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Vie Genfer Arbeitskonserenz.

Genf. 4.Juni. (211.) Die internationale Arbeitskvnserenz beriet am Donnerstag über den Entwurf eines Abkommens für die Inspektion auf Auswandererschiffen, der von der Vollversammlung vorgelegt wurde. Der Kon­ventionsentwurf enhält neun Artikel, über die der spanische Regierungsvertreter der Konferenz Bericht erstattete. Der Entwurf wurde in längerer Debatte, die sich bis in die späten Abendstunden hinzog, beraten. Der deutsche Arbeiter­delegierte Knoll bat die Konferenz, nicht weiter über die Definition zu streiten, sondern sich mit dem natürlichen Sinn der Worte zu begnü- ?;ert Abänderungsanträge wurden von der. Kon- erenz nicht gestellt. Die Abstimmungen über den Konventionsentwurf gestalteten sich außer­ordentlich schwierig. Es wurden zunächst die Aütikel 1 bis 7 und der Artikel 9 mit großer Mehrheit angenommen, jedoch Artikel 8 mit 39 gegen 37 Stimmen abgelehnt. Rach einer längeren Geschäftsordnungsdebatte wurde die Rückverweisung des ganzen Entwurfs an die Kommission beschlossen, die am Freitag Zu­sammentritt. Der Konventionsentwurf wird dann in der Vollversammlung noch einmal beraten werden.

Die Gegenfätze in der Abrüstungskonferenz.

Genf. 4. Juni. (TU.) In der militärischen Unterkommission A der vorbereitenden Ab­rüstungskonferenz haben sich die Gegensätze bei der Festlegung der Begriffsbestimmungen weiter verschärft. Von französischer und italienischer Seite wirb nach wie vor jede Einbeziehung der militärischen Reserven in den Begriff der Friedensrüstung schroff ab- gelehnt, dagegen die Einbeziehung des Poli­zei- und Zollpersonals verlangt. Im Laufe der Verhandlungen hat sich jetzt auch ein Gegensatz zwischen den See- und Land­mächten ergeben. Der deutsche Stand­punkt wird im allgemeinen von den Vertretern Amerikas und Englands geteilt. Sehr energisch haben jetzt auch die Vertreter Brasiliens, Schwe­dens und Chiles den deutschen Standpunkt unter­stützt. In diesen Tagen beginnt die Beratung von Punkt 2 des Fragebogens: Wie kann man Rüstungen verhüten? Es wird an­genommen, daß in den kommenden Verhandlun­gen der Gegensatz zwischen England und Frank­reich zutage treten wird. Bis zeht hat der frcm- zösische Standpunkt immer die Mehrheit in der Kommission gefunden. Der am Montag zusam­mengetretene Völkerbundsrat wird sich nur mit dem Kompromihentwurf Cecil-Paul Doncour über den Artikel 18 befassen und von den Verhandlungen der militärischen Unter- kommission lediglich Kenntnis nehmen. Man nimmt nach dem bisherigen Gang der Beratun­gen an. daß die Verhandlungen der llntec- kommission viele Wochen dauern werden.

Der Streik in England.

London, 3. Juni. (TU.) Die Londoner Blät­ter nennen es erfreulich, daß gerade heute anläßlich des Geburtstages des Königs die Bemühungen, der Bergarbeiterkrise ein Ende zu berei­ten, wieder eine konkrete Form angenommen haben, und zwar durch einen Brief des Präsiden­ten der Bergwerkbesitzer-Vereinigung Williams an Smiths, den Führer der Bergarbeiter, in dem die Wiederaufnahme der Verhand­lungen in einem engeren Ausschuß angeboten wird. Die Verhandlungen werden allerdings erst in ' einigen Tagen beginnen können, da Smiths heute nach Brüssel geflogen ist zur Teilnahme am Inter- 1 nationalen Bergarbeiterkongreß. Sensationell wirkt f übrigens die Nachricht, daß Smiths in Brüssel gegen Cook auftreten will, um ihn zum Rück­tritt als Präsident der Bergarbeiterinternationale zu bewegen. Cook erklärte heute in einem Interview, Smiths habe ihn und den Labour-Abgeordneten D a r l e y, der die bekannten Vermit'tlungsvor- schläge veröffentlichte, Verräter genannt und erklärt, die englische Bergarbeiterschaft verliere durch Cook mehr und mehr den Zusammenhang mit der Inter­nationale. Beide hätten außer der Reihe für die Verlängerung der Arbeitszeit plä- d i e rt und damit das Prestige der Streik­leitung geschmälert.

