schwere finanzielle Verluste herbeifüh- ten, wodurch bie Lebenshaltung auf viele 8ahre hinaus beeinträchtigt werde. Das Blatt äußert die Besorgnis, daß der Sieg der Regierung so vollständig sein werde, daß reaktionäre Einflüsse ihn auszubeuten suchen mürben, eine Möglichkeit, die ebenso gefährlich sei, wie irgendeine Drohung der extremen Linken.
Bedrohung der Pressefreiheit.
London, 3. Mai. (WR.) Der liberale „S t a t" erschien heute allein von den Abendblättern. Im Laufe des Nachmittags forderten indessen die Maschinisten, daß eine Mitteilung, enthaltend die, Aufforderung zur Indienststellung von Freiwilligen aus dem Blatte entfernt werde. Dies wurde vom Chefredakteur a b a e l e h n t, worauf die Maschinisten die Arbeit einstellten und der Rest der Abendausgabe ungedruckt blieb. Dis letzte Ausgabe des Blattes wurde den Verkäufern förmlich aus den Händen gerissen. Einzelne Exemplare wurden dabei bis zu 2'Schilling 6 Pence bezahlt.
Verschiedene Angestellte der „Evrning News" protestierten gegen die Veröffentlichung eines Leitartikels der ..Daily Mail", der bereits die Ursache zum Nichterscheinen der ..Daily Mail" am Morgen war. Da die Redaktion der „Eve- ning News" sich weigerte, den Artikel zurückzuziehen. trat ein Teil der Drucker in den Streik, so daß nur die erste Ausgabe des Sportteils ersckeinen konnte. 'Der frühere Abgeordnete der Arbeiterpartei. George Roberts, der im Jahre 1918 Arbeitsminister war, erklärte, daß die Haltung der Londoner Drucker, dir durch ihre Arbeitseinstellung das Erscheinen gewisser Zeitungen verhindern, einen ungerechtfertigten Eingriff in die Freiheit der Presse darstellt. Die Organisation der Arbeiterpartei, so erklärte Roberts, begebe sich auf ein gefährliches Gebiet, wenn sie den anderen die Gewährung der Redefreiheit verweigerten. auf die sie selbst so großen Aun- spruch macht.
In Pariser Beleuchtung.
Paris, 3. Mai. (TU.) Die Presse beschäftigt sich heute ausschließlich mit dem englischen Generalstreik. Der „Temps" erklärt, der englische Generalstreik sei eine revolutionäre Handlung. Das Kabinett Baldwin könne sein Prestige nur dann retten, wenn es daran festhalte, daß die Trade Tlnions die ausgegebene Generalstreikweisung zurückziehen. In Finanzkreisen befürchtet man starke Rückwirkungen des Streiks auf die internationale Finanzlage. Die englische Finanz beabsichtigt nach hier vorliegenden Meldungen einer Schwächung der britischen Valuta durch Verkauf größerer Mengen ausländischer Devisen zuvorzukommen. Hier befürchtet man davon eine ungünstige Beeinflussung des Franken.
Amerikanische Gäste in Berlin.
Der Reichsaußenminister auf dem Festbankett für die amerikanifche
Hoteliers.
Zu Ehren seiner amerikanischen Gäste veranstaltete der „Verein Berliner Hotel- und verwandter Betriebe" am Montagabend Im Kaisersaal des Zoo ein Festbankett, zu dem der amerikanische Botschafter Schur mann, die Reichsregierung. Aeichstagspräsident Loebe, Oberbürgermeister Do eß und viele andere Ehrengäste geladen waren.
Im Laufe deS Festmahls hielt Reichs - außenMinister Dr. Stresemann eine Ansprache, in der er u. a. folgendes ausführte.
