nennt. Mmkich außer der eben erwähnten Perba« Matte noch den Qusbrachobaum (Schinopsis Balan- sae) und die Wilde Orange. Quedracho stellt in seinem Extrakt einen für die Gerberei sehr wichtigen Exportartikel dar, der, in verschiedenen großen Fabriken gewonnen, die stattliche Summe von über 30 Millionen Kilogramm in einem Jahr erreicht bat. Der Ouedrachobaum wächst vornehmlich im Gran Chaco, dem westlich des Paraguaystromes gelegenen Teil des Landes, der neuerdings besonderen Wert für die Viehzucht bekommen hat, die ja zweifellos für Paraguay mit der Zeit eine immer größere Bedeutung haben wird und schon durch die Etablisierung mehrerer großen Fleischoerarbeitungs- fabriken (konserviertes Fleisch, Gefrierfleisch und Salzfleisch) zum Ausdruck gekommen ist. Es wird auch hier alles von einer zielbewußten systematischen Zuchtverbesserung des einheimischen Bieh- materials herauskommen, wie solche schon von verschiedenen weiten in ernsthafter Form in die Wege geleitet worden ist und bereits zu recht erfreulichen Resultaten geführt hat. Aus der wildwachsenden bitteren Orange wird das berühmte Petit grain Oel,
Pelzmartel.
Ein Nürnberger Spielzeugroman.
Nach dem Italienischen der Teresah erzählt von Gustav W. Eberlein.
Copyright 1925 bh 21. Scherl G. m. b. H., Berlin.
31. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Harmonisch wie ein Lied zog der 2lbend über die Wiese hin. die durch Alcinas Zauberei blühte wie im Sommer. Die Glühwürmchen leuchteten auf wie wandernde Laternchen, und die Grillen zirpten. Gri... gri... gr. Cs war. als ob die Wirse selber leuchte und singe, weil den Tönen, die aus dem Wurzelwerk des roten Mohns, der Margareten und wilden Nelken herausklangen, ein Helles Klingen der Blütenglocken antwortete. Welch ein Zauber! Wenn ich im Gefieder der Störche gesteckt hätte, ich würde auch heruntergegangen sein, nur um auf dieser Sommerwiese einzuschlafen. Für die Störche kam noch der Befehl des Pelzmärtels hinzu, den sie um nichts in der Welt zu mißachten gewagt hätten.
So kam alles, wie es die schlaue 2llcina vorhergesehen hatte, und niemand von der Reise« gesellschast konnte einen Verdacht hegen, nachdem ihnen eine wunderschöne, überaus liebenswürdige Fee entgegentrat, die ein Greifenroß am Zaume führte und sich beauftragt erklärte, die Reisenden zu empfangen. Sie waren ja nun an solche Dinge gewöhnt.
„Eßt und trinkt und laßt's euch wohl sein!" sagte Olkina mit ihrem graziösesten Lächeln, auf ctpe einladend geschmückte Tafel deutend. „Cs gibt Kuchen für die Kinder, rösche Heuschrecken und frische Schnecken für die Störche. Die Herren Gesandten der Marionetten, Bleisoldaten und Hunde pflegen, wie ich weiß, nicht zu speisen, aber Karl der Drohe wirb ein Pfeifchen nicht verschmähen, für HanS Sachs habe ich eine besonders feine Tabaksorte aufgetrieben, und Krach- auf hat sich, wenn ich nichr irre, wieder einmal den Zopf zerbrochen, den ihm der große Einsiedler mit so viel Geduld zusammengeleimt hatte. Hier ist der Leimtopf und hier Tabak für alle/
der grundlegende Stofs für eine große Anzahl des wertvollsten Parfüms, gewonnen.
Es würde zu weit führen, wenn ich mich noch weiter äußern würde über die zahlreichen Kulturen, die noch für den Ackerbau in Paraguay in Betracht kommen. Ich will mir bemerken, daß auch die Kartoffel ganz gut gedeiht und man neuerdings auch an die Kultur von Weizen herangeht. Es ist aber natürlich, daß Paraguay in bezug auf Weizenkultur niemals mit Argentinien würde konkurrieren können.