Der Sekretär des Bergarbeiteroerbandes erklärte gestern, die Vertreter der Bergleute würden sich keinesfalls in Behandlungen auf Verlänge­rung der Arbeitszeit ober Herab­setzung des Lohnstandards einlassen. Cook verlangte Nationalisierung des Berg­baues, für die sich auch' Macdonald gestern in einer im Bergwerksbezirk gehaltenen Rede aus­sprach.

Neuer Vermittlungsvorschlag der Regierung.

London, 3. Juni. (TU.) Der englische Schatz- fetretfr Churchill erklärte heute nachmittag im Unterhaus, daß die Regierung gewillt sei, dem Bergbau eine Subvention bis zur Höhe u o n 3 Millionen Pfund zu zahlen. Indessen müsse die Regierung die Gewißheit haben, daß eine baldige Beilegung des Streiks erwartet werden könne. Die Lösung müsse auch die Gewißheit einer genügend langen Periode der Sta- biliiät ohne finanzielle Unterstützung bieten.

Zaglul Pascha verzichtet auf die Kabinettsbildung.

London, 3. Juni. (TU.) Die Abgeordneten der Z ag lu l -P a r t c i gaben heute ihrem Parteichef Zaglul Pascha ein Frühstück. Bei dieser Gelegenheit erklärte Zaglul Pascha, er wolle den Wünschen seiner Freunde entsprechen und wolle auf die Kabinettsbildung zugunsten Adlh TZeghen Paschas, des Chefs der Liberalen Partei verzichten. Die Rachricht von dem Verzicht Zaglul Paschas auf die Regierungsbildung verbrei­tete sich, wieExchange" berichtet, wie ein Lauffeuer durch ganz Kairo. Man war sich sofort klar darüber, daß die Krise jetzt eine unmittelbare Lösung gefunden habe. Der Einfluß der Zaglulisten im Parlament ist aber nicht geringer geworben. Der allgemein^ Eindruck ist, daß A d l Y P a s ch a tatsächlich geeignet sei, die Rolle eines Ver­

mittlers zu spielen, falls Schwierigkeiten zwi­schen der britischen Regierung und Zaglul Pascha auftreten sollten.

Generaldirektor Oeser f.

Berlin. 3. Juni. (211) Heute nachmittag 5.10 Uhr verschied der Generaldirektor der Deutschen R eich s b a hn g e sei l- schäft, Rudolf Oeser.

