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Gin BanknoLenfälscher- fkandal in Ungarn.

Budapest, 4. San. (LU.) 3m Dez em 0er uurbe in Holland ein imgarischer Oberst Ian - I owitsch verhaftet, bei dem die holländischen Behörden einen Kuricrpah der ungari­schen Regierung und in seinem amtlich ver­siegelten Kuriergepäck zehn Millionen Uranien falscher s r a n z ö s is ch e r B a n i not en fanden. Die Angelegenheit wirbelte na­mentlich in Paris begreiflicherweise iric( (staub auf und sieht jeNt einer fcnfatipncncJt Aufklärung entgegen. Die Untersuchungen haben nämlich er* geben, daß der Chef der Landes Polizei, Aadossv, der zunächst die Untersuchungen in der Jloteiifä^cherangelegenheit geführt hat, seine Stellung mißbraucht habe und falsche Mel­dungen über den Stand der Angelegenheit an die vorgesetzten Dienststellen gegeben hat. So hat er dem Auswärtigen Amt fatsche Berichte über den in Holland verhafteten Iamowitsch er­stattet.

Er gab an, das; der verhaftete Oberst ein durch­aus vertrauenswürdiger Mann sei, gegen den kein verdacht vorliege, und daß man ihm ohne Bedeuten einen Kurierpaß nach Holland ausstellen und sein Gepäck versiegeln könne. Man macht ihm den schwe­ren Vorwurf, daß er bewußt das Auswärtige Amt getäuscht haue. Heute vormittag wurde Prinz Ludwig W > u d i s ch g r ä tz verhaftet, da er dringend verdächtig ist, der Chef einer Geld- s a l s ch e r b a n d e zu sein, die aus 45 Mitgliedern beftebi. Die Regierung erklärt m einem Kommu­nique. daß der Prinz schweb belastet sei, und daß die Regierung in der staatl ich e n karrho- graphischen A N st a l t eine Haussuchung habe vornehmen lassen, weil der Verdacht ausgetaucht fei, daß hier das Falschgeld fertiggesteilt oder nun« bestens aufbemahrt worden sei.

Die Polizei seht ihre Ermittelungen mit etwa 100 Kriminalbeamten fort und hat heute im Laufe des Tages zahlreiche Haus­suchungen bei Politikern der r a d i -> taten Rechtsparteien vorgenommen, von denen mehrere verhaftet und vom Unter» fuchurHsrichter vernommen wurden. Die Poli­zei gibt die 'Kamen dieser Persönlichkeiten vor- läufig noch nicht bekannt. Der verhaftete Prinz Windischgraetz ist Legitimist und gehört schon seit längerer Zeit den ungarischen Faszisten an. Die unter Führung Gombös und Eckhardts dem Erzherzog Albrecht ncchestehen. Es scheint be­reits festzuftshen, daß die Aotenfälschungen einen eoptischen Hintergrund haben und sich Haupt- sächlich gegen die gegenwärtige Regierung und gegen das ganze Regime richten. Die Polizei verhörte aua) den früheren Ministerpräsiden­ten, den Grafen Paul Teleki, der gegen­wärtig in der irredentistischen Bewegung eine große Rolle spielt und kürzlich Präsident jener Bereinigungen wurde, an deren Spitze als Protektor Erzherzog Albrecht steht. Bekannt­lich war er auch Mitglied der Mossulkommission, deren Gutachten dem Genfer Beschluß als Grund­lage diente.

Unter den rechtsradikalen Abgeordneten, die in die Angelegenheit verwickelt find, wird auch der Abgeordnete Httain genannt, der wegen eines Putschversuches aus Ungarn geflohen ist und sich zur Zeit auf italienischem Boden aufhält. Reuerdings wurde von der Polizei feftgestellt, daß der verhaftete Prinz Windischgraetz, der früher als Majoratsherr über sehr große Ländereien verfugte, infolge Spielschul- - den gänzlich verarmt ist. Es wird daher auch vermutet, daß materielle Beweggründe für die Fälschungen vorhanden waren. Man glaubt, 'daß sich rechtsgerichtete Politiker nur in die . Fälscheraffäre haben verwickeln lassen, um so durch die Unterbringung falscher Frankennoten - möglichst schnell eine große Propagandafront für ihre Bestrebungen zu schaffen.

