Nuhraktion ihm verursachten. Diese Verluste sind ihm, der die Entstehung jeder Neuanlage und ihre Inbetriebnahme mit inniger Anteilnahme verfolgte, besonders nahegegangen.
Nur so läßt cs sich auch begreifen, daß er monatelang erbittert mit dem Reiche kämpfte, um eine einigermaßen angepaßte Entschädigung für die verloren gegangenen Werke durchzuseßen. Die übrige Schwerindustrie wußte wohl, was sie tat, als sie — nach den früheren Differenzen verwunderlich genug — Thyssen zugleich die Vertretung für ihre eigenen Ansprüche an das Reich übertrug. Und noch ein zweitesmal sprang Thyssen für die gemeinsamen Interessen in die Bresche. Das war, als die Folgen des Krieges sich 1923 bis ins Herz des Ruhrgebietes erstreckten und hier das gesamte industrielle Leben zu ersticken drohten. Die mannhafte Haltung seines Sohnes Friß in diesen schweren Monaten bleibt unvergessen. Hinter ihm aber stand er selbst, und er dokumentierte dies durch sein persönliches Erscheinen bei der Kriegsgerichtsverhandlung in Mainz und die gemeinsame Rückfahrt.
Wie er sein ganzes Leben in der Hauptsache nur Kampf kannte, so kämpfte er auch noch am Ende. Die Gründung der Vereinigten Stahlwerke A. G. und die Einbringung seiner größten 'Anlagen decken sich gewiß mit seinem schon früher gehegten Ansichten über Zusammenfassung in der westlichen Eisenindustrie. Man kann indessen zweifeln, daß Zeitpunkt, Form und sonstige Begleiterscheinungen der Transaktion ganz nach seinen Ideen und Wünschen sind, wie endlich auch der einstweilen zu- sammengeseßte Kreis der Werke. Schließlich gaben wirtschaftliche Erwägungen für ihn den Ausschlag, denn gerade seine Werke in Hamborn-Bruckhausen find in seltener Weise auf volle Ausnutzung eingerichtet und vor allem auch daraus angewiesen. Die günstige Lage für Empfang und Versand gewährleistet die günstigsten Selbstkosten und schafft ihnen so einen Vorsprung vor allen übrigen Werken.
Steht man nach allem verwundert an dem Lcbenswerk dieses Mannes, so muß man einräumen, daß hierzu keine alltäglichen Kräfte ausreichen. Frühmorgens mit den ersten seiner Beamten ,'m Bureau, vorher oft schon im Betrieb, war er abends der letzte, der es verließ, um schließlich zu Hause noch wichtige Eingänge zu lesen unö meist handschriftlich zu erledigen. Bis zu seinem 80. Jahre und auch später noch erfreute sich August Thyssen seltenster körperlicher und geistiger Frische. Roch fast täglich erschien er auf seinen Werken, versammelte feine Werksleiter zu anregenden Konferenzen, und war nur schwer zu bewegen, sich die notwendige Ausspannung zu gönnen. In der letzten Zeit nahmen aber auch bei ihm die Kräfte ab und mit einem stets sich verschlimmernden Augenleiden zog August Thyssen sich mehr und mehr von den Geschäften zurück, um sich zuletzt nur noch mit einigen ihn besonders interessierenden Spezialfragen zu befassen. Die letzten, dem Ausgleich in der Familie dienenden Auseinandersetzungen mit seinen Söhnen Fritz und Heinrich über die Verwaltung der viel verzweigten Unternehmungen hatten das Gute, daß sie zugleich einen gewissen Schnitt zogen zwischen dem Teil, der für eine Vertrustung wegen der Gleichartigkeit mit anderen Werken geeignet war, und den Betrieben und Gesellschaftern die mehr ober minder aus diesem Rahmen herausfielen. Der erstere Teil unterstand der Leitung von Fritz Thyssen, der andere der Verwaltung von Baron Heinrich Thyssen-Bome- misza und einer diesem nahestehenden holländischen Bank. Ob diese Regelung etwa schon als Vorbereitung für die später in die Erscheinung getretenen Vertruftungspläne und -Absichten gemeint war, lassen wir dahingestellt. Ausgeschlossen erscheint es indessen nicht. Der Gegensatz zwischen den Erben, der ja bei der Verständigung zutage trat, mochte gelegentlich an die Vorgänge der Familie Stinnes erinnern, deren Folgeerscheinungen mögen aber auch vielleicht nicht ohne Wirkuna auf den Verstorbenen geblieben sein. Und wenn auf der einen Seite die Einbringung eines gewaltigen reinen Familienwerkes in eine neue Gesellschaft für den zum Nachfolger in der Leitung prädestiniert gewesenen Sohn auch nicht ohne ein Opfer an persönlichem Stolz geschah, so erblickt Fritz Thyssen vielleicht doch eine neue große Ausgabe darin, als Präsident des ersten deutschen Werksblockes in neuer Richtung zu wirken.
