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hammedanern gestattet, bie Hinbus, auch ben Hindus, die Mohammedaner mit Gewalt zu be­kehren, der also die Feindschaft zwischen ben beiden Relegionen, die nebeneinander nicht fried­lich leben können, zu einem Dauerelemente des indischen Lebens machte.

Die Bestrebungen, die eine oder andere Reli­gion zur alleinherrschenden in Indien zu machen, sind aber nie ganz ausgestorben und viele Kra­walle und blutige Aufstände sind das Zeichen dieses ewigen Kampfes der Götter gewesen. Je­doch zeigten sich diese Flammcnzeichen am politi­schen Horizonte immer nur, weim das Land be­sonders erregt war. oder wenn der Respekt vor der Regierung nachlieft. Ganz Unrecht haben die Engländer also nicht, toeirn sie die letzteren Unruhen auf die Machenschaften der Swara-

liften zurückführen oder zum mindesten in ihrer Propaganda gegen die Regierung die eine der Ursachen für die Ereignisse in Kalkutta sehen. Die Aktion Ghandis, der wiederholt eine Ver­söhnung zwischen Hindu und Moslem zustande $u bringen versuchte, hatte ja eben die nur in Indien verständliche Folge, daß diereaktio­nären" Elemente auf beiden Seiten, die Mis­sionsbewegungen wieder in Gang sehen, weil sie befürchteten, daß eine Aussöhnung die Stellung der Religion untergraben würde. Die Sadhi- Bewegung, die unter den Muslim Propaganda treibt, und die Tanzim oder Tabligh-Dewegung, die die Hindus zu Mohammedanern machen möchten, verdanken geradezu den Versöhnungs- Versuchen der Swarajisten ihr Wiederauferstehen weil eben in Indien die Religion noch wich­

tiger ist als das Vaterland, und jeder Versuch zur Unterhöhlung der Stellung der Religion von ihr mit blutigem Bekehrungsgegenangriff beantwortet wird. Auch ohne englisches Zutun.

Die Unmöglichkeit der Einigung Indiens zu einheitlichem politischen Wollen ist daher zwar die Hauptstütze der englischen Herrschaft, aber die Schlägereien zwischeii Hindu und Muslim, oder gar der Religionskrieg sind es nicht. Denn der entfesselt Kräfte, die keine Macht zu bändigen vermag. Deshalb sind die einsichtigen Engländer hier im Lande auch von den Unruhen keines­wegs entzückt. Sie sehen in ihnen nur ein Zeichen, daft man ihre Herrschaft nicht mehr für starr genug hält, um den Religionskampf länger zu verhindern trotzdem dieser zugleich die Swarajisten zu spalten droht.

Studentenschaft bet Deutschen Hochschule für Lei­besübungen an die Technische Hochschule Braun­schweig und die Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin. Zu Grunde lag der Wunsch, eine in or­ganisatorischer sowohl wie in sportlicher Hinsicht vorbildliche Veranstaltung durchzuführen. Außer­dem sollte sie werbenden Charakter haben ftir die Schüler der höheren Lehranstalten.

Bei aller Anerkennung der in der Hochschul­sportbewegung bisher gemachten Fortschritte muh gerade im Interesse dieser Bewegung gesagt wer- den, daft die Veranstaltung diese an sie gestellten Voraussetzungen nicht erfüllte. Der Besuch war mähig, die Abwicklung ohne den rechten Schwung. Diese Tatsache ist um so mehr verwunderlich, als sich unter den Teilnehmern zahlreiche Kräfte be­fanden, deren Ramen weit über den Rahmen deS Hochschulsports hinaus bekannt sind. Die Leistun­gen waren im allgemeinen recht ansprechend, wenn auch der Ausfall des. Fuhballspiels Uni­versität-Berlin gegen Deutsche Hochschule für Leibesübungen enttäuschte. Wo aber waren die weit über 12 000 immatrikulierten Berliner 6tu-

Turnen, Sport und Spiel.

Leibesübungen im Haufe.

