Deutsche Erfolge beim FrauensporLsest in Paris.
3m Stadion Pershing fand gestern „ nachmittag ein internationales Zrauen-Sportsest statt, an dein aus'er hannÖlifüxii 1 ar "'.e schwedische und tschechoslowakische Vertreterinnen toilnahmen.
3m Gewichtstoßen belegte Frl. H c n o ch (Deutschland) mit 9,96 Meter den zweiten Platz vor Morris (Frankreich) mit 10,045 Rketer, 3. Frl. Hau? (Deutschland, Frankfurt a. M.) mit 9,50 Meter.
100-Meter-Laus: 1. Edwards (Engtanb) 12J s Sek.. 3. Wittmann (Deutschland), 5. Voß (Deutschland).
Hochsprung: 1. Frl. Vredow (Deutschland) 1,43 Meter. _ ,
200-Meter-Lous: 1 Frl. Edwards (England) 26 Sek., 3. Frl. Hau? (Deutschland).
Diskuswerfen: 1. Frl. Reuter (Deutschland) 35,75 Meter.
leOO-Metec-Laus: 1. Seidel) (England), 4. Wewer iDeutschland), 5. Lingner (Deutschland). _ , , „
4; '100 Meter-Stasette: 1. D e u t s ch e M a nn- schaft 50', . Sek., 2. Französische Mannschaft 1 Meter zurück.
Speerwerfen: 1. Frl. Hau? (Deutschland) 30,68 Meter vor Warmer (Frankreich) 28.07 Meter, 4. Voß (Deutschland) 25,61 Meter.
Um die deutsche Schwergewichts-Meisterschaft.
Die Vollversammlung der Boxsport-Behörde Deutschlands faßte am 1. Oktober folgenden Beschluß : Der Kampf um die deutsche Schwer - gewichts - Meisterschaft wird zwischen Hans Breiten st räter und Ludwig H a Y - mann als fc-em nach Samsons Ausscheiden bestqualisizierten Anwärter ausgetragrn. Der Kampf findet am 16. Oktober in .der Westsalew halle in' Dortmund statt. Unmittelbar nach diesem Kampf werden neue Ausscheidungen im Schwergewicht ausgeschrieben. Davon unabhängig wird Franz Diener das Recht zugebilligt, nach seiner Rückkehr aus Amerika mit dem derzeitigen Titelhalter um den Titel zu kämpfen.
Radrennen in Köln.
Auf der Radrennbahn im Kölner Stadion kam am gestrigen Sonntag im Rahmen der Morgen'oeranstaltung der Zweikampf Oszmella — Frrcke zum Austrag^ 3n zwei Läufen behielt Oszmella mit 1 Länge Vorsprung die Oberhand über. Fricke. 3m Verfolgungsrennen gewann Fricke vor Huertgen Oszmella und Schott. Frick stellte außerdem noch einen neuen Bahnrekord über eine Runde (400 Meter) in 25,2 Sek. auf
Feldbergrennen im Taunus.
Als Abschluß dec diesjährigen Rennsaison veranstaltete der Gau II l a des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (A. D. A. C.) am gestrigen Sonntag sein bekanntes Feldberg- Re nnen. Schon am frühen Morgen strömte Tausende von Reugierigen und Sportlustigen nach den Taunushöhen. Die Straßenböschungen waren dicht besetzt: besonders aber an den Kurven hatten sich die Mengen postiert. Auch der Wettergotl war den Fahrern hold gesinnt.
Obwohl die Straße erst vor kurzem instand gesetzt worden war, war sie doch durch den voraufgegangenen Regen in schlüpfrigem Zustand. Es waren daher an die Fahrer die größten Anforderungen gestellt. Wie vorauszusehen war, ereigneten sich auch einige Anfälle, die glücklicherweise jedoch ziemlich glimpflich abliefen. H. Keilholz-Leipzig auf Bugatti stürzte lurz hinter dem Ziel mit seinem Wagen in vollem Tempo in den Graben und zog sich dabei eine Gesichtsverlehung und eine Verletzung des Armes zu. Zum Glück war an dieser Stelle die Straße von Zuschauern frei: ein großes Anglück wäre sonst unvermeidbar gewesen. Otto Glöckler auf Hanomag geriet beim Rehmen einer Kurve ebenfalls in den Straßengraben und überschlug sich, ohne jedoch Schaden zu nehmen. F. Zwermann- Waldfriede auf Güldner kam mit seinem Rade ins Rutschen, überschlug sich und landete an einem Vaum. Die Maschine wurde zertrümmert, während der Fahrer mit einigen kleinen Schrammen davonkam.
