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Siteratur (tyraü Krlaa Ed. Sdenarius in uniM eine .Bilanz de. Lergantzencheil" zu Mm ,tz äutzert sch Han- Brau / diesem wchd-M Thmc ng BietzscheS, Dvstvjewsli, len er zum Teil ganz nej/ einem zweiten Aussatz Wirt Friedrich Dlunck behandel- Solkstum wurzelnde Dichter- Besprechungsteil ist dies- jaltig und vielseitig. Aeue hau, Ärauffühnmgsberichte, nt bekannter Lorgsall zu­bringen viel Wesentliches

Stettag, 4. Jrnti 1926

1T6. Jahrgang

Hr. 128 Erstes Blatt

leMtjme van Injeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Prth für l mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re- Klcnneanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°/, mehr.

Theftedaliteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An­zeigenteil Hans Iüstel, sämtlich in Dietzen.

M Gletzener Anzeiger infolge höherer (Bemalt

MM General-Anzeiger für Oberhesfen richten: Anzeiger Siehrn. v

Srant?umaiMt«s. vril« lmd Verlag: Brühlf*« Unioerftlülr-Vuch. unö Stttnörnderel B. Langt in «etzen. SchrWeiwng und SeschäftifteNe: Schulftratze 1.

Um die Zukunst Abd el Krims. I

Die Zukunft 2ll>d el Krims, der sich auf Gnade und Ungnade mit Hab und Gut in die Hände der Franzosen begeben hat, bereitet den Siegern Kopfzerbrechen und Schwierigkeiten. Die Spanier sind enttäuscht und erbittert, daß Abd el Krim ihnen dieses Schnippchen geschlagen hat und versuchen auf alle mögliche Weise, sich ein Milbestimmungsrecht an der Gestaltung des Schicksals xbed Rifführers zu erschleichen. So ist bei ihnen der Gedanke aufgetaucht, Abd el Krim vor ein Kriegsgericht zu stellen und ihm wegen grausamer Gefangenenbehandlung den Prozeß zu machen. Gr soll beschuldigt werden, den Tod von 22 spanischen Offizieren verschuldet zu haben. Da­her wollen sich die Spanier sehr großmütig zeigen, sie wollen nicht die Todesstrafe verhängt haben, sondern nur eine längere Gefängnisstrafe, die in einem spanischen Gefängnis verbüßt werden soll. Sie wollen also ihre Rache an dem jetzt wehrlosen Gegner dadurch kühlen, dah sie den Rifführer, den sie nur mit Hilfe der Franzosen und dabei etwa nicht durch kriegerische lieber- legenheit. sondern durch mit allen Kniffen der Eingeborenenpolitik betriebene Wühlarbeit unter den Stämmen des Rifs zu schlagen vermochten, im Triumphzug nach der Hauptstadt Spaniens führen. Vielleicht sträuben sich die Franzosen vorläufig noch gegen derartige eitle spanische Pläne, weil sie Vie Kritik der Oeffentlichkert fürchten vielleicht auch Rückwirkungen in ihren Kolonien, da es doch immerhin eine Zeit ge­geben hat. in der Abd el Krim unter den Mohammedanern ein Programm und eine Zu- kunftshoffnung bedeutete. Deshalb betreiben auch die Spanier eine besondere Agitation in Frank­reich, das sie von der moralischen Schuld Abd el Krims an der Gefangenenbehandlung und der Aotwendigkeit eines Prozesses überzeugen wollen.

