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Nerens herauskommen und zu Taten schreiten. Im tjntereise einer baldigen Inangriffnahme dieser Auf­gabe müssen Sonderwünsche zurücktreten; sollte das nicht freiwillig geschehen, dann muh von der Ver­waltung mit aller Entschiedenheit darauf hinge- arbeitet werden, dah die Entscheidung für die dring- lichste Aufgabe rasch gefällt wird. Und natürlich sind die Mittel für den zweiten Teilbetrag wieder in den Voranschlag einzustellen. Hier noch weiter zu sparen, nachdem auf diesem Gebiete seit 1896 nichts burcfc greifendes mehr geschehen ist, sondern man sich immer nur mit Aushilfsmitteln begnügte, geht nicht mehr an. m ,

ftör die Errichtung von Wohnungs­bauten, für die im Vorjahre 500 000 Mk. einge­stellt waren, sind bis jetzt keine Mittel voroesehcn. Nach der Bekanntgabe der staatlichen Vorschriften über die Förderung des Wohnungsbaues durch Ge­währung von Baudarlehen soll die Bereitstellung städttscher Mittel einer besonderen Beschlußfassung des Stadtparlaments vorbehalten bleiben. Man darf wohl annehmen, dah der Wohnungsfrage auch im neuen Haushaltsjahre die erforderliche ernste Be­achtung und weitmöglichste Hilfe zuteil wird.

Der Erbauung von Straßen, We­gen und Anlagen sollen 200000 Mark bie­nen, im Vorjahre 220 500 Mk.; rechnet man dazu noch die veranschlagten Mittel in Höhe, von 100 000 Mk. für die Anschaffung von Materialien zur Ausführung von Straßenbauten, so kommt man auf die Gesamtsumme von 300000 Mk.. von der aber die Kosten für die jetzt erstehenden An­lagen vor dem 5)ot:T Kühne in der Bahnhofstraße abzuziehen sind. Diese Voranschlagssumme ent­täuscht in hohem Maße. Mit diesen Mitteln kann man allenfalls nur wieder die allergrobsten Scha­den für kurze Zeit reparieren, sonst aber ist nichts zu erwarten. Mit der ewigen Fuckschusterel wird man den Erfordernissen jedoch in keiner Weise gerecht. Viele unserer Straßen sollen also weiterhin in einem Zustand belassen bleiben, der in breiten Dürgerkreisen mit Recht als öffentlicher Skandal empfunden wird. Diese Auffassung kam il a. anfangs dieses Jahres auch in einer Ge° samtauSschußsitzung des Verkehrsverems mit Rachdruck und aller Deutlichkeit insbesondere von

Aus

DiewirlschaftlicheLagederBasaltrndustrie

des Westerwaldes

produzieren.

Oberhesfen.

Landkreis Gießen.

Geschäftsleuten züm Ausdruck. Damals erhielt man von einer hervorragenden Persönlichkeit, die in der kommunalen Arbeit an wichtiger Stelle mitwirlt. beruhigende Erklärungen, die Aussichten auf durchgreifendere Maßnahmen zur endlichen Beseitigung der unhaltbaren Verhältnisse eröff­neten. Unb nun sieht man, dah für das neue Jahr sogar noch weniger Straßenbaumittel vor­gesehen sind als im Vorjahre. An der Lauterkeit der Worte jenes hervorragenden Herrn zu zwei­feln, besteht kein Anlaß. Auf welche Weise das außerordentlich magere Ergebnis zustandegekom» men ist, entzieht sich unserer Kenntnis, wir ver­muten jedoch, daß auch hierfür Sparsamkeits­erwägungen der Verwaltung entscheidend waren. Die Berechtigung dieser Gründe vermögen wir bei diesem Titel nicht einzusehen. Die jetzigen Zustande in der Bahnhofstraße. Westanlage, Reu- stadt, Asterweg, Ederstraße, Schillerstraße. Gar­tenstraße usw. usw. erfordern dringlichst eine durchgreifende Besserung, auf die man schon eine ganze Reihe von Jahren wartet. Die Stadtver­ordneten sollten sich diesen Titel sehr genau an­sehen; sie sollten die obengenannten Straßen und noch manche andere dazu einer gründlichen Be­sichtigung unterziehen und mit aller Energie dar­auf dringen, daß wir nun endlich aufhören, jahr­aus. jahrein nur eine Stadt der geflickten Straßen zu fein. An der Visitenkarte der Stadt zu sparen und gleichzeitig Fremde zum Besuche aufzufor­dern. das sind zwei Dinge, die sich nicht vertragen. Mögen unsere Stadtväter dafür sorgen, daß hier endlich ganze Arbeit geleistet wird!

