werk Verwendung finden. — ®te strittige Frage, ob in den Volksschulen sog. Vegabten- abteilungen oder Ausbauklassen ein- geführt werden sollen, dürste vorläufig ruhen. Es wurde beschlossen, in diesem Sommer seitens Vertreter des Magistrats und der Schuldepu- tation Erkundigungen in Ftanksurt und in einer Stadt, in der gehobene Klassen eingeführt sind, einzuziehen und dann auf sicheren Grundlagen einen Sntschluh zu fassen. — Für dre Errichtung eines VerlehrshäuschenS am Haupt bahn Hof wurden 9000 Mk. bewilligt.
Dillkreis.
bl. Aus dem Dilltal. 3. Marz. Der Saatenstand unserer Fluren ist durchschnittlich gut. Korn und Weizen sind kräftig gesprossen und versprechen ein weiteres gutes Wachstum. Hoffentlich trügt die Frühjahrssonne nicht und allzu starke Fröste bleiben fern, die die Hoffnungen wieder zunichte machen können.
bl. Herborn, 3. März. Die Stadt will in diesem Jahre selbst versuchen, den Wohnungsbau nach Möglichkeit zu fördern. Nach dem Projekt sollen 14 neue Wohnungen geschaffen werden. Dazu beabsichtigt man noch den Ankauf von Gelände. Ein Darlehen von 60 000 Mark soll zu dem Zweck ausgenommen werden. Die Tilgung des Betrags soll zum größten Teil aus der Grundoer- mögenssteucr erfolgen.
bl. Dillenburg, 3. Mörz. Nach dem jüngsten Stand beträgt die Erwerbslosenziffer des D i l l k r e i j e s 5150 Personen. Dazu kommen noch 2981 Zuschlagsemosänger. Gegenüber den Borwochen blieb die Zahl im wesentlichen unverändert. Mit einer Erhöhung kann jedoch in Bälde gerechnet werden, da weitere Betriebseinschränkungen zu erwarten sind.
bl. Hirzenhain, 3. März. Zum Pfarrer unserer Gemeinde wurde Pfarrvikar Honstein von Herborn, der längere Zeit die hiesige Pfarrstelle verwaltete, ernannt. Der neue Seeelsvrger wurde bereits in sein Amt eingeführt. — Dieser Tage wurde unsere neue Schule bei starker Anteilnahme der Bevölkerung feierlich eingeweiht.
bl. Strohebersbach, 3. März. Die Gemeinde beabsichtigt, unter Inanspruchnahme von Mitteln aus der produktiven Erwerbslosenfürsorge den Stauweiher zu erweitern, ein Projekt, das schon seit längerer Zeit lebhaft erörtert wurde. Dabei soll eine größere Anzahl Erwerbsloser Beschäftigung finden.
bl. Offenbach, 3. März. Teure Preise brachte die vor einigen Tagen in unserer Gemeinde- gemarkung oorgenommene Holzversteige- r u n g. Für 4 Rm. Buchenscheithvlz wurden 80 Mk. bezahlt.
Maingau.
WSA. Frankfurt a. M.. 3. März. Auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weise entstand im Dachstuhl deS Völkermuseums im ehemals Thurn und Taxisschen Palais in der Großen Eschenheimer Straße heute früh gegen 4 Ühr ein Brand. Der sofort herbeigeeilten Feuerwehr gelang es noch etwa einstündiger Tätigkeit, den Drarrd zu löschen. Der Schaden wird aus etwa 60 000 Mark geschätzt. — Vach dem heutigen Polizeibericht wurde am 28. Febr. nachmittags zwischen 1—3 Uhr in der Jügelstrahe ein Wohnungseinbruch verübt, bei dem den Dieben ein wertvolles Platinkollier mit Kettchen und Anhänger, zwei Hängestäbchen mit Brillanten in Tropfenform und einer Perle als Endstück, eine Kassette mit Papieren, eine Aktentasche und 500 Mk. Bargeld in die Hände fielen.— Sn der Aacht zum Dienstag überfielen nachts auf der Zeil zwei junge Burschen einen Passanten mit den Worten: „Hund, Zigaretten heraus, oder wir schlagen dich tot!" Der Ueber- fallene setzte sich mit Erfolg zur Wehr, indem er einen der Angreifer zu Boden schlug. Dieser sprang aber sofort wieder auf und flüchtete mit seinem Komplizen unter Mitnahme des Hutes des Lieberfallenen. Beide wurden verfolgt, und ihre Festnahme konnte bald darauf erfolgen.