Begreiflicherweise haben die Fälschungen ge­rade in Frankreich das größte Aufsehen errget Der französische Gesandte in Budapest, Clinchant, ist nach Paris, der ungarische Ge- sandte in Paris, Baron Koranyi, nach Budapest abgereift. Die französische Presse ergeht sich in schärfsten Angriffen gegen die ungarische Re­gierung. Sie wirft ihr vor, daß die ungarischen Behörden ihre Ermittelungen nur sehr unge­nügend und lässig Dörgenommen hätten und daß dem nach Ungarn entsandten französischen Sach­verständigen die Arbeit sehr erschwert worden sei. Einige Blätter behaupten sogar, daß der Beweis erbracht sei daß die verhafteten Roten­fälscher mit der Regierung in Beziehung ge­standen hätten.

Die Abrüstungskonferenz

Eine Botschaft des amerikanischen Präsidenten an den Kongreß.

Neu y o rk, 5.3an. (Kabeldienst der TU.) 3n einer Botschaft an den Kongreß erinnert Coolidge an seine letzte Botschaft, in der er erklärte, daß eine internationale Abrüstungskonferenz Abmachun­gen über d i e Beschränkung der R u - stun gen Neffen müsse, denn dies 'sei die na­türliche Folge der Locarnoverträge. Die Regierung der Bereinigten Staaten sei offiziell zu den Genfer Vorbesprechungen für die Entwaffnungskonferenz teilzunehmen. Es heißt dent Coolidge hebt jedoch ausdrücklich hervor, daß die Teilnahme Amerikas an diesen Borbesprechun­gen nicht dazu verpflichte, auch on der endgültigen Entwafnungskonserenz teilzunehnien. Es heißt dann wörtlich:Hier ist weder Zeit noch Ort, um sich über die Möglicksteiten irgendeiner Entwaft- uungskonferenz auszusprechen. Es genügt die Fest­stellung, daß die Regierung der Vereinigten Staa­ten zur Teilnahme an den Vorbesprechungen über eine allgemeine Abrüstungskonferenz eingeladen ist, die die Wege für endgültige Abmachungen in der Abrüstungsfrage oorbereiten soll. Es braucht auch nicht erörtert zu werden, ob die Bedingungen und Umstände vorhanden sind, die es wünschenswert er­scheinen lassen, daß die Bereinigten Staaten an der endgültigen Abrüstungskonferenz teilnehmen. Es ist meine Ueberzeugung, daß, soweit Vorbesprechungen in Frage kommen, w i r unsere Hilfe und Mitarbeit nicht versagen dürfen. Ich bin ferner der Ansicht, daß das Wettrüsten der wichtigste Faktor für den Ausbruch von Kriegen ist, das sich jetzt offen­sichtlicher denn je zeigt. Die Notwendig­keit, d i s Steuern zu ermäßigen, wird in allen Ländern immer dringender, was jedoch nur bann möglich ist, wenn die Rüstungen b e schränkt werden. Dem Kongreß ist ferner eine Sonderbotschaft Coolidges zugegangen, in bei die Bewilligung von 50 000 Dollar zur Deckung der

Unkosten erbeten wirb, die durch die Teilnahme an der vorbereitenden Abrüstungskonferenz in Genf entstehen. Damit wird gleichzeitig die Genehmigung zur Entsendung einer Delegation nach Genf nach- gesuchr.

Königin Margherita f.

