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wehren wüßten. Man könne eher die Schweizer Re­gierung einer übertriebenen Jtaliani- sicrung Tessins beschuldigen, da sie z. B. die deutschen Schulen für die deutschen Eisen­bahner in Tessin aufgehoben habe. Die deut­schen Schweizer, die gegenwärtig die von Tessiner Emigranten angebotenen Grundstücke erwerben, würden sicher alsbald assimiliert. Die Schweizer Par­teien seien auf ihre Neutralität eifersüchtig, es hätte daher für Italien wenig Bedeutung, wenn im Tes­sin statt 10 000 20 000 Deutsche wären, denn gerade die deutschen Schweizer seien die eifrig st en Hüter der schweizerischen Neutralität.

König Alfons in London.

Die politische Bedeutung des Königsbesuchs.

London, 5. Juli. (TU.) Mit der Reise des spanischen Königspaares nach Paris und London werden eine Reihe politischer Kombinationen ver­knüpft, die u. a. von Verhandlungen über die Tan­ge r f r a g e und über das Völkerbundpro- b l e m spreche. In diplomatischen Kreisen wahrt man größte Zurückhaltung. Die Tatsache, daß die große englische Presse von der Anwesenheit des spanischen Königs nur als gesellschaftliches Ereignis .Kenntnis nimmt, spricht neben eine Reihe anderer Momente dafür, daß solche Vermutungen nicht ganz grundlos sind. Der diplomatische Korrespondent desObser­ver" geht heute etwas näher auf das diplomatische Kulissenspiel ein. Nach seinen Informationen wird die außerordentliche Versammlung des Völkerbunds- rars, die im nächsten Moment für die Vorbereitung des E i n t r i t t s D e u t s ch l a n d s in den Völker­bund zusammentreten sollte, wahrscheinlich nicht stattfinden. Die Aussichten für den Eintritt Deutsch­lands in den Völkerbund hätten, wie das Blatt be­merkt, die diplomatische Aktivität gehemmt. Es sei aber wahr, daß die Diplomaten aller im Völker­bund veriretenen Länder sich hinter den Kulissen mit der durch die Haltung Spaniens und Brasiliens geschaffenen Lage beschäftigen. Auch der Besuch des spanischen Königs in Paris und London stehe privatim mit dieser Frage in Verbindung. Die britische Regierung sei entschlos­sen, ihre durch Cecil und Austen Chamberlain zum Ausdruck gebrachte Politik in der Frage der stän­digen Ratssitze durchzuführen. Nunmehr verlaute indessen, daß die Frage des Tanger-Statuts in diesem Zusammenhang wieder in den Vorder­grund gerückt sei, da manche diplomatischen Kreise Tanger als Kompensationsobjekt be­nutzen wollten, um Spanien im Völkerbund zu hal­ten. Für eine Revision des Tangerstatuts werde der Einfluß Italiens, Spaniens und der Vereinigten Staaten in die Wagschale geworfen, um den ener­gischen Widerstand Frankreichs zu brechen. Großbritannien beschränke sich, wie oft in solchen Fällen, darauf, einen diplomatischen Ausweg zu suchen. Das einzige Gewisse sei also gegenwärtig der E i n t r i t t D e u t s ch l a n d in den Völkerbund. Aber die aus dieser Tatsache sich ergebenden Kom­plikationen seien sehr groß und Gegenstand schwie­riger Auseinandersetzungen. Diese Auffassung dürfte ini wesentlichen zutreffen. Im Augenblick sind die Dinge aber noch nicht spruchruf, um irgendwelche bestimmten Umrisse für erfolgversprechende Lösungs­möglichkeilen erkennen zu lassen.

Der Attentatsplan gegen das spanische Königspaar.

