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Oberhessen.

Landkreis Gietzen.

= Alten-Buseck, 3. März. An der Kreis st raße Alten -> Buse ckD a u b r i n- gen wurden in diesem Winter eine Reihe junger Ob ft bäume angepflanzt. 3n der Rächt auf Montag tonnten junge Leute kein größeres Vergnügen finden, als daß sie 5 junge Apfel­bäume etwas unterhalb der Kronenverzweigung abbrachen, von 3 anderen Däumchen die Kronenäfte abrissen und einen etwa 68jährigen Daum durch starkes Rütteln von der Erde ablöften. Der Frevel wurde sofort der Gendarmeriestation Lollar angezeigt. Angestellte Untersuchungen führten zwar anfangs zu keinem befriedigenden Ergebnis, doch hofft man, nun dem Täter auf der Spur zu fein. Da auch auf den benachbarten Straßen in der letzten Zeit an Reupflanzungen solche Schandtaten begangen worden sind, so wäre es gut, den über­führten Missetätern eine exemplarische Strafe zu verabfolgen.

r. Mainzlar, 3. März. Am Samstagabend veranstaltete der Z w e i g ve re i nßumbatal" des V. .f). C. im Saale der Wirtschaft Müller seinen ersten populär-wissenschaftlichen Vor- traa über Radio. Herr M. Geißler führte an Hand von felbangefertigten Zeichnungen und Diagrammen, die mit dem Lichtbilderapparat der Schule zu Daubringen epidiaskopisch projiziert wur­den, die aufmerksamen Zuhörer äußerst anschaulich in das schwierige Gebiet des Rundfunks ein.

z. A l l e n d o r f a. d. L., 3. März. Im Auftrage der Liga zum Schutze der deutschen Kul- t u r sprach hier vor einer zahlreichen Zuhörerschaft Dr. Stier (Gießens über das Thema:Quer durch unsere Kolonien". Der interessante Vortrag führte an Hand guter Lichtbilder in unsere früheren afri­kanischen 'Kolonialbesitzungen. Lebhafter Beifall dankte dem Redner.

* Bellersheim, 3. Marz. Am Samstag­abend hielt der ehemalige Burenkommandant Koos I o o st e hier einen interessanten Dortrag über seine Erlebnisse in Afrika und im Weltkriege 1914/18. Der Gesangverein umrahmte die interessanten Dar­legungen des Redners, die mit lebhaftem Beifall aufgenommen wurden, mit einigen schönen Liedern. Unser GesangvereinGe r m a n i a' be­geht im Juni d. I. sein 50jähriges Jubi­läum. Aus diesem Anlaß findet hier das Bundes- fängerfeft statt, an dem 35 Bundesvereine teilneh­men werden.

= 2idj, 3. März. In dem geftrigen Bericht über die Generalversammlung des hiesi­gen Turnvereins bedarf eine durch Druck­fehler entstandene Entstellung der Berichtigung. Es muß in bezug auf die Rechnung über den Turnhalleerweiterungsbau heißen: Die EiMahmen betrugen 28 454,10 Mark (in An­leihen), die Ausgaben (an die Handwerker) 28 437,25 Mark. Aufzubringen sind noch etwa 15000 Mark.

Rieder-Bessingen. 3. März. Einen selten schönen Fischzug machten die hiesigen Fischereipächter Gastwirt W. Lotz und Kon­sorten in der alten Dach. Sie erbeuteten einen Hecht von 90 Zentimeter Länge und 14 Pfund Schwere. Es ist wohl anzunehmen, daß das letzte Hochwasser den Fisch zurückgelassen hat. Petri Heill

T Dom 6cental, 3. März. Um eine Besserng des unzureichenden Zugver­kehrs auf der Strecke L a u b a chM ücke zu erreichen, fand bei Gastwirt Zimmermann in Lardenbach -Seenbrücke «ine gut besuchte Versammlung statt, in welcher der LandtagS- abgeordnete Fenchel sprach. GS waren die i Dörfer Altenhain, Freienseen, Weickartshain. Lardenbach, Klein-Eichen, Groß-Eichen, Selln- * rod, Stockhausen und Flensungen vertreten. Die Verkehrswünsche der Versammlung gipfelten in der Forderung, daß derZugHunge nL au bach (Hungen ab 7.22 Uhr abends) bis Mücke durchgeführt werden soll, hier die An­schlüsse an die Abendzüge aufnimmt und dann nach Laubach zurückkehrt. Ferner soll eine Besserung des gänzlich unzulänglichen Sonntagssahrplans angestrebt werden.

Kreis Büdingen.

th. Lei dHecken, 3. März. Wie man hört, sind die Landwirte hier und in der südöstlichen Wetterau im allgemeinen mit der Heber* Winterung des Getreides zufrieden. Der Winterweizen steht recht gut, außer bei

zu feuchten Aeckern: ebenfalls gut steht der Roggen. Der Klee ist sogar schon ganz vorzüg­lich, so daß bald der erste Schnitt gemacht werden farm.

Kreis Schotten.

Id. Schotten, 3. März. In allen Wiesentälern unseres Gebirges kann man eben beobachten, daß infolge der großen Bodenfeuchtigkeit die M a u l = wurfshaufen auf kleine Flächen zn - sammengedrängt sind. Die trocken gelegenen Stellen waren für die Maulwürfe Zufluchtsstätten zur Zeit der Wastersnot. Hier haben sie aber, da für ihre Wühlarbeit nur eine kleine Bodenfläche zur Verfügung stand, die Grasnarbe stark beschädigt. Da mit zunehmender Austrocknung der Wiesen die Maulwürse die im Winter ausgebeuteten Jagd' gebiete verlassen und sich wieder auf die gesamte Wiesenfläche verteilen, sollte jeder einsichtige Land- wirt von einem Dernichtungsfeldzug gegen dieses nützliche Tier a b s e h e n.

Laubach, 3. März. Auf der gräflichen ! Holzversteigerung, die gestern im Gasthof j Zur Traube" stattfand, kosteten der Raummeter : Buchenscheiter 12 bis 15 Mk., Rm. Buchen knüppel 9 bis 10 Mk., Rm. Buchenstöcke 6 bis 7 Mk., Rm. Reiserknüppel 6 bis 7 Mk., Rm. Buchenreiser 1,50 bis 2,50 Mk. Diese Preise sind wesentlich niedriger, als diejenigen der Umgegend, wo der Raummeter Buchenscheiter teilweise auf 20 bis 24 Mk. tarn.

* Eichelsdorf, 3. März. Um die zur Her­stellung von Pflastersteinen unbrauchbaren Steine und den beimRichten" der Pflastersteine entstehen­den Abfall zu Sttaßenschotter und Grus verarbei­ten zu können, stellt das hiesige B a s a l t w e r k z. Z. eine Klopfmaschine auf. Da seither außer den anfallenden Erdmasten auch die Steinabfälle zu Halden aufgeschüttet werden mußten, erwuchsen dem Werk dauernd hohe Kosten zur Beschaffung von Haldengelände. Durch die restlose Verarbeitung des Steinmaterials wird weit weniger Land als seither für die Lagerung des Schuttes benötigt, die Be- triebsunkosten werden sich also wesentlich verringern. Die einheimischen Steinklopfer, die seither den Stra­ßenschotter herstellten, werden in der Klopfmaschine einen Feind erblicken, der sie um ihren Verdienst bringen könnte. Es wäre nur zu begrüßen, wenn das Basaltwerk aus diesem Grunde für Straßen­schotter auf heimische Absatzgebiete verzichtete. Der von einer Maschine hergestellte scharfkantige Schot­ter ist auch für unsere Straßen, die von zahlreichen Kuhfuhrwerken benutzt werden, nicht zu empfehlen.

lg. Gedern, 3. März. Bei der hiesigen Brennholzversteigerung erzielte die Ge­meinde ansehnliche Preise. So wurden im Durch­schnitt für Fichtenscheiter 7 bis 10 Mk. erlöst, wäh­rend sich die Preise für Knüppel nur unwesentlich darunter hielten. Der gestrige Schweine- markt war gut beschickt. Die Preise für Ferkel im Alter von 6 bis 8 Wochen betrugen 75 bis 80 Mk. für das Paar. Wenn auch die Geldknappheit sich bemerkbar machte, so wurde doch ein größerer Um­satz erzielt. In zahlreichen Fällen treten hier unter Schulkindern und jüngeren Kindern die M a - fern auf. Bis jetzt nahmen alle Erkrankungen einen gutartigen Verlauf. Unter den Erwachsenen machen sich vielfach grippeartige Erscheinun­gen bemerkbar.

ld. A u s demVogelsberg,3. März. Trotz der wirtschaftlichen Rottaqs, in der sich eben die Vogelsberger Bauernbevölkerung befindet, sind in diesem Winter auffallend vielPserde gehan­delt worden. In den meisten Fällen wurden nach Kriegsschluß erworbene, nun unbrauchbar gewor­dene Militärpferde vertauscht. Gar mancher in der Nachkriegszeit zumGäulsbauer" gewordene Vo­gelsberger Kleinbauer hat im Laufe der Jabre ein- gesehen, daß für ihn die Haltung eines Pferdes nur von Borteil ist, wenn in den Zeiten, in denen die landwirtschaftliche Arbeit ruht, durch Uebernafjme von Fuhren (Holz, Steine) etwas verdient werden kann, und ist nun wieder, da ihm die geldknappe Zeit nicht ermöglicht, die für den Eintausch eines jüngeren Pferdes nötigeDraufgabe" aufzu­bringen, zumK u h d a u e r" geworden undfährt so besser". Da unsere erschöpften Wälder in den kommenden Jahren nach Befriedigung des örtlichen Holzbedarfs kaum größere Mengen für Den Holz­handel liefern können, der Wegebau aus finanziellen Gründen stark eingeschränkt werden muß, da Holz- und Steinfuhrwerke kaum noch benötigt werden, wird im Vogelsberg mit einem weiteren Sinken der Pferdezahl zu rechnen sein.

Kreis Alsfeld.

Alsfeld, 3. März. Die schwierige Wirt­schaftskrise macht sich auch in der hiesigen Stadt

durch die immer noch im Zunehmen begriffene Zahl der Erwerbslosen, die gegenwärtig 150 beträgt, bemerkbar. Da die Holzindustrie und die Webereien, welche einen Hauptbestandteil der hie­sigen Industrie bilden, schlechten Geschäftsgang in­folge der allgemeinen Absatzstockung aufzuweisen haben, ist vorerst an einen Rückgang der Erwerbs­losenziffer noch nicht zu denken. Inzwischen hat die Stadt beschlossen, durch Bereitstellung von Not- ftanbsarbeiten, hauptsächlich Herstellung von Wegen, eine größere Anzahl Erwerbsloser auf etwa drei Monate zu beschäfligen. Seither wurde den Er­werbslosen eine Winterbeihilfe gewährt, die in drei Raten mit einem Grundbetrag von jedesmal 10 Mk. für jeden Erwerbslosen zur Auszahlung kam, jedoch nur gegen Gutscheine für Lebensmittel und Beklei­dungsstücke.

Niedergemünden, 3. März. Infolge der teilweisen Betriebs ft illegung in den Quarzit- und Basaltsteinbrüchen bei Homberg ist eine Anzahl hiesiger Arbeiter er werds- l o s geworden. Die Leute werden gegenwärtig von der Gemeinde mit Notstandsarbeiten be­schäftigt.

ck. Aus dem Ohmtal, 3. März. Dieser -tage wurde ein Jagdbezirk der Gemeinde Nieder- Ohmen, der etwa zwei Drittel der ganzen Ge­markung umfaßt, zum zweitenmal ausgeboten. Bei der ersten Verpachtung war Steuerinspektor Merz (Merlau) mit einem Gebot von 300 Mark Höchst- bietenber, diesmal bot Herr Amend (Gießen) 500 Mark.

W Elpenrod, 3. März. Der hiesige Krie- gerverein beschloß, im Hinblick auf die außer­ordentlich schlechte Finanzlage das Be­zirk s k r i e g e r f e st für den Bezirk Homberg, das hier stattfinden sollte, nicht abzuhalten.

Kreis Lauterbach.

8Lauterbach,3. März. Gestern wurde wie­der eine Motorspritze, die dritte innerhalb kurzer Zeit, in der hiesigen Stadt im Betriebe vor- geführl, die von den Fladerwerken gebaut worden isst Die Spritze hat die an sie gestellten Anforde­rungen voll und ganz erfüllt und die Notwendigkeit der Anschaffung einer solchen Maschine erneut vor Augen geführt. Die Stadtverwaltung wird sich nun zu entscheiden haben, welche von den in Betracht kommenden Firmen sie mit der Lieferung der Spritze betrauen will. Im Interesse der Feuersicherheit der Stadt wäre zu wünschen, daß diese Entscheidung recht bald getroffen wird.

l. Grebenhain, 3. März. Unsere Gemeinde hatte im vorigen Jahre die Feldbereinigung beantragt. Daraufhin nahmen mehrere Geometer des Feldbereinigungsamtes Lauterbach Verme- fungsarbeiten ih unserer Gemarkung vor. Ob die Maßnahme durchgeführt wird, ist jetzt fraglich, denn die Kosten sind auf 180 000 Mark veranschlagt. Dies kann unsere Gemarkung nicht aufbringen. Auch die Nachbargemeinden Crainfeld, Nieder-Moos und Vaitshain hatten die Feldbereinigung geplant, sie haben aber jetzt die Einstellung des Verfahrens der schlechten Wirtschaftslage wegen beantragt und wol­len bessere Zeiten abwarten.

Starkenburg.

WSR. Bensheim, 3. Mürz. Das hiesige Lehrerseminar, das setther den Lehrer- kandidaten ihre wissenschaftliche und fachliche Aus­bildung vermittelte, wird mit der diesjährigen Kursisten-Erttlassung aufgehört haben, zu bestehen. Es wird weitergeführt alS sog. Auf­bauschule, die, auf die Volksschule aufbauenv, ihre Schüler in sechs Jahren zum Maturum führt. Die Fachausbildung erhalten die Lehrer­kandidaten in Hessen in Zukunft in den Pädagogi­schen Instituten in Mainz unb Darmstadt. DaS Seminar hat gerade 105 Jahre bestanden und in dieser Zeit rund 2200 Lehrer für ihren Beruf ausgebildet. Das alte Seminargebände wird jetzt wieder zu einem Kapuzinerkloster umgewandelt werden. e

Preußen.

Kreis Wetzlar.

3 Wetzlar, 3. März. Der Regierungspräsi­dent zu Koblenz hat eine mit sofortiger Wirkung in Kraft getretene viehseuchenpolizeiliche Anordnung erlassen, wonach das im Eisenbahn­verkehr beförderte Klauenvieh beim Entladen amtstierärztlich zu untersuchen ist. Die Entfernung des Viehes von der Entladestelle darf erst erfolgen, wenn bei allen zu dem Transport gehörigen Tieren die Untersuchung stattgefunden hat. Zuwiderhand­

lungen werden bestraft. Die Anordnung dient her Bekämpfung der Maul- und Klauen­seuche und insbesondere der Verhinderung der Einschleppung dieser Seuche aus fremden Bezirken. Der für den Bereich der Rheinischen landwirt­schaftlichen Berufsgenossenschaft gebildete Ausschuß zur Festsetzung des durchschnittlichen -Jahresarbeitsverdienstes hat beschlos­sen, als durchschnittliche Jahresarbeitsoerdienste feftt zusetzen: für männliche Personen über 21 Jahre 960 Mk., von 10 bis 21 Jahren 660 Mk., unter 16 Jahren 480 Mk., für weibliche Personen über 21 Jahre 660 Mk., von 16 bis 21 Jahren 480 Mk.. unter 16 Jahren 330 Ml. Die Festsetzungen gelten nicht für Betriebsbeamtc und Facharbeiter. Die Jahresarbeitsverdisnste sind mit Rückwirkung vom 1. Januar 1926 ab in Kraft getreten; sie bilden die Grundlage für die Berechnung der landwirtschaft­lichen Unfallrenten.

ch. Lützellinden, 3. März. Die Maul- und Klauenseuche ist in unserem Dorfe end­gültig erloschen, ohne glücklicherweise Opfer ge­fordert zu haben. Die Erwerbslosen un­serer Gemeinde werden augenblicklich mit der I n - standsetzung der Feldwege beschäftigt.

CO Lützellinden, 3. März. "D ««-hiesige Ge« meinbe ist dem Oesterreichisch-deutschen Volksbund in Berlin als Mitglied beigetreten.

k. Groß-Rechtenbach, 3. März. Die hiesige Gemeindevertretung hat die Anschaffung zweier neuer Kirchenglocken beschlossen. Die Liefe- rung ist der Glockengießerei R i m f e r in Sinn übertragen worden. Don den beiden neuen Glocken soll die eine als Ersatz für die von der gleichen Firma schon im 17. Jahrhundert gelieferte Glocke dienen, die damals im DistriktDollenstück" der hie- figen Gemarkung gegossen worden sein soll.

<> Rieoerkleen, 3. März. Rachdem die Bedingungen über die Verpachtung der hie­sigen Gemeindejagd in der vorgeschriebe­nen Weise öffentlich ausgelegen haben und Ein­sprüche von feiten der Jagdgenossen innerhalb der Auslegungsfrist nicht erhoben sind, ist die Jagd nunmehr zur öffentlichen Verpachtung aus­geschrieben. Die Verpachtung findet am 20. März auf dem Rathause wieder in zwei Bezirken statt. Besonders der links des Kleebaches be- legene Bezirk 1, der den größeren Teil dev Gemarkung darsteUt, weist einen guten Bestand an Rehen, Hasen und Hühnern auf. Auch Schwarzwild kommt in diesem Bezirke ständig alS Wechselwild vor. Trotzdem ist der Wildschaden kaum nennenswert. Dieser Jagdbezirk war bis­her an ben ehemaligen Offizierjagdverein Butz­bach verpachtet, dessen beteiligte Mitglieder in den letzten Jahren die Jagd nur in ganz ge­ringem Umfange ausübten. Der kleiner« BeziÜ2 befand sich bisher in den Händen hiesiger Orts­einwohner. Recht gute Pachtresultate wären der Gemeinde, der durch Wegebauten und den Wasserleitungsbau große Ausgaben erwachsen, sehr zu gönnen.

<2> Dornholzhausen, 3. März. Wir knapp das Geld bei den Landwirten ist, zeigte sich bei einer hier stattgesundenen Versteigerung von landwirtschäft- lichen Grundstücken eines auswärts woh­nenden Besitzers. Aus verschieden« Grundstücke wurden zum Teil keine, zum Teil so geringe Gebote abgegeben, daß der Zuschlag nicht erteilt wurde. Soweit «in Verkauf zustande kam, wurde trotzdem für daS Meter Land bis zu 1 Mk. bezahlt. Der Schnepfenstrich hat auch in der hiesigen Gegend seinen Anfang genommen. Vorgestern abend wurde im DistriktBrand" deS hiesigen Gemeindewaldes der erst« streichende Langschnabel gesehen. Di« hier und in den Rachbargemeinden erzielten hohen Holz­preis« haben auch den Besitzer deS Hoses Strauch" veranlaßt, einen Teil seiner Waldun­gen abholzen zu lassen. Bei dem eingeschlage­nen Holze handelt es sich meistens um Weich- holz. Bei der in diesen Tagen stattgefundenen Versteigerung wurden 15 bis 25 Mk. für 50 Wellen bezahlt,

p. Reiskirchen, 3. März. Hier ist ein P/i Jahre alte# Kind an Scharlach ge­storben.

Kreis Marburg.

][ Marburg, 3. März. Wie in der Stadtverordneten - Sitzung mttgeteilt wurde, ist der Stabt Marburg von der Aus­land a n l e i h e der Deutschen Giro-Zentral« ein Darlehen in Höhe von 900 000 Mk. geneh­migt worden. Die Summe soll bei notwendigen Arbeiten im Elektrizitäts-, Gas- und Wasser-

Die tolle Herzogin. §

Roman von Ernst Klein.

Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin.

7. Fortsetzung. Nachdruck verboten

James Wood zuckte die Achseln und ging mit. Wie groß war fein Erstaunen, als Sperazzi nicht das goldvergitterte Tor Nr. 26 öffnete, sondern bis zum nächsten Hause weiterschritt. Hier prangte ein großes Messingschild am Eingang:

International Agency Sperazzi & Co.

Ein ernstes, sehr solid und sehr vertrauens­würdig aussehendes Schild. Wood blickte halb über die Schulter feinen Begleiter spöttisch an. Der aber hob die buschigen Augenbrauen, als wollte er sagen: Ja, mein Lieber, der Schein trügt mit­unter!

Sie traten ins Haus. Dieses wie das Schild, ernst geschäftsmäßig, solid. Ein großes Kontor empfing sie, in dem etwa zwanzig bis dreißig junge Leute emsig arbeiteten. Landkarten bedeckten die Wände, Eisenbahnfabrpläne und Schiffsrouten vervollstän­digten die Ausstattung. Schreibmaschinen klapperten. So früh die Stunde war, drängten sich bereits Kun­den an den Schaltern. Geld wurde gewechselt. Fahr­karten bestellt, Auskünfte erteilt. James Wood fiel von einem Erstaunen ins andere. Hier wurde ja regelrecht gearbeitet. Sperazzi führte ihn, ohne sich lange aurzuhalten, durch das große Kontor und stieg mit ihm in den ersten Stock empor. Auch hier reges Geschaftsleben und alle möglichen vielversprechenden Aufschriften an den Türen.Dersicherungsbureau", Tarifbureau" usw. usw. James Wood wurde un­heimlich zumute. Er blfam Angst. Sperazzi, der höflich an seiner linken Seite ging, kam ihm auf einmal ganz anders vor. So ernst, so geschäfts­mäßig wie das ganze Kontor. Er sah beinahe solide aus--

Eine Glastür schloß den Korridor ab; an ihr stand in einfachen, schwarzen Lettern: Privatkontor. Sie traten ein. Ein kleiner 'Borraum öffnete sich, einfach und geschmackvoll mit alten Stichen Alexan­driens und Kairos geschmückt, ganz so, wie es sich für ein ehrbares Kaufmannshaus schickt. Ein schwarz­

gekleideter Fellache nahm den Herren die Hüte ab. Sperazzi öffnete eine der beiden großen Doppeltüren und ließ James Wood eintreten.

In einem großen, hellen Zimmer saß an einem vierdimensionalen amerikanischen Rollschreibtisch Madame Lsonie.

Uff James Wood, der sich bei Gott nicht leicht verblüffen ließ, blieb beinahe der Atem stehen. Sie trug ein elegantes, aber sehr einfaches Tailorkleid, bis an den Hals geschlossen. Keine Brillanten, keine Perlen. Nüchternste, seriöseste Geschäftsfrau. Sah aber geradezu entzückend und bezauoernd aus, wie gestern abend, als sie den vergeblichen Versuch unter­nommen hatte, Herrn James Wood den Kopf zu ver­drehen. Jetzt glückte es ihr beinahe. Er stand jetzt da und starrte sie an. Fassungslos, überwältigt--

, Sie erhob sich und kam auf ihn zu. Himmelherr­gott noch einmal selbst ihr Gang war heute anders! Kein Wiegen. Kein Gleiten. Kein schreiten­des Tanzen. Der Chef einer großen Firma erhebt sich und geht seinem Besucher entgegen. Sie reichte chm die Hand; er küßte sie, wie er die einer Herzogin geküßt hätte. Vergebens suchte er ihren Blick. Höflich war der, liebenswürdig aber nicht eines der Lichter in ihm, die gestern abend geflimmert und gelockt hatten. Wenn sie von ihm verlangt hätte, sich vorzustellen bei Gott, James Wood, hätte sich nicht gewundert. War sie ihm ja selbst wie eine Fremde, wie eine Frau, der er zum ersten Male gegenübertrat.

Man setzte sich. Madame Löonie an ihren Mam­mut von Schreibtisch. James Wood auf dem harten Lederfauteuil daneben, während sich Sperazzi einen Sessel heranschob und sich darauf niederließ, ver­gnügt die Hände reibend.

Madame eröffnete die Konversation.

Herr Wood, wir hatten gestern die Ehre, und, wie ich nicht verheimliche, das Vergnügen, Ihre Be­kanntschaft zu machen. Ich habe mir erlaubt, wäh­rend des Gespräches mit Ihnen anzudeuten, daß ich von Ihrer Bekanntschaft sogar mehr erwarte als das bloße Vergnügen, das der gesellschaftliche Ver­kehr mit einer so anziehenden Persönlichkeit, wie Sie es sind, bieten kann. Wie Sie sehen, sind mein Bruder und ich---"

Dor dem WorteBruder" machte sie eine Pause. Eine Pause so dünn wie Seidenpapier. Aber doch eine Pause! James Wood war beruhigt. Indessen

er verzog keine Miene, er lächelte nicht, er blieb so ernst wie sie selbst.

---ernste Geschäftsleute. Auch das Haus

nebenan ist nichts anderes als ein Geschäft, das wir beide sehr ernst nehmen. Trotz der Maske, die wir dazu anlegen müssen. Jedes Geschäft verlangt seine Aufmachung, nicht wahr? Ich kann eine internatio­nale Agentur, deren Verbindungen, wie ich mit Stolz sagen kann, nach San Franzisko, nach Kapstadt, nach Buenos Aires reichen, nicht in einer dekolle­tierten Abendtoillette führen. Und ich kann mich zur Leitung eines Spielhauses nicht an einen Rollschreib­tisch setzen, nicht wahr, das sehen Sie doch ein, Herr Wood?"

James Wood sah das ein. James Wood ver­beugte sich in voller Zustimmung und Anerkenung. James Wood machte sogar ein todernstes Gesicht.

Madame sprach weiter:

Wir haben nun sofort erkannt, Herr Wood, daß Sie für einen Zweig unseres Unternehmens ganz besonders in Frage kommen. Gerade der Mangel an geeigneten Persönlichkeiten hat es uns bis jetzt unmöglich gemacht, diesen Zweig besonders auszu­dehnen, obwohl er vielleicht der lukrativste von allen sein könnte. Wir betreiben, wie Sie gesehen haben werden, eine regelrechte Agentur. Aber eine Hafen­stadt wie Alexandrien hat andere Bedürfnisse, andere Verhältnisse wie etwa London ober Neuyork. An ein Unternehmen wie das unsere treten vielfach Anfor­derungen heran, die sich nicht auf rein kaufmän­nischer ober hanbelsmäßiger Basis abwickeln lasten. Anforberungen, die ein Zwistes Vertrauen seitens des Klienten in unsere Firma voraussetzen. Man würde drüben in Europa diesen Zweig, den wir bis jetzt leider noch nicht genügend verfolgen konnten, als Detektivarbeit bezeichnen. Bei uns fällt alles Mögliche darunter. Zum Teil haben wir die an uns herangekommenen Angelegenheiten erledigt, so gut wir konnten, zum Teil mußten wir sie ablehnen. Eben aus Mangel an geeigneten Persönlichkeiten. Denn sehen Sie, Herr Wood, zu diesen Geschäften gehört nicht nur ein scharfer und entschlossener^ Ver­stand, sondern auch eine absolute Vertrauenswürdig­keit. Ich glaube, baß beibe Bedingungen in Ihrer Person erfüllt sind---. Sie sind früherer

Offizier---?"

James Wood lächelte.Wir wollen die Dis­kretton, die Sie von mir erwarten," erwiderte er.

gleich auf meine eigenen Angelegenheiten anwen- ben. Im übrigen-- warum nicht? Gerade

als Ihr Herr Bruder bei mir eintrat, hielt ich mit mir selbst Krieasrctt über meine nähere Zukunft, lieber die fernere Zukunft zerbreche ich mir nämlich nicht den Kopf. Aber ich überlegte mir doch, was ich in der nächsten Zeit Vernünftiges anfangen konnte. Detektiv? Man kann dafür auch Schnüffler und Spitzel sagen. Nicht wahr? Ich bin absolut nicht stolz ober feinfühlig, aber"

Mabame Läonie hob bie Hanb mit einer Würde, die James Wood als nichts anderes denn als hoch- mütgie Zurückweisung feiner Zweifel ansehen konnte.

Ich glaube nicht, Herr Wood, daß wir den, Ein­druck auf Sie machen von Leuten, bie sich mit kleinen und schmutzigen Sachen befassen"

Jetzt hätte nicht viel gefehlt unb James Wood wäre trotz seiner Selbstbeherrschung in schallendes Gelächter ausgebrochen. Die präparierten Roulette-- tische unb keine kleinen schmutzigen Sachen!

Keine schmutzigen Sachen! Woob konnte sich nicht helfen, er mußte grinsen. Madame Läonie sah es natürlich nicht. Madame Leonie blickte ihn ernst und geschäftsmäßig an wie bisher unb fuhr fort:

Es kommt ja nur auf einen Versuch an, Herr Woob. Vielleicht zeigt es sich, daß wir uns. doch in Ihrer Person geirrt haben. Ober baß Ihre An­schauungen über bie für Sie vorgesehene Tätigkeit nicht ganz mit ben unsrigen übereinstimmen. Dann werden wir uns freundlich bie Hände schütteln unb Lebewohl sagen. Aber vorher, glaube ich, lohnt ein solcher Versuch der Mühe. Zudem ich doch annehme, Ihr Versprechen zu haben, nicht wahr, Herr Wood?"

Ich stehe zu Ihren Diensten, Madame, aber wenn auch ich Sie an eine Wendung unseres gestrigen Gesprächs erinnern darf: ich muß fragen, was verdiene ich dabei?"

Selbstverständlich müssen Sie das fragen. Doch hören Sie zuerst! Ich habe gleich hier in meinen Akten einen Fall, den ich Ihnen übertragen möchte. Ich brauche wohl von Ihnen kein Versprechen, daß Sie, wenn Sie ihn nicht übernehmen wollen, beim Verlassen dieses Zimmers vergessen haben, was ich Ihnen jetzt auseinandersetzen werde---*

Sie brauchen fein Versprechen, Madame."

(Fortsetzung folgt.)