Rast' ich, so rost' ich! Das ist offenbar der Wahlspruch August Thyssens während seines ganzen Lebens gewesen. Um so mehr muß es überraschen, daß er dieses hohe Alter erreichte und bis kurz vor seinem Tode vor schweren Erkrankungen bewahrt blieb. Auch Seelenkonflikte haben niemals seinen Wirkungsdrang beeinträchtigen können. Verwurzelt mit Menschen und Dingen blieb er in seiner
Die tolle Herzogin.!
„ Roman von Ernst Klein.
Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin.
34 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Las Valdas ermordet? Das ist wirklich furchtbar!" sagte sie langsam, mit einem Ton des Bedauerns in der Stimme. Sie wunderte sich selbst, woher sie auf einmal diese Kunst des Schauspielens hatte. Hinter Lord Burnham hielt sich Grace mit Muhe und Not aufrecht — die Augen schreckensooll auf sie geheftet, von ihr Rat und Hilfe erwartend.
„Ja — ja," fuhr Lord Burnham fort. „Er ist noch am selben Tage, da er von uns nach London zurückkam, ermordet worden. Im Klub meinen fie, es stecke eine Eifersuchtsgeschichte dahinter."
„Er machte mir gleich den Eindruck eines Mannes, der ein rücksichtsloser Frauenjäger ist. Sagte ich dir das nicht gleich, Grace, als du ihn mir vorstelltest?"
„So ist es. Du bist doch immer eine gute Menschenkennerin gewesen", brachte Grace fertig, so leichtweg Hinzuwersen.
Dabei ging Blick um Blick zwischen ihr und Gloria hin und her.
Der Vater stand auf.
„Nun, ich werde Ryce empfangen. Da Las Valdas dem deplomatischen Korps angehörte, wird er wohl mit der Untersuchung betraut sein und an uns allerlei Fragen zu stellen haben."