Oeser wurde am 13. November 1858 zu Coswig in Anhalt geboren und entstammt einer Fabrikantenfamilie. Er studierte in Berlin Philo­sophie und Nationalökonomie. Als Redatteur war er zunächst in Süddeutschland tätig und kam dann zurFrankfurter Zeitung". Während des Krieges siedelte er nach Stettin über, um die poliftsche und geschäftliche Leitung der dortigen Ostsee-Zeitung" zu übernehmen. In das preutzr- sche Abgeordnetenhaus wurde er gelegentlich einer Rachwahl im Januar 1902 gewählt. Dem Reichstag gehörte er von 1907 bis 1912 an. Be­reits im Jahre 1917 war Oeser die Leitung des neueingerichteten Reichswirtschaftsamtes an­geboten worden. Er lehnte jedoch damals die Hebernahme dieses Amtes aus politischen Er­wägungen ab. Am 25. März 1919 wurde er von dem Präsidenten der verfassungsgebenden preuht- schen Landesversammlung zum Mitglred des preußischen StaatsmmisteriumS und preußischen Minlsters der öffentlichen Arbeiten berufen. Unter seiner entscheidenden Mitwirkung kam das Werk der Verreichlichung zustande (Staatsver­trag vom 21. März 1920). Am 23. April 1921 schied er, nachdem fast alle Aufgaben seines Ressorts auf das Reich übergegangen waren, aus dem Amt des preußischen Mmisters für öftentliche Arbeiten. Nachdem er im April 1921 zum Landeshauptmann der Provinz Sachsen ge­wählt worden war, trat er das neue Amt am 1. Juli 1921 an. Er bekleidete das Amt aber nur etwas über Jahresfrist, da er bereits am 22. November 1922 das Reichs Ministerium des Innern übernahm. Auch diesen Posten versah er nur kurze Zeit, weil er am 13. August 1923 zum Reichsverkehrsminister ernannt wurde. Auf dem Gebiete der Wasserstrahen-Verwaltung, die ebenfalls zum Ressort des Reichsverkehrsmini­steriums gehört, hat Minister Oeser die Vollen­dung des Baues des Mittelland-Kanals, die großen süddeutschen Wasserstraßenpläne, sowie die Verbesserung der Seewasser-Strahe nach Kö­nigsberg, Stettin und Bremen nachdrücklich geför­dert. Am 27. September 1924 wurde er zum Generaldirektor der Reichsbahngesellschast er­nannt und infolgedessen von dem Amte als Reichsverkehrsminister enthoben.

Anläßlich des Ablebens des Generaldirektors der Deutschen Reichsbahngesellschast, Reichs­minister a. D. Dr. ing. e. h. Oeser hat der Reichspräsident der Witwe des Verstor­benen in einem herzlichen Beileidsschreiben seine Teilnahme ausgesprochen.

Pressestimmen zum Tode Oesers.

Berlin, 4 .Juni. (TU.) Der Tod des Generaldirektors der Deutschen Reichsbahn Dr. Oeser gibt den Berliner Blättern Gelegenheit, sich mit der Tätigkeit des Verstorbenen als Parlamentarier und mit seinen Verdiensten um die wirttchastliche Hebung der Reichsbahn zu beschäftigen. Dabei hebt dieVossische Zei­tung" hervor, daß er ein Mann von strengster Pflichterfüllung gewesen sei.

Auch derD ö r s e n k u r i e r" betont, daß es eine unermüdliche Arbeit im Dienste der Gesamtheit gewesen sei.

DieDeutsche Allg. Zeitung" meint, er habe unstreitig ein Verdienst an der wirt­schaftlichen Hebung des deiltschen Eisenbahn­wesens.

Die2 äg l. Rundschau" sagt, er habe sein Bestes in der Erfüllung seiner Pflicht gegeben.

Auch derL o k a l a nz e i g e r' erkennt an, daß er ein sachlicher Arbeiter gewesen sei, der zu Parteigeschwätz keine Zeit gehabt habe.

Als möglichen Nachfolger Oesers auf dem Posten des Generaldirektors der Reichsbahn wird vomD. T." und von derVoss. Ztg." Reichskanzler a. D. Dr. Luther genannt. Da­neben werden auch der Reichsverkehrsminister Dr. Kröhne und der Berliner Oberbürger­meister Dr. Bh.ß genannt. Außerdem kommen nach dem2ag neben den genannten Persön­lichkeiten noch Geheimrat W i e d f e l d und der stellvertretende Generaldirektor der Reichsbahn, Dr. Dorpmüller, als Nachfolger in Betracht. Siresemann und Curtrus über die Wirtschaftslage.

Erfurt, 3. Juni. (WTB.) In Anwesenheit zahlreicher Mitglieder des Reichstages und von Ver­tretern aller Parlamente fand heute in Erfurt die Tagung des R e i ch s a u s f ch u s s e s für Han­del und I n b u ft r i e her Deutschen Voltspartei statt. Zunächst nahm Abg. Generaldirektor Dr. Albrecht das Wort zu einem Vorträge betitelt I m Kampf gegen die Wirtschastsno I", in den' er als einzige Rettung die Orientierung nach östlichen Kontinenten empfahl. Darauf sprach Abg. Professor Dr. Leidig überDeutschlands Finanz« und K r c d i t p r o b l e m c".

