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176. Jahrgang
Dienstag, 5. Januar 1926
Mchener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhefsen
Druck und Verlag: Brühl'sche Unioersität§-Vuch- und Zteindruckerel R. Lange in Gießen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Schulstrasze 7.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.
Preis für 1 mm höhe für Anzeige» von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig: für Re- klamean^eigen von 70 mm Breite 35 llleichspseiinig, Plahvorschrif! 20 “, r.cf)r.
ChesredalUeur
Dr. Friedr Wilh. Lange. Verantwortlich.
für Politik und Feuilleton Di. Friede. Wilh. Lange; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein: für den Anzeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Eiehen.
Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertags.
Beilagen: Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle Monats-Bezugspreis:
2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Nichterscheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Schriftleitung 112, Verlag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnachrichten: Anzeiger Gießen.
Postscheckkonto: $rattffurt am Main 11686.
Brennende Auswandererfragen.
Ein prominentes Mitglied der deutschen Auswandererbehörde machte unserem lU.-6.-Korrespondenten folgende Angaben:
Das Auswanderungsgesetz von 1897 ist veraltet. Die Reformversuche nad> dem Kriege führten im vorigen Fahre zu einer 21 o tt> e ro ro - nung über die Bekämpfung von Mwstanoen im Äusatvndererwesen, wodurch es wenigstens gelang, eine Kontrolle über die ww Pilze aus der Erde wachsenden Auswanderervererne auszuüben. Aber das Rotgesetz ist in keiner Werse wert- gehend genug; es fehlt die aktiv e A u s l an d° Politik der deutschen Regierung. Sie nur allein kann verhindern, daß die Deutschen im Auslande nicht n u r a ls K u lt u r düii g e r, sondern als Kulturträger betrachtet werden. Re- gierungsrat Dr. v. Zanthier sagt in Heft V ber kolonialen Dolksschrislen, das dein bekannten öor- derer, dem Herzog Adolf Friedrich von Mecklenburg zugeeignet ist: „Es ist erforderlich, alles daran zu setzen, um die Auswanderer dem Deutschtum zu erhalten. Das ist aber nur dann möglich, wenn man diese in eigenen Kolonien unter eigener Staatsoberhoheit ansiedeln kann."
Bekanntlich setzte die Auswanderung nach Freiwerden des deutschen Schiffsraumes im Fahre 1921 verstärkt ein. Der Hauptstrom wandte sich wie vor dem Kriege, nach den Bereinigten Staaten von Amerika, die gezwungen wurden, sich durch ein besonderes Einwanderungs- geseh vor der Ausnahme fremder Staatsangehöriger zu wehren. Rach der Kontin- ge'nticrung waren im Fahre 1923 122 000 Deutschen die Einwanderung in das Land gestattet. 1924 wurde die Zahl der Deutschen auf 51000 zurückgeseht, obwohl die Quote für Einwan- derungslustige bedeutend höher war. Sicherer Berleutbarung nach sollen im Fahre 1926 nur noch 20000 Deutschen Gelegenheit zur Unterkunft in den Bereinigten Staaten gegeben werden, und diese beschränkte Zahl der Landsleute hat noch die strengen amerikanischen Anforderungen, wie die Erbringung des Rachwei- Ics genügender Gesundheit und eines nicht gerade sehr niedrigen Barkapitals zu erfüllen. An der letzten Forderung scheitern die Wünsche vieler Auswanderungslustiger, denn die Ueber- fahrt alleine rostet heule 1121.2 Dollars.
Während insbesondere den intellektuellen Berufen wegen Aussichtslosigkeit auf Arbeitsbeschaffung dringend vor der Einwanderung nach Amerika abgeraten toerben must, finden Landwirte und häusliche Dienstboten genügende Gelegenheit zur Beschäftigung, vornehmlich in Ca- nada.
