etwas bedeuten, daß England nun mit der i Beendigung seines Bergarbeiterstreiks und dem ’ Abschluß der Reichskvnferenz etwaS mehr freie I Hand für die europäische Politik wieder gewinnt, oder vorsichtiger gesagt, wieder gewinnen kann? Der Bergarbeiter st reik war einer der größten sozialen Konflikte und endete mit der vollen Riederlage der Arbeiter. Innenpolitisch wird das seine Folgen haben in einer Radikalisierung der Arbeiter, namentlich | wenn die Führer der Industrie es nicht verstehen, nun die Folgerungen im Sinne einer Rationalisierung ihrer Betriebe zu ziehen. Außenpolitisch bedeutet es, daß England nun wieder auf dem Kohlenmarkt mit aller Kraft als Wett- bewerber auftreten wird. Sieben Monate ist dieses Kohlenland ein Land der Kohleneinfuhr gewesen und 6 Milliarden Mark hat der Streik seiner Volkswirtschaft gekostet. Es ist begreiflich, daß die Dergwerksbrsitzer den Kampf um die verlorenen Absatzgebiete draußen wieder mit aller Energie aufnehmen wollen, und sowohl Frank, reich wie Belgien als auch Deutschland und namentlich Polen werden spüren, daß die Zeit der Köylenlieferung nach England jetzt vorbei ist. Menn aber der englische Kohlenbergbau sich darauf beschränkt, den Kampf bis anS Messer um die Absatzgebiete draußen führen zu wollen, wenn er nicht begreift, daß gerade auch der Streik eine Anregung in der Richtung einer internationalen Kohlenkonvention analog dem Stahlpakt sein muh. so wird er mit Sicherheit das jetzige Ergebnis, den Sieg (in seinem Sinne gesprochen), wieder Frage stellen und seine eigenen Arbeiter aufe neue zum Widerstand reizen.
Die Rei^hskonferenz hat mit der Erklärung der groben Kolonien zu völ.errechtlichen Selbständigkeiten geendet. Die Art, in der das geschah, der Bericht, in dem das niedergelegt wurde (er ist ein Wert des alten Balfours) war wieder ein Sieg jenes unvergleichlichen politischen Genius der Angelsachsen, dem diese die Herrschaft über die halbe Welt verdanken. Man kommt zu rechten Zeit entgegen. Man sieht ein, daß die Zeiten sich ändern, daß aus den abhängigen Kolonien, die mit ihren Wünschen fortwährend ans Mutterland tarnen, jetz. Cie erwachsenen Töchter geworden find, deren sechs die Mutter umgeben. Selbständig nun durch- - aus, nicht nur in der Führung ihrer inneren Geschäfte, sondern auch in der Vertretung nach außen: die Gesandten Kanadas und Australiens für Dordamerika sind schon ernannt Aber das vollzog sich nicht, indem nun die erwachsene Tochter ihres WegeS geht, vollständig selbständig, höchstens einmal noch pietätvoll der Mutter sich erinnernd. Der Zusammenhalt des Reiches wird nicht nur betont, er wird auch aufrecht erhalten, er wird unzweifelba't durch dieses Ergebnis verstärkt. Das Reich bleibt nicht nur auf Grund der Sprache, der Ueb2tli2fcnmg, gemeinsamer Einrichtungen, sondern es wird zu- sammengehalten durch den gemeinsamen Handel und die Flotte, und das Band um alles schlingt die Krone. Für sie aber wird nun eine andere Stellung geschaffen. Der König ist nicht mehr König von Groh-Britannien und Irland, der dadurch auch über die Kolonien herrscht. Er ist König von England und Schottland, König von Kanada und König von Australien usw. Hevr jeweils jedes einzelnen Teiles, der in den einzelnen Teilen durch den Generalgoudemeur Oertreten wird. Richt mehr ist jetzt der General- gouverneur der Beauftragte des englischen Kabi» nettes, der den letzten Rest der Macht des englischen Herrschers über die Kolonien verkörpert hat, er ist vielmehr Vertreter des Königs, der den Zusammenhang mit dem Reich und den Reichsfragen darstellt. Deshalb erörtert man den Gedanken, ob es sich nicht empfehle, die Würde des Genercilgvuverneurs in jenem Herrschergeschlecht erblich zu machen.