In der anschließenden Diskussion führte Rcichs- wirtschaftsminlster Dr. Curtiuv aus: Die Kredit- nähme bei der Reichsbank unn feiten des Reiches war notwendig, um der Thesaurierungspolitik auf Kosten der Wirtschaft ein Ende zu machen. Die Not­wendigkeit einer Aendsrung des Banlgefetzes raird auch van den Reparationsgläubigern nicht bestrit­ten. Es handelt sich auch nicht um direkte Kredite, sondern um die Quantität der an die Wirtschaft zu begebenden Schatzwechsel. Jedenfalls ist mit den hundert Millionen, die dem Reich bisher zu- standen, nichts anzufangen. Eine Gefahr für die Währung bei der jetzt geplanten Aenderung des Reichsbankgesetzes ist undenkbar. Dis Rentenmark ist gesund fundiert. Form und Stoff der Zahlungs­mittel spielt nur eine geringe Rolle. Die Haupt­sache ist das Vertrauen. Amerika hat jetzt den groß, ten Geldbeutel, hält das Geld aber in feinem Tre­sor. Auch die Gefahr einer Goldinflaiion ist nicht zu unterschätzen. Unsere Währung ist nicht nur auf absehbare Zeit, sondern auch auf unabsehbare Zeit gesichert.

Reichsminister des Aeuhern Dr. S t r e s e - mann nahm dann in längeren vertraulichen Ausführungen im Sinne seiner Rostocker Rede zur Frage des Dawes-Abkommens unter­lebhaftester Zusftmmung der Versammlung das Wort. Er trat insbesondere auch der Auffassung

entgegen, als ob die Tarife der Reichsbahn nur durch die Dawes-Abmachungen bedingt seien. Auch ohne die Dawes-Besttmmungen würde die Reichsbahn bei der Lage der ReichSsinanzen auf ähnliche Heberschüsse angewiesen sein, da andere Steuerquellen als Ersatz für diese Heber- schüsse nicht vorhanden sind.

Kabinettsberatung über die Flaggensrage.

Berlin, 4. Juni. (TU.) DieTägliche Rundschau" teilt mit, es handle sich zunächst darum, einen Ausschuß zu bilden, an dem nicht nur Vertreter des Parlaments und der Regie­rung, sondern auch weitere Kreise beteiligt seien. Das Kabinett werde sich voraussichtlich am Montag darüber schlüssig werden, durch welchen Minister es in diesem Ausschuß vertreten sein werde. Die Einbringung einer Vorlage über die Schaffung einer Einheitsflagge könne selbstverständlich erst in einem späteren Stadium erfolgen, wenn über die Vorverhand­lungen einigermaßen Klarheit geschaffen sei, welche endgültigen Vorschläge für die Lösung in Betracht kämen.

Berlin, 4. Juni. Wie dasD. 2. erfährt, wird in der auf Montag, den 7. Juni, angesetzten Kabinettssihung der Reichsminifter Dr. Külz seine Vorschläge zur Lösung der Flaggenfrage vortragen. Cs handle sich dabei noch um keinen verbindlichen Kabinettsbeschluß, sondern nur um eine Klärung der Ansichten im Kabinett selbst. ES liege auch im Reichsinnenministerium noch kein Gesetzentwurf vor, der bestimmte Vorschläge in gesetzgeberische Form bringe.

700-Iahrfeier in Lübeck.

Lübeck, 3. Juni. (TU.) Der erste Tag der 700-Iahrseier Lübecks ist mit einem so ausgiebi­gen Regen bedacht worden, daß auch äußerlich keine rechte Feststimmung aufkommen kann. Die Stadt trägt reichen Flaggen- und grünen Gir­landenschmuck. Gin hübsches Bild bietet sich den Festgästen gleich beim Betteten der Stadt. Eine Hansekogge liegt an der Puppenbrücke. Sie ist das genaue Abbild der mittelalterlichen Schifte, die Lübeck zur Hansazeit über die Ostsee schicktt. Im Innern der Stadt ist eine Kolonial-Aus- stellung untergebracht, die in Schrift und Bild die Entwicklung Lübecks unter der DeviseSee­fahrt ist Not", schildert. Im Hasen liegt zur Begrüßung der Stadt der KreuzerEmden". Die Geschäfte haben vielfach ihre Fensterdekoration in den Landesfarben weiß und rot gehalten. Die großen Konfeftionsgeschäfte bringen eine Kostüm­dekoration zur Schau. Sie zeigen Frauen- und Männerttachten Lübecks, Uniformen und Kopf­bedeckungen aus allen sieben Jahrhunderten. Trotz des Regens sind die Straßen mit Schau- lufttgen gefüllt.