Die Auswanderung nach Südamerika ist augenblicklich sehr rege; zu den bevorzugten Ländern gehören Brasilien, Arg en t i - nien und Paraguay. Bor dem Aufsuchen dieser Republiken, ohne im Besitz von Kapital zu sein, warnen die Behörden dringend, denn die wirtschaftlichen Verhältnisse sind hier die gleichen wie in Deutschland. Arbeit, Arbeit und nochmals schwerste Arbeit, das ist die Losung, und nur in den wenigsten Fällen gelingt es bei überaus großem Fleiste dem Einwanderer, sich eine ausreichende Eristenzmöglichkeit zu schaffen. Mexiko harrt noch der Entwickelung, und es besteht in baldiger Zeit die Aussicht auf Urbarmachung zahlreicher Landstrecken.
Wesentlich gehoben hat sich die Einwanderung ehemaliger Auslandsdeutscher in die früheren deutsch-afrikanischen Kolo» n i c n. Die Gelegenheit zur Wiederansiedelung in Südwest muh z. Z. wegen der milden englischen Einreisebestimmungen als günstig bezeichnet werden, natürlich nur. soweit der Deutsche genügende Geldmittel besitzt.
Das Auswanderungsrecht ist nach der Reichs- Verfassung jedem Deutschen gestattet. Es versteht sich jedoch von selbst, dah. abgesehen von den Verlusten ethischer und finanzieller Bolksgüter für das Heimatland ldurch Auswanderung 100 000 Deutscher gehen der deutschen Bolkswirtschaft jährlich 100 Millionen Mark verloren, das find jährlich bei einer Verzinsung von 5 Prozent die Zinsen eines, Kapitals von 2 Millarden), es Reich und Behörden nicht einerlei sein kann, ob ihre Landeskinder in Gegenden ziehen, in denen ihnen ein Vor- wärtskommen aus mancherlei Gründen nicht möglich ist. Zum Zwecke der Beratung sind deshalb in verschiedenen Städten des Reiches Aus - kunstsstellen errichtet, die den hinausziehenden Auswanderern Gelegenheit zu fachmännischer Beratung geben. Die Erfahrungen der letzten Fahre haben nur allzu oft gezeigt, dast zurückkehrende Auswanderer „drüben" die traurigsten Schicksale durchgemacht haben, weil sie es unterlassen hatten, den Ratschlägen der amtlichen Charakter tragenden Auskunftstellen Gehör zu schenken oder überhaupt diese übergangen hatten. Die Unglücklichen verloren fast alles und waren nur froh, mit dem spärlichen Rest ihres Geldes und mit Unterstützung deutscher Hilfsvereine in die Heimat zurückkehren zu können.
Abbau der Militarkontrolle.
Qi ad) b ein demokratischen Zeitungsdienst hat der Präsident der Fnteralliierten Militärkontrollkommission, General Walch, an den General von Pawels ein Schreiben gerichtet, in dem er mitteilt, dah mit dem 1. Fanuar die Kontrollzweigstellen der F. M. K. aufgehoben werden. Als provisorische Posten bleiben einstweilen lediglich in Königsberg und München Gruppen von je 2 alliierten Offizieren als Abgesandte der Berliner Zentralstelle bestehen.
