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die schwarte Finsternis des Waldes. Einzelne Flocken fallen, groß und schwer, vergehen zit­ternd in der starren Kälte. Das Pferd trabt langsam und sicher über den gewundenen, stei­nigen, schneeüberwehten Waldweg.

Es beginnt zu dämmern. Die Mutter macht einen Schluck aus der Schnapsflasche, die ihr Jörru stumm gereicht hat.Kanike, auch du sollst dich wärmen", sie zieht aus ihrem Röhrenstiefel eine mit Stroh umwickelte Flasche und tropft warmen Tee zwischen die Zähne des Kindes. Was, Kanike. das wärmt. Mein Du, wie ich dich liebe." Da macht der Braune plötzlich einen Sah, bäumt sich jäh in der Gabel auf und rast. Die Mutter kollert unter die Dank, rappelt sich aus. will über den Sprung des Pferdes lachen, da sieht sie: Im Dunkel des Waldes zwei gelbe Lichter und einen Augenblick später darunteo eine spitze Schnauze.Jesus, Maria und Josef", sie macht das Zeichen des Kreuzes. Cs hilft. Richts mehr. Schon beginnt das Pferd ruhiger zu gehen, da raschelt es unter den Taimen. Tapp, lapp, tapp, viele gelbe Lichter. Wieder macht sie das Zeichen des Kreuzes, oftmals, und das Pferd rast, aber tapp, tapp, tapp unter den Tannenr die gelben Lichter gehen mit. Da schreit Jörru, wie sich die Flößer zurufen, und knallt mit der Peitsche und droht dem Wald, und flucht und singt und lärmt, bis es unter den Lannen stille wird, bis die gelben Lichter tief in daS Waldes­dunkel verschwinden.

Die Mutter seufzt befreit auf, Jörru und sie trinken Branntwein, das Pferd geht ruhig weiter. Jetzt werden sie bald aus dem Wald sein und dcnm noch zwei Stunden und die Stadt wird da sein. Der Schlitten schleift leicht und schnell über den Schnee. Da sinken die Tannen zurück, da breiten sich wieder die Felder. Wie gut. Sie schaut zurück. Schwarze Purckte wimmeln aus dem Wald. Hilf Himmel, da sind sie wieder mit­einander, nebeneinander und rücken näher in schiefem, schnellen Trab. Roch sieht sie nur die hohen, dürren Deine der Tiere, jetzt wachsen dar­über hagere, faule Leiber. »Jörru, gib die Pisto­len her."

Lind sie schießt. Die Wölfe stieben aus­einander, bleiben etwas zurück. Aber dann wie­der tapp, tapp, tapp sie hört das Sehen ihrer Pfoten im festgefrorenen Schnee, hört es bis in ihr Herz, trotz dem Schlittengeklingel, trotz dem ängstlichen Schnauben des Braunen und Jörru peitscht in die zitternden Flanken. DaS Pferd rast. Tapp, tapp, tapp. Wie sie hinterherloufen, in geduldiger Gier, immer näher kommen, den Schlitten umkreisen, spitze, auf­rechte Ohren. Die gelben Lichter unter den Hellen Sternen und die suchenden scharfen Schnau­zen. Tapp, tapp, tapp.

Lind sie schießt wieder und sie trifft. Aber das Rudel bleibt. Tapp, tapp, tapp. Einer hinkt nach, läßt eine rote Spur im Schnee, einer steht nicht mehr auf, wälzt sich heulend, die Beine gegen den Himmel, aber sie merkt es nicht. Die gelben Lichter sind wiederum nur näher gerückt, aus den Schnauzen geht hung­riger Hauch in die eisklare Luft. Lieber den Feldern, über den Straßen liegt Dunkelheit. Kein Sternenlicht fällt nieder. Jörru peitscht macht einen Buckel, schaut nicht zurück und singt vor sich hin Kinderlieder, Schenken lieber, Liebes­lieder, Kirchenlieder, alles, was ihm in den Sinn kommt, laut, rauh, blökend. In den Pausen, wenn ihm nichts mehr einfällt, schreit er Ho­sianna. Hosianna und dann singt er wieder: Eil dich, Mädel, schmück dich, Mädel" oder Ich bin eine Grasprinzessin".