Bordighera. !. 3cm. (WTB.) Die Königin-Mutter Margherita von Italien ist heute vormittag gestorben. Der König teilte Mussolini das Ableben der Königin-Mutter mit. Mussolini sandte daraus ein Beileidstele­gramm und richtete an die Ration folgende Botschaft. Italiener! Die ganze Ration wird heute in beispiellose Trauer verseht. Tiefes Erschauern bemächtigt sich unserer Seele. Margherita von Savoveir. die wäh- rend langer Jahre inmitten bedeutender Er­eignisse das vollkommene Sinnbild des König­tums und der italienischen Ritterlichkeit ge­blieben ist. ist nicht mehr. Die Rachricht des Todes breitet im Himmel des Vaterlandes einen dunkeln Trauerschleier aus. Das ganze Bolk denkt in dieser Stunde unsagbaren Schmerzes an die Tugenden der erhabenen Königin, an ihre majestätische Schlichtheit, ihre unermüdliche Wohltätigkeit und strengen Gleichmut in den Tagen des Unglücks sowie an die heiße Vater­landsliebe und an die feine Empfindlichkeit der Königin und Frau für alle höchsten Kundgebun­gen des italienischen Lebens in der ruhmreichsten Periode unserer Geschichte. Sie wird in groß­mütigen Herzen unsterblich bleiben. Italiener! Sammeln wir uns in Andachtstimmung um die heilige Majestät des Königs und die königliche Familie. Läutern wi unsere Liebe in dem ge­meinschaftlichen Schmcund bejahen wir noch­mals unseren Willen zur Disziplin und zur Einig­keit, um Italien der großen Feit entgegenzu- führen, die die Königin vertrauensvoll von dem Völk erwartete und von Gott erflehte.

Unter den Beileidstelegrammen befinden sich die der Armee, des Senates und der Kammer. Die öffentlichen Schulen bleiben bis auf weiteres geschlossen. Saint.iche Feierlichkeiten wurden abgesagt. Die Theater. K'nos und Tanz­institute in ganz Italien haben die Vorstellungen eingestellt. - Der Herr Reichspräsident hat folgendes Beileidstelegramm an den Kö­nig von Italien gerichtet:(Sure Maje­stät und Ihre Majestät die Königin bitte ich, meine aufrichtigste Teilnahme anläßlich des Ab­lebens Ihrer Majestät der Königin Margherita ausfprechen zu dürfen.

Reichspräsident von Hindendurg."

Erleichterung der Notstandsarbeiten.

Berlin, 4. Ian. (WTB.) Im Anschluß an Vorbesprechungen mit dem preußischen Wohl­fahrtsministerium wurden heute im Reichsorbeits- ministorium mit den Vertretern der Länder die Erleichterungen beraten, die für die Durchführung öffentlicher Rotstandsarbeiten m den Bezirken gewährt werden sollen, die unter besonders großer Erwerbslosigkeit leiden. Allgemeine Hebereinftimmung bestand darüber, daß die zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit bestimmten öffentlichen Mittel bei der großen Rot der Erwerbslosen in möglichst entgegen­kommender Weise für Rötst ands- arbeiten zur Verfügung gestellt wer­den sollen. ES wurde daher beschlossen, in den notleidenden B«irken das Ausmaß der Darlehen, die Reich und Länder für öffentliche RotstandS- arbeiten geben, gegenüber b~r bisherigen Hebung beträchtlich, im Höchstfall bis zu 80 Proz. der Gesamtkosten, zu erhöhen. Ferner soll nötigen­falls der Zinssatz für diese Darlehen bis auf 5 Proz., im besetzten Gebiet in Ausnahmefällen auf 4 Proz. herabgesetzt werden. Auch die Til­gung der Darlehen soll dadurch erleichtert werden, daß der Beginn der Rückzahlungen um ein bis zwei Jahre hinausgeschoben wird. Endlich soll es den Gemeinden, dir durch die Fürsorge für ausgesteuerte Erwerbslose besonders stark be­lastet sind, erleichtert werden, auch Ausge­steuerte zu Rotstandsarbeiten her­anzuziehen. Das Ergebnis der Besprechung wird den Regierungen der Länder durch einen Runderlah des Reichsarbeitsministeriums sofort mitgeteilt werden.

Die Hochwasserschäden.

Am Niederrhein.