Kleine politische Nachrichten.

Die Vertteter des Irak sind in Angora eingetroffen, um die Unteczei chnu n g des Mvssulvertrages vorzunehmen, in welchem beide Parteien die Brüsseler Linie als Grenze zwischen der Türkei und dem Irak annehmen. Gleichzeitig wird die Türkei einen zehnjährigen Sicherheitspakt mit dem Irak abschließen und sich mit 10 Prozent der Einnahmen aus den meso­potamischen Oclfeldern als Entschädigung für die dem Irak überlassenen Oelquellen einver­standen erllären.

In Tokioer politischen Kreisen heißt es, daß der frühere japanische Botschafter in Washington, Hanihara, wahrschein­lich den Posten des japanischen Botschafters in Rom übernehmen wird mit Rücksicht auf die derzeitige Wichtigkeit der japanisch-italienischen Beziehungen. Wahrscheinlich wird der Leiter der Vortragsabteiiung im Auswärtigen Amt, Nagacka. an die Stelle Haniharas treten, der bisher als Nachfolger Hondas in Berlin genannt wurde.

Aus aller Mett.

KreuzerHamburg" in San Franzisko.

Nach einer Meldung der .,B. Z." wurde dem KreuzerHamburg", der in San Franzisko ein­getroffen ist, von der Bevölkerung, von der Stadtverwaltung und von Vertretern der ameri­kanischen Armee und Flotte ein glänzender Empfang bereitet. Der Bürgermeister Rolph, Flottenkapitän Dodd und Oberst Stantvn hielten Ansprachen, in denen sie die zwischen Deutsch­land und den Vereinigten Staaten herrschenden vortrefflichen Beziehungen bervorboben.

(Ein Niesenbrand In Nordamerika.

Die Berliner Abendblätter melden aus Quebec: Eine Feuersbrunst verursachte im Handelsviertel der Stadt Riviere du Loup einen Schaden von einer Million Dollar und ver­nichtete 57 Gebäude.

Neberschwemmung in Rumänien.

Infolge des anhaltenden Regenwetters sind weite Strecken des Landes überschwemmt. Der Verkehr ist auf verschiedenen Eisenbahnlinien vollständig lahmgelegt. In Bessarabien ist ein großer Teil der Ernte vernichtet.

Hochwasser der Wolga.

Hochwasser zerstörte öie zum Schutze Astrachans errichteten Dämme. Ein Teil der Stadt wurde überschwemmt. Der Wasserspiegel ist 16 Meter über dem Normal-Niveau.

Furchtbarer Selbstmord.

Im Grünewald wurde von einem Weichen­wärter die völlig zerrissene Leiche eines Mannes gefunden. Neben der Lerche sand man einen kleinen Handkoffer, einen Spa- zierstock und eine lange Zündschnur. Die Mög­lichkeit, daß der Mann bei einem geplanfsiü Anschlag auf. die Eisenbahn durch einen Spreng­körper den Tod gesunden habe, wurde durch die Ermittlungen als hinfällig erwiesen. Es handelt sich um den Selbstmord eines zuletzt in Hannover wohnhast gewesenen 55jährigen Ingenieurs Barg- Heer, der früher bei einer Firma, die Feuer­werkskörper und Sprengstoffe ansertigt, ange­stellt war Infolge der Unmöglichkeit, neue Be­schäftigung zu erlangen, hat er sich das Leben genommen.

Unaufgeklärter Tod eines Reichswehrsoldaken.