Der Kampf ums Dasein braucht starke, ge­sunde und kampfbereite Naturen. Wer mit schwächlichem oder krankem Körper ins öffentliche Leben hinaustritt, kann nicht bestehen. Leibes­übungen haben sich als das geeignete Mittel erwiesen, alle Volksschichten zur Gesundung zu führen. Körperpflege hat jedoch das ist gleichzeitig erkannt worden nur dann einen wirklichen Wert, wenn sie regelmäßig betrieben wird, und der Nutzen wird wesentlich erhöht, wenn körperliche Betätigung und das Verständnis dafür schon von früher Jugend an auögeübt und eingepflanzt werden

Leibesübungen können nicht nur auf dem Spielplatz und in der Halle betrieben werden, obwohl sie dort naturgemäß am vorteilhaftesten zur Auswirkung kommen, sondern oft werben es allerhand Umstände notwendig machen, sie im Hause auszuüben. Das kommt für viele Erwach­sene in Betracht, die durch berufliche Tätigkeit daran verhindert sind, sich irgend einem Verein anzuschlieften, oder für die Mütter, denen die Hausarbeit und die Beaufsichtigung kleinerer Kinder nicht die Möglichkeit zum Fernbieiben vorn Hause läßt, und schließlich für diese Kinder selbst, soweit sie noch nicht zur Schule gehen, oder in den allerersten Schuljahren, wo der Turnunter­richt eigentlich nur als Spiel durchgeführt wird. Leibesübungen im Hause find demgemäß auch kein Turnen ober Sport im Hause, wie wir es in der Schule kennen, und wie es in der Halle und auf dem Sportplatz betrieben wird, sondern sie sollen für die Kinder nur der Weg sein, sie zu freudigen Anhängern täglicher Körperpflege zu machen, für die Erwachsenen die notwendige Ausgleichsarbeit gegenüber den mannigfachen Schädigungen des tagtäglichen, insbesondere des beruflichen Lebens.

Es ist vielen Eltern nicht bekannt, daft ihren Kindern eine unter fachmännischer Aufsicht ge­übte körperliche Erziehung nottut, und gerade in den wohlhabenderen Kreisen fehlt es vielfach daran. Diesen Kindern wird ja meist jede Ar­beit durch das Kindermädchen oder andere Be­dienung abgenommen, sie werden verzogen und lernen nicht, ihren Kprper richtig und praktisch zu gebrauchen. Das ist auch erklärlich, wenn man bedenft, dah solche Kinder meist zuartigen" Menschen erzogen werden, die stets hübsch zu Hause bleiben müssen und nicht aus der Strafte umhertollen dürfen, weil dasein feiner Junge nicht tut. So werden sie ungeschickt und blei­ben es ihr ganzes Leben lang, wenn sie nicht später aus Eigenem zur Einsicht kommen, was an ihnen durch eine falsche Erziehung gesündigt worden ist. Da viele Eltern ihre Kinder auch nur selten unbekleidet sehen, können sie körper­liche Schäden nicht feststellen, um so weniger, als ihnen meist auch die Fähigkeit dazu fehlt. So sind sie dann erstaunt, wenn sie durch den Turnlehrer auf Körperfehler aufmerksam ge­macht werden. Deshalb ist es Pflicht der Eltern, wo es irgend möglich ist, ihren Kindern im Hause auch Unterricht in der Körpererziehung zuteil werden zu lassen, gerade so. wie man es für die Nachhilfe in wissenschaftlichen Fächern ja schon vollkommen gewohnt ist. Lind wo dieser Turnunterricht nicht durch einen Lehrer erteilt werden kann, weil vielleicht die Mittel dazu fehlen, dort müssen die Eltern oder älteren Ge­schwister und zwar auch zu ihrem eigenen Vorteil sich dieser Mühe, wenn man das überhaupt so nennen darf, unterziehen.