Dieses Dokument ist nach der Verfassung der Vereinigten Staaten das bedeutendste Dokument des englischen schaffenden G.istes. Gs ist das erste Stück geschriebener Derfa fung des eng- | lischen Weltreiches, und wir können der Versicherung glauben, daß es aus lange Zeit auch das letzte geschriebene Stück sein wird. Denn der »Engländer weiß, wie gefährlich eS ist, Theorien in solchen Dingen in eine Masse von Paragraphen zu spannen und dann fortgesetzt aus den Erfordernis en des Lebens über diese Para- 'graxhen zu stolpern. Der Ausgang berührt aber zugleich auch die europäische Politik. Wo liegt nun der Schwerpunkt der englischen großen Politik? Eine genaue Fassung dieses neuen Verhältnisses ist mit Absicht vermieden. Groß- Britannien macht seine Außenpolitik. Es bindet seine großen Kolonien dab:i nur, wenn ste selbst diese Verpflichtung aufnehmen und anerkennen. Wie stehen sie zum Gerichtshof im Haag? Wie zu Locarno? In der ersten Frage lehnen sie die Weiterentwicklung zur obligatorischen Schiedsgerichtsbarkeit ab. In der zweiten haben sie abge- lehnt, unter lebhafter Beglückwünschung Chamberlains für den Rheinpall. diesen durch ihre Unterschrift feierlich zu bekräftigen und zu ratifizieren. Damit berührt der Ausgang der Konferenz auch direkt die deutsche Außenpolitik.
Aber für uns ist eben schließlich wichtiger, ob nun nach Erledigung dieser beiden gewaltigen Fragen, die monatelang, viel mehr als man nach außen merkte, das englische Kabinett beansprucht haben, dieses etwas freier und energischer und einflußreicher in der Europapolitik werden wird. Wir befürchten, daß bad nicht der Fall ist. Man sieht das gleich an dem etwas merk- würdigen Versuch, jetzt in letzter Minute eine Art Vermittelung mit Frankreich in der Kontrollfrage zu versuchen, bei der man nicht nur sieht, wie wenig die beiden Staaten mltein- anber übereinstimmen, bei der man ferner nicht nur sieht, wie wenig entscheidenden Einfluß England aufwendet, sondern bei der man arcch sieht, wie der vielleicht schwierigste Punkt der Resterledigung gerade von England unterstrichen wird, nämlich die Streitfrage um die Herstel - luna von Kriegsmaterial im Rahmen der Kontrollfragen. Da verbindet sich Politisches mit Wirtschaftlichem, da verbindet sich französische Tendenz mit englischer Handelskonkurrenz.
So aber kommt die Sache nicht weiter und Deutschland empfindet es tief, daß nun tatsächlich doch die Kontrollfrage über die erste Tagung des Bölkerbundsrates hinausgeschoben worden ist, an der Deutschland Mitarbeiten soll und will. Damit hat Frankreich zunächst daS erreicht, was es wollte. Es wird mit gleicher Zähigkeit und Energie daS nächste Ziel verfolgen: die Gestaltung der Investigation in feinem Sinne. ES wird hoffentlich auf die notwendige Festigkeit bei Deutschland stoßen, ob dieses aber die Unterstützung Englands in der ausreichenden Weise finden wird, ist äußerst fraglich. Das aber
ist fein erfreulicher Ausblick auf eine gemeinsame erfolgreiche Zusammenarbeit im Völkerbund! ____
Kraftpoftlinie Gießen - Hochelheim - Niederkleen.
Gießen, den 4. Dezember 1926.