Kreis Hersfclv.
WSA. Niederaula, 3. März. Eine hiesige Ballgesellschaft erlebte dieser Tage eine unangenehme Ueberraschung. Als es zur Kaffee- pause gehen sollte, muhte man die peinliche Feststellung machen, daß von dem im Vorratsraum hoch aufgestapelten Kuchen nicht ein einziger mehr vorhanden war. Diebe hatten sich durchs Fenster eingeschlichen und den ganzen Vorrat mitgenommen. Wohl oder Übel mutzte sich die Ballgesellschaft mit Kaffee ohne Kuchen begnügen.
Aus dem (Siebener Parieileben.
veutfchnationale Volksparkei.
Man schreibt uns: Eines starken Besuchs hatte sich der erste Borkragsabend dieses Jahres zu erfreuen, an dem Abg. Dr. W e r n e r • Butzbach über „Brennende Zeil- und Streitfragen" sprach. Er wies ein- aangs feiner Ausführungen darauf hin, daß man leuie — wie schon zu Zeiten Ciceros — mit vielem Lärm die Augen des Volkes von den Nöten der Zelt wegzuwenden und es mit Schlagworten zu betören juche. Eines der neuesten Schlagworte sei das von der „Fürstenabfindung", mit dem man die Ocffentlichkeit ablenken wolle von den Geschäften eines Barmat und Kutisker. Es handle sich bei der Auseinandersetzung mit den Fürstenhäusern um ein Rechtsgeschäft, um die Frage, ob das Privateigentum noch Geltung haben solle oder nicht. Wenn der Eigentumsbegrift einmal aufgehoben sei, dann sei die weitere Entwicklung zum Bolschewismus nicht mehr aufzuhalten, dann werde man auch andere Kreise zu enteignen suchen. Das Privateigentum müsse gewahrt bleiben, möglichst viele selbständige Existenzen müssen erhalten werden, ein kräftiger und starker Mittelstand sei notwendig. Gewiß mühten die Fürsten bei ihren Ansprüchen Rücksicht nehmen auf die Zeiwerhältnisic. Ein anderes Schlagwort sei das von der Ankurbelung der Wirtschaft. Wo seien denn die Auslandkredite, die man mit der Annahme des Dawesplanes erhofft habe? Ein ungehuerer Kapitalsverlust sei in Deutschland eingetreten, eine grohe Steuerlast bedrücke alle Kreise der Wirtschaft. Die Zentralisation der Finanz- verwaltung sei unser Unglück. Dazu komme eine verkehrte Handelspolitik, die einen so ehrbaren und fleißigen Stand wie den der Winzer dem Untergänge zutreibe. Gerade an der Mosel liege der Weinbau meistens in Händen von Kleinbauern, die in ihrer Existenz auf das schwerste bedroht seien. Ob die Herabsetzung der Umsatzsteuer für den Konsumenten von Nutzen sei, wäre sehr ftaglich, besonders da man noch nicht wiße, was an deren Stelle treten solle. Die Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz sei heute schon dermaßen hoch, daß sie nicht mehr bezahlt werden könne. Sie solle jetzt sogar auf 1,30 Mk. erhöht werden. In Hessen
werde man einen ungeheueren Steuerausfall erleben. Der hessische Staat arbeite auf Pump, die Steuerkraft in Hessen sei am Erliegen. Tief einschneidende Operationen müßten vorgenommen werden. Das Landesamt für das Bildungswesen habe in den letzten 7 Jahren Hessen regiert und steuerlich ruiniert. Redner habe darum auch in der Hess. Kammer den Antrag gestellt, die Kosten für die Volksschule und für die Polizei wieder den Gemeinden zu überweisen. Denn diese hätten mehr auf die Ausgaben für diese Einrichtungen aufgepaßt. Das Darmstädter Landesiheater, das früher im Besitze des Großherzogs war, leide unter einem immer größer werdenden Defizit. Wenn es nicht gelänge, dies zu decken, fo müßte von 1927 ab das Landestheater geschloffen werden. Die Zahl von 70 Land- taasabgeordnelen sei für ein Land von der Größe Hessens nicht mehr zu ertragen. Es fei ungeheuer lich, dach nach dem hessischen Ministerpensionsgesetz ein abgehender Minister schon nach sechsmonatiger Dienstzeit 50 Proz. seines Gehaltes als Pension erhalte, so der frilhere Minister Fulda 13 000 1 Mk. Die Bevölkerung sei aber über diese Dinge zu I wenig aufgeklärt, sonst wären die letzten hessischen Landtagswahlen ganz anders ausgefallen. — An diesen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache an.