Wir dürfen also hoffen, daß die Welle des wirtschaftlichen Aufschwungs, welche die benachbarten Staaten Argentinien und Brasilien in den letzten Jahrzehnten so außerordentlich gefördert hat, jetzt auch nach unserem Paraguan hinüberflute, ein Land, das ja, wenn auch in größerer Entfernung vom Meere, gewissermaßen als südamerikanische Schweiz manches Vorteilhafte hierfür bietet, so namentlich noch sehr niedrige Landpreise, den noch jungfräulichen Boden und in mancher Beziehung auch vielleicht bessere Arbeiterverhältnisse.
Für alle, hatte die schöne Fec gesagt, das ließen sich die Soldaten nicht zweimal sägen, und auch Florindo und Harlekin griffen wacker zu.
Die Damen, um auch etwas zu haben, denn damals gab es noch keine Zigaretten, freuten sich über die Tafelblumen und steckten sie sich an die Brust.
Nur die drei Hunde ließen sich nicht verhexen. denn sie aßen nicht, rauchten nicht, steckten sich keine Blumen an und brauchten mich keinen Leim. Olkina muhte sich umdrehen, denn die grüne Galle stieg ihr ins Gesicht: an alles hatte sie gedacht, nur nicht an die Hunde.
„Legt euch jetzt zur Ruhe." mahnte sie. „ich habe ein Zelt aufschlagen, lassen, damit ihr nicht kalt habt. Gute Nacht!"
Alle begaben sich in das Zelt und verfielen sofort in einen tiefen Schlaf. Hämisch betrachteten Ollcina und Siebenschelm ihre Opfer.
„Das Tränklein tut seine Wirkung", freute sich Siebenschelm. „Auch die Hunde werden sich nicht rühren. Die Hunde sind so dumm — die Hexe lachte verächtlich bei dieser Feststellung —, ihren Herren immer treu zu fein; vor lauter Treue haben sie sich auf diese Weise selben mitverhext."
Wer htrj darauf den Kopf aus dem Zelt gestreckt hätte, würde die Hexe Ollcina ringsherum einen großen Rauchgürtel haben ziehen sehen, den berüchtigten Zauberkreis. Von diesem Augenblick an konnte niemand mehr die unsichtbar gewordene Wiese verlassen.
„Geglückt, geglückt! Racke ist süß!" triumphierte die Hexe.
„Ueberlassen wir sie ihrem Schicksal!" jubelte Siebenschelm, nicht weniger grausam als seine Meisterin.
Die Hände in die Mähne ihres feuerspeienden Flügelrosses krallend, schwang sich Alcina in den Sattel, Siebenschelm klammerte sich an den Steigbügel, hui, huiiiiih ging eS durch die Lüfte, Hohnlachen hinterher wie ein Kometenschweif.
Niemand auf der Wiese hörte dar furchtbare Echo. Alle schliefen.
Rur Lu und Li steckten die Köpfchen vorsichtig aus ihrem Versteck, LieselS vhrringen, in denen sie, allen unsichtbar, dir Reise mit»
einzelnen Gendegesellschaften erfolge, die zu diesem Zwecke sich zu einer einzige» Körperschaft zusammenzuschließen hätten. Natürlich können hiergegen auch wieder durchaus plausible Gründe vorgebracht werden. Doch wird die Entwicklung gu einer größeren Einheitlichkeit sich auf die Dauer nicht aufhalten lassen.
Als iliorbilb kann dabei England dienen, wo sämtliche Sender von einer einzigen Gesellschaft betrieben werden, und wo schon sehr stark auch eine gewisse Einheitlichkeit im Programm durchgeführt 'st. 1° daß ein und dieselbe Darbietung stets von mehreren Sendern gleichzeitig gegeben wird. Dadurch wird natürlich eine beträchtliche Ersparnis erzielt, die bei den viel geringeren Gebühren in England (10 Mk. jährlich anstatt wie bei uns 24 Mark) sehr ins Gewicht fällt.
Ansätze zum Austausch von Programmen bzw. zu gemeinsamen Darbietungen gibt es bei uns in Deutschland auch, ich erinnere nur an die Berliner Opernübertragung von „Lohengrin" am ersten Weihnachtsfeiertag. Die Oper wurde von fast sämtlichen deutschen Sendern gegeben. Eine wunderbare Leistung; wenn man bedenkt, wieviel Stationen, wieviel Klippen diese Töne zu überwinden haben, bis sie an unser Ohr gelangen.
