Ausgabe 
4.12.1926
 
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bürgerliche» Parteien mit Ausnahme brr Derno- f'-ifen in her Jorm wiederherstellen. bah >ie Prüf ft eilen vom Reichsminister des Innern im Einvernehmen milden Lan­desregierungen errichtet werden. 3')re Entscheidungen fallen für bas ganze Reich Gültig- teil haben. Zur Entscheidung über Einsprüche und Reschwerben soll eine Oberprüfskelle in Leipzig ge­bildet werden.

Die Prüfstelle besteht aus einem beamteten Vorsitzenden und acht Sachverständigen aus den Kreisen der Kunst, der Literatur, des Buch- und Kunsthandels, der Iugmdwohliahrt und 3ugcnb= Organisationen, der Lehrerschaft und der Volks- bildungsorganisationen. Dec Rrichsinnenmin.ister soll nach bem Antrag bei Ernennung der Sach­verstand gen die Vertreter brr K.rche berücksich­tigen. 21 ur bei ÜIrbereinstimmung von mindestens sechs Mitgliedern darf eine Schrift auf dis Gifte gesetzt werden. Dir Ober- Prüfstelle gehören außer dem Vorsitzenden und den Sachverständigen noch sechs vom Reichsrat gewählle Beisitzer an.

§ 2 wird in namentlicher Abstimmung mit 237 gegen 146 sozialdemokratische und kommu­nistische Stimmen bei 23 StimmenentHaltungen der Demokraten in der Fassung des Kompromiß» antrags angenommen. Auch § 3 wird bann m der Kornpromihfassung angenommen. Unter ^sb'ehnung sozialdemokratischer und komrnunisti» ,^,-ex Anträge werden auch die §§ 4, 5, 6 und 7 'angenommen.

Vor der Schlußabstimmung gibt Abg. Dr. David (Eoz.) eine Erk ärung der sozialdemo- tratischeu Fraktion ab, in der es heißt: Dor aller Welt wollen wir in diesem letzten Augen­blick noch einmal laut und deutlich feststellen, daß dieses Gesetz in seiner jetzigen Form eine ständige Bedrohung von Literatur und Kunst ist. Eine Mehrheit für dieses Tefetz kann nur zustande kommen, wenn die Vertreter des allen Kulturliberalismus, der seiner Zeit mitgeholfen hat, die Vorgängerin dieses Ge­setzes. die lex Heinze. zu Fall' zu bringen, ihre liberale Tradition Preisgeben. Würde das Gesetz scheitern, so wäre nichts verloren. Der gefährdeten Jugend könnte auf andere und wirk­samere Weise geholfen werden. Wird das Gesetz aber angenommen, so bedeutet der heutige Tag einen schwarzen Tag für die deutsche Kultur.

Abg. Schreck (Soz.) verlangt nunmehr Aussetzung der Schluhabstimmung, bis die Beschlüsse der dritten Lesung, die von denen der zweiten Lesung abweichen, gedruckt vorliegen.

Dieses Verlangen auf Grund des Paragra­phen 46 der Geschäftsordnung wird durch Sozial­demokraten und Kommunisten genügend unter­stützt.

Präsident Loebe stellt dir Schlußabstim- uning zurück, macht aber darauf aufmerksam, daß er Druck und Verteilung sofort veranlassen werde. Wenn sich auch keine Stunde angeben lasse, so würde doch der Abstimmung in dem Augenblick nichts mehr im Wege stehen, wo die Drucksache ferriggestettt sei. Inzwischen ruft der Präsident den nächsten Punkt der Tagesordnung auf: Ge­setzentwurf zur Aenderung der Verord­nung über Erwerbslosenfürsorge.

Reichsarbeitsmini st er Dr. Brauns begründet die Regierungsvorlage. Mit der Ver­lesung dieses Entwurfes löse ich das Versprechen vom 9. November ein Das Gesetz soll klarstellen, daß Bezüge ans der Wochenfürsorge nicht auf die Erwerbslosen sürsorge angerechnet werden können: ferner gibt es die gesetzliche Grundlage für bte Neuordnung der Bedürftigkeitsprüfung. Auße/dem bringt der Entwurf die Erhaltung der Anwartschaft für die Sozialversicherten bei langer Erwerbslosigkeit.