Bei einer gestern nachmittag im hiesigen Stadthaus (DerKlrahe) stattgehabten Versammlung von Vertretern der hiesigen Stadtverwal- tung und der Gemeindevorst, eher aller an der Kraftpvstlinie beteiligten Gemeinden des Klee- bachtales wurde unter dem Vorsitz des Beigeordneten Dr. Hamm, Gießen, im Beisein von Vertretern des Postamts die Frage erörtert, welche Maßnahmen zu ergreifen sind, um die Linie wirtschaftlicher zu gestalten und für die Zukunft Fehl betrüge nach Möglichkeit zu vermeiden. Don dem Vertreter des Postamts wurde mitgeteilt, daß der Verkehr zwischen Hochelheim und Gießen die besten Ziffern aufzuweifen habe, dagegen werde auf der Teilstrecke von Hochelheim übet Dornholzhausen bis Rieder» kleen, ebenso wie bei den P e n d e l fa h r t e n zwischen Klein-Linden und Gießen die Kraftpost in einem recht geringen Umfange benutzt. 2n der Erkenntnis, daß nur durch Aufhebung von Fahrten, für die die Post Verwaltung 90 Pfennig für jeden gefahrenen Kilometer in Rechnung stellt, eine Verbilligung des Betriebes erreicht werden kann, hat man sich dahin geeinigt, daß mit Wirkung vom 13. Dezember ab die Pendelfahrten zwischen Gießen und Klein-Linden ganz aufgehoben werden und die Orte Dornholzhausen und Rieberkleen statt der bisherigen zweimaligen, künftig nur eine einmalige Verbindung mit der Stadt Gießen erhalten. Die erste Fahrt, die bisher in Riederkleen ihren Anfang nahm, wird künftig in Hochelheim beginnen. AuS diesem Grunde soll auch die in aller Kürze zu erbauende Kraftwagenhalle ihren Standort in Hochelheim erhalten. t
Der Fahrplan wird sich voraussichtlich wie folgt gestalten: 1. Fahrt ab Hochelheim 7 Uhr Dorrn., an Gießen Markt (Landgra, Philipp-Platz) 7.54 Ahr vorm., 2. Fahrt ab Gießen Bahnhof 10 Ahr vorm., an Riederkleen 11.05 Ahr vorm., 3. Fahrt ab Riederkleen 11.30 Ahr vorm., an Grohen-Linden Bahnhof 12.05 Ahr nachm., 4. Fahrt ab Großen-Linden Bahnhof 12.50 Ahr nachm., an Hochelheim 1.07 Ahr nachm.. 5. Fahrt ab Hochelheim 1.15 Ahr nachm.. an Gießen Bahnhof 2 Ahr nachm., 6. Fahrt ab Gießen Bahnhof 7 Ahr nachm., an Riederkleen 8.05 Ahr nachm., 7. Fahrt ab Riederkleen 8.10 Ahr nachm., an Hochelheim 8.29 Ahr nachm. Während die erste und zweite Fahrt nur werktags ausgeführt werden, Verkehren alle übrigen Fahrten täglich. Am den Ansprüchen der Gemeinde Klein-Linden gerecht zu werden, soll nach vollzogener Amstellung zwischen Klein-Linden und Gießen ein Anhänger so verwendet werden, daß der Anhänger bei der ersten Fahrt in Klein-Linden an den von Hochelheim kommenden Kraftwagen angehängt und ebenso bei der letzten Fahrt zwischen Gießen und Klein-Linden benutzt wird. Für die Unter- stellung des Anhänger- muh in Klein-Linden ein Raum zur Verfügung gestellt werden. Weiter will man prüfen, ob außerhalb dieses Rahmens noch ein Pendelverkehr zwischen Gießen und Klein-Linden, evtl, bis Lützellinden, erforderlich und erwünscht ist.
Es ist nun auch damit zu rechnen, daß die seit langem von den Gemeinden Hochelheim und Hornsheim erstrebten Früh f ährten an jedem Dienstag. Freitag und Samstag an die Bahnhöfe in Großen-Linden und Gießen ausgeführt werden können.
Eingemeindungsfragen im ‘Biebertal.