Negierrmgssorgen
Der Thronverzicht des rumänischen Kronprinzen hat in Grohrumänien die Wirkung eines weit über die Bedeutung einer lediglich dynastischen Angelegenheit hinausragen- den politischen Ereignisses von größter Tragweite ausgelöst. Die allgemein bestehende Heber« zeugung von der Unübersehbarkeit der Folgen dieses unerwarteten Schrittes der Berzichtleistung des Prinzen Karol auf feine Thronfolgerrechte herrscht im ganzen Lande vor. Dafür spricht die Verhängung einer Rachrichtensperre, trotzdem man sich in' Bukarest dessen wohl sehr bewußt fein dürste, daß durch derartige Maßregeln der beunruhigende Eindruck der Vorgänge wenigstens im Auslande eher verstärkt als gemildert wird. Rumänien, das seit dem. Eintritt in die Reihe der europäischen Staaten von jeher unter den Fnteressengegensähen der sich bekämpfenden Parteien der parlamentarischen Gruppen schwer zu leiden hatte, hat auch in seiner heutigen Gestatt, nachdem ihm als Beute aus dem Weltkrieg eine Gebietserweiterung von ungewöhnlicher Gröhe zu- gefallen war, im Fnnern weder eine politische Befriedigung noch wirtschaft- li dje Konsolidierung gefunden. Bisher war der rumänische König Ferdinand dem Beispiel seines Vorgängers auf dem Throne dem staatsklugen Hohenzollernfürsten Karol gefolgt und auch, bemüht gewesen, die dynastischen Fragen von der eigentlichen Staatspolitik völlig zu trennen. Es gewinnt den Anschein, als ob gewisse Parteigruppen bemüht sind, den Thronverzicht des Prinzen Karol zum Anlaß eines gegen den König und das königliche Haus sich richtenden Vorgehens zu nehmen. Ob hierbei national-fazistische Kreise, denen der bisherige Kronprinz nahe gestanden haben dürfte, in den Vordergrund treten, oder ob andere unzufriedene Elemente, an denen Rumänien in seiner heutigen Gebietszusammensetzung ja noch reid;er als vor dem Kriege ist, die Gelegenheit zu einer Aktion suchen, läht sich gegenwärtig noch nicht übersehen, jedenfalls dürfte die nächste Zeit schwerwiegende innere Krisen für das innerlich so wenig befestigte Grohrumänien bringen.
Fn Griechenland hat General P a n g a» los durch die Erklärung der Militärdiktatur den Versuch gemacht nach dem Beispiel, das seinerzeit Primo do Rivera in Spanier: gegeben hat, für die Gesundung der verworrenen inneren Lage des Landes dieses letzte, allerdings auch reichlich gefährliche Mittel anzuwenden. Sein neues Regierungsprogramm gründet sich nach der von ihm abgegebenen Erklärung nur auf die bewaffneten Streitkräfte des Heeres. Griechenland hat seit der Militärrevolution von 1909 ibs zu dem letzten die Erklärung der Republik bringenden Staatsumsturz immer wieder politische Generale an der Spitze aller Bewegungen aufzuweisen gehabt, die allerdings nicht alle eine besonders glückliche Hand für die Reugestaltung der Dinge hatten. Das wirtschaftliche Leben, das unter diesen ständigen Unruhen der letzten Fahre äußerst zu leiden gehabt hat, wird auch unter der Diktatur nur eine geringe Möglichkeit zur Reuentfaltung haben. Wiederum werden der Ehrgeiz und die imperialistische Tendenz der militärischen Führer das Land neuen außenpolitischen Konflikten entgegenführen. Das schroffe Vorgehen in dem bulgarischen Grenzkonflitt bewies zur Genüge, daß Pangalos alles andere als ein Friedensbringer für das griechische Volk ist.
Die Diktatur in Griechenland.
Athen, 5. Ian. (TU.) Die Regierung Pangalos hat drei Ordonnanzen zur Bekämpfung der Opposition herausgegeben. So
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Englisch - ameManstche AnanZ- tontroöc für Frankreich.
Am interessantesten sind im gegenwärtigen Augenblick entschieden die Finanzbesprechungcn in Washington, die zwischen dem amerikanischen Schatzsekretär • Mellon, dem Gouverneur der New Porter Federal Reserve Bank Strong, dem Gouverneur der Bank von England Norman und schließlich dem Reparationsagenten Parker Gilbert hin und her gehen. Nach den letzten Kabelberichten scheint ein gewisses Ergebnis erzielt worden zu sein, nämlich die Bildung einer amerikanisch-englischen Einheitsfront bei der Regelung der französischen Kriegsschulden. Soweit ist es also nun schon gekommen, daß sich die beiden stärksten Alliierten Frankreichs aus dem Weltkrieg, darunter sein unzweifelhafter Retter, die Vereinigten Staaten, zusammengeiunden haben, um jedes Mittel anzuwenden, das geeignet erscheint, wieder in den Besitz ihrer zur französischen Kriegsführung hergeliehenen sehr namhaften Beträge zu kommen. An welche Mittel gedacht wird, beweist z. B. die Teilnahme des Reparationsagenten an den Verhandlungen: England und Amerika wollen sich nicht allein mit "einem Versprechen Frankreichs, seine Schulden abzuzahlen, begnügen, sondern sich auch entspred)ende Garantien verschaffen, möglicherweise dieselben, wie sie die Entente Deutschland gegenüber inne hat.
