Nr. 29 Erstes Blatt
J76. Jahrgang
Donnerstag, 4. Zebruar (926
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
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Deutschlands Eintritt in den Völkerbund.
Der Auswärtige Ausschuß billigt das sofortige Ausuahmcgesuch.
Berlin, 3. Febr. (TU.) Der Auswärtige Aus- schuh des Reichstags trat heute vormittag unter dem a des Abg. Hergl zusammen. Der Ausschuß elfe zunächst das vorläufige Wirtschaftsabkommen zwischen dem Deutschen Reich und dem Königreich Spanien vom 18. November 1925, sowie den Zusatzvertrag vom 26. November zum deutsch-niederländischen Handelsund Schiffahrtsoertrag vom 31. Dezember 1851 und den deutsch-niederländischen Zoll- und Kreditvertrag vom 26. November 1925. Nach längerer Aussprache, in deren verkauf auch der Reichsauhenminister Dr. Stresemann das Dort ergriff, wurden die Gefehentwürfe an den handelspolitischen Ausschuh w e i t e r g e 1 e i t e t. Es folgte die Besprechung über die Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund.
Bei der Behandlung dieser Frage im Ausschuß war das gesamte Reichskabinett zugegen. Zu Beginn der Beratung beantragte Abg. Stöcker (fiom.) die Herstellung der Dessent- lichkeit für die 'Ausschußoerhandlungen, was jedoch von der Mehrheit des Ausschusses a b gelehnt wurde. Darauf legte Reichsauhenminister Dr. Stresemann in ausführlicher Rede feine Stellungnahme zum Eintritt in den Völkerbund dar. Nach längerer Debatte wurde folgender Antrag mit 18 gegen 8 Stimmen angenommen:
„Nach Entgegennahme der Erklärungen des Reichsauhenminifters hat der Auswärtige Ausschuh keine Bedenken dagegen erhoben, dah die Reichsregierung von der durch Gesetz vom 28. November erteilten Ermächtigung zum Einttitt Deutschlands in den Völkerbund G e - brauch macht und geht über die sonstigen vorgelegten Anträge, die den Einttitt Deutschlands in den Völkerbund ablehnen oder an Bedingungen knüpfen, zur Tagesordnung über."
Die Reichsregierung ha! nunmehr die Staats- und 7N in i ft e r p r ä f ide n te n der Länder für Samstag vormittag zu einer Aussprache über das gleiche Thema nach Berlin eingeladen. Die Entscheidung der Reichsregierung über das Ein- trittsgefuch Deutschlands wird in einer am Montag nächster Woche stattfindenden Sitzung erflogen. Nach Informationen der „Vossischen Zeitung" hat sich in der heutigen Ausschußsihung Reichsauhen- minister Dr. Stresemann dahin ausgesprochen, dah das rechtzeitig eingehende Gesuch Deutschlands im Völkerbundsrat so schnell erledigt werden würde, dah bereits im März die auher- ordenttiche Tagung der Völkerbundsversammtung zusammentreten und die Aufnahme Deutschlands be- schliehen werde. Es liege dringend im deutschen Interesse, die Aufnahme in den Völkerbund schon im Mär; zu betreiben, weil bereits in den nächsten Tagungen des Rats Gegenstände auf der Tagesordnung flehen, die es nötig erscheinen lassen, dah Deutschland mit am Tisch sitzt.
Eine Ratssitzung in Gens.
Gens, 3. Febr. (TU.) 3n der 1. Abendstunde wurde im Völkerbundssekretariat das Ergebnis der Verhandlungen des Auswärtigen Ausschusses über den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund bekannt und löste allgemeine Befriedigung aus. Das Aufnahmegesuch der Reichsregierung wird für Samstag oder Sonntag in Genf erwartet. Der Generalsekretär des Völkerbundes wird vermutlich für Donnerstag, den 11. Februar, eine außerordentliche Rats- sitzung nach Gens einberufen, in der die Ratsstaaten durch ihre Minister oder Berner Gesandten vertreten sein werden. Die Sitzung wird als einzigen Gegenstand der Tagesordnung die Einberufung einer Vollversamm- lung zur Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund enthalten. Als Termin für die Volksversammlung wird die Zeit zwischen dem 8. und 15. März gewählt werden. Zugleich wird auch der Rat seine 38. Tagung abhalten.
Polens Sitz tm Völkerbundsrat.