T Bieber, 3.Dez. Gestern abend fand die angekündigte Versammlung wegen der E i n- gemeindung Biebers nach Rodheim statt. Landrat Goßmann aus Diedenstrpf mit vier Herren vom Landratsamt leitete die Verhandlung ein. Er gab zunächst einen Aeberblick über die hundertjährige Geschichte der Destre- bungen, die Ansiedelung Bieber aus ihrem nachteiligen Zustand, drei Gemeinden anzugehören, herauszuheben. die aber bis jetzt alle im Sande verlausen sind. Sodann wies er an der Hand von Zahlen im Vergleich mit vier anderen Gemeinden des Kreises nach, daß der Lebensfähigkeit einer selbständigen Gemeinde Bleu selbst wenn von den drei Gemarkungen je ein Viertel abgetreten würde, große Schwierigkeiten entgegenstehen, daß insb: sondere ohne 300 Prozent Gemeindesteuern der Gemeindeetat nicht zu balancieren sei. Als einzig mögliche Lösung der Schwierigkeiten sieht er die Eingemeindung nach Rodheim. Der Bürgermeister von Fel- lingshausen gab die Erklärung ab, daß Fellingshausen der Selbstänl igkcit Biebers nicht hindernd im Wege stehe, aber ein Viertel der Gemarkung- nicht abtreten könne. Gr wies nach, daß seit 1587 Der größte Teil von Bieber nach Fellingshausen gehört und sich wohl gefühlt habe, und daß Fellingshausen der Eingemeindung von Bieber nicht zustlm- m e n könne. Der Vertreter von Königsberg, Bürgermeister Bernhardt, hatte gegen eine Abtretung von Bieber nichts einzuwenden, fei es, daß es selbständig ober an Rodheim ange- schlossen würde, doch dürste Königsberg in feinen Einnahmequellen nicht geschmälert werden, insbesondere will er Hof Haina, der bei der Selbständigkeit zu Bieber geschlagen werden soll, steuerpolitisch behalten, ebenso die ganze Ober- försterel Strupbach.
Der Oberförster gab die Erklärung ab, die Ansicht der Regierung abzuwarten. Bürgermeister Leicht von Rodheim gab zu Protokoll, daß Rodheim mit der Eingemeindung einverstanden ist, aber einem selbständigen Dieber i/< von 860 Hektar feiner Gemarkung Del einer jetzigen Einwohnerzahl von 1600 nicht ab- treten könne, wodurch Rodheim In ferner Lebensfähigkeit stark beeinträchtigt werde. Sr wies auf die Vorteile hin, die Bieber durch die Eingemeindung erfahren werde, durch Straßenbau, Baugelände. Verlegung der Biebertalbahn. Pfr. V ö m e l - Rrchheim ist damit einverstanden, daß das zu Fellingshausen gehörige Kirchengut bei Bieber zu Rodheim kommt. Der Vertreter von i Hof Haina, Herr Lenz, reichte In einer schriftlichen Erklärung den Wunsch ein, wegen der
weiten ®ntfermmg von Königsberg mit Haus- unb Grundbesitz an die Verwaltung nach Rodheim angeschlvssen zu werden, doch die Berechtigung an dem Gemeindewald Königsberg zu behalten. Der Gemeindevertreter Süß aus Bieber, zu Fellingshausen gehörig, will von einer Eingemeindung nach Rodheim nichts wissen: wenn nicht felbftänbig, dann soll eS lieber bleiben, tote es ist. Herr Du t en ho f e r-Bieber legte eine Zustimmung mit 105 Unterschriften von Grundbesitzern dar, die Selbständigkeit wünschen, und erflärtc, Rodheim werde bei einer Eingemeindung an ihnen keine Freude erleben. 3m ganzen kommen 176 Interessenten in Frage.
An Hand der drei G nnark angst arten, welche die ganze Stirnseite des Gerlachschm Saales ein- nahmen, erläuterte der 2 an brat den Vertretern die beabsichtigte Abgrenzung. Rach Schluß der reichlichen Aussprache verlas Herr ©lebe de vom Wohlfahrtsamt eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts vom 20. Januar 1923 dahingehend, daß au« staatsrechtlichen Gründen G renL en verändert werden fön: e 7, ohnedieZustirnmungderEigen- t ü m e r 51 besitzen. Das ließ durchbiicken, daß die Verwaltungsbehörde jetzt das Wort redet, wie dem mißlichen Zustand ein Ende bereitet wird.
Preußen.
Kreis Bievenkops.
XX Oberförsterei Strubach. 3. Dez. Bei dem jüngsten Treiben im staatlichen F 0r st wurden nur drei Has en erlegt. Die Ergebnisse der Feldjagden sind auch in hie- iger Gegend äußerst gering; selbst gar mancher eifrige Rimrod wird diesmal auf einen lederen Hasenbraten verzichten müssen.