„Im Frieden", so hat Goethe einmal gesagt, . „sendet man die Tüchtigsten von einer Welt- gegend zur andern." Sie tragen den Rühm der l amerikanischen Tüchtigkeit in die Welt. Sie sind in der Welt führend in Ihrem Gewerbe. Wer f die Schönheiten der Erde kennen lernen teilt, der muß reisen und wandern. Wer reisen will, muß wohnen uick> da treten Sie in Funktion, um den Menschen in Ihren großen Gaststätten das zu ersetzen, was ihnen in der Heimat das eigene Haus, die eigene Wohnung gibt. Ich sehe mit Freude die internationale Verbindung zwischen Ihnen und Ihren Kollegen. Aber ich hoffe, daß auch im Hotelwesen die Individualität - sich erhalt. Bauen Sie nicht dasselbe Hotel für die ganze Welt, lassen Sie uns etwas zum Wundern und etwas von der Eigenart der Staaten und Länder übrig. Wenn wir aus der Erde reisen sollen, dann muß Friede sein. Gebe Gott, daß in dem Vechältnis der Völker zueinander der letzte große Krieg nur als das letzte große furchtbare Märchen weiter lebt, von dem es später heißt: Es war einmal. Kein Volk hat so viel durch diesen Krieg gelitten wie Deutschland. Einst waren wir reicher und konnten mehr aus- ruhen. Jetzt werden wir für lange Zeit nrrr das Volk der Arbeit fein. Aber tetr wollen w i eder in die Höhe kommen. Bei aller Arbeit wollen wir alte Freundschaften nicht vergessen. Als ich in den Vereinigten Staaten war, haben wir am Schluß eines großen Kongresses das alte Volkslied gesungen: Old Long Sy ne. Möge es auch über unfern Beziehungen stehen als das Zeichen für Friede und Freundschaft, unter dem wir leben wollen. Grüßen Sir. wenn Sie zurückkehren, den großen Repräsentanten Ihres Voltes, den Präsidenten Coolidge. Sagen Sie ihm, wie sehr wir ihm auch dankbar dafür sind, daß er uns Persönkich-keiten von der Bedeutung und dem Charakter eines H o u g h t o n und S chu rm a n n nach Berlin gesandt hat. Bewahren Sie auch dem, was Sie in Deutschland gesehen und erlebt haben, eine gute Erinnerung in Ihrem Herzen und lassen Sie uns hoffen, daß Ihr Besuch in den Ländern des alten Erdteils mit eine Basis sein möge für Friede und Freundschaft zwischen den Völkern ter Erde. — Nach dem Reichsaußenminister erhob sich der amerikanische Botschafter Schurmann, von den Anwesen l en osbentativ begrüßt, zu kurzen sehr herzlichen Ausführungen.
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Am Vormittag war eine Abordnung der amerikanischen Hoteliers vdm Reichspräsidenten von Hindenburg und in der Reichskanzlei vom Reichskanzler Dr. Luther empfangen worden.
Die landw rtschasMchen Kredite der Landesbanken.
Berlin, 3. Mai. (WTB.) In einer Kleinen Anfrage deutschnationaler Landtagsabgeordneter wurde zur Sprache gebracht, daß die M j n d e st - betrüge der Hypothek-en aus Mitteln der 4Volddiskontbank seitens der Landesbank der
Rheinprooinz auf 2000 Reichsmark festgesetzt worden seien. Infolgedessen wurden viele Anträge kleiner Landwirte, die diese Mindestgrenze nicht erreichen, abgelehnt. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst der Antwort des Ministers des Innern entnimmt, hatte die Landesbank der Rheinprooinz die Mindestgrenze deshalb auf 2000 Reichsmark festgesetzt, weil bei kleineren Hypotheken die 5t o ft e n für die Beschaffung der erforderlichen Unterlagen und der Grundbuchkösten verhältnismäßig so hoch waren, daß bei Berücksichtigung der verhältnismäßig kurzen Dauer dieser Kredite die sich daraus ergebene Belastung gerade den hierfür in Frage kommenden kleinen Kreditnehmern nicht zugemutet werden könne. Auf Veranlassung der Rentenbankkreditanstalt hat die Landesbank der Rheinprovinz indessen ihre Bedenken zUrückgestellt und die Festsetzung einer Mindest grenze aufgehoben.
Fritz Rausenberger f.