Wir haben zu Beginn unserer Betrachtung gesagt, vom Standpunkt des Steuerzahlers aus könne man mit dem Voranschlag zufrieden sein, unter dem Gesichtswinkel der vorwärts- und auf­wärtsstrebenden Kommunalpolitik aber habe man an ihm sehr viel auszusehen. Wir glauben bar­getan zu haben, daß die letztere Meinung be­rechtigt ist. Möge es nun in den Beratungen des Stadtparlaments gelingen, den Standpunkt des Steuerzahlers und die Forderungen des kommunalpolitischen Fortschritts einander zu nähern und wenigstens auf der mittleren Linie zu vereinigen.

tur nicht erkennen wollten, recht kräftig fühlen müssen. Man hatte die ungeheuren Lasten über­sehen, die unserer Wirtschaft durch die An­nahme des Dav esplanes auferlegt worden sind und für deren Aufbringung die Substanz weg- gesteuert werden mußte. Fehlte schon ohnehin der Industrie das notwendige Betriebskapital, um ihre Werke in Gang halten zu können, so führten die steuerlichen Maßnahmen des Reiches zur vollständigen Schließung vieler Werke. In­folgedessen blieben die Steuern gänz'.ich aus. und bereits im Spätsommer fehlten den Behörden die Mittel, um weitere Bestellungen machen zu können; zUm Teil waren sie sogar gezwungen, erteilte Aufträge wieder zurück'.uziehen.

Diese Depression hat die Steinindustrie b i s Mitte März dieses Jahres beein­flußt. und noch heute sind die Auswirkungen zu spüren.

Der Bedarf ist ganz erheblich zurückgegangeü, die Verkaufspreise liegen für einzelne Steinsorten nur um ein Geringes über den Friedenspreisen, während die Gestehungs­kosten infolge der heutigen Arbeiterlöhne und der hohen sozialen Lasten weit höher als im Frieden sind. Unter diesen Umständen ist es erklärlich, daß fast sämtliche in den letz­ten Jahren neu entstandenen Werke soweit sie nicht gut fundiert waren, wieder zur Stillegung gekommen sind. So sehr man es auf der einen Seite begrüßen würde, wenn diese Betriebe sich behauptet hätten, da sie vielen Gegenden neue Btzschästigunasmotzlichkeilen brach­ten, so darf man andererseits nicht vergessen, daß der Steinbruchbe rieb heute durch die großen Maschinenanlagen aus tem einfachen Handwerks-

Gießener Stadttheater.

Walter ftollo:Marietta".

Der Abgesang der winterlichen Spielzeit am Stadttheater heißt:5R a r i e 11 q, Operette in drei Sitten von Robert Bodanfky unb Bruno Hardt-Warden; Gesanaskexte von Willi Kollo; Musik von Walter Kollo. Nun, es ist unbestreitbar: Die Herren Kollo verstehen sich (aus langer Hebung und erprobter Praxis) auf das Ge­schäft und wissen die rhetorischen Fragen ad spec- tttores wirksam zu formulieren. Etwa so damit fängt es an:Was war' die Welt, die schöne Welt, ohne Frauen, ohne Liebe, ohne Geld?!" In der Tat, so gut wie nichts; der Schlagkraft dieser drei Weltargumente kann man sich schwer entziehen, in einer Operette schon gar nicht.

Das, worauf es ankvmmt in den drei Akten dieses Abends, kann natürlich auch anders aus- gedrückt werden. Und jedermann wird es schmun­zelnd verstehen und freundlich akzeptieren. Zum Beispiel:Was eine Frau im Frühling träumt, ift süß und dumm und ungereimt ..." Oder ist es vielleicht nicht ungereimt, wenn die Herzogin Marietta von Lavarnaeventuell ... eventuell!" auf die ausgefallene Idee kommt, sich in der schäbigen Vermummung einer kleinen, braunen Orangenverkäuferin von der Piazetta an den schicken und schier unwiderstehlichen Rennleutnant Eavaliere bi Torelli heranzuschlängeln'?