Kreis Wetzlar.
—5— Lützellinden, 3. Dez. Unter dem Viehbestände eines hiesigen Einwohners wurde gestern dieMaul-undKlauenseuche amtlich festgestellt. Die Seuche wurde durch den Bestand eines auswärtigen Ferkelhändlers einge- schleppt. — Da die Feuerspritzen unserer Gemeinde den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügten, hat die Gemeinde von der Stadt Wetzlar eine große und eine kleine Sauqfeuer- f pritze erworben, die dort infolge Abschaffung von neuzeitlichen Motorspritzen überzählig geworden waren
Dillkreis.
bl. D i 11 e n b u r g, 3. Dez.. DieStadtver - ordneten beschlossen, In ihrer jüngsten Sitzung die Dill zum Teil regulieren und eine neu? Oberiorbrüde errichten zu lassen. Kosten: 150 000 Mark. Mit der Regierung soll wegen Zu- schußge rährung verhande t werden. — 2m nahen Straße bersbach fiel ein Kind von zwei Jahren in einen mit heißem Wasser gefüllten Topf. Mit verbrühtem Anterkörper liegt daS Kleine hoffnungslos darnieder.
Kreis L'mbnrq.
WSR. Limburg, 3. Dez. Wegen einer schweren Erkrankung des Hauptsachverftändigen, des bekannten Psychiaters der Marburger Ani- versltät, Prof. Dr. Iahrmärker, muhte der Mvrdprvzeß Krämer, der am Mittwoch beginnen sollte, verschoben werden
Maingau.
WSR. Frankfurt a. M., 3. Dez. Gestern vormittag wurde im Ostparkweiher, im Schilf versteckt, die Leiche eines neugeb vrenen Kindes männlichen Geschlechts gesunden Die Leiche war in blaues Packpapier eingewickelt und mit Bindfaden verschnürt; sie hat ungefähr vier bis fünf Tage am Fundort gelegen — Am selben Tage, kurz nach 1 Ahr, wurde in demselben Weiher die Leiche eines weiteren neugeborenen Kindes, weiblichen Geschlechts, gefunden, die in graues Packpapier eingewickelt war. Eine auf dem Packpapier befindliche Adresse war abgekraht. Die Leiche kann er ft wenige Stunde । am Fundort gelegen haben.
WSR. Homburg v. d. H., 3. Dez. Rach längerem schweren Leiden ist gestern der Pfarrer der Gemeinde Gonsenheim, Erwin Gros, im Alter von 61 Jahren gestorben. Der Entschlafene, der aus Riederems bei Ufingen stammt, war früher Pfarrer in Hartenrod und Esch bei Idstein. 1919 wurde er zum Pfarrer von Gonsenheim gewählt. Durch seine volkstümlichen erzählenden Werke, von denen „Der Bauernpfarrer" „Der Lehrer von Hartenhausen" und „Das leuchtende Haus" die hervorragendsten sein dürften, hat er sich einen großen Rainen erworben.
WSR. H a n a u, 3. Dez. In der Rächt zum Donnerstag fielen der Bahnhofspolizei in Kassel zwei junge Mädchen auf, die verstört und übernächtigt im Wartesaal sahen. Bei der Kontrolle stellte sich heraus, daß sie nur im Besitz von Bahnsteigkarten waren, dabei gaben sie aber an, daß sie »: H an <ru wären. Die Dahn- hofskontrolle führtc i: Mädchen dem Zufluchts- Heim zu, wo ma o-iib heraus hatte, wie die Mädchen nach Kassel g dämmen sind. Am Mittwoch hatten sie in Hanau einen Kraftwagenführer kennen gelernt, der sie zu einer Spri h- fahrt einlud. Man nahm die Gelegenheit einer solchen Autopartie wahr und stieg ein. Als man nach stundenlangem Fahren endlich am Ziele war, befand man sich in Kassel. Der Wagenführer sauste hohnlachend von dannen und lieh die mittellosen Mädchen zurück..Was den Kraftwagenführer zu diesem unsinnigen Streich veranlaßt hat, ist unbekannt.
