PelzmSrtel.
Tin Nürnberger Spielzeugroman.
Nach dem (italienischen der Teresah erzählt von Gustav W. Eberlein.
Copyright 1925 by QL Scherl G. m. b. H., Berlin.
30. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
„Die Gaunerei", antwortete Siebenschelm, ..steckt darin, bah Merlino alt wird und manchmal vergißt, den Zauberschrank zu schließen. Orb- nunasliebend. wie ich bin, habe ich ihn nun neulich, eS herrschte ein schreckliches Durcheinander darin, aufgeräumt. Hm, und waS finde ich unter einem Haufen alter Papiere? Dieses Büchlein da."
Die Hexe wollte kaum ihren Äugen trauen. Dieses Büchlein, wie es Siebenschelm nannte, enthielt nicht weniger als sieben der schwierigsten und verzwicktesten Zauberformeln für die furchtbarsten Verhexungen. Die sieben Astrologen hatten es entworfen, die sieben Weisen hatten es erläutert, den sieben Hexenmeistern gehörte «S. ES war kein anderes als jenes abgegriffene, auf uraltem Papyrus geschriebene Buch mit durchsichtigen Blättern, dem Alcina seinerzeit ihre Wacht verdankte. Sie entriß es ihm mit einem so tückischen Grinsen, daß Siebenschelm es sofort bereute, fie aufgehetzt zu haben.
„Langsam, Meisterin," sagte er, „bedenke doch, daß ich eS mit Merlino zu tun kriege. Nur dir zuliebe habe ich daS Buch genommen, denn ich persönlich habe ja keinen Haß auf die beiden Kinder unö die Spielsachen. Versprichst du mir wenigstens deinen Schutz?"
„Prügel verspreche ich dir", höhnte die Hexe mit demselben grausamen Grinsen.
Kaum fühlte sie daS Buch in ihren Händen, das ihr die verlorene Macht zurückgab, erwachte mit einem Schlage wieder ihre schrankenlose Grausamkeit.
„Scher dich fort. Bengel", schrie sie. „Kommst du mir noch einmal unter die Augen, so wirb dich als ersten mein schrecklichster Zauberspruch treffen."
Es galt jetzt, bas entwendete kostbare Buch durch irgendein anderes zu ersetzen, um Merlino eine Zeitlang zu täuschen. Das war bald geschehen, und Alcina konnte über den einfältigen Ober^xerich lachen, der, im Glauben, sie hätte sich mit ihrem Los abgefunden, in der Bewachung des unersetzlichen Schatzes immer nachlässiger geworden war. Grinsend schwang sich Alcina auf ihr altes Greifenroh und sprengte davon, durch die Lüfte.
Das Greifenroß hatte in den vielen Zähren seiner Stallbeschaulichkeit die Fähigkeit, zu fliegen. eingebüht. Es war eine arme, gebrechliche Schindermähre geworden, an der man die Rippen abzählen konnte. Aber kaum hatte Alcina das magische Buch geschwungen, kaum ein paar Worte daraus vor sich hingesprochen, da verwandelte sich der alte Klepper in ein Höllenpferd, das, Feuer und Flammen auS den Nüstern blasend, mit Ungestüm den Raum durchmaß. Die Mähne als Zügel benützend, saß eine Amazone von dämonischer Schönheit im Sattel. Und wer war es? Alcina! Auch sie hatte sich verwandelt.
... Unsere kleinen Reisenden hatten sich kaum von den guten Feen verabschiedet, die sie nie mehr sehen sollten, da hatte sie schon Alcina, schneller als der Blitz und unsichtbar wie der Wind, eingeholt und überholt. Sie jagte ihnen voraus, um ihnen den Weg zu verlegen. Das Flügelroß ließ sich auf eine grüne