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Französische Stimmen zu den Völkerbundsverhandlungen.

Paris. 6. April. (TU.) Das Wiederaufleben der diplomatischen Beziehungen und Verhand­lungen zwischen Deutschland, Frank­reich und England wird im Zusammenhang mit dem Mißerfolg von Genf heute morgen von einem Teil der Pariser Presse eingehend kommentiert. ,rr

DerGauloi s" glaubt zu wissen. B r ian d werde im Laufe der Woche die Besprechungen mit London und Berlin wieder aufnehmen, um im Rah­men des Möglichen die verhängnisvollen Folgen des Genfer Mißerfolges zu beseit,, gen. der die ganze Locarnopolitik in Frage stelle. Es scheine, daß Deutschland nur wenig geneigt sei, sein Aufnahme- o e f u ch zur' nächsten Sitzung zu erneuern. Deutschland wolle bereits im voraus über die mög­lichen Reformen unterrichtet werden, die man am Dölkerbundsrat vornehmen wolle, ebenso über die Haltung Frankreichs und Englands zu den Kandi­daturen Spaniens und Brasiliens. Falls die Re­formen und die Frage der Kandidatur nicht die von der deutschen Regierung gewünschte Erledigung finde, so werde sich das Reich die v o l l e F r e i h e , t vorbehalten, sein Aufnahmegesuch unbe­fristet zurückzuziehen. Diese Haltung der deutschen Regierung sei durch innere und äußere Vorgänge bedingt. Es sei Tatsache, daß in der letzten Zeit eine starke Propaganda in Süd - und Rordamerika und in gewissen europäischen Staaten betrieben worden sei, die sich gegen den Dölk'erbund richte.

DerAvenir" glaubt, die letzte Begegnung zwischen H o e s ch und Briand müsse auf deut­scher Seite die bellen Hoffnungen erwecken. Briand habe erklärt, die deutschen Vertreter in der Berfas- fungskommisfion des Völkerbundes müßten ebenso wie die Vertreter der übrigen Rationen behandelt werden. Berlin wolle diesmal absolut Herr der Lage sein und bereits im voraus den west­lichen Mächten die Hände binden. Daher verlange es vor einer offiziellen Antwort Aufklärungen. Ber­lin verlanae. daß unter der Frage der Erweiterung auch die Einstimmigkeit geprüft werden solle.

Md ei Krim greift wieder an.

Berlin, 6. April. (TU.) Wie dieTägl. Rundsch." meldet, schein A b d e l Srim einem Friedensschluh noch wenig geneigt zu sein, wie aus einem Rundschreiben an seine Unterführer hervorgeht, in dein es heißt- Bereinigt Euch und bildet einen Wall gegen die Christen. Metzelt sie nieder, wo Ihr auf sie stoßt. Setzt dem Feinde überall zu. Schneidet ihm die Verbin­dungswege ab. Tretet in den Heiligen Krieg ein, um unsere Ration zu verteidigen und unser Vate'rland zu retten. Trotzt dem Tode aus Liebe zu Gott.

Paris, 6. April. (TU.) Die Blätter mel- den aus Rabat, daß die Truppen Abd el K r i m s im Abschnitt von T a z a unerwartet die Offensive ergriffen haben. Die fran­zösischen Vorposten wurden zurückge­drückt, haben dann aber mit Unterstützung al- tiver französischer Truppen eine Gegen­offensive unternommen und dabei einige der verlorengegangenen Dörfer zurückgewonnen. Das Kommunique besagt weiter, daß an gewissen Stellen die f r a n z ö si sch - s pan i s ch e Linie wieder erreicht wurde. Die französtschen Verluste belaufen sich auf f ü n f T o t e und drei Verwundete. Meldungen aus spanischer Quelle besagen weiter, daß die Risleute tm Sektor von Larasche ebenfalls An­griffe unternommen haben. Das unerwartete Vorgehen der Rifleute, von dem man noch nicht weih, ob es sich um eine Teiloffensive handelt, oder ob sie auf der ganzen Front fortgesetzt werden soll, erregt hier starkes Aufsehen, da man nach den letzten Eindrücken mit der Möglich, feit intensiver Friedensverhandlungen gerechnet hatte.