Abg. Brey (0.): Die Sozialdemokraten wür­den heute ihre weitergehendra Forderungen zu- ruckstellen, aber sie würden weiter für diese For­derungen kämpfen. Die Ausführungsbestimmna- gen zur Krisenfürsorge sind geeignet, den ge­ringen Rest von Vertrauen, den die Erwerbs­losen noch zum Arbeitsminister haben, zum Teufel geben zu lassen. Die Maßnahmen für die Er­werbslosen können noch nicht abgeschlossen fein.

, Wir stimmen dem Entwurf zu.

Rach Ablehnung der kommunistischen Anträge wird die Vorlage in erster, zweiter und darauf in dritter Beratung angenommen.

Inzwischen sind die Drucksachen zum Gesetz gegen Schmutz und Schund verteilt worden und es wird nun die namentliche Schluß­abstimmung vorgenommen. Sie ergibt die Annahme der Vorlage mit 250 gegen 158 Stimmen der Sozialdemokraten, Kommunisten und eines Tells der Demokraten bei drei Stimm­enthaltungen.

Das Haus vertagt sich aus Donnerstag, den 9. Dezember. Die Abstimmung über das M.ß- trauensvotum gegen Dr. Külz soll am 10. De­zember erfolgen

Die politischen Folgen der Abstimmung.

Das Echo her Berliner Presse.

Berlin, 4. Dez. (Wolff.) Die Mehcheits- verhällnisse bei der gestrigen Adstunmung im Reichstage über das Gesetz zum Schutze gegen Schmutz und Schund geben den Blättern Ver­anlassung, sich mit der Frage zu beschäftigen, ob die Abstimmung als Symptom zu wer- t e n sei und auf die weitere Oeftaltung der Mehrheitsverbältnisse und damit auf die K o a- litionSbildung einen Einfluß ausüben tonnle. 3m deutlchnationalen «Lok. - An z." beißt eS: Es hat sich wieder herausgestellt, daß eine praktische Zusammenarbeit der Mitte mit der Rechten durchaus möglich ist. DieSägt Rundschau" sagt: Die letzten Tage haben gezeigt, daß auf dem Gebiete der Kultur,ragen eine Verständigung mit der Linken so gut wie ausgeschlossen ist. Es ist jedoch ganz falsch, wenn die demo­kratische und die sozialdemokratische Presse er» klären, daß der Bürgerolock bei den Verhandlungen angestrebt worden sei. DieGermania" nennt die gestrige Ab- ffLminung eine Episode und betont, daß öa- von die Koalition als solche nicht berührt werde. Was hie Abstimmung neu gezeigt hat, ist die Rotwendigkeit, eine Regierung auf fester B asiS zu bi den. Das Berliner Tage­blatt schreibt, daß bas Gesetz auf den schon sichtbaren Weg zur großen Koalition einen schwe­ren Stein gewälzt habe. Aehnlich äußert sich der Vorwärts: In dieser Zeit, in der diestille große Koalltion" eine beliebte Re­

densart der bürgerlichen Presse ist, ist eine Kluft aufgerissen worden, die die Sozial» Demofralie von der M.tte trennt und Die .lu.tcn durch die demokratische Partei hindurchgeht. Der gestrige Tag hat die sozialdemokratische Partei als Opposition gegen den Rechtsblock in glän­zender Stellung gezeigt.

6iit neuer Reichsbahnlouflitt zwischen dem Reich und Preußen.

