Nr. 3 Drittes Blatt
Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gdertzeffen) Dienstag, L. Januar \926
Tirol in Not!
Don Statt Freiherr v. Werkinann, Hauptmann im ehemaligen Tiroler Kaiser-Schützen-Regiment I.
Am 18. November wurde die italienische Kammer eröffnet. Mussolini sprach diese Worte: „Zwei Millionen Männer, zwei Millionen junger Menschen stehen sprungbereit und warten auf mein Wort!" Die Drohung ging in einem Beifallsrasen der Anhänger des italienischen Diktators unter.
Der Sekretär der faszistischen Partei in Südtirol, Barbesino, hat zu den angeführten Worten Mussolinis den nachstehenden Kommentar gegeben: „Heute sagt Mussolii als verantwortlicher Ches der Regierung und Führer des Faszismus: Schluß! . . In Wien und Innsbruck hat sich der ganze Kehricht des verschwundenen Reiches eingefunden, alle Verhungerten, die von dem bei Vittorio Veneto geschlagenen Heere übrig geblieben sind, alle Abenteurer, die ihren Patriotismus dem Meistbieter verkaufen und gegenwärtig mit französischem oder russischem Volk Vorkämpfer der Antiitalianität geworden sind, gerade so wie sie morgen durch italienisches Gold falzistische Apostel werden könnten . . . Dieses Gesindel muß entweder mit Gold oder der Peitsche behandelt werden. Italien hat kein Gold für solche Leute; die Peitsche ist notwendig, Duce!"
Diese und andere Kundgebungen des Faszismus haben in deutschen Landen einen erregten Protest ausgelöst. Ler Duce hat sich darauf veranlaßt gesehen, eine Art Weihnachtskundgebung zu erlassen, in der die Protestierenden, die Beleidigten, die Bedrohten der Störung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Italien einerseits, Oesterreich und Deutschland anderseits angeklagt werden.
Roch jeder Usurpator hat den Versuch gemacht, den Unmut der im eigenen Lande Bedrückten durch eine außenpolitische Komplikation zu beschwichtigen. Auch Mussolini ist ein Usurpator. Nicht die Evolution, sondern eine Revolution hat ihm zur Macht verhalfen. Nicht die Mehrheit des Volkes, nicht der König hat ihn gerufen, sondern Mussolini ist gekommen. Kein Zweifel, daß er für Italien in einem gewissen Sinne ein Segen war, daß sein Regime das Zauberland im Süden vor dem Versinken in roter Flut bewahrte. Aber der Duce hat eins versäumt! Er hat sich niemals bemüht, die Volksschichten, die ihn nicht gerufen, mit seiner Herrschaft zu versöhnen, die Herrschaft des Faszio in eine dem Volke verantwortliche Regierung umzuwandeln. Daher die geballten Fäuste in den Taschen von Tausenden, daher der zunehmende Widerstand gegen die Macht der Schwarzhemden. Mussolini hat das dumpfe Donnergrollen vernommen, und es hat ihn nachdenklich gestimmt. Er kann — leider — seinen Werdegang nicht verleugnen und setzt daher dem wachsenden Unmut erhöhten Druck entgegen. Seine Seelenverwandtschast mit den Usurpatoren einer gar nicht fernen Vergangenheit läßt ihn ihr Allheil- inittel wählen: Er zeichnet das Bild eines beleidigten Italiens, schleudert der Welt eine Herausforderung entgegen, bedroht die Nachbarn mit den Fäusten seiner Anhänger und findet ihren Beifall.
In Tirol war man auch ohne die Erläuterung Barbesinos nicht im Zweifel, daß Mussolinis Drohung an Tirols Adresse gerichtet war, daß sie feine Warnung, sondern schon ein — Vorspiel sein sollte.
'In der Tat, ganz Tirol steht seit Wochen und Monaten unter dem Eindruck, daß der imperialistische Faszismus in Bälde sein nächstes Ziel — Nordtirol — offen durch die Tat bezeichnen werde.
