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wahrscheinlich. Die Frage, ob elne Revision des Verfahrens gegen die Mörder des Sidars möglich ist, ist noch nicht gelöst. Jedenfalls gab der Rücktritt des Vorsitzenden des Gerichts, Kerschaw, einen Beleg für die Rotwendigkeit einer Reform der ägyptischen Rechtsprechung.

Die Morgenausgaben der arabischen Zei­tungen nehmen Zagluls Entschluß, den Posten des Ministerpräsidenten Adly Pascha zu über­lassen, günstig auf, da damit die Krise ihren gefährlichsten Punkt überschritten habe. Die Blät­ter drücken die Hoffnung aus, daß Adly Pascha nunmehr ohne weitere Schwierigkei­ten die Bildung eines Kabinetts durchführen kann und daß das Parlament zwi­schen dem 8. und 11. Juni zusammentreten kann. Dom englifd)en Kohlenkonflikt.

London, 5. Sunt. (WTB. Funkspruch.) Der Vollzugsausschuß des Derg- arbeiterverbandes ist für Mittwoch vor­mittag nach London einberufen wor­den, um über den Vorschlag der Zechenbesiher wegen Wiederaufnahme der Verhandlungen zu beraten.

Der Vorstand des internationalen Berg­arbeiterverbandes hielt in Brüssel eine Sitzung ab, der englische Vertreter beiwohnten. Es wurde beschlossen, Maßnahmen zur Her­absetzung der K ohlensendungen nach England bis. zum Mindestmaß zu ergreifen. Sm Falle einer weiteren Dauer des Streiks soll am 23. Suni eine neue Sitzung in London stattfinden. Gegen Ende der Sitzung ging ein Brief der englischen Sndustriellen «in, in dem Verhandlungen auf der Grundlage der Bei­behaltung der gegenwärtigen Löhne und der Einführung des Achtstunden­tags angeregt werden.

Die Vereidigung Moscickir.

Warschau, 4. Juni. (WTB.) Heute mittag 12 Uhr wurde in Gegenwart der Mitglieder der Na« tionaloersammlung, des Kabinetts und des diploma­tischen Korps im großen Saale des Warschauer Schlosses die Vereidigung des Staats­präsidenten Moscicki voraenommen. Als der Staatspräsident die letzten Worte des Eides sprach, wurde von kommunistischer Seite gerufen: Wir verlangen die Freilassung der politischen Ge­fangenen und Arbeit für die Erwerbslosen!" Diese Störung rief in der Versammlung, die mit einem Hoch auf Polen und Moscicki antwortete, große Erregung hervor. Allgemein wurde bemerkt, daß die Sozialisten geschlossen der Feier fern­geb l i e b e n waren. Im Anschluß an die Ver­eidigung erfolgte im Marmorsaale die feierliche Unterzeichnung der Einsetzungsur- künde. Der Staatspräsident nahm die Glück­wünsche des Kabinetts und der Vertreter der aus­wärtigen Mächte entgegen.

Der neugewählte Staatspräsident hat einen Aufruf erlassen, in dem er das Volk ausfordert, durch Zusammenarbeit aller Schichten für daS Wohl des Landes zu wirken. Um 61/2 Uhr empfing der Präsident im Königsschloh die Vertreter der ausländischen Presse. Er hielt eine kurze Ansprache und zog hierauf die Pressevertreter der einzelnen Nationen ins Gespräch.

Demission des polnischen Kabinetts. Warschau, 4. Suni. (XU.) Heute nach­mittag überreichte Ministerpräsident Bartel dem Staatspräsidenten die Demission des gesamten Kabinetts. Die Demission wurde angenommen. Gleich darauf fand eine Besprechung zwischen dem Staatspräsidenten und dem Sejmmarschall Rataj sowie dem MarschaU des Senats statt. Bei dieser Besprechung wurde die Neubildung der Regierung behandelt. Höchst wahrscheinlich wird Bartel noch heute nacht oder morgen früh mit der Bildung der neuen Regierung beauftragt werden.

Keine Korrespondenzen Abd el Krims gefunden.