Eleve, 4. Ian. (WB.) Das durch das Hoch­wasser hervorgerufene Elend besonders in dem bis zur Hälfte überschwemmten Kreise Cleve ist fürchterlich. Die Gefahr ist hier so groß, daß die ganze Bevölkerung in größter Aufregung lebt. Die Rettung der bedrohten Be - wohner von Warbeyen und Huisberdem ge­lang durch Heldentaten mehrerer Em - mericher Lotsen, die mit ihrem Rachen über das wild foetoegte Hochwasfergebiet des Rheins fuhren und die Leute in Sicherheit brachten. In beiden Orten ist viel Vieh ertrunken. Das Wasser fällt seit heute früh. Der Schaden, der bis jetzt angerichtet ist, ist gar nicht zu übersehen. Im Emmericher Eyland stürzte das Haus eines Land­wirtes ein, Menschen intb Vieh wurden gerettet. Eine große Gefahr bedeutet der Weststurm, der das Wasser mit furchtbarer Gewalt gegen die Dämme treibt. An niederen Stellen spulte das Wasser schon über den großen Bannendeich.

Dadurch drohte eine furchtbare Hochwasserkata- strophe im Kreise R e e s. Es bestand die große Gefahr, daß die Flut sich einen Weg in die nieder- rheinische Ebene bahnen werde. Etwa 70 blühende Gemeinden wären bann dem entfesselten Element zum Opfer gefallen. Am Abend des ersten 3anuar= tages ließ der Deichgras im ganzen Kreise die Glocken läuten, um aus das drohende Unheil hin­zuweisen. In der größten Not wurde die Tech­nische N o t h i l f e mit hundert Mann eingesetzt, denen es nach unsäglichen Anstrengungen und un­unterbrochener Arbeit bei Tag und Nacht durch Einrammen von Pfählen und Ausschütten von Erde gelungen ist, die gesährdete Stelle soweit zu be­festigen, daß die Gefahr heute als behoben gelten fannn. In Kellen-Mehr nd nunmehr 200 Pioniere mit dem Stützen des Dammes beschäftigt. Am Heu­tiyen frühen Morgen durchschritten h o l län­dische Pioniere bei Cranenburg deutsches Ge­biet, um dem gefährdeten Gebiet um Gennep Hilfe 3" bringen. Sie mußten deutsches Gebiet betreten, da längs der Grenze alles überschwemmt ist.

Todesopfer deS Hochwassers.

H < n n o o e r , 4. Jan. (TU.) Im Hochwasser der Innerste ertranken zwei Sportsleutc, die

glaubten, in ihrem Paddelboot die Fluten meistern zu können

Das Hschwaffer in MMerdeuLschland.

Merseburg, 4. Jan. (TH.) Die Hochflut der Saale nimmt erst jetzt im Gebiet ihres Hnlerlanses E a t u strophalen H m f a n g on. Im meist gesährdeten Stadtteil Merse­burgs. dem Reumairt, wurden Rotbrücken aus­gestellt, um den Verkehr nur einigermaßen auf» rcchtzuet.halten. Zahlreiche Familien müssen ihre Wohnungen räumen. Merseburgs Hingebung ist eine einzige große Wasserfläche. Viele Dörfer sind fast vollständig von den Zugangestraßen abgeschnitten. Aus dem Ungelegenen Äuegcbiet flüchtet daS Hochwild durch die Fluten der Gaal*', um int Stadtpark Unterschlupf zu finden. Oberhalb der Sternebergschen Badeanstalt in Merseburg ist der Damm gebrochen. Da vom Oberlauf ein Stillstand des Wassers ge­meldet wird, hofft man, daß das Hochwasser jetzt den Höchststand erreicht hat.

Auch vom H ii r z werden neue schwere Schäden gemeldet. So haben in Ocker die Metall- und Farbwerke durch das Hochwasser schweren Schaden erlitten. Eine große Zahl von Elektromotoren ist ersoffen. Große Hoizvorrüte sind von den Flu­ten meagetragen worden. Vier Hochöfen mußten gelöscht werden. Beim C 1 a n s t h a i e r Berg­werk sind zwei Schächte stark mitgenommen wor­den. In Braunlage sind in mehreren Hotels be­deutende Lebensmittelvorräte weggespült oder ver- nichtcr worden. Nach dem amtlichen Bericht des Quedlinburger Magistrats beziffert sich der durch das Hochwasser angerichtete Schaven auf drei Millionen Mark. Davon entfallen auf die Saat­zuchtbetriebe allein zwei Millionen. Die Stadt hat die Reichs- und Staatsbehörden ersucht, eine einmalige Summe von einer halben Million zur Linderung der ersten Nat bereitzustellen und dar- über hinaus um Kredite dis zur Höhe des wirk­lichen Schadens gebeten. Auch die braunschweigische Regierung hat eine Hilfsaktion für die stark geschä­digten braunschweigischen Harzgemeinden gefordert.