Wie soll denn ein solcher Hnterricht im Hause beschaffen fein? Er muß zunächst Freude

an der körperlichen Bewegung schaffen, Freude, die dafür vorhält, das ganze Leben hindurch. Dabei soll jeder seinen Körper kennen lernen, indem er ihn in seinen verschiedenen Bewe­gungen beobachtet, verbessert und vervolllomm- net. ilnb neben der körperlichen Betätigung sollen gleichzeitig die geistigen Eigenschaften zur Ausbildung kommen. Niemals dürfen Leibes­übungen im Hause schematisch betrieben werden, niemals übertrieben. Wichtigster Grundsatz ist Einfachheit. Hebungen, die Herz und Lunge stärken, sind am wichtigsten. Neben der Ein­fachheit steht der praktische Wert und die Nützlichkeit. Die Frage nach irgendwelchen Systemen" ist also überflüssig, denn es kann sich nicht jeder mit all diesen körperlichen Er­ziehungsmethoden beschäftigen und auseinander­sehen, und außerdem kommt es nur auf den Inhalt und inneren Wert der Hebungen sowie auf ihre gute Durchführung an.

Houbens Sturz.

Wie Wolffs Westdeutscher Provinzdienst von unterrichteter Seite erfährt, hat sich die Ver­letzung Houbens bei seinem Sturz in Breslau am vergangenen Sonntag als schwerer erwiesen, als man anfänglich angenommen hatte. Der ärztliche Befund ergab, daß ein Muskelriß im Oberschenkel vorliegt. Houben, der über schwere Schmerzen klagt, muß bis auf weiteres das Bett hüten. An eine sportliche Betätigung irgendwelcher Art ist unter diesen Hmständen in den nächsten Wochen nicht zu denken. Auch die vorgesehene Beteiligung des Sprinters an den anfangs Juli stattsindenden englischen Mei­sterschaften dürfte aussichtslos sein.

Ein neuer Segelflug-Wellrekord

Königsberg. 3. Juni. lWD.) Der heute früh 4.45 Hhr mit einem Passagier auf einer Segelflugmaschine aufgestiegene bekannte Segelflieger Schulz hat mit 9 Stunden 21 Minuten einen neuen Weltrekord aufgestellt und damit den im vergangenen Jahre von Hesselbach aufgestellten Weltrekord um mehr als 4 Stunden geschlagen.

Kanalüderguerungsplan eines Kölner Schwimmers.

Der bekannte deutsche Strornstreckenmeister Vierkötter (Poseidon-Köln) beabsichtigt, in diesem Sommer den Kanal zu durchschwimmen. Er hat das Training bereits aufgenommen und will jetzt die 79 Kilometer lange Rheinstrecke Andernach Köln durchschwimmen, was er in acht Stunden vollbracht zu haben gedenkt.

Süddeutsche Tourenfahrt.

Wohl zu den größten tourensportlichen Ver­anstaltungen kann man die Süddeutsche Touren fahrt in diesem Jahre rechnen, die in der Zeit vom 19. bis zum 27. Juni zur Durch­führung gelangt. Sowohl am Beginn der Fahrt, als auch am Ende der Prüfung liegeft zwei der bedeutendsten automobilsportlichen Veranstaltun­gen- 24-Stundenfahrt des Frankfurter A. C. am 19. ujtb 20. Juni und das Bleich- röder-Rennen für Rennwagen im Forsten- rieber Park bei München am 27. Juni. So ver­sammeln sich denn die besten Fahrer Deutschlands zu dieser ca. 3500 Km. langen Prüfung. Bisher haben 50 Wagen und 15 Motorräder ihre Mel­dungen abgegeben. Hierunter findet man Merce­des, Benz, Maybach. Opel, Hanomag, Adler,

Stehr, Selve, Pluto, N. S. A., Simson Supra, Dürkopp, Oalland, Dugetti, Lancia, Austra» Daimler, F. N. und Renault und bei den Mo­torrädern die Firmen N. S. H., Güldner, Ernst Mag, F. N., Saturn. Wanderer und Triumph. Erster Drei-Hochschul-Weltkamps in Berlin.