Danzig, 3. Febr. (TU.) Aach Meldungen aus Warschau soll Polen auf Grund eines Vertrages zwischen Spanien und der Mehrheit der Aatsmitglieder einen, nichtständigen Sitz im Völkerbundsrat erhalten und damit in die bisherige Stelle Spaniens im Rate treten. Spanien werde dafür nunmehr einen ständigen Ratssih erhalten. Diese Art der Lösung der Frage soll auf die Anregung polnischer diplomatischer Kreise zurückzuführen sein.
Italiens Rüstungen.
Paris, 3. Febr. (Wolff.) Der Pariser Korrespondent des „Aeuyork Hecald" hat eine Studienreise nach Italien unternommen. Der „Mattn" gibt einen Auszug aus seinen Fest- stellungen wieder, die sich auf die militärische Organisation Italiens bezüglich der Luftschifffahrt und der Flotte beziehen. Es heißt darin, das neue Flugzeugprogramm sehe den Ausbau der Luftstreitkräfte In einem Zeitraum von vier wahren auf 182 Geschwader, bestehend aus 3000 Flugzeugen und Wasserflugzeugen, vor. Dus italienische Budget für Luftschiffahrtswesen übertreffe bereits das entsprechende Budget der Vereinigten Staaten. Die italienische
Englands innere Konsolidierung.
Die Parlamentseröffnung. — Die unumschränkte Herrschaft der Konservativen.
Von unserem W. v. K. - Berichterstatter. (Aachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
London, den 3. Februar 1926.
Das englische Parlament ist feierlich eröffnet worden. Der König ist in vergoldeter Karosse, gefolgt von den hervorragenden Mitgliedern des Hofes und den Mitgliedern des Kabinetts, kurzum, geleitet von dem gesamten Aufgebot politischer Würde, vom Buckingham Palace nach dem Oberhause gefahren, wo er die Thronrede feierlich verlas. Die Parlamentseröffnung ist immer ein großer Tag. Der schaulustigen Menge wird dabei die politische Bedeutung der Staatshandlung mit einer durch lange Hebung ihrer Theatralik beraubten, selbstverständlich gewordenen Zeremonie vor Augen geführt.
Der Inhalt der Thronrede war im wesentlichen schon bekannt. Ihr Hauptgewicht lag in der Ankündigung wirtschaftlicher Reformen. Elektrizitätsprogramm, Kohlenkrisis, und dergleichen. Außenpolitisch wurde das Fazit der Pariser Besprechungen Chamberlains gezogen, Alle diese Dinge sind jedoch nicht von entscheidender Bedeutung. Die Wichtigkeit des Augenblicks wird durch den Inhalt der Thronrede oder die Symbolik der Zeremonie nur unvollkommen erfaßt. Alle polittsche Entwicklung vollzieht sich langsamer, unvollkommener, als daß sie durch Aeuherungen und Reden der handelnden Personen ausgedrückt oder formuliert werden könnte. Die feierliche Eröffnung des Parlaments gibt aber einen Anlaß zu vergleichender Beobachtung allgemeiner Aatur.
Immer deutlicher hebt sich aus dem politischen Geben Englands die Persönlichkeit des leitenden Ministers, Stanley Baldwin, hervor. Immer klarer wird der englischen Welt der völlige Zusammenbruch der Opposition. Das ist ein bisher kaum erlebtes Schauspiel. Bislang regierten in England zwei Parteien. Auch die scheinbar machtlose Opposition wurde bei allen Fragen der Außenpolitik und bei vielen Problemen der innere:' au Rcfte gezogen. Im 'Parlament sitzt gegenüber dem Premierminister der Führer der Opposition als der künftige Premierminister, und der Engländer war gewöhnt, mit dieser Alternative zu rechnen. Was aber gewahren wir heute? Die liberale Partei ist zu einer Debattierschule geworden, wo sich ehemalige Minister und führende Politiker mit einem ungeheuren Aufwand von Scharfsinn und Aieder- tracht bekämpfen. Im Arbeiterlager steht es nicht besser. Mac Donald ist verreist und damit fehlt der Partei die Vertretung durch eine führende polittsche Persönlichkeit, ja, man hört Stimmen höchst radikaler Arbeiterführer, die dem konservattven Erzfeinde, dem Ministerpräsidenten Baldwin, uneingeschränktes Lob wegen seiner Tatttaft auf dem Gebiete des öffentlichen Wohnungsbaus spenden. In der konservativen Partei selbst sind, wie schon häufiger betont wurde, die Stimmen der Mißvergnügten kaum noch zu vernehmen. Die kon- servattve Partei beherrscht das Feld und in der konservativen Partei regiert fast unumschränkt Stanley Baldwin.