Berlin, 3. 'Dez. <TÜI.) Der Demokratische Zeitungsdienst veröfsenllicht eine Mittellung von zuständiger Reichsseite. die bestreitet, daß es anläßlich der Auslosung von Witglie- derndesDerwaltungsrates kerReichs­bahn au neuen MeinungSverschiedenhe ten zwi­schen Reich intb Preußen gekommen sei. Rach der Entscheidung der Reichrregierung über die Reubestätigung der bisherigen 2er- waltungSratsmitglieder fcabe der Reichskanzler den preuhiich-rn Mmisterpräsid-rnten sofort unter Hervorhebung der für die Entschei­dung maßgebenden Gesichtspunkte persönlich in Kenntnis gesetzt und zwischen Reich und Preußen bestehe volle Uebereinftim- mung darüber, daß die beiderseitigen «rnftlichrn Bemühungen zur Beseitigung der Meinungsver­schiedenheiten keinerlei Störung erfahren. Von Auftänbiget preußischer Seite wird demgegen­über erklärt, der preußische Ministerpräsident habe sofort nach der Auslosung das Reichs fabinitt davon verständigt, daß Preußen es als selbstverständlich ansehe, daß jetzt fein An­spruch berücksichtigt werde. Ministerpräsi­dent Braun habe vor der entscheidenden Sitzung des Reichskabinetts in seiner ilnterrobung mit dem Reichskanzler Marx ausdrücklich darauf hin­gewiesen, Preußen erwarte mit Bestimmtheit, daß ein von i hm zu benennender Ver­treter, über dessen Person man bestimmt durch Entgegenkommen der preußischen Regierung eine (Einigung erbeten werde, in den Derwaltmrgsrat der Reichsbahn gewählt werde. Preußen müsse eine neuerliche Außerachtlassung seines An­spruches als eine ausgesprochen schwereDer- lehung seiner Interessen betrachten.

Weihnachlsbeihilfe für die Beamten.

Berlin, 4. Dez. (W. T. D. Funkspruch) Bei der gestrigen Beratung mit den Regierungs­parteien über eine Weihnachtsbeih'.lfe für die Beamten, erklärte der Reichsfinanzmini- ft er, daß die Regierung bereit sei, den Grup­pen 1 bis 4 ein Viertel, den Gruppen 5 bis 13 ein Fünftel des Monatsgehaltes, mindestens 30 Marl, höchstens aber 63 Marl, als Weihnachts­beilage zu gewähren. Dazu käme noch eine Frauenzulage von 20 Mark und eine Kinder­zulage von 5 Mari. Der Preußische Fi­nanz m i n i ft e r Dr. H ö p k e r - A s ch d o f s hat einer Abordnung des Preußischen Deamtniöundes erllärt, daß das Preußische Staatsministerium beschlossen habe, der vom Reichssinanzminifter beabsichtigten Regelung über eine einmalige Zu­lage für Beamte beizutreten. Der Minister gab zugleich der Ansicht Ausdruck, daß er glaube, daß er die Aktion so beschleunigen könne, daß die Auszahlung dieser Zulage bestimmt vor Weihnachten erfolgen könne.

Arbeitslosigkeit in Paris.

'Paris, 3. Dez. (WB.) Der Generalsekretär des Allgemeinen Arbeiterverbandes, I o u h a u x. erUärte, nicht nur aus Paris, sondern auch aus der Provinz würden Betriebsstörungen gemeldet. 40 Prozent der in Paris in der Bekleidungs­industrie beschäftigten Arbeiter feien arbeits­los geworden. Unter den in der Schuh-, dev Textil- und Seidenindustrie Beschäf­tigten gebe es Arbeitslose, und die Arbeiter der Pelzwarenindustrie toürben bald folgen. Die Automobilfabriken der Pariser Ge­gend fingen an, einen Teil ihres Personals zu entlassen. Er befürchte, daß die Zahl der Ar­beitslosen bald 200 000 bis 300 000 erreichen werde. Frankreich, als ein Land, in dem eine große Zahl ausländischer Arbeiter leben, befinde sich aus diesem Grunde in einer ungünstigen Lage, denn es könne die ausländischen Arbeiter nicht in ihre Heimat zurücksenden. Eine Lösung der Krise sei in der Ausführung eines bereits vorberei­teten Programms von umfangreichen Arbeiten allgemeinen Interesses zu erblicken, das unver­züglich in Angriff genommen werden könnte.