Die Pistole ist ausgeschossen. Sie hält das Eisen stumpfsinnig fest und zählt: eins, zwei, drei und so fort und fühlt bei Hundert müssen die Zähne in meinem Fleisch sein. Aber sie ist bei dreihundert, und noch immer ist es nicht geschehen, noch immer dieses tapp, tapp, tapp der schweigenden gelben Lichter, jetzt schon gana nahe.

Das Kind ist krank. Das Kind wird viel­leicht sterben, ich aber will noch im Fluß baden. Ich aber will noch mit den Schnittern aus dem irdenen Krug trinken. Du, nicht ich! Lind sie wirft das Bündel unter die Wölfe Du. nicht ich!

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

(28 Zweites Biart

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von den Deranügungslokalen nicht zu reden, die icotz ihres yalbtrockenen Zustandes noch all»

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Die Mutter und die Wölfe.

Don Oskar Maurus Fontana.

»Jörru. spann den Schlitten an.

Lind Jörru spannt das Pferd vor Schlitten. Die Mutter setzte sich in ihn, hält

I in Decken fest eingewickelte Kind in den Armen u-nb preßt es zärtlich gegen die Brust.Kanike O.rd bald wieder lachen. Kanike wird bald toic- dtr mir den Beinen strampeln, ja Kanike, der Doktor wird dir Pulver geben, der böse Doktor, btt nicht zu dir kommen will, der gute Doktor b-cr dich heilen wird."

Jörru schnalzt mit der Peitsche und der Staune zieht los. Rasch flitzen sie durch das Dorf. In den Häusern pressen sich Gesichter, birdj das Schlittengeläute gelockt, platt gegen tr.c kleinen Fensterscheiben und schauen den Fah- rmden, so lange sie sichtbar sind, nach.

Die Straße starrt alt und einsam mit den großen Bäumen. In den hohen Aesten fängt sih der schneidende Wind. Immer wieder rennt et gegen sie und will (ie brechen. Knarrend Hilten sie stand. Raben fliegen aus den fest- gtfrocenen Feldern beim Räherkommen des Schlittens langsam auf, stehen wie schwarze kreuze gegen den eisernen Himmel und fallen wie abgeschossen in die harten Schollen.

Die Mutter hält das Kind unter ihr Um» Hängetuch.Kanike, dir soll nicht kalt werden, bmn Gesichtchen ist blau. Hnter dem warmen Luch wird dir bald, als wäre der Mai schon da. Darte nur, Kanike", und sie haucht/ ihren war- eien Atem über das starre Kindergesicht.

Der Schlitten fährt langsam den Dergweg 6 nauf. Sie haben die Hälfte des Weges hinter sich. Der Braune schnaubt und prustet, Jörru sc^alzt gut gelaunt mit der Zunge. Jetzt sind R; oben, fahren durch den Wald. Rechts und (inte stehen dunkel und undurchdringlich Tannen, immer wieder Lannen. Es ist ganz still. Die im Schlitten hören, wie der Wind im Eis der Bäume dürm und hell singt. Die Aeste gehen b48 Üef hinunter, der Schnee kann nicht bis in

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Sonntag, 6.3nni: Bezirks-

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barn Hand in Hand zu arbeiten. Richt ganz ohne Grund will man hierin den ersten Schritt der nordischen Republik erblicken, den bisher sorg­fältig gewahrten Strich zwischen sich und den üb­rigen Randstaaten zu verwischen. Finnland, das immer glaubte, sich der Räteunion gegenüber in einer weit günstigeren Position zu befinden, als Estland Lettland und Litauen, fürchtete eine Ver- quidung seiner Politik mit diesen. _ Reuerdings aber mehren sich die Anzeichen dafür, daß man sich in Helsingfvrs in der stlbstgewellten Isolation nicht mehr recht wohl fühlt. Eines dieser Synrp- tvme ist die finnische Einladung an den Präsi­denten von Lettland, der sich in diesen Tagen, auf seinem Eisbrecher nach dem Land der Tau­send Seen begibt. Die Reise des Präsidenten Tschakste verdient um so größere Beachtung, als er von dem sehr energischen Außenminister illmante und dem Grafen Keyserling! als Der- tretcr des Militärresorts begleitet wird.