Die Hasraba.
WSR. Frankfurt a. M., 3. Dez. Das Projekt der Autostraße Hamburg— Frankfurt — Basel begegnet andauernd großem Interesse, das sich auch in der Zahl der Mitglieder ausspricht, die bereits wenige Wochen nach der Gründung dem B e r e i n a f r a b a“ beigetreten sind. Bon Städten, die an der beabsichtigten Linienführung liegen, geboren der »Hasraba" u. a. an: Basel, Baden- Baden, Darmstadt, Frankfurt a. M, Gießen, Döttingen, Hannover. Heidelberg, Karlsruhe, Kc.ssel, Mannheim, Marburg, Dad-Rau- h e i m und Wiesbaden, ferner die Landesregierungen. eine lange Reihe von Handels- und Gewerbekammern, Straßenbaugcs llschaften und Zementfabrilen. Die Aufgabe, die sich der Verein vvrgenommen hat, ist groß und selbst die Vorarbeiten — bis zum Frühjahr 1927 soll ein ausgearbeitetes Projekt mit allen technischen und wirtschaftlichen Unterlagen vvrliegen — erfordern recht bedeutende QHittä. In diesem Zufammen- ist es besonders erfreulich, daß eine Reihe von
Interesfentengruppen nicht nur hohe Jahresbeiträge zur Förderung des Projektes gezeichnet, sondern auch besondere Zuwendungen zur Dek- kung der bisherigen Ankosten gemacht haben. So haben sich u. a. die Portland-Zementfabrik in Heidelberg mit einem Jahresbeitrag von 5000 Mark und einer Sonderzuwendung von 3000 Mark eingeschrieben, ferner Dyckerhoif & Söhne, Amöneburg mit 3000 Mark, Deutsche Kraftfahr- strahen G. m. b. H. Frankfurt a. M. und Stra- ßenbaugcscllschaft Köln mit je 5000 Mark usw. Selbstverständlich können auch Privatpersonen dem Verein als Mitglied beitreten. Die Geschäftsstelle bet „Hafraba" befindet sich im Rat- bauÄ Südbau in Frankfurt a. M. Die erste Der- waltungsratssitzung der .Hafraba" findet im Januar in Frankfurt a. M. statt.
Turnen, Sport und Spiel.
Franz Diener im Boxkampf von Moloney geschlagen.
Reuhvrk, 3. Dez. (WTB. Funkfvruch.) Gestern abend wurde ein Boxkampf übet zehn Runden zwischen dem Deutschen Franz Diener und Jim Maloneh aus Boston auSget ragen. Die Schiedsrichter sprachen Maloneh den Sieg zu. da er bei den letzten drei Boxkämpfen durch Riederschlag gesiegt hatte, standen die Wetten auf seinen Sieg 8 ju 5.
Gerichtssaal.
Berurtelller Totschläger.
WSR. Zweibrücken. 3. Dez. —Vtzl bem hiesigen Schwurgericht ging heute ein breitägiger Mordprozeß gegen tie bd^cn Maurer Allein und De haut, beide aus Rcumühle, zu Ende. Der 24 Jahre alte All.in hatte auÄ Rache einen Tagner seines Heimatortes m i t einem H olzprügel erschlagen, wobei ihm der 20jährige Dehaut behilflich wat. Allein wurde zum Tode verurteilt, Dehaut erhielt 6 Iahte Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf 10 Jahre.
Buntes Allerlei.
Die hellste Stadl.