Zum erstenmal wurde am Mittwoch in Ber­lin zwischen mehreren Hochschulen ein Kampf mit zehn Wettbewerben ausgetragen. Die Ein­ladung zu der Veranstaltung erging von der

denken, wo die Korporationen, die sonst das Bild der Hochschulveranstaltungen beleben, und wo Dar die straffe Leitung, die über einem solchen Fest walten muß? In allen diesen Punkten muß Aenderung geschaffen werden, ~4oyjn nicht die guten Ansätze gerade des Berliner Hochschul­sports ersticken. und ihre wünschenswerte bis­herige Werbekraft verlieren sollen.

Im Gesamtergebnis siegte die Hnlberfltät Berlin mit 39 Punkten vor der Deutschen Hoch­schule für Leibesübungen mit 59V8 Punkten und der Technischen Hochschule Braunschweig mit 98 Punkten.

as der Sonntag bringt

Deutsche Mballmeifterfchast.

Die gwischenrunde.

Die Kämpfe um die Deutsche Meisterschaft sind bis zur Vorschlußrunde gediehen. Noch vier Mannschaften stehen im Rennen. Arn kommenden Sonntag werden sich auf Grund des Ergebnisses der ersten Zwischenrunde die verbliebenen Teil­nehmer in folgender Paarung gegenüberstehen:

In Berlin: Hertha-BSC. gegen Ham­burger S. V., Schiedsrichter Fuchs (Leipzig).

In Düsseldorf: Spielvereinigung Fürth gegen Holstein-Kiel, Schiedsrichter G u y e n z (Essen).

Alle vier beteiligten Vereine sind in den Kämpfen um die hohe deutsche Fuftballwürde keine Neulinge mehr. Papierformgemäß kann man dem Berliner Meister, Hertha-BSC., und dem süddeutschen Zweiten, der Spielvereinigung Fürth, die besten Aussichten auf den Meistertttel ein­räumen. Holstein-Kiel hat in seinem Kampfe gegen den Berliner Zweiten, Norden-Nordwest, enttäuscht. Auch ihr Gegner der Vorrunde, der Stettiner Sport-Club, war kein Kraftmesser für den norddeutschen Meister, so daß man den schlacht- erprobten Fürthern, die technifch und taktisch in guter Form sind, eine bessere Chance einräumen muß als den Norddeutschen.

Aehnlich steht es im zweiten Kampfe, wo der Hamburger Sportverein auf fremdem Platze gegen Hertha°DSC. antritt, die mit ihrem hohen 8:2= Ergebnis die Sensation der ersten Zwischenrunde waren. Sin solchen Ergebnis bedeutet Klassen­unterschied und tatsächlich war auch ein beträcht­liches Plus für die Berliner vorhanden. Der Hamburger Sportverein hat eine mehr auf Kraft und Energie eingestellte Kampfmannschaft, die zu halten für den Berliner Meister, der eine durchweg gut besetzte Mannschaft sein eigen nennt, durchaus im Bereiche des Möglichen liegen dürfte.

Von den vier in der Konkurrenz verbliebenen Vereinen waren drei bereits früher im Be­sitze des deutschen Meistertitels, Holstein 1912, Spielvereinigung Fürth 1914 und der Hamburger Sportverein 1923. Daneben haben alle vier Ver­eine schon des öfteren in ben Kämpfen um die Meisterschaft gestanden: Holstein 1910 und 1911, Fürth 1920 und 1923, Hamburger Sportverein 1922, 1924 und 1925 und Hertha-BSC. 1906 und 1925.

Das Schlußspiel findet am 13. Juni, vor­aussichtlich in Köln ober Leipzig statt. Mit diesem Sage geht bann die Fußballspielzeit 1925,26 offiziell zu Ende.

Das volkstümliche Turnen im Gau Hessen (D. T.)