Die besten Zeiten von den Motorrädern fuhren Hhronimus - Erlangen auf
Das grotze Würfelspiel.
(Martina Wilemar.)
Roman von Franz I a d e r Kappus.
6. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Wie einem Kinde sprach er ihr zu. Jeden Tag wollte er ihr schreiben, jeden zweiten Tag telegraphieren. Die Depeschenboten sollten zu tun bekommen.
„Und du wirst dich nicht verlieren?"
„Wie meinst du das, Liebes?"
„Grauenvoll", sagte Martina und schüttelte sich. „Grauenvoll stelle ich mir so einen Herrn Schwarzkopf vor."
Benno lachte selbstsicher.
„Wenn er es zu bunt treibt, lasse ich ihn im stich." Unvermittelt sprang er auf Martina über. „Und du?"
Martina erzählte von ihren Fortschritten im Kurs. Sie habe auch schon eine Stelle in Aussicht: bei einer Holzindustrie A.-G. in der Schützenstraße. Dafür habe der Direktor gesorgt. Immer würden die besten Schüler von der Anstalt selbst untergebracht. „Zu Neujahr soll ich den Posten antreten. Wenn es nur schon Neujahr wäre." Dichter rückte Martina an Benno heran.
Lange blickten die zwei einander in die Augen.
Ringsum wechselten die Gäste, lärmende und leise Musik scholl, eifrig kamen und gingen die Kellner.
Kreuth zog die Uhr. Seine Hände bebten. Brüchig klang seine Stimme: „Halb sechs. Wir können hier nicht ewig sitzen."
Martina schwieg.
„Zahlen!" rief Benno.
Draußen schlug der Novemberabend den beiden in das Antlitz. Wässeriger Schnee planschte unter den Füßen.
Zweimal gingen sie den Weg bis zum Kaiservlatz und wieder zurück. Dan roarf Martina die Arms um seinen Nacken. „Leb' wohl. Vergiß mich nicht." Sie war bleich wie eine Tote.
„Leb' wohl, Martina."
V.
„Haben Sie alles, Nettelbeck?" fragte Carsten. Bei jedem Wort pochte er mit dem Finger auf die
Der Sternhimmel im Oktober
(Rachdruck verboten.) Sonnenaufgang von 6 bis 6.55 Ahr. Sonnenuntergang von 5,40 bis 4.30 Ahr.
Lichtgeftalten des Mondes: 1. Viertel am 14., 3 Ahr nachin., Vollmond am 21., 6 Ahr nachnp, 3. Viertel am 28.. nachm.
„Der Rebel steigt, cs fällt das Laub" singt Storm in seinem Oktoberlicd: die obigen Zahlen zeigen, daß die Sonne am Schluß des Monats nur noch 91 Stunden über, affo 141 . Stunden unter dem Horizont weilt. Auch die Dämmerung
Don den Wandelsternen erstrahlt der Jupiter noch fast so schön wie im September, während der Mars an Helligkeit weiter zu nimmt. Der seine Bewegungen im Vormonat verfolgt hat, wird bemerten, daß er nun „rückläufig" ist und sich von keit Plcjaden im Stier, denen er sich im September näherte nunmehr wieder entfernt. Die Rückläufigkeit hat denselben Grund wie die Täuschung, bei bet sich ein langsamer fahrender Zug rückwärts zu bewegen scheint, wenn wir selbst im Schnellzug vorübereilen. Der Durchmesser der Marsicheibe ist aus etwas über 20 Dogensekunden
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Der die Stundenzahlen enthaltende Kreit und die dick punktierte Linie, der sogenannte Horizont, sind feststehend zu denken. Der Sternhimmel dreht sich samt dem damit verbundenen, durch Mitternacht gezeichneten Pfeil — gewissermaßen dem Zeiger der Himmelsuhr — in h Minuten weniger als 24 Stunden im Sinne des durch 12 Uhr mittags gezeichneten Pfeils einmal um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont bildet ein Fenster, das die um Mitternacht der Monafsmitte sichtbaren Sterne umschließt. Will man zu einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel so gedreht, daß der durch Mitternacht gezeichnete, milzudrehende Pfeil nunmehr durch die Beobachtungsslunde geht, wodurch dann die zu dieser Zeit sichtbaren Sterne in den nicht mitzudrehenden Horizont hineingedreht werden. Für je 5 Tage Vor der Monatsmitte ist der Sternhimmel um '/j Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monatsmitte um Stunde später einzustellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellungen ein, wenn er die an gedeutete Licht gestalt zeigt.