Gloria übersah blitzschnell die Lage und die in ihr steckenden Gefahren. Weder der nichts ahnende Vater noch die völlig wehrlose Grace durften mit Ryce sprechen, der mit ihnen beiden sicher machen würde, was er wollte. Sie selbst mußte ihn sehen. Sie selbst--
„Vater, eine Bitte", sagte sie lächelnd. „Bring Sir Walter heraus! Wenn ich auch Las Valdas nicht leiden mochte, so interessiert mich doch die Geschichte ungemein. Ich habe lange genug still liegen müssen und nichts sehen und hören dürfen —"
„Aber du kannst doch unmöglich--
„Ich habe dir gezeigt, Vater, daß ich Unmögliches kann. Mutte. Anne, du gehst jetzt hinunter und bittest Sir Walter, eine Viertelstunde zu warten. Wir werden ihn bann in meinem Salon emp-
einfachen Denkungsart und Lebensweise bei allem kämpferischen Geiste sozusagen ein Philosoph, der den jeweiligen Verhältnissen stets die beste Seite abzugewinnen vermochte. Achtung gegenüber jedermann — auch gegenüber dem Geringsten seiner Arbeiter — trug ihm selbst die größte Achtung ein. Diese völkische Grundeinstellung — wer wollte sie leugnen — offenbart sich in seinem ganzen Werk, das aus kleinsten Anfängen geworden, während aller Phasen seiner Entwicklung >edweden Hauch händlerischen Geistes vermissen läßt. Von innen heraus ist es gewachsen. Er selbst hat Stein auf Stein gefügt und stets den Familiencharakter gewahrt. Der Abwehrkampf an Rhein und Ruhr in 1923, auf den schon vorne kurz hingewiesen wurde, läßt nicht minder diesen Grundzug in die Erscheinung treten. Ja in diesem Deutschenspiegel erkennt man darüber hinaus ein diplomatisches Geschick uftb ein politisches Fingerspitzengefühl, bas man unter Wirtschafts- sührern häufig vergebens sucht. Auch August Thyssen wirb persönlich von ber Besatzung nicht verschont. Auf Schloß Lanbsberg hat sich ein französischer General ober höherer Stabsoffizier cinguar- tiert, ber Herrn August Thyssen eines Tages seine Aufwartung zu machen gebenft. August Thyssen be
sangen. Vater, bu stellst bich schön brav vor bic Tür, um für ben Fall bei ber Hanb zu sein, baß ich noch nicht kräftig genug bin, allein zu gehen! Unb bu, Grace, hilfst mir beim Anziehen!"
Ein Wiberspruch war nicht möglich. Mutter Anne humpelte nach biefer Befehlsausgabe bavon, Lorb Burnham trat bie Wache vor ber Tür an.
Drinnen flüsterte Grace, währenb sie Gloria half, sich aus bem Bette zu erheben:
„Wie soll ich dir banken!---Wie soll ich bir
alles vergelten, was bu für mich tust!"
Gloria zürnte ber Schwester schon längst nicht mehr. Grace, nicht so wiberstanbsfähig, |o entschlossen wie sie selbst, litt gleich allen passiven Naturen, bie sich einem fuchtoaren Geschehnis gegenüber wehrlos sehen. Dazu marterte ehrliche Reue, bittere Angst um Gloria bie Frau, bie einst mit einem leichtfertigen Lächeln allen unangenehmen Dingen aus bem Weg tänzelte. Nun hatte sie Tag und Nacht an bem Bett gesessen unb bie mit bem Fieber Ringende mit fanatischer Hingebung gepflegt.
„Schwatze keinen Unsinn", sagte Gloria. „Was wir angefangen haben, müssen wir auch zu Ende führen. Da ich keine Garderobe hier habe, bringe mir eine deiner Matinees unb Häubchen — aber bitte etwas folib Englisches, nichts pikant Pariserisches!"
Sir Walter Ryce präsentierte sich mit einem großen Rosenstrauß in ber Hanb. Keine Miene in seinem jugenblichen Gesichte verriet bas Erstaunen barüber, daß Gloria selbst ihn empfing.
„Ich hatte mir bereits mehrere Male bie Freiheit genommen, mich telephonisch nach bem Besinnen ber Frau Herzogin zu erkunbigen", begann er, inbem er sein Bukett überreichte.
„Ich banke Ihnen, Sir Walter", ermiberte Gloria, indem sie mit Wohlbehagen ben Dust ber Blu- men einsog. „Man hat mir (eiber nichts bavon gesagt — bas Telephon ging ja fortwährenb--"
Sie blickte die Schwester an.
„3a," bestätigte diese, „man sollte es nicht für möglich halten — wir wurden mit Anfragen und Sympathien förmlich bestürmt. Ich hatte nie gedacht, daß bie Lonboner Gesellschaft so viel Aufwand an Mitgefühl mit anberen Menschen treiben kann!"