= Nachdem im Winter der Turnbetrieb mehr auf die Hallen angewiesen war, kommen seit Wochen Turnplatz und grüner Rasen mehr zu ihrem Recht. UebernU wird in den Vereinen nun auch das volks­tümliche Turnen, die Hebungen des Laufs, Wurfs und Sprungs eifrig gepflegt. Innerhalb der Be­zirke werden die Volksturner die ersten Proben ihres Könnens ablegen. Für die Bezirksturnfeste, die an den nächsten Sonntagen stattfinden, sind dies­mal Kugelstoßen, Weithochsprung, Laufen, Weit­sprung als Wettkampfübungen vorgeschrieben, wozu noch eine Freiübung kommt. Der 1. Bezirk er­öffnet am Sonntag den Reigen der Bezirksftirnen. Er hat seine Turner nach Marbach bei Mar­burg zu den Wettkämpfen eingeladen.

Die ausgesprochenen Leichtathleten des Gaues werden sich am Sonntag zum Teil an den volks­tümlichen Wettkämpfen in Offenbach a. M. be­teiligen.

Hand- und FuflbaN-Meisterschaft der D. T.

Die Schlußspiele in Alm.

In der Donaustadt Hirn gehen am Sonntag die Endspiele um die Hand- und Fuß­ball-Meisterschaft der Deutschen Turner schäft vvnstatten, in denen die Meister in beiden Spielarten unter nahezu 8000 Mann­schaften mit rund 100 000 Spielern und Spie­lerinnen ermittelt werden. Im Handball der Turnerinnen bestreiten das Endspiel Eintracht- Frankfurt Hamburger Turnerschaft Darmbeck- Hhlenhorst, zwei Mannschaften, denen man schon zu Beginn der Meisterschaftsspiele grolle Sieges­ausfichten zusprach. Bei den Cinkrachtlerinnen ist man es schon gewohnt, sie im Endspiel zu finden. Seit 1922, in welchem Jahr sie erstmalig westdeutscher Meister wurden, stehen sie in der Entscheidung, aber nur 1923 war es ihnen ver­gönnt, als Meister heimzukehren. In den übrigen Jahren unterlagen sie stets gegen den Berliner Meister Turngenossenschast, der diesmal in Darmbeck-Hhlenhorst den Bezwinger fand. Ihr unermüdlicher und durchschlagskräftiger Innen- sturm wird auch der Eintracht gegenüber recht gefährlich sein. Im Männerhandball stehen sich Polizei-Rastatt und T.SD. Spandau 1860 gegen­über. Der Sieg der Rastatter Schupo in den Vor- und Zwischenrundenspielen kam ziemlich unerwartet, mußte sie doch selbst den vorjährigen Titelinhaber Turngesellschaft Stuttgart auf dem Wege zum Endspiel aus dem Wettbewerb werfen. Ihr Gegner, der Berliner Meister, T. S. V.

Fahrt über die Zuidersee.

Von Franz Friedrich Oberhäuser.

Hübsche Frauen haben es ihr besonders an­getan.

Sie ist schlau genug, sich zuerst ganz ruhig und gesittet zu benehmen, aber ist man auf der halben Fahrt, fängt sie plötzlich an, Späße zu machen, wirft Wogen auf, schlägt Schaumkronen und hebt das Schifflein ungestüm wie ein bos­hafter Knabe, der sich einmal mit Neckereien ganz gehörig unterhalten will.

Der Steuermann des Dampfers sagt mir lachend, daß die Zuidersee schlimmer als das Mcer sein kann, was die Seekrankheit betrifft. Hnd schon sehe ich Batisttüchlein holder Damen, eine bebrillte Engländerin hat ein praktisches halbes Leintuch eingesteckt, und es stellt sich plötz­lich heraus, daß die Frauen einen heftigen Drang nach den Salons und Kajüten verspüren, die unter dem Deck sich befinden. Das Lächeln der Herren hält auch nicht lange stand, und sie de- fommen, gelinde gesagt, eine zahme Panik in den Deinen. Nun ist das Deck fast leer. Die Wogen heben den Kiel, ein breites Schaumbaird schlingt sich durch die See. Ein paar Stewards fommen mit Whisky und Wermut und Sherry, der Kapitän meint, es wird nicht lange dauern. Hnd nach einer einsamen Viertelstunde ist das Spiel der bösen Laune vorbei, und schüchtern, verschämt und bann, als wäre nichts geschehen, erscheint eine Dame nach der anderen. Hin die zarten Lippen zuckt es manchmal, und die Augen' glänzen, als wären sie ein wenig gewaschen worden.