ist in diesem Monat besonders kürz: immerhin beträgt die Dauer der Helligkeit nach Sonnenuntergang und vor Sonnenaufgang noch etwa 40 Minuten.
Am Firsternhimmel ist vor allem das Verschwinden des Arktur in der Verlängerung der Deichselsterne des Himmelswagens im Großen Bären, das zu Beginn des Monats um Vs9, gegen Ende um i/37 Ahr im Rordwesten cintritt, und der Aufgang des Orion im Osten zu Beginn kurz vor Mitternacht und gegen Ende etwas vor 10 Ahr bemerkenswert. Auch auf den Fomalhaut im südlichen Fisch, den südlichsten der bei uns sichtbaren Fixsterne, sei aufmerksam gemacht.
angewachsen, d. h. er ist etwa so groß wie ein Millimeter aus einer Entfernung von 10 Meter betrachtet erscheint. Der Durchmesser des 3upiter ist freilich beinahe doppelt so groß, trotzdem seine (Entfernung zur Zeit etwa zehnmal so groß ist wie die unseres rötlichen Rachbarplaneten. Von den anderen Wandelsternen ist nur der Saturn sichtbar, der tief im Südwesten steht, wo er allmählich vom Sternbild der Wage in das des Skorpions hinüberwandert, freilich ohne — wenigstens für den irdischen Beobachter — seine Ankunft zu erleben: Denn mittlerweile verschlingen ihn die Strahlen der von Westen heran- nahenden Abendsonne. Küstermann.
Ernst Mag in 6:11:0, K. Eickelmann- Wiesbaden auf Ariel in 6:12:0 und Glöckler- Frankfurt a. M. auf Rorton in 6:13:3, die der Motorräder mit Seitenwagen Fritz P ullig -> Frankfurt auf Güldner in 7:38:3, K. En gel- Griesheim a. M. auf D. S. A. in 7:44:1, und die der Cyclecars W. Schwartz auf Diabolo in 7:44:4.
Die beste Zeit der S p o r t to a g e n hatte P. v. Guillaume -Berlin auf Stehr mit 5:56:3, die beste Zeit der Rennwagen G. Kim- p e l - Ludwigshafen auf Bugatti mit 5:13:3 zu verzeichnen. Kimpel hat somit den vorjährigen Bahnrekord für Rennwagen von 5:25:0 geschlagen. H. Heuher -Klein-Schmalkalden auf Steyr, der vier 3ahre lang den Bahnrekord gehalten hat, muhte sich somit geschlagen geben.
Schreibtischplatte. „Spätestens morgen müssen die Briefe hinaus."
Der junge Mensch starrte auf das Stenogramm in seiner Hand. Immer röter war sein schmales, eingefallenes Gesicht geworden. Nach einer Weile sagte er kopfschüttelnd: „Verzeihung, Herr Carsten: aber vielleicht reicht mein Verstand nicht so weit. Diese Briefe sollen hinaus? Alle diese Briefe?"
„Sind sie nicht deutlich genug?"
„Doch, doch", nickte Nettelbeck. „Vielleicht zu deutlich. Vielleicht kann ich eben deshalb nicht mit."
Langsam erhob sich Carsten. Mit stampfenden Schritten ging er auf und nieder.