England ist das europäische Land, in dem der Rundfunk die weilest? Verbreitung
gefunden hat. Die Hörerzahl betrug am 1. Oktober d. I. 1 464 674, also immerhin rund eine halbe Million mehr als bei uns in Deutschland. In den übrigen europäischen Ländern ist die Entwicklung noch weit zurück. In Frankreich und Belgien ist die Organisation anscheinend nicht besonders glücklich durchgeführt worden. Nähere Zahlenangaben fehlen mir jedoch darüber. In Holland wird die Zahl der im Betrieb befindlichen Empfangsstationen auf 50000 geschätzt, was m. A. nach zu niedrig gegriffen sein dürfte. Dänemark hat angeblich bisher über 10 000 Genehmigungen erteilt. In Polen, Rußland, Finnland, in Skandinavien, überall sind erst Anfänge eines eigenen Rundfunks festzustellen. Aehnlich liegen die Verhältnisse in Südeuropa. Oesterreich dagegen hatte bereits im März d. I. über 120 000 Rundfunkteilnehmer. In der Schweiz wirkte besonders die Inbetriebnahme des Züricher Senders anregend. 18 000 Empfangsanlagen sind dort festge- stellt worden.
In den außereuropäischen Ländern, abgesehen uon ben Vereinigten Staaten von Nordamerika, ist es fast genau so. Ueberall ist die Entwicklung noch in den Anfängen, und es ist nicht abzusehen, wie sie weiter geht. Nordamerika und Deutsch- land sind dabei die Hauptlieferanten der erforderlichen Geräte, die nur zu einem verschwindenden Teile von den einheimischen Industrien erzeugt werden können.
Im Laufe der letzten Jahre hat sich die Ausfuhr von Radiogeräten aus Deutschland beträchtlich gehoben. So betrug der Export in der ersten Hälfte des Jahres 1923 298 Tonnen, in der gleichen Zeit 1924 dagegen 520 To. Hiervon kamen z. B. nach England 223 Tonnen, nach Schweden 86 Tonnen, nach Argentinien 24 Tonnen, nach Holland 23 Tonnen und nach Dänemark 23 Tonnen, nach China 10 Tonnen und nach den Vereinigten Staaten 9 Tonnen. Der Wert dieser Ausfuhr beläuft sich auf viele Millionen Reichsmark, da es sich hier durchweg um hochwertige Waren handelt.
Werfen wir nun zum Schluß noch einen kurzen Blick auf die Entwicklung des
Rundfunks in unserer engeren Heimat,
so ist festzustellen, daß hier in Gießen Ende 1925 rund 300 Rundfunkteilnehmer vorhanden waren. In Anbetracht des Umstandes, daß auch die einfachste Anlage hier rund 100 Mk. kosten dürfte, ist dies kein schlechtes Ergebnis. Dielleicht bringt uns die bevorstehende Erhöhung der Sendeenergie des Frankfurter Senders bessere Empfangsoerhält- nisse, so daß mit den verminderten Anlagekosten die Zahl der Rundfunkhörer stärker wächst.
Daß hier dem Rundfunk nach wie vor starkes Interesse entgegengebracht wird, bewies die überaus rege Anteilnahme weiter Bevölkerungskreise an den Veranstaltungen des letzten Jahres, die den Rundfunk irgendwie betrafen. Dahin gehören die Borträge von Prof. Korn über „Drahtlose Bildübertragung" und von Dr. Bergmann über „Kurze Wellen", sowie die Lautsprecherschau. Als besonderes Ereignis darf hier auch die Inbetriebnahme des Gießener Verfuchssenders erwähnt werden. Vorläufig fanden nur Versuche im Bereich der Rundfunkwellenlängen statt. Aufgabe des
gemacht halten, schauten sich verstohlen um und seufzten: Ach, ach!