Indessen nähern wir uns bereits den Däm­men. In der Ferne erwachen zarte Linien. Man sieht nur Maste, Wimpel und Kutter. Kein Haus, kein. Dorf, keine Wiese. Der Himmel spannt sich noch nachmittäglich hell und freundlich über die Zuidersee: es ist Zeit genug, den Kaffee auf dem Dampferchen einzuneymen. Dann kommt man dem kleinen zierlichen Hafen immer näher. Drau­ßen in der See treiben sich einige Boote herum,

alte Segler, die auf den Anchovisfang ausgingen: eine Beschäftigung, von der man hier in Dolen= dam lebt und mit der man viel Geld verdient. Auf den tabakbraunen Segeln liest man 03® 233; wir nähern uns Volendam.

Wir sind scheinbar in einer anderen Welt. Auf einem Damm taucht plötzlich die Gestalt eines alten Volendamer Fischers auf: er steckt die Pfeife in den Mund, dreht sich um, winkt, und eine Schar Männer kommt über Stege ge­laufen, den einfahrenden Dampfer zu vertäuen. Hnd nun siebt man erst, im Hafen angelangt, daß sich jenseits der Dämme das Land, viel tiefer als die See, der Wasserspiegel, ausbreitet, daß Dörfer haft eßen und Häuser und Weiden. Hnd die Mädchen kommen, dieEuropäer" zu empfangen. Kinder rennen in Scharen aus den Häusern. Sie schwärmen wie Bienen aus. 3m nächsten Augenblick fügt sich ein Bild zusammen, über dessen Buntheit man alles andere ver- g*ißt. Cs prangen geranienrote Blusen, mit weiften Mitten gemustert, himmelblaue Röcke, weifte Blusen und weiße Hauben, und bis zum kleinen Baby, das eben erst die Füße wankend auf der Mutter Erde zu halten versucht, schim­mert alles in freudiger Buntheit. Jndefsen die schweigsamen Fischerleute, die Männer, den Fahr­gästen hilfreich an die Hand gehen, um sie über eine Menge anderer Boote hinweg ans Land zu befördern, da der Dampfer in den von allen Fischerbooten vollen Hafen nicht einfahren konnte.

Die kleinen Kinder, Buben und Mädchen gleich gekleidet, machen in ihren buntblumigen Bauernblusen, den dunklen langen Reifröckchen und den gelben Hvlzschuhen sehr ernste und forschende Gesichter. Die größeren Jungens stecken in dunkler Wollbluse, breiten, ballon- artigen Beinkleidern. Heber schwankende Stege kommt man in die reinlich gebauten Häuser. Aus Ziegelpfeilern ruhend, mit Dachziegeln gedeckt, mit blinkweiften Fensterrahmen, schimmert das Innere einer Wohnstube entgegen. Was gibt es da für wundersame Töpfe, Delfter ober Goudateller, Krüge und alte, uralte weihe tö­

nerne Pfeifen. In den Küchen funkelt das Ge­schirr, und die alte Hausmutter sieht unwill­kürlich auf die Füße der Eintretenden, die sich die Schuhe nicht ausgezogen haben, um in den Hausklompen über den reingewaschenen, mit Sand ausgestreuten Zimmerboden zu gehen. Alte, mit Stroh sitzen versehene Lehnsessel haben seltsam geschwungene Handlehnen und Rückenlehnen, die Tische sind einfach, massiv und hart. Die Dett- kojen, eingelassen in die Wände, wie ein großer Seoffnetcr Reifekofser. duften nach frischer Wäsche.