Wie wir schon kurz meldeten, ist in München Professor Dr. Fritz Rausenberger, der Konstrukteur unserer großen Mörser, der intellektuelle Schöpfer unserer gewaltigen artilleristischen Erfolge im Weltkriege, im Alter von 59 Jahren gestorben. Sein Name wird für immer mit der Entwicklung der deutschen Technik, mit der Geschichte des großen Krieges und mit den Fortschritten der Kriegstechnik verbunden fein, die er durch seine Taten völlig u m g e st a l t e t hat. Man entsinnt sich noch des gewaltigen Staunens, das die ganze Welt durchlief, als einige Tage nach der Kriegserklärung, schon am 7. August 1914, der Fall von Lüttich und kurz darauf die Einnahme von Namur durch deutsche Truppen verkündet werden konnte. Der Tagesbericht des Generalguartiermeisters v. Stein entschleierte dann am 18. August das Geheimnis von Lüttich: „Die Forts, gegen die unsere schweren Geschütze feuerten, wurden in allerkürzester Frist in Trümmerhaufen verwandelt, unter denen die Besatzung begraben wurde." Es war Fritz Rausenberger, der in aller Verschwiegenheit das Wunderwerk dieser 42-Zen- timeter -Mörser vorbereitet hatte, es war die Firma Krupp in Essen, deren Werkstätten seine Gedanken zur vollendeten Tat hatten werden lassen. Diese Mörser — der Volksmund taufte sie später „dicke Berta" — hatten über Nacht alle taktischen und strategischen Vorstellungen, die man bisher von Wert und Nutzen der traditionellen Festungsanlagen und Fortgürtel gehegt hatte, in Grund und Boden geschossen.
Und noch ein zweites Mal brachte sich deutscher Erfindungsgeist durch Rausenberger in warnende Erinnerung. Das geschah, als sich die Pariser in ihrer eigenen Hauptstadt plötzlich höchst unsicher fühlten; denn außer Fliegern und Luftkreuzern wurden sie plötzlich durch geheimnisvolle Geschütze bedroht, deren Standort nicht aufzufinden war, durch Kanonen, gegen die es keine Abwehrmaßnahmen geben konnte. Und wieder hatte Rausenberger das artilleristische Wunder vollbracht: seine Rohre feuerten aus einer Entfernung von 120 Kilometer und wußten trotzdem ihr Ziel und furchtbar zu treffen.
Der Erfinder ist 1868 in Frankfurt a. M. geboren. Er war seit 23 Jahren im Dienste der Firma Krupp; zuerst dem Direktorium, feit 1921 dem Aufsichtsrat angehörend, hat er den Werken stets mit seinem erfinderischen Geiste, seinem scharfen technischen Verstände gedient; für seine unvergänglichen Großtaten auf dem Gebiete der Geschützkonstruktion haben ihn zahlreiche deutsche Hochschulen zum Ehrendoktor ernannt. Wo immer von der Geschichte des großen Krieges gesprochen werden wird, wird man auch den Namen Rausenberger nennen müssen, dessen Taten nicht nur verblüffend und großartig, sondern höchst wirksam und von unabsehbarer Bedeutung gewesen sind.
Gesandter Dr. Pfeiffer f.
München, 3. Mai. (WTB.) Der deutsche Gesandte in Dien, Dr. Pfeiffer, ist heute abend um 9 Ahr im ttrcm-enhaufe links oev Isar an Herzlähmung gestorben.