„Ich will Ihnen etwas verraten, Nettelbeck. Das muß herunter von mir. Das drückt mich sonst tot. Ich kann so nicht weiter. Ich will Luft haben, Luft." Beide Arme reckte ev zur Decke.
„Es wird einen Aufruhr geben", sprach Nettelbeck vorsichtig. „In der Bodenbank, in der Baugesellschaft, in der Terag. Niemand wird begreifen, warum Sie auf einmal ausscheiden wollen. Dazu werfen Sie alle Aktien auf den Markt: eine Katastrophe für Sie und die anderen. Verzeihung, Herr Carsten: vielleicht wird man Sie auch für verrückt halten."
„Weil ich zur Vernunft gekommen bin?"
Nettelbeck schluckte. Alle Worte waren versiegt.
In der Tür stieß er mit Fräulein Haunold zusammen.
„Eine Dame", meldete das Fräulein.
Lange betrachtete Carsten die Visitenkarte. „Bitte", sagte er dann und fuhr sich mit beiden Händen über das Antlitz.
Einen Augenblick später stand Julie Wilemar vor Carsten. Auf den ersten Blick erkannte er sie. Dennoch war er wie versteinert. .Lweiundzwanzig Jahre", murmelte er. Er konnte es nicht glauben, daß das schon so lange her war. Wieder griff er sich an die Stirne.
„Bitte", sprach er mühsam und wies auf, den Klubsessel. „Ist ein Wunder geschehen oder —"
„Sein Wunder", lächelte Julie. „Es gibt keine Wunder in dieser Zeit." Sie schwieg und senkte die Lider. Sie fand den Mann auch nicht sehr verändert. Nur sein Blick war ein anderer geworden. Es schien, als glitte dieser Blick an ollen Dingen vorbei.
Carsten erriet ihre Gedanken.
Preußen.
Kreis Marburg.
sch. Marburg, 3. Oft. Die Jahresversammlung des Haupt Vereins des Evan gelischcn Bundes für Kurhessen 'und Waldeck wird hier in der Zeit vorn 9. bis 11. Oktober tagen. Am Sonntag, 10. Oktober, vorm. predigt in der Pfarrkirche Hofprediger D. Doehring-Berlin, nachmittags sprechen in einer öffentlichen Versammlung in den Stadtsälen Prälat D. Dr. Diehl- Darmstadt über „Evangelische Bewegung und Reformation in der Landgrafschaft Hessen" und Pfarrer Zinnecker- Böhmen über „Die Lage der deutschen evangelischen Gemeinden in Böhmen". 3m gleichen Saale spricht abends Hofprediger D. Doehring über
„Das kommt davon", sagte er. „Aber: mir dürfen nicht verzweifeln. Ich will es wieder lernen, den Menschen in die Augen zu schauen."
„Oh", machte Julie. „Warum sprechen Sie so bitter über sich, Bernhard Carsten? Keiner ist schlechter als der andere. Wir alle wehren uns nur. Bloß die Waffen sind verschieden."
Jetzt lächelte auch Carsten.
„Hoffentlich haben Sie sich erfolgreich gewehrt, Julie. Sie sehen blendend aus. Ist es Ihnen immer gut gegangen?"
„Es kam, wie es mußte. Bald waren wir oben, bald unten."
„Und jetzt?"
„Unten, Bernhard Carsten. Ganz unten."
Das Gesicht des Mannes zog sich zusammen. Wieder jemand, der nur zu seinem Gelds kam, dachte Carsten. Der Mensch zählte ja nicht. Der Mensch lag auf dem Boden, plattgedrückt von seinem Gelde.
Schuldbewußt versicherte Julie:
„Sie sollen mich nicht mißverstehen. Ich denke sehr oft an Sie. Selbst sorgen Sie ja dafür: fast jeden Tag steht Ihr Name in der Zeitung. Jetzt waren Sie in London, voriges Jahr in Amerika: ich weiß alles."
„Alles?"
„Vielleicht. Ich knüpfe immer an den an, den ich vor vielen Jahren kannte."
Carsten starrte auf den Teppich. „Ein anderer sitzt da." Lange blieb es still. Wie ein Stöhnen war das Ticken der Standuhr in der Ecke. Immer pei- lügender wurde das Schweigen.