Da sie sich vor der Hexe, die sie mit einem einzigen Fingerschneller zu Staub zermahlen hätte, nicht zeigen durften, hatten 2u und Li alles mögliche versucht, um wenigstens Liesel davon abzuhalten, die betäubenden Süßigkeiten zu essen. Sie hatten ihr auf die Wangen getrommelt, sie hatten sie am Hals gekitzelt, fi£ hatten sich sogar bis in ihre kleinen Ohren hineinqeschaukelt und hineingeflüstert: Hüte dich, hüte dich! Aber Liesel war so ausgehungert gewesen, daß sie nicht darauf achtete und den ganzen Kuchen aufzehrte.
WaS nun? fragten sich in tödlichem Schrecken Lu und Li. Was hatte die Hexe vor? Undurchdringliches Geheimnis!
Zwölftes Kapitel.
Ein recht trauriges Kapitel, denn die Reisegesellschaft bleibt hoffnungslos verschwunden; sogar Pelzmärtel muß erfahren, daß kleine Ursachen große Wirkungen haben können, denen gegenüber seine Macht versagt; und Lu und Li, die einzigen, die helfen könnten, verirren sich in den himmelhohen Bergen und unermeßlichen Wäldern, die vor Nürnberg liegen.
Inzwischen warteten sie in Nürnberg, warteten voller Ungeduld. Pelzmärtel hatte Bringglück, Fifi und alle Schwalben von der Rück- kehr der Reifegefellschaft unterrichtet, die Amsel und den Papagei auf dem laufenden gehalten und allen befohlen, sich für einen würdigen Empfang bereitzumachen. Darauf war er in den unterirdischen Gang hinabgestiegen und hatte die Spielwaren aufgeweckt. Alle, die irgendwie teil hatten an dem Kreuzzug, mittelbar oder unmittelbar, sollten dabeisein, sollten den feierlichen Schlußakt verschönen helfen.
Am liebsten wäre Pelzmärtel geradeswegs zu Peter Tand gegangen und hätte ihm gefagt: »Freue dick, spätestens morgen wirst du deine Kinder in Die Arme schließen können." Aber der Puppenpeter würde ihn ja nicht gesehen und seine Worte nicht gehört haben. Es war also zwecklos, ihn «ufzufuchen.
neuen Jahres bleibt es, Kurzwellenversuche, Insbesondere Reichweitenversuche durchzuführen.
Was schließlich die
Empfangsanlagen, ihre technische Vervollkommnung usw. aubetrifjt, so hot das vergangene Jahr keinerlei Umwälzungen gebracht. Deutlicher nach als vor einem Jahre lassen sich zwei Extreme unterscheiden. Einmal das Bs- streben, mit möglichst wenig Material und Geld möglichst viel zu leisten, Einröhrenapparate, und dann Riesenempfänger von bis zu 10 Röhren, die mit einer tragbaren Rahmenantenne überall ausgestellt werden können und jede Station im Lautsprecher bringen — sollen. Der Apparat, auf den viele noch warten, der in der Westentasche mit» »nehmen ist, und der etwa das gibt, was heute ein 8—10-Röhreuapparat nur unvollkommen leistet, her Apparat wird auch im neuen Jahre noch nicht erfunden werden und sollte eigentlich kein Grund sein, um vorläufig noch dem Rundfunk fernzu- Lleiben. Im Gegenteil, je mehr sich dem Rundfunk anfchließen, desto breiter wird die Basis, aus der ».vortschritte sich aufbauen können, desto wahrscheinlicher wird auch die Verwirklichung der Forderung: Neben Wasserleitung, neben Gas und elektrischem Licht gehört in jede Wohnung eine Runbftmkein-- richtung.—
Oderhefsen.
Landkreis Gießen.