Amtsgericht Gießen.
Im August 1924 wurden aus der Turnbaracke des Universitätssportplatzes dahier verschiedene Geaenstände gestohlen, darunter auch eine silberne Taschenuhr. Der Verdacht der Täterschaft fiel auf einen Bautechniker W. aus Leipzig, dessen Frau mit einer Freundin aus Berlin an einem Gym nastikkurse teilnahm, und die er hier ausgesucht hatte. Einige Wochen später wurde einem hiesigen Uhrmacher eine Uhr zur Reparatur übergeben, die dieser als die gestohlene erkannte. Es stellte sich heraus, daß der jetzige Besitzer die Uhr bei einem Wirt erworben hatte, dem sie einige Wochen vorher von einem jungen Manne als Unterpfand für ein Darlehen überlassen worden war. Der junge Mann stellte sich als Architekt W. aus Berlin vor und zeigte eine Anmeldebescheinigung der Polizei dortselbst vor. Als der Wirt 8 Tage später der getroffenen Vereinbarung gemäß die Uhr unter Nachnahme an die von W. in Berlin angegebene Adresse sandte, kam die Nachnahme uneingelöst zurück. Man nahm um so mehr an, daß W., der jetzige Angeklagte, der Dieb sei, als der Wirt auf Vorzeigen mehrerer Bilder des W. erklärt hatte, sie zeigten große Aehnlichkeit mit der Person, die ihm damals die Uhr in Pfand gegeben hatte, und als dem W. nach feinen Vorstrafen ein Diebstahl sehr wohl zuzutrauen war. In der Hauptoerhandlung konnte jedoch der Wirt auf Gegenüberstellung den aus Leipzig, wo er z. Z. eine Diebstahlsstrafe verbüßt, hierher gebrachten W. nicht wieder erkennen, und dieser mußte deshalb trotz Vorliegen anderer schwerwiegender Verdachtsmomente mangels ausreichenden Beweises freigesprochen werden.
Ein junger Mann von hier hatte Beziehungen mit einem Mädchen, die nicht ohne Folgen blieben. Da seine Mutter gegen das Verhältnis war, ging es auseinander. Als der junge Mann später dem Bruder des Mädchens in einer Wirtschaft bei einer Auseinandersetzung ein Glas auf den Kopf schlug, daß blutende' Wunden entstanden, zog die Mutter des Verletzten vor die Wohnung der Eltern des Täters und überhäufte dessen Mutter mit einer Flut der gemeinsten Ausdrücke und Beschimpfungen. Diese erhob daraufhin Prioatklage wegen Beleidigung, worauf die Angeklagte mit einer Widerklage wegen Beleidigung antwortete. In der Haupt- oerhandlung wurde errotefen, daß die unter Anklage gestellten Beleidigungen, die seitens der Angeklagten gar nicht ernstlich bestritten wurden, tatsächlich gefallen sind, während sich ergab, daß die Beleidigungen, die die Privatklägerin früher gegen die Angeklagte geäußert haben sollte, gar nicht gegen diese, sondern gegen deren Töchter gerichtet waren. Die Angeklagte wurde deshalb zu der gleichen Geldstrafe, nämlich zu 40 Mark, verurteilt, die die Privatklägerin im vorigen Jahr wegen einer ganz gleichartigen Beleidigung gegenüber einer anderen Frau erhalten hatte. Dagegen wurde die Privatklägerin auf die Widerklage hin freigesprochen. Außerdem wurde der Beleidigten die Publikationsbefugnis des Urteils zugesprochen.