Notstandsbeihilse für die Hochwassergebiete.

Berlin, 4. Ian. (WB.) Amtlich. Der preußi­sche Minister des Innern und der Reichsfinanz­minister haben im weiteren Verfolg der eingelei­teten staatlichen Notstandsaktion dem Regierungs­präsidenten in Wiesbaden 150 000 Mark, dem Ober­präsidenten in Koblenz 300 000 Mark und dem Oberpräsidenten in Magdeburg 50 000 Mark über­wiesen. Sämtliche zur Verfügung gestellten Mittel sind lediglich für eine Linderung der erstcn Not der Bevölkerung in den durch das Hochwasser geschädigten Gebieten bestimmt.

Eine belgische Nationalspende für die Hochwassergeschädigten

Brüssel, 4. Ian. (Bely. Telegraphenagentur.) Der König u n d die Königin beteiligten sich an der Rationalspende zugunsten der Hochwasser­geschädigten mit zwei Millionen Franken. In einem an die Vorsitzenden der belgischen Presse und des Roten Kreuzes gerichteten Brief sagen sie, sie seien sicher, den Wünschen der Nation zu entsprechen, in­dem sie ihnen die dem Herrscherpaar bei ihrer silbernen Hochzeit überreichten Gaben zur Ver­fügung zu stellen und die persönliche Gabe von 100 000 Frank hinzuzufügen. Sie übernehmen das Protektorat der Nationalspende.

(Bin Verfahren gegen Oberbürgermeister Luppe.

Rürnberg, 4. Ian. (WTB.) Gegen den Nürnberger Oberbürgermeister Dr. Luppe ist eine Voruntersuchung wegen Eidesverletzung eingeleitet worden. Dr. Luppe ist auf längere Zeit beurlaubt worden. Die Hntersuchung gründet sich auf Hnstimmigkeiten zwischen Aus­sagen des Oberbürgermeisters in erster und denen zweiter Instanz feines Beleidigungspro-- zesses gegen den nationalsozialistischen Stadtrat Streicher, der seinerzeit zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt wurde.

Aus aller Welt.

Explosion von Feuerwerkskörpern.

Ein bedauerlicher Hnglucksfall, bei dem vier jugendliche Personen schwere Verletzungen er­litten, ereignete sich am Silvesterabend in Kai­serslautern. In dem Kolonialwarengeschäft der Witwe Dernad entstand eine Explosion von Feuerwerkskörpern in größerem Hrnfange. Die Wirkungen waren verhängnisvoll; es wurden mehrere Personen verletzt, und zwar die Tochter der Inhaberin, ferner zwei 14 und 15 Jahre alte Knaben und ein 12*/» Jahre altes Mädchen. Alle mußten ihrer schweren Verletzungen wegen nach dem Krankenhaufe gebracht werden. Die junge Bernad trug so schwere Verletzungen davon, daß ihr d c r r e d> t c A r m amputiert werden mußte. Die Explosion war dermaßen stark, daß die innere Ladenreinrichtung voll­ständig demoliert, die Schaufenster aurtrümnurt wurden und sogar die Rebenwände einzustürzen drohen.

Schluß bet Deutschen Derkehrsausstellung in München.

3n der Schlußsitzung der Deutschen Verkehrs­ausstellung München 1925 wurde von dem Ge- neralschatzmeifter Dr. H e r g t mitgeteilt, daß die Ausstellung mit einem Heberschuß von rund 370 000 Mark abschliehe. Aus diesem Heberschuh würden u. a. dem Deutschen Museum 50 000 Mark, dem bayerischen Innenministerium 20 000 Mark für Wvhltätigkeitszwecke, dem Kultusministerium der gleiche Betrag zur Unter ft üt>ung des Kun st Handwerks überwiesen. Für wohltätige Zwecke erhielten noch 20 000 Mark die Münchener Wohlfahrtsorgani­sation und die Zeppelin-Eckener-Epende 5000 Mk.