Es ist an der Zeit, zu untersuchen, ob die Sorge des Landes gerechtfertigt ist und was sie rechtfertigt. Italien hat den Anspruch auf Deutsch-Südtirol nicht aus dem Titel des Selbstbestimmungsrechts der Nationen erhoben, sondern die Notwendigkeit einer sog. st r a te g i s ch e n G re n z e geltend gemacht. Auch das war nur ein Vorwand, denn nach den Erfahrungen des Weltkriegs gibt es kaum mehr eine wirklich gute strategische Grenze. Aber Italien unterwarf sich so viele Deutschtiroler, als Wilson und Clemenceau opfern wollten, um — endlich in Mitteleuropa Fuß zu fassen, um damit an der Weltpolitik teilhaben zu können. Wir sahen es vor dem Weltkriege und nachher Mit
telmeerpolitik als Weltpoliük verfolgen. Der jüngste Versuch — der Angriff auf Korfu — scheiterte am englischen Widerstande, der Wunjch, die italienische Stellung in Nordafrika zu verbessern, sand infolge des Widerstandes Frankreichs keine Erfüllung.
So wandten sich die Blicke der Italiener wiederum Nordtirol zu, von wo sie Elemenceai^ im März 1919 mit den Worten verwiesen holte: „Südtirol könnt ihr haben. Von Nordtirol müßt ihr eure Hönde lassen!" Brenner und Reschenscheideck beherrschend, stehen die Italiener mit einem Fuß in Mitteleuropa. Sie wären in Mitteleuropa zu Hause, wenn es ihnen gelänge, die Grenze bis zum Kar- wendelgebirge vorzuschieben. Ganz Tirol in italienischen Händen bedeutete eine machtvolle weltpolitische und weltwirtschaftliche Stellung. Die große Verbindung West-Ost wäre in italienischem Besitz. Es fragt sich nur, wie diese Nordtiroler Politik in die italienisch-deutsche Politik einzupassen ist. Nach italienischer Auffassung ist sie sowohl mit der Unterstützung als auch mit der Ablehnung des österreichisch-deutschen Zusammenschlusses vereinbar, denn eine italienisch-deutsche Grenze würde es in dem einen Falle so gut wie in dem anderen geben. Selbst die wenigen Freunde des Anschlusses ziehen die Grenze! am Nordrand der Alpen der am Brenner vor. In Nordtirol wollen auch sie keine deutschen Soldaten sehen!
Nicht als eine Einzelerscheinung, sondern als ein Beispiel für viele sei der „B r e n n e r o" zitiert, dessen besondere Aufgabe die Vorbereitung der Unternehmung gegen Nordtirol ist. Was seinen Aeuße- rungen Bedeutung verleiht, ist, daß sie im Zusammenhänge mit der Gründung eines Mailänder faszistischen Komitees zur Erlösung Nordtirols und der italienischen Gebiete der Schweiz zum erstenmal mit betonter Schärfe und allezeit — unwidersprochen — mit Berufung auf den Duce abgegeben wurden. Südtirol ist dem ,'fVrennero" wie eine Bühne, die weniger den Augen Italiens, als denen Oesterreichs und Deutschlands offenliegt; daher müsse die Vormauer Deutschlands, das Karwendelgebirgs, i n italienischen Händen sein. Nur so setze man auch der Unterwühlung Südtirols, dem Pangerma- nismus, ein Ende. Die friedliche Durchdringung Tirols ist den Fafziften ein zu langer Weg. Von der geheimen Angst beseelt, daß ihre Herrschaft kürzer dauern könnte, als sie wünschten, möchten sie alle ihnen für Italien wichtigen Entscheidungen schon heute herbeiführen. Sie allein können das Leben des Faszismus verlängern. Offen wird gesagt, daß Nordtirol zur Sühne für irgendeine nicht erfüllte Gsnugtuungsforderung besetzt werden sollte. Schon melden sich auch in der altitalienischen Presse Stimmen zum Wort, die von einem Tiroler Boxeraufstand gegen die Italiener und dem Landeshauptmann Dr. Stumpf als dem Führer der irredentifti- fchen Bewegung sprechen.