Spanische Friedensbetrachtnngen.

Madrid, 6. April. (TU.) Die offiziöse ZeitungRoticiero" veröffentlicht Betrachtungen über küe durch die Friedensbereitschaft Abd elKrims geschaffene Lage. Es wird dar­auf hingewiesen, daß die französische und die spanische Auffassung eigentlich nur über den Zeitpunkt und die Qlr.t des Vorgehens bei den Friedensverhandlungen auseinanderging. Da aber beide Regierungen das gleiche Ziel ver- fo^ten. werde eine Einigung sicher bald möglich sein.

Die Regierungskrrsis in Polen.

Warschau, 6. April. (TU.) Die Re­gierungskrise in Polen hat sich während der Feiertage weiter zugespitzt. Die Par- teiführer hielten an den Feiertagen mehrfach Konferenzen ab, um eine Einigung zu er- zielen, die jedoch nicht zustande kam, da die Meinungsverschiedenheiten zwi- schen den Parteien groß waren, da die Rechts- sowie die Linksparteien fest entschlossen sind, die Koalitionsregierung nicht mehr zu unterstützen. Diese Partein ma­chen jetzt Versuche, eine neue Regierung vvrzubseiten. Die Rechtsparteien versuchen eine Regierung mit dem Marschall R a t a j als Pre­mierminister zu schaffen, die Linksparteien da­gegen gruppieren sich um die Person von Mar­schall Pilsudski. Beide Lager unterhandeln mit Strzynski, um ihn zu veranlassen, das Portefeuille für auswärtige Angelegenheiten zu behalten. Bon gut informierter Seite wird er­klärt, daß die Koalitionsregierung gleich nach dem Zusammentritt des Sejm ihre Demission einreichen wird.

Scharfe litauische Note an den Völkerbund.

London, 6. April. (TU.) Der Genera \-- fefretär des Völkerbundes hat von der litauischen Regierung eine für die Mitglieder des Völkerbundsrates bestimmte Mitteilung er­halten, die nach Meinung des diplomatischen Korrespondenten des ..Dailh Telegraph" wahrscheinlich die f ch ä r f st e diplomatische Rote ist, die dem Völkerbundsrat jenrals von einem Mitglied zugegangen ist. In der Rote beschwert sich Litauen darüber, daß pol­nische Truppen immer noch einen litaui­schen Gebietsstreifen besetzt hielten, obwohl Polen vom Völkervundsrat aufgefordert sei, den Status quo wiederherzustellen. Litauen s .Habe die sofortige Einberufung einer

Llntersuchungskvmmissivn verlangt.Der Vorsitzende dieser Kommission, Graf Ifhii. sei indessen der Auffassung gewesen, daß der Völ­kerbundsrat sich nicht mit den Einzelheiten zu befassen brauche. Der Korrespondent meint, die Rotwendigkeit einer unparteiischen Untersuchung sei um so dringender, als die polnisch-litauische Grenze in dem strittigen Gebiet noch nicht fe st gelegt sei.

Rußlands Beteiligung an der Abrüftungs - Vorkonferenz.

London, 7. April. (WTB.-Funkfpruch.) Der diplomatische Korrespondent desDaily Tele­graph" schreibt, in britischen Kreisen werde die Richtbeteiligung Rußlands an der Ab- rüstungs-Dorkonstrenz nicht als unüber­windliches Hindernis für den Erfolg der Konferenz betrachtet. Es werde darauf hingewiesen, daß die Kommissionsberatung noch nicht die eigent­liche Konferenz bedeutet, sondern lediglich die Auf­gabe hat, das Terrain zu prüfen und Anempfehlun­gen über die Reichweite und das Programm der Konferenz zu machen. Es werde als mög­lich gehalten, daß Rußland sich doch noch entschließen werde, an der Konferenz selbst teilzunehmen.