WetLcrv-'rKttssKHe.

Meist bedeckt, westliche Winde, etwas milder, wieder zunehmende Niederschlagsneigung.

Ein abgefpaltenes Teiltief liegt heute über Jütland. Auf feiner Rückseite strömen vorüber­gehend nördliche Winde ein. Später beim Heran- nahen des außerordentlich starken Island-Tiefs zunächst südliche, dann westliche Winde und Zu­nahme der Bewölkung und der Riederschläge.

Gestrige Tagestemperatur: Maximum 7,5, Minimum 4,2 Grad Celsius. Riederschlags­menge: 3,6 Millimeter. Heutige Morgen­temperatur 4,8 Grad Celsius.

Au§ der Proomzialhauptstadl.

Gießen, den 5. Januar 192b. ,

Kulturelle Tagung in G'ehen.

Zweiter Lag.

Der Tag begann mit einem Vortrag von Geh. Rat Dr. Rv.nlel über die kulturelle

Bedeutung der religiösen Erziehung.

Neben dem Sinn für Natur und die soziale Verpflichtung ist das religiöse Gefühl eine spe­zifisch deutsche Eigenart Das Bewußtsein, daß der Mensch schon auf Erden an ein höheres Wesen gebunden ist, ist eine seelische Kraft, die vom Hrbeginn an im Menschen lebendig ist und >ß>u erst vein volles Menschentum gibt. Aus dem religiösen Gefühl entwickelt sich die Religion, die uns den sittlichen Halt verleiht; die Reli­gion aber ist uns gegeben durch das Leben und die Lehre Jesu. Diese Lehre muß deutsch erlebt und empfunden werden, wie es Luther tat und vor ihm in bet alldeutschen Helianddichtung ge­schah. Dieser religiösen Anschauung steht der Materialismus gegenüber. Wissenschaftlich schon längst überwunden, wird er noch heute als Re­ligion der Masseninstinkte gepraingi^ krasseste Selbstsucht ist sein Zeichen. Auf Dein- Gegensatz zwischen religiöser und materialistischer Welt­anschauung beruht letzten Endes auch der Streit in der Schulfrage. Dem Materialismus aber darf die Schule, die Erzieherin unserer Sag mb, nicht anheimfallen, denn das bedeutete den Untergang unserer nationalen Güter. Das re­ligiöse Moment muß der Schule erholten blei­ben. einerlei ob als Konfessions- oder Simul- tanschule. Denn nur die Rückkehr zur Religion kann eine Wiedergeburt Deutschlands herbe! - führen. ; 4

Am Nachmittage sprach

Professor Dr. Lenz über List als nationalen Erzieher.

Lists Jugend stand unter hem Eindruck des Unter­gangs des alten Deutschen Reiches, das damals eine letzte Blütezeit staatsrechtlicher Literatur erlebte, unb her Rieberwerftmg Napoleons. Nicht aus her Romantik finb Lists äbeen hercmsgewachsen, fon= bern aus der Gedankenwelt des protestantischen Vernunftsrechts. Sein Idealismus verbindet ihn mit den Großen der klassischen Epoche. 1825 nach Amerika ausgewandert, kehrte er nach der Juli­revolution nach Deutschland zurück, bereiste jedoch auch Frankreich und Belgien. Seine Studien wid­mete er der auf einem nationalen Wirtschaftssystem aufgebauten äußeren Wirtschaftspolitik. 'Richt finden wir aber bei ihm die heute übliche Ueberschätzung von Maschine und Wirtschaft: Wirtschaft ist für ihn nicht Schicksal. Er widmet sich und seine Ideen dem Zollverein. Doch Staat, Wissenschaft und Wirtschaft verschlossen sich ihm. Durch selbstgewählten Tod be­endet dieser Große sein Leben, der mit seinen Ideen zwei Weltteile befruchtete. Für List steht die 'Jia- tion im Mittelpunkt der Betrachtung. Denn nur in ihr ist der Mensch denkbar. Doch wird die Nation hineingestellt in den großen Rahmen, der alle Vol­ker umfaßt. Entfaltung aller Produktivkräfte ist das Ziel, zu dem hier die Nation erzogen werden muß. Ein einseitiger Jndustrieexportstaat hätte seiner An­schauung nie entsprochen. Für ihn gilt allein die Frage, wie eine Nation sich selbständig erhalten kann. Und so gipfeln seine Anschauungen in einem realistischen Idealismus.