Ein Student hat einen Kleinrentner von hier, mit dem er in einem Hause zusammenwohnt, wegen Beleidigung verklagt. Er war nämlich mit dem Dienstmädchen seiner Wirtin auf deren Bitten auf den Boden gegangen, um von dort Sachen her» unterzuholen. Das Mädchen wollte aus Angst vor dem Kleinrentner nicht allein hinaufgehen, weil dieser ihm im Keller schon einmal Ohrfeigen am geboten hatte. Als die beiden vom Boden herunterkamen, rief der inzwischen aus seiner Wohnung her- ausgetommene Kleinrentner dem Studenten zu, er solle machen, daß er herunterkomme, sonst schmeiße er ihn hinunter, er habe oben nichts zu suchen, auch gebrauchte er die Worte „Lausbub von 21, 22 Jahren" und „Bub von 21 Jahren". Der Kleinrentner bestreitet diese Aeußerungen und will lediglich gesagt haben: „Was wollen Sie denn eigentlich hier oben? Ein junger Mensch von 24 bis 25 Jahren will das Mädchen hier heraus begleiten. Das Mädchen hat von meiner Seite nichts zu befürchten, i h m schlage ich nicht hinter die Ohren. Kommen Sie mit herunter, ich will S i e begleiten, daß Ihnen nichts passiert." Das Gericht schenkte jedoch den beeidigten Aussagen des Mädchens, die durch die Angaben anderer Zeugen in wesentlichen Punkten unterstützt wurden, vollen Glauben, und verurteilte den Angeklagten, dem seine Nervosität zugute gehalten wurde, zu einer Geldstrafe von 3 0 Mark.
Gießener Jugendgericht.
3n der jüngsten Sitzung des Jugendgerichts wirkten als Jugendschöffen mit Karl Voigt von Wieseck und Friedrich Wagenbach II. von Alten-Bufeck.
Anfangs Oktober v. 3. ist ein hiesiger Weißbinderlehrling durch ein in einer Umzäunung eines Gartens in den Eichgärten befindliches Loch geschlüpft und hat alsdann mittels Einsteigens aus dem dort befindlichen Garten- Häuschen ein Paar gute Frauenftiefel und zwei Vollen Vindfaden entwendet. Urteil: Vier Tage Gefängnis unter Etrasaussetzung bei vierjähriger Bewährungsfrist. Das Verfahren gegen einen angeblichen Mittäter ist vor der Hauptverhand- hmg eingestellt worden, da er bereits Fürsorgezögling ist und außerdem erhebliche Zweifel an seiner strafrechtlichen Verantwortung bestehen.
3m vergangenen Sommer balgten sich mehrere junge Leute, die miteinander nutzt auf gutem Fuße standen, auf der Ortsstrahe zu Durkhards-
felden. Erst nach Wochen gelangte der an sich unbedeutende Vorfall zur Anzeige. Die Betreffenden — es sind zusammen sechs Angeklagte — hatten sich wegen gegenseitiger gemeinschaftlicher Körperverletzung zu verantworten. Der Dchlolftrlehrling PH. M., von dem festgestellt wurde, daß er zwei Gegnern eine leichte blutende Verletzung — wahrscheinlich mit einem Drahtstift, nicht »edoch mit einem Messer — beigebracht Hal, erhielt eine Geldstrafe von 15 Mk.. hilföweise drei Tage Gefängnis: die fünf anderen tarnen wegen der Geringfügigkeit der Tat mit einer nach dem Jugendgcrichlsgeseh m glichen Verwarnung davon. Außerdem hoben die Angeklagten die Kosten des Verfahrens zu tragen.
Eine weitere Sache gegen den jugendlichen Hermann A. von Gießen, der beschuldigt ist, sich an zwei schweren Schlägereien beteiligt zu haben, wurde zwecks Herbeischaftung weiteren De- und Entlastungsmaterials vorerst auf unbestimmte Zeit vertagt.
Gerichtssaal. '
Verurteilung wegen Eisenbahnfahrkarten- nnterschlagung.