„Also ganz unten?" fragte Carsten, ohne aufzublicken. „Merkwürdig. Er hatte ja so schöne Aussichten, der Herrr Architekt. Viel schönere als ich. Hätte ich sein Diplom gehabt, seine Verwandtschaft: wer weiß. Alles wäre anders gekommen. Bei mir wenigstens."
„Auch bei mir", sprach Julie einfach.
Wieder sann Carsten vor sich hin.
„Oder irre ich? Ist es nicht nur die Erinnerung an dieses eine Jahr, die mich umnebelt? Eigentlich sollte man Erinnerungen wegwischen können, wegwischen wie mit einem Schwamm. Vielleicht wären dann weniger Enttäuschte, weniger Unzufriedene auf der Wett."
Plötzlich glänzten die Augen Jyttes.
„Luther und die deutsche Volksseele". Montag vormittag findet im Phittppshaus ein Vortrag des Hofpredigcrs D. Doehring statt über „Die konfessionelle Lage".
|| Marburg, 3. Olt. Am Freilag rutschte ein nui dem Dache eines hiesigen Instituts beschäftigter junger Klempner aus und stürzte ab. Beim Fallen klammerte er sich in halber Höhe an einer vorstehenden Gerüst st ange fest und konnte so, mit dem Kopfe nach unten hängend, gerettet werden.
" Marburg. 2. Olt. 3n manchen Gemeinden des Kreises Marburg ist die Gern ü t* lieb leit nicht z u Hause, wenn KirmeS gefeiert oder aus einem sonstigen Anlaß der Becher stärker kreist und das Tanzbein flott geschwungen wird. Rauhbeine führen dann das Regiment, und das Messer oder ein handfester Prügel sind ihre Instrumente, ohne deren Betätigung sic nicht feiern können. Die Sache muh recht bedenkliche Jornten angenommen haben, sonst wurde sich der Land- r o t des Kreises Marburg, Schwebet, nicht zu der folgenbeu Ankündigung in der Presse des Kreises entschlossen haben: „Zur Warnung. 3n der letzten Zeit ist es in verschiedene Gemeinden des hiesigen Kreises gelegentlich der Kirmes und sonstigen öffentlichen Tanzlustbarkeiten zu schweren Messerstech e r e i e n..sowie zu Bedrohungen und selbst zu schwerem Widerstand gegen die Aur Aeberwachung der Veranstaltungen iomman- dierten Landjägerbeamten gekommen. Diese bedauerlichen, meiftend auf bestimmte einzelne Raufbolde zurückgeführten Vorkommnisse geben mir Veranlassung, bis zum Inkrafttreten einer bereits vorbereiteten, z. Z. dem Kreisauvschuß zur Zustimmung vorliegenden Polizeiverordnung, betr. Raufbolde, die öffentlichen Tanz- lustbarkeiten einschl. der Kirmesver- anst alt ungen weitestgehend einzuschränken. Rach dieser in Kürze in Kraft tretenden Polizeiverordnung werden Personen, die offenkundig zu Gewalttätigkeiten neigen oder die sich bei öffentlichen Tanzlustbarkeiten oder ähnlichen Veranstaltungen nicht richtig zu verhalten pflegen (Raufbolde), in eine bei der Ortspolizeibehörde ihres Aufenthaltsortes zu führende Liste (R a u f b o l d l i st e) eingetragen Diesen Personen ist alsdann der Aufenthalt in sämtlichen öffentlichen Lokalen des Kreises, in welchen öffentliche Tanzlustbarkeiten pp. stattfinden, verboten. Erst wenn diese Verordnung in Kraft getreten und damit der für die gesamte Bevölkerung notwendige Schutz gegen Messerstecher und und Raufbolde erreicht ist. kann ich der Frage der Erteilung der Zustimmung zur Abhaltung öffentlicher Tanzlustbarkeiten in dem bisher üblichen Umfange wieder näher treten. Gleichzeitig bringe ich zur allgemeinen Kenntnis, daß ich alle in Frage kommenden Gerichtsbehörden gebeten habe, gegen Messerhelden und Raufbolde und gegen alle des Widerstandes imb Angriffs auf Polizeibeamte schuldigen Personen mit aller Strenge des Gesetzes vorzugehen. 3m übrigen erwarte ich auch von den Wirten und den Besuchern öffentlicher Tanzlustbarkeiten, daß sie ihrerseits zur Unschädlichmachung von Raufbolden beitragen. Gegen Wirte, die die ihnen obliegenden Pflichten vernachlässigen, werde ich außer der Herbeiführung empfindlicher Bestrafungen das Konzessionsentziehungsverfahren einleiten."