Zur Lage in Kalkutta.

London, 6. April. (TU.) Rach dem Aus­stand der letzten Tage war gestern in der Stadt Kalkutta alles ruhig und man hofft, daß der Auf stand dainit feinEndegefunden hat. Die Polizei fährt jedoch fort, verdächtige Elemente zu verhaften. Bisher sind 3 00 Ver­haftungen vorgenommen worden. Die Trup­pen sind noch nicht zurückgezogen und werden wahrscheinlich noch für einige Zeit in der Auf­ruhrzone bleiben. Die Läden sind zum größten Teil wieder geöffnet und auch der Straßenbahn- Verkehr ist wieder ausgenommen.

Umein beutst esKolonialmandat

London, 6. April. (TU.) Die Berliner Befürchtungen über ein mögliches Abtreten ehemals deutscher Kolonialgebiete in Ostafrika an Italien sind nach Meinung des diplomatischen Korrespondenten desDaily Telegraph" gänzlich unbegründet. Es seien keine englisch-italienischen Verhandlungen die­ser Art gepflogen worden. Sie würden wahrschein­lich mit dem Problem der italienischen In­teressen in Abessinien, über die zur Zeit zwischen London und Rom verhandelt werde, ver­wechselt. Aber ebenso wenig stichhaltig sei die An­nahme, daß Deutschland irgendein Versprechen wegen der Zuteilung irgendeines bestehenden Man­datsgebietes gemacht worden sei. Als diese Frage bei den Verhandlungen in Locarno angeschnitten worden sei, sei den deutschen Delegierten klar zu verstehen gegeben worden, daß Deutschland, sobald es M i t g l i e d des Völkerbundes werde, natürlich wie alle anderen Völkerbundsmitglieder das Recht bekämen, einen Antrag zu stellen, ein frei­werdendes ober neues Mandat zugetcilt zu erhalten. Es fei aber niemals die Rede von einer sofortigen Mandatszutei- lung gewesen. Das müsse jetzt klar zum Ausdruck gebracht werden, um neue Mißverständnisse in Genf im September zu vermeiden.

Der Reichskanzler an von Gwinner.

Berlin, 6. April. (TU.) Reichskanzler Dr. Luther hat aus Anlaß des 7 0. Ge­burtstages des langjährigen leitenden Di­rektors der Deutschen Bank, Dr. von Gwinner, an diesen folgendes Glückwunsch­telegramm gerichtet: Zu dem Tag, an dem Sie auf 70 Iahre eines an Erfolgen überaus reichen Lebens zurückschauen, spreche ich Ihnen der Reichsregierung und meinen herzlichsten Glückwunsch aus. Mit Dank gedenke ich der Verdienste, die Sie sich um das deutsche Vaterland erworben haben, indem Sie stets bereitwillig bei der Lösung wichtiger finanzieller und wirtschaftlicher Fragen mitgewirkt und Ihren Rat und Ihre großen Erfahrungen und Kennt­nisse dem Reich zur Verfügung gestellt haben. Die großartige Entwicklung, die unter Ihrer Führung die Deutsche Bank, sowie eine große Zahl industrieller Unternehmungen erfah­ren haben, besonders die Förderung der Stickstoffindustrie zum Segen unse­rer deutschen Landwirtschaft, sichern Ihnen einen Romen in der Geschichte des deut­schen Wirtschaftslebens. Ich gebe meiner Freude darüber Ausdruck, daß wir den heutigen Tag mit Ihnen feiern können und wünsche, daß Ihnen noch manches Lebensjahr, reich an Arbeit und Erfolgen beschieden sein möge.

gusammenschruß aller Cisen- bahnerorganisaLionen.