-WSN. Frankfurt a. M., 3. März. Das Schöffengericht uenirteilte den bei der Fahrkartenausgabe beschäftigten Eiienbahnbeamten H n g o Stroh wegen Amtsunterschlagung, Urkundenfälschung und Betrugs zu fünf Monate n und den Reisenden Hermann Wild wegen Beihilf? dazu zu zwei Monaten Gefängnis. Stroh eignete sich im Dienste etwa zehn Fahrkarten zweiter Ätaffe, darunter solche nach Berlin, an, fuhr mit einer Karte bis Hanau, wo er den Zug verließ und sich am Schalter den Fahrpreis Hanau—Berlin zu-- rückbezahleu ließ. Nachdem in Hanau die Sache vorzüglich geklappt hatte/versuchte er mit Wild, am anderen Tage den gleichen Trick in Friedberg auszuführen. Dort wurden aber die Beamten stutzig, da sie nicht glauben konnten, daß 100 Fahrtarten nach Berlin in einem Tage verkauft worden feien. Die beiden Täter wurden kurz darauf noch in Friedberg festgenommen und erhielten nun die verdiente Strafe.
Zürnest, Sport und Spiel.
Tennis.
Helen Wills schlägt ftrau Ncppach.
Wie die „Voss. Ztg." aus Mentons erfährt, trat Frau Neppach gegen die Amerikanerin Helen Mills an. Die Olympiasiegerin war der wenig trainierten deutschen Meisterin überlegen. Nachdem sie den erften Satz leicht mit 6:0 gewonnen hatte, erzielte sie im zweiten Satz nur 6:3. Ein Jugendheim auf der Loreley.
Der Gauturntag des Turngaues Süd-Nasiau der Deutschen Turnerschaft hat beschlossen, auf der Loreley ein Jugendheim für die wandernde beutfdje lumerjugenb zu errichten. Sobald die geldliche Sicherheit hierfür vorhanden ist, wird der Gautag die endgültige Genehmigung der Gauvereine zum Bau einholen.
Olympia - Vorbereitungen im Deutschen Rudersport.
Der Deutsche Auderverband beabsichtigt, in diesem Jahre zum Zwecke der Olympia-Vorbereitungen der deutschen Ruderer Skullerlehrgänge in Frankfurt a. M., Mainz und Hamburg zu veranstalten. Folgende Termine find in Aussicht genommen: Frankfurt a. M. 6. bis 21. April (Leitung F. Qeuj): Hamburg: 15. biS 30. April (Leitung R. Brandes): Mainz: 1. bis 15. (bzw. 6. bis 21.) April (Leitung 3. Fremersdorf).
Buntes Allerlei.
Verbrecher-Spezialisten.
.Unsere Zeit steht überhaupt im Zeichen der Spezialisierung, und so legen sich denn auch die Verbrecher in zunehmendem Maße nur auf ein bestimmte« Gebiet, in dem sie es dann zur Vollkommenheit bringen. Rach den Listen, die in der englischen Kriminalstatistik geführt werden, lassen sich zahlreiche Beispiele für solche Spezialisierungen des Verbrechens nachweisen,, und es finden sich unter den bekannten Verbrechern zahlreiche Männer und Frauen, die wegen desselben Vergehens Dutzende von Malen bestraft worden sind. Eine der hervorragendsten Spezialistinnen ist ^Pollh, die Taschendiebin": sie stiehlt nur Börsen und hat sich einen internationalen Ruf erworben, denn sie ist nicht nur in London und allen größeren englischen Provinzstädteit bereits abgeurteilt worden, sondern hat auch schon zahlreiche Gefängnisstrafen auf dem Kontinent abgesessen. Sie hat niemals ein anderes Verbrechen begangen als das Stehlen von Portemonnaies und Brieftaschen. „Jimmy, der Deften- dieb" ist em anderer Typus des Verbrecherspezialisten. Sein Jagdgebiet sind die Londoner Kraftwagen, und wenn er in einem unbewachten Wagen eine wertvolle Decke liegen sieht, dann hat er sie rasch unter seinen Vkantel gesteckt und ist verschwunden. 3immh weiß den Wert einer Decke mit dem Auge eines Sachverständigen abzu- schätzen, und er hat schon Decken gestohlen, die 1000 Mark und mehr wert waren. Die Klasse der Ladendiebinnen teilt sich wieder in verschiedene Gruppen. Cs gibt Frauen, die nur Pelze stehlen, andere, die sich nut Wäsche aneignen. Eine Ladendiebin hat sich auf reinseidene Strümpfe spezialisiert: kunstseidene würde sie niemals mitnehmen. Cs gibt in London Diebinnen, die ihre' Der-- brecherlaufbahn darauf beschränken, Hamdtaschen in Kirchen zu stehlen. Eine solche Diebin würde niemals ihrem verbrecherischen Beruf in einem Warenhause nachgehen: sie betrachtet nur die Gotteshäuser als das ihr zustehende Jagdgebiet. Es gibt Verbrecher, die niemals aus dem Stadtviertel herauskommen, in dem sie wohnen, und andere Verbrecher, die beständig Herumreisen.