Wie die Morgenblätter aus Kassel melden, wurde unterhalb der Neuen Mühle in Fulda die Leiche eines Reichswehrsoldaten gefunden, die eine Schlinge um den Hals trug, in der sich anscheinend ein Stein befunden hatte. Zu> nächst wurde Selbstmord vermutet. Der Tote hatte einen Brief an seine Eltern in Rittmarshaufen bei

Göttingen hinterlassen, in dem er anafbt, daß er sich ins Ausland begeben wolle, meu ihm dost feinen Vorgesetzten der Pflichturlaub abgeschlaasn worden fei. An einer anderen Stelle des Brieses aber sagt er, daß er nicht aus Schwermut und auch nicht seiner Vorgesetzten halber weggefahren sei. Er habe sich verpflichten muffen, spätestens am 1. Juni abzureisen. Eine Untersuchung der Ange­legenheit ist im Gange.

Wettervoraussage.

Auf heiternd, wärmer und trocken.

Einser Bezirk kommt ganz vorübergehend unter den Einfluß eines Hochdruckrückerrs, dem von Westen her ein neues Tiefdruckgebiet folgt.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 17,7, Minimum: 9.5 Grad Celsius. Niederschläge: 1,6 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 12,6 Grad Celsius.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 4. Juni 1926.

Die Postzustellung in Gießen.

In der Bürgerschaft ist wiederholt die Frage aufgeworfen morbenrmwum wir in Gießen nur eine zweimalige täg­liche Postzustellung haben, wäh­rend z. B. in Darmstadt dreimal täglich be- stellt wird. Auf diese Frage gibt die nach­stehende Zuschrift des Gießener Postamts an uns Antwort. D. Red. Don den bis zum Februar 1922 hier ausge­führten drei Ortsbriefzustellgängen (um 7.30 und 11 Uhr vormittags und um 4.15 Uhr nachmittags) mußte einer wegen allgemeinen Derkehrsrückgangs aufgehoben werden. Es fanden damals Besprechun­gen mit Vertretern der hiesigen Handelskammer darüber statt, welcher von den 3 Zustellgängen weg. fallen sollte und wie die beiden bestehenbleibenden den Interessen der Einwohnerschaft am besten an­gepaßt werden möchten. Nach dem Ergebnis dieser Besprechungen erschien es mit Rücksicht auf die all­gemeinen Erfordernisse am zweckmäßigsten, für den Beginn des ersten Zustellgangs die Zeit zwischen 7 bis 8 Uhr vormittags und für den Beginn des zweiten den Zeitpunkt auf 2 Uhr nachmittags fest, zusetzen. Diese Einrichtung führte im Laufe der Jahre 1922 und 1923 zu wiederholten, lebhaften Beschwerden seitens der Geschäftswelt, die es als untragbar empfand, daß sie ihre Post aus Nord­deutschland und besonders aus Berlin (die bis da­hin um 2 Uhr abgetragen wurde) mit einer Ver­zögerung von 6 bis 7 Stunden erhielt. Die zweifel­los berechtigten Klagen führten dazu, daß auf Der- anlaffung der Handelskammer am 16. November 1923 eine Besprechung zwischen Vertretern aus Kreisen des Handels und der Industrie und dem Leiter des Postamtes stattfand. Hierbei wurde sei. lens der Vertreter des Handels usw. einstimmig der Wunsch ausgesprochen, den 2. Zustellgang von 2 Uhr nachmittags auf 10.30 Uhr vormittags zu verlegen. Auf die postseitig geltend gemachten Be­denken, daß die nach 10.30 Uhr vormittags ein» gehenden Briefsendungen alsdann erst am nächsten Vormittag zugestellt würden, erklärten die Vertreter der Geschäftswelt ihr ausdrückliches Einverständnis, diesen Nachteil in Kauf zu nehmen, weil es sich dabei um verhältnismäßig wenige Sendungen handele. Aus betriebstechnischen Gründen mußte der Beginn des zweiten Zustellgangs von 10.30 auf 11 Uhr vormittags feftgelegt werden. Wir haben dies un- term 24. November 1923 der Handelskammer mit» geteilt und dabei ausgeführt, daß der erste Zu» frellgang um 7.30 Uhr vormittags angetreten werde. Gleichzeitig haben wir darauf hingewiesen, daß der Beginn des Sonntagszustellgangs von da ab auf 8.45 Uhr vormittags festgesetzt worden sei, um zu erreichen, daß die Sonntags mit den zwischen 7 und 8.30 Uhr vormittags eintreffenden Zügen vor­liegenden Briefsendungen (außer Drucksachensen, düngen) und politischen Zeitungen noch Sonntags in die Hände der Empfänger gelangten. Die Han­delskammer hat uns daraufhin durch Schreiben vom 1. Dezember 1923 mitgeteilt, daß die von uns bcabfitätigten Maßnahmen den Wünschen der In­teressenten entsprechen dürsten. Sie hat dabei dem Postamt für sein Entgegenkommen den Dank der Gießner Kaufmannschaft ausgesprochen. Dom 10. Dezember 1923 ab ist alsdann die noch jetzt be» stehende Einrichtung der Briefzustellung getroffen worden.