Die überraschende Einigkeit der drei nörd­lichsten Randstaaten hat scheinbar auch in Kowno starken Eindruck gemacht. Sofern man den Be­richten Glauben schenken darf, so wächst in Li­tauen die Enttäuschung über die Extratour mit Moskau. Wenn aber Litauen jetzt wieder An­schluß an Lettland und Estland zu suchen beginnt, so Dürfte dabei vor allem der Hmstand aus­schlaggebend gewesen fein, daß auch Polen alle Hebel in Bewegung seht, um seinen Einfluß an der Ostsee zu stärken. So ist es gekommen, daß das bereits so gut wie begrabene Projekt eines baltischen Bündnisses plötzlich wie­der auf der Bildfläche erschienen ist. Das be- ftähgt der lettländische Außenminister in einem recht inhaltsvollen Presseinterview, in welchem er den Anschluß Litauens an den lettländisch- estländischen Bund als die nächste Ausgabe seiner Politik bezeichnet. Wer die Randstaatenverhält­nisse kennt, wird hierin auch eine Absage an Polen erblicken und sich darin auch durch den Rachsah nicht beirren lassen, daß dieser Block dreier Staaten die Grundlage für eine Erwei­terung des Systems nach Rorden (Finnland) und nach Süden (Polen) bilden könnte. Etwas uto­pisch muten dagegen die Pläne der politischen Schwärmer an, welche schon eine Art von Ber­einigten Baltischen Staaten verkünden. So weit ist es noch lange nicht, wenn auch zwischen Est­land und Lettland bereits allen Ernstes die Rede von einer Kommission gewesen ist, welche mit der Zeit die Rolle eines gemeinsamen Ober­hauses zu übernehmen hätte.

Der Kampf der Göller in Indien.

Don unserem Dr. F. H.-Derichterstatter.

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Bombay, Mai 1926.

Wenn der Europäer von Unruhen, wie es die letzten blutigen hier im Lande, in Kal­kutta waren, hört, so stellte er sich unwillkürlich wohl meist vor, daß das die Herrschaft der Eng­länder bedrohe, oder daß solche Ereignissedie Herrschaft des weißen Mannes gefährdeten". Ist er ein wenig besser informiert, so kommt er vielleicht auch zu dem Schluß, daß Streitigkeiten zwischen den Eingeborenen den Engländern nüt­zen oder zum mindesten der berühmten eng­lischen Politik desDivide et impera" entgegen-1 kämen. Beide Urteile sind, wenn er sich mit der letzteren auch auf die Meinung maßgeblicher Swarajisten stützen kann, weit davon entfernt, den Kernpunkt der Dinge zu treffen, obgleich man zu­geben könnte, daß das Zweite der zitierten Ur­teile noch eher, den Anschein der Richtigkeit für sich hat, als das zuerst genannte. Denn die Fol­gen des Streites zwischen den Anhängern der verschiedenen Götter der monotheistischen und der pantheistischen sehen allerdings beinahe so aus, als ob der Weiße Halbgott davon am meisten Dorteil hätte.

Man erzählt, und man muß diese Dinge nicht für übertrieben halten, daß die erste Folge der Aufläufe die war, daß die reichen Mohamme­daner und Hindus der Stadt Kalkutta sich Weiße gegen Bezahlung phantastischer Summen zu ihrem persönlichen Schuhe mieteten, oder, wenn sie das nicht konnten, sich in den Schuh von Weißen be­wohnter Häuser begaben, die dann ihrerseits für Tag und Stunde des Aufenthaltes im sicheren Hort eine angemesseneGebühr" berechneten. Der verhaßte und von den hohen Kasten der Drah- manen immer noch mit stiller Verachtung ange­sehene Europäer hat also zu mindest, was seine

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(icoß ihres oaLDttoaenen <jujtanoes nocy au» alenblid) genug der Wein- oder genauer Schnapsseligen bergen. Trostlos aber ist der

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wird sich mit diesem Antrag allen Ernstes aus­einanderzusehen haben. Am meisten haben unter solchenSpezialgesetzen" die völkischen Minder­heiten zu leiden gehabt, die denn auch am allct- energischsten gegen jedes parlamentarische Atten­tat auf die Rechtsordnung zu protestieren pflegen. , _ _ x