Frankreichs Mandatspolilik.

Genf, 3. Dez. (TU.) Das Völkerbundssekre- tariat veröffentlicht heute die Stellungnahme Frank­reichs zu den Vorschlägen der Mandatskommission des Völkerbundes entsprechend dem Beschluß des Völkerbundsrates vom September dieses Jahres. Die Rote betont, daß die Mandatsmächte nur dem Völkerbund verantwortlich wären. In keinem Falle dürfe die Mandatskommission als ein internationales Forum ausgefatzt werden, das zwischen der Mandatsmacht und den Ver­tretern der Mandatsgebiete zu entscheiden habe. Die Mandatsmächte könnten niemals eine Kon­trolle durch die Vertreter der Man- dalsgebiete zulassen, in welcher Form dies auch geschehen würde. Die französische Regierung lehnt sowohl aus prinzipiellen, als auch aus politischen Gründen eine direkte Anhörung der Vertreter der Mandatsgebiete durch die Mandatskommission a b.

Der polnische Terror in Ostoberschlesien.

Die Rotte der Htteiwitzer Ausbrecher.

Kattowitz, 4. Dez. (TU.) In Ruda hatten sich am Mittwochnachmittag SU Damen des dortigen deutschen Hilssvereins in einem Lokal zu einer Kaffeetafel zusammengefunden, die trotz ihres guten Zweckes, den Ortsarmen Gelder zuzuführen, infolge des polnischen Terrors einen unerwarteten Ausgang nahm. Vier polnische Aufstän- bische erschienen plötzlich in der Versammlung unb gossen ätzende Flüssigkeit auf die Damen. Gleichzellig wurden von einer andern Seile des Saales Pflaster­steine auf sie geworfen. Die ätzende Säure hat nicht nur die Kleider von 30 Damen vollständig vernichtet, sondern verschiedene haben auch Brandwunden am Körper erlitten. Die Attentäter, die ortsbekannt sind, laufen vollständig unbestraft umher. Unter ihnen befinden sich auch die aus dem Glei- witzer Gefängnis entwichenen Gesan- genen. Die in Kattowitz erscheinende Zeitung des aufständischen Verbandes hat sogar gestern den ge­

nauen Fluchtplan der xdjn entwichenen Gleiwitzer Gefangenen veröffentlicht und dabei rühmend her- oorgehoben. daß es ihnen auf so treffliche Weise gelungen sei, den mittelalterlichen Torturen der deutschen Gefängnisses zu entfliehen. Nach einer Darstellung der Breslauer Kriminalpolizei ist dieser Ausbruch vor langer Zeit von dem wegen Spionage zugunsten Polens inhaftierten Polizeiwachtmeister Hugo Friedberg mit Hilfe von Verwandten vorbereitet worden. Friedberg ist derjenige, der die Schußwaffen in das Gefängnis ein­schmuggeln ließ. Die melieren Vorbereitungen de» ^luchtplans sind alsdann mit anderen Gefangenen besprochen worden. Zunächst befreite sich ein (ge­fangener aus seiner Zelle, schloß dann die Zellentür Friedbergs und sechs anderer Gefangener auf. Diese acht Personen überfielen im Keller die dienst­tuenden zwei Beamten. Da sich der eine Ober. Wachtmeister zur Wehr setzte, wurde er nieder­geschossen, während der zweite überrum­pelt werden konnte. Die Ausbrecher ließen darauf auch andere Gefangene frei, darunter zwei wegen gemeinen Verbrechens bestrafte Brüder die, da sie die Gegend genau kannten, als Führer dienen sollten. Acht Ausbrecher enttarnen über die Grenze, während die anderen wegen Verlegungen d i e Flucht ausgeben mußten

[Rücktritt des Landesdirekwriums in Memel.