Noch ungereimter, daß es wirklich em kleines Orangenmädel gibt, das merkwürdigerweise auch Marietta heißt, und das für ein paar Stunden ein Abenteuerchen in der großen Welt erleben und die Lavarna spielen darf, bis dierauhe Wirklichkeit"

Durchweg erfordert oHo der Steinbruchbe-. trieb ein großes Anlage- unb Betriebskapital unb die Massenproduktion eine günstige Lage zum Eisenbahn- oder Schisfahrtsweg.

Diejenigen Werke, die unter Berücksichtigung dieser Punkte angelegt und ausgebaut find, wer­den die augenblickliche Krise überstehen und wie­der Leistungen erzieln, durch welche die Geste- hungstosten auf friedensmäßige Ziffern herab- gebrüclt werden können. Rur so ist es möglich), beschäftigt zu bleiben und der: Behörden das

den kann. Es gibt Brüche auf Wald, die

ir 8 Stunden über 1000 Tonnen

für den Ausbau der Straßen notwendige Ma­terial zu liefern, ferner nach dem Ausland einen besseren Absatz zu erreichen, nach Holland aller­dings im scharfen Wettbewerb mit Belgien und Schweden. Der Wunsch der Westerwälder Stein- inbustrie nach niedrigen Eisenbahn- Tarifsätzen. insbesondere nach dem R h e i n und nach Holland, ift daher verftändlrch Ebenso die Forderung auf

Schiffbarmachung der Lahn, wodurch auf alle Fälle eine Verbilligung der Frachten nach Holland erreicht wird.

Der Westerwald bildet heute für einen gro­ben Teil unseres Landes di^ Steingrube, und deshalb wird die Wirtschaftlichkeit ferner Dasaltinduftrie stets im engen Zusammenhang mit der Gesamtlage unseres Wirtschaftslebens stehen Deutschland ist aber ein Industriestaat, dessen starke geistige und körperliche Energie auf ihre Auslösung wartet. Diese muh kommen, wenn es wieder aufwärts gehen soll. Der Wille unseres Volkes ist vorhanden, und daher kann die Steinindustrie um ihre wirtschaftliche Ge­sundung, wenn auch noch manche Härten zu überwinden sind, unbesorgt sein. HO.

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Vor 30 Jahren war uns das Hochplateau zwischen Sieg, Rhein, Lahn und Dill, der Westerwald, hauptsächlich wegen feiner Ra- lurschönheiten bekannt; die Industrie hatte auf ihm erst an wenigen Stellen Fuß gefaßt. In der Hauptsache waren es der Bergbau und die Tonindustrie, die einem Teil der Bewohner Be­schäftigung gaben, während viele Hunderte als Handwerker oder Hausierer in fernen Gegenden ihren Unterhalt verdienen mußten.

Eine Wendung trat ein, als man den Wert der B a s a l t st e i n e erkannte, an denen der Westerwald einen großen Reichtum be­sitzt. Die meisten aus dem Plateau sich abheben- den Kuppen sind Bafaltkegel, Eruptivgebilde, deren Massen sich zum Teil bis in die Täler ergossen haben, so dah dadurch ein flach-welliges Hügelland entstanden ist. Die Formen, ift denen der Basalt vorwiegend vorkommt, sind die Säu­len- und die Plattenform. Erstere liefert die Wafserbausteine, letztere die Pflastersteine und den Steinschlag. Es wird aber auch der säulen­förmige Basalt, dort, wo das Material zart ist, zu Pflastersteinen verarbeitet.

Die großen Eisenbahnzüge, die täglich mit Steinmaterial nach vielen Gegenden Deutschlands und. soweit das Ausland in Frage kommt, vor­zugsweise nach Holland gehen, beweisen am besten, welchen Umfang die Basallindustrie des Westerwaldes angenommen hat.