Im letzten Vortrag des Tages sprach

Geh. Rat Dr. Runkel

über die Begabtenförderung, ein deutsches Kultur- Problem.

Ziel jeder Erziehung muß die Heranziehung deut­scher Kulturträger sein. Kulturträger ist aber jeder, der bewußt deutsche Werte schafft. Das Ideal ist die Persönlichkeit. Die Jugend muß dem Materialismus der Masse enthoben werden. So nur kann sie Füh­rer des Volkes werden. Schon vor der Schule muß das Kind von der Mutter für seine hohe Aufgabe herangebildel werden. Um die Mutter hierzu zu be­fähigen, muß die Frau schon in der Schulzeit für ihren mütterlichen Beruf vorbereitet werden. Müt­terberatungsstellen, die nicht nur um das leibliche, sondern auch um das geistige Wohl des Kindes be­sorgt sind, sind einzurichten.Das Spielzeug soll dem Kind Betätigungsfeld seiner Gestaltungskraft sein. Die Schule soll keine JnteUigenzschule, sondern eine Schule der Lebenstüchtigkeit sein. Bei dem Problem der Grundschule müssen die Förderung des Kindes und nicht soziale Ideologien voranstehen. In einer siebenjährigen Grundschule sollen di? Begabten, die sonst nur die Lust am Unterricht verlieren, die Mög­lichkeit haben, einzelne Klassen zu überspringen. Ein achtes Schuljahr foll den Begabten einen orts- und heimatbetonten Unterricht gewähren. Daneben müs­sen die höheren Schulen und die Ausbauschule be­stehen bleiben. Und nicht dürfen die höheren Schu­len um ein Jahr gekürzt werden, da darunter die Ausbildung ber Kinder leidet, was nicht im Sinne gesunder Entwicklung liegt. Hn.

Die Icrgd im Januar.

Mit dem Januar ist die Schonzeit für fast alles Wild gekommen, und wo noch die Jagd auf einzelnes offen ist. da soll man trotzdem mög­lichst das Gewehr in Ruhe setzen. Besonders dann, wenn Schnee und Frost dem Wilde Sorgen und Rot bereitet.

Das Edelwild rudelt sich in dichteren Be­ständen ohne Hnterschied des Geschlechtes, nur die starken Hirsche stehen einzeln beisammen. Die Fütterungen find täglich nachzuschen und nach­zuschütten. besonders ist für kräftige Fütterung des hochbeschlagenen Mutterwildes zu sorgen. Der Abschuß weiblichen Hochwildes soll beendet sein oder sich nur noch evtl, auf ein gelteS Stück beschränken. Für Damwild gilt das gleiche.

Auf Sauen ruht die Jagd in gehegten Revieren. Rach der in diesem Monat noch fallenDen Rauschzeit sind besonders die Keiler- schlecht bei Wildbret, aber auch nicht gefütterte Bachen lohnt bei kümmerlicher Erdmast kaum die Kugel. Mit Kartoffeln, Eicheln, Futterrüben lassen sich die Sauen leicht airkornen.

Die Rebe suchen bei mäßiger Schneelage gern die Saatfelder auf, wobei Oelsaaten bevor­zugt werden. Es steht deshalb gerne an Feld­rändern und hält in der Regel bestimmte Wechsel. Das wissen die Wilderer, die mit Schlingen ar­beiten. Deshalb ist eine stete Revision der Wech­sel geboten. Gegen das Auswechseln auf feind­liches Gebiet, wo die Rehe durch Schießer ge­fährdet sind, hilft nur die Antagc ausreichender Fütterungen, in Denen unter anderem Hafer- gaben, Lupinen und gutes Heu geboten werden sollen.

Her Hase äst aus jungen Saaten, wenn er dazu gelangen kann, sonst nimmt er auch mit Heidekraut und bergt, vorlieb, äst aber besonders