Berlin, 6. April. (TU.) Wie dieVoss. Ztg." meldet, sind zwischen den Spitzen-Or- ganifattonen der Eisenbahner Ver­handlungen eingeleitet worden, die den Zweck haben, das Eisenbahnpersonal zu einer Kampf­front gegen d i e R e i ch s b a h n g e s e l l- s ch a ft zusammenzufchliehen. Von allen Organi­sationsvertretern ist bereits zugesagt worden, daß sie sich für die Herbeiführung die­ses Zusammenschlusses e i n s e tz e n werden. Ein Vertragsentwurf sieht die Schaffung eines Kartellverhältnisses vor. Durch An­nahme dieses Vertrages würden sich die Or­ganisationen bei voller Aufrechterhaltung ihrer sonstigen Selbständigkeit verpflichten, daß alle Handlungen und Maßnahmen, die im Interesse der Ersenbahner notwendig sind, von allen Eisen- bahnergewerkschaften gemeinschaftlich durchgeführt werden. Zur Verwirklichung dieser Absicht ist zunächst die Gründ ung eines Aus­schusses vorgesehen, in dem jede große Ge­werkschaft durch ihren Vorsitzenden vertreten ist. Die Eröffnung der Flugsaison.

Berlin, 6. April. (TU.) Heute vormittag erfolgte auf dem Berliner Zentralflughafen T e m p e l h o f der erste fahrplanmäßige Start derDeutschenLufthansain diesem Iahre. Zum Start der ersten Maschine hatten sich auf dem Flugplatz neben der Direktion der Lufthansa Vertreter der preußischen und der Reichsbehörden eingefunden. Die Flug- hallen haben geflaggt. Ein Albatros-Focker unter Führung des Piloten B a b e k u h l machte sich auf den Luftweg nach Zürich, und es darf als poetischer Auftakt für die Saison erwähnt sein, daß das erste Flugzeug ein junges Paar auf

seiner Hochzeitsreife nach der Schweiz führte. Um 9 Uhr folgte ein Dornierflugzeug mit dem Piloten R v a ck am Steuer, dessen Ziel das befreite Köln ist. Köln soll ohne Zwischenlandung in vier Stunden erreicht sein. Heute mittag um 11,20 Uhr landete die erste Maschine, aus Hamburg kommend, im Tempelhof. Das Gegenflugzeug startet am Rach­mittag um 3,15 Uhr.

Kleine politische Nachrichten.

Die Tierärtliche Hochschule Hannover hat den preußischen Landwirtschaftsml- nister Steiger zum Dr.h.c. ernannt.

Die schweizerische Delegation, für die Handelsoertragsverhandlungen mit Deutschland trifft, wie die Morgenblätter mel­den, am Mittwoch in Berlin ein, wo mittags die ersten Sitzungen beginnen. Man rechnet mit einer drei- bis vierwöchigen Dauer der neuen Verhand­lungen.

Die Zeitungsmeldungen vom Rücktritt des schwedischen Landwirtschaftsministers Linders sind völlig aus der Luft gegriffen.

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Aus der Redaktion desGiornale b'Jtalia" sind eine Reihe von Redakteuren ausgetreten und durch ebenso viele f a s z i st 1 s ch e Journalisten er­setzt worden.

Morning Post" zufolge liegt in Jerusalem eine Meldung vor, wonach Emir Hamed Atrasch, einer der Führer der aufständischen Drusen, in einem Kampfe bei Manrabe gefallen ist.

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Einer Blättermeldung aus Soeul zufolge ist der vormalige Kaiser von Korea, T s ch o h o e k Pi, der 1910 abdankte, schwer erkrankt.

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Wie aus Wien gemeldet wird, ist dort nach langer Krankheit der Schöpfer des österreichischen Zivilprozesses und ehemalige Justizmini- st e r Dr. Franz Klein im Alter von 71 Jahren gestorben.

Von zuverlässiger Seite wird berichtet, daß Ge­neral K u n g Raihsi als Vertreter W u p c i f u s in Peking eingetroffen ist, um als Bevollmäch­tigter mit den nationalen Führern zu verhandeln.