Ihre Propaganda scheint nicht auf unfrucht­baren Boden zu fallen. Außerdem finden in Paris Der Handlungen zwischen dem spanischen Botschafter und Driand statt, die das gleiche Ziel verfolgen. Hnb zwar beabsichtigt man, bie ®nt- scheibung einer besonderen gemischten Kommission zu überlassen, bie auch die Grenzführung vorneh­men soll. Die französische Regierung ist an­scheinend bestrebt, sich auf diese Weise von der Derantwortung zu befreien, bie sie daburch über­nommen hat, dah sie die Kapitulation Abd el Krims annahm, ber auf die Grohmut Frank­reichs rechnete. Die Bestrebungen, die im Gange sind, bcn Madrider Vertrag zu verlängern^ werden die Spanier ihrem Ziele sicher bald näher bringen, um so mehr, als ja beide gemeinsam das diplomatische Rachspiel des Marokkokrieges, in das sich Italien bereits eingeschaltet hat, durch­führen müllen. Für uns Deutsche besteht ja kaum em Zweifel, dah das Vertrauen Abd el Krims in die Großmut Frankreichs eine arge Enttäuschung ergeben muh. Die Erfahrungen, bie wir mit dem sogenannten Frieden von Ver­sailles gemacht haben, geben uns die Berechti­gung zu solchen Zweifeln. rx

Rachgerade ist es ja auch aller Welt bekannt geworden, wie Kriegsverbrecherurteile an Wehr­losen konstruiert werden, um zu begreifen, wie ein Urteil gegen Abd el Krim ausfallen wird. Dabei mühten allerdings bie Kolonialstaaten immerhin bedenken, dah eine erniedrigende Be­handlung Abd el Krims leicht wieder bie Vor­teile in Frage stellen kann, die zweifellos die Riederlage des Rifstaates für sie bringen muh, denn die sogenannte farbige Gefahr, die durch den Weltkrieg besonders geförderte Freiheits­bewegung der eingeborenen Rallen, hatte in Abd el Krim ihr großes Vorblld, das chr nun genommen ist. So wird sicherlich eine fühlbare Beruhigung eintreten, besonders bann, wenn die Eigentümer und Verwalter dieser Kolonien eine geschickte Politik treiben. Dazu wird vor allen Dingen auch bie Behandlung Abd el Krims gdjbrcn. Davon wird es sicherlich auch abhän- gen, ob ber kommende Friede in Marokko Be­stand haben wird oder nicht. Denn das eine muh schon jetzt festgestellt werden, die Erbit­terung und der Haß gegen Spanien werden fort­bestehen und bei der ersten günstigen Gelegen­heit wieder zum Ausbruch kommen, wenn es unterlaßen wird, den Hoffnungen und berech­tigten Wünschen der Rifstämme entgegenzukom- men.

Die französischen Finanzen.

Eine Rede Psrets.

Paris, 4. Juni. Der Ausweis ber Dank von Frankreich ergibt eine Ver­mehrung der Vorschüsse ber Bank an ben Staat von 1 Milliarde Franken und eine Vermehrung bes Banknotenumlaufs von 654 Millionen 5ran- fen. Die Regierung hat es unterlassen, biesmal ben Ausweis ber Bank von Frankreich mit einem Kommentar zu versehen. Währenb bisher immer barauf hingewiesen würbe, bah ber Verfalltermin vom 20 Mai bcn Staatsschatz in feiner Weise angespannt hab^ bringt ber Aus­weis ber Bank von Frankreich jetzt ben Beweis dafür bah bic Lage des französischen Staatsschatzes keineswegs so günstig ist, wie von ber Regierung behauptet würbe, Der Finanzminister hat erklärt, dah ber -termm des 20 Mai ohne jebe Anspannung bes fron- zösischcn Staatsschatzes vorübergegangen fei. Die Erhöhung ber Vorschüsse ber Bank von Frank­reich an ben Staat und bie Vermehrung bes Banknotenumlaufs sind aber auf bie starken Be- bürfnisse bes Staatsschatzes im Zusammenhang mit ben Zahlungen am 20. Mai zuruckzufuhren. Die starke Verschlechterung bes fran­zösischen Kranken dürfte in erster ßinie (auf den ungünstigen Ausweis zuruckzuftchren sein.

Locarno-Debatte in Paris.

Die Aussprache im Senat.

Paris. 3. Juni. (WB.) 3m Senat hat heute nachmittag bie Debatte über bie Locarno- Verträge begonnen.