Die Kabelberichle lassen auch bereits erkennen, daß die Finanzgewaltigen in Washington vor drastischen Maßnahmen nicht zurückschreckcn wollen und radikale Eingriffe in die Budgetgebarung Frankreichs vorzunehmen gedenken. Ein Druckmittel, um Frankreich gefügig zu machen, haben sie in ihrer Hand, den französischen Franken, dessen
der Balkanftaaten.
wirb den Zeitungen bei Androhung bes Dauerverbots die Veröffentlichung von Artikeln der Republikaner Kaphandaris. Papanastasiu unb Michalaiopulos verboten. Die royalistische Zeitung „Kathimerini" unb das Veniselos-Organ „Elentheros Logos" haben ihr Erscheinen eingestellt. Angriffe gegen bie Reg ie- rung sollen mit bem Tobe bestraft werben.
Karols Thronverzicht.
Billigung des Parlaments. — Prinz Michael zum Thronfolger erklärt.
Bukarest, 4. Ian. (WB.) Beide Häuser des Parlaments hielten heute Sitzungen ab, um sich mit dem Thronoerzicht des Kronprinzen Karol zu befassen. Der Gesetzentwurf über den Thronverzicht und der Proklamierung des Prinzen Michael zum Thronfolger wurde von den beiden Häusern des Parlaments angenommen. Die Mit- gleider der Opposition enthielten sich der Abstimmung. Nach dem Gesetzentwurf werden Mitglieder der Negentichaft sein: Prinz Nikolaus, der Pa- triard) Christea Miron und der Präsident des Kassationshofes Buzdugan. Während der Sitzungsdauer waren sowohl in der Hauptstadt als auch in der Provinz militärische Vorsichtsmaßnahmen getroffen, da für den gewesenen Thronfolger Kundgebungen erfolgten. In Klausenburg hatten die Demonstranten sogar ein Manifest erlassen.
Prinzessin Helena bleibt weiter Mitglied des Königshauses, behält das Palais des Kronprinzen und widmet ihr Leben der Erziehung ihres Sohnes. Sie hat bereits die bindende Erklärung abgegeben, daß sie nach ihrer Scheidung eine neue Ehe nicht eingehen werde. Königin 9Jt a r i a wird voraussichtlich am Mittwoch in Mailand, dem augenblicklichen Wohnsitz des Exkronprinzen Karol eintreffen, um die Scheidung einzuleiten.
Lin neues Kabinett in Bulgarien.
Sofia, 4. Ian. (WTB.) Der König hat heute nachmittag den bisherigen Ministerpräsidenten 3 a n f o f f unb den Abgeordneten und früheren Mst'.ifter Liaptscheff in Audienz empfangen. Im Anschluß daran genehmigte der König den Rücktritt der Regierung Zankoff und ernannte Ljaptscheff zum Ministerpräsidenten. Das neue Kabinett hat folgende endgültige Zusammensetzung: Vorsitz und Inneres: Ljaptscheff; Auswärtige Angelegenheiten: Burofs; Oeffentlicher Unterricht: Naideroff; Finanzen: Wladimir Moloff; Justiz: Kuleff; Krieg: General Wulkoff; Handel: Bo- boschewsky; Ackerbau: Christofs; Oeffentliche Arbeiten: Slaoerodo Wassilefs; Eisenbahnen: Komon Georgieff. Die neuen Minister wurden vom König in Audienz empfangen. Die schnelle Lösung der Krise machte in allen Kreisen den besten Eindruck. Die Bedeutung, die der Ministerpräsident den inneren Angelegenheiten beimißt, deren Portefeuille er selbst übernimmt, verdient besonders hervorgehoben zu werden. General Wulkoff, Bobo- schewsky und Ehristosf waren Mitglieder des zurückgetretenen Kabinetts. Der neue Außenminister Athanasius Buroff ist ein bekannter Finanz- tnann. 1913 war er Vizepräsident der Kammer, und zweimal, 1913 und 1919, Mitglied der Regierung. Der Finanzminister Wladimir Moloff ist Universitätsprofessor und ein hervorragender Jurist. Er war in früheren Kabinetten Kultus- und Verkehrsminister und ist Präsident der bulgarischen Sektion der Interparlamentarischen Union. Justizminister Kuleff und Unterrichtsminister N aide n o f f waren Präsident bzw. Vizepräsident der Kammer.