Paris, 4. Suni. (XM.) Die Kammer hat heute die Aussprach« über das Luftfahrtwesen fortgesetzt. Der kommunistische Abgeordnete H e n r i e t brachte bei Schluß der Sitzung eine Interpellation über die Korrespondenz ein. die im Hauptquartier Abd e l Krims beschlagnahmt worden ist. Die französische Presse hatte von dieser erbeuteten Korrespon­denz großes Aufsehen gemacht und hatte an­gedeutet. bah die Namen der ausländi­schen Mitarbeiter Abd el Krims der französischen Regierung dadurch verraten worden seien. Kriegsminister P ai n le v e wider­setzte sich dem Snterpellattonsantrag mit dem Bemerken, daß überhaupt keine Korre­spondenz Abd el Krims vorgefunden wurde. Daraus wurde die Snterpellation bertagt.

Spanien desinteressiert!

Paris, 4. Suni. (XU.) Wie aus Fez be­richtet wird, ist der spanische General S a n ch u e z, einer Einladung des Generals B 0 i ch u t fol­gend, heute in Rabat eingetroffen. Eine von dem General abgegebene Erklärung dementiert die Nachricht, daß Spanien wegen der Auslieferung Abd el Krims mit Frankreich verhandle. Abd el Krim, sagte General Sanchuez, interessiere die spanische Regierung nicht mehr. Shr genüge die Xatsache, daß Abd el Krim besiegt sei. Der Krieg in Marokko sei beendet. Anstelle der militärischen Aktion müsse nun die poli­tische treten.

Preußischer Landtag.

Berlin. 4. Suni. (DDZ.) 12 Uhr mittags. Dor Eintritt in die Tagesordnung erhielt Abg. v. Campe (D. Dpt.) das Wort und gibt folgende Erklärung ab:

Nach dem Bericht desNeichsanzeigers" vom 2. Suni d. Ss. hat sich Ministerialdirektor Abegg als Vertreter des Innenministers am 1. Suni ds. Ss. in der öffentlichen Sitzung des Land­tages zur Begründung seines Vorgehens in der Hvchlverratssache auch aus eine angeblich zustimmende Erklärung eineS prominenten M i b gli«ds einer der Rechtsparteien be­rufen. Die von Herrn Abegg in bezug genommene Erklärung ist eine Aeußerung des Herrn A'.rßen- aninisters Dr. S t r e s e m a n n, die In einem Tele- Hhongespräch mit Herrn Dr. Friedensberg als

Vertreter des Polizeipräsidenten gefallen ist. Herr Dr. Stresemann hat in Bezugnahme auf die Erklärung des Herrn Abegg folgende Er­klärung der Öffentlichkeit übergeben:

Die Mitteilung des Herrn Ministerialdirektor Abegg im Preuß. Landtage könnte für die Frage, ob das Vorgehen der preuß. Regierung berechtigt war, nur dann Bedeutung haben, wenn eine Aeußerung nach den Veröffentlichungen der amt­lichen preußischen Stellen erfolgt wäre. Sn Wirk­lichkeit war der Vorgang folgender: Aufgrund von Mitteilungen des Herrn Friedensberg habe ich in unserer Unterhaltung erklärt: Wenn die Dinge so liegen, dann greifen Sie nur ordentlich durch! (Zurufe links: Na. also!) Diese Aeuhe- rung ist für jeden Anhänger der Verfassung selbstverständlich. Sch habe mich aus den in­zwischen bekannt gewordenen Veröffentlichungen nicht überzeugen können, daß die Voraussetzungen für ein derartiges Vorgehen der Regierung tat­sächlich gegeben waren. (Lebhaftes Hört! Hört! rechts.) Insbesondere bemerke ich noch, daß bei dieser Unterhaltung von bevorstehenden Haus­suchungen in keiner Weise die Rede war. (Aha! links.)

Der Redner schließt: Die Heranziehung un­seres Parteiführers zur Rechtfertigung des Vor­gehens der Polizei stellt sich demnach als eine große Irreführung der öffentlichen Meinung dar. (Lebhafter Beifall rechts.) Das Vorgehen des Herrn Abegg schädigt zudem das An­sehen des Staates. (Stürmischer Beifall bei der Deutschen Volkspartei und rechts. Unruhe im Hause. Kundgebungen links.)