Wirtschaft.
Die Arbeitsmarktlage in Hessen und Hessen-Nassau.
Das Landesamt für Arbeitsvermittlung in Frankfurt a. M schreibt uns:
Die Abwärtsbewegung auf dem ArbeilSmaickt ist in den beiden letzten Wochen unverkennbar zu einem gewissen Stillstand gefommen. Wohl hat in den Großstädten des Bezirks die Srwerbs- lofigkeit noch weiter zugenommen, jedoch nicht
mehr in demselben Tempo wie in den Monaten Dezember und Januar. (*n einer Aeih» von Arbcitenachrveisbezirken im besetzten und unbesetzten Gebiet ging 'die Zahl der Stäupt« unterst ühungsempfanger sogar etwaS zurück. Am 15. Februar wurden nach der Erwerbslosensta- tistik im Gesamtbezirk des Landesamts (Hessen, Hessen-Aafsa,' und Waldeck) 145 850 Personen, und zwar 127 850 männliche und 18 000 weibliche unterstützt, also nur 2 Proz. mehr als am 1. Februar <142 93b. davon 127 476 männliche und 15 460 weibliche). Dazu kommen noch 6606 Aotjtandsarbeiter. für welche gleichfalls Zuschüsse aus der Erwerbslosensürsorge gezahlt werden, was einem Verhältnis von 4,3 V. H. der Haupt- tmtcrstützungsempsänger c tsprich:. Eine wesentlich verstärkte Inangriffnahme von öffentlichen: Aotstandsarbeiten ha: b.c in den neuen Bestimmungen enthaltene Erleichterung der Verzinsung und Tilgung der Darleden vorläufig nicht hn Gefolge gehabt. Die verhältnismäßig stärkere Zunahme der weiblichen gegenüber derjenigen der männlichen Hauptunterstützungsempfänger dürste auf die Verschlechterung des Beschäftigungsgra- Oes im Spinnstoff». Aahrungs- und Genußmittelgewerbe (Zigarren-, oigatetten- und Süßwarenindustrie) und im Bekleidungsgewerbe zurückzu- führen fein.
Durch die Erwerbs!vfenstatistik werden nicht alle Arbeitslosen erfaßt, da die Gewährung der Llnterstüyung von der Erfüullung gesetzlicher Voraussetzungen abhängig ist. Aach der Stich* tagzählung durch die öffentlichen Arbeitsnachweise waren am 16. Februar im Gesamtbezirk des Landesamts 148 762 männliche und 25 698 weibliche, zusammen 174 460 Arbeitsuchende vorgemerkt. Davon kommt über Vs allein aus die Gruppe der ungelernten Arbeiter, für welche Beschäftigungsm öglichteiten z. Zt. nur in ganz beschränktem Umfange geboten sind. Aber auch in der Metallindustrie mit rund 31 000 Arbeitsuchenden. im Baugewerbe mit über 20 000 arbeitslosen Facharbeitern, im Bekleidungsgewerbe (9500) und im Holzgewerbe (7600) ist die Verschlechterung der Arbeitsmarktlage noch nicht zum Stillstand gekommen. Die Zahl der arbeitsuchenden männlichen und weiblichen Angestellten erreichte am 15. Februar einen Stand von rund 12 200.
Ein Mittel zur Belebung der Wirtschaft wäre die sofortige Inangriffnahme der von Behörden geplanten ausführungsreifen! Bauvorhaben. Die nach amtlichen Pressemeldungen aus dem Preußischen Staatshaushalt für 1926 hierzu schon jetzt bereitgestellten Summen sollten den betreffenden Stellen unverzüglich zur Verfügung gestellt werden. Mtt den Eom- munalen Bauaufträgen sollte gleichfalls sofort und nicht erst, wie üblich, im April oder Mai begonnen werden, zu welchem Zeitpunkt auch die private Bautätigkeit einzusehen pflegt. Dadurch könnten schon jetzt nicht nur die hohe Zahl der erwerbslosen Baufacharbeiter herabgemindert, sondern auch verwandten. Berufen (Bauschlosser, Bauschreiner- und ungelernten Arbeitern Beschäftigungsmöglichkeiten geboten werden.