Es liegt in seiner Aatur, bescheiden und zurückhaltend aufzutreten. Das entspricht den besten Traditionen englischer Politik, die Zurückhaltung liebt und der alle Theatereffekte im Grunde verhaßt sind. Daß auch diese Methode letzten Endes ein wohldurchdachtes Mittel zur Erzielung politischer Wirtung ist, daß auch darin Regiettlnstgriffe enthalten sind, braucht wohl kaum gesagt zu werden. Aber der Engländer liebt es, leise zu sprechen und er weiß, daß auch das im Theater geflüsterte oder halblaut gesprochene Wort tieferen Eindruck macht, als das mit großem Stimmaufwand geschmetterte.
Was ergibt sich aus all diesen Beobachtungen? Die englische innere Politik konsolidiert sich immer mehr. Immer klarer wird das Ziel der leitenden Männer. Immer bewußter werden sie in der Wahl ihrer Mittel
Roch vor einem Jahr tastete man unsicher und brachte als Morgengabe für die Wähler weiter nichts als die politische Phrase von der „Stabilität". Heute ist das Wort Ausdruck eines Inhalts.
Dieser Inhalt ist, wie man vorgibt, wirtschaftspolitisch. Allenthalben hört man in England vom Wiederaufbau der Industrie, der Finanz. Man spricht von Märkten, von Erzeugung, von Finanzproblemen, von der Technik, von Erfindungen, von der Zahlungsbilanz und Außenhandel, von Sck)iffahrt und Transportwesen ... Es scheint, als wäre England auf dem besten Wege, sich wieder in eine Nation von Krämern zu verwandeln. Ja. man kann fagen, daß man diese Absicht ganz offen zugibt. Trotzdem handelt es sich bei dieser Einstellung, wie denn der Engländer, auch wenn er wirtschaftlich zu handeln vorgibt, immer Politik treibt, um ein großes politisches Ziel. England will die Vorherrschaft in Europa, ja die in der Welt mit wirtschaftlichen Mitteln erreichen. Locarnoverträge. Weltschiedsgerichtshof, Abrüstung, Kolonialpolitik, europäische Politik, alle diese Fragen werden unter dem Gesichtspunkte der Wirtschaft behandelt, weil man fühlt, daß diese Methode die zu überwindenden Widerstände vermindert. Baldwin ist die Seele dieser Politik. Er stammt selbst aus der Wirtschaft. Diesem großen Ziele opfert man die Einzelheiten und zu diesen Einzelheiten gehört Deutschland. Deutschland ist zwar wirtschaftspolitisch einer der wichtigsten Faktoren, aber andererseits ist gerade die deutsche Frage die unangenehmste Aufgabe für den englischen Politiker. Man könnte die englische polittsche Ansicht vielleicht ausdrücken, wem: man lagt: Es kommt der englischen Politik darauf an, Deutschland, wenn möglich, wirtschafllich zu sanieren, um es die politische Gegenwart und den Verlust einer politischen Zukunft vergessen zu machen, Und deswegen ist dies stolze Bild einer großzügigen Wirtschaftspolitik mit weltpolitischem Hintergründe für uns nicht gerade sehr tröstlich.
Die Adreßdebatte im Unterhaus.
London, 3. Febr. (WTB.) Das Hinterhaus setzte heute die Debatte über die An t - wortadresse aus die Thronrede fort. Wheatley (Arbeiterpartei) bezeichnete die Thronrede als ein Dokument politischer Unfähigkeit. Jener Locarnogeist, fuhr Wheatley fort, der für die britische Industrie gefordert wird, bedeutet soviel als Ehrfurcht vor dem Starken und Verachtung vor dem Schwachen. Derselbe Minister, der vor dem Vertreter Mussolinis kapitulierte beschimpft jetzt öffentlich die Sowjetregierung. Wheatley, der sich weiter mit dem Elektrizitätsplan einverstanden erklärt, aber betonte, daß letzterer das Arbeitslosenproblem nicht lösen werde, sagte dann, das Land brauche einen sofortigen großzügigen Plan, der die Lage der Arbeiter verbessern könne rind dadurch die Kaufkraft steigere.
Frederic W i s e von den Konservativen begrüßte die S ch u 1 d e n r c g e l u n g mit Italien als loyal und versöhnlich, forderte aber, daß bei weiteren Regelungen nicht nur die Zahlungsfähigkeit des Schuldners, sondern auch die Lage in England berücksichtigt werden solle.