Mit diesen Drohungen geht eine fieberhaft gesteigerte Tätigkeit des Auslandsaszio einher. Die unter der Leitung des Konsuls stehende Innsbrucker Faszistengruppe läßt es sich nicht mehr mit der Ueberwachung der gelegentlich in Nordtirol weilenden Deutschsüdtiroler und des An- dreas-Hofer-Bundes genug fein. In Massen überschwemmt sie seit kurzem das Land mit einer Sorte von Hausierern, die als italienische Kundschafter leicht zu erkennen sind. Und schon hat sie auch agents provocateurs bestellt, die nach berühmten Mustern Zwischenfälle schaffen sollen.
In so bedrohter Lage haben sich die Tiroler Parteien gefunden, gefunden im einmütigen Willen der Abwehr.
Tirol sieht voraus, daß einmal geschehen wird, was der „Brennero" angekündigt hat. Ein unbedachtes, ein geradsinniges Wort eines Tiroler Funktionärs über Südtirol, ein den „rühmlosen Siegern" unbequemes Wort bei einer Feier oder in der Wiener Nationalversammlung wird Mussolini früher oder später den Anlaß geben, die inneren Sorgen durch eine Gewalttat gegen Nordtirol zu beschwören.
Tirol, ganz Tirol sieht diesem Augenblicke mit ruhiger Entschlossenheit entgegen. Aber Tirol fragt doch: Soll wieder Tiroler Blut fließen? Soll wieder eine deutsche Heimat in Gefahr geraten, Tausenden
Franziska.
Roman von Liesbet Dill.
35. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Willst du mir alles geben, was ich von dir verlange?" Sie fragt mit verhaltener Stimme.
Hasse hatte ein trockenes Gefühl Im Halse, als ob er ersticken müsse. Er sah die blauen Flammen auf dem Decken züngeln und bar» übergebeugt das blonde fließende Haar ihrer Perücke, und ihre umschatteten Augen, und er sah, wie sie sich in die des Kapellmeisters senkten in stummer Antwort...
And sie fang...
Don eiskalten Strömen über riefelt, dachte er plötzlich: Er ist es — Mariot... Er sah nur die beiden Menschen, die einander anschauten, als stünden sie nur füreinander hier. Sie fang, tanzte, spielte für ihn, es war ein Zusammenspielen, Stimme und Orchester verschmolzen. Die rauschenden Wogeri des Orchesters deckten diese Stimme niemals ganz; immer schwebte sie darüber, man glaubte es kaum, daß es noch eine Stimme IPar, die in dieser unglaublichen Höhe weich und biegsam blieb. Mühelos schwang sie sich hinauf, vereinte sich mit dem Orchester und glitt wieder hinein in dieses Rauschen von Tönen, um mit ihm zu verschmelzen. Mariot hatte das Orchester in der Hand und leitete es zu den Stimmen der Sänger. Es war, als ginge von dieser Salome ein starker Strom unversiegbarer Kraft, eine unerschütterliche Sicherheit aus, als ob sich alles um diese Stimme ranTen, ihr folgen müsse. Sie führte sie alle und hielt mit ihnen durch...