Aus aller Welt.

Zusammenstoß zwischen Kommunisten und Iverwolsleulen.

Aus Halle wird gemeldet: Einige Hallenser Werwolfleute, die sich zu einer viertägigen Wanderfahrt nach Hinsdorf in Anhalt zu- fammengefunden hatten, wurden in der Rächt zum zweiten Ostertag von etwa 100 Kom­munisten überfallen. Es kam zu einer schweren Schlägerei. Durch das Eingreifen eini­ger anderer Werwolfleute, die ihren bedrängten Kameraden zu Hilfe kamen, gelang es schließlich, die Kommunisten zu vertreiben und die Haupt­rädelsführer, darunter einen soeben aus dem Zuchthaus entlassenen, festzu- sehen. Von den Werwolfleuten wurden acht verwunden, darunter einer so schwer daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Die Kom­munisten hatten mehr als zwanzig Ver­letzte.

Schweres Automobilunglück im Rheingau.

Wie die Reue Wiesbadener Zeitung aus Oestrich berichtet, ereignete sich am ersten Oster- feiertag nachmittags gegen 6 Ahr auf der Chaussee zwischen Oestrich und Hattenheim ein schwerer Automobilunfall. Eine Frank­furter Gesellschaft, etwa 20 Personen machten mit dem Speditionsauto des Spediteurs R e i ch a r r, Frankfurt a. M-Heddernheim' eine Rheingau­fahrt. Bei der Rückfahrt wollte der Führer zwei sich kreuzenden Personenautos ausweichen, kam dabei dem Graben zu nahe und das Auto stürzte um. Alle Passagiere stürzten heraus teils kamen sie unter den Wagen zu liegen. Rur wenige trugen keine Verletzungen davon. Die Insassen der beiden anderen Autos leisteten den Verunglückten Hilfe. Drei Passagiere mußten ins Eltviller Krankenhaus eingeliefert werden. Ihr Zustand ist bedenklich. Zwölf Leicht­verletzte konnten mit dem inzwischen wieder fahrbar gemachten Auto nach Hause gefahren werden.

Mord an einem Patienten.

Wie dieKöln. Volksztg." meldet, lieferte vor drei Wochen der praktische Arzt Dr. Iosef P ch er den Architekten Oberreuter an das St. Marienlrankenhaus ein, wo er in einem Einzelzimmer Aufnahme sand. Dr. Pröcher, der mit der Familie des Architekten freundschaftliche Beziehungen unterhielt, habe ihn mehrfach be­sucht und ihm ohne Wissen der Anstaltsärzte eine sehr starke Quecksilbereinspritzung gegeben, die am Karfreitagabend den Tod des Architekten herbeiführte. Es bestehe kein Zweifel, daß hier ein Mord an einem Patienten vorliegt. Fahrlässigkeit koipme nicht in Frage, da die Dosis der Einspritzung so stark gewesen sei, daß sie tödlich wirken mußte. Die Beweggründe zu dieser entsetzlichen Tat seien noch nicht auf­geklärt. Dr. Pröcher sei flüchtig.

Tolle Zustände auf einem Bauernhof.

Aus Kleve wird gemeldet: In Pfalzdorf sollte ein Dauer wegen Richtzahlung von Ab­gaben gepfändet werden. Der Bauer trat dem Beamten, mit der Mistgabel entgegen. Darauf wurde polizeiliche Hilfe in Anspruch genommen. Dem Beamten bot sich beim Betreten des Hofes ein grauenerregender Anblick: der Hof war vollständig verwahrlost. Die Kühe in den Ställen glichen Gerippen. Bis über die Knie standen fie im Kot. Als man einen jungen Stier fortführen wollte, brach das Tier nach wenigen Schritten zusammen. Mit Mühe fand man zwei Kühe, die fortzuführen es sich noch lohnte.