Maximilian Pfeiffer wurde am 21. 12. 1875 in Rheinzabern in der bayerischen Pfalz geboren. Im Jahre 1899 trat er als Volontär vei der Kgl. Hof- und Staatsbibliothek in München ein. 1903 wurde er als Sekretär der Kgl. Bibliothek nach Bamberg berufen, wo er anfing sich im Rahmen der Zen- trumspartet auch politisch zu betätigen. Im Jahre 1907 wurde er daraufhin für Kronach-Lichtenfels, einem oberfränkischen Wahlkreis, in den Reichs- t a g gewählt, dem er bis zu dessen Auflösung im Jahre 1918 angehörte. Neben einer umfangreichen wissenschaftlichen Schriftstellerei, war er auch lebhaft im Sinne der interparlamentarischen Union mit der Feder tätig. In seiner Eigenschaft als Mitglied der internationalen Kommission für Kriegsgefangenenfürsorge entwickelte er während des Krieges eine besonders lebhafte Tätigkeit. 1919 wurde er in die Nationalversammlung gewählt. Auch in dem folgenden ersten Reichstag der deutschen Republik wurde Pfeiffer 1920 wieder gewählt. Irn Januar 1922 wurde Dr. Pfeiffer zum deutschen Gesandten in Wien ernannt. Das literarische Schaffen Pfeiffers umfaßt hauptsächlich historische Und politische Schriften. Seine Schrift „Theaterelend" (1909) übte eine starke Wirkung au«. Auch schrieb er einen Roman „Kyrie Eleison".
Prinz Vlktsr Napoleon f,
Brussel, 3. Mai. (TU.) Prinz Viktor Napoleon Bonaparte ist heute morgen hier den Folgen eines Schlaganfalls erlegen. Der Prinz, der 1862 in Paris geboren ist, war ein Enkel König Jeromes von Westfalen, des jüngften Bruders Napoleons L, und als Haupt des Hauses Bonaparte, der Thron- präiendent der französischen Bonapariisten. Er war mit der Prinzessin Clementine von Belgien, her jüngsten Tochter König Leovolds !(., vermahlt. Die Anwartschaft auf den französischen Kaiserthron geht nunmehr auf seinen, dieser Ehe entsprossenen zwölfjährigen Sohn Louis über.
Kampfvorbere^lr ng-n m MaroM .
Paris, 3. Mai. (TU.) Die französischen und spanischen Truppen habe ihre o»rbereitcnoen Maßnahmen beendet und ihre Stellungen aus dem rechten Ufer des Uerghaflusses eingenommen. Auch auf feiten der Riftruppen ist eine starke Tätigkeit zu verzeichnen. Es werden gleichfalls alle Vorbereitungen zur Wiederaufnahme der Feindseligkeiten im Falle eines endgültigen Abbruchs der Friedensverhandlungen getroffen. Der Generalgouverneur von Algier, Violette, der in Paris eingetroffen ist, hat einem Vertreter des ..Petit Journal" erklärt, die (Entfernung 21 b b 6 l Krims aus dem Rifgebiet fei für den Frftdsn Unumgänglich notwendig. Die meisten algerischen Stämme seien jetzt Gegner der Sache Abd el Krims.
Ein französisch-rumänischer (BaranHeoertrag.
Bukarest, 4. Mai. (TL1.) Infolge des deutsch-russischen Vertrages Haden die Verhandlungen über einen Garantievertrag zwischen Rumänien und Frankreich wieder eingesetzt. In gut informierten Kreisen verlautet, daß der endgültige Wortlaut schon fertig- gestellt fei. Er bedürfe nur noch der Unterzeichnung. In politischen Kreisen wird e'.ne sehr lebhafte Propaganda für den Vertrag entfaltet. Von gewisser Seite wird auch behauptet, der Vertrag sei schon bei dem Galadiner auf der französischen Gesandtschaft unterzeichnet worden, das am Freitag stattfand und an dem der König und der Außenminister teilnahmen.
Eme Parlamenlsreform.
Vorschläge des ReichStagSpräsidenteu
Löbe.