Der richtige Hecht im Karpfenteich der Rand­staatenpolitik ist aber auch in dieser Stunde wie­der Tschitscherin. Durch seinen Vorschlag, einen Richtangriffsvertrag mit Polen einerseits, Finnland. Estland, Lettland, Litauen andererseits abzuschließen. hat er mit einem Schlage alle Lebensprobleme dieser Staaten wieder in Fluß gebracht. Selbstverständlich bezweckt er mit einem solchen Vertrage der englischen Politik ein Dein zu stellen und die Randstaaten ein für alle Mal als Operationsbasis für etwaige Interventions- Versuche auszuschalten. Rach den schweren Rück- schlügen, die die Rätepolitik in der letzten Zeit in Asien und besonders in China erlitten hat, wäre es Tschitscherin sicherlich mehr als angenehm, der Kommunistischen Partei einen solchen, immerhin nicht ganz belanglosen Erfolg zu präsentieren. Darüber hinaus aber tritt in der ganzen Ange­legenheit das Bestreben Moskaus mehr als deutlich hervor, weitgehenden Einfluß auf dir Randstaaten zu gewinnen und ihnen außenboli- tische Bindungen auszuerlegen, die ihre Bewe­gungsfreiheit stark beschränken. Das alles hat man in ben Randstaaten sehr gut erkannt und man merkt auch recht genau, daß die Räteregie­rung bestrebt ist, der Paktangelegenheck eine Spitze gegen Genf zu geben. Unter solchen Um­ständen ist es nicht weiter wunderbar, daß man an das Moskauer Geschenk mit ähnlichen Ge­fühlen herantritt, wie die Trojgner an das hölzerne Roß des seligen Herrn Odysseus. Auf den ersten Blick ist das Angebot verlockend genug: was kann man sich in den Randstaaten sehnlicher wünschen als ein Gefühl der Sicherheit vor den Expansionsgelüsten der 3. Internationale. Avge- sehen von allem anderen ist daspolitische Risiko" (lies: die Gefahr einer Annektion durch Moskau) bisher stets das unangenehmste Hinder­nis gewesen, wenn man wieder so weit zu sein hoffte, etwas von dem amerikanischen Goldstrom an die östlichen Gestade des Baltischen Meeres zu lenken und dieses Gold könnte man sehr gut gebrauchen. Für das Gefühl der Sicherheit würde man gewiß auch gerne einen nicht zu niedrigen Preis zahlen, der in diesem Falle in dem Verzicht auf das Wohlwollen des Völkerbundes und Englands bestehen würde. Man traut aber Mos­kau nicht recht, denn wenn auch die Räteregierung den Vertrag einigermaßen gewissenhaft einhalten sollte, haben die Rätemänner in ihrer zweiten Eigenschaft als Führer der kommunistischen In­ternationale noch immer Mittel und Wege genug, um den Randstaaten an den Lebensnerv zu kom­men. Die Antwort Finnlands, Estlands und Lett­lands auf das Angebot ist denn auch sehr vor­sichtig ausgefallen. Ihren Kernpuntt bildet der Absatz, welcher davon handelt, daß der Vertrag außer dem Richtangriffsversprechen auch noch die Zusicherung enthalten sollte, daß keiner der Vertragsschließenden auf seinem Territorium die Organisation von Angriffen gegen den anderen Teil dulden darf. H. a. hat man bei diesem Punkt an die finnischen, estnischen und lettischen Stoßtrupps gedacht, die seit Jahren systematisch in der Umgebung von Petersburg ausgebildet werden und die seinerzeit bei dem Revaler Dezemberputsch vor V/a Jahren so gefährlich in Aktton traten.

Weiteren Anlaß zu Bedenken gibt der Um­stand daß die Räteregierung nichts von einem Schiedsgericht wissen will und statt dessen die Vereinbarung eines völlig unverbindlichen Aus­gleichsverfahrens vorschlägt, welches auch bei Konflikten in Anwendung kommen soll, die aus dem abzuschließenden Vertrag entstehen könnten. Dadurch behält Moskau sich die Möglichkeit vor. immer nach eigenem Gutdünken zu verfahren, und das wollen die Randstaaten als der schwächere Teil sehr verständlicher Weise nach Möglichkeit vermeiden. Äese beiden Vorbehalte sind so wesentlich, daß die ganze Antwort der Rand- staaten im Grunde genommen einen dilatorischen Sinn hat. Wichtig ist es, daß nicht nur Estland und Lettland gleichlautende Antworten gegeben haben sondern daß auch der Text der finni­schen Rote fast wörtlich mit diesen übereinstimmt. Finnland hat es also in diesem wichtigen Falle vorgezogen, keine Politik auf eigene Faust zu treiben sondern mit den beiden südlichen Rach-

L Eindruck, den man bei einem Spaziergang durch Windau oder durch den großen ßibauer Hafen gewinnt. Leere Speicher mit eingeschlagenen Fensterscheiben, alle 200 Meter ein Dampfer . und im übrigen ländliche Stille, das sind seine Wahrzeichen geworden.