Von der Lokomotive erfaßt.

Bei Stieglitz (Grenzmark) wurde nach einer Mel­dung aus Schneidemühl das Gespann eines Gutsbesitzers von einer herannahenden L o - komotive erfaßt und vollständig zer­trümmert. Bon den vier Insassen des Wagens wurde e i n e P c r s o n auf der Stelle getötet, eine andere s ch m e r und zwei weitere leicht verletzt. Die Pferde blieben unversehrt.

Explosionsunglück beim Osterfeuer.

Beim Abbrennen eines Osterfeuers in Bot­trop wurden durch die Explosion eines von unbekannter Hand in das brennende Reisig ge­

worfenen Sprengkörpers ein zehnjähriger Iunge getötet, zwei Frauen s chwer und mehrere Personen leicht verletzt.

Dom Zuge getötet.

Aus Heidelberg wird gemeldet: Auf der Station Walldorf wurde der 53iährige verheiratete Weichensteller Matthias Kögel von Walldorf vom Schnellzuge erfaßt. Kögel erlitt schwere Arm- unb Beinbrüche; er starb im Akademischen Kran­kenhaus an den erlittenen Verletzungen.

Reue Methylalkoholoerglstung.

Aus Rheinbischofsheim wird gemeldet: Im benachbarten Hausgereut starb dieser Tage der Gemeinderat Friedrich Lacher im Alter von 42 Jahren, der auf ärztliche Anordnung infolge Herz­schwäche Kognak genommen hatte. Da infolge der bekannten Vorgänge Verdacht bestand, daß das Ge­tränk Methylalkohol enthalten hatte, wurde der Rest der Flasche der Staatsanwaltschaft Offenburg zu- gesandt. Sie Untersuchung ergab 17,2 Prozent Methyl.

3n den Bergen erschossen.

Die Dergungskolonne des Roten Kreuzes wurde am Ostermontag nach der Dchneekvppe alarmiert, wo etwa 50 bis 60 Meter unterhalb des Koppenkegels eine Person mit einer Schuß­wunde auf gesund en wurde. Gtö handelt sich anscheinend um den 1899 in ßaubeffBbrf in der Tschechoslowakei geborenen WirtschaftsgHilfen Peter, der zuletzt in Königsberg in StÄlung war.

Beraubung des Posiamles 'm Lodz.

In der Rächt zum Ostersonntag drangen Einbrecher, wie die Blätter berichteten, in die Räume des Hauptpostamtes in Lodz ein und raubten sämtliche Kassen aus. Der beträchtliche Schaden konnte ziffernmäßig noch nicht genau festgestellt werden. Drei Wacht- beamte, die von dem Einbruch nichts wahr­genommen haben wollen, wurden verhaftet.

Aufruhr im Gefängnis.

Im Gefängnis zu Kairo versuchten drei Häftlinge, die kürzlich einen ihrer Mitgefangenen ermordet hatten, um den von ihnen vorgcbrachten Beschwerden mehr Rachdruck zu verleihen, aber­mals einen ihrer Mitgefangenen zu ermorden. Während sie zusammen mit hundert anderen Ge­fangenen ins Gefängnis geführt wurden, üb er- fielen sie plötzlich einen anderen Gefangenen, durchschnitten ihm die Kehle und ver­letzten den eingreifenden Gefangenenwärter im Gesicht.

Aufstieg betLos Angeles".

Das amerikanische LuftschiffLos Angeles" wirb, wie man aus Neuyork berichtet, am kom- menben Sonntag seinen er st en Flug nach der Zerstörung des LuftschiffesShenanboah" unter­nehmen.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 7. April 1926.

Die E^enbahnpolizei.