Inzwischen hat eine erfreuliche, allgemeine Ver­kehrssteigerung eingesetzt, die sich im Postbetrieb all­gemein durch die starke Auflieferung der Driessen» düngen in den Abendstunden bemerkbar macht. In» solgedessen werden dürch die hier eintreffenden Nacht- und Frühzüge große Mengen von Briefsen» düngen aus allen Teilen des Deutschen Reiches und" vom Auslande hier angebracht. Unsichtbar für die Außenwelt find ausgesuchte Kräfte emsig be­schäftigt, schwere Wagenladungen von Briefsendun­gen auf die einzelnen Zustellbezirke, in die das Stadtgebiet eingeteilt ist, zu verteilen.

So groß nun auch die Anzahl der vorliegenden Sendungen sein mag, so ist sowohl die Menge der Sendungen als auch die Einwohnerzahl für die Bemessung der Zahl der Zustellgänge allein nicht maßgebend. Hierfür find auch die Art des Verkehrs und die Lage der Postverbindungen von Wichtig- und die Lage der Postverbindlingen von Wichtigkeit. In Gießen find die Pofiverbindungen nach Maßgabe der eintrefjenden Postzüge so, daß die Hauptposten aus Norddeutschland und besonders aus Berlin, so­wie zu einem erheblichen Teil aus Süddeutschland in der Zeit von 7.30 bis 9 Uhr vormittags beim Postamt vorliegen: V-Zug 180 aus Berlin an 7.15, I)-Zug 76 aus Hamburg an 7.45, Pers.-Zug 552 aus Fulda an 7.50, Perf.-Zug 777 aus Frankfurt (Main) an 8.03, Perf.-Zug 1608 aus Köln an 7.44, D-Zug 73 und 81 aus Frankfurt (Main) an 8.19 und 8.33 usw.).

Man gewinnt einen Begriff von dem Umfang des Brief- und Zeitungsverkehrs, wenn man er­fährt, daß z. B. am 28. Mai zum 2. Zustellgang für jeden der hier eingerichteten 32 Zustellbezirke 260 und am 29. Mai zum 1. Zustellganq für jeden dieser Bezirke 384 Sendungen durchschnittlich Vor­gelegen haben. Bedenkt man. daß eine erhebliche Anzahl von Zustellern dadurch ein Gewicht von 15 bis 20, einige gar von 25 Kilogramm zu Beginn des Zustellungsgangs treppauf, treppab befördern muß, fo wird man erkennen, daß den Beamten, die diese Dienstleistlingen innerhalb der dafür vorge­sehenen Zustellzeiten von 2i Stunden bewältigen müssen, weitere Leistungen billigerweise nicht zuge­mutet werden können, zumal die Zustellung der Einschreibbriefe und der Briese mit Zustellungs- Urkunde mit besonderem Zeitaufwand verbunden ist. Jeder Zustellbezirk wird nach einer ein für allemal festgelegten Beiausordnung mit Post versorgt, so daß jeder Briefempfänger die

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