Von den Schlachlviehmärkten.
An den deutschen Schlachtviehmärkten der vorigen Woche verlief der Handel überwiegend langsam bis mittel, bei Schweinen vielfach etwas flotter. Die Auftriebsziffern haben für alle Gattungen eine leichte Zunahme erfahren. Die Preise für Rinder. Kälber und Schafe konnten sich annähernd behaupten, für Schweine verschiedentlich noch eine Kleinigkeit bessern.
Aus den nachstehenden Märkten wurden für 1 Pfund Lebendgewicht in Pfennig notiert:
Binder
Kälber
Schafe ।
Schwein«
Berlin
18-50
36-70
25-48
68-80
Bremen
25-54
35-70
40-53
67-79
Breslau
15-50
47-68
30-48
58-75
Chemnitz
20-48
45-72
35-52
70-83
Dortmund
18-53
30-78
25-50
73-83
Dresden
20-51
50-71
30-55
60-80
Düsseldorf
20-57
38-80
—
72-83
Elberfeld
20-53
40-75
—
65-80
Essen
23-55
40-100
30-53
68-80
FrankfurtM.
15-51
40-70
25-50
60-86
Hamburg
12-50
30-76
—
65-81
Hannover
15-52
30-70
20—50
70-81
Hulum
——
—
——
—
Karlsruhe
18-52
55-70
—
72-84
Kassel
25-53
45-60
—
75-88
Kiel
14-46
20-66
—
49-78
Köln
20-55
45-72
40-44
70-85
Leipzig
20-49
48-70
30-52
70-82
Magdeburg
18-51
25-63
23-42
65-82
Mannheim
12-52
46-74
30-38
68-82
München
16-52
55-80
—
58-80
Stettin
10-47
28-65
15-43
68-78
Stuttgart
12-51
56-74
—
59-82
Zwickau
15-50
40-65
30-50
70-83
* Eine 8prozentige Hessische Gern e i n d e a n 1 e i h e. Die kommunale Landesbank in Darmstadt legt eine 8prozentige Hessische Gold- fommunalanleibc im Betrage von 5 Mill, zu 88$ Prozent zur Zeichnung auf, die später an der Frankfurter Börse eingeführt werden soll. Sie ist innerhalb 25 Jahren rückzahlbar, und zwar durch Rückkauf oder Auslosung zu pari, beginnend mit dem ersten Anleihejahr: über den Tilgungsplan enthält der Prospekt keine näheren Angaben. Darüber hinausgehende gänzliche oder teilweise Kündigung ist erstmals zum 1. April 1931 möglich, und zwar bis 1935 zu 102 Proz., bis 1940 zu 101 Proz. und später zu 100 Proz. Für die Anleihe haften außer den a mErlös beteiligten Gemeinden das Vermögen der Landesbank selbst.
* Julius Sichel K.G. a. A . Mainz. Die Verwaltung der unter Geschäftsaufsicht stehenden Gesellschaft wird Ende des Monats Juni eine H. V einberufen, der die für die Abwicklung der Gesellschaft entscheidenden Entschlüsse vorgelegt werden sollen. Die für das Resultat maßgebenden Verhandlungen mit der A. G. für Jndustriewerte in Luzern dürsten in den nächsten Tagen fo weit gefördert sein, daß der bekannt» lich mit 55 Proz. in Aussicht genommene Der- gleichsvorschlag den Gläubigem vorgelegt werden kann. An eine Wiederaufrichtung bzw. Weiterführung der Julius Sichel ll So. K. G. a. A dürste kaum zu denken fein, nachdem die Gruppe der Eisenhandlungen, der eigentliche Kern des Unternehmens, zerschlagen ist. Voraussichtlich wird daher, wie die .Frankr. Ztg." berichtet, die Liquidation durchgeführt werden. Doch hofft man dadurch, daß sich für die Aktionäre noch ein kleiner Wert ergeben wird. Bezüglich der Aktiengesellschaft für Jndustriewerte in Luzern sind die endgültigen Dispvsttionen noch nicht getroffen. Wahrscheinlich wird dieses älniemehmen tn bescheidenem Rahmen fortgesührt werden.