Der Tanz begann, sie streifte das Gewand ab und warf es der Tanzmeisterin zu, ließ sich die Schleier reichen und trat in einem geblümten, seidenen Unterkleid an die Rampe. Leise begleitet vom Orchester. — Don matten vielfarbigen Schleiern dicht verhüllt, tritt Salome vor. Sie läuft vor die Terrasse und neigt sich vor Herodes, biegt sich rückwärts. Die Musik beginnt eine berückende Weise. Salome wirst Herodes den ersten, lila Schleier zu, den dieser berauscht an die Lippen drückt. Den zweiten, weißen läßt sie auf den Drunnenrand wehen und neigt sich sehnsüchtig
über den Rand. Dann folgen die mattgrünen, blauen und gelben Schleier, mit denen sie ihr stummes, beredtes, verführerisches Spiel treibt, während sie sich entkleidet und tairzt, in fiebernder Ekstaße... Atemlos halt sie inne, über den Zuwelemnieder den letzten scharlachroten Schleier geschlungen, geht sie in leichten, herausfordernden Tanzschritten vor den Thron, biegt sich, reckt die kleinen juwelenbedeckten Hände bittend, lächelt Herodes zu, den Anruhe ergreift, während die schöne, alternde Herodias, mit Juwelen bdeckt, in schimmerndem, gelbem Gewände, verzehrt vor Reid, auf die junge Tochter blickt, tief beleidigt, trotzig, verstummt und doch triumphierend. „Seht meine Tochter!"
An den Kupferschalen brennen rote Flammen. Salome steht vor der flammenden Glut und starrt in die Flammen, biegt sich zurück, sie zögert erschauernd, nimmt langsam den letzten Schleier ab und läuft nach dem Drunnen; der rote Schleier weht leise herab und sinkt auf den Brunnenrand, wo der schwarze Henker mit den: roten Scharlachmantel und dem blinkenden Schwerte wartet. Sie tanzt und reckt den Weißen Leib bis dicht vor des Königs Hadern- den Dlicken, weicht rasch zurück und duckt sich hinter die Flammen. Dann steigt sie noch einmal auf den Rand des Drunnens und hebt die funkelnden Hände hoch, als hielten sie die silberne Schale mit dem Kopf des Johannes, als sähe sie auf den Rand der Schale daö bleiche Gesicht des Täufers, wie es müde lächelt und bitter. unb sähe das Blut an ihren Weißen Armen herabfließen und zu Boden tropfen. Aber es ist nur der rote Schleier, der letzte, den Salome trug, der sich zu ihren Füßen ringelt wie eine sterbende Schlange. Todesmatt und erschöpft gleitet sie vor des Königs vergoldeten Stuhl. Er springt auf. „Was ist es, das du haben willst, Salome?"
Da richtet sich Salome hoch auf mit grausam kaltem, verändertem Ausdruck ihrer leuchtenden Augen und schleudert heraus:, weich und durchdringend: „Den Kopf des Zohannes!"
Eine Bewegung des Entsetzens.
Herodes bietet Salome seine seltensten Juwelen, die Hälfte seines Königsreichs an, seine milchweißen Pfauen, den Vorhang zum Aller- heiligsten. Sie besteht auf dem Kopf des Pro-
und Abertausenden Deutscher zur Fremde zu wer. den? Wird dieses Europa nicht endlich erkennen, daß nicht ein österreichisches Bozen, .nicht ein österreichisches Meran den Frieden der 'Welt bedrohte, sondern ein italienisches Bozen, ein italienisches '.Dieran das leidende Europa um die Ruhe des Krankenzimmers bringt?!
Wirtschaft.
gehn Forderungen der Jnduft rie- und Handelskammer Worms.
Die Hessische I n d u st r i e - und Handelskammer Worms veröffentlicht folgende Erklärung zur wirtschaftlichen Lage:
Die Not unjeicr Wirtschaft steigt rasch und uu- aushaltsam. Krieg und Kriegsfolgeu, darunter ganz besonders die Inflation, haben nicht nur das Betriebskapital unserer Wirtschaft großenteils vernichtet, sondern auch wichtige Käuferschichten unseres. gesamten Vaterlandes verarmt und kaufunkräftig gemacht. Obwohl die drückende 'Jlollage eine Erleichterung der Lasten erfordert hätte, haben Reich, Länder und Gemeinden in unbegreiflicher Verkennung der L»ge Lasten über Lasten auf unsere Wirtschaft gehäuft. Als Folge davon sind unsere gütererzeuaenden Betriebe großenteils, namentlich auf dem Weltmärkte, wettbewerbsunfähig geworden. Die öfsentliche Meinung, darunter auch die Angehörigen (Unternehmer, Angestellte und Arbeiter) der Wirtschaft selbst, gibt sich vielfach noch nicht im richtigen- Maße Rechenschaft von dem Ernst der Lage und von den unheilvollen Folgen, welche für unsere Gesamtwirtschaft und für unsere Volksgesamtheit bereits eingetreten sind und noch eintreten müssen, wenn nicht beschleunigte und durchgreifende Maßnahmen die unerträgliche Last beseitigen, welche unsere Wirtschaft, insbesondere Industrie und Handel, zum Erliegen bringen.