Es folgt die Beratung des Berichtes des Ausschusses für die Geschäftsordnung über den Antrag des Justizministeriums auf Aufhebung der Immunität des völkischen Abg. Wulle zwecks Einleitung eines Strafverfahrens wegen Anstiftung zum Morde.

Das Haus nimmt mit allen gegen die kom­munistischen Stimmen den Antrag auf Auf­hebung der Immunität Wulles an. Der Abg. Wulle hat selbst für die Aufhebung gestimmt. Seine völkischen Fraktivnsfreunde schütteln ihm nach Annahme des Antrages die Hände.

Das Haus beschäftigt sich dann mit der zweiten Beratung des Snitiativgesetzentwurfes der Regierungsparteien zur H auszins- st e u e r.

Abg. Hecken (Dn.) beantragt nochmalige Zurückverweisung an den Hauptausfchuh.

Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff tritt dem entgegen.

DerZurückverweisungsantrag wird mit 126 Stimmen der Regierungsparteien gegen 109 Stimmen der Rechtsparteien und der Kommu­nisten abgelehnt.

In der Aussprache erhält Abg. Hecken (Dn.) das Wort und erklärt, seine Partei könne eine Erhöhung der Steuer von 900 auf 1000 Prozent auf keinen Fall mitmachen. Hervorzu- heben sei auch, daß die Wohnungszulage pro­zentual erheblich mehr gestiegen sei, als der Be­völkerungszuwachs. Sollte die Neuregelung An­nahme finden, so würde die deutfchnationale Frak­tion alsbald einen neuen Antrag einbringen, eine ganze Steuergestaltung vorzunehmen, und zwar im Zusammenhang mit dem Reichs­finanzausgleich.

Abg. Stolp (Komm.) bekämpft die Frei­stellung der Landwirtschaft.

Abg. Stendel (D. Vp.) lehnt das Gesetz ab. Wir halten die Heraufsetzung auf 1000 Pro­zent nicht für tragbar. Die Dtaatsregierung weih selbst, wieviel Wohnungen in den Neu­bauten jetzt noch teer stehen. (Zurufe links.) Der Anteil für die Hauszinssteuer ist In Preußen der allergeringste von allen deutschen Ländern. Wir müssen verlangen, daß man auch dem schwerleidenden Mittelstand entgegenkommt. Selbst aus Zentrumskreisen hat man sich an uns ge­wandt. um die Lasten, die auf dem gewerblichen Mittelstand lasten, zu mildem. Wir müssen einen größeren Schuh für die Eigenheime for­dern. Die Ausschöpfung der Hauszinssteuer in der Weise, wie es jetzt geschieht, können wir umso weniger mitmachen, als nach Ansicht des Fi­nanzministers die Hauszinssteuer als Rückgrat der preußischen Finanzen verewigt werden soll.

Abg. Ladendvrff (Wirtsch. Dga.) lehnt die Zustimmung zur Vorlage ab, weil in ihr nicht einmal die dringendsten Bedürfnisse des alten Wohnraumes berücksichtigt seien.

Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff er­klärt, die ganzen Erfahrungen und Tatsachen würden gegen den Standpunkt des Herrn Laden­dorff sprechen. Sehr richtig! links, lebhafter Widerspruch rechts.) Die soforttge Einfüh­rung der freien W 0 h n u n g s w i ri­sch a f t würde eine Steigerung der Miete zur Folge haben, d. h. aus 140 bis 150 Prozent der Friedenshöhe. Eine solche Steigerung wäre für Tausende von Mietern unerträglich. Die Be­hauptung, daß mit Hauszinssteuer erbaute Woh­nungen leerständen, sei unrichtig. Wenn Woh­nungen tatsächlich leerstehen, so können es nur solche fein, die ein privater Bauunternehmer er­richtet hat und die zu teuere Baukostenzuschüsse und Mieten haben.