„Das kommt auf ben sogenannten anderen Menschen an!" lächelte ber genannte Sir Walter unb machte ein bubenhaft bewunbernbes Gesicht.
stimmt ben Termin und bei ber Begegnung bebeutet ber französische General in phrasenhaftem Wortschwall feine große Freube unb die ihm zuteil werbende besondere Ehre, bie Bekanntschaft eines solchen bebeutenben Mannes zu machen unb fügt sein Bebauern hinzu, baß es unter solchen Verhältnissen erfolge. August Thyssen greift biefe Rebewen- bung auf unb erwibert: Ihr Bebauern, mein General, kann ich sehr wohl verstehen, benn Ihnen als bem Vertreter eines großen Kulturvolkes muß es außerorbentlich peinlich fein, in ein wehrloses unb friebliebenbes Lanb mit Waffengewalt einzudringen." Wendet sich ab unb beenbet bamit ben Akt internationaler Höflichkeit. Kaum besser konnte die Ehre des deutschen Volkes unter ähnlichen Umständen gewahrt werden. Man erinnert sich anderer Vorgänge und wird so besonders inne, welchen großen Verlust nicht nur die Familie Thyssen, sondern gerade das deutsche Volk und Gesamtdeutschland durch den Tod dieses Mannes erlitten hat. Ein besonderes Geschick will es, daß er gerade von hinnen scheidet, da die Thyssenwerke als solche aufhören zu bestehen, mit dem Genie — wenn auch nur bildlich gesprochen — gleichzeitig bas Werk untergeht.
Lächelte unb ließ lächelnb seinen Blick von der einen zur anberen gleiten. Grace senkte ben ihrigen, Gloria aber gab bankbar Lächeln unb Blick zurück. Sie ist es, sagte er sich.
„Eigentlich ist es ein großes Unternehmen von mir," sprach fie, „mich aus bem Bette zu wagen, aber ich bin so neugierig, zu Horen, was es Interessantes in Lonbon gibt! Bitte, Sir Walter, Sie find boch sicher mit Neuigkeiten gefüllt — packen Sie aus!"
Teufel — was wollte sie? Er fühlte sich unbehaglich. Wußte nicht, was er aus biefer lächeln- ben, heiter gestimmten Gloria Sainsbury machen sollte. Ganz anbers hatte er erwartet, sie an- zutrefsen.
„Ach —" erroiberte er, „ber Neuigkeiten gibt es eine ganze Menge. Worüber wünschen Sie informiert zu werben, Frau Herzogin? lieber Politik ober Sport — ober, hm, sagen wir Gesellschaft?"
„Sie meinen boch Klatsch? Protestieren Sie nicht, Sir Walter, Papa sagte mir vorhin, Sie hätten ben Ruf, ber beste Beamte im Geheimbienste zu sein — aber vor einer Frau können Sie sich trotzbem nicht verstellen. Sie wollten Klatsch sagen. Ja ober nein?" «
„Ich bekenne mich zu biesem Vergehen und bitte um Nachsicht."
„Gewährt unter ber Bebingung, baß Sie uns etwas recht Interessantes erzählen. Wissen Sie, Sir Walter, was Papa vorhin meinte, als Sie sich inel- ben ließen?"
„Nun?"
„Sie tarnen bestimmt wegen ber Ermordung des armen Las Valdas?"
Sir Walter Ryce war gewiß nicht leicht aus bem Gleichgewicht zu werfen. Aber dieses Mal fehlte nicht viel dazu. Sogar fein Monokel wurde unsicher — um Zeit zu gewinnen, nahm er es aus bem Auge und begann es sorgfältig abzureiben.