L W i c l e cf, 4. Ian. Gegenüber dem Vormonat ist die Zahl der Crwevbslofenl in unserer Gemeinde um 100 Prozent ge- stiegen. Mit dem Beginn des Dezembers fetzte eine rapide Steigerung ein. die den ganzen Monat Über anhielt und aus folgender Äebersicht zu ersehen ist: Am 1. Dezember betrug die Zahl der unterstützten männlichen Erwerbslosen 36, die der weiblichen 7. Zuschlagsberechtigt waren hierbei 18 Ehefrauen und 36 Kinder. Am 7. Dezember stiegen die Zahlen auf 46 männliche und 8 weibliche Erwerbslose, 20 Ehefrauen und 48 Kinder waren als Zuschlagsempfänger zu unterstützen. Sprunghaft stiegen diese Zahlen am 14. Dezember auf 68 männliche und 9 weibliche Hauptunterstützungsempsänger und 25 Ehefrauen und 68 Kinder als Zuschlagseinpfänger. Ginen- geringfügigen Rückgang brachte der 21. Dezbr.: 61 männliche und 10 weibliche Erwerbslose waren mit 29 Ehefrauen und 58 Kindern zu unterstützen. Von nun ab setzte wieder eine Aufwärtsentwicklung ein, die nächstfolgende Woche, der 21. Dezember, wies wieder 68 männliche und 9 weibliche Erwerbslose mit 26 Ehefrauen und 63 Kindern auf. Die höchste Ziffer in diesem Winter brachte der 31. Dezember, an dem die ZaHl der zu Unterstützenden auf 72 männliche und 6 weibliche Erwerbslose stieg. 26 Ehefrauen und 53 Kinder gelten als Zuschlagsempfänger. Diese letzten Zahlen erhöhen sich noch um die vorhandenen Erwerbslosen, die nicht mehrunter- stützungsberechtigt find. Außerdem ist eine Anzahl Erwerbsloser bei dem im Gang befindlichen Holz-- schlag beschäftigt. Mit der in Kürze bevorstehenden Erledigung dieser Arbeit ist mit einer weiteren Steigerung der Erwerbslosenziffer zu rechnen. Zu diesen Vollerwerbslosen kommen noch eine große Zahl Kurzarbeiter, die in der Hauptsache in der Metall- und Zigarrenindustrie zu suchen sind. Ganz speziell in letzterer besteht ein ungünstiger Beschäftigungsgrad. So läßt die Zigarrenfabrik Metzer- Wieseck schon seft sehr langer Zeit nur drei Tage in der Woche arbeiten. Ebenfalls drei Tage in der Woche hat die Zigarrenfabrik Dievau ihren Betrieb offen. Die Firma S. Dock A Co., die ebenfalls nur drei Tage arbeiten ließ, beschäfttgte ihren hiesigen Betrieb in den ersten Dezemberwochen voll, dafür ruhte er aber vom 19. Dezember bis 4. Januar völlig, von da ab beträgt die Arbeitszeit wieder wöchentlich drei Tage. Man sieht also, die Arbeitsverhaltnisse auch in unserer Gemeinde sind ein getreue- Spiegelbild der katastrophalen wirtschaftlichen Lage int ganzen Reich Für die Gemeindeverwaltung erwächst aus der ständig steigenden Zahl der Erwerbslosen die Pflicht, auf Grund der neueren Notstandsmaßnahmen für eine Milderung der größten Qü>t zu sorgen. Bekanntlich stellt das Reich eine größere Summe hierzu bereit, die erforderlichen Ausführungsbcftimmungen sind in Bälde zu erwarten. Es ist beizeiten dafür zu sorgen, daß auch für unsere Gemeinde für die einzurichtenden Notstandsarbeiten Gelder aus
Der große Tag kam. Strahlender Sonnenschein begrüßte Nürnberg. Es war Sonntag, die guten Nürnberger zogen ihre neuen Früh«» lingskleider an und ergingen sich auf den Straßen. Es lag wie Feststimmung über der Stadt. Irgend etwas älngewöhnliches, manwußt« nicht was, war in der Luft. Alle Menschen lächelten vor sich hin, gingen mit federnde^ Schritten und sprachen mit gehobener Stimme. An die traurigen und unerklärlichen Ereignisse der letzten Wochen mochte man gar nicht denken. Frühling, Frühling...