Auf die Zeiten vnfeligert Gedenkens, als die Sachwerte der Güter höchstes waren, geht ebenso wie die bring einer eigenen Post- Polizei auch die Ein iditung einer solchen polizei­lichen Stelle im Dien^öereich der Reichsbahn, der UeberwachungsabteU^ngen, zurück. Eine solche Ueberwachungsabteilung befindet sich bei jeder Eisenbahndirektton. Ihr sind für die verschiede­nen Gebiete des Direkttonsbezirks die eigent­lichen Untersuchungsst ellen unterstellt, wie z. B. auch Gießen, deren Beamte, als Hilfsbeamte der Staatsanwaltschaft unterstehend, selbständig kriminalpolizeiliche Funktionen ausüben. Diese bahnpolizeilichen Fahndungsstellen haben durch die immer und immer wieder vor den ordent­lichen Gerichten zur Verhandlung kommenden Strafprozesse über Zugberaubungen und andere Delikte, die in den Bereich der Reichsbahn fallen, nicht nur in den Iahren ihrer Gründung ihre

Existenzberechtigung glänzend nachgewiesen, sondern auch in den letzten Iahren rroch sind derart viele Fälle vorgekommen, daß sie immer noch eine durchaus bewahrte polizeiliche Son­dereinrichtung darstelleri. Ein Ueberblick des reichen Betätigungsfeldes der Untersuchungs- stellen zeigt, daß es sich bei den in Frage kom­menden Straftaten nicht allein um Erscheinungen handelt, die aus den besonderen Verhältnissen der Gründungszeit zu erklären sind, sondern es sind meist Dinge, die allgemeiner kriminalistischer Ratur sind, deren Sonderbehandlung durch kri­minalistisch ausgebildete Cisenbahnbeamte aber sich aus dem komplizierten Organismus der Reichsbahn ergibt, in dessen Wesen der nicht speziell orientierte Kriminalbeamte keinen Ein­blick hat. Ursprünglich vielfach auch gegen di« unsicheren Elemente gerichtet, die zur Zeit der Personalinflation bei der Reichsbahn sich Eigen- tumsvergehen zuschulden kommen liehen, richtet sich die Arbeit der Untersuchungsstelleu heute vorwiegend gegen das Cisenbahnspezialistentum in der Verbrecherwelt, dessen es eine ganze Reihe vvn besonderen Kategorien gibt.

Ein Gebiet, auf dem die Untersuchungsst eilen sich ganz außerordentliche Verdienste um die Rettung großer volkswirtschaftlicher Werte auS Derbrecherhand gemacht haben, sind die

Güterzugberaubuugen.

Allgemein bekannt ist, daß auf vielen unebenen Eisenbahnstrecken sich Gefahrenzonen befinden, starke Kurven oder Steigungen, an denen die Züge ziemlich langsam fahren müssen. Der weitere Umstand, daß durch die allgemeine Einführung der K. K.-Bremse bei den Güterzügen nur der erste und letzte Wagen mit Bremsern beseht sind, verführt immer und immer wieder zum Versuch der Güterzugberaubung. In jedem Eisenbahndirektionsbezirk sind solche Strecken, die fortgesetzt heimgesucht werden. Daß auch hier die große Arbeitslosigkeit hereinspielt, geht dar­aus hervor, daß fast nur solche Gegenden in Frage kommen, die industrielle Bevölkerung auf­weisen, während in rein landwirtschaftlichen Ge­bieten diese Beraubungen weniger vorkommen. Die routinierten Eisenbahnräuber gehen fo vor, daß sie an den Stellen, an denen die Züge lang' sanier fahren, aufspringen, den Wagen kunst­gerecht öffnen, sich durch Dlinklaternen die Raubansälle gehen meist nachts vor sich mit ihren auf der Strecke liegenden Komplizen ver­ständigen, wo die wahllos ergriffenen Güter aus dem Zug geworfen werden, worauf die Verbrecher auf dem gleichen Weg wieder den Zug verlassen Es sind auch schon Fälle vor- gefommen, daß diese Banditen sich aufs Brems­gestänge gelegt hatten und dann während der Fahrt die Wagen plünderten. Aus diese Weise