Senator ßemert), ber ber radikalen Frak­tion angehört, begründete seinen Antrag, bie Ratifizierung ber Locarno-Ver­träge aufzuschieben bis zu bem Eintritt Deutsch- lanbs in ben Völkerbunb wie folgt: Rach ber Unterzeichnung ber Abkommen von Locarno ge­faltete sich Deutschland eine kecke Her- ausforberung, unb wäre es gut, mit ber Unterzeichnung ber Abkommen zu warten, bis bie Doppelzüngigkeit Deutschlands auf­geklärt sei. Wir sind in Frankreich beunruhigt erklärte er, weil zwischen Deutschland unb uns keine geographische Grenze besteht. Wir finb beshalb geneigt, gegen einen Feind, ber schlechten Willens ist, Garantien zu suchen. Wir hatten zwei Wege, durch Gewalt Deutschland zu entwaff­nen, ober es mit fürchterlichen Sank­tionen z u bedrohen. Die erste Losung, bie Marschall Foch baburch suchte, bah er bie Rheingrenze forberte, würbe uns in Der- ailles verweigert. Die zweite Lösung, bie in einem Garantiepakt mit ®nglanb unb ben alliierten Staaten bestauben hätte, konnten wir nicht realisieren. Dann versuchten wir in Cannes einen Sicherungspakt mitEng- lanb abzuschliehen. Auch ber ist mißlungen. Hierauf kam Locarno. Der Redner findet nicht, bah Locarno mehr bringe als ber Vertrag von Versailles. Selbst wenn man an ben Gei st von Locarno glaube unb ber Ansicht sei, dah es sich hier um eine Erfahrung handle, die man machen müsse müsse man doch zugeben, daß Deutschland kurz nach ber Unterzeichnung einen Vertr a g mit Sowjet-Ruhland unterzeichnet habe. Äefer Vertrag sei nicht recht klar. Man könne ihn mit bem Völker­bund und Locarno in Einllang bringen, voraus­gesetzt allerdings, dah der Geist, in dem er von den Vertragschließenden ausgeführt werde, kon­ziliant sei und sein wahrer Geist sich nicht erst in der Zukunft zeigen werde. Er. der Senator, wolle, da er nicht klar sehen könne, erst ab- warten, umsomehr als Deutschland unb Ruhlanb nach seiner Ansicht einen Verteidigungs- Vertrag gegen den Völkerbund unter­zeichnet habe. Die beiden Länder glaubten ber Völkerbund sei in der Lage,, gegen Deutschland und Rußland eine Koalition zu schaffen. Beide hielten die Beschlüsse des Völkerbundes für null und nichtig, denn

Deutschland sage ja zu Ruhland::Die Richter des Völkerbundes können parteiisch urteilen, dann sei du Ruhland nur beruhigt, denn ich,

Deutschland, wache."

Deutschland müsse sich in öffen t lichen Er­klärungen aussprechen, wozu seine Zulassung zum Völkerbund ihm Gelegenheit biete. Des­halb müsse man Brianb sagen, wenn er die Ratifizierung der Abkommen von Locarno ver­lange:Roch nicht!".

Ministerpräsident B r i a n b erhebt sich unb erklärt, bah er ben Dertagungsantrag nicht an­nehmen könne. Heute sei bie Stunde gekommen, in der ber Senat sich über bie Frage aus- sprechen müsse. Wenn bei ber nächsten Zu­sammenkunft in Genf bie Abkommen noch nicht ratifiziert werben, könne Deutschlanb barin einen guten Vorwanb finden, um sich zurückzuziehen, wenn es eben bie Absicht habe, bie Lerne rh ihm zuschiebe. Das wäre ein wahres Debacle. Auf bie im Laufe ber De­batte gemachten Einwänbe werbe er antworten, aber er könne im Augenblick nur sagen, wenn ber Senat bie Vertagung annehme, bann gebe e s keine Abkommen von Lo­carno mehr.