Maingau.
WSN. Frankfurt a. M„ 3. Oft. Am Frei- tagnachmittaa gegen 6 Uhr wurde auf der Bergerstraße ein 12jähriger Schüler von einem Personenkraftwagen überfahren und schwer verletzt. Der Wagenführer brachte den Verletzten nach dem Bethanien-Krankenhaus, wo er kurz nach der Einlieferung verstarb.
WSR. Höchst a. M., 2. Oft. 3n der gestrigen Stadtverordnetenversammlung wurde der Vertrag, nach welchem die Stadt Höchst in Zukunft von dem Frankfurter Wasserwerk in Hattersheim mit Wasser versorgt wird, endgülttg gutgeheißen. Sobald der Vertrag wirksam wird, muß die Stadt Höchst den Betrieb ihres eigenen Wasserwerks einstellen. — 3m Vorort Unter-Liederbach stürzte gestern der Dachdeckcrgefette Moll während der Ausübung seines Berufes von einem etwa 20 Meter hohen Hause ab. Er mußte mit schweren inneren und äußeren Verletzungen im Krankenhaus eingeliefert werden.
„Die Erinnerung, an dieses Jahr: ich gebe sie nicht her."
„Sie waren sehr jung, standen das erstemal auf der Bühne —"
„Wir liebten einander, Bernhard Carsten!"
Als ob ihm der Raum zu eng würde, blickte Carsten nach allen Seiten. Dann stand er auf, ging im Bogen um den Schreibtisch und rückte ein Bild an der Wand zurecht. Mit dem Antlitz gegen die Tapete sagte er leise und beinahe zischend: „Es war ein Rausch, ein Wahnsinn. Was sollte nach dem Wahnsinn noch kommen?" Jäh drehte er sich um. Geschwollen lagen die Adern an seinen Schläfen. „Welche Frau hätte nach dir kommen können, Julie?" Sein Kopf fiel herab. Und dieses Weib sah jetzt da, überlegte er. Ganz nahe und doch getrennt durch Wetten. Zweiundzwanzig Jahre seines und ihres Lebens: zwei dicke Bücher, vollgeschrieben mit verschiedenen Text. Was wollte er von ihr?
Schrill für Schritt ging Carsten zu seinem Platz am Schreibtisch zurück. Als er wieder saß, sagte er: „Sie brauchen Geld. Sie sollen es haben." Ein Fremder hatte die Worte gesprochen.
Rettung! jubelte es in Julie. Aber nur eine Sekunde währte die Seligkeit. Verkniffen waren die Züge Carstens. Unstet strichen seine Blicke umher.
„Nicht für mich", sprach Julie.
„Haben Sie Kinder?"
„Zwei Töchter."
Abermals schien es, als erhellten sich Carstens Mienen. Warm fragte er: „Für die Töchter also? Oder für eine von den zweien? Weil sie heiraten will oder studieren?"
„Auch nicht für die Töchter, Bernhard Carsten." „Sondern?"
„Für die Firma."
Carsten nahm den bronzenen Briefbeschwerer vom Tisch und betrachtete ihn tion allen Seiten.
„Was ist das für eine Firma?"
„Die Firma .Wilemar & Co/ Das Export- und Importgeschäft meines Mannes." Geläufig berichtete Julie, welche Bewandtnis es damit hatte. Wie so viele andere, hatte auch Ernst Wilemar nach dem Umsturz umgesattelt. Da nirgends gebaut wurde, hätte er als Architekt verhungern müssen. So gründete er das Geschäft, und das Geschäft ging gut „Besonders zur Zeit der Inflation —
(Fortsetzung folgt)