Pelzmärtel kannte sich selber nicht mehr vor lauter Geschäftigkeit, er wäre am liebsten ander Haut gefahren und hätte sich zerteilt, um gleichzeitig da und dort sein zu Gnnen. Schon in der Morgendämmerung hatte er sich dabei ertappt, wie er von der Zinne des runden Turmes aus den Horizont abspähte. Bald hockte er neben Dringglück auf dem Nestrand, baÜ> bummelte er durch die Straßen, um zu hören, was die Leute sagten, und blähte und spreizte sich vor Stolz. Was hätte er nicht dafür gegeben, sich den Menschen sichtbar machen zu können: Ich hab's geschafft, ich hab's bewirkt, jawohl ich! Dumm, seine Verdienste so unbemerlt mit sich Herumtragen zu müssen! Schon war er wieder auf den Dächern, um den Schwalben Verhaltungsmaßregeln zu geben, Jakob zur Ordnung zu rufen, Fifi abzukanzeln und sich wichtig zu machen für zehn. Gr merkte vor Aufregung gar nicht, was er sich an Würde vergab.
„Wenn sie nicht bald eintreffen, zerplatze ich", gestand er Dringglück und flitzte schon wieder weg wie ein Kreisel, weil er in der Fern« Christohorus Herzensräuber rumoren und an die Ture des unterirdischen Ganges pochen hörte.
„Willst du wohl still fein, he?" schrie er durch das Türschloß. „Sotten die Leute aufmerksam werden?"
„Kommen sie oder kommen sie nicht?" brummte Christohorus trotzig.
„Längst schon angekommen, du Tölpel!" (Fortsetzung folgt.)
Der deutsche Rundfunk 1925.
Von Dr. Heinrich Müller- Gießen.
Wenig mehr als zwei Jahre sind verflossen, seitdem am 29. Oktober 1923 die Deutsche Funkstunde in Berlin mit regelmäßigen Rundstinkdarbietungen begann. Welch eine Entwicklung inzwischen stattgefunden hat, sowohl qualitativ und quantitativ, als auch ideell und materiell, zeigen die damaligen und die heutigen Tages- und Wochenprogramme, zeigen auch die ständig wachsenden Ziffern der Rundfunk- reilnehmer. Mit einer Stunde täglich begannen die Rundfunkdarbietungen, und heute kann man kaum eine Tagesstunde ausfindig machen, in der nichts geboten wird. Zählte man Ende 1923 noch eine sehr kleine Zahl von angemeldeten Rundstmkteil- iiehmern. so waren es Ende 1924 bereits über eine halbe Million, und Ende 1925 wäre die ganze Million schon langst überschritten, wenn die im besetzten Gebieten beantragten Rundfunkanlagen schneller genehmigt wurden.
Bekanntlich ist das Gebiet des Deutschen Reiches unter eine Anzahl Sender verteilt derart, daß jeder Sender einen bestimmten Bezirk als — jagen wir mal — Interessensphäre zugewiesen erhält. Alle in diesem Bezirk, der gewöhnlich eine oder mehrere Oberpostdirektionen umfaßt, eingehenden Rundfunkgebühren kommen dem Bezirkssender ober besser der betr. Sendegesellschaft zu gut nach Abzug von * des Gesamtbetrags, die von der Deutschen Reichs- poft beansprucht werden dafür, daß sie die Sender baut und betriebsfähig unterhält. Es ist selbstverständlich, daß bei wachsender Teilnehmerzahl die Gebührenerträge auch wachsen, und damit die Gute der Darbietungen gesteigert werden kann und auch wird. Dafür sorgt schon die Kritik der Teilnehmer, die naturgemäß stets vorhanden ist, da d i e sende- gesellschaft erst noch gebildet werden muß, die es allen ihren Hörern recht zu machen verstände.
Zahlenmäßig wirkt sich der
Anstieg der Teilnehmerzahlen
im Jahre 1925 etwa folgendermaßen aus:
Sendebereich
Teilnehmerzahl Ende 1924 abgerundet
Teilnehmerzahl 1. XII. 25
3u. nähme in voll. 1000
Zunahme in %
Berlin . . . .
200 000
417 749
218
109
Breslau . . .
40 000
52 247
12
30
Franüfutt/M.
40000
63 095
23
57,5
Hamburg. . .
70 000
118618
49
68,5
Königsberg .
11000
15171
4
36,4
Leipzig....
45 000
109 980
65
144
München. . .
70000
91 001 /
21
30
Münster . . .
9000
71 798
63
700
Stuttgart. . .