Die Industrie- und Handelskammer Worms hält sich deshalb für verpflichtet, auch ihrerseits diejenigen Maßnahmen aufzuzählen, deren rasche Durchführung sie im Interesse unserer Wirtschaft für erforderlich hält:
1. Den Abbau und die Vereinfachung des Verwaltungsapparats in Reich, Ländern und Gemeinden, damit die Steuerbelaftung in ein angemessenes Verhältnis zu dem Ertrag der Wirtschaft gesetzt wird.
2. Vereinfachung der Steuergesetzgebung und Erhebungsart, sowie Erleichterung und Verbilligung der bisher angewandten Zuschläge und Verzugszinsen.
3. Unbedingte Durchführung des Grundsatzes, daß in Reich, Ländern und Gemeinden keine Ausgaben mehr bewilligt werden, die nicht durch Einnahmen im Rahmen der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit gedeckt werden können. Die Bildung von Rücklagen aus Steuerüberfchüfsen muß in Zukunft unterbleiben. Weiter ist zu fordern, daß einmalige und außerordentliche Ausgaben nicht durch Steuern, sondern möglichst auf dem Anleihewege gedeckt werden.
4. Die sozialen Lasten müssen der Leistungsfähigkeit der Wirtschaft angepaßt und die Gesetzgebung auf diesem Gebiete vereinfacht werden.
5. Die Tarife der Eisenbahn und Post, insbesondere auf dem Gebiete des Güter- und Fernsprechverkehrs, sind auf ein erträgliches Maß herab- zusetzen.
6. Die Reichsbank muß zu einer Kredit- und Diskontpolitik übergehen, welche den Bedürfnissen der Wirtschaft in höherem Maße entgegenkommt als bisher, und ebenso sind die seitherigen Leihzinssätze der Kreditbanken erheblich herabzusetzen. Daneben ist die Pflege des langfristigen Realkredits, namentlich auch durch geeignete staatliche Maßnahmen zu fördern, insbesondere sind Maßnahmen zu ergreifen, um der Wirtschaft auf dem Wege des Hypothekarkredits durch die staatlichen Hypothekenbanken zu Hilfe zu kommen.
7. Die beschleunigte Durchführung einer dem Abschluß geeigneter Handelsverträge günstigen Han- delsvertragspölitik ist für die Erleichterung unseres Außenhandels das dringendste Erfordernis.
8. Der Tarifzwang auf dem Gebiete des Ar- bcitsvertrages muß ebenso beseitigt werden wie die schematische Arbeitszeit.
9. Auf die bessere Ausbildung des Nachwuchses an Angestellten und Arbeitern unter weitgehender Mitwirkung der Betriebsleitungen ist besonderes Gewicht zu legen.
10. Jede Art von Zwangswirtschaft ist zu bc- seitigen. Insbesondere muß die Wohnungszwangs- wirtschaft zur Behebung der Bautätigkeit und im Interesse aller davon abhängigen Gewerbezweige bald aufgehoben werden.
Bon den deutschen LchlnchLvieh- mävkten.