Berlin, 4. Mai. (WTB.) Reichstagspräsident Lobe, der dem Aelteftenrat des Reichstages in seiner letzten Sitzung ein Programm zur Reform der Parlamentsberatungen unterbreitet hat, erklärte einem Mitarbeiter des „Berl. Tagebl.", daß die Deratungsweise des Reichstages allmählich eine Form angenommen habe, die dem Ansehen des Parlaments auf die Dauer abträglich werden müßte. Bereits jetzt sei eingeführt, daß die Plenarverhandlungen des Reichstages um 2 Uhr beginnen und um 6 älhr enden, also nur 4 Stunden dauern. Um für diese beschränkte Zeit eine nahezu lückenlose Anwesenheit aller Abgeordneten zu erreichen, sollen in jeder Fraktion drei Einpeitscher bestimmt werden, die auf die Anwesenheit der Abgeordneten zu achten hätten. Bei der sozialdemokratischen Fraktion sei diese Einrichtung bereits getroffen. Das Verbot der Verlesung von Reden soll schärfer als bisher gehandhabt werden. Die Reihenfolge der Redner soll nicht mehr wie bisher nach der Größe der Fraktion bestimmt werden, sondern es solle eine kontradiktorische Art für die Debatte eingeführt werden, so daß immer ein Redner für und ein Redner gegen den zur Diskussion stehenden Gegenstand spreche. Die Redezeit bei minder wichtigen Themen soll noch weiter als bisher beschränkt werden und die einstündige Redezeit soll nur für die großen außenpolitischen Diskussionen und für grundsätzliche Fragen bestehen bleiben. Auch sollen die großen und die flehten Parteien nicht d i e gleiche Redezeit erhalten. Endlich solle die Frage geprüft werden, ob nicht wie im englischen und französischen Parlament Zwischenbemerkungen und Fragen der Abgeordneten während der Rede eines anderen eingeführt werden können. Die Vertreter aller Parteien, schloß Lobe, haben meine Anregungen günstig aufgenommen und zugesagt, sich mit ihren Fraktionen darüber zu besprechen.
Die erste pädagogische Akademie in Preußen.
Kultusminister Beckers Eröffnungsrede in Elbing.
Elbüng, 3. Mai (WD.) Die erste der neuen Lehrerbildungsanstalten für Volksschiul- lehrer, die Pädagogische Akademie in Elbing, wurde in Anwesenheit des preußischen Kultusminister Dr. Becker sowie zahlreicher geladener Gäste in der neuen Akademie durch einen Festakt eröffnet. Während der Feier hielt Kultusminister Dr. Becker eine Rede über Bedeutung und Aufgaben der neuen Akademie, in der er u. a. folgendes ausführte: Aeußer- lich ist Preußens erste Pädagogische Akademie ein ehemaliges Lehrerseminar und nie wollen wir vergessen, was das Lehrerseminar geleistet hat. Ich fühle mich veranlaßt, ihm für die Kraft, die es spendete und für den reichen Segen, der von ihm ousgegangen ist, meinen Dank zu sagen. Das alte preußische Seminar war keineswegs schlecht, wie man immer annimmt. Immerhin hatte es manchen Fehler. Sein größter war der Konstitutionsfehler, der zeitgeschichtlicher Natur ist. Das Seminar war auf gebaut auf längst Überhollen Vorstellungen von der Volksschule, der man als Aufgabe den Kampf mit den Analphabetmr stellte. Es war in einer Zell gegründet worden, die die Kluft zwischen höherer und Volksschulbildung für vollkommen unüberbrückbar hielt. Schon im Laufe des vorigen Jahrhunderts jedoch hat sich durch die andere Gliederung des höheren Schulwesens der Wandel vollzogen. Heute ist die höhere Schulbildung nicht mehr allein Vorbedingung für das Hochschulstudium. Wir wollen in der Akademie feine höhere Schule und keine Fakultät probieren, wir wollen den Weg gehen, den uns die Not unserer Zeit vorschreibt, ilnfet Dildungswesen leidet an einem Zuviel des Stosses. Mehr Vertrauen zu sich selber soll der Deutsche haben. Harmonisch soll er sich entwickeln und aus dem „Dich und Du" das „Wir" schassen.