Memel, 3. Dez. Der Präsident des Landes» dtrekloriumS, Falk, hat. in Verbindung mti dem Beschluß des Memelländischen Landtages vom 1. Dez., in dem dem Landesdirektorium Falk das Mißtrauen ausgesprochen wird, dem Gou­verneur des Memelgebiets sein Rücktritts- g e s u ch überreicht. Der Gouverneur hat das Ge­such angenommen und den Präsidenten mit der Wetterführung der Geschäfte beauftragt, bis ein neuer Präsident ernannt ist. '

Kleine politische Nachrichten.

Der R eichsprasideut empfing das saarländische Mitglied der Regierungskommission des Saargebietes, K o h m a n n. sowie den deut­schen Gesandten in Santiago de Chile, Graf von S P e e.

Zum Rachfolger des infolge Erreichung der Altersgrenze aus scheidenden Vizepräsidenten des Reichsbankdirektoriums Geh. Oberfinanzrates K a u f f m a i» n wurde das Direktoriumsmitglied Reichsbankdirektor D r e Y s e ernannt.

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3m mecklenburg. Landtag wurden für den kom­munistischen Mißtrauensantrag 24 Stimmen und 26 Stimmen gegen den Antrag abgegeben. Für den Antrag stimmten die Kommunisten, die Deutschnationalen, die Deutsche Vvlkspartei und die Völkischen.

Der Derwaltungsrat der europäischen Zen­trale der (£arnegie^6tif tung in Paris hat beschlossen, den ordentlichen Professor der Han­delshochschule Berlin den Ralionalökonomen und Publizisten Professor Dr. R. 3. Bonn als Delegierten in den Verwaltungsrat zu ernennen. Prof. Dr. Bonn hat die Wahl angenommen.

Der dänische Staatsminister ©tauning überreichte dem König die Demission des Kabinetts. Der König ersuchte das Ministerium, bis zur Bildung des neuen Kabinetts im Amte zu verbleiben. Man erwartet ein Kabinett Mad° sen-Mhgdal, das sich auf die Dauem-Linke unb die Konservativen stützt.

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Chile wird die von Amerika vvrgeschlagene Lösung der Tacna-Arica - Frage annehmen, wonach die strittigen Gebietsteile endgültig Bo­livien zugesprochen werden sollen.

Aus aller Welt.

Schnee im Schwarzwald.

Freiburg, 4. Dez. (WTB. Funkspruch.) Bei einer Temperatur von minus 6 Grad hat es gestern und im Laufe der vergangenen Nacht im Srymarz- malb bis zu 400 Meter hinab erneut geschneit. Der Feldberg meldet eine Schneehöhe bis zu 25 Zenti­meter.

vrlefmarkenfälscher.

Das Freiburger Schüft engeric^ hat sich mit einem großen Driefmarkenfälschungs Prozeß zu be­fassen. Der 29 3ahre alte Chemiker Dr. Hei­lige hatte eine große Zahl falsch gestempeller Marken hergestellt, indem er Briefmarken der früheren deutschen Kolonien in der Südsee m i t falschen Stempeln versah und in den Handel brachte. Das Urteil lautete auf 10 Mo­nate Gefängnis und 10 000 Mark Geldstrafe.

Ein achtjähriger Brandstifter.

Der achtjährige Sohn des Landwirts Aug. Steinhagen in Hohesenne (Lippe) hat beim Spielen mit Streichhölzern das An­wesen seines Vaters in Brand gesteckt. Den, Feuer fielen ein großes Gebäude. Lager und Strohvorräte im Werte von 60 000 Mk. und ein Stallgebäude zum Opfer. Erst nach einigen Stunden bekannte der 3unge, das Brandungllick verschuldet zu haben.

Lin flinb lebendig verbrannt.

3n dem S-ankTuyai v.nacybarteu Kirchheim kam ein sechs 3ahre alles Ki.ib in Abwesenheit der Ellern dem Herde zu nahe, so daß die Kiewer Feuer fingen und das Kind bald vpll- kommen in Flammen stand. Auf die Schmerzens­schreie des Kleinen e.lten Rachbarsleute herbei, die die Flammen durch Hebertetrfen eines Sackes erstickten. Das Kind erlag noch am Abend den erlittenen Verletzung n.