Bewunderungswürdig ber Mut biefer Frau! Hm — — Mut ober Verzweiflung? Man wirb ja sehen--"
„Nein, biefe Affäre", erwiderte er, nachdem Gleichgewicht unb Monokel wieder in Ordnung waren, „führt mich nicht hierher, obwohl ich nicht leugnen will, daß ich mit ihrer Untersuchung betraut bin. Ich wollte mich tatsächlich nur nach dem Beünden der Frau Herzogin ertunbigen. Aber da
bas Blatt. In der 20. Minute konnte ber Halblinke von Gießen bic Führung für seine Farben buchen. Bis zur Halbzeit wurde auf beiden Seiten nichts mehr erreicht. Nach Halbzeit zuerst offenes Feld- spiel, bann eine sich immer mehr bemerkbar machenbe Ueberlegenheit ber Gießener. 15 Minuten vor Schluß schoß ber Mittelstürmer Gießens in glänzenber Manier unhaltbar ein. Beim Schlußpfiff trennten sich zwei ruhige unb faire Mannschaften.
Marburg II — Gießen II 6:1.
Hier trafen zwei ungleiche Mannschaften auf- einanber, trotzbem überrascht bieses Resultat. Mit etwas mehr Geist wäre aucy hier ein anberer Ausgang zu buchen gewesen. Die Ueberlegenheit ber Marburger war unverkennbar, ber Sieg oerbient, wenn er auch in biefer Höhe nicht zu erfolgen brauchte.
Lollar.
Am Karfreitag weilte die erste Mannschaft der Sportabteilung des Turnvereins Lollar in Wetzlar, um sich mit der dritten Mannschaft des D. Cl. v. 1910 zu messen. Aus dem fairen, ruhigen Kampfe konnte die LoUarer Mannschaft, die nur mit zehn Mann und noch einigem Ersah angetreten war, als knapper 2:1-Sieger hervorgehen.
Am ersten Ostertag standen auf hiesigem Platze die erste Iugendmannschaft des Sportvereins .Heuchelheim und die erste Jugend des Platzvereins gegenüber. Der Kampf, der auf beiden Seiten einige ansprechende Leistungen bot, endete unentschieden 3: 3.
Vom Vriestaubensport.
Einer der schönsten und idealsten Sporte ist zweifellos der Brieftaubensport, dem man sich in unserer Gegend mit immer größerem Interesse zuwendet. Andere Sportarten, wie Fußballspiel, Radrennen und Boxkämpfe, erfreuen sich beim Publikum vielleicht einer viel schnelleren Beliebtheit. Dies liegt wohl ohne Zweifel daran, daß der Berlauf der Wettkämpfe vom Publikum unmittelbar verfolgt, beobachtet und genau beurteilt werden farm. Diese Wettkämpfe sind Schaustücke für die große Menge. Was bietef. aber der Briestaubenfport nach dieser Richtung hin? Biele Menschen können im allgemeinen von der eigentlichen sportlichen Tätigkeit der Brieftauben überhaupt nichts wahrnehmen, heute noch viel weniger als früher. Sie kennen auch nicht den ungeheuren Reiz, den ein Wettflug für den Eingeweihten auslöst. Früher trugen auch die Briestaubenwettflüge mehr militärischen Charakter, heute jedoch sind sie in die Reihe der deutschen Sportarten eingetreten. Unö es ist nicht zuviel behauptet, wenn man sagt, daß der Rennsport und die Taubenwettflüge in allen Punkten eine Sportart sein dürsten.
Man sagt oft, der Brieftaubensport ist der Sport des kleinen Mannes. Das Heimatland des Brieftaubensports ist Belgien, von wo aus er sich über Westdeutschland nach dem übrigen Deutschland verbreitete. 3n Belgien ist fast kein Haus ohne Taubenschlag, und dort ist man auf die Taubenwettflüge gespannter als bei uns auf den Ausgang eines Pferderennens, weil die ganze Bevölkerung regen Anteil daran nimmt. Die Siegertauben, auf bie oft hohe Einsätze gesetzt werden, werden in illustrierten Zeitungen abgebildet, und große Artikel werden über sie geschrieben. Aehnlich oder genau so ist es im Ruhrgebiet, im Rheinland und Westfalen. Don hier aus laufen oft Eisenbahnzüge voll Brieftauben bis an die Grenzen unseres deutschen Bater- landes, wo dann die Tiere aufgelassen werden und die oft 900 Kilometer lange Strecke in einem Tage zurücklegen.
