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tone- der Deutschen Rcichsbahngcfell- schüft entstanden ist. Der Vertreter des Reichs orbeitsministers legte dar, bafo auf dem Gebiet des Schlichtungsrechtes auch die Deutsche Reichsbahn- gesellfchaft kerne Sonderstellung bcorp fpruchen könne. Dos Bedürfnis, eine gewaltsame Austragung von Streitigkeiten zu vermeiden, sei bei der Reichsbahn sogar ein erhöhtes. Dos Reichsbahnschiedsgericht sei zu einer Ent. scheidung über die Zulässigkeit der Verbindlichkeits­erklärung nicht zuständig, do diese nicht durch Sie Reichsregierung, sondern durch den R e i ch s a r b e i t s m i n i st e r als Instanz des Schlichtungsverfahrens ausgesprochen werde, und daher ein Streit zwischen der Reichsregierung und der Reichsbahngesellschaft gar nicht oorliege. Die Rechtslage sei nach Derbindlichkeitserklärung des Schiedsspruches für die Eisenbahnarbeiter und ihre Verbände keine andere als gegenüber jedem privaten Arbeitgeber, so daß sie also ihre Ansprüche gerichtlich geltend machen müßten. Die Vertreter der Gewerkschaften stellten fest, daß sich diese Ausführungen mit ihren eigenen Anschauungen durchaus deckten, und wiesen darauf hin, daß der Reichsbahngesellschaft durch die Durchs sührung des Schiedsspruches nur eine Belastung von 11,8 Millionen Mark jährlich erwüchsen, was bei der Höhe ihres Gesamtetats überhaupt nicht ins Gewicht falle.

Die R e i ch s b a h n g e f e l l s ch a f t betonte demgegenüber, daß die Mehrbelastung von 2 0 Millionen, die die Durchführung des Schiedsspruches bringen müßte, von ihr nicht ge­tragen werden könne. Weiter ist sie der Ansicht, daß Verbindlichkeitserklärungen auf sie nicht a n g e wo n d t werden dürften, da das Rcichsbahngeseß Sonderverpflichtungen dem Reparationsagenten und der deutschen Wirt schäft gegenüber bedinge, und daß deshalb für sie auch eine Sonderstellung dem Reichsarbeitsministe- riuni gegenüber notwendig sei. Deshalb habe sie, obwohl Reichsrcgierung und Verkehrsausschuß des Reichstags die Zuständigkeit des Reichsbahngerichts angezweifell haben, die Entscheidung dieses Gerichts ucrlnngt. Rach Mitteilungen von zuständiger Seite trifft es zu, daß die von der Reichsbahn beabsichtig­ten Tariferhöhungen von der Reichsregie­rung a b g e l e h n t worden sind.

Deutscher Reichstag.

Der Glückwunsch an die befreite Zone.

Berlin, 3. Febr. Präsident V ö b e eröffnet die Sitzung mit folgender Ansprache, die von den Ab­geordneten stehend angehört wird:

Der Deutsche Reichstag sendet mit dem ge­samten deutschen Volke seine Grüße an den Rhein und beglückwünscht die Landsleute der sog. ersten Zone zu ihrer Befreiung vom Drucke fremder Besatzung. Er dankt ihnen für die unwandelbare Treue, mit der sie auch in den schwersten Tagen zur deutschen Heimat hielten, und für die Festig­keit und die Tapferkeit, mit der sie jedem Druck standhielten. (Beifall.) Wie wir ihnen oft von diesem Platze aus anläßlich aller Drohungen von außen und oller Zweifel von innen zuriefen: Der Tag eurer Befreiung kommt!, so versichern wir heute den Volksgenossen in den übrigen Gonen d e s W e st e n s, daß all unser Trachten und unsere Arbeit darauf gerichtet sind, nicht nur ihre Losten ( zu vermindern, sondern auch b i c Fristen der Besetzung abzukürzen, die mindestens noch den letzten völkerrechtlichen Vereinbarungen ihren Sinn verloren haben. So hoffen wir, daß nur bald den letzten Deutschen am Rhein und an der Saar die gleichen Glückwünsche sagen können wie heute den Landsleuten im nördlichen besetzten Ge­biet." (Äbhafter Beifall.)

Das 5)qu9 tritt sodann in die Tagesordnung ein und berät einen von der Deutschen Volkspartei ein­gebrachten Gesetzentwurf zur steuerlichen Erleichte- ' rung wirtschaftlich notwendiger Betriebs zu- s a m m e n s ch l ü s s e. Die Vorlage wird dem - Steuerausschuß überwiesen. Es folgt die zweite

Beratung des Gesetzentwurfs zur

Vereinfachung des TNiliiärstrafrechts.

Der Ausschuß hat die Strafbestimmungen für Be­leidigungen innerhalb des Heeres verschärft. Zn besonders schweren Fällen soll auf die Ent­lassung der Offiziere und Mannschaften erkannt werden. Gehorsamsverweigerung soll in schweren Fällen mit verschärftem Arrest bestraft werden. In einem besonderen vorn Ausschuß ein- gefügten Abschnitt Via wird der Zwei kämpf unter Heeresangehörigen mit Freiheitsstrafen von einem halben bis zu drei Jahren belegt. Wer Ehrengerichte bei Vereinigungen oder Orden anruft oder an ihnen mitroirft, wird mit Freiheits­strafen von einem bis sechs Monaten bestraft. Zu den Freiheitsstrafen kommt in allen Fällen die Ent­lassung.

Abg. Dr. Barth (Dn.) bezeichnet die Duell be st immun gen der Vorlage als unannehmbar. Eine solche Sonderbehandlung des Militärs stehe in der Gesetzgebung der ganzen Welt einzig da. Eine Veranlassung zu so schweren Strafen bestehe nicht, denn in der Reichswehr sei kein Duellzwang, und seit ihrem Bestehen sei auch kein Duell unter Reichs­wehrangehörigen vorgekommen. Die Deutschnatio­nalen könnten der Vorlage nur zustimmen, wenn die Duellbeftimmungen wesentlich gemildert würden und vor allem die Bestimmung der Dienst­entlassung wegfalle.

Abg. Buchholz (Z.) begrüßt die Vorlage als eine zeitgemäße Verbesserung des längst reform- bcdürstigen Militärstrafaefetzbuches. Das Zentrum werde die Ausschußbeschlüsse unter Ableh­nung aller A e n d e r u n g s a n t r ä g e anneh­men. Die DueUbestimmungen seien ein Fortschritt, der nicht entbehrt werden könne. Das Zentrum habe immer das Duellunwesen bekämpft, aber die Reform sei früher stets an dem Widerstand des Kaisers gescheitert.

Abg. Landsberg (Soz., bezeichnet es als einen Vorzug des Gesetzentwurfs, daß er neben einer Vereinfachung des Militärstrafgesetzbuchs auch eine wesentliche Milderung in vielen Punkten bringt. Die Duellstrafbestimmungen seien dringend notwendig. Wenn durch sie das Duell aus dem Heere beseitigt werden könne, würde diese Unsitte auch allgemein verschwinden.

Abg. Hampe (Wirtsch. Vg.) stimmt der Vorlage zu. Die von den Deutschnationalen geäußerten Be denken gegen die Duellstrafbestimmungen seien zum 7eil berechtigt, aber sie könnten nicht zur Ablehnung der Vorlage führen.

Abg. Dr. Frick (Dölk.l protestiert gegen die Duellstrafbestimmungen.

Abg. L o i b l (Bahr. Dpt.) begrüßt die Dor­lage. Die Duellstrafbestimmungen dürften nicht auf die Reichswehr beschränkt bleiben, sondern mußten auch auf die Zivilbevölkerung ausgedehnt werden.

Die holländische Regierungskrisis.

Amsterdam, .. Die bereits vom

12. November v. Is. datierende holländische Regierungskrise nimmt neuerdings wieder das Interesse der öffentlichen Meinung des Landes o ausschließlich in Anspruch, daß alle anderen Fragen dadurch in den Hintergrund gedrängt werden. Die Krisis hat sich jetzt zu der schwie­rigsten und l ä n g ft e n ausgewachsen, die es jemals in der holländischen parlamentarischen Geschichte gegeben hat, und übertrifft schon an Dauer selbst die berühmte vorletzte Regierungs­krisis mit ihrer rund ZOtägigen Dauer, die seiner­zeit mangels einer anderen Lösungsmöglichkeit zu einer Fortführung des Amtes durch das Kabinett Ruhs de Deerenbrouk alsGe- angene der Kötzigin" führte. Auch jetzt wird wieder der Königin die Absicht zugeschoben, als letzten Ausweg den Mitgliedern des augen­blicklichen Kabinetts Colijn die Genehmigung ihrer Demissionsgesuche zu verweigern und o das jetzige Kabinett zu zwingen, im Amte zu bleiben

Inzwischen ist man allerdings gegen Gnbc der vergangenen Woche einen geringen Schritt weitergekommen. Der Leiter der Christlich-Histo­rischen Kammerfraktion und Unterrichtsminister des jetzigen demissionären Kabinetts Dr. de 03 i ff e r hat das Vergebliche seiner sieben Wochen dauernden Versuche zur Vildung erst eines rechtsparlamentarischen und später eines Geschäftsministeriums der Rechten endlich einge* eh en und den von der Königin erteilten Auf­trag zur Kabinettsbildung wieder an sie zu­rückgeben müssen. Er hat für die Bildung eines rein außerparlamentarischen Kabinetts oder eines sich auf die Linke stützenden Gefchäfts- ministeriums den bekannten Haager Rechts­anwalt Dr. Limburg empfohlen.

Dr. Limburg, der Mitglied der Freisinnig- Demokratifchen Partei ist, aber niemals partei­politisch hervvrgelreten ist. gehört nicht den Ge­

neralstaaten an. ist jedoch längere Zeit Abgeord­neter der Deputiertenlammer der Provinz Süd- Holland gewesen. Er gilt in internationalen Rechtssraaen als eine Autorität und war als holländischer Delegierter auf der letzten Völker- bundsversammlung und al« Rechtsbeistand des polnischen Staates im Polnisch-Danziger Pvst- streit vor dem internationalen Gerichtshof tätig.

Die Eigenart des jetzigen Stadiums der Re- gierungslrifis liegt darin, daß die Ernennung Dr. Limburgs zumKabinettsformateur" saft von der gesamten Presse von der äußersten Rech­ten bis zu den Sozialdemokraten verhältnis­mäßig günstig aufgenommen wird nur nicht in den Kreisen seiner eigenen Partei! Der Führer der freisinnigen Demokraten. Rechts­anwalt Dr. Marchant, der zu Anfang der Regierungskrisis den vergeblichen Versuch unter­nahm, Katholiken und Sozialdemokraten in einer Linksregierung zusammenzufassen, hat sich dieser Tage in Reden und in einem Artikel des Partei­organs De Vrijzinnig Demoeraat verhältnis- mäßig scharf gegen eine Annahme des Lim­burg erteilten Auftrages durch diesen ausgelas- fen und sogar mit seinem Ausschluß aus der Partei gedroht. Es ist jedoch nicht anzunehmen, daß Limburg sich hierdurch irgendwie in feinen Absichten beirren lassen wird. Da der parla­mentarische Einfluß der Freisinnig-Demokrati­schen Partei nicht allzu groß ist und Dr. Lim­burg selbst den Rus eines Mannes von über- parteiischer Gesinnung genießt, können die Aus­sichten einer durch ihn vorzunehmenden Kabi­nettsbildung auf der Grundlage eines Ge­schäftsministeriums von mehr oder we­niger unparteiischem Charakter als nicht ungün­stig bezeichnet werden. Dies gilt in erhöhtem Maße für den Fall, daß er den Katholiken in der Frage der Gesandtschaft beim Heiligen Stuhl einige Konzessionen gewährt.

Reichswehrminister Dr. Geßler:

Der neue Gesetzentwurf will leine Regelung des Militärstrafrechts. Wir bemühen uns, den inneren Wert der Truppen so zu he­ben, daß wir Strafbestimmungen nicht an^utoen- den brauchen. Die Bestrafungen sind m der Reichswehr auch schon um 50 Prozent zurück­gegangen. Die vorn Ausschuß beschlossenen Duellstrafbest immun gen bieten zahl­reiche juristische Schwierigkeiten. Ich bin ein grundsätzlicher Gegner des Duells. Ich muß mich aber dagegen wehren, daß hier ein Aus­nahmegesetz gegen Offiziere und Soldaten- der Reichswehr befchlossen wird, von dem Richter, Staatsanwälte. Schupo­offiziere und andere Kreise nicht berührt wer­den. Wenn für die Allgemeinheit ein solches Antiduellgeseh erlassen wird, so wäre ich damit einverstanden. (Rufe links: Wir werden es mor­gen beantragen!) Aber dann sind auch die hier vom Ausschuß beantragten Sonderbestimmungen überflüssig. Ich bitte, diesen Abschnitt zu strei­chen. (Beifall rechts.)

Reichsjustizminister Dr. Marx äußerte Be­denken gegen die Einbringung eines all­gemeinen Anti-Duellgesetzes, weil damit wichtige Teile der geplanten Strafrechts­reform normeggonommen würden.

Damit schließt die allgemeine Aussprache

In der Einzelberatung erklärt der Abg. Wunderlich lDt.Vpt.), daß feine Freunde aus den auch vom Wehrminister vorgetragenen Gründen die Duell-Strafbestimmungen und im Falle ihrer Annahme die ganze Vorlage ad­le h n e n würden.

In der zweiten und daraus auch in der dritten Beratung werden alle Aendeinmgsanträge abgelehnt und die Duell-Strafbestimmungen auf- rechterhalten.

Die Schluhabstimmung im Hammelsprung ergibt die Annahme des Gesetzentwurfes mit 167 gegen 137 Stimmen der Deutschnationalen, Völkischen. Kommunisten und der Deutschen Volkspartei.

Auf der Tagesordnung der Donnerstagsihung stehen das Sperrgesetz zur Fürstenabfin­dung und das von den Sozialdemokraten bean­tragte allgemeine Anti-Duellgefeh.

Schiedsspruch

im deutschen Bankgewerbe.

Berlin. 3. Febr. (WTD.) Im Reichs- arbeitöminifterium wurde ein Schiedsspruch ge­fällt, der 1. die Verlängerung des Mantel­tarifs bis zum 28. Februar 1927, 2. eine Ge­haltserhöhung für Icmuar um 4 Proz., ferner für Februar bis einschließlich September 1926 um 5 Proz.. 3. eine Arbeitszeitregelung bis zum 1. Oktober 1926 vorsieht. Dis zu diesem Zeitpunkt kann die tarifliche Wochenarbeitszeit von 46 Stunden im Bedarfsfall auf 52'/« bzw. 54 Stunden erhöht werden mit der Maßgabe, daß wöchentlich ty/2 Überstunden ohne Bezahlung zu leisten sind. Der Vertreter des Danken- Verbandes erklärte sofort nach Verkündung dieses Schiedsspruches, daß er für die Dank­leitungen unannehmbar wäre. Die (8r=> klärungsfrist läuft am 8. Februar ab. Arbeit­geber- und Angestellten b e i f i tz e r haben den Schiedsspruch gleichfalls abgelehnt.

gum Fememordprozetz Pannier.

Berlin, 3. Febr. «Wolfs.) Die Frau des in dem Fememordprozeß zum Tode verurteilten Stein, die gestern beim Schluß des Prozesses noch den Angeklagten von Senden belastende Aussagen machen wollte, erklärte einem Vertreter derD. Z.", ihr Mann, der der Abteilung des Freiherrn von Senden angehörte, habe ihr kurz vor seiner Verhaftung erklärt:Wenn ich Pan­nier nicht ermordet hätte, wäre ich selbst an der Reihe gewesen" Auch nach feiner Ver­haftung habe er "Befürchtungen geäußert, da feine Komplizen genau tvüßten, daß er alles erzählt und u. a auch den Fememord Wills be­richtet hätte. Am Tage der Verhandlung fei sie zu dem Staatsanwalt gekommen, um ihre Aus­sagen zu machen. Der Staatsanwalt wieS sie an einen Rechtsanwalt. Der Rechtsanwalt warnte sie dringend vor Irgendwelchen Schritten vor Ge­richt. Daraufhin hat sich Frau Stein mit dem kommunistischen Rechtsanwalt Obuch ins Be­nehmen gesetzt.

Bundeskanzler Seipel in Berlin.

Berlin, 4. Febr. (TU.) Der ehemalige öfter» relchische Bundeskanzler Dr. Seipel traf Mitt­woch abend in Berlin ein. Aus Einladung des

Hilfswerks für die katholischen Studenten wird er über die kulturellen Aufgaben der Kirche sprechen. Daran wird sich ein Bierabend anschließen, den Reichsjustizminister Dr. Marx, der Führer der Zen­trumspartei, zu Ehren Seipels im Reichsjustiz- Ministerium veranstaltet. Dr. Seipel wird in Berlin vom Reichspräsidenten von Hinden­burg, vom Reichskanzler und vom Reichsaußen- Minister empfangen werden. Donnerstag gibt der österreichische Gesandte Dr. Frank, Freitag Reichs­außenminister Dr. Stresemann zu Ehren Dr. Seipels ein Frühstück.

Kleine politische Nachrichten.

Der Herr Reichspräsident wird die Städte Köln, Bonn und Krefeld am 21. und 22. März und nicht, wie entgegen unserer gestrigen Meldung sestgestellt sei, am 22. und 23. März besuchen.

3m Treppenhaus des Heidelberger Rathauses wurde die Friedrich-Ebert-Büste enthüllt, die die. Stadt Heidelberg dem verstorbenen Reichspräsidenten gewidmet hat. Die Büste ist ein Werk des Stuttgarter Bildhauers Kerzin- ger und in fränkischem Muschelkalk ausgeführt. Oberbürgermeister Dr. Walz gedachte in einer kur­zen Ansprache des in Heidelberg beigesetzten Reichs- Präsidenten. Unter den Klängen des Deutschland­liedes wurde die Büste enthüllt.

Präsident Adelung hat das Plenum des hessischen Landtags für Mittwoch, den 10. Februar d. I., nachmittags 3 Ahr, einberufen. Einziger Punkt der Tagesordnung: Beratung der Anträge zum Wohnungsbaupro g r a m m.

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Die Zahl der stellenlosen A n g e ft c 11 - i en im ganzen Reiche dürste nach den letzten Monatsberichten der Reichsstellenvermittlung des Gewerkschastsbundes der Angestellten 200 000 überschritten haben, darunter etwa 65 000 weib­liche Angestellte.

Der Bevölkerungspolitische Ausschuß des Reichstages hat den § 7 der Vorlage zur Be­kämpfung der Geschlechtskrankhei­ten. der die Behandlung nur den approbierten Aerzten gestattet, gegen dte Stimmen der Sozial­demokraten und Kommunisten angenommen.

In Duisburg wurde bei der Oberbürger­meisterwahl der bisherige Oberbürgermeister Dr. Iarres mit 41 gegen 12 Stimmen der kom­munistischen Stadtverordneten auf weitere zwölf Iahre wiedergewählt.

Der Preußische Landtag beschäftigte sich mit der zweiten Lesung des Initiativgeseh- entwurss für eine preußische Städteo r b = nung. In der Debatte erklärte Abg. Dr. Rosen (D. Dpt.), daß die Vorlage kein großes Reformwerk bedeute und seine Partei sich daher ihre endgültige Stellungnahme bis zur dritten Lesung Vorbehalten müsse. Auch der Sprecher der Deutschnationalen, Abg. Dr. M a r e tz k y , brachte verschiedene Dedenken vor, ebenso der kommu­nistische Abgeordnete Kilian.

Roch einer unlängst obgeschlossenen amtlichen Statistik beläuft sich die Zahl der nach dem Kriege noch 31 a l i c n z n r ü ck g e k e h t e n deutschen Staatsangehörigen, darunter zahlreiche Techniker, 3ndustriellc und Kaufleute, auf mehrere Zehntausend. Davon entfallen auf Mailand 3714, auf Rom 1043 und aus Turin 1630.

v

Professor Drachel von der Hochschule für Bodenkultur in Wien hat eine an ihn ergangene Einladung für einen Anfang Mai stattfindenden internationalen F o r st k o n g r e ß in Rom mit dem Hinweis auf die Unterdrückung des Deutsch tums in Südtirol abgelehnt. Oesterreich wird auf der internationalen Konferenz nicht vertreten fein.

Präsident Masaryk empfing aus der Prager Durg den scheidenden französischen Ge­neral Mittelbaus er in einer Abschieds­audienz und überreichte ihm dabei die Insignien des GroßkreuzeS des Orden« vom Weißen Löwen mit Schwertern. Am 11. Februar wird General Mittelhauser nach Marokko abgehen, wo er zum Kommandanten einer Kampstruppe ernannt worden ist. Sein Rachfolger als Generalstabs­chef der tfchechoslowakifchen Armee wird ein tsche­chischer General, ,

Moskauer Brief.

Don unserem Korrespondenten.

Moskau, £?, 2-2^. 1926-

Rach langem Kranksein ist Krassin über Paris nach London gereift und hat dort feinem neuen Botschafterposten angetreten. Hier geht die Dersion. daß er nicht lange in London bleiben werde, da ihm das seine Gesundheit nicht erlaube. Rakowski, Krassins Vorgänger, fährt dieser Tage nach Paris. Allein es scheint nicht aus­geschlossen. daß er von dort aufs neue Verhand­lungen mit der Londoner Regierung anknüpft, die eine Wiederaufnahme des Mac- donaldv ertrage« zum Gegenstand haben« Dis jetzt ist es allerdings nicht gelungen, dis englische Regierung für eine russisch-englische Annäherung zu interessieren, die immerhin auch von gewissen Kreisen in England gewünscht wird.

Dagegen stehen wiL vielleicht vor ruf fisch- polnischen Handelst) e"k Hm gsver- Handlungen. Die Abgeordneten des Sejm, die sich gegenwärtig in Moskau befinden, haben auch Vorbesprechungen wegen eines Handels­vertrages geführt. Die Sowjetunion, der die mißliche finanzielle, täglich in der Moskauer Presse betonte Lage Polens wohl bekannt ist, verhält sich sehr zurückhaltend. Andererseits wirst Polen feine Beziehungen zu Rumänien in die Wagschale. Das Militärbündnis zwi­schen Polen und Rumänien läuft dem­nächst ab. Polen will die Unterlaffung einer Erneuerung des Bündnisvertrages davon ab­hängig machen, daß es von Rußland einen gün­stigen Handelsvertrag erhält. Hemmend wirkt entschieden auf die russisch-polnischen Verhand­lungen der Umstand, daß nach Ansicht hie­siger politischer Kreise Polen vollständig im finanzielle Abhängigkeit von -England geraten ist.

Innerpolitisch interessieren vor allem die Vorgänge innerhalb der Kommunistischem Partei. Rach Mitteilungen der Prawda wird die Opposition der Leningrader Kommunisten immer mehr isoliert. Eine Arbeiterorganisationj nach der anderen wendet sich mit Ergäbenheits- erklärungen an die Moskauer Parteileitung und erklärt, daß sieim Interesse der Wahrung deü Einheit der Partei" sich ganz auf die Seite dev Majorität stelle. Unbeweglich bleibt allein Sinowjew, Führer der Leningrader Organi­sation, Vorsitzender der Komintern und Bürger­meister von Leningrad. Sinowjew bekleidet kein Regierungsamt, wie etwa Kamenew oder Sokolnikvw, die wegen ihres Widerstände«! gemaßregelt wurden. Er hat also volle Be­wegungsfreiheit und wird durch seins internationalen Beziehungen gestützt. Dennoch ist ohne Zweifel eine erhebliche Schmälerung! seines Einflusses festzustellen, wie man überhaupt bestrebt ist, die Kompetenzen der Partei und der Regierung in Zukunft möglichst voneinander zu scheiden. Unter solchen Umständen wird es leichter fallen, tüchtige Beamte, wie z. B. So- kolnikow, der Regierung zu erhalten. Der ent­thronte Finanzkommissar hat noch keinen Rach­folger, und es ist ganz ausgeschlossen, daß feilt provisorischer Stellvertreter ihn ersetzen könnte. Rhkow hat die Leitung des wichtigenSto". des Rates für Arbeit und Verteidigung über- nommen. Der Sto ist die wichtigste Wirtschafts­organisation Rußlands, viel bedeutender, als der Oberste Wirtschastsrat. Sein Statut schreibt des­halb auch vor, daß der Vorsitzende des Rales der Volkskommissare auch Vorsitzender der Sto sein mutz Eigentlich entsprach es nicht dem Wort­laut dieser Verordnung, daß Kamenew, Ry- kvws Vorgänger im Sto, den letzteren leitete. Aller Wahrscheinlichkeit nach ist also der aus dem Auslande wiederholt gemeldetebevor­stehende Rücktritt Rykows im Slo zugunsten! Trotzkis" nichts, als eine falsche Kombination. Als Leiter des Konzessionskomitees hat übrigens Trotzki eine äußerst wichtige Betätigung. Zu­dem ist er auch im Parteileben sehr rege, wenn­gleich er es vermeidet, vor die Oeffentlichkeit zu treten. Es heißt, daß er auch auf dem letzten Parteikongreß zu Worte gekommen fei. Der offizielle Bericht läßt allerdings nichts darüber verlauten. Von den neuen Männern soll be­sonders Frumkin hervorgahoben werden, der zu den bedeutendsten Volkswirtschaftlern der Sow­jetunion gehört. Scheinmann iit dem Auslands ja bereits bekannt.

2lus aller Welt.

Cin Todesopfer der Tollwut.

Die in Unterfranken stark verbreitete Tollwut hat in Karlstadt am Main ein Todesopfer gefordert. Eine Kuh, die wahrscheinlich von einem tranken Hunde gebissen worden war, mußte getötet werden. Der siebenjährige Sohn des Besitzers kam mit der Kuh in Berüh­rung, erkrankte und verstarb bald darauf.

Verkauf der3ugenb.

Der gesamte Buch und Kunstverlag der Georg-Hir th-A.-G. in München einschl. der bekannten ZeitschriftIugend" ist durch Kauf in den Besitz der Richard Pflaum- Druckerei- und Verlags -A.G. über­gegangen.

Kunst und Wissenschaft.

Ehrung des Klaatsmlnisters a. D. Sdjmibt-OIL

Rektor und Senat der Technischen Hochschule Danzig verliehe» unter dem 26. 3anuar die Würde eines Dr.-3ng. e. h. dem Staatsminister a. D. Dr. jur. et phil.h. c. Friedrich Schmidt-Ott in Berlin- Steglitz in Anerkennung seiner Verdienste um die Entwicklung des deutschen Unterrichts- und Hochschul­wesens sowie um die Förderung der Wissenschaft uiib Technik durch eine großzügige Unter st ü tz ii n g der 3 n ft i t u I c, Laboratorien und sonstigen mijsenschaftlichen Einrichtungen der deut­sche» Hochschulen, insbesondere der Technischen Hoch­schule in Danzig, in seiner Eigenschaft als Präsi­dent der Deutsche» R o t g e m e i n s ch a f t.

Notlage der Heidelberger Universität.

die vorn letzten Rektor der Heidelberger Universität anläßlich der Iahresfeier im No­vember angetünbigte Denkschrift ist jetzt erschie­nen. Die Denkschrist spricht in dürren Worten von den unhaltbar g e Id o r ö er c n bau­lichen it n b räumlichen Verhältnissen an bec Heibelberger Universität. Das Notwen­digste müsse nach einem Haren Bauprogramm bald geschehe», wenn nicht der alte Ruhmes­glanz der Ruperta Carola verdunkelt werben soll. Besonders mißlich seien bic Verhältnisse in ben Instituten der medizinischen Fakul­tät. Die Zustände im Botanischen Insti - t u t seien geradezu katastrophal. Auch die Lage der Sternwarte fei trostlos.