Schwere Zuchthausstrafen für eine Llnbrecherbaudc.

Vor dem Magdeburger Sch-u^e.ia/t hatten sich der Schlosier Kart Pe.ers, der Arbeiter Karl Rachtigall, der Seemann Herbert Koobitsch, die Arbeiter Albert 3ung und Otto Rach.igall aus Schöningen wegen Erschießung des Polizei- betriebsassistenten Hasenjäger zu verantwor­ten. Bei einem versuchten Rachteinbruch dieser Bande im Oktober 1924 war es in Hötens­leben zu einer Schießerei gekommen, bei welcher der Beamte den Lod sand. 3ung, Koobitsch, Karl und Otto Nachtigall erhielten Zucht­hausstrafen von 2 bis 15 3ahren: Peters le benSlän glich es Zuchthaus.

Blrttcrvoraussage.

Bei nördlichen bis westlichen Winden wech­selnd bewöltt. Rückgang der Temperaturen und vorwiegend trocken.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 4. Dezember 1926.

Dom Tragen.

Don Neinhold Braun.

Tragen: Das ist das mütterlichste aller Worte. Liebst du immer nur Behagen, lernst du nie d»e Kunst zu tragen!

Zu den schönsten (Erinnerungen unseres Lebens, soweit sie zurückreichen, gehören doch die, von Mut­ter oder Vater auf den Arm genommen und bann ein Stück getragen worden zu sein! O Kinderwonne! Das Getragenwerden gehört zu dir!

Dann sahen wir wohl auf die Erde meber, wie Stück um Stuck von ihr langsam, geheimnisvoll zu­rückwich. Wir griffen mit Den Armen hinaus in einen Baum oder wollten gar in den Himmel grei- en, hinein in die fließenden Wolken! So nahe wähnten wir uns dem Himmel!

Wir legten auch wohl den Kops dahin, wo Va­ters oder Mutters Herz war und hörten das Pochen? O, wie schön war das, diesem Herzen so nahe zu fein!

Wohl der Seele, die in solchen (Erinnerungen leben darf! 3a, sie sind die reinsten und süßesten. Unb jedem Kinde sollte man sie bereiten! Die fein singt Viktor Blutigen:

..Deck' dein Kind mit Blüten zu!

Dos du ihm an Glück gegeben wiegt vielleicht einmal in Ruf) ihm Den herbsten Schmerz im Leben!" Das rührendste Bild des Tragens ist doch das Kind an der Mutter Brust. Da fühlen wir, wie recht getragen-merben heißt! Ans Herz genommen werden, trinken dürfen durch die Liebe am heiligen Quell. Das Tragen ist erst das rechte, wenn der äußeren Gebärde Die üebeslebenbige innere entspricht! Das äußere ist ja nur Wirkung des Tuns der Seele. Wo das nicht der Fall ist, lügt dein Tragen

Denn hu ein Kind Io recht von Herzen trägst, dann schenkst bu ihm Eesühlskräste in ole Seele, mehr als bu ahnst. Noch sind sie Keime: ober einst werden sie segnende Frucht fein. Ein Kind muß fühlen oder wenigstens ahnen, wie schön es ist, ge­tragen zu werden!

Wie glücklich macht es uns, wenn ein Kind hin­auflangt unb ftammelnb bittet:Arm! Arm!" Da« ist Menschensehnsucht vielleicht in der reinsten, rüh- renbsten Art!

Dann später beginnt bas Tragen mit dem Her­zen nur. Das muß dann weiter m dem Kinde be­wußt werden, immer tiefer und beglückender:Vater und Mutter tragen mich!" Wenn wir durch unsere Liede unb ledes kleinste Tun dies Bewußtsein in unser Kind pflanzen, bann haben mir ihm eine stille, große Macht in die Seele geliebt, cs bewahrend vor vielem, es hinwegtragend über manche Klivpe. Denn das Tragen der reinen Güte macht gut und stark.