Leber den blendend weiften, schwach gemusterten Vorhang streift die Sonne. Das find wunder­bare Interieurs, so reizvoll, so bunt und doch von einer gewissen Regel beherrscht, Interieurs, die mich seltsam, fremd und nachdenklich an­muten.

Mit zähem Willen halten diese Insel­bewohner in den Marken an ihren Sitten und Gewohnheiten fest. Kennen keine Mode und keine andere Kleidung als die ihre, niemals wechselnde und doch so mannigfaltige, Mädchen. Jung­gesellen. Jungfrauen, Dräute und Frauen, alle sind anders angezogen. Als Kinder unterscheidet man den Jungen vom Mädchen durch verschieden­artiges Aufnähen einer kreisrunden Stickerei auf die weiße Haube. Beim Jungen ist sie dunkel, beim Mädchen hell, rot. "Welch ein Abenteuer, dünkt cs mrch, muß es fein, wenn die Männer die Fischerboote besteigen und die ganze Flotte in die freie graue Ferne segelt. Dann bleiben die Frauen allein, und nur alte Männer sitzen tage­lang auf einem Damm, einem Molo oder Dünen­sandhügel und sehen in die See hinaus. Weiche Lieder rauschen da. und die Melodie der See, be­gleitet vom Gesang des Windes, streicht über diese Dörfer. Ober wie seltsam ist es, wenn man über sich ein Schift dahinziehen sieht, halb auf­ragend oder nur die Masten zeigend. Indessen man sich viel tiefer befindet.

Ich habe muß an das Land gewendet. Nach Monikendam und Edam. Habe in einer kleinen Seewirtschaft mit dunklen, rauchgebeizten Gast­

stuben ein einfaches Nachtessen genommen: die Fische, die hier an der Tagesordnung sind. Dis ich einen Seefisch gefunden habe, der, stahlblau gekocht, nebst einer gelben, wirklich echten Butter- sauce auf den Tisch kam In den kleinen Dorf' gäftchen hockten die Fischer an den Mauern der alten aus Backstein erbauten kleinen Häuser aus dem siebzehnten Jahrhundert. Die Mädchen und Jungfräulein gingen Arm in Arm spazieren, und kein Puderstäubchen wehte mich hier an. Die vollen Milchgefichter lachten den jungen Fischern zu. die blonden Locken flogen, und die Klvmpen schlugen den Takt zum flotten Gange. Am Dorf­ende konnte meine übermütige Freundin Jetta der Versuchung nicht widerstehen, einmal in Klompen spazieren zu gehen. Ich war ihr behilf­lich, die vom einer Fischerin lachend uns über­gebenen zweipfündigen Schuhe an Jettchens zarte Füßchen zu bringen. Worauf mir Jetta, das erstemal leicht errötend, in die Arme siel. Sie konnte nämlich keinen Schritt gehen. Sie war klug genug, ihre Würde vor der Fischerin zu wahren und die Klompen wieder auszuziehen. Ich kaufte ihr ein Paar sehr hübsche Souvenirs an Volendam und Monikendam und lud sie ein, von dem zarten, feinen Edamer-Käs z»u essen, der hier auf "Märkten, zu großen Bergen ge­schichtet, wie im Mittelalter die Kanonenkugeln, ben Markt durch seine rote Farbe belebte.

Von der alten Spieluhr des Rathauses schlug es Spätabend. Hnd wir nahmen den nächsten Dampfer, der uns wieder zurück nach Amsterdam brachte. Die Zuidersee war ohne Launen. Der Himmel wunderbar mild. Immer ferner wandert« öer kleine, wundersame, schöne Hasen, zierlich wie auf Bütten mit Pinsel gezeichnet. Der Abend loderte, und als sich der Oltonb ein wenig blaß in den dunklen Wend schwang, funkelte vor uns schon der Lichtgarten Amsterdams auf. Jetta sah verträumt in die verworrene, funkelnde, blinkende Dämmerung.

Hnb der Steuermann lieft die Sirene heulen, damit die Schleusen geöffnet würden und wir durch das kleine Dossin, mitten in die Stadl hineinsahrend, im Hasen landen konnten.

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