17 000
27 145
10
59
Insgesamt
rb. 500 000
966 804
Da die Zahl der Teilnehmer am 1. 11. 25 913 776 betrug, ergibt sich für den November ein Zuwachs von 53 028 Teilnehmern, oder anders ausgedrückt: .Im November kamen täglich 1768 Teilnehmer neu dazu. Angesichts dieser Zahlen kann mau wohl von einer Rundfunk Müdigkeit, von einem Abflauen des Interesses kaum reden, obwohl im Laufe des Jahres hie und da veröffentlichte Wahlen eine
Abnahme der Teilnehmerzahl zu beweisen schienen. Wohl find in einzelnen Bezirken in einem oder dem andern Monat einmal die Abgänge zahlreicher gewesen als die Zugänge. Man muß aber dabei berücksichtigen, daß unter den Abmeldungen auch alle die aufgeführt werden, die infolge einer Reise ober bgl. vorübergehend ihre Anlage in her betr. Stabt ausgcben, beispielsweise um am Ort ihres Sommeraufenthaltes ihren gewohnten Runbfunk nicht entbehren zu müssen. Berücksichtigt man nun noch die überaus trübe wirtschaftliche Lage des größten Teiles des deutschen Volkes, so kann man mit her fast lOOprojentigen Zunahme voll und ganz zufrieden fein. Unter den jetzigen Umständen müßte sogar ein Beharren auf der vorjährigen Teilnehmerzahl als ein Gewinn betrachtet werden^
Vergleichen wir die
Zunahme in den einzelnen Bezirken,
so ergibt sich ein buntes Bild. In absoluten Zahlen ist die Zunahme im Berliner Bezirk am bedeutendsten, an zweiter Stelle kommt Leipzig, bann Münster unb Hamburg. Dagegen ist ber Zuwachs, nach Prozenten der Hörerzahl Ende 1924, am stärksten in Münster, dann kommt wieder Leipzig an zweiter und Berlin an dritter Stelle, während Hamburg wie vorher die vierte Stelle hält.
Wie erklärt sich diese so überaus verschiedene Zunahme. Es ist ohne weiteres klar, daß hier eine ganze Reihe von Ursachen Mitwirken. In Berlin Ist wohl die nach Millionen zählende Einwohnerschaft der Grund ber stetigen Weiterentwicklung. Bei Münster ist zu bebenten, baß im Laufe des Jahres zwei neue Senber (Elberfeld unb Dortmunb) errichtet würben, deren Hörer in ber Zahl ber Teilnehmer des Bezirks Münster mit enthalten sind. Aehnlich ist es bei Leipzig unb Hamburg. Zu Leipzig gehört ber Zwifchensenber Dresden,, und zu Hamburg gehören die Sender Bremen unb Hannover.
Die Teilnehmerzahl unseres Bezirks wäre be- bentenb größer, wenn nicht ein beträchtlicher Teil des Bereiches bes Frankfurter Senbers im besetzten Gebiet läge, wo jetzt erst, zu Weihnachten 1925, bie ersten Runbfunkanlagen genehmigt würben. Nachdem hier einmal die erforderlichen Ausführungsbestimmungen durch die Be° satzungsbehürden erlassen und mit ber zu erwar= tenben Weitherzigkeit burchgefiihrt werben, ist mit einer sprunghaften Zunahme ber Hörerzahl zu rechnen.
Am geringsten ist bie Hörerzahl im Bezirk Königsberg, was sich zwanglos aus ber relativ bünnen Bevölkerung Ostpreußens erklärt.
Diese Ungleichheit ber Hörerzahlen, oerbunben mit ber baburch bebingten ungleichen finanziellen Grunblage, steht natürlich einer gleichmäßigen Aufwärtsentwicklung ber Güte unb Reichhaltigkeit ber Runbfunkbarbietungen hinberlich im Wege. Denn es ist leicht einzusehen, baß Berlin mit seinen 417 000 Hörern mehr unb besseres bieten kann als Königsberg mit seinen 15 000 Hörern. Es finb deshalb Bestrebungen im Gange, bie barauf hinzielen, hier eine Aenberung eintreten zu lasten, bamit eine gleichmäßigere unb eine gerechtere Verteilung der gesamten zur Verfügung stehenben Mittel unter bie