Wertverlust sie fördern bzw. aufhalten können. Für Frankreich ergibt fick) also die Frage, ob es an feiner jetzt geübten Finanzpolitik weiterhin festhalten ober sich ben Wünschen ber Gläubigerstaaten fügen will, b. h. sparsamer wirtschaften unb jede unnötige Ausgabe einzustellen, also auch bie kostspieligen Kolonialkriege zu liquidieren, unb seinen Haushalt in Drbnung zu bringen, wodurch gleichzeitig der Franken stabilisiert werden würde. Herr Verenger, Frankreichs neuer Botschafter in Washington, ber in ben nächsten Tagen in ber amerikanischen Bundeshauptstadt eintrifft, wird binnen kurzem über bie Absichten unb Wünsche Englands unb Amerikas im Bilbe fein, um so mehr, als er bie unbanfbare Aufgabe übernommen har, neue Verhandlungen über die Tilgung der französischen Schulden aufzunehmen. War es bisher Frankreich, das in Washington trotz seiner Stellung als Schuldner Forderungen erhob, so hat sich das Blatt jetzt gewendet, es wird sich, wenn es nickst eine Katastrophe des Franken vorzieht, wohl oder übel Tilgungsbedingungen j^efatiin lassen müssen, bis einer „Dawesierung Frankreichs" verdammt ähnlich sehen werben.
Fengyuhsiang zieht sich zurück.
Peking. 4. Fan. (Reuter.) General Fen- gyuhfiang, der sogen, christliche General, der am 24. Dezember Tientsin besetzte, teilte in einem Rundtelegramm mit, dah er auf das öffentliche Leben verzichtet, nach dem Ausland geht und die Militärpartei beschwört, dem Chef der Exekutivgewalt, Tuan- s ch i j u, Unterstützung für die Besserung des Landes zu gewähren. r ,
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vor einem amerikanisch- europäischen Handelskrieg? Aus den Vereinigten Staaten wird eine Aeußerung d:s amerikanischen H ndelLministers Hoover hierher gek.bstk, nach der ein "n- delskrieg zwischen Amerika unb Europa drohe. Diese Erklärung muß den Laien überraschen, nicht aber denjenigen, der in den letzten Monaten Gelegenheit hatte, den Kampf zwischen der europäische und der amerikanischen Fndu- strie auf den internationalen Märk.e t zu beo. achten. Amerika befindet sich nämlich mit bestimmten Erzeugnissen gegenüber verschiedenen europäischen Fndustrien, die eine Monopolstellung einnehmen, in einer ungünstigen Lage: junge amerikanische Wirtschaftszweige tannen sich mit ihren Produkten nicht recht durchsetzen, weil ihnen ältere gleichartige europäische Fndustrien den Wind aus den Segeln nehmen, die über einen gut funktionierenden Produktionsapparat und vor allem auch über reiche Erfahrungen verfügen. Das behagt der Washingtoner Regierung absolut nich', sie lä" t nie' ts unversucht, um die auf Monopolen avfgebute ausländische Konkurrenz zu schädigen, al'o damit die heimische Fndustrie zu schützen. Wir brauchen nur an das Schicksal der Kali-Anleihe erinnern, die in Rew Bork aufgelegt werden sollte, aber im letzten Augenblick zurückgezogen wurde, weil man in Washington den Standpunkt vertrat, die deutsche K. liindustrie nehme eine Monopolstellung ein und schädige die junge amerikanische Kaliindustrie. Aus dem gleichen Grunde erhält auch unsere chemische Fndustrie in den Vereinigten St wen feine Anleihen, weil diese ihre er ft im Kriege zum Leben erweckte Farbenindustrie nicht schädigen wollen.