Weniger still ist es auf dem Gebiet der hohen Politik. Im Gegenteil, hierin herrscht Hochbetrieb. Daß man in Lettland wieder eine Regierungskrise inszeniert hatte, die jetzt wie­der halbwegs gelöst ist, dürfte den Außen- siehenden wenig berühren, zumal neun von den alten Ministern ihre Portefeuilles auch in der , neuen Regierung beibehalten haben. Inter­essanter ist es schon, daß sich aus diesem Anlaß and) in der auf alles Parlamentarische und Hrdemokratische eingeschworenen lettischen Presse £ Stimmen zu regen beginnen, in denen ein tiefer | .Zweifel an der Herrlichkeit und Vollkommenheit des Parlamentarismus in seiner modernen Ge- ü (leit durchklingt. Man hat hier das Wort vom ' , Absolutismus der Parlamente" geprägt und in der Tat fällt in unseren kleinen und engen Verhältnissen die grenzenlose Herrschaft der Par- lamente sozusagen selbst den Blinden besonders unangenehm ins Auge. DieLandtage".Sseime" $ undRiigikogu" der neuen kleinen Republiken betraten unter dem Einfluß der Sozialdemo- fcaten eine starke Neigung, sich mit Spezial- gelehen zu helfen, wenn die Rechtsordnung ein» : mal ihrer Willkür Grenzen zu sehen droht. &o kennt z. B. das lettische Strafrecht nicht die Ausweisung aus dem Lande als Strafmaß- n«ohme. Trotzdem verflieg sich die Linke im Halle des Pastors Reedra zu einem Gesehes- mntrag, nach welchem diesem die Rückkehr nach . L ettland verboten wird und das Parlament

Der Hecht im baltifchen Karpfenteich.

Don unserem v. He.-Derichterstatter. (Lachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)

L i b a u, Ende Mai 1926.

Wonnemonat Mai! Im Grunde genommen il für uns die Vorstellung die einzige Wonne, tcß der Mai anderswo em schöner Monat ist. Her ist er es, bisher wenigstens, noch keines- l»?g«. Grundlose Wege machen jede Fahrt über L inb zu einem Abenteuer, das meist mit Stecken- büeiben endet, sobald man von den wenigen, S'enChausseen" abweicht, die nach deutschen riffen diesen Hamen nur sehr, sehr bedingt ienen. Da ist es fast ein Trost, daß einen recht wenig aus der Stadt hinausziehen kann rfi schaut aus wie im frühesten Vorfrühling, btn Dlütenpracht und frischem Grün der Felder urb Wiesen gibt es erst eine recht leise Llhnung. 2kt Leidtragende ist in diesem Falle natürlich der Landwirt, der sich schon lange danach (rchnt, sein Vieh auf die Weide treiben zu kqn- ixn, denn die Futtervorräte sind in den meisten Wirtschaften zur Reige gegangen. Ein ländlicher Berichterstatter meldet etwas drastisch, daß das Wilchvieh vielerorts nur noch durch energisches drehen am Schwanz von seiner Lagerstätte hoch- nibringen ist Daher der gutbaltische Ausdruck .Schwanzvieh". Schlimmer noch ist es um die Wintersaaten bestellt, die namentlich in Kurland tMßrenb des schneearmen Winters und des übermäßig feuchten Frühjahrs zum großen Seil zugrunde gegangen sind. Das gleiche Schicksal bet auch die Sommersaaten betroffen, wo die L endwirte sich durch einige gute Sage dazu hatten verleiten lassen, das Saatkorn dem Boden au früh anzuvertrauen. Dazu hat der nun glück­lich beendete englische Generalstreik die wichtigen Butter- und Schweinepreise erschüttert, kurz, der Landwirt hat wenig zu lachen: weniger vielleicht noch, als der Städter, der sein altes Klage­lied über die Stockung in Handel und Wandel, iifcer die teuren Zinsen und das wenige Geld m ewig neuen Variationen weitersingt. In Riga, da geht es noch halbwegs. Wenn man sich hier * auch recht oft wundert, einen Bekannten wieder- i Aufeben, ohne daß er inzwischen vom Pleitegeier geholt worden wäre, merkt man doch noch ein recht reges Leben. Selbst die Läden find noch ,g nächt zu Stätten der idyllischen Beschaulichkeit im Geschmack des Herrn Biedermeier geworden,