Paris, die ..Lichtstart", die einst auf die strahlende Helligkeit der Straßenbeleuchtung so stolz fern konnte, ist beute längst in den Schatten gestellt. Es gibt andere Städte, die seht viel besser beleuchtet sin). und den Rekord in dieser Hinsicht lehauptet die Stadt Portland in Oregon ausgestellt zu haben. Diese Stadl, die sich die „hellste" nennt und sicherlich zu den am besten beleuchteten Orten der Welt gehört, hat eine besonders interessante Lichtanlage. Je zwei Lamsen von je 15 000 Lumen, d. h. von einer Lichtstärle von rund 1000 Hefnerkerzen, sind in kaum 6 Meter Höhe an einander gegenüber» stehenden Masten angebracht, die 30 Meter voneinander entfernt sind. Die durchschnittliche Beleuchtung der Straße wird dadurch auf den hohen Wert von 105 Lux gesteigert, und 160 Kilowatt werden an Energie aufgewendet. um die 1600 Meter lange Strecke zu beleuchten, während das höchste, was in Deutschland in dieser Hinsicht geleistet wird, nur der vierte Teil ist. Da die verwendeten Lampen ihr Licht vorwiegend nach den Seiten abgeben, sind auch die Hchrserfronlen überaus hell beleuchtet. Sehr bemerkenswert ist, daß die Lampen nicht an der Retzspannung von 110 Bolt liegen, sondern an nur 37,5 Bolt. Dadurch wird die Lebensdauer und die Lichtausbeute der Lampen erhöht. Die Kosten der Beleuchtung dieser einzigen Straße betragen jährlich 50 000 Dollar.
DaS russische Ballett unO der Jazz.
Die große Tänzerin Anna Pawlowa tritt jetzt wieder bei uns in Deutschland auf und zeigt der von Foxtrott und Charleston umnebelten Welt, daß es auch noch wahre Tanzkunst gibt. Das russische Ballett ist ja überhaupt in dieser chorsographischen Wirrnis noch die letzte Hochburg e.nes edlen Stils geblieben. Freilich ist auch das russische Ballett vom Iazzgeist nicht ganz verschont geblieben und hat sich modernen Einflüssen nicht verschlossen, lieber die Frage, inwieweit der moderne Tanz dem russischen Ballett eine neue Rote aus gedrückt hat. äußert sich der langjährige Tanzmeister der Diaghileffschen Truppe Georges Balanchine. „Die Gesellschaftstänze," schreibt er, „werden in den verschiedenen Ländern verschieden getanzt und wechseln sehr rasch. Das Ballett aber ist in dem Sinne übernational, daß es die höchsten Bestrebungen der verschiedenen Künste jebed Volkes für sich verwertet, nicht nur die Tanzkunst, sondern auch Musik, Malerei und Mimik. So hat sich das russische Ballett auch die Iazzmode zunutze gemacht und für feine Zwecke umgeftaltet Dec Jazz hat un'weifelhast die Rhythmik deS modernen Ballettanzes ebenso beeinflußt, wie der Kubismus die moderne Malerei. Diese Beschleunigung und scharfe Akzentuierung der Rhythmik ist mit den neuen Formen der Malerei und der Ornamentii aufS engste verschmolzen und harmoniert mit den neuen dynamischen Kräften, die durch die moderne Musik dem Ballett zu- geführt worden sind."
Büchertisch.
— Georges Duhamel, Prinz Dschaff ar. Rotapfel-Verlag Zürich und Leipzig. Geb. 7 Mk. — Daß dieses Buch in feinem Mutterlande schon im 20. Taufend steht, wurzelt in Duhamels ganz eigenartiger ErzählungSkunst. Zunächst sind wir in Tunis und nirgends sonst. Wir sehen, wir hören, riechen und schmecken dieses Land und seine Menschen. Duhamel kennt, was er schildert. Er ist mit den feierlich-komischen Würdenträgern umgegangen, den schläuen Händlern, er war im kahlen Bergland bei den Olivenbauern, die in Höhlen wohnen, er saß neben den Richtern, wenn sie Recht sprachen, er schaute den Töpfern zu und den Tänzern, ließ sich von der Regerin ihr Leben erzählen und vom weihen Kolonisten fein Ringen mit dem Boden, er belauscht den Juden und ging mit Militärs und Ingenieuren um. Schwarze, weihe, braune Menschen wirbeln durcheinander. Er weih um ihre Freuden, ihre Röte, und Sünden. Wundervoll plastisch ersteht auch die Landschaft vor uns; Wüste, Oase, Stepp« und Meer. Von alledem erzählt Duhamel geistvoll, oft witzig, ungemein beweglich und immer mit einer spürbaren, bald leiseren, bald beul* -sicheren Ironie. Er sagt nie alles. Er hält eS mit Hadsch Cherlff, dem Dichter in feinem Buche, I der gerade darum so reizvoll erzählt, well «