Abg. Meyer (S.) betont, eine Bautätigkeit ohne öffentliche Unterstützung sei heute gar nicht möglich. Die Sozialdemokraten würden der Vor­lage zustimmen, weil sie einen besseren Weg zur Lösung der Wohnungsfrage zur Zeit nicht er­blickten.

Abg. K ö l g e s (Z.) erklärt die Zustimmung zur Vorlage, weil leider die Reichsgesehgebung diese unsoziale Steuer zur Pflicht mache. Er habe von Herrn Ladendorff noch kein Wort zu­gunsten der verarmten Hypothekengläubiger ge­hört. Wenn die breiten Massen des deutschen Volles wirtschaftlich so gestellt sind, daß sie höhere Mieten bezahlen können, ist es sittliche Pflicht, die Miete so zu erhöhen, daß auch die Hausbesitzer wieder zu ihrem Recht kommen.

Der Redner polemisiert zum Schlüsse gegen die Deutsche Volkspartei, die endlich einmal 6en Mut besitzen müsse, auf eine notwendige, wenn auch unpopuläre Vorlage einzugehen.

Abg. Hove (Dn.) verlangt, daß man dem Privatbau die öffentlichen Mittel allein über­lasse. damit er billiger bauen und verhindern könne, daß seine Wohnungen leerstehen. Eine gesunde Wohnungspolitik erlaube keine Abzweigung von Hauszinssteuermitteln für den allgemeinen Finanzbedars.

Abg. Laden dorff (Wirtsch. Vgg.) wendet sich gegen die Angriffe des Zentrumredners und erklärt, über 200 Wirtschaftsverbände hätten sich für die Beseitigung der Zwangswirtschaft aus­gesprochen.

Abg. Hoss (Dem.) erklärt, seine Partei werde der Hauszinssteuer zustim.nen, so schwer­es ihr auch falle. Wenn die Rechte das Gesetz

ablehne, so lehne sie die Mittel für die Bau­tätigkeit ab.

Das Haus seht die zweite Beratung der Hauszinssteuer fort

Abg. Dar teld (Dem.) wendet sich gegen die Erklärungen des Abg. Hamp« in der An­gelegenheit der Haussuchungen. Das Vorgehen der Polizeiverwaltung habe das Ansehen des preußischen Staates gefestigt.

Abg. Dr. v. Brehmer (Völk.) erklärt, der Kampf gegen die Fürstenabfindung sei nichts als ein Kampf gegen Recht und Eigentum.

Abg. Meyer (Dtschn.) betont, im Vorder­grund der Fürsorge für das Beamtentum müsse die Erhaltung des Derufsbeamtentums stehen. Die Beamtenrechte müßten gesichert und aus­gebaut werden.

Ab. Müller- Hannover (Svz.) meint, die Sozialdemokratie wolle nicht Abbau, sondern Aus- und Aufbau des Derufsbeamtentums.

Abg. Blank (Zentr.) erklärt, daß feine Fraktion allen Anträgen zugunsten des De­rufsbeamtentums zustimmen werde.

Damit schließt die allgemeine Besprechung. Nächste Sitzung Samstag 10.30 Uhr. Einzel­beratung, außerdem zweite Beratung des Haus­halts der Preußischen Staatsbank (Seehand­lung). Schluß 5.30 Uhr.

Dr. Dorpmüller Generaldirektor der Reichsbahn Berlin, 4. Juni. (TU.) Zum General­direktor der Reichsbahngesellschaft wurde vom Verwaltungsrat der bisherige stellver- tretende Generaldirektor Dr. Dorpmüller ge­wählt, zum stellvettretenden Generaldirektor der bisherige Direktor der Personalabteilung, Dr. W e i r a u ch. Die Bestätigung beim Reichspräsiden­ten ist nachgesucht.

Trauerfeier für Oeser.