Der Kutisker-Prozeh-
Berlin, 3. Mai. (TU.) Im Kutiskerprozeß wurde eine eidesstattliche Versicherung Holzmanns verlesen, in der dieser behauptet, Michael habe ihm wiederholt gesagt, er wolle Kutisker dadurch vernichten, daß er ihm den Kredit bei der Staatsbank abgrabe; er brauche dazu Holzmanns Hilfe. Zu dem Zweck sei die Komödie in der Abnahmekommission veranstaltet worden. Die falschen Anzeigen an die Polizei wegen angeblicher Waffenbestände im Lager seien von Michael selbst entworfen worden. Holzmann erklärte dazu, daß alle Angaben dieser Versicherung unwahr seien. Nach der Vernehmung der Angeklagten wurde in die Beweisaufnahme eingetreten. Gegen den Protest des Angeklagten Strieter wutde zunächst der psychiatrische Sachverständige, Dr. Hagedorn, oernommen. Er kam zu dem Schluß, daß die Voraussetzungen des §51 bei Strieter nicht Vorlagen, wohl aber pathologische Störungen und Gemütslahmungen.
Es wurde baan i i? Zeugenvernehmung über die Grieger schen Gesellschaften fortgesetzt. Nach den Zeugenaussagen sei Grieger, der sonst ein tüchtiger Geschäftsmann gewesen sei, seit der Verbindung mit der Steinbank vollständig mit den Nerven zusammengebrochen. Er habe auch willenlos alle gegm ihn selbst gerichteten Maßnahmen der Stftnbank unterschrie''''en. ®rieg;r fei durch die hohen Zinsen in vollst ä n o i g e Abhängigkeit von Kutisker
Wettervoraussage.
Bei nördlichen bis östlichen Winden wolkig bis aufklärend, zeitweise unruhig, Nachtfrostgefahr, tagst über mäßige Erwärmung, durchweg trocken.
Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 12,4 Grad Celsius, Minimum 4,7 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur 6,7 Grad Celsius.
geraten und seelisch zusammengebrochen. In den weiteren Verhandlungen sagte eine langjährige Angestellte Griegers aus, int März 1924 habe Grieger zu ihr gesagt, er sei jetzt pleite und könne sich eine Kugel durch den Kopf schießen. Grieger sei durch Kutisker immer in den Glauben versetzt worden, daß seine Aktiven ausgenommen würden und daß er dann seine Firma noch wertvoller zurückbekommen würde. Herr v. Kohl habe aber die Betriebe gänzlich zugrunde gerichtet. Darauf wurde der oft erwähnte Herr v. Koh! als Zeuge in der Angelegenheit der GriegerscheN älnternehmungen vernommen. Nach seiner Aussage haben die Warenlager der GriegerscheN Unternehmungen einen Gesamtwert von etwa 300 000 Mark dargestellt. Es hätten zwar viele Aufträge vorgelegen, aber zu so ungünstigen Bedingungen, daß jede Lieferung einen Verlust bedeutet hätte. Es sei möglich, daß aus diesem Grunde eine V e«rf auf 8- sperre verfügt worden fei. Hohl (teilte bann in seiner weiteren Vernehmung Griner als einen Lumpen hin, während andere Zeugen Grieger das beste Zeugnis ausgestellt haben. Die Verteidigung beantragte den Zeugen v. Kohl wegen des Verdachtes der Beteiligung nicht zu vereidigen. Eine frühere Buchhalterin Kutiskers sagte aus, sie habe auf Veranlassung von Blau Gefälligkeitsakzepte unterschrieben, die nachher über viel höhere Beträge lauteten, als sie sie unterschrieben hatte. Ein Schwächeanfall Ku- ttskers machte dann die Vertagung der Verhandlung notwendig.
Kleine politische Nachrichten.
Reichskanzler Dr. Luther wird, wie jetzt feststeht, am 6. Mai zur Tagung des Deutschen Landwirtschaftsrates in Darmstadt eintreffen. Er wird in einer Ansprache die Agrarpollttk der Reichsregierung beleuchten. Auch der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. H a s l i n b e, der der ganzen Tagung beiwohnen wird, wird eine Rede hallen.
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Der deutsche Botschafter in Paris v. Hösch ist in Berlin eingetroffen, wo er voraussichtlich ein paar Tage verweilen wird, um mit dem Reichskanzler und dem Rrichsminister des Aeußeren die Fragen zu besprechen, die ter De- rcttungsgegen stand der. am 10. Mai rn Gens zusammentretenden Studien kommission sind.