Die Tagesproduktion beträgt mehr als

10 000 Sonnen, zu deren Bewältigung tausende von Arbeitern erforderlich sind und jetzt ihr Brot in der Stein- Industrie ftnben. Da die meisten Brüchs Eigentum der Gemeinden oder des Staates sind, so haben die Behörden vielfach auf Grund der abgeschlosse­nen Pachtverträge recht ansehnliche Einnahmen

Wie liegen nun die Verhältnisse in wirt­schaftlicher Beziehung? Hierzu ist es notwendig, einen kurzen Rückblick auf das letzte y a t)t zu werfen. In bet ersten Hälfte des Jahres 1925 waren sämtliche Betriebe sehr gut beschäftigt; sie konnten die vorliegenden Auf­träge kaum bewältigen. Die Preise zogen sehr stark an, und als Folge davon entstanden über­all neue Steinbrüche, die von Meistern oder Unternehmern aufgeschlossen wurden in bet Annahme, in kurzer Zeit große Reichtümer an- sammeln zu können. Im Herbst kam bann bet Zusammenbruch so ziemlich auf der ganzen Linie. Die Auswirkung haben auch alle Werke, bie im Frühjahr bie Scheinblüte biefer Hochlonjunt-

n. Großen-Linden. 4. Mai. Lützellinben ist imGießener Anzeiger" Rr. 100 zweites Blatt über bie alten Fach­werkgebäude berichtet. Auch hierorts gibt es derartige Gebäude in größerer Anzahl. Bedauerlicherweise hat man manchmal diese, Eichenholzhäuser mit Mörtel verputzt. In neuerer Zeit beseitigt man mit Recht den Verputz unb- macht das Holzwerk dem Auge wieder sichtbar. So wurde auch hier der Verputz am hiesigen Schulhaufe vor einigen Jahren entfernt, unb da kam folgende, auf dem Eichenholz eiags- meißelte Inschrift zum Vorschein: Mll Ding auf Erd vergänglich ist, allein dein Wort Herr Jesu Christ, bleibt wahr, beständig und ge­recht obschon die Welt dasselb verschmacht, wer Christo glaubt unb ihm vertraut, hat wohlweis­lich aufgebaut. Aufgerichtet den 10. Dag Juni

betrieb herausgewacksten ift unb nur burch Ein­stellung auf Massenproduktion eine Senkung der Gestehungslof en herbeigeführt Wer­dern Wester-

nistisch der mittelalterliche Don Juan und Werther der RcnNanheld aus der zweiten Hälfte des 18. Jahr­hunderts, ein Romane und ein Germane, als Typen ihrer Raffen in einem Drama gegenübergestellt. LI?' manns dramatisches Gedicht hat unter dem Ti!« D o n I u a n u n d W e r t h e r" im Hessischen Lan- destheater als Unternehmen derJunge" Bühn c", die es sich zur Aufgabe gesetzt hat, W jüngeren Dramatiker zu Worte kommen zu lassen, seine Uraufführung erlebt. Der Dichter hat versucht, den Don-Juan-Typus zu vertiefen; er ist ihm mey> als der Weiberverführer, das Urbild eines Wn' fchen, der außerdem noch Macht und Reichtum be­sitzen will. Durch die maßlose Sucht danach versau- Don Juan in Wahnsinn. Werther ist fein Gegen­spieler; seine blasse Gestalt erscheint wie ein Ma» ner vor Ge ähren. Er schreitet durch das Drama M ein Gespen t, das Don Juan, der hier den TW einesFür ten von Gibraltar" führt und eine nir difche Stadt belagert, als Warner nach Art bes Ge­treuen Eckard begleitet. Der größte Teil von Up manns Dichtung besteht aus philosophischen Reoe der beiden Helden, die recht lang unb langwellig v raten sind. Die Ausführung selbst trug auch nm dazu bei, das Drama dem Publikum naherzuvro gen. Dem rhetorischen Wortschwall hätten 0 bessere Künstler kein Leben einhauchen können, . die ungepflegte Sprechkunst der meisten Darrrtltaou, Darsteller machte überhaupt ein Verstehen des 9 snrochenen Wortes fast unmöglich. So war betin Verlauf des Abends höchst unerfreulich; D'lYN'o und Darstellung wurden vom Darmstadter V» blihim mit eisiger Kälte abgelehnt. Nur ein (frei deskreis des Dramatikers, der ans FrönttUrr w kommen war, rief ihn einigemal nor dl-' Rampe.

fit wieder in jene niederen Regionen verstößt, aus denen sie stammt. Försterchristelschick'sal in Dllodez. Melodie:Heute noch mit stolzen Mienen morgen wieder Apfelsinen!"