Der Senator Francois Albert erflärt, er werbe sich über bie Abkommen von Locarno erst aussprechen, wenn Deutschlanb sich klar über ben deutsch-russischen Vertrag aus-

Eine Hetzrede Millerands, gesprochen habe. Bei ber augenblicklichen Lage in Europa könne er ben Abkommen nur eine resignierte Zustimmung geben. Er hätte gewünscht, bah biefe Zustimmung hätte be­geistert sein können, aber bamit bies möglich sei, müsse er bie Gewißheit haben, baß nichts eintrete, bas ihn seine Zustimmung bereuen lasse. Angesichts aller biefer Schwierigkeiten hat sich Driand bemüht, eine Art Potpourri von Aussöhnung zu schaffen, damit er nach Paris wenigstens mit dem Gewinn eines Sicherungspaktes zurücktehren könne, durch den man alle künftigen Abkommen über den Europa-Frieden vorbereiten könne. Deutschland habe ein gewisses Entgegenkom m e n gezeigt, aber als es in den Völkerbunb hätte eintreten sollen, hätten sich Schwierigkeiten ge­zeigt. Auch Senator Albert nannte ben

deutsch-russischen vertrag eine Enttäuschung. Man könne sagen, das isolierte Deutschland habe sich wegen seiner Isolation Rußland genähert. Aber nach Locarno habe Deutschland doch gar nicht mehr von seiner Isolation spre­chen tonnen. Wie soll man sich also den deutsch- russischen Vertrag, der einmütig in Deutschland mit Enthusias m u s aus­genommen worden sei, erklären. Dieser Ver- trag habe eine neue Tatsache geschallen. Die anderen Signatare von Locarno hätten den Pakt vor der Unterzeichnung eines Vertrags erwogen. Selbst der Auswärtige Ausschuß des Senats habe den Pakt von Locarno vor der Unter­zeichnung bes Vertrags gebilligt. Wenn B r i - and von Genf ohne Ratifizierung des Paktes von Locarno zurückkehre, dann befinde er sich in der gleichen Lage toie im Monat März und er könne den Abschluß des Ber­liner Vertrages anführen, vm bic von dem französischen Senat ausgesprochen t Vertagung zu rechtfertigen, d>? übrigens btt gesunde Menschen­verstand erfordere.

Br i and erwidert, man tami einwenden, daß der deutsch-russische Vertrag es rechtfertigt, den Pakt von Locarno zu verwerfen, aber man kann nicht behaupten, dah er eine Vertagung notwendig macht.

Senator Albert erklärt schließlich, wenn Driand die Vertagung annehme, werde er die Beunruhigung beseitigen.

Der Vorsitzende des Senatsausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Senator Lucien Hubert, stellte hierauf fest, daß der Ausschuß mit dem Vertagungsantrag nicht befaßt wurde. Hierauf wird abgestimmt und der Antrag Le - mert) abgelehnt.

Rach einer Unterbrechung der Sitzung er­greift der Berichterstatter, Senator Labrousse, bas Wort, um zu erklären, der Rheinland­pakt lasse alle Klauseln des Frle­ben s v e r t r a g e s von Versailles be­stehen. Er stelle die Verletzung ber entmilitarisier­ten Zone mit einem Angriff gegen bie Rachbarn biefer Zone gleich. Außerbem bringe Locarno bie englische Garantie für die territoriale Sicherheit Frankreichs. Dieser Garantie hätten sich Belgien und Italien angeschlossen. Polen unb ber Tschechoslowakei sichere bas Dölkerbundsstatut territoriale Unverletzlichkeit unb ihre politische Unabhängigkeit. Daraus er­gebe sich bas große Interesse, bas man an bem Eintritt Deutschlanbs in ben Völkerbunb habe unb an ber gleichzeitigen Zulassung Polens unb Deutschlanbs zum V ö 1 - kerbunbsrat. Die Abkommen von Locarno seien gegen keinen Staat geschlossen. Sie hätten Wert bis zu bem Augenblick, in bem ber Völker­bund den Vertragschließenden bie gleichen Ga­rantien geben könne.

Deutschlanb, Belgien, England, Italien unb Polen hätten Locarno bereits ratifiziert. Gewiß hänge ber Wert ber Verträge von bem guten Willen ber Vertragschließenden ab. Dieser könne aber nicht verdächtigt werden. Das Werk von Locarno sei groß, aber man müsse auch anerkennen, daß die Rechte des Völkerbundes nur moralisch seien, unb baß er über keine Sank­tionen verfüge. Locarno bebeute also nicht

die vollkommene Sicherheit. Das fran­zösische Geschick erfordere, baß man bie Augen offen halte unb alle Maßnahmen ergreife, um sich gegen einen unvorhergesehenen An­griff zu verteibigen.