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khM Uebungsstunden

| in der Müllericheu BadeanstaltTien?. tagö, Donnerstags und Lamslag» um 6 Uhr.

Sonntags 11 Uhr: Wasserball­training und

Springen.

Beginn:

SaniStag, 5. Juni Ter Ccbtvininu ausichuh.

MMff Monat-dermmm luttg nm SamOtan, dem ä, Ms. y; Im Hotel.Sobler.

Zreitag, 4. Juni 1926

Person anbelangt, über Rächt wieder einen ganz besonderen Kurswert bekommen: Er beschützt den Einheimischen gegen ihm übelwollende Lands­leute durch seine bloße Gegenwart, da fein Inder es wagen wird, einen Weißen ohne Rot anzu­greifen.

Das beleuchtet blitzartig bie ganze Lage und gibt doch nicht den richtigen Eindruck von der politischen Bedeutung der viel beschrie­benen Vorgänge in Kalkutta. Lim die Frage, ob Gewalt Indien die Freiheit geben wird, handelt es sich ja gar nicht. Gleichgültig ist das Ver­mögen oder Llnvermögen der Inder zur Vertrei­bung der Engländer, ober umgekehrt die Fähig­keit der englischen Bataillone und indischen Regi­menter des Dritenreiches zur Aufrechterhaltung der englischen Herrschaft über das indische Kaiser­reich. Wenn es darauf ankäme, und es sich darum handelte, dann wäre es schon morgen mit der englischen Herrschaft zu Ende, weil die int Verhältnis zur indischen Bevölkerung winzige Armee einer mit bewaffneten Massenausständen arbeitenden revolutionären Bewegung gegenüber keinerlei wirkliche Macht bedeutet und die Eng­länder einem wirklich mannhaften Doll von 300 Millionen Menschen niemals bie genügenbe An­zahl von Soldaten entgegensetzen könnten, weil dazu das ganze große britische Reich zu klein wäre. Das politische Problem Indiens liegt vielmehr ganz wo anders. Es ist, wenn man das sagen darf, und wenn man betont, baß Er­klären noch niemals ein Entschulbigen ist, viel­mehr psychologischer Ratur baS inbische Volk ist amorph, gestaltlos, ohne große, allen Ständen, Kasten ober Religionen gemeinsame Jbeen ein Körper ohne Kops, ein_ Rumpf ohne ©lieber, in dem jeher nur für s i d> lebt und nur dann zu gemeinsamen Handlungen mit anderen zusammenschreitet, wenn an Im­ponderabilien gerührt wird, die mit der Indivi­dualität des einzelnen stehen ober fallen.

Lins Leuten aus dem materialistischen Westen mag es seltsam erscheinen, daß diese Impondera­bilien ausgerechnet religiöser Ratur sind, da uns der egoistische Charakter der Religion, oder genauer bie egoistische Einstellung des In­dividuums zu seiner Religion weil sie bei uns leider nur noch Gemüts-, aber nicht mehr Lebensangelegenheit ist nicht zur Genüge be­wußt zu sein pflegt. Wer aber den tiefen, auf den einzelnen und dessen ganz persön­liches Wohlergehen abgestellten Zug bet Hindu-Religionen und des Islams erkannt hat, der sich z. B. darin äußert, daß das höchste Glück oder das sehr reale Paradies als das durch die Religion erstrebte bezeichnet wird (ob­gleich selbstverständlich die Gotteslehre etwas anderes besagt und auch die Priesterschaft teil­weise andere Anschauungen hat), dem erscheint es nicht verwunderlich, daß die Moslems Hindu­musik vor ihren Moscheen und umgekehrt die Hindus die Verunreinigung ihrer Sempel durch das Betretern von Mohammedanern mit Mord, Totschlag und Aufruhr beantworten. Stehen doch Dinge für sie auf dem Spiel, um die sich das Leben überhaupt dreht ^as Wohlergehen des einzelnen nach seinem Tode.