An den Schlachtviehmärkten der vorigen Woche war das Geschäft für Rinder langsam bis schleppend oder sogar schlecht, ähnlich auch bei Schafen. Kälber halten zumeist flotten Markt und litten nur vereinzelt unter ruhigem oder schleppeirdem Geschäft. Bei Schweinen war der Geschäftsgang unregelmäßig, neigte jedoch eher zu ruhiger Marktlage. Die Auftriedszi fern weisen bei Rindern und Schafen eine beträchtliche Zunahme auf. während sie bei Kälbern und Schweinen in dem gleichen Umfange weiter abgenommen haben Die Preise neigten für Rinder eher zur Schwäche, für Kalbe, dagegen waren sie, der Marktlage entsprechend. fast allgemein nach oben gerichtet. Die Prüfe für Schafe waren nur geringfügigen. Schwaniunnen unterworfen; bei Schweinen hielten sich die Preiserhöhungen und --Rachlästc etwa die Wage.
Auf den nachstehenden Märkten wurden für 1 Pfund Lebendgewicht in Pfennig notiert:
Rinder
Kälber
Schafe (
Schweine
Berlin
20-53
45-90
25-45
74-90
Bremen
25-52
40-95
—
70-54
Breslau
15-51
50-73
30-50
63-87
Chemnitz
20-55
50-85
30-48
65-86
Dortmund
15-55
50-95
25-50
75-87
Dresden
22-53
50-85
35-56
60-88
Düsseldorf
25-63
40-92
—
80-94
Elberfeld
20-53
55-95
25-50
73-93
Essen
25-59
60-100
30-48
80-95
FranksurtM.
13-58
50-85
20-50
70-92
Hamburg
12-53
33-96
20-48
72-86
Hannover
15-54
30-85
20-50
70-88
Husum
—
—
—
—
Karlsruhe
18-58
55-70
—
80-96
Kassel
20-53
45-61
—
80-93
Kiel
14-53
31-82
24- 0
56-<4
Köln
15-58
62-100
32-42
80-95
Leipzig
18-52
40 -70
20-50
65-87
Magdeburg
18-52
27-65
27-35
70-83
Mannheim
10-56
60-90
24-38
78-95
München
18-56
60-78
—
58-88
Stettin
10-52
30-90
15-42
76-89
Stuttgart
13-55
64-81
—
60-93
Zwickau
15-46
40-77
25-48
78-89
* Keine Verschmelzung deutscher nu d amerikanischer Stahlindustrien. Wie dem WTB. auf Anfrage von dem Generaldirektor Poensgen von der Phönix A.-G. Düsseldorf mitgeteilt wird, ist die von einem Berliner Montagsblatt verbreitete Nachricht über die bevorstehende Verschmelzung amerikanischer und deutscher Stahlindustrien in Verbindung mit dem Bankhaus Di11on Read in Reuyork völlig aus der Luft gegriffen. Es haben keinerlei Verhandlungen dieser Art stattgefunden.
* Di ita 1 i nischeee Handelsbilanz für 1925. Die italienische Handelsbilanz schließt das abgelausene Zahr 1925 bedeutend ungünstiger ab als 1924. Schon in den ersten
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t)beten, ilnb ihrem kindischen Eigensinn fällt der von Gott gesandte Prophet zum Opfer. Der Henker verschwindet lautlos in der Zisterne. Alles verhüllt das Haupt, selbst die rohen römischen Soldaten wenden sich ab. Herv- dias sieht sich mit stolz flammendem Blick trim- phierend um: Das ist meine Tochter! — Totenstille. Salome erhebt sich, schleicht an den Brunnen und biegt sich lauschend über den Rand, fiebernd vor Begierde hält sie den Atem an, stürmisch bewegt sich ihre Brust unter dem Gefunkelt der Rubinen. Ein leichter Schrei.. . Aus der Tiefe erscheint ein kräftiger Ann, der auf silberner Schüssel den bleichen Kopf des Zohan-- nes heraufreicht.
Salome nimmt die Schüssel und bricht in Verzweiflung aus. Sie kniet nieder vor dem Kopf und ringt die kleinen Hände und weint. Die Musik setzte ein mit dem Liebesmotiv: „Richts in der Welt war so weiß wie dein Leib, nichts in der Welt war so schwarz wie dein Haar, nichts in der Welt war so rot wie dein Mund."