Doch nicht allein gegen die deutschen Monopole richten sich die Worte Hoovers, sie gehen in gleicher Weise an die Adresse der englischen! Baumwoll- und Kautschukindustrie, die Monopolstellungen inne haben und sie benutzen, um die Preise namentlich für Kautschuk- Waren künstlich hochzuhalten. Wie die Vereinigten Staaten sich einen Handelskrieg mit Europa denken, geht aus dem kurzen Kabeltelegramm nicht hervor. Wenn Hoover, wie es heißt, den Getreidefirmen empfiehlt, ihre Preise hinaufzusehen, um die europäische Wirtschaft zu schädigen — Europa ist auf wesentliche Getreidezufuhren aus Amerika angewiesen —. so ist daran zu erinnern, daß Südamerika und Australien über erhebliche Getreideüberschüsse verfügen, die sie mit Freuden in Europa absetz-en würden.
Damit ist aber nicht gesagt, daß sich Europa in einer günstigen Situation befindet. Ein Wirtschaftskrieg dürste sich nicht lediglich gegen die Monopolindustrien richten, sondern auf die gesamten amerikanisch-europäischen Handelsbeziehungen übergreifen. Erst in diesem Falle würde die ganze Stärke der Vereinigten Staaten zutage treten, der gegenüber das verarmte Europa nicht gewachsen ist. Für die Anhänger einer europäischen Zollunion dagegen wird diese Drohung ein vorzüglicher Anlaß sein, nun mit aller Macht für den bisher von ihnen propagierten Gedanken einzutreten, da es /ich jetzt darum handelt, durch Ausschaltung der Zollkriege und zollkriegähnlichen Zölle die europäische Wirtschaft z u s a m m en* zusühren, zu kräftigen und kampffähig zu machen. Angesichts der geplanten Weltwirt- schastskonferenz berühren die Worte. Hoovers recht eigenartig, sie haben denselben Beigeschmack, wie z. B. die Ausrüstung Ftaliens und Polens im Augenblick der Einleitung einer allgemeinen Weltabrüstung.
Sozialisten und Regierungsbildung in ßrantteich.
Paris, 5. Fan. (TTl.) Die zum größten Teil nunmehr vorliegenden Einzelbeschlüsse der sozialistischen Verbände, die im Hinblick auf den bevorstehenden Kongreß abgestimmt haben, zeigen, daß sich eine Mehrheit gegeniegliche Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Parteien ergeben wird. Die Beschlüsse des außerordentlichen Kongreßes werden wahr- sck)einlich dahin lauten, daß die sozialistische Partei zur alleinigen Llebernahme der Regierungsgeschäfte bereit ist und bis zur Verwirittchung dieser Möglichkeit in die Opposition treten wird. Fn politischen Kreisen zerbricht man sich den Kops, in welcher Form nach dem Austritt der Sozialisten die ■Umgruppierung der Linksparteien vor sich gehen werde. Man hält weniger eine sofortige Auflösung als eine Ar! Zerbröckelung des Kartells für wahrscheinlich. Es kursiert erneut das Gerücht von einer Spaltung bei den Sozialisten, da die Anhänger der Beteiligungspolitik laut ihre Absicht verkündet haben, aus der Partei auszu- treten, wenn der Kongreß gegen ihre Resolutionen! stimmt. Cs läßt sich zur Zeit nicht entscheiden, wie weit hier Partei taktische Erwägungen mit* sprechen. Auch die Gruppe der Sozialrepublikaner weist Uneinigkeit auf. Die Links- radika len sind bereits unter Fühnmg ihres Präsidenten Daoult P e r e t unverhüllt auf die Seite der Linksrepublikaner getreten. Das Kartell wird also tatsächlich zu bestehen aufgehort haben. Die Opposition wird nach der Umgruppierung der Parteien hauptsächlich durch die äußerste ßinle (Sozialisten uni> Kommunisten) und vereinzelte Mitglieder der radikalen und vepu- blikanischsn Parteien gebildet werden.