Hierauf ergreift Senator Milleranb das Wort: Die Ungelegenheiten, bie bic Abkommen von Locarno bringen, so erklärte er, seien groß«. Seitbem bic Vereinigten Staaten bie Unterschrift ihres Präsidenten verleugnet hätten, habe man immer von einem Garantievertrag ge­sprochen, durch den sich bie Rationen gegenseitig Garantie leisten müßten. Das sei bei den Ab­kommen von Locarno nicht der Fall. Frank­reich unb Deutschlanb garantierten sich, England unb Italien behielten aber das Recht, bie Rühlichkeit ihrer Intervention fest zu st eilen. Außerdem hätten England und Italien sich verpflichtet, Frankreich gegen Deutschland und auch Deutsch­land gegen Frankreich Garantien zu bieten. Ohne­dies könnten diese beiden Länder mit Frankreich keine militärischen Abkommen schließen. Würden sie es tun, dann würden sie an Ujrer Rolle als Schiedsrichter Verrat üben. Was wird sich im Falle eines Konflikts ereignen? Chamber­lain habe erklärt, bie britische Regierung werbe beurteUen, ob eine unmittelbare Gefahr vorliege. Briand habe im Ausschuß auf eine Anfrage erklärt, baß vorkommenbensalls ber

Durchzug von Truppen durch die enhnilifari- fierfe Zone erfolgen könne, um Polen zu Hilfe zu eilen.

Heute frage er, wie von nun an die eventuellen Verletzungen an den Artikeln 42 und 43 des Frie- bensoertrages, die die entmilitarisierte Zone be­treffen, festzustellen werden würden. In diesen Zonen hätten schon Manöver stattgefunden. Um derartige Verletzungen festzustellen, bestünde die in­teralliierte Militärkontrolle. Wenn sie aufhöre, gehe sie auf den Völkerbund über, der sie nicht organi­siert habe.

Die Unierschrifl Deutschlands in Locarno sei eine ähnliche Garantie wie die, die Deutschland gegeben habe, um die belgische Neutralität ,u garantieren. Lr wolle nicht auf die zahlreichen Dro­hungen durch Deutschland eingehen, noch daraus, daß die Deutschen auf keine der ihnen entrissenen Gebiete ver­zichtet hätten. Das sei gewiß die Sprache der Besiegten, aber von Besiegten, die an die Revanche denken. Er, Rllllerand, wolle auch die Dersicherung haben, daß Deutsch­land keinesfalls an einer Bewegung, bie das Elsaß beunruhige, beteiligt sei. Deutschland leugne auch, daß es an bem Angriff von 1914 schuldig fei. Deutschland sei auch durch die Politik Bismarcks dafür verantwortlich gewesen, daß in Europa das vernichtende R e - gime des bewaffneten Friedens habe aufrecht erhalten werden müssen.

Eigentlich hätte bie französische Regierung auf ben Paktvorschlag Deutschlanbs antworten müssen, ber sich auf alle beutschen Grenzen beziehe. Die Eng- länber, bic wohl begriffen, baß ihre Grenze am Rhein liege, hätten noch nicht begriffen, baß sie auch an ber Weichsel liege. Die Abkommen von Locarno hätten einen großen Fehler. Die Absicht Frankreichs unb bie Absicht Deutschlanbs sei nicht bieselbe. Frankreich erwarte, baß ber Ver­trag von Versailles restlos bestehen bleibe. Es wolle ben Frieben burch ben Respekt vor ben Verträgen, bie nach bem Kriege abgeschlossen worben seien. Deutschlanb bagegen verheimliche nicht, baß sein Ziel entgegengesetzt sei. Es wolle sich auf Artikel 10 bes Statuts be­rufen, um bie von ihm für unausführbar erklärten Verträge zu reoibieren. Es trete in ben Völkerbund ein, um ihn zu seinem Vorteil abzuändern. Also sei bie Zweibeutigkeit bie Grunblage ber Abkommen von Locarno. Trotz biefer Kritik erklärte Mille­ranb zum Schlüsse, baß er für bie Ratifi­zierung ber Abkommen von Locarno stimmen werde. Die Weiterberatung wird hierauf auf mor- * gen nachmittag vertagt.