Die Leistungen, die vor dem Kriege die Brieftauben vollbringen konnten, haben sie in der Rachkriegszeit noch nicht erreichen können', denn es gab damals Flüge, die von Rom und Barcelona ausgingen, wo die Tauben über hohe Gebirge, wie die Alpen und Pyrenäen fliegen mußten und trotz dieser ungeheuren Schwierigkeiten in kurzer Zeit ihre Heimat wiederfanden. Doch wird man dieses Jahr auch wieder von gewaltigen Flügen lesen können: denn durch das Freiwerden der Kölner Zone ist auch eine scharfe Bestimmung der Besatzungsbehörde gefallen: die dortigen Brieftaubensportler dürfen wieder reifen von Osten nach Westen. Unb soweit die Reifepläne feststehen, dürfte die Cndtour für einen Teil ber rheinischen Züchter, mit benen auch der Brieftaubenklub Gießen in Gemeinschaft reift,
mir bie Herrschaften so entgegenkommen, wäre ich glücklich, einige Fragen stellen zu bürfen — bas heißt, wenn ich ber Frau Herzogin nicht bamit lästig falle."
„O, durchaus nicht! Im Gegenteil! — — Wir hoffen, baß unsere soziale Neugierbe babei auf ihre Kosten kommt."
Ryce stürzte fick; also in Fragen, bie er schon längst alle wußte. Gloria schwieg, boch Lorb Burnham unb Grace stanben Rebe unb Antwort. Wann Las Valbas nach Burnham Tower hinausgekom- men? Wie lange er geblieben? Ob sie säuberliche Erregung an ihm bemerkt hätten? Nein? Er sei sehr lustig gewesen? Ein überaus nützliches Mit- glieb ber Gesellschaft? Ein guter Tänzer--ein
guter Klavierspieler —? Wohl ein bißchen Draufgänger? Nun ja — fein Ruf--unb so weiter —
unb so weiter. Ryce wußte schon, roarum er kein schweres Geschütz ins Treffen schickte. Keine gefährlichen Fragen stellte.
„Papa," sagte bann Gloria, „erzählte, im Klub herrsche bie Ansicht, Las Valbas sei einem Ecfer- suchtsattentat zum Opfer gefallen."
„Möglich, Frau Herzogin. Wenn ich aber offen sprechen bars, so mochte ich boch sagen, baß bie Angelegenheit komplizierter sein dürfe, als sie auf den ersten Blick erscheint. Denken Sie, am Tage nach bem Morbe ist ber Chauffeur des Grafen überfallen worben! Die Attentäter haben ihn noch auf ber Straße burchsucht unb finb bann in seine Wohnung eingebrochen! Unb haben nichts gestohlen! Gar nichts. Haben nur etwas gesucht, was sie augenscheinlich nicht gefunben haben — benn am nächsten Abenb würbe versucht, in bas Hgus Las Valbas' selbst einzubrechen."
Währenb Ryce sprach, blickte er Lorb Burnham an. Aber ihm entging nicht, wie sich bei seinen Worten bie Nerven seiner weiblichen Zuhörer spannten. Beibes Frauen! Sie tauschten einen raschen Blick.
Gloria blieb aber ruhig.
„Das ist überaus interessant", meinte sie, indem sie wieder ihr Gesicht in ben Rosenstrauß senkte. „Sie lassen natürlich bas Haus jetzt bewachen?"
Sir Walter spitzte bie Ohren. Die Spur würbe warm. Aber jetzt nicht loslassen! Gleichmütig zuckte er bie Achseln.
(Fortsetzung folgt.)
Turnen, Sport und Spiel.
V. f. B.
(=) Die unteren Mannschaften weilten mit Ausnahme ber 2. Iugenb auswärts, um zum Teil alte Freunbfchaftsbeziehungen aufzufrifchen, ober neue anztiknüpsen. Die 2. Mannschaft kam hoch- befriebigt von ihrer „Vogelsberg-Tournee" zurück unb lobte bie Gastfreunbschaft ber Schottener unb Ober-Schmittener Sportleute. Am 1. Feiertag würbe in Schotten gegen Sportverein 1920 gespielt. Die V. f. B.-Mannschaft hatte von Anfang bes Spiels ein kleines Plus, ihre Zusammenarbeit war unter Beibehaltung ber flachen Kombination sehr gut. Das Resultat lautete benn auch 2:0 für D. f. B. Die vom gaftgebenben Verein veranstaltete Abenb- unterhaltuna mit Tanz schien bic Kampfkraft ber A. f. B.-Mannschaft etwas geschwächt zu haben, was am folgenben Tag bem Namensvetter in Ober- Schmitten zu einem 2:1-Sieg über seine Gäste verhalf. Nichtsbeftoweniger würbe boch von beiben Seiten recht annehmbarer Sport geboten.
Die 3. Mannschaft war am 1. Feiertag bei ber gleichen bes V. f. R. „Olympia" Frankfurt zu Gast unb errang einen einbrurfSDoUen 4:1-Sieg.
Am 2. Feiertag fuhr bie 1. Jugenbmannschaft nach Villmar an ber Lahn unb schlug bie als sehr spielstark bekannte 1. Jugenbmannschaft bes bärtigen Sportvereins mit 2:0.
Eine sehr beachtenswerte Leistung vollbrachte bie 2. Iugenb am 1. Feiertag, inbem fie ber burch Aktive verstärkten Iugenb Lollars ein gleichwertiges, oft sogar überlegenes Spiel lieferte unb burch einen Elfmeter ben 1:0-Sieg sicherstellte.
Aus dem Arbeiter-Turn- und Sportbund.
Wehlar II. — vlasbach I. 3:3.
£ Zu ihrem ersten Spiel hatte Wetzlars II. am Karfreitag bie I. Elf Blasbachs verpflichtet. Die Wetzlarer Mannschaft zeitzte naturgemäß noch manche Schwäche, bic aber sicher in ben kommenben Spielen ausgemerzt wirb. Ueberraschen konnte bes- halb bas immerhin gute Abschneiben ber Els gegen ben eingespielten Gegner, unb bas um so mehr, als Wetzlar jebesmal bie Führung übernehmen konnte. Blasbach oerstanb es in geschickter Weise, immer roieber den Ausgleich herzustellen. Das Hauptver- bienst gebührt hier bem Mittelläufer Blasbachs. Wehlars 2. Jugend — Vlasbachs 1. Jugend 8:0.
Die durch die drei Kleinsten der 1. Jugend verstärkte 2. Jugend Wetzlars stellte sich ber körperlich stärkeren Blasbacher Iugenb auch zum ersten Spiel. Zu Anfang des Spieles hielt Blasbach feinem technisch überlegenen Gegner ftanb, bann aber setzte sich bie glänzenb fpielenbe Iugenb Wetzlars burch unb erzielte bis Halbzeit 3 Tore, außerbem verschenkte sie einen Hanbelfer. Nach bem Wechsel ließ sich Blas- bachs Iugenb die Courage abnehmen, inbem sie nun fast nur ihr eigenes Tor verteibigte, obwohl sie bas Zeug bazu gehabt hätte, auch burch Angriffe bem Wetzlarer Tor gefährlich zu werben. Die kleinen Wetzlarer liefen zur Höchstform auf unb stellten bas Resultat bis zum Schluß auf 8:0, wobei fie auch
in ber zweiten Halbzeit nochmals einen Elfmeter verschenkten. Eckenverhältnis 10:1 für Wetzlar. Blasbach muß unbebingt mehr Angriffsgeist entwickeln, benn nur baburch kann bie sonst gute Mannschaft zu Erfolgen kommen.
Wetzlars 1. Jugend — Naunheims 1. Jugend 3:1 (2:1).
Für bie ausgebliebene Bornheimer Iugenb sprang in echt sportlicher Weise bie Naunheimer Iugenb ein. Diese Jugend, bie gegenwärtig mit Gießens Iugenb an ber Spitze steht, spielt einen schonen Fußball, ber unbebingt probuktiv eingestellt ist. Sie schaffte bann auch gleich brenzliche Momente vor bem Wetzlarer Tor, in bem aber ber Hüter auf seinem Posten war. Nach schönem, ausgeglichenem Spiel ging Wetzlar in Führung. Der linke Läufer Wetzlars, von Anfang an behinbert burch eine alte Verletzung, verließ das Felb, bie Elf spielte bis zum Schluß mit 10 Mann. Bis zur Pause stellte Naunheim den beiben Toren Wetzlars ebenfalls eins entgegen. Naunheim spielte weiter vollkommen gleichwertig unb war immer gefährlich, ber Ausgleich wollte aber nicht gelingen. Wetzlar vergrößerte burch feinen guten Mittelläufer ben Vorsprung auf 3:1. Die letzten Minuten gehören ber Naunheimer Els, bie Wetzlarer Hintermannnschaft bekam reichlich Arbeit, immerhin blieb es bei bem Resultat von 3:1.
Wetzlar I — Vilbel I 0:5 (0:2).
Am ersten Ostertag trat Vilbel zum Freundschaftsspiel gegen Wetzlar an. Letztere Mannschaft machte burch bic schöne Kleidung einen guten Eindruck, ben Vilbel burch bie bessere Spielweise vollkommen ausglich. Trotz ber Hitze entwickelte sich sogleich ein scharfes Tempo. Bis zur Pause gelang es Vilbel, bas mit ber Sonne spielte, zwei Tore vorzulegön. Der Wetzlarer Sturm hatte ungeheures Pech unb versiebte die sichersten Sachen. Nach dem Wechsel glaubte man zunächst an ein Auflaufen Wetzlars, aber immer wieder fand ber gesamte Sturm Wetzlars bas Tor Vilbels nicht. Daburch nervös geworben, ging ber rechte Verteibiger Wetzlars nach vorn, was von bem linken gefährlicheren Flügel Vilbels geschickt ausgenutzt würbe. Nummer 3 unb 4 saßen unhaltbar. Daburch entmutigt, hatte Wetzlar nichts mehr zu bestellen unb mußte auch Nummer 5 noch passieren lassen. Trotz ber eifrigsten Bemühungen einzelner Spieler blieb Wetzlar selbst bas Ehrentor versagt, drei Ecken waren bie Ausbeute biefer letzten Bemühungen. Vilbel svielie äußerst eifrig, sein Sieg ist, wenn auch nicht in biefer Höhe, voll oerbient. Wetzlar muh viel mehr Stellllungs- unb Zusammenspiel pflegen.
Marburg I — Gießen I 0:2.
Für bic ausgebliebene Spielvereinigung „Vorwärts" Frankfurt sprang am 2. Feiertag bie Gießener Mannschaft in bie Bresche unb stellte sich in Marburg ben Männerturnern. Es war bas Rückspiel von bem Vorspiel, bas Gießen auf eigenem Platze 10:0 gewinnen konnte. Marburg, jetzt in besserer Form, legte gleich mit einem scharfen Tempo los unb setzte sich auch für zehn Minuten in ber Gießener Hälfte fest. Balb aber brehte sich