Berlin, 4. Suni. (TU.) Die Leiche des verstorbenen Generaldirektors der deutschen Reichsbahngesellschaft, Rudolf Oeser, wird in dem großen Saal im ersten Stockwerk des Ver­waltungsgebäudes aufgebahrt werden. Eine große Trauerfeier findet am Montag in dem Aufbahrungssaal statt, an der u. a. sämtliche 31 Eisenbahnpräsidenten Deutschlands teilnehmen. Sm Anschluß daran wird die Einäscherung der Leiche, wahrscheinlich in dem Wilmersdorser Krematorium erfolgen. Gleichzeittg mit der Ber­liner Trauerfeier werden auch sämtliche Eisen­bahndirekttonen örtliche Trauerfeiern veranstal­ten. Die heutige Sitzung des Verwaltungsrates, die zur Zeit in Berlin tagt, wird sich ebenfalls zu einer Trauerkundgebung gestalten.

Anläßlich des Ablebens Dr. Oesers hat die Gruppenverwaltung Bayern der deut­schen Reichsbahngesellschaft halbmast ge­flaggt, ebenso daS Gebäude der Eisenbahn­direktion. Am Montag, dem Deisehungstage, werden alle Eisenbahndienstgebäude in Bayern Trauerbeflaggung tragen.

Kunst und Wissenschaft.

Sarl-Marla-von-weber-Gedachtnlsfeler In Dresden.

Ans Anlaß des heutigen 100. Todestages Karl Maria von Webers fand gestern abend 10 Uhr am Weber-Denkmal in den Zwinger-Anlagen in Dresden eine Gedächtnisfeier statt, unter Mitwirkung der Staatsoper und der Dresdner Liedertafel. Nach musikalischen Vorträgen hielt Volksbildungsminister Dr. Kaiser eine Ansprache zum Gedächtnis des deutschen Meisters, der vor 100 Jahren Taktstock und Notenbücher aus der Hand legte. Der Dresdner Bürgermeister Nitzsche verkün­dete, daß laut Ratsbeschluß künftig eine Dresdner Straße den Namen Karl-Maria-von-Weber-Straße führen solle. Gestern wurde eine Weber-Gedächt- nis-Ausstellung in der Sächsischen Landesbibliothek eröffnet. Die Staatsoper wird am Samstag und Sonntag zu Ehren des deutschen Meisters Auf­führungen der OperFreischütz" veranstalten.

Lin neuer Betriebsstoff für Luftschiffe.

Gelegentlich eines Vortrages tm Verein für Lustschiffahrt in Sena machte Dr. Eckener« Friedrichshafen davon Mitteilung, daß das im Dau befindliche Großverkehrsluftschiff einen neuen Betriebsstoff erhält, der weniger feuergefährlich ist als Benzin und eine größere Wirksamkeit hat, so daß es möglich sein wird, den Aktionsradius des Luftschiffe« auf ungefähr 10 000 Kilometer auszudehnen.

Aus aller Welt.

Große lleberschwemmungen in Württemberg.

Aus Friedrichshafen wird gemeldet: Snfolge der anhaltenden starken Regengüsse steht der größte Teil des Luftschiffbau-Geländes unter Wasser. Auch in der Stadt lief das Wasser in die Häuser. Bei Ravensburg trat ein Dammrutsch ein. der einzelne Stadtteile unter Wasser setzte. Auch aus Waldsee wird Hoch­wasser gemeldet. Sn Sulmingen ist ein Mann ertrunken.

Der rätselhafte Selbstmord eines Soldaten.

Ueber die gestrige. Auffindung der Leiche eines Reichswehrsoldaten an der Fulda wird noch mitgeteilt, daß die vorgenommene Obduktion der Leiche als Todesursache einwandfrei S e I b ft - mord festgestellt hat. Was den jungen Men­schen der niemals bestraft war. und der sich in der Truppe eines tadellosen Leumunds erfreute, in den Tod getrieben hat, steht bis jetzt noch nicht fest.

versuchter Meuchelmord.

Aus W 1 en wird gemeldet: Ein junger russi­scher Aristokrat Konstantin von Orlow hat in Raabs den bekannten Großgrundbesitzer Baron Klinger durch einen meuchlcmgs abgegebenen Schuß schwer verwundet. Baron Klinger verhin­derte den Russen durch einen Gegenschuß, eine zweite Kugel abzufeuern. Beide sind schwer verletzt. Die Frau des Baron Klinger, eine Tochter des früheren Statthalters von Tirol, Grafen Spiegelfeld. hat Selbstmord be­gangen.