Und dann dasAuf Händen tragen". Warum nicht auf den Armen tragen! Nein, es soll gesagt werden: ,Hch trage dich mit meinem pulsenden Her­zen, mit meinem ganzen Gesühle!" Denn in den Händen liegt ein gut Stück der Lebendigkeit des Herzens und des Gefühls.

Es ist etwas feierliches um das Tragen! Wie be­hutsam gehl eine Mutter ober ein Vater, der ein Kind trägt. Das ist der Schritt der Bsrantworknig, der Reife, des reinen Glückes, oder, wenn ten Kind krank ist, der schmerzensreichen Mutter- oder Vater- feele. Man trägt ein Lebendiges, fein Liebstes: man trägt ein Wesen. Alles ist die zarteste Behutsamkeit!

Wenn die Menschen mit Bewußtsein mehr Kin­der eigene unb fremde, auf dem Arme trügen, sie mürben besser! Tragen heißt: glücklich machen mol- len! Auch im Kleinsten eine Seele hineinheben ins Licht!

Wer reif roerben will zu der Stunft des Tragens mit dem Herzen, der muh sich selber tragen lassen von (Bott, Ewigkeit wie ihrs nennen wollt! Er muh sich tragen lassen von den Gnaden einer hohen Stunde, eines großen Erlebnisses!

9n. der Not wirb es bann offenbar werben, ob du solches tatest, und es wird sich zeigen, ob du zu tragen weiht. Auch wenn dich Not selber schlug. Wo Dunkel ist, sei du das Licht: wo Wirbel tosen, sei bu die Ruhe der tragenden Liebe!

Wie bu mit Liebe zu tragen muhtest, so mtrbe dich bann einst selbei tragen ins Unerforschte. Über voll Weisheit wirst du sprechen:Wohin es mich trägt, es wird gut fein!"

Die Benutzung der Kraflposten im Bezirk Gietzen.

Welche hohe Bedeutung das firaftpoftmefen für die Befriedigung ber Derkehrsbebürfnifse zwischen Stadt und Land hat, ist aus den Frequenzzisfern der beiden Kraftpostlinien im Gie­ßener Wirtschastsbezirk eindrucksvoll zu ersehen. Seit dem Bestehen dieser beiden Kraftpostbetriebe wurden befördert:

auf der Linie GießenKrofdorfFellingshausen: in der Zeit vom 17.28. Februar 4 829 Personen

März 16 327

April 14 226

SJlai 15 270

Juni 12 145

Juli 14 370

August 16 782

September 14 546

Oktober 15 699

November 20 032

auf der Linie GfehrnHochelheimTUederkleeN?

In der Zeil vorn 8.31. August

2 738 Personen

September

3 441

Oktober

4 229

November

5 778

Bornotizen.

Tageskalender sür Samstag. Biochemischer Berein: 8 älhr. 6aal des früheren HotelsGroßherzog" Lichtbildervortrag. Ru. derklub ,Hc.ssia": 8*/3 tthc. Bootshaus, Mit- glieder-Dersammlung. Garl:everein: 8','- tthr. Eisenbahnhotel .Hopseid". KameradschaftZabend. ArtUlerie-Verein: 8/e Uhr. VereinSlokatt Monatsversammlung. UZer: 8 tthr. .Haber- kaften", Monatsversammlung. 222er: 8 Hör. DchüheuhauS, Feier. (Beflügel- und Vogel- zucht-Vecein: 8 Uhr. .Psälzer Hof", Monats­versammlung. - Lichtspielhaus Bahnhofstraße: Kreuzzug des Weibes". Pnlastlichtspiele

Soiimaasdieuü o. .lernte n. üuotoeCe i n. 1L 6 Dr. Bloch. Dr Meueiboff Lngclavoibeke. Zahnarzt: P> Raubach"D

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