptrichtlinien fiir die Behandlung des auswärtigen Handels und des ausländischen Kapitals. Diese Erklärung soll ein Teil des Planes fein, der die Hindernisse, die den internationalen Handel erschweren, beseitigen will. Das Komitee bezeichnet folgende sechs Punkte als
Haupthindernis für den internationalen Güteraustausch:
1. Das Rachlassen der Kaufkraft, 2. die Entwertung der Währungen und die schwcmkenden Wech- sellurse, 3. die politische Unsicherheit und die schlechten Sicherheiten, 4. die unterschiedliche Behandlung und die Abneigung gegen fremdes Kapital, 5. das Anwachsen der Schranken für den Verbrauch durch Schaffung neuer politischer Gebilde und 6. die Einmischung der Regierungen in die Gebiere der Industrie und des Handels, die eigentlich der privaten Unternehmungslust zu überlassen sind.
Das Komitee ist der Ansicht, daß
die unberufene Einmischung der Regierungen durch Festsetzung von Preisen und durch Einschränkungen bei der Rohstofferzeugung gegenüber den davon abhängenden Verbrauchern nicht zu
billigen ist. Das Komitee schlägt vor, die Internattonale Handelskammer möge bei der Preisfestsetzung der wichttgsten Rohmaterialien und den Erzeugungseinschränkungen durch die Regierung ihre ablehnende Haltung zum Ausdruck bringen.
CinneuerFeindEnglands in China.
Während des Kampfes zwischen W u p e i f u und Tschangtsolin hat Marschall Sun Chuan-Fang die Herrschaft in den fünf östlichen Provinzen an sich gerissen und bereits verschiedene englandfeindliche Maßnahmen getroffen. 11. a. will er Shanghai und llmgcgenö unter rein chinesische Verwaltung stellen. Eine Ausdehnung der Fremdenniederlassungen soll nicht mehr zugelassen werden. Die englische Presse betrachtet den Marschall bereits als einen sehr ernst zu nehmenden Englandseind. Auch sonst hat sich 6un_ Chuan- Fang nicht um den Einfluß der Ausländer in China gekümmert. Die Salzzölle hat er zum größten Teil für sich einbehalten und ist nur be
reit, „aus persönlichem Entgegenkommen" einen kleinen Teil der Zollkasse zukommen zu lassen. Damtt ist
England ein neuer, nicht zu unterschähender Gegner in Ehina entstanden, was um somehr ins Gewicht fällt, als Tschangtsolin in letzter Zeit noch mehr als bisher unter japanischen Einfluß geraten ist. Die von den Japanern in China ausgegebene Parole: „Asien den Asiaten" hat immer weiteren Anklang gefunden. In den chinesischen Hafenstädten machen sich neuerdings überall englandfeindliche Maßnahmen der Verwaltungsbehörden bemerkbar. Mit dem Erscheinen Sun Chuan- Fangs auf dem politischen Schauplatz Chinas werden bereits neue Kriegsgerüchte verbreitet: man glaubt, dah er bereits Vorkehrungen zu einem Feldzug gegen Schantung treffe. Damit ist t>a£ Reuaufleben eines großen Bürgerkrieges in China zu befürchten, denn der Kampf um die Macht wird ton neuem zwischen Tschangtsolin, dem wieder in China erschienenen Feng, dem neu auf der Bildfläche erscheinenden Sun Chuan-Fang und dem anscheinend noch nicht so völlig besiegten Wupeifu in Kürze ausgetragen werden.