Wenn Töne schon ein ruhiges Herz erschütterten, wie weit mehr ein tiefbewegtes! Als der volle Einsatz dieses Liebesmotivs über ihn herabrauschte, flieg daraus ein neuer seltsamer Geist zu ihm herab, der weiter nichts sagte wie: Weine...
Es war, als wenn sich ein Himmel von einem drückenden Gewölk plötzlich abregne und dann das Leben luftig und leicht und sonnenbe- glänzt dort stände wie ein Tag.
Die Töne bekamen Stimmen und Gesichter. Diese dämmerige, graublaue Welt, aus der die Köpfe der Sänger tauchten, schien in Flammen zu stehen. Diese Frauenstimme besaß eine Macht, über Herzen zu herrschen, sie emporzuziehen, sie schageln und stürmen zu lassen mit jedem dieser berauschenden Töne, die einem zu Kopfe fliegen wie ein schwerer Wein... Zwischen den singenden Geigen schwebte ihre Stimme getragen, bang und zitternd wie Seufzer, die suchen und wünschen, am Traum eines Glückes zu sterben. Ihre Stimme, klar und stark in der Bewegung des Gesanges und dennoch leise, maßvoll, wie in zarte Schatten getaucht weckte die Vorstellung kostbarsten Metalls, das in weichen Samt gebettet ist, einer i.i st.Lienen Schale, aus deren
Innern man den Strahl eines lebendigen Quells auffl eigen sieht.
Die Jugend ihres geschmeidigen, kraftvollen Körpers schien durch die Juwelen zu leuchten.
Die Melodien glitten in so reinem, vollem Ausdruck von diesen Lippen, daß sie die Seele in einem geheimnisvollen Glücksgefühl erzittern ließ.
Diese Franziska von heute erschien ihm eine Fremde. Wie ein Gift erfüllte ihn der Wunsch, dieses Weib zu vertilgen, sie auszulöschen, damit sie ihn nicht mehr quälte, nicht mehr reizte, damit er sie vergaß. — „Wenn du mich angesehn, du hättest mich geliebt. Ich weiß es wohl..
Oh, das war nicht mehr das blutende Haupt, mit dem sie dort sprach, das war der Mensch, den sie liebte, nach dem sie gedürsiet, und „ec hatte sie nicht einmal angesehen". Das Orchester verschmolz mit dieser reinen, christalle« nen Stimme. Zhre Stimme war schön bis zum letzten Ton, klar, zart wie die eines Vogels, der mühelos singt, ohne zu ermatten. „Denn das Geheimnis der Liebe ist größer als das Geheimnis des Todes." Sie sang diese letzten Worte, vor der Schüssel kauernd, die Hände um den silbernen Rand gekrallt, die großen, umschatteten Augen sahen in den leeren Raum hinein, sie schauten niemand, sie sahen in die Ferne, aber sie waren an einen Menschen gerichtet, das fühlte man. Salome singt und spricht, sie weint, über diesen edlen Männerkopf gebeugt, trunken, ermattet und bleich vor Sehnsucht und Ekstase, während die Sklaven erschreckt die Fackeln auslöschen, die Sterne erbleichen und der Mond sich verhüllt... Herodes erhebt sich schaudernd, der Hofstaat verläßt sie, die eigene Mutter...
Salome weiß es nicht. Sie beugt ihren Kopf tief auf den des Geliebten herab und biegt ihn zurück, bebend vor Liebesraferei. „Ich habe seinen Mund geküßt" Zhre Augen schli.e- ßen sich, sie schauert zusammen, ihre Hände schlingen sich ineinander, ihre Augen glühen düster. „Sie sagen, daß die Liebe bitter schmecke ...allein, was tut's!" Zhre süßee Stimme klingt leise, müde, wie ein zarter sterbender Hauch, bis sie auf Befehl des entsetzten Königs von den wuchtenden Schilden der Soldaten zugedeckt und erschlagen wird.
(Fortsetzung folgt.)


