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Stadt muh auf öle berechtigten Belange der anderen Gemeinden sowie auf die der Gcwerbe- treibcirden Rücksicht nehmen. Die städtischen Be­triebe müssen das öffentliche Bedürfnis befrie­digen, wenn der Wettbewerb gleichartiger pri­vater Betriebe tatsächlich ausgeschaltet ist. Bei der Qlbftiinmung über den Gesetzesteil, der besagt, daß werbende Betriebe von der Gemeinde in wirt­schaftlicher und soweit nicht reichsgesehliche Steuerbefreiungen vorgesehen sind auch in steuerlicher Hinsicht d:n Privatbetrieben gleich­zustellen sind, ergab die Aufrechterhaltung dieser Bestimmung mit 199 gegen 188 Stimmen der Linken.

Der StaatsVoranschlag vor dem Hessischen Landtag.

Darmstadt, 3. März. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 91 'z ilfjr. Auf iy?r Tages­ordnung steht der Staatsvoranschlag für 1926.

Abg. Kaul (Soz.)

spricht von einer schweren Finanznot des Staates! es sei aber k-in Staatsbankerott, sondern es handle sich um eine Betriebsmittelnot des hessischen Staates. Eine weitere Anspannung der Steuerkrast sei kaum noch möglich: Schuld an den Schwierigkeiten sei zum Teil die viel zu geringe Lleberweisung von Reichs­steuern an Hessen. Verursacht sei sie durch die Verkümmerung der Erzbergerschen Finanz­reform durch die Regierungen Luther und Schlie- ben. (Widerspruch rechts.) Es sei eine Zeit un­geheuerer Steuerdrückebergerei. (Wider­spruch.) Der Redner richtet diesen Vorwurf gegen die Landwirtschaft, insbesondere gegen dir Landwirtschaft in Pommern (Zurufe: Wir sind hier in Hessen: weiter wird dem Redner ent­gegengehalten, daß Hessen mehr vom Reich an -Ueberweisungen erhält, als es zu beanspruchen hat). Die Hausbesitzer suchten der Allgemeinheit vorzureden, als bezahlten sie die Hauszinssteuer: sie fürchten auch, daß einmal stärker gebaut wird und daß ein größeres Wohnungsangebot er­folgen könne. Die Rralsteuern müßten dem Lande verleiben: wovon solle der hessische Staat denn existieren, wenn man ihm die Möglichkeit der Exi­stenz nehme, denn gerade die Rechtsparteien woll­ten doch diesen Staat erhalten. Es sei Sand in Öäe Augen des hessischen Volkes streuen, wenn man immer vom Sparen spreche: bei dein Abg. Dr. Leuchtg-cirs handle es sich um einen Spar- finnnel. Hinter dem Geschrei nach demSparrn" stehe als Gefahr noch das Zusammengehen des Abg. Dr. Leuchtgens mit dem Führer der D. V. P., dem Abg. Dingeldeh. Hinter dem hysterischen Geschrei noch demSparrn" stehe aber auch der Angriff auf die Republik. (Stürmische Heiterkeit rechts.) Bedenklich sei, daß sich die D. V. P. in den Mistgabel-Bolschewismus einge­gliedert habe. Das Ziel der Gegner wäre, die Koalition zu stürzen und eine Regierung der Rechtsparteien, eine Regierung der bürgerlichen Parteien aufzurichten. Den wahren Charakter der Sparsamkeitserklärungen der' Rechtsparteien könne man aus ihren Anträgen ersehen: sie richteten sich gegen das Staats Ministerium und gegen das Ministerium für Arbeit und Wirtschaft, die auf- gehoben oder abgebaut toertwn sollen und zwar einzig und allein, iveil Sozialdemokraten an der Sprtze dieser Ministerien stehen. Durch ein vier- MedrigeS Ministerium (vier Ministersihe) könnte nr^hr gebart werden als durch die Sparsamkeits- anträge der Rechten. Der Redner spricht dann von einer persönlichen Hetze: man spreche von

-den hohen Ministergehältern und dem hesftschsS Ministerpensionsgesetz. Dieses l seirefvrmbedürstig. (Zurufe aha! Aendern

Sie doch das Gesetz ab.) Die Anträge der Rechts- f Parteien seien einzig und allein auf das Agi- tationsbedürsnis eingestellt mit der Berechnung ' von innen heraus die Republik auszuhöhlen. Die

Streichung des Dispositionsfonds beweise wieder den Kampf gegen die Republik. Die Angriffe der Rechten richteten sich besonders gegen bie po° litis che n Beamten, d. h. gegen die Beam­ten, die nicht die Ochsentour der 'Verwaltung durchgemacht haben. (Zurufe: Es kommt darauf an, daß sie etwas können!) Die Sparanträge wollten auch einen Abbau der Sozialpolitik: das beweise schon, daß man einen Pinter schied zwischen Arbeitszeit und Arbeitsbereitschaft mache. Die Betriebe in Händen des Staates, müßten in seinen Händen bleiben: es müßten Musterbe­triebe daraus gemacht werden. 3m weiteren Verlaufe seiner Ausführungen fordert der Redner Abbau von Kreisämtern, die Reuord- mmg des Bauwesens werde Einsparungen brin­gen, auch seien noch zu viel Forstbeamte vorhan­den. Sodann wendet sich der Redner gegen die Anträge der Rechten auf Abbau von Schul stellen, und verteidigt demgegenüber die Abbauanträge der Koalitionsparteien. Die Sozialdemokratie werde die Berufsschulen nicht den Berufsorgani­sationen, d. h. den plirternehTnern, überlassen. Sn seinen Schlußwendungen fordert Abg. Kaul das Aufgehen Hessens in einen deutschen Einheitsstaat.

Abg. Rutz (3tr.)

hält geistige und wirtschaftliche Rot für ein Charakteristikum unserer Tage: er zählt eine Reihe von trüben Zeiterscheinungen auf und erklärt den Staatsvoranschlag als ein Bild die­ser Zeit. Dem Finanzausschuß wird für seine Arbeit hohes Lob gespendet: eine solche Fülle von Material hätte bisher noch nicht Vorge­legen Die Zentrumspartei in Hessen könne ja keine selbständige Außenpolitik machen aber sie könne die Außenpoliftk unterstützen. Sie bil­lige die Außenpoliftk in Bezug auf die Dölker- bundspolitik und ihr Verhalten gegenüber Musso­lini. 'Besonders sei in Berlin Rücksicht zu neh­men aus die besonderen Verhältnisse des be­setzten hessischen Gebietes. Der Redner begrüßt sodann das befreite Köln und hofft, daß auch bald dem übrigen besetzten Gebiete die Befreiungsstunde schlagen würde. Sodann übte der Vortragende eine strenge Kritik an dem Ver­halten des früheren deutschnationalen Finanzmini­sters von Schließen gegenüber Hessen. Dieser habe alles Eingehen auf die besonderen hessischen Wünsche schroff abgelehnt. Manche Finanzämter in Hessen regierten vom grünen Tisch aus, unter Verkennung der wirtschaftlichen Verhältnisse. Kommunisten und Dauernbündler nutzten die schlechte Wirtschaftslage für ihre parteipolitischen Zwecke aus. (Zurufe: Dernkastel!) Wo die Slot am größten ist, sollte die Schicksalsgemeinschaft am stärksten sein. Die Finanzämter sollten gegen die Aufreizungen vorgehen. Rur ein auf Ver­nunft aufgebcmtes Sparen führe zum Ziel: darum müsse man objektiv an alle Sparanträge der Parteien herantreten Das Zentrum sei föderalistisch seit seiner Gründung eingestellt, es

könne die Bestrebungen der Sozialdemokratie nach einemEinheitsstaat" nicht mitmachen. Der Red­ner verliest dann Pcessesftmmen, in denen darge­legt wird, daß von dem Berliner Zentralismus für Süddeutschland nichts zu erwarten sei. Der Standpunkt des Hess. Zentrums in der F ü r st e n- a b f i n d u n g sei derselbe wie im Reiche. Eine entschädigungslose Wegnahme von Privateigen­tum der Fürsten könne das Zentrum nicht billi­gen. Es könnten aber den Fürsten auch keine besonderen Aufwertungsrechte zugesprrchen wer­den. Der Redner bittet in seinen Schlußworten das Trennende zurückzustellen und das Einigende vvranzustellen.

Abg. Dr. Leuchtgens (Hess. Bbd.) nennt die Ausführungen des Vorredners eine unpolitische Rede. Zu Beginn hätte man glau­ben können, ein Sozialdemokrat habe gesprochen. Abg. Ruß habe sich die Behauptung der Sozial­demokratie zu eigen gemacht, der Bauernbund treibe mit seinen Versammlungen nur Agitation. Abg. Ruß wäre nie in einer solchen Versamm­lung gewesen; er hätte aber nur seinen Frak- ftonsfreund Lautenbacher fragen sollen, der daran sogar als Redner teilgenommen habe. Abg. Ruh soll sich auch einmal über die Stimmung in Zentrumsdörfern informieren. Die Vorgänge in Bernkastel redeten eine zu deutliche Sprache: es wären aber doch gerade Zentrumsanhänger, die diese Ausschrei­tungen begangen hätten. Der hessische Vor­anschlag nehme keinen Bezug auf die wirtschaft­liche Rot unserer Tage, das beweise u. a. die ständige . Zunahme der Verwal­tungsausgaben. Die Ausgaben für das Vermögen, d. h. für werbende Anlagen, wären lange nicht in dem Maß gestiegen. Die Steuer- l a st in Hessen habe seit der Vorkriegszeit fast um das Dreifache zu genommen. Die Defizitziffern wären ebenfalls gestiegen: man stehe sogar vor einem finanziellen Zu­sammenbruch. den der Minister ruhig zu­geben sollte. Die politische Frage sei hier gleich­gültig: niemals wäre in den Protestversamm­lungen gegen den Steuerdruck die Frage nach der Monarchie oder der Republik erörtert wor­den. Die Koalitionsparteien suchten durch diese. Wie durch andere Schlagworte, z.D. Fürsten­abfindung die Aufmerksamkeit von den bren­nenden finanziellen Fragen abzulenken. Richt die Aeichssteuern wären das Drückende, sondern die viel zu hohen Landes st en er n. Die Volksschullasten wären in Hessen von früher 11 auf jetzt 25 Millionen gestiegen. Der Staat der Rachkriegszeit arbeite viel verschwenderischer. Sn den anschwellenden Zahlen wäre . die schärfste Kritik der gegenwärtigen Zustände enthalten. So hätten sich die Ausgaben für das Landesbildungsamt seit 1913 ver- fünff ach t. Als Heilmittel habe der Finanz­minister keine andere Empfehlung als einen Hin­weis auf die Vaterlandsliebe: der Bürger solle aus Vaterlandsliebe Steuern zahlen. Man müsse sich fragen, woher der Finanzminister den Mut nehme, noch auf seinem Platz zu sitzen, und man müsse sich auch wundern, daß die Linke einen so unfähigen Minister noch unterstützen wolle. Die Mehrheit im Hessischen Landtag wolle inner­lich keine Stellung zu den Sanierungsfragen nehmen. Sm Sechserausschuß hätten die Ver­treter der Regierung ihre Ausgabe nur darin gesehen, die bestehenden Zustände zu verteidigen: nach der Meinung der Regierenden wäre in Hessen alles wohl bestellt. Die Linksparteien hätten das alles gut geheißen. Wenn man sich einen Mann vorstellen wolle, der mit der Regierung durch dick und dünn gehe und der einer der ärgsten Rückschrittler fei, so wäre das der sozialdemokratische Abgeordnete Kaul: die Verhandlungen im Sechserausschuß hätten das bewiesen. Ganze Aernter würden in Hessen von einzelnen Bureaukraten beherrscht: so sei der Oberschulrat Sun g der Alleinherrscher in der Schulabteilung. Der Finanzminister sei ganz von seinen Parteifreunden abhängig. Die Zen­tralverwaltung in Hessen wäre viel zu groß. Das Ministerium des Snnem habe vor dem Kriege acht akademische 'Beamte gehabt und habe heute deren 19; in anderen Mini­sterien wäre es nicht anders. Die Stimmung des Landes komme im Hessischen Landtag nicht zum Ausdruck; das Parlament habe sich überlebt und müsse aufgelöst werden. Der Artikel 24 der Verfassung müsse in der Weise abgeändert wer­den, daß der Landtag sich durch einen Mehr­heitsbeschluß selbst auf löfen könne.

Rächste Sitzung Donnerstag 9 Ahr.

Parlamentarisches aus Hessen.

Die Doltspartcilidje Fraktion beantragt: Der Landtag möge beschließen, die Regierung zu er­suchen, die Einführung der neuen Lehr­pläne für d i e höheren Schulen Hes­sens solange aufzuschieben, bis den sachlich und sachlich beteiligten Kreisen Gelegenheit gegeben war, sich mit den geplanten Neuerungen eingehend zu beschäftigen und sich darüber zu äußern.

Die gleiche Fraktion beantragt ferner: Der Land­tag wolle beschließen, die Beiträge, die von Ge­meinden- und Privatverwaltungen zur Förster­besoldung für 1925 zu leisten sind, herabzu-- setzcn, und zwar bis zu 50 Proz. in denjenigen Ge meinden, deren Anfall an Holz nur in Wcllenholz besteht. Im übrigen sind die Beiträge aus die Pflich- ft gen |u zur Hälfte nach der Fläche und dem Rein­ertrag des Waldes auszuschlagen. In der Begrün­dung wird gesagt: Die Ausgaben, die heute den waldbesitzenden Gemeinden durch die hohen Be­wirtschaftskosten entstehen, stehen in keinem Ver­hältnis zu den Erträgnissen der vorgenannten Wal­dungen. Von einem lleberschusse oder nennenswerten Gewinn kann feine Rede sein. Es ist deshalb den Gemeinden und Privaten nicht möglich, die Kosten in der festgesetzten Höhe für die Försterbesoldungen zu tragen.

Die deutschnationalc Fraktion beantragt: Der Landtag wolle beschließen, die '.Regierung wird be­auftragt, einen Gesetzentwurf vorzulegen, demzu­folge

1. von solchen gewerbesteuerpflichtigen Unterneh­men, die den Kleinhandel mit Waren verschie­dener Gattungen als Großbetriebe betätigen, die Waren in offenen Verkaufsstellen feilhalten oder im Wege des Versands zum Verkauf bringen (Warenhäuser, Basare, Dersandgeschäfte, Abzah- lungs- und Lersteigerungsgeschäfte), eine beson­dere Betriebs st euer erhoben wird:

2. die Steuerpfticht bei einem Betriebsvermögen von etwa 150 000 Mk. beginnt,

3. die einzelnen Warengattungen festgelegt wer­den unter Ausschluß der Produkte der Landwirt« schuft:

4. eine progressive Erhöhung der Steuer nach der Zahl der geführten Warengruppen, sowie nach der Anzahl der beschäftigten Arbeiternehmer ein­tritt:

5. Gewerbetreibende, die Verkaufsstellen oder Lager, von denen die Waren zum Verkauf abge­geben werden, unterhalten, ohne daß sie an dem betreffenden Orte ihren Wohnsitz oder Hauptbe­triebsfitz haben, zur Entrichtung einer Sonderge­werbesteuer (Filial-Steuer) verpflichtet find;

6. die Steuer zur Hälfte dem Lande, zur an­deren Hälfte der Gemeinde zufteht, in der sich das Unternehmen befindet.

Der deutschnationale Abg. Dr. Werner bean­tragt: Der Landtag wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, zwar an dem Beschwerderecht der Strafgefangenen festzuhalten, dagegen ihnen das Petitionsrecht, das als ein staats­bürgerliches Ehrenrecht zu betrachten ist, nicht mehr zu gestatten.

Eine deutsche Protestnote an Polen.

Gegen die Deutschenhetze der Warschauer Presse.

Berlin, 3. März. (WTB.) Der deutsche Gesandte in Warschau hat im Auftrage der Reichsregierung dem polnischen Minister­präsidenten eine Rote überreicht, in welcher gegen die skrupellose polnische Pressekampagne, wie sie sich aus Anlaß der letzten Deutschenverhaftungen in Polnisch- Oberschlesien, insbesondere auch gegen das deutsche Generalkonsulat in Kattowih gerichtet hat und anbauernö richtet, schärfster Einspruch eingelegl wird. Sn der Rote wird nachdrücklich darauf hingewiesen, daß trotz der auf entsprechende ernste Vorstellungen des deut­schen Generalkonsuls erfolgten Versprechungen des Kattowiher Woiwoden Abhilfe nicht geschaffen wurde, und daß jener weiter den Presseangriffen, die ihm allerorten Spio­nagetätigkeit vorwarfen, ausgesetzt bleibt. Es ist in der Rote ausdrücklich darauf hin­gewiesen worden, daß die Ortsbehörden sehr Wohl in der Lage wären, diesen allen inter­nationalen Gepflogenheiten widersprechenden Ton der Presse zu mäßigen, seien doch gleichzeitig mehrfach deutschsprachige Zeitungen wegen Auslassungen beschlagnahmt worden, die an dem Vorgehen der polnischen Polizei Kritik übten.

Die Lage des deutschen Grundbesitzes in Estland.

Berlin, 3. März. (Wolff.) Lieber die Lage des deutschen Grundbesitzes in Estland wird den Blättern mitgeteitt. daß auf Grund des esttändi- schLn Gesetzes vom Jahre 1919 die baltischen und deutschen Grundbesitzer enteig­ne t wurden, Schweden, Finnländer und Eng­länder dagegen ihre Güter mit Snventar bis zum heutigen Lage in Benutzung haben. Auf eine Vorstellung der deutschen Regierung im Sahre 1920 hat die eftländische Regierung die Meistbe­günstigung in dieser Frage zugesagt, jedoch prak­tisch nichts unternommen und nicht einmal ein Entschädigungsgesetz erlassen. Ein solches erschien erst im Sahre 1925 und zwar mit den unzuläng­lichen Sätzen einer Entschädigung von 3,20 Mark pro Hektar. Die deuftche Regierung legte hier­gegen Protest ein und der deutsche Gesandte er­klärte, daß die nicht vollwerftge Entschädigung der Enteignungen mit den Grundsätzen des Völkerrechts nicht vereinbar sei. Das in Estland geltende russische Recht schreibe ausdrücklich vollwertige Entschädigun­gen vor. Auch für das weggenommene Snden- t a r, das in gänzlich ungenügender Weise vergütet worden ist, fei eine vollwertige Entschädigung KU leisten. Angesichts der ungünstigen finanziellen Lage Estlands ist der Gesandte ermächtigt worden, eine angemessene Entschädigung als zufrie­denstellend zu erklären. Die estnische Regierung hat jedoch bisher keinerlei Aeigung gezeigt, auf Verhandlungen einzugehen. Sie hat nur von der gänzlich unzureichenden Entschädigung von 6 Mark pro Hektar gesprochen.

Die tschechische Schulpolitik im Hultschiner Ländchen.

Prag, 3. März. (Wolff.) Der bevoll­mächtigte Kommissar des Hultschiner Ländchens und tschechische Landespräsident von Schlesien, Dchramek. hat allen Kindern aus dem Hultschiner Ländchen, die deutsche Schulen in Trop- p a u besuchen, den weiteren Besuch dieser Schuleri unterlagt. Sm Hultschiner Land herrscht dar­über Empörung, da trotz der bei den letzten Par­lamentswahlen zum Ausdruck gekommenen deut­schen Gesinnung des ganzen Landes keine deutschen Schulen im Lande zugelassen werden. Die Kinder, die nicht tschechische Schulen besuchen wollen, mußten also in die deutschen Schulen Troppaus geschickt werden.

Kleine politische Nachrichten.

Der Herr Reichspräsident hat heute den deutschen Botschafter in Rom, F r e j h e r r n v. Reu rat h. sowie den herrischen Botschafter in Konstantinopel, Radvlny, empfangen.

Der R e i ch s r a t nahm den Gesetzentwurf zur S t e u e r m i l d e r u n g, der die Herabsetzung der Umsatzsteuer ab 1. April auf 0,6 Prozent und die Befeiftgung der Lurussteu.-r Vorsicht, an.

Sm Reichstag ist eine Interpellation des Zen - i r ums eingegangen, in der auf die unerträgliche Rücksichtslosigkeit der Finanzämter bei der Ein­treibung der Steuerrjick stände hingewie. fen wird. Gepfändete Bermögensstückc würden bei Zwangsverkäufen zu Spottpreisen verschleudert. Dic Stimmung der betroffenen Voltskreise werde täg- lich erregter und wachse sich zu einer staatspolitischen Öefahr von bedenklichem Umfange aus. Die Reichs­regierung werde um Abhilfemaßnahmen gebeten.

Sm preußischen Ministerium für Doltswohll fahrt fand eine Aussprache über den Referenten­entwurf für ein Gtädtebaugeseh statt, an der Verbände aller interessierten Verbände imö Vereinigungen teilnahmen. Der Grundgedanke des Entwurfes, hie wohnliche Unterbringung der in den nächsten Jahren zu erwartenden Dedölle- rungsmenge in geregelte Bahnen zu lenken, wurde trotz mancher Bedenken im einzelnen als richtig anerkannt.

Der seit mehreren Wochen angekündigte Streik der Pariser Geschäftswelt brach Mittwoch nachmittag aus. Zwei Stunden lang hatten sämt­liche Geschäfte geschlossen. Am Streik beteilig­ten sich auch die Cafes, ein Teil der Banken und sämtliche Barbierläden. Die Straßen der Stadt durchzogen Abordnungen der Streikkomitees, um sich davon zu überzeugen, daß die ausgegebene Pa­role überall befolgt wurde.

Die norwegische Regierungskrisis ist bereits gelöst. Der konservative Führer Lykke hat das neue Kabinett bereits gebildet, in dem er auch das Portefeuille des Auswärtigen über­nehmen will.

Aus aller Welt.

Von der Heidelberger UnioerfUäf.

Geheimrat Hofrat Prof. Dr. Ernst Anton Wül­fing, Direktor des Mineralogisch-Petrographischen Institutes an der Universität, wird nach einer acht­zehnjährigen Tätigkeit an diesem Institut aus Ge­sundheitsrücksichten in den Ruhestand treten.

Erstickt.

In Elberfeld geriet beim Efsesi^bon Eisbein einem 42jährigen Manne ein Stück Fleisch in die Luftröhre, das trotz der sofortigen Bemühungen eines Arztes nicht entfernt werden konnte. Auf dem Wege zum Krankenhaufe erstickte der Mann an dem Fleischstückchen.

Eine Bestechungsaffäre.

Gegen den Stadtoberinspektor Schön und einen Angestellten vom Charlottenburger Woh­nungsamt ist ein Verfahren wegen Meineides, Beamtenbestechung und pflichtwidriger Amtshand­lungen eingeleitet worden. Die Beschuldigten sollen einen Fabrikanten, der keinen Anspruch auf Wohnung hatte, eine Fünfzimmerwohnung zugewiesen haben, wofür sie als Entgelt je eine Wohnungseinrichtung erhalten haben sollen. Der Angestellte ist bereits entlassen, während gegen den Stadtoberinspektor Schön ein Disziplinarver­fahren schwebt.

Tauschschwindel.

Eiile luftige Tauschgeschichte hat sich in Wilster in Hannover zugetragtzn. Ein Zigeuner suchte, von Haus zu Haus wandernd, eine Geige an den Mann zu bringen. An einer Stelle tauschte er fein Instru­ment gegen eine andere alte Geige und ließ sich 15 Mark zuzahlen. Mit der getauschten Geige machte er das gleiche Geschäft beim nächsten Dummen und so fort. Den letzten Tausch ver­kaufte der Brave für 25 Mark.

Betrüger.

Der Geschäftsführer der Baugewerkschaft. Hentrich bei Gelsenkirchen ist auf Grund der An­zeige einer entlassenen Lohnbuchhalterin verhaf - t e t worden, die angegeben hatte, daß Hentrich in großem Umfange falsche L i st e n führe, auf Grund deren staatliche Arbeitslosenunterstützungen ausbezahlt wurden. Die Schwindeleien tollen im Einvernehmen mit dem Vorsteher des Städtischen Arbeitsnachweises begangen worden fein, der gleich­falls verhaftet wurde. Beide Verhaftete haben ein volles Geständnis abgelegt.

Unterschlagungen.

Sn Baden-Baden wurden ein Beamter und zwei Angestellte der Städtischen Sparkasfe wegen Unregelmäßigkeiten verhaftet, die aus dem Effekten- aeschäst herrühren. Die Untersuchung, welche schon seit einiger Zeit eingeleitet ist, bat bis jetzt einen Fehlbetrag von 25 000 Mark ergeoen.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 4. März 1926. '

Steuerfälligkeiten im März.

Sm Monat März werden folgende Steuern fällig:

5. März: Lohnsteuer für die Zeit vom 21. bis 28. Februar, einschließlich per für die Zeit vom 1. bis 10. Februar bzw. 11. bis 20. Februar einbehaltenen, noch nicht abgeftihrten Beträge ohne Rücksicht aus deren Höhe.

10. März: Umsatzsteuer-Vorauszahlung

1 Prozent der ülmsähe usw. im Monat Februar: vorläufige Gewerbesteuer bom Ertrag für Rj. 1925; Rachzahluug für die Stadl, den Kreis und die Provinz: übDr diese Rachzahlungen sind den Pflichftgen unterm 6. Februar Anforderungszettel Auflegungen. Vorläufige Gewerbesteuer vom Er­trag für Rj. 1925 Rachzahlung der Monatszahler für den Staat gemäß Bekanntmachung des Hessi­schen Ministers der Finanzen vom 10. Februar: über die zu entrichtenden Beträge gehen den Pflichftgen in den nächsten Tagen ebenfalls An­forderungszettel zu.

15. IMrz: Lohnsteuer für die Zeit vom 1. bis 10. März, sofern der Gesamtbetrag mehr als 100 Rm. beträgt.

25. März. Desgleichen für dic Zeit vom 11. bis einschließlich 20. März.

Umsatz- und Gewerbesteuer können innerhalb der 7tägigen Schonfrist noch ohne Verzugszu­schlag entrichtet werden.

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter das Pfund 1,50 bis 1,80, Matte 30 bis 35, Käse 60 bis 1,-10, Wirsing 30, Weißkraut 25, Rot­kraut 30, gelbe Rüben 20, rote Rüben 20, Spinat 40, Unter-Kohlrabi 10 bis 12, Grünkohl 30 bis 35, Rosenkohl 60, Feldsalat 80 bis 1,50, Zwiebeln 20, Meerrettich 40 bis 80, Schwarzwurzeln 50 bis 70, Kartoffeln 4 bis 5, Aepsel 15 bis "25, Honig 50. junge Hahnen 1,20, Suppenhühner 1,20, Russe 60, Eier das Stück 11 bis 13, Blumenkohl 60 bis 1,80, Salat 40, Endivien bas Pfundj,0O, Ober-Kohlrabi das Stück 10 bis 15, Lauch 10 bis 20, Sellerie 20 bis 60 Pf.

Wettervoraussage.

Rach Niederschlägen in Schauern ruhiger, wolkig, später TemperaturfaU.

Während im Küstengebiet leichte Niederschläge fallen, ist in Mittel- und Süddeutschland sehr ver- anderttches und unruhiges Wetter eingetreten. Von einer kräftigen Westströmung getragen, ist ein at­lantischer Wirbel sehr schnell nach Nordskandinaoien gezogen. Auf feiner Rückseite hat er jedoch über den britischen Inseln einen kräftigen Ausläufer enb jpirfelt, der unser Gebiet erreichen dürfte und ein­zelne Niederschläge in Aussicht stellt. Erst nach sei- h*"prubergang ist ruhigeres Wetter zu erwarten.

Gestrige Tagestemperaluren: Maximum: 11,8 Grad Celsius. Minimum: 5,2 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 6,0 Grad Celsius.

Bornotizen.

Tageskalen der für Donnerstag. Deutscher Bund für christlich-evangelische Erziehung m Haus und Schule: 8 Uhr, Lohannessaal, Famb