50 Typhussälle.

Wie dieVoss. Ztg." berichtet, hat die Typhusepidemie in Torgelow einen bedeu­tenden Umfang angenommen. Bisher sind fünf­zig TyphuSerkrankungen festaestellt, von denen sechs tödlich verlausen sind. Auch in Bublitz 1 sind Typhusfälle fest gestellt.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 5. Suni 1926.

Blumen und Gemüt.

Wenn wir uns fragen, warum die Blumen veredelnd auf das Gemüt einzuwirken vermögen, so ist die Antwort durchaus einfach und nicht schwer. Sn jedem Menschen befindet sich eine ästhetische Saite, welche durch äußere An­stöße in Schwingungen verseht werden tarnt. Und die Blume hat zwei Eigenschaften, die diese Schwingungen hervorzubringen vermögen, Formenschönheit und Farbenpracht. Schon wenn wir die wildwachsende Feldblume betrachten, so bewundern wir die Mannigfaltigkeit der Ge­staltung unb die Herrlichkeit ihres Starben» kleides. Und wenn wir dann den herrlichen Blumenflor ins Auge fassen, den gärtnerische Kunst durch, mühevolle Arbeit der Jahrzehnte hervorgebracht hat, wenn wir gefüllte Förmen und Arrlichste Farbenzusammenstellung wahr­nehmen, dann müssen wir zugeben, daß es wenige Menschen geben dürste, die einem solchen Wer­ben sich entziehen konnten. Tief ist der Eindruck, den die Blume, unser Gemüt veredelnd, ai# uns ausübt, groß ist die Freude, welche die Blume in unserem innersten Wesen hMHxzubringen vermag.

Unsere Pflicht ist es daher, diese unÄ bar- gereichten Werte, die Blumen, uns dienst- und nutzbar zu machen, und auch dies ist nicht schwer. Zunächst kommt einmal der Blumenstrauß in Frage, der auf keinem Familientische zu fehlen braucht. Denn die Kinder der Flora, die gärtnerische Zuchtwahl und gartentechnische Betreuung hervorgebracht und erhalten, sind jedermann für wenig Entgelt zugänglich. Zum anderen bedarf es auch nur eines sonnigen Fensterbrettes, um in Töpfen selbst wertvolle Gewächse zu kultivieren, deren Blumenflor im Sommer und auch im Winter (z. D. Kakteen­arten, wie Polyphhllum) das Auge und auch das Herz erfreuen kann. Besser kann diese Segnungen in der Blume sich der zunutze machen, der auf dem 'Balkon oder auf der Terrasse vor dem Haus» sich gleich den hän­genden Gärten der Semiramis, Klematis, Ole­ander und andere Gewächse heranzieht. Was kann gerade in der Stadt mehr erfreuen, als auf einem blumenbelebten Balkon der Ruhe zu pfle­gen. Sn noch höherem Maße kann sich der am Blumenflor erfreuen, der ein Gärtchen fein eigen nennt. Er soll es sich nicht gereuen lassen, auch der Blume einen Platz in demselben zu geben und nicht nur nutzbringendes Gemüse und Obst anbauen. Das wenige Geld, das er zum An­käufe von Blumengewächsen dem Gärtner ent­richtet, trägt ihm reichliche Zinsen. Denn es gibt nichts Schöneres, als wenn man aus dem eigenen Garten einen Strauß für den Familientisd sich pflücken kann, nichts Schöneres, als zwischen duf­tenden Rosen im eigenen Garten einherzuwan- deln oder im Wohlgeruch des Jasmins nach des TageS Mühe und Arbeit am Abend in der Gartenlaube der Ruhe zu pflegen.

Solche einzelner Beispiele könnte man noch sehr viele nennen. Doch es sei genug! Das hohe Lied der Blume hat schon immer deutscher Vvlksgeist gelun­gen, und wenn man auch zugeben muß, daß ^iser heutiges erschwertes Wirtschaftsleben gar manchen daran hindert, so, wie er es wollte, die Segnungen der Blume zu genießen, so muß gerade darum, da' mit der Mensch auch für sein Gemüt etwas besitze, die Blume heutzutage in unserem Vaterlande hoch' gehalten werden. Darum:Pflege die Blume, deut­sches Volk, dann wirst du durch sie dein Innenleben pflegen und festigen. H. W. S.

Luftverkehr A.-G. Oberhessen-

Lahngom.

Die Luftverkehr A.-G. Oberhessen-Lahngau hielt im Arbeitgebgrhaus ihrs erste ordentliche Generalversammlung ab, der die Bilanz, _ die Gewinn- unb Verlustrechnung und der Geschäfts­bericht über das Geschäftsjahr 1925 unterbreitet wurden.

Di» Gesellschaft wurde am 30. Mai 1925 durch notariellen Akt mit 93 000 Mk. Grund­kapital gegründet, die Eintragung in das Han­delsregister erfolgte am 30. Suni 1925. Nach erfolgter Gründung hat sich die Provinz Ober­hessen mit 40 000 Mk. an der Gesellschaft be­teiligt, so daß das Aktienkapital sich heute auf 133 000 Mk. beläuft. Auf sich tsratsm itglied er find Oberbürgermeister Keller, als Vorsitzender, Provinzialdirektor Graef, Geh. Hofrat Prof. Dr. König, Danidirektor Grießbauer, Di- reftor Thome, sämtlich in Gießen. Zum Vor­stand wurde Regierungsrat Schmidt bestellt, Stellvertreter Hauptmann a. D. Behrends unb Bankdirektor Zeller. Die Gesellschaft ist an der Südwestdeutschen Luftv?rlehrs-A-G. in Frankfurt a. M. mit 100000 Mk. beteiligt und in deren Aufsichtsrat durch Oberbürgermeister Keller vertreten. , ,

Die Einweihung des Flugplatzes erfolgte am 5. Suli 1925, der flugplamnäßige Luftverkehr auf der Strecke GießenFrankfurt a. M. und zurück wurde am 6. Juli 1925 aufgenommen. Er endete am 30. September 1925. Während der Flugperiode 1925 wurde an 33 Flugtagen die Strecke GießenFrankfurt und zurück beflogen und auf dieser Strecke 106 Fluggäste, aitf der Strecke FrankfurtGießen 81 Fluggäste befördert. Außerdem fanden 9 Sonderflüge mit 32 Per­sonen und 31 Rundflüge mit 147 Personen statt. Sns gesamt sind mit dem Flugzeug Gießen", das auch bei den Flugtagtzn in Limburg, Fulda und Darmstadt mitwirkte, 36 6 Personen befördert worden. Alle Flüge verliefen ohne den geringsten Unfall.

Wahrend des abgelaufenen Geschäftsjahres wurde mit verschiedenen Städten Bad-Nau­heim, Limburg, Betzdorf, Fulda und Kassel wegen Einrichtung neuer Luftver - kehrslinien verhandelt. Diese Verhandlun­gen find mit Ausnahmen von Kassel in­folge finanzieller oder organisatorischer Schwie­rigkeiten bis jetzt noch nicht zum Abschluß gekom­men. Mit der Südwestdeulschen Luftverkehr-A.--G. Frankfurt a.M Und der Stadt Kassel ist eine Einigung bezüglich der Luftverkehrslinie Kas­selGieße nFrankfurt a.M. mit täg­licher Landung in Gießen erzielt worden.

Da die Gesellschaft am 30. Mai 1925 gegründet und der Betrieb erst am 5. Juli 1925 aufgenommen wurde, erstreckte sich der Abschluß nur auf etwa ein halbes Jahr. Die B i l a n z schließt ohne (Berahm und Verlust mit 133 800 Mk. ab. Die Gesellschaft mußte der Südwestd. Luftverkehr A. G. Frankfurt a. M. gegenüber eine bestimmte sog. Frequenz- g a r a n t i e übernehmen. welcher ein Verlust