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Das hessische LnndeStherler.
Der üeuijchnationalc Abg. Dr. W c r n c r Hai sollende 'Anfrage über die neuerlichen Darbietungen des Hessischen Landestheatcrs an die Negierung gerichtet: Die Darbietungen des Hessischen Landes- theaters haben schon öfters zum berechtigten Gilt- spruch Veranlassung gegeben. Man mag dem Theater immerhin den allgemeinen deutschen Verfall als „Entschuldigung" gelten lassen, so ganz darf aber die Buhne nicht ihre doch auch moralische Aufgabe vergessen, was leider in Berlin schon längst üblich, wie es nunmehr in Darmstadt auch der Brauch zu werden scheint. Schon „Danton s T o d" bot mit seinem Geschweige in Zynismus und Roheit, in Widerwärtigem und bewußt übertrieben dargestellter Dirnenschamlosigkeit des Abstoßenden und Verderblichen genug. Es erfuhr aber noch eine Ucberftcigcrung durch das ganz unkünstlerische und tunstlose Machwerk „Anja und Esther". Was hier auf krankhaft perverse Weise in Herabsetzung des Weibes auf die Stufe tierhafter Schamentblößt- heit unter Verwendung kindlicher Mitdarsteller und vor größtenteils jugendlichem Publikum geleistet wurde, mußte Schrecken und Grauen zugleich erwecken. Nicht daß die Mebrzahl der Zuschauer das Stück erfreulich kühl ablehnte, ist hier die Haupt- joche, sondern das ist der Skandal,.daß ein solcher Schmutzflnden in unserm mit schweren Opfern erhaltenen Kunsttempel überhaupt die Bretter berühren durfte.
Ich frage daher die Regierung, was sie zu tun gedenkt, um in Zukunft die Aufführung derartiger Fragwürdigkeiten zu verhindern?
Darauf ist folgende Regierungsantwort eingegangen:
„Dantons Tod" nimmt in der deutschen Literaturgeschichte einen unbestrittenen Rang ein. Nachdem dieses Drama auf den bedeutendsten reichsdeutschen Bühnen zur Aufführung gelangt ist, war es eine schon längst fällige Ehrenpflicht des Landestheaters, dieses in Darmstadt noch nicht gespielte Werk des größten hessischei^Dichters zur Darstellung zu bringen. Das Drama befaßt sich mit durchaus kritischer Tendenz und ablehnender Gebärde geschichtstreu mit Zuständen der französischen Revolution. Die von dem Herrn Abgeordneten beliebte .Kennzeichnung beruht auf einer Verkennung des Dramas und der Aufführung des Darmstädter Landestheaters.
Die Beantwortung der Anfrage, soweit sie die Aufführung des Schauspiels „Anja und Esther" von Klaus Mann betrifft, lehne ich ab. Ich protestiere gegen diese Anfrage, weil aus ihr der in aller Öffentlichkeit gegen die Leitung des Landestheaters geltend gemachte Vorwurf gelesen werden muß, daß sie künstlerische Arbeit und öffentliche Mittel an die Pflege ener Literatur niedrigsten Ranges verwendet.
Der Staatspräsident. Hessisches Landesamt für das Bildungswesen: I. V. Urstadt.
Südwestdeutscher Dolksbühnentag.
Der Bezirk Hessen-Hessen-Rassau im Verband der deutschen Dolksbühnenvereine hielt dieser Tage in Mainz eine Tagung ab. Auf dem Festakt hielt Oberbibliothekar Dr. Eppels- heimer (Mainz) einen Vortrag über das Drama unserer Zeit. Aus den Verhandlungen ist von allgemeinerer Bedeutung, dah. dem Geschäftsbericht zufolge, die Volksbühnenbewegung zunimmt: sie umfaßt gegenwärtig in dem eben- genannten Bezirk 9 Vereine mit 15 000 Mitgliedern. Die Vereine von Mainz und Offenbach stiegen von je 800 auf je 1800 Mitglieder. Worms und Darmstadt haben sich gehalten-, in Gießen besteht zur Zeit ein Gründungsausschuß. Das Verhältnis zu den Theaterleitungen hat sich zugespiht, weil diese die Forderung stellen, die Volksbühnenorganisationen sollen die Aufnahme von Mitgliedern auf eine gewisse Einkommensgrenze beschränken. 3n der Diskussion sprach man sich dagegen aus. Cs wurde beschlossen. daß der Bezirksvorstand in Gemeinschaft mit dem Bühnenvolksbund Rechtsträger des Frankfurter Künstlertheaters, das zugleich die Hessische Landeswanderbühne darstellt, werden soll und Treuhänder für den hessischen Staatszuschuß. Ferner wurde einer Entschließung an die hessische Regierung zugestimmt, in der eine stärkere Heranziehung des Frankfurter Künstlertheaters und ein größerer Zuschuß zu der Hessischen Lanbeswanderbühne gefordert wird.
„Ouatea und Maximilian- in Berlin.
Franz Werfels Drama „Iuarez und Maximilian", soeben mit dem Grillparzer- Preis gekrönt, wird im Deutschen Thea- t e i: unter Leitung von Max Reinhardt gespielt. Die dreizehn Bilder nehmen den historischen Stoff zum Vorbild, den Kampf des Habsburgers mit dem Gegenpräsidenten Iuarez. Maximilians anfänglicher Sieg, seine Gefangennahme, seine standrechtliche Erschießung in Que- retaro. Hinter der politischen Fassade verbirgt sich ein tiefer menschlicher Kern. Maximilian, der Sproß eines alten ermüdeten Fürstengeschlechts. wird zum Typus des träumerischen Menschen, der feine Untertanen durch Güte zwingen möchte, der die Befreiung der Indianer, die Beglückung seiner farbigen Einwohner aus heißem und ehrlichem Herzen erstrebt, aber von der Staatsraison doch einmal gezwungen wird, Gewalt zu gebrauchen und Blut zu vergießen: die Inkonsequenz auf feinem Wege, die sich ihm stets wie ein Gewicht an die Füße hängt. Juarez aber (der unsichtbar bleibt) wird zum kalten, berechnenden Vertreter aller staatlichen Rotwen» bigfeiten, die sich nicht von schwebenden Gefühlen leiten läßt, sondern das Richtige tut. Es entwickelt sich durch diese Gegenüberstellung kein spannender, dramatischer Konflikt: das vergebliche Ringen Maximilians, der an Versöhnlichkeit und Güte glaubt, um die Seele seines Gegners, in dessen unerbittlicher ©tärfe er zugleich seine Schwäche gespiegelt sieht. Ein bedeutsamer dramatischer Fortschritt Werfels nach seinem „Spiegelmensch" und seinem ..Schweiger". — Unter Reinhardts Regie erlebte das Drama — von vielen Längen und Dehnungen abgesehen — eine nahezu vollendete Aufführung: man lernte wieder an Wert und Würde des Theaters glauben. Rach dec „Gesellschaft" ist Reinhardt in dieser Spielzeit keine so einheitliche. gänzlich in sich geschlossene Aufführung geglückt, wie diese. Der Erfolg war denn auch schon nach der ersten Pause fast völlig entschieden: stürmisch rief man den Dichter und Reinhardt: daneben auch die Darsteller, die Reinhardt zu einem höchst eindrucksvollen Gesamtspiel ^usammengefaht hatte. Hartmann lMaximilian). Sibylle Binder (Charlotte), Friedrich Kühne, den trefflichen Chargendarsteller, Oskar Homolka und Paul Bildt. Ernst Deutsch als Porfirio Diaz verdient ein Sonderlob. ebenso wie die Bühnenbilder Schüttes und die malerisch-thralrMchen Ko
stümentwürfe Karl Holliyers. Wenn nicht alles täuscht, wird diese Ausführung in den nächsten Monaten den Spielplan des Deutschen Theaters ausfüllen können.
Aus der Provinzialhauptstadt.
® i e 6 e n. ben 4. Februar 1926.
Steuersälligkeilen im Februar.
Im Monat Februar werden folgende Steuern fällig:
>. Februar Steuerabzug vom Arbeitslohn (Lohnsteuer) für die Zeit vom 21. bis 31. Januar emschl. der für die Zeit vom 1. bis 10. Januar bzw. 11. bis 20. Januar einbehaltenen, noch nicht abgeführten Beträge ohne Rücksicht auf deren Höhe.
6. Februar: Vorläufige staatliche Sonder- fteuer vom bebauten Grundbesitz, 6. Ziel Rj. 1925.
10. Februar: Umsatzsteuervorauszahlung: 1 Prozent der Umsätze im Monat Januar. Die monatlich zahlenden Landwirte entrichten Umsatzsteuer auf Grund der bekannten neuen Richtzahlen und der sonstigen Umsätze usw, für den Monat Januar. Vorläufige Gewerbesteuer vom Ertrag für Rj. 1925, und zwar der früheren Monatszahler der Einkommen- und Körverschastssteuer von den am 10. 4. und 10. 5. 1925, und der Vierteljahrszahler von den am 10. 4. 1925 fällig gewesenen Beträgen an Einkommen- und Körperschaftssteuer-, für die Stadt Gießen 30 Prozent, die Provinz Oberhesfen 4 Prozent, den Kreis Gießen von den Pslich- tien 1. in der Stadt Gießen 3 Prozent, 2. in den Landgemeinden 18 Prozent. Diese Abgabe wird in 3 Raten, und zwar zu je j, am 10. 2„ 10. 3. und 10. 4. 1926 fällig.
15. Februar: Steuerabzug vom Arbeitslohn (Lohnsteuer) für die Zeit vom 1. bis 10. 2., sofern der Gesamtbetrag mehr wie 100 Mk. beträgt. Vorläufige staatliche Grundsteuer und Gewerbesteuer vom Anlage- und Betriebskapital 4. und 3. Ziel Rj. 1925. Abgabe nach dem Aufbringungsgesetz, 1. Rate für das Kj. 1926, gemäß den kürzlich zuge- stellten Steuerbescheiden. Kirchen- und Kultussteuern der Landwirte und Gehalts- bzw. Lohnempfänger (Arbeitnehmer) 4. Rate für Rj. 1925. Brandversicherungsbeiträge für das Kj. 1925 auf Grund der zu gestellten Anforderungszettel. Einkommensteuer, erste Rate für das Kj. 1926 nach den seinerzeit übersandten Veranlagungsbescheiden für das Wirtschaftsjahr 1924/25 bzw. Kalenderjahr 1925. Vermögenssteuer 1. Rate für das Kalenderjahr 1926, und zwar i der Jahresschuld für 1924. Der Betrag ist auf Seite 2 des Steuerbescheids für Kj. 1924 angegeben.
2 5. Februar: Steuerabzug vom Arbeitslohn (Lohnsteuer) für die Zeit vom 11. bis 20. 2., sofern der Gesamtbetrag für genannte Zeit oder mit den für die Zeit vom 1. bis 10. 2. einbehaltenen und noch nicht abgeführten Beträgen zusammen mehr als 100 Mk. beträgt.
Mit Ausnahme des Steuerabzugs vom Arbeitslohn (Lohnsteuer) können die angeführten Abgaben noch innerhalb der siebentägigen Schonfrist ohne Zuschläge, z. Z. ? Prozent halbmonatlich, gezahlt werden.
Gießener Wochenmarktpreise.
Es kosteten aus dem heutigen Wochenmarkt: Butter das Pfund 160 bis 180, Matte 35 bis 40, Käse 60 bis 70, Wirsing 20 bis 40, Weißkraut 15 bis 25, Rotkraut 20 bis 30, gelbe Rüben 25, rote Rüben 20, Spinat 40 bis 50, Urrter-Kohlrabi 10 bis 15, Grünkohl 30 bis 35, Rosenkohl 60 bis 70, Feldsalat 100 bis 120, Endivien 100 bis 120, Zwiebeln 20, Meerrettich 30 bis 80, Schwarzwurzeln 50 bis 70, Kartoffeln 4 bis 5, Aepfel 15 bis 25. Dirnen 20 bis 40, Rüsse 40 bis 80, junge Hahnen 120 bis 130, Suppenhühner 120 bis 130: Eier das Stück 17 bis 19, Blumenkohl 60 bis 180, Lauch 15 bis 40, Sellerie 20 bis 60 Pf.
Bornotizen.
— Tageskalender für Donnerstag: Vortrags-Vereinigung: 8 Uhr, Reue Aula der Universität, Vortragsabend froher Kunst. — Oberhess. Gesellschaft für Ratur- und Heilkunde:' 81/, Uhr, Großer Hörsaal des Physikalischen Institutes (Stephanstraße 24) Vortrag. — Ober- hessischer Geschichtsverein: 8V4, Uhr, Hörsaal 44 im Vorlesungsgebäude der Universität, Vortrag. — Jnteressenverband des Getränkegewerbes: 8 Uhr, Saalbau Sauer, öffentliche Versammlung. — Katholisches Vereinshaus: 8 Uhr, Konzert des erblindeten Flötenvirtuosen Thies. — Lichtspielhaus Dahnhofstr. „Die Lieblingsfrau des Maharadscha". — Astoria-Lichtspiele: „Achtung — Kurve!" —
— Vom Konzertverein wird uns geschrieben: Nachdem das viel gerühmte und hier so beliebte Wendling-Quartett mehrere Jahre nicht nach Gießen kommen konnte, weil es zu großen und wiederholten Konzertreisen auf dem Kontinent und in überseeischen Staaten verpflichtet mar, wird am nachsten Sonntag, 7. F e b r., nachmittags 5 Uhr, in der Universitäts-Aula der lang, erwartete Kammermusikabend stattfinden. Das Programm ist dieses Mal auf klassische Musik ein- gestellt: Schuberts nachgelassenes Streichquartett m O-Moll mit den wundervollen Variationen über den „T 0 d und das Mädchen", das wohl als die bedeutendste Quartettkomposition der nachbeet' hovenschen Zeit anzusprechen ist: Beethovens opus 95 in f-Moll (dem Hofsekretär v. Zmeskal gewidmet, von dem Meister ursprünglich mit Qua- tuor serioso bezeichnet, eine Benennung, die aber später fallen gelassen wurde. Das Werk ist nach dem Harsen-Quartett komponiert und bildet gewissermaßen das Bindeglied zwischen der zweiten Periode und den letzten Quartetten. An dritter und letzter Stelle steht das F»2)ur»Quartett O 0 0 räks (t 1904) mit eigenartigen nationalen Klängen. Es ist vor vielen Jahren von dem böhmischen Streichquartett hier vorgetragen worden, eine prachtvolle frische Komposition, die zu den beliebtesten des Meisters gehört. In der Besetzung des Wendling-Quartetts ist in ofern eine kleine Aenderung erfolgt, als an Stelle des ausgeschiedenen Bratschisten Neeter, der nach Holland 'zurückging, der ebenso treffliche Matterer eingetreten ist. Die Quartettoereinigung, die als eine der ersten gilt, hat in diesem Winter in zahlreichen rheinischen Städten und zuletzt in Berlin mit größten Erfolgen musiziert, so daß auch hier ein außergewöhnlicher Kunstgenuß erwartet werden darf.
** Die Erstattung von überzahltem Reichsnotvpfer. Es wurde in der Oeffentlichkeit vielfach die Befürchtung ausgesprochen, daß die Personen, die ihr Beichsnot- opfer durch Hingabe von Kriegsanlechestucken überzahlten, die auf die Zwangsanleihe nicht rechtswirksam verrechneten Stucke nicht so rechtzeitig zurückbekommen, daß sie diese zur Wahrung etwaiger Altbesitzrechte bis zum 28. Februar, dem I letzten für die Anmeldung vorgesehenen Termin,
zum Umtausch anmelden tonnen. Der Reichsmunster der Finanzen ordnete nun an. daß den Erstattungsberechtigten künftig an Stelle der Krieasanleihtzstücke sofort Anleihcablösungs- und Schuldverschreibungsauslvsungsrechtc im Werte der in Markanleihen zu erstattenden Beträge ausgehändigt werden. Zur Wahrung der Altbesitzrechte ist eine Anmeldung also in diesen Fällen nicht mehr erforderlich. Es braucht daher niemand zu befürchten, daß er etwaiger Altbesih- rechte verlustig geht, wenn er die KriegSanleihe- stücke nicht bis zum 28. Februar zurückerhält.
** D i e Aufwertung hinterlegter Wertpapiere. Reichsbehörden, bei denen Wert- Papiere oder sonstige Urkunden hinterlegt sind, die auf nicht mehr geltende inländische Währung lauten und die nach dem Aufwertungsgesetz und dem Gesetz über die Ablösung öffentlicher Anleihen aufgeroertet werden, sind nicht verpflichtet, von Amts wegen Maßnahmen zur Erhaltung des Rechts auf Aufwertung vorzunehmen. Sie sind dazu auch in zahlreichen Fällen mangels Kenntnis der maßgebenden Verhältnisse gar nicht in der Lage. Z. B. wird es sich meist ihrer Kenntnis entziehen, ob es sich bei den hinterlegten Papieren um Alt- oder Neubesitz handelt u. a. m. Die Berechtigten müssen daher selbst für die Wahrung und Sicherung ihrer Rechte Sorge tragen und die erforderlichen Anmeldungen rechtzeitig vornehmen. Die Reichsdienststellen werden den Beteiligten die erforderliche Unterstützung hierbei nicht versagen, soweit sie im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen gewährt werden kann. Der Umtausch hinterlegter Markanleihen ist durch die Dritte Verordnung zur Ausführung des Gesetzes über die Ablösung öffentlicher Anleihen geregelt.
**' Aus dem Gießener Standesamt s r e g i st e r. Es verstorben in der Zeit vom 15. bis 31. Januar: 16. Louis Müller, Schreinermeister. 65 Jahre alt. Schiffenberger Weg 16. 17. Emil Freund, Gendarmeriewachtmeister i. R.. 62 Jahre alt, Ludwigstraße 6. 18. Jakob Rikolaus Dehe, Elektrotechniker, 21 Jahre alt, Marburger Straße 56. 19. Maria Reinhardt, geb. Weitzel, Witwe, 60 Jahre alt, Löwengasse 15. 21. Karoline Wilhelmine Pfeil, geb. Dauernheim. 58 Jahre alt, Goethestrahe 48a. 22. Eduard Meister, ohne Beruf, 80 Jahre alt, Licher Straße 74. 23. Anna Margarete Hof, geb. Becker, 67 Jahre alt, Steinstraße 52. Fritz Reuter, Kaufmann, 35 Jahre alt, Walltorstr. 33. 24. Heinrich Baumann. 1 Monat alt, Lindengasse 14. 25. Konrad Jensen, Landschaftsmaler, 61 Jahre alt, Hinter der Westanlage 9. 26. Helmut Hans Kurt Slawitzki. 7 Monate alt, Am Riegelpfad 106. 28. Christian Burk. Kutscher, 61 Jahre alt, Steinstraße 70. 30. Friedrich Erwin Althaus, 1 Jahr alt, Reuenweg 48. 31. Luise Bernhard, geb. Edelmann, Witwe, 74 Jahre alt, Licher Straße 74. Frederike Cohn, geb. Stern, Witwe, 79 Jahre alt, Seltersweg 19.
** Der Verein für Luftfahrt hielt am Montagabend im Gasthaus ^Hindenburg" seine diesjährige Generalversammlung unter dem Vorsitz von Geheimrat Prof. Dr. König ab. Die Sitzung war sehr gut besucht. Der Vorsitzende erstattete zunächst den Jahresbericht über das abgelaufene Geschäftsjahr. Zwar konnten in dieser Zeit keine neuen Großtaten vollbracht werden, jedoch wurde die Werbearbeit für die hohen Ideale des Vereins eifrig fortgesetzt mit dem Erfolg, daß die Mitgliederzahl erfreulich anwuchs: ein Beweis für die zunehmende Popularität des Luftfahrtgedankens. Der Kassenbericht, erstattet von dem Schatzmeister, Wein- Händler Riemann, zeigte die Finanzen des Vereins in bester Verfassung: eine ansehnliche Rücklage dient der weiteren Vereinsarbeit als fester Halt. Beide Berichte befriedigten in hohem Maße. Dem Vorstand wurde einstimmig Entlastung erteilt. Bei der Reuwahl des Vorstandes kam es zu einer für den Verein sehr bedeutsamen Veränderung. Der langjährige, verdienstvolle Vorsitzende Geheimrat Pros. Dr. König hatte unter Hinweis auf sein Alter und seine sehr starke berufliche Inanspruchnahme den dringenden Wunsch geäußert, ihn aus'diesem Amt zu entlassen, sich jedoch bereit erklärt, an anderer Stelle des Vorstandes auch weiterhin mitzuarbeiten und dort seine Erfahrungen und Kenntnisse der Sache dienstbar zu machen. Die Versammlung bedauerte einstimmig, sich der Erfüllung dieser dringenden Vitte nicht entziehen zu können. Der Vorstand wurde in folgender Zusammensetzung neu gebildet: Regierungsassessor Schmidt, 1. Vorsitzender: Geheimrat Prof. Dr. König, 2. Vorsitzender: Bankdireltor Grießbauer. Schriftführer: Weinhändler Riemann, Schatzmeister: Rektor Schmidt, Leiter des Fahrten ausschuf ses: Hauptmann Faulenbach, Beigeordneter Dr. Hamm, Prof. Dr. Klute, Gaswerkdirektor Steding , Buchhändler Dr. Töpelmann, Beisitzer. Anschließend besprach man noch einige Fragen der Jugendgruppe. die nun regsamer als bisher auf dem Plan erscheinen soll. Am Schlüsse der Verhandlungen nahm der bisherige 2. Vorsitzende das Wort zu einer herzlichen Dankesansprache an den unermüdlichen, nun von der Spitze des Vereins zurückgetretenen 1. Vorsitzenden Geheimrat Prost Dr. König, dessen große Verdienste um den Verein durch den beredten Sprecher in schönster Weise gewürdigt und bedankt wurden. Eine Ehrengabe (eine Figur, ruhende Falken auf hohem Horst darstellend) bildete das äußere Zeichen des herzlichen Dankes, durch den sich der Verein stets mit seinem langjährigen Dorlämpfer König innig verbunden fühlt. Mit herzlichen Worten, erfüllt von dem hohen ideellen Wert dieser Ehrung, dankte der Gefeierte in seiner bekannten bescheidenen Art, dabei die hingebende Arbeit seiner Mitarbeiter, insbesondere die des 2. Vorsitzenden, besonders herausstellend, zugleich aber auch betonend, dah er noch lange nicht daran denke, sich aufs Altenteil zurückzuziehen, llebrigenö fei noch erwähnt, daß der Verein an diesem Abend einen geschätzten Gast in seiner Mitte hatte, den früheren Seilensteuermann Hahn von L.59, der — im Gegensatz zu dem durch bnt mrzlichen Vortrag bekannten Ingenieur Goebel — die große Äfrikafahrt an Bord dieses Zeppelinluft- schifses wirtlich selbst m i tg e m acht hast Herr Hahn, der jetzt in Beltershain bei Grunberg wohnt, erzählte auf Wunsch der Versammlung mancherlei fesselnde Erlebnisse von seinen Zahl' reichen Kriegs-Luftschiffahrten, wodurch die Veranstaltung noch eine besonders int er e ff a nie Ro t e erhielt. Ein gemütliches Plauderstündchen bildete den Abschluß des Abends.
k. Deutsche Volkspartei. Emen (ehr gut gelungenen Unterhaltungsnachmittag veranstaltete die hiesige Ortsgruppe der Deutschen Dolkspartei am Sonntag im Saalbau Sauer. Der überfüllte Saal und die Erwartung, die sich überall zeigte, bewiesen, daß man sich von dem Programm ganz Besonderes versprach. Aber selbst die kühnsten Erwartungen wurden von dem Gebotenen weit übertroffen. Aus
der von einzelnen Mitgliedern gebotenen Fülle von Darbietungen dos Beste herauszuheben, erscheint unmöglich. Mit einem Musikstück, der gewandt gespielten X Dur Polonaise uon Ehopiu. wurde dos Programm eingeleitet. Zwei Rheinlieder, die nicht fehlen dursten, angesichts der am Sonntagabend erfolgten endgültigen Befreiung des heiligen'Kölns und der 1. Zone nach über 7jähriger Besatzung, und dac ölte Volkslied „Tom der Reimer" wurden mit nicht endeilwollendem Beifall nufgenommen. Der 1. Akt der Lokolposfe „Der tolle Hund" von Nieder gall im Darmstädter Dialekt frisch iind flott gespielt, sorgte, daß auch der Hiimor zu seinem Recht kam. In Großeiterns Zeit versetzten eine leicht und gram ziös getanzte Gavotte und das Singspiel „Großmutters Bratäpfel", ein Kinderstück, das wohl den künstlerischen Höhepunkt der Veranstaltung bildete. Daß sich die Darbietenden angesichts des Beifalls mehrmals zu Wiederholuiigen bereit erklären muß ten, verwundert nicht. Auch sonst war für die Unterhaltung bestens gesorgt, jo daß die Stunden des Beisammenseins allzu schnell verstrichen.
Markusgemeinde. Der gestrige Familienabend der Mcnckusgemeinde ließ noch einmal die erhebenden Tage des groben G u st a v-A d 0 ls» Festes vom vorigen Herbst lebendig werben. Der starke Besuch zeigte, wie großes Interesse man in unseren Gemeinden dieser Tagung auch in der Erinnerung noch entgegenbringt. Mehr als 60 Lichtbil^r führten durch unsere Feststabt und ließen manch wohlbekanntes Bild vor uns auftauchen, was man so oft in Wirklichkeit gesehen hat und über das man sich auch freut, wenn es auf der Leinwand erscheint. Dazwischen waren lebenswirkliche 'Bilder der Hauptpersönlichkeiten des Festes cinge- schvben und besonders interessante Gruppen des Festzuges. B:i dem Anblick der Massenversamnu (ungen auf dem Trieb und in der Festhalle stand inan noch einmal unter dem starken Eindruck des Gelöbnisses, das wie ein Gruß eoan- gelisch.deutscher Treue hinaus an die Brüder und Schwestern in der Diaspora ging: „Wir hören eure Rot. Wir wollen an euch denken, für euch beten, für euch arbeiten!“ Eine weitere: Lichtbilderreihe führte auf ein besonderes Arbeitsfeld des Gustav-Adolf-DereinS, nach Siebenbürgen. Land und Leute, wirtschaftliches und kirchliches Leben dieses deutschen Volks-- stanimes lernte man kennen und bekam Achtung vor der Treue, mit der die Siebenbürger Sachsen als Vorposten im Osten durch viele Jahrhunderte ihr deutsches Volkstum und ihren evangelischen Glauben bewahrt haben. Mit gemeinsamem Lied begann und schloß der an eindrucksvollen Bildern reiche Abend.
** Im Lichtspielhaus Bahnhofstraße kommt seit gestern der Großfilm „Sie Lieblingsfrau des Maharadscha" zur Vorführung. In neuer hervorragender Ausstattung, die de n vor einigen Jahren schon gezeigtem gleichnamigen Filin sehr verbessert und ihm ein besonderes Gepräge gibt, wird er über viele deutsche Lichtspielbühnen gehen und 'einen guten Anziehungspunkt bilden. Die vorzügliche Besetzung der Hauptrollen mit Gunnar T 0 l - naes als Maharadscha und K a r i n a D e l l als Lieblingssrau — beides ausgezeichnete künstlerische Leistungen trägt weiter dazu bei, daS Gesamtwert auf ein Riveau zu heben, das weit: über dem üblichen Durchschnitt liegt
" Austrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtviehmarkt: 339 Schweine, 381 Schafe, 1 Kuh. 482 Kälber
Me Reichspost im Dezember 1925
Die Reichspost gibt jetzt ihren Geschäftsbereich für Dezember v. I. heraus. Bemerkenswert ist, dah die Zahl der aufgelieferten Briefsendungen gegenüber dem Vormonat eine Zunahme von 3,4 Proz. aufweist. Der Postaus- trags- und Postnachnahmeverkehr ist gegenüber dem Vormonat gestiegen. Die Stückzahl der eingezahlten Postanweisungen und Zahlkarten beträgt 24,4 Mill., d. i. eine Zunahme gegenüber Rovember um 13,6 Mill., im Postscheckwesen hat der Amsah im Dezember bei rund 49 Mill. Buchungen 9 716 Mill. AM. betragen, von denen 7 471 Mill., d. i. 77 Proz., bargeldlos abgewickelt wurden. Die Zahl der Postscheckkonten im gesamten Jahre 1925 ist von 809 000 auf 857 000 gestiegen. Der Umsatz betrug 11 Mill. RM. rund gegen 79 Mill, des Vorjahres. Das Guthaben der Postscheckkunden betrug im Jahresdurchschnitt 872 Mill, gegen 575 Mill. Ende 1924. Die Gesamtzahl der Sprechstellen im Fernsprechwesen betrug im Dezember 1925 2 531 344 gegen 2 519 438 im November, der Funktelegrammver-- kehr mit dem Auslande zeigt gegenüber November einen Zugang von 19 Prozent, die Zahl der Teilnehmer am Unterhaltungsrundfunk hat die erste Million überschritten. Ende Dezember waren 19 Sender im Betrieb: die Aufstellung eines Senders in Baden ist in Aussicht genommen. Der Personalbestand der Hauptverwaltung am 31. Dezember betrug 251 896 Beamte im Hauptamt, 40 815 außerhalb des Beamtenverhältnisses, 30 873 Personen als Vertreter und Aushilfspersonal. Der Kassenabschluß zeigt an Einnahmen 145,6 Mill, gegenüber 163,1 Mill, an Ausgaben, d. i. eine Mehrausgabe von rund 18 Mill.: den Hauptanteil daran haben die persönlichen Ausgaben. Die Einnahmen sind hinter den Erwartungen zurückgeblieben, es wurde nicht einmal der Stand des Dezember 1924 erreicht. Der Grund hierfür ist die allgemeine Wirtschafts- trise. Die Finanz- und Wirtschaftslaae der Reichs-- poft ist zur Zeit außerordentlich gespannt. J
Rundfunk-Programm
des Frankfurter Senders. —
(Aus der „Radio-Umschau".) (.<
Freitag, 5. Februar:
3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 bis 6 Uhr: Hausfrauennachmittag. „Gefrierfleisch im Haushalt", Vortrag von Dr. K. Kuppelmayr, Direktor des Schlacht- und Diehhofs in Frankfurt nm Main. 6 bis 6.30 Uhr: Die Lesestunde. 6.30 bis 7 Uhr: Stunde des Südwestdeutschen Radio-Clubs. Kursvortrag E. Becker: „Einfacher Röh-- renempränger".7 bis 7.20 Uhr: Zwanzig Minuten Umschau über die Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 7.20 bis 7.30 Uhr: Film-Wochenschau. 7.30 bis 8 Uhr: Italienischer Sprachunterricht. 8 bis 9 Uhr: Duettenabend. 9 bis 10 Uhr: Alt-Frankfurter Humor. E. Herrn. Ad. Hallenstein (1811—1881), Frankfurter Lokalstücke.
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PäsHllen gegen J Husten, Heiierkeit, VefXhtemupg