Paris, 3. 3uii. (WB.) Die wegen eines Attentatsplanes gegen das spanische Königspaar kürzlich verhafteten Spanier As c azo und Dur et 1c wurden heute vom Llnterfuchungs- richt er vernommen. Duretti erklärte, seine Aus­sage gegenüber der Polizei, er ha.be ein Atten­tat gegen den König von Spanien begehen wollen, entspreche nicht den Tatsachen. Sn Wirklichkeit habe er drei Tage vor seiner Verhaftung ein Automobil gekauft und sei zur Abfahrt nach Bayonne bereit gewesen. Von dort habe er sich nach San Sebastian begeben wollen, um den König von Spanien im Augenblick feiner Durchreise in seine Gewalt zu bringen. Er habe dann zusammen mit eini­gen Freunden das Gerücht vom Tode des Königs von Spanien verbreiten und sich nach Bilbao begeben wollen, um dort die Revolution in die Wege zu leiten. Was er über den Atten- tatsplan gegen den König von Spanien in Paris erklärt habe, sei alles falsch. Er habe so ge­handelt, um die revolutionäre Bewegung in Spanien, die allerdings inzwischen gescheitert fei. nicht zu behindern. Duretti erklärte hierauf, die Beschuldigung, er habe an der Plünderung einer Bank in Spanien teilgenommen, sei un­begründet. Die spanische Regierung wolle ihn in diese Angelegenheit verwickeln, um seine Aus­lieferung verlangen zu können.

Geldstrafen gegen spanische Revolutionäre.

Madrid, 3. Iuli. (Havas.) Die Regierung erklärt in einer offiziösen Auslassung, sie habe unter Berücksichtigung der Erregung, die in der Oesfentlichkeit durch die kürzlichen Ereignisse aus­gelöst worden sei, beschlossen, neben den gesetz­mäßigen Sanktionen ihrerseits Geldstrafen zu verhängen, um die Urheber von Unruhen und die Personen, die dem Wiederaufstieg des Lan­des Hindernisse in den Weg legten, zu bestrafen. Das Amtsblatt veröffentlicht bereits eine erste Liste der Personen, gegen die Geldstrafen ver­hängt wurden. Darunter befinden sich Gras Romanones, der 500000 Peseten, General Aqulilera, der 200 000 Peseten, General W e t) l c r und ein ehemaliger Senator, die 100 000 Peseten und drei ehemalige Abgeordnete, die 15 000 bis 50 000 Peseten zahlen sollen.

Die Verschwörung gegen Kemal.

Smyrna, 3. Juli. (Wolff.) Der General- ftaatsanwalt hielt heute vor dem Unabhängig- t^itsgericht die Anklagerede gegen die Führer der Fortschrittspartei, die Generale Kia- zim Karabekir. Pascha Dschafer Tahar, Refat Ruschdi und gegen sechs andere Abgeordnete der Opposition. Ferner gegen den Unionistensührer, den früheren Finanzminifter Djevid Bay, und den früheren Ernährungsminister Karla Kemal, gegen die letzteren in Abwesenheit. Er klagte sie an, Mitglieder eines Ausschusses zu sein, der einen Anschlag auf Mustafa Kemal Pascha und einen Staats st reich vorbereitet habe. Er verlangte Todesstrafe für Karka Kemal und lebenslängliches Zuchthaus für die anderen Angeklagten. Es wurden zahlreiche neue Verhaftungen vorgenommcn. -Unter'

den Festgenommenen befinden sich Führer der f Unionisten, so Achmed Äessimi und der frühere Kammerpräsident Halil.

Entspannung in Hrankreich.

Paris, 3. Juli. <TU.) Seit der Veröffent­lichung des Sachverständigenberichtes ist in der parlamentarischen Lage eine Entspannung ein­getreten. Die Tatsache, daß die Schlußfolgerun­gen des Sachverständigenberichtes einstimmig an­genommen wurden, hat auf die Kammer einen großen Eindruck gemacht. Die Sachverständigen betonen die Rotwendigkeit einer Ratifizie­rung des Washingtoner Schulden- abkommens, wie auch die einer auswär­tigen Anleihe. Die Feststellung des Komi­tees beschäftigt sich in entscheidenden Punkten mit dem Plan Eaillaux, der in den letzten Tagen angegriffen wurde. Auch in der Stimmung der Presse ist ein merklicher Umschwung eingetreten, logar die Blätter, die bisher gegen die Projekte des Finanzministers waren, erklären jetzt, daß das Parlament es nicht auf sich nehmen werde, die Pläne der unpolitischen Sachverständigen zu verwerfen und zwar um so weniger, als Tar- dien und die Opposition den Plänen keine durchgearbeiteten Gegenprojekte entgegensetzen konnten. Der Franken hat sich unter dem günstigen Eindruck des Sachverstän­digengutachtens leicht erholt. Die Schlußnotierun­gen waren für das Pfund Sterling 180, für den Dollar 37.

Die Autonomie-Bewegung im Elsah.

Paris. 3. Juli. DasJournal d'Alsace et Lorraine" berichtet, daß sich zum Protest gegen die Maßregelungen der Autonomisten eine ausgesprochene Autonomistenpartei gebildet habe, die bereits mehrere hundert Mitglieder zähle. Diese Partei fordere die unbedingte und vollständige Reutralität des Elsaß. Der Vorsitz sei dem Baron Claus von Bulach angeboten worden. Außerdem teile die Zei­tungDer Elsässer" in scharfen Ausdrücken mit, die Regierung habe am 29. Juni Professor Kopp, der das Manifest des Heimatbundes mit unterzeichnet habe, unter Verlust der Rechte auf Pension seines Dienstes enthoben, nachdem am Tage vorher ihm der Disziplinar- rat die Befugnis, sein Amt weiter auszuüben, entzogen hatte. DerElsässer" erklärte hierzu, die Pariser Regierung würde zu spät den Wahn­witz der Sanittonen erkennen, wenn sie sehen würde, daß sie die Totergräber des französischen Gedankens im Elsaß gewesen ist.

Kleine politische Nachrichten.

Reichswehrmini st er D r. G e ß 1 c r ist von seinem Urlaub wieder in Beilin ein» getroffen und hat die Leitung des Ministeriums wieder übernommen.

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Die ZerstörerLordner" undShackley" von der Flotte der Vereinigten Staaten von Rvrdamerika werden am 13. Juli den Kaiser - Wilhelm - Kanal ostwärts durchfahren und vom 13. bis 19. Juli im Kieler H afen Aufenthalt nehmen. Ferner beabsichtigt der amerikanische KreuzerEmphis" in der Zeit vom 26. September bis 7. Oft ober Kiel zu besuchen.

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Die Hafenarbeiter von Antwer­pen haben die Arbeit niedergelegt, weil die Ver­handlungen über die Teuerungszulage zu lange dauern. Der Streik erstreckt sich zunächst auf etwa zehn im Hafen liegende Schiffe. Man rechnet damit, daß im Hafen der Generalstreik prokla­miert wird.

Aus aller Welt.

Schweres Eisenbahnunglück in Nordfrankreich.

Paris, 5. Juli. (TU.) Der Schnellzug Le Havre Paris ist am Samstagabend 22 Kilo­meter von Paris im Walde von St. Germain ent­gleist. Der Zug, der auf einem Nebengleise fuhr, da am Hauptgleis 2lusbesferungsarbeiten vorge­nommen wurden, halte eine Stundengeschwindig­keit von 92 Kilometer. In einer Kurve verlieh die Lokomotive das Gleise und legte sich mit dem Tender aus die Seile. Der Stoß war fürchterlich. Zwei Waggons zweiter Klasse schoben sich inein­ander. Ein dritter Waggon warf sich auf den Trüm­merhaufen. Der vierte und fünfte 2Bagen_ erster Klasse verliehen das Gleise und fuhren die Böschung entlang, überholten die Maschine und stürzten einen Graben hinab. Ein gleichzeitiges Ge­witter erfdjrverte die rasche telephonische Verbin­dung und verzögerte die Ankunft der Rettungszüge. Erst um zehn Ahr abends konnte Paris den ersten Hilfszug ablassen. Rur drei Tote konnten sofort ge­borgen werden. Den etwa 40 Verwundeten wurde in der Station die erste Hilfe gegeben. Am Sonnkag- nachmiktag wurde zwischen den Trümmern noch nach Leichen und Schwerverletzten gesucht. Die Zahl der Verunglückten wird mit 18 Toten und 73 Ver­letzten angegeben. Die Antersuchung über die Ur­sache des Unglücks ist noch nicht abgeschlossen. Das Kommunique der Staatsbahndirekklon gibt als. wahrscheinliche Ursache Gewitter an. Die elektri­schen Signale sollen nicht kadellos funktioniert haben. Ein Signal, das Langsamfahren vorschrieb, scheint übersehen worden zu sem. Der hauptmaschi- nisl ist tot, der zweite Maschinist schwer verwundet worden.

Schweres Motorbootungliirk ans dem Bodensee.

Konstanz, 4. Suli. (WTB.) Heute nach­mittag ereignete sich auf dem Untersee ein schwe­res Motorbootunglück, dem fünf Menschen zum Opfer fielen. Vier Ehepaare aus Tuttlingen, die einen Sonntagsausflug nach der Insel Reichenau unternahmen, bestellten bei dem Schiffsbaumeister Beck ein Motorboot zur Liebe r- sahrt nach dem schweizerischen Orte Mannebach. Etwa 300 Meter vor Mannebach ging das Boot plötzlich aus bisher noch unbekannter Ursache unter. Vier Personen ertranken, ehe noch Hilfe kam. Ein Herr erlitt nach der Rettung einen Herzschlag, eine weitere Person schwebt in Lebensgefahr. Zwei gerettete Damen wurden nach dem Konstairzer Kranlenhaus gebracht. Das Unglück ist auf das Treiben eines übelbelrum- deten Menschen namens Franz Beck zurückzu- führen, der sich für den bestellten Schiffsbau­

meister Beck ausgab und ohne Fabrikpatent die Ueberfahrt mit einem alten Motor­boot bewerkstelligte. Das Boot war offenbar leck geworden oder überladen.

Flammentod zweier Kinder.

In B r u ck bei Augsburg brach durch Unvorsich­tigkeit spielender Kinder in einer Scheune Feuer aus. Zwei Kinder konnten sich rechtzeitig in Sicher­heit bringen, während das dreijährige Mäd­chen und der zweijährige Knabe des Hüt­tenarbeiters Ziegler in den Flammen umtamen.

Ein Kind aus dem Zuge gestürzt.

Kurz vor Holzminden stürzte geftern nachmittag aus dem Fernzug BerlinKöln em acht- bis neun­jähriges Mädchen. Das Kind das allein fuhr, erlitt einen Schadelbruch, der seinen soforttgen Tod her- bciführte. Der Unfall ereignete sich vermutlich da­durch, daß das Kind den Türdrücker öffnete, und die Tür bei einer scharfen Kurve aufsprang.

3n der Sandgrube getötet.

In der Höhlung einer Sandgrube hinter dem ehemaligen Arttlleriedepot bei Köln hatten sich zwei Brüder niedergelassen, als die überhän­genden Erbmassen plötzlich einstürzten und beide Brüder begruben. Während der eine durch einen Bruch der Wirbelsäule sofort getötet wurde, erlitt der andere überhaupt keine Verletzungen.

Um eine Sommerreise.

Die Frau eines in Berlin-Schöne­berg wohnenden Schreiners hat aus Aerger über die Vorwürfe, die ihr Mann ihr gemacht hatte, weil sie die Wintersachen ihres Mannes versetzt hatte, um eine Sommer­reise machen zu Tonnen, die Gashähne ge­öffnet, um sich und ihre beiden Kinder zu töten. Sie selbst und eins der Kinder konnten von der alarmierten Feuerwehr gerettet werden, während das fünfjährige Töchterchen der Feuer­wehr unter den Händen starb. Sie wurde als Polizeigefangene ins Krankenhaus gebracht.

Familientragödie.

In Berlin hat ein Friseur seine Frau, die mit ihrem Töchterchen von ihrem Manne fort- gezogen war, um künftig mit einem Maschi­nisten zusammenzuleben, und dann sich selbst erschossen. Ein hinterlassener Brief des Friseurs an den Maschinisten ermahnt diesen, von der Frau abzulassen, da er fonft eine Familie un­glücklich machen würde.

Die englischen Flugmanöver.

In Anwesenheit des englischen und des spanischen Königspaares, eines großen Teiles des diplomatischen Korps und fast des gesamten Kabinettes fanden am Samstag in Randvn die diesjährigen englischen Flugmanöver statt. Etwa 180 Flugzeuge aller Kategorien nah­men an den Uebungen teil. Besonderes Interesse fand das Auto-Giro-Flugzeug, die Er­findung eines Spaniers, das mit Hilfe eines zweiten oben angebrachten Propellers die Mög­lichkeit besitzt, senkrecht in die Höhe zu steigen.

Bei der anschließenden Flugzeugparade er­eignete sich ein schwerer älnglückssall. In der Rähe des Flugzeugplahes landete ein Flugzeug in ein Automobil hinein. Sowohl die Dame, die den Wagen lenkte, wie der Flugzeugführer waren sofort tot.

Die Amerikanerflut.

Am Samstagabend haben 14 Ozeandampfer mit über 16 000 Passagieren, die sich nach Europa be­geben, den Neuyorker Hafen verlassen.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 5. Iuli 1926.

Sein eigener Liebhaber.

Die Spiegel würden ein Lied singen, wenn sie könnten. Zum Glück sind sie stumm und ver­raten nicht, wer und wie oft jemand in sie hin­eingeguckt hat. Denken Sie sich einmal, daß ein Spiegel genau registrierte, wann man ihn benutzt hat. Wird es oft sein? Es mag tat­sächlich Menschen geben, die manchen Tag nur einmal hineinschauen, wenn sie sich morgens das Haar glätten oder sich rasieren. Aber die an­deren !

Da ist der Heine Taschenspiegel, der sv un­auffällig im Handtäschchen angebracht ist. Man macht es geschwind auf, ohne daß es jemand merkt. In der besetzten Elektrischen geschieht das ebenso unauffällig wie im Cafe oder Theater. Rur an den Mienen kann man sehen, wem dieses Wohl­wollen gilt: sicherlich nicht den lieben Mit­menschen: man kokettiert am liebsten mit sich selbst.

Dann sind auch aus der Straße sv viele Möglichkeiten, sich nachdrücklich zu überzeugen, daß man sich seit der letzten Stunde nicht ver­ändert hat, und wenn es nur die dunkle Schau­fensterscheibe wäre, die einem fein Bild zurück­gibt i Seht sie euch doch an, Die da vorbei schar­wenzeln und sich dann zupfen und rücken! Wie wohlgefällig lächeln sie, ihr ganzes Gesicht glänzt. Geschmeichelt gehen sie weiter, als hätten sie sich mit ihrem besten Freunde getroffen.

Manche Geschäftsleute scheinen die Mensch­heit förmlich zur Eitelkeit erziehen zu wollen. Ihr Schaufenster besteht zum großen Teil aus Spiegeln, die so raffiniert hergerichtet sind, daß man sich nicht nur von vorn unb im Profil, sondern bei 'einigem Geschick sogar von hinten betrachten und feststellen kann, ob der Haarschnitt (o diese Bubiköpfe!) noch sauber ist oder ob man mal wiederModell sitzen" muh.

Dor solchen Geschäften stehen die Leute sehr andächtig. Vielleicht ist das die beste Re­klame. Von solchem Schaufenster wird zwar nicht gesprochen, nein, das tut man nicht: aber es wird immer wieder aufgesucht. Schließlich kauft man auch mal etwas dort.

Ich wundere mich, daß die neue Zeit nicht schon Spiegelalleen eingerichtet hat, die lediglich den Zweck verfolgen müßten, durch eine kunst­volle Anlage uns, nichts so sehr andere Men­schen, sondern immer wieder uns selbst und von immer neuen Seiten zu zeigen. Vermutlich wur­den diese Spiegelalleen eine ganz ungeheure An­ziehungskraft haben.

Allen denen, die unsterblich in sich selber ver­liebt sind, zum Schluß noch einen Trost: Ihre Verliebtheit hat den Vorteil, daß sie in dieser Liebe nur wenige Rebenbuhler haben. A. F.

Gießener Wochcnmarltprcise.

Es kosteten auf dem Wochenmarkt am Sams­tag: Butter 180, Matte 35, Wirsing 30, Weiß­kraut 30, rote Rüben 20, Spinat 20 bis 30, Römischkohl IQ bis 15, Bohnen, grüne 40 bis 50, gelbe 60, Spargel 95, Erbsen 30 bis 40, Misch­gemüse 10, Tomaten 60 bis 120, Zwiebeln 20,

Meerrettich 80, Rhabarber 15 bis 20, Kartoffeln, neue 13 bis 15, alte 5, Birnen 40, Kirschen 40 bis 45, Heidelbeeren 40 bis 45, Stachelbeeren 25, IohanniSbeeren 25 bis 30, Erdbeeren 60 bis 80, Honig 40, Suppenhühner 100 bis 120 Pf. das Pfund, Käse 10 Stück 60 bis 80 Pf., Eier 12 bis 13, Blumenkohl 60 bis 130, Salat 5 bis 10, Salat gurken 50 bis 70, Einmachgurken 20 bis 30. Ober-Kohlrabi 15 bis 30, Rettich 15 Pf. das Stück. Radieschen (Bund) 10 Pf., gelbe Rüben Päckchen 10 bis 15 Pf.: Tauben 80 bis 90 Pf., Himbeeren 70 Pf.

Bornotizen.

Tageskalender für Montag. Volkshochschule: 8.15 Uhr, Großer Hörsaal der Uni­versität, Vorttag von Geheimrat Professor Dr. Sommer. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Dür­fen wir schweigen?" Astoria-Lichtspiele:Wölfe der Nacht."

Wettervoraussage.

Zunächst veränderllch und etwas kühler, bann allmählich Rachlassen der Riederschläge und er­neuter Temperaturanstieg.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 24, Minimum 17,8 Grad Celsius. Riederschläge: 38,6 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 18,2 Grad Celsius.

** Eine wichtige Stadtverordneten- sitzung wird am kommenden Donnerstag, nach­mittags 4.30 Uhr beginnend, im Stadthaus Berg­straße stattfinden. Auf der Tagesordnung stehen u. a. folgende bedeutsamen Vorlagen: Das Bau­programm 1926. Erbauung eines Kulissenhauses für das Stadttheater. Krediterweiterungen für das Jndustrieumspannwerk. Gartenbau- unb Elektrizi­tätsausstellung. Maschinelle Einrichtung der Stta- ßenreinigung. Angelegenheiten der Verkehrswer­bung.

** Unsere Monatsübersichten über d i e Marktlage in unserer engeren Heimat haben wir bis auf weiteres beiseite gestellt, da das . stark verbreitete Auftreten der Maul- und Klauen­seuche die Einhaltung der angekündigten Termine unmöglich machte. Sobald wieder normale Zustände auf diesem Gebiete eingetreten sind, werden wir die Veröftentlichung der Termine wieder aufnehmen.

** Von der Krastpost Gießen Krof­dorf Fellingshausen. Von zuständiger Seite wird uns mitgeteilt, daß auf der Kraftpost- linie GießenKrofdorfFellingshausen die Fahrten ab Krofdorf, Apotheke, 6.50, an Gießen, Oswalds- garten, 7.06 abends, ab Gießen, Oswaldsgarten, 7.10, an Krofdorf, Apotheke, 7.26 Uhr abends, von jetzt ab ausfallen.

** Briefkasten fürPlattenhausen. Um den Wünschen der Anwohner des Anne- röder Weges, der Doeringstraße und des Kugel­bergs entgegenzukommen, wird in den nächsten Tagen am Hause des Konsumvereins am Kugel­berg ein Straßenbriefkasten angebracht werden, dessen Leerungszeiten aus der am Briefkasten angebrachten Leerungsplatte zu ersehen sind.

**Rachsendung der Postsendungen. Zu Anträgen auf Rachsendung von Postsendungen sind möglichst die amtlichen Vordrucke zu benutzen, die an den Postschaltern und von den .Post- Zustellern zur Abgabe bereit gehalten werden. Die Verwendung dieser amtlichen Vordrucke ge­währleistet die pünktliche Rachsendung der Post und ist daher zum Vorteil.der Empfänger.

** Postsendungen nach Be'uthen in Oberschlesien werden vom Publikum immer noch häufig nach den Auslandsätzen freigemacht. E-; sei daher darauf hingewiesen, daß Beuthen (Ober­schlesien) im deutschen Reichsoerband verblie­ben ist.

** Fahrplan änderungen. Dom 7. Iuli ab verkehrt der Personenzug 4267 (W) von Hungen bis Laubach durchweg 19 Mi­nuten früher; Hungen ab 6,41, Laubach an 7,09 mit den gleichen Aufenthaltszeiten wie jetzt: ferner PLZ. 4440 (W) La ubach-Villin- gen 19 Minuten früher und Pz. 4277 (W) 19 Minuten früher, Villmgen ab 7,32, Fried- richshütte an 7,53 vorm. Vorn gleichen Sage an fallen die Güterzüge mit Personenbeförderung Rr. 8661 (W) und 8962 (W) aus.

** E i n raffinierter Schwindler. Am Freitagmittaa erschien in Frankfurt a.M. bei einer Witwe ein Herr, der sich als Zollbeamter ausgab. Er hatte ein an die Frau adressiertes Wertpaket bei sich unb forderte 9,30 Mk. Zollgebühr, die er auch erhielt. Als die Witwe das Paket öffnete, fand sie dann Briketts, die in alte Taufender eingewicke11 waren. Nachdem der Schwindler das Geld erhalten hatte, verduftete er schleunigst. Bereits vor einigen Tagen sind mehrere Frauen in Frankfutt a.M. auf die gleiche Weise betrogen worden.

** Austrieb auf bem heutigen Frank­furter Schlachtviehmarkt: 408 Ochsen, 44 Bullen, 1047 Färsen unb Kühe, 582 Kälber, 37 Schafe, 3513 Schweine.

Oderhessen.

Landkreis Gießen.

f Grünberg, 3. Iuli. Gestern wurde den Maurern und Weißbindern Peter Schmidt und Otto Reitz, beschäftigt bei dem Dauunler- nehmer Konrad Bock Hierselbst, für 25jährige Dienstzeit bei ihrem Arbeitgeber von einem Ver­treter der Handwerkskammer je ein Diplom überreicht. Herr Bock überreichte den beiden treuen Mitarbeitern wertvolle Geschenke.

Kreis Friedberg.

WSN. Bad-Nauheim, 4. Juli. In der I Nacht zum Samstag hat sich auf der Frankfurter N Landstraße, unweit der Holzschneiderei, ein s ch w e- U rer Unglüdsfall ereignet. Gegen 11 Uhr abends stieß ein Motorrad mit einem ohne Be­leuchtung des Weges kommenden Pferdetrans­port zusammen, dessen Führer vom Pferde ge­schleudert wurde. Der unbekannte Kraftradfahrer entfernte sich, ohne sich um den Verletzten zu küm­mern. Dieser wurde später von Passanten bewußt­los aufgefunden. Der Verunglückte wurde mit einer schweren Gehirnerschütterung in das Krankenhaus eingeliefert. Die Schuldfrage konnte noch nicht geklärt werden. Vor etwa acht Tagen mietete sich in einem hiesigen Gasthaus ein Kauf­mann Lieber oder Sieber ein. Am nächsten Morgen verschwand er unter Mitnahme einer 'Anzahl Wertgegenstände, worunter sich auch eine Perlenkette mit etwa 150 Perlen im Gesamtwerte von 4000 Mark befand. Auch seine Hotelrechnung bezahlte der Dieb nicht, sondern ließ lediglich sein mitgebrachtesGepäck" in Gestalt eines leeren alten Koffers zurück.

. Vilbel, 3. Juli. Vom eigenen Fuhrwerk getötet wurde der Metzgergeselle Amberger aus Nieder-Erlenbach, der für einen

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