Wenn - --I nun noch (als gewissenhafter Chra- nifi) fcftfaUf, daß einige zeitgemäße AnsvieluNaen aus d it Pariser Franken, auf denfröhlich"n Weinberg" und auf das Gemeindebestimmungsrecht nicht fehlen, und daß die Endkonstellation (Akt 3) sich vernünftigerweise und ohne soziale Experimente so darbietet, daß einerseits die Lavarna und der To­relli, anderseits die Drnngcnmarietta und der lazza- ronihaste Straßenmusikant sich als Paare empfehlen, dann dürste das Nennenswerte über diese ab­schließende Overetlenneuheit gesagt sein.

Halt ein noch sei zweier Chansons gedacht, die füglich zu den musikalischen Schmuckstücken des Merkchens zu zählen sind. Das ift das sehr Hubs: Auftrittslied des Gassensängers Nicolo und ist last not least die oft wiederholte, längst populär gewordene, sehr einschmeichelnde Melodie:Warte, warte nur ein Weilchen, bald kommt auch das Glück zu dir ..." Vielleicht ist das Liedchen noch zur rechten Zeit hierher gelangt, um den nachgerade zum Ueberdruß abgeleierten Sonnenscheinsang mildtätig abzulösen. (Er- ist ja nicht nötig, den ander märts peinlich umgedichteten Text unterzulegen.)

Die Aufführung unter Steinbrecher war im ganzen recht löblich, excellierte (abgesehen von schon Genanntem) mit dem aufregenden Pferderennen de^ ersten Aktes, dos man gewissermaßen durchs Tele­phon mitreiten konnte, mit einem schneidigen Her- rensertett und einer hochdramatischen Szene (rotes Licht!) zwischen der tollen Herzogin Lavarna und dem Cavaliere Torelli. Wohingegen man ein paar peinlich-falsche unb sentimentale Kinotöne der schei-

oor einiger Zeit sämtliches Rindvieh (rund sechzig Stück) wegen der Seuche hatte abschlachten müssen und nun seine Viehbestände wieder ergänzt hatte. Daß unter diesen Umständen der in 3 Wösten vor­gesehene Markt, der Sicher P s i n g st m a r k t, wahrscheinlich ausfallen muh, ist sehr zu bedauern, zumal schon etliche Jahre lang unsere Märkte in­folge Viehseuchen nicht mehr gehalten wurden zum Schaden vieler interessierter Geschäftsleute. Viel­leicht ist aber jetzt schon ein Ausweg zu suchen, um die Abhaltung des Marktes doch zu ermöglichen.

Hungen, 3. Mar. Heute erfolgte auf der Jungviehweide Tiergarten der Auftrieb der Jungtiere. Es wurden 83 Rinder des Vogelsberger und des hessischen Flcckviehschlages auf die Weide gebracht. Rachsten Donnerstag folgen noch 40 Fohlen der oberhesfischen Kall, und Warmblutzuchten. Die an der Horloff ge­legene Weide zeigt einen guten Futterstand.

Kreis Friedberg.

y. Wölfersheim, 3. Mai. In feiner jiinh- sten Sitzung beschloß' der ©emeinberat u. a. die Genehmigung eines Gesuchs des Bauern­bundes um Anlage von 16 Stechkontakten im Orte zwecks Inbetriebsetzung der Dreschmaschine. Die Gemeinde trägt die Jnstallationskosten von zirka 3000 Mk. Zur Wiederbelebung der Dauwirtschaft durch steuerliche Begünstigung wurde auf behördliche ynregung^eftimmt, daß wie dies Staat, Provinz und Kreis Man haben auch die hiesige Gemeinde für alle in diesem Jahre begonnenen Wohnungsbauten die Gemeindegrund- fieuer auf 5 Jahre erläßt. Auf ein Rundschreiben des Hess. Heilstättenvereins, dessen Mitglied unsere Gemeinde ist, um eine Beihilfe zum Erweite­rungsbau der Lupusheil st ätze zu Gie­ßen wurde ein außerordentlicher Beitrag von 20 Mk. bewilligt. Die Gemeinde läßt als Privatperson vom Rathaus aus mit einigen anderen Hausbesitzern ein Stück Hauptstraße kanalisieren mit der Maßgabe, daß die Beteiligten gleiche Kosten zu tragen haben und spätere Anschließer den auf sie entfallenden Bruchteil der ersten Anlagekosten ent­richten müssen. Dem Pflasterer und Steinliefa rant Z. aus Bisses wurden zwei Straßen- pfla ft erarbeiten für 8Mk. pro fluabratmeter bei Selbstbesorgung allen Materials übertragen. In einem Gehöfte unseres Ortes ist die Rotlauf­seuche festgestellt worden.

Kreis Biwingeu.

Ridda , 3 Mar. Am ScunsfagnaHmittag ereignete sich auf der Straße von hier nach Fauerbach im Oberleiser Walde ein äll n glÜck s - fall. Der Mechaniker und Fahrradbandler Otto V r e n n h e l l von hier rannte auf feinem M o - torrad mit einem Radfahrer von Fauer­bach zusammen. Während letzterer, ein jüngerer Arbeiter, mit geringen Verletzungen davvnkam. erlitt Prennhell schlverere. unter anderen einen Sprung des Gesichtsschädels. und liegt nun schwerkr ank danieder. Dem Vernehmen nach soll der Radfahrer den Eindruck eines sehr unsicheren Fahrers erweckt haben, so daß dem Motorradfahrer das Ausweichen sehr erschwert worden sei. ,

A Ridda, 3. Mai. Gestern abend entlud sich über unserer Stadt gegen 7.30 Uhr plötz­lich ein starkes Gewitter, das den er­sehnten Regen für die Fluren brachte. Gleich der erste Blitz schlug in das Wohnhaus des Färbermeisters Heinrich R u p p e l in der Reuen Straße ein, glücklicherweise ohne zu zünden. Es entstand nur an der elektrischen Lichtleitung einiger Schaden.

Ridda, 3. Mai. Unter Berück acht'- gung der schwierigen Wirtschaftslage hatten die Arbeiter des HimmelsbachschenSäge- Werks und der Papierfabrik Ober- Schmitten beschlossen, von einer Feier des 1. Mai abzufehen. Den Bemühungen de« Turnvereins ist es gefangen, die (Genehmi­gung zur Veranstaltung einer Lotterie zu er­halten. Der Reingewinn wird zur FinanZerunü des TurnhallenNeubüus verwandt. Wan hofft, die Arbeiten an der neuen Turnhalle so fördern zu können, daß sie anläßlich des großen Gau turn lest es am 12. Juli ihrer Best'.nt- mung übergeben werben kann.

Bad-Salzhaufen. 3. Mai D" Badesaison beginnt am heutigen 3 M Das neue Gradierwerk mit Wandelhalle ist fertiggestelll und wird von den Kurqasttn mit lebhafter Freude begrüßt werdew

- Aus dem Riddätal. 3. Mai. Wob- rehb des ganzen vergangenen Monats mach'« sich ein auffallend starkes Sterben alter Leute bemerkbar Wenn auch im a(Tqcn e-.ncti der Tod das Alter im Frühjahr schärfer aw- packen pflegt, so übersteigt doch in diesem Jahr die Zahl der Todesfälle weit das gewohnte Wah. Mancherorts lagen zwei, ja drei To e zu gleich« Zeit darnieder und harrtest ihres Grabes, be­günstigt wurde das Sterben durch die Grippe In Eichelsdorf tritt die Grippe be­sonders stark auf. Sie befällt ganze $anulten ohne ein Glied zu verschonen. Im allgemein«1

Anno Domini 1611.