Im Widerspruch zu den Ziffern des Bank­ausweises stehen die Erklärungen, die der Fi­nanzminister am Donnerstag nachmittag vor der Finanzkommissivn abgab. Er gab zu, daß gewisse Goldreserven eingesetzt worden seien, es sei jedoch unmöglich anzu» gcben, in welchem Maße die unternommene Aktion noch weitergehen würde. Die neuen Steuern gingen in befriedigender Weise ein. In bezug auf die interalliierten Schul­den erklärte Finanzminister Peret, sobald er seine Finanzprojekte in der Kammer eingebracht habe, gedenke er Ende des Monats nach Lon­don fahren, um die Verhandlungen auf folgender Basis wieder aufzunehmen: 12 Millionen Pfund jährlicher Leistungen unter Gewährung eines Moratoriums, einer Transferklausel und einer Sicherheitsklausel mit Rücksicht auf die Eingänge aus dem Dawes-Abkommen. Parat erklärte wei­ter, daß die Regierung den Bericht des Unter« suchungsausschusses für Ersparnisse zur Kenntnis genommen habe, und daß seine Vorschläge durch Verordnung in die Praxis umgeseht würden. Er verbreitete sich dann über den Plan zur Til­gung der inneren Schuld und erklärte, daß die Konsolidierung der kurzfristigen Schul­den durch eine Auslandanleihe ins Werk gesetzt

werden würde. Er werde später genaue An­gaben über den Eingang der freiwilligen Steuerbeiträge machen. Dabei müsse er zugeben, daß für Paris die lächerlich geringe Summe von 67 Millionen Franken gezeichnet worden sei. Dazu komme freilich noch der Wert der eingelieferten Schmuck st ücke. Die Ziffern für ganz Frankreich lägen noch nicht vor. Rach den Angaben des Finanzministers ist damit zu rechnen, daß die Methode der frei­willigen Steuerbeiträge ein vollständiges Fiasko darstettt.

Das neueportugiefischeUabinett.

Berlin, 4. Juni. DasB. I." berichtet aus Paris, baß nach Melbungen aus Lissabon General Gomes b a Costa in Sacaoenne bei Lissabon ein- getroffen fei, wo er von neuem mit bem Kapitän Eabecadas konferiert habe. Diese Unterrebung führte zu ber enbgültigen Silbung bes Kabinetts. Die Zusammensetzung ist folgenbe:

Minister Präsident und Innenminister: <£ a - becadas,

Kriegsminister und ftolonialminifter: Gomes, , Außenminister: General Carmona,

Unterrichtsminister: Mendes Ramsdios, Justizminister: Almoy da Ribeiro, TNarineminister: Asreoxe Salazar, Jinanzminisker: Oliveira Salazar, Ackerbau- und Handelsminister: E ä m p o s.

Die Minister des Innern, bes Krieges unb bes Aeußern werben einen obersten fianbesaus« schuß bilben. General Gomes will sich am Freitag nach ber Militärfliegerfchule von Amabosa bei Lissa­bon begeben, wo er sich bis zum Einzug in Lissabon sein Hauptquartier einrichten will.

Ablehnung Skrzynskis durch Pilsudski.

Warschau, 3. Juni. (TU.) Ein Teil ber An­hänger Pilsudskis hat versucht, ben Marschall baju zu bewegen, Skrzyns ki für bas Außen- Ministerium zu gewinnen, um bie Außenpoli- ti r Polens in bemselben Geiste roie bisher fortzusetzen. Wie verlautet, hat Pilsubski bies kategorisch mit ber Erklärung zurückge- wiesen, baß es ihm unmöglich sei, einen Mi­nister ber früheren Regierung, ber bireft ober in­direkt an allen Korruptionen mitbe­teiligt sei, in bas neue Kabinett eintreten zu lassen.