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Der Madrider Zeitung „Sol" wird aus Palma de Majorca gemeldet, ein Sohn des früheren Kaisers Wilhelm halte sich feil einigen Monaten dort auf, um im Hinblick auf die Absichten seines Vaters, Doorn zu Berfa f f en und In Palma de Maiorca Wohnung au nehmen, weiteres zu veranlassen. — Palma ist die Hauptstadt, der der spanischen Ostküste fm Mittelmeeve vorgelagerten Inselgruppe der Balearen.
In Washington Ik -eine Nachricht beim amerikanische Schatzamt • dv, daß Frankreich in den Vereinigten Staaten eine große Anleihe abzuschließen beabsichtige, man glaubt auch nicht, daß diese Möglichkeit im Augenblick besteht.
Aus aller Welt.
Schließung des Koblenzer Stadttheakers.
Die Koblenzer Qtabtbevorbrtc tenDerfaninihmg beschloß das Sttadtthcater eingehen zu lassen und das städtische Orchester aufzu losen. Die Schließung des Theaters ist als endgültig anzu« sehen, da einfe Beihilfe von irgend einer Seite nicht zu erwarten ist.
Mährend des Fußballspiels vom Dlih erschlagen,
In Oppau schlug wahrend eines Fußballspiels der Blitz auf das Spielfeld ein. Spieler, Schiede richter, Linienrichter und ein Teil des Publikums wurden zu Boden geworfen. Der Vereidiget Blesch, wurde direkt vom Blitz getroffen und blieb tot nm Boden liegen. Ein weiterer Spieler hatte zuerst die Sprache verloren und ein Dritter war völlig gelähmt. Diese erholten sich jedoch noch einiger Zeit wieder. Bei sämtlichen Spielern stellten sich heftige Kopfschmerzen ein. Das Publikum würde von einer großen Panik ergriffen.
Raubüberfälle.
In der Nacht zum 1. Mai wurden Einbrecher im Schloß des Freiherrn von Seckendorfs in Reichenbach (Schlesien) von diesem selbst beim Sprengen eines Geldschrankes überrascht. 2118 der Freiherr die Tür öffnete, erhielt er sofort! von einem 6er Einbrecher einen Schuh in die Brust. Die Einbrecher konnten unter Mitnahme einer reicher! Deute entkommen. Kurz darauf drang offenbar dieselbe Bande in dem ziemlich weit von Reichenbach entfernten Ort Schönewalde in das Pfarramt ein, plünderte die unteren Räumlichkeiten und erbeutete einen Dar- betrag von 2000 Mark. Der Geistliche, der im oberen Stockwerk schlief, blieb unbehelligt.
Fünf Selbstmorde Innerhalb von zwei Stunden.
In Berlin haben sich Montagnachmittag innerhalb zweier Stunden 5 Personen das Leben genommen. Als Ursachen werden in dem Polizei' bericht Arbeitslosigkeit, schlechter Geschäftsgang oder andere wirtschaftliche Not angegeben.
Atttonttfallstatiftik.
Auf der Landstraße Kassel — Han N. - Münde n stieß das Auto des Bäckermeisters Weiterer aus Kassel mit einem anderen Kasseler Auto ohnö Insassen zusammen. Dabei durchbrach der Kkafi- wagen das starke Eisengeländer an der Straße und fuhr mit voller Wucht gegen einen BauNi. Der Bäckermeister, der das Auto selbst führte, erlitt schwere Verletzungen. Auch die anderen Insassen mußten sämtlich dem Krankenhaus zugeführt werden. — Bei Bopfingen (Württemberg) stürzte der Aufbau eines Lastautos, das zum Transport von Arbeitern diente, unterwegs um, so daß alle auf dem Wagen stehende Personen heraus- fielen. 12 Personen wurden schwer verletzt. — der Nähe von Schmachtenberg stieß Bürgermeister Kirchner, der ein Fahrrad benutzte, m i t einem Motorradfahrer zusammen und wurde so schwer verletzt, daß er tot am Platze blieb.