t. Linden st ruth, 3. Mai. In der oerganae- nen Woche wurde die Kommission für die Feld­bereinigung gebildet. Gegenwärtig arbeitet das Kulturbauamt die Pläne aus. Zur Beschaffung der notwendigsten Gelder sollen zunächst von jedem Landbesitzer pro Morgen 5 Mk. erhoben werden. Nach der Heuernte soll mit der D e r l e g u n g d e r Wies eck begonnen werden. Das Flußbett wird nahe der Bahn hergelegt, während es jetzt mit vielen Windungen sich durch den Wiesgrund zieht. Damit in Verbindung muß im Dorf eine neue Brücke gebaut werden. Dies hätte in absehbarer Zeit doch geschehen müssen; denn die jetzige Brücke ist alt und nicht hochwasserfrei. Dadurch mußte in diesem Winter bei dem Hochwasser der Verkehr über die Brücke mit Fuhrwerk aufrecht erhalten werden. Mit Rücksicht auf die hohen Kosten soll nicht die ganze Gemarkung bereinigt werden, sondern nur der Wies­grund zwischen Bahn und Straße. Dies ist um so dringender notwendig, als der früher so ertrag­reiche Wiesengrund zum großen Teil versumpft ist. Auch besitzt die Gemeinde sonst keinerlei Wiesen­gelände, so daß zur Zeit mancher Bauer mehr als die Hälfte seiner Heu- unb ©rummeternete ein- büßen muß. Obgleich die Kosten der Bereinigung für unsere Gemeinde eine schwere Belastung be­deuten, läßt sie sich doeh nicht länger hinausschieben, wenn nicht die Viehhaltung erheblich herabgemindert werden soll. Am Mittwochabend brach in dem Laden des Kaufmanns A. Feuer aus. Da Fenster und Türen geschloßen waren, konnten die Flammen nicht hachschlagen. und erst als der Qualm das Haus erfüllte, wurden die Bewohner wach. Die Feuerwehr wurde sofort alormiert, und durch ihr schnelles Eingreifen konnte das Feuer auf feinen täerd beschrankt werden. Ein großer Teil der Waren verbrannte odet war beschädigt. Die Ursache des Brandes konnte noch nicht festaestellt werden. Die Staatsanwaltschaft weilte hier, um Nachforschungen anzustellen, es konnte jedoch kein Greifbares Ergebnis festgestellt werden. Wie man härt, ist der Geschädigte mit seinen Waren hoch ver­sichert.

-ß Lich, 3. Mai. Die Lungenseüche, über bie wir bereits berichtet haben, hat auf die schon em wähnjen Gehöfte der Landwirte Karl Gl ücker und Heinrich Roth übergegriffen. Beide ^Viehbe­stände wurden am Freitag dem Gießener Schlacht- hkif überführt und unter tierärztlicher Kontrolle ab geschlachtet. Wie man hört, sollen im Laufe biefer Woche in unserer Stadt weitere Blutproben beim Rindvieh vorgenommen werden, da man be­fürchtet, daß die Seuche vielleicht schon weiter um sich gegriffen hat. Die Landwirte sind in großer Aufregung über den weiteren Verlauf der Seuche. Besonders gefährdet ist der Rindviehbestand des in nächster Nachbarschaft obiger verseuchten Hofreiten liegenden Fürstlichen Gutshofes, der erst dcstden Marietta gern vermißt hätte. (Ganz neben­bei: Sekt ist eine edle Flüssigkeit, die man nicht aus Wassergläsern trinken soll; selbst wenn's Limonade ist.) Das Orchester von Eugen Neff geleitet spielte mit Schmelz und Wärme, mir bie Zwischen- aftspartien klangen stellenweise etwas matt

Aus der Besetzung: Else Simon, diesmal blauschwarz", ein niedlicher und luftiger Scam- j polo mit liebebedürftigem Herzchen; stimmlich ein i wenig reserviert. Friedel G i e r g a: die richtige La- I Darm-, grande dame mit überlegenen Allüren und Verführungskünsten und übrigens einem frischen und hellen Sopran. Von den Herren fochten in erster Reihe: Steinbrecher (sehr liebenswürdig als unwiderstehlicher Turfkavalier). Wester- meier (gemütvoller armer Schlucker Nicolo) und Patsch ky (alter Lebemann, dessen vielbelachte Komik gewinnen würde, wenn er sein sprudelndes Temperament etwas an die Kandare nähme und auf billige Mätzchen verzichtete). Man unterhielt sich drei Stunden lang, angeregt unb dankbar. Dr.Th.

Uratitiüf?ruii in Darmstadt.

Das Suchen und Tasten der jüngeren Dichter­geschlechtes nach einer neuen dramatischen Form hat den Dramaturgen am Staatstheater in Berlin, Heinz Lipmann, veranlaßt, einmal einen Schritt in die Vergangenheit zu tun und es mit einer Sprache in Jambenform zu versuchen. Gleichzeitig hat er mit Kühnheit sich eines Dramenstoffes der Weltliteratur bemächtigt, nämlich des Don Inan und seiner Liebesabenteuer. Dieser ist jedoch nicht der einzige Held von Lipmanns Dichtung, denn sein Schicksal'ist mit dem Werthers verkettet worden. Schon Grabbe hatte den Einfall, Don Juan mit Faust zusammenzubringen; hier sind nun anachro-

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