Das aber macht es auch verständlich, warum die politischen Führer diesen von ihnen be­kämpften Ausbrüchen der Leidenschaft so hilflos gegenüberstehen, und warum selbst die große Popularität eines Ghandi nicht ausreicht, um diese Schlägereien, um nicht zu sagen Schlächte­reien, zwischen Hindu und Mollern zu verhindern. Diese Feindschaft zwischen den Religionen ist ja nicht nur eine solche^ die aus C »Jägereien: Bei Feierlichkeiten immeiT Wieher reue Nahrung schöpft, sondern ein geschichtlicher Vor­gang, der immer noch in der Entwicklung be- ?riffen ist und noch lange nicht vor seinem Ver- öschen steht. Die Eroberung Indiens durch Mog- hulkaiser, die als erste mit Feuer und Schwert ben Islam in das Lanb brachten, stempelten diese Religion zu einer solchen der Eindringlinge, gegen die anzutämpfen es die heilige Pflicht aller Hindus und Inder ist. Das hätte, wenn die Engländer nicht eingegriffen und die entstehen­den Reiche der Sikhs und Mahratten unterdrückt hätten, daher längst wieder zu einer Beseiti­gung oder, was auch nicht unwahrscheinlich ist, zu einem Siege des Islams geführt, der ganz Indien seiner Religion unterworfen hätte. So aber wurde durch die Engländer, zunächst ohne jede politische Absicht, sondern nur aus dem Grunde, weil Llnruhen den Handel gefährdeten, ein Zustand stabilisiert, der es weder den Mo-

Die gelben Lichter bleibep zurück.

Fahr schneller, Jörru, fahr schneller."

Er schlägt mit der umgekehrten Peitsche auf den Braunen ein, Lichter blinken aus dem Dunkel vor dem Schlitten die Stadt. O Rettung, o Seligkeit. Der Atem will dem Fahrenden von gestockter Freude vergehen. Doch wieder stechen die gelben Lichter durch das Dunkel hinter dem Schlitten, tapp, tapp, tapp und werden ihn gleich eingeholt haben. Tapp, tapp, tapp und halten mit ihm gleichen Schritt. Tapp, lapp, tapp. Ein langhaariger Schwanz schlägt gegen die Hand der Mutter.

Fahr schnelle^ Jörru, ich bitte dich bei allen Heiligen und bei der Jungfrau, rette mich." Die Lichter der Stadt werden groß und kämpfen mit den gelben Lichtem bet verhungerten Leiber. Schwuvpernde Schnauzen strecken sich von allen Seiten wie Messer, ihr zu heißer Atem weht sie an, sie rennt im schmalen Schickten hin und her, schlägt um sich in die leere Luft, sie sieht die gelben Lichter an ihrem Llmhänge- tuch, das auch das Kind schützte, eS wird von knackenden Zähnen fortgerissen, sie fühlt die gel­ben Lichter am Hals, sie wird von langhaarigen anspringenden Leibern, durch die die Rippen hart vorbrechen, umgestoßen. Schwänze klatschen in ihr Gesicht, sie hat nur noch die Hände an ben Kufen des rasend gleitenden Schlittens gekrallt wäh­rend schon an ihrem mitgeschleiften Leib, an ihren Füßen die Schnauzen zerren. Dann krachen die Zähne auch in ihre Finget und der Schlitten fliegt nur mit dem gekrümmten Jörru die Straße weiter in die Dorstadt, in die Stadt, immer zu. Erst aus dem Marktplatz gelingt es einer johlen­den Menschenmenge, das irre Pferd zu fangen, den Schlitten zu halten. Jörru stottert das Ge­schehene.

Gendarmen streiften sofort. Knapp vor den ersten Häusern der Vorstadt fanden sie auf bet Landstraße blutige Knochen und Fetzen, einen Kilometer weiter eingeschlagen in die Tücher, die den Biß der Wölfe in vielen Löchern wiesen, unberührt, unversehrt, lebend und lachend, das Kind.