Morgan Jones von der Arbeiterpartei verlangte Verbesserung der Beziehungen zu Rußland auch im Interesse der Abrüstungs- frage und forderte Aufklärung über die Politik der Regierung in China.
Kenworthy von der liberalen. Partei sagte: Bei der Schuldenregelung mit Italien ist England schwer hineingelegt worden. Man ist fast zu dem Argwohn berechtigt, dah irgendeine geheime politische Kraft mit am Werke war. aus der sich diese außerordentliche Vereinbarung erklären läßt. Wenn irgendein politisches Zugeständnis gemacht wurde, muß das Unterhaus informiert werden.
Marine verdränge bereits 271 000 Tonnen. Italien entwickle den Dau besonders leichter Kreuzer und Unterseeboote. Der alte Kriegs- Hafen von P 01a fei unmodern geworden und werde durch neue Flottenstützpunkte in Spezia, im Golf von Genua und Tarent erseht. Außerdem erklärt der Berichterstatter, daß im kommenden März 200000 Rekruten ein- gezogen würden. Die f a s z i st i s ch e Miliz bestehe aus 350 000 Mann gut ausgerüsteter Mannschaften.
Amerika
öffnet seine Kriegsarchive.
Berlin, 3. Febr. (Wolff.) Aach einer Meldung der „B. Z." aus Washington hat die Kongrehbibliothek im Auftrage des amerikanischen Senats alle verfügbaren Dokumente über den Ursprung und die Ursachen des Weltkrieges zusammen- gefaßt. Der umfangreiche Band, zu dessen Herstellung auch deutsche Quellen benutzt wurden, dürfte dem Senat am Mittwoch zugehen. Die Zusammenstellung der Akten und Dokumente durfte genügen, die Behauptung von der deutschen Alleinschuld an dem Krieg zu widerlegen.
Eine neue Arbeitsgemeinschaft im Bergbau.
Essen, 3. Febr. ITH.) Gestern haben in Essen Beratungen führender Arbeitgeber des Bergbaues und der Leiter der Gewerkschaften stattgefunden, die der Klärung der Frage einer ev. Wiederaufrichtung der seinerzeit 1918 von Stinnes und Legien ins Leben gerufenen Arbeitsgemeinschaft im Bergbau galten. Als Vertreter der Dergwerksbesiher nahm teil Generaldirektor Vögel er und Generaldirektor W i s k 0 t t, sowie Fritz Thyssen, als Vertreter des Alten Dergarbeiterverbandes Husemann sowie ein Vertreter des Allgemeinen Deutschen GewerkschaftsbuNdes, als Vertreter der Christlichen Gewerkschaften (Stege r to a l b, Imbus ch unnd Rotthäuser, ferner Schmidt (Hirsch-Duncker). Heber die Einzelfragen eines ev. Zusammenarbeitens in Fragen des Handels, der Produkttonsstatisttk und der Rattonalisierung ergaben sich vielfach starke Meinungsverschiedenheiten. Aach weiterer Klärung der besprochenen Fragen in den einzelnen Lagern sollen wettere gemeinsame Beratungen ftattfinberr.
Vertzehrssragen im Haushallsausschuß.
Schärfste Angriffe gegen die Nrichs- bahnverwallnng.
Berlin, 3. Febr. Im HaushaltSausschuß des Reichstages wurde beule die Beratung des Haushalts des Reichsverkehrsministeriunis fortgesetzt.
Beim Kapitel Reichsbahn betont der Berichterstatter Abg. Dr. Quaatz (dn.) die Notwendigkeit. den Einfluß des Reiches in der Reichsbahnverwaltung genügend zu sichern. Sehr wichtig sei die B i I a n z p v ü fang durch die Reichsstellen. Das leichtsinnige Verhalten der deutschen Dawesunterhändler rache sich jedoch noch darin, daß daS Reich die Kosten der Auskunftserteilung seitens dec Reichsbahngesellschaft selbst tragen müsse. Die Finanz- und P e r s 0 n a l p 0 l i t i 5 der Rcichsbahngesell-- schäft bedürfe schärfster Kritik. Trotz der erhöhten Tarife hätten sich die Leistungen d. Reichsbahn nicht gesteigert. Der Redner verlangt zum Schluß genauere rechnerische Aufstellung darüber, wie weit die Reichsbahn die ihr aufcrlcgten Daweslasten tragen kann.
Abg. Schütz (Komm.» machte dem Reichsverkehrsministerium zum Vorwurf, daß feine Beamten sich der Reichsbahngesellsch-as! gegenüber zu schlapp benähmen. Die Gesellschaft betrachte sich offenbar als unabhängig von der deutschen wirtschaftlichen und sozialpolitischen Gesetzgebung. Während der Schiedsspruch für das Personal abgelehnt wurde, habe die Gesellschaft ihren leckenden Beamten Weihnächte arattfikattonen gewährt, deren Höhe nach der Anweisung in einem Rundschreiben geheim gc* halten werden soll. Den Arbeitern unb unteren Angestellten werden dagegen Lohnherabsetzungen durch die Drohung mit Entlassung aufgezwungen.
ReichSderkehrsminister Dr. Kröhne versicherte, das Ministerium habe in allen wirt schriftlichen und sozialpolitischen Fragen nie unterlassen, auf die Reichsbah ngeseftfchaft u 11 ■ mittelbar einzuwirken. Wenn es dabei nicht weiter tarn, so lag das an der un zureichen ■ den Handhabe, die das Reichsbahn- g e s e y der Reichsregierung gibt. So hat die Reichsbahnverwaltung die Anregung des Ministeriums abgelehnk, aut Deckung der bei der Durchführung des Schiedsspruches erforderlichen 20 Millionen entsprechende Abstriche von den 28 Millionen zu machen, die für die Lei stungszulage in den Voranschlag eingestellt worden sind. Das Leistungszulagensystem in seiner jetzigen Form ist wenig zweckmäßig. Der Minister äußerte sich dann eingehend zu der Gehaltspolitik der Reichsbahn und betonte, daß das Ministerium vergebens die Anerkennung des Schiedsspruches angeregt habe. Es wäre natürlich nicht zu ertragen, wenn der größte Unternehmer Deutschlands einfach aus der deutschen sozialpolitischen und arbeitsrechtlichen Gesetzgebung losgelöst wäre. (Beifall.) In der Tarifpolitik erkläre sich die günstige Behandlung der Durchfuhrtransporte zum Teil aus dem Valutadumping, unter dem Deutschland jetzt leide. Von Geldüberfluß könne bei der Reichsbahn nicht die Rede sein. Die nottoenbigen Wschreibungen hätten bisher nicht gemacht werden können.
Von einem Vertreter der Reichsfinanzverwaltung wurde mitgeteilt, daß das Reich zu den bisherigen 500 Millionen weitere 124 Millionen Vorzugsaktien gegen eine Anleihe in den Reichsbelih übernommen habe. Im übrigen sei die Reichsregierung darauf bedacht, daß ihr Einfluß auf die Reichsbahnverwaltung durch Beschickung des Verwaltungsrates und Vergebung von Vorzugsaktien in fremde Hände nicht Der- mindert werde, lieber das Bilanzprüfungsrecht des Reiches sei eine Verständigung mit der Gesellschaft nicht erzielt worden.
In der Aussprache wurde von allen Rednern die Tättgkeit des Reichsverkehrsministers anerkannt und das Bedauern darüber aus- aefprochen, dah sein Einfluß auf die Reichsbahnverwaltung durch die Gesetzgebung zu stark eingeschränkt sei. Schärfste Kritik wurde von allen Rednern an dem Verhalten der Reichsbahnverwaltung geübt, die offenbar bemüht fei, d i e Gesetze zu Ungunst en des Reiches und zum Vortell der leitenden Personen der Verwaltung auszulegen. Gegen die Betriebssührung der Reichsbahngesellschaft wurden schärfste Angriffe vorgebracht. Es erwecke den Anschein, als wolle die Verwaltung gerade die gewinnbringend e n Einrichtungen der Dahn an Privatgesellschaften a b st 0 h e n, so daß schließlich die Reichsbahn bei ihrer Rückgabe im Werte herabgesetzt sei. In vielen Fällen habe die Reichsbahnverwaltung Wertstättenarbeitrr in großer Zahl entlassen und die bisher von ihnen geleisteten Arbeiten durch Privatfirmen mit höheren Löhnen und höheren Preisen ausführen lassen. Die Bilanz der Aeichs- bahngesellschaft fei ganz unübersichtlich.
Der Konflikt bei der Reichsbahn.
Die Klärung der Rechtslage.
Berlin, 3. Febr. (WTB.) Vertreter der drei Eisenbahneroerbände waren heute im Reichsarbeits- Ministerium, um sich über die Rechtslage zu unterrichten, die durch bfc ch fÜhklLV g
des verbindlichen Schle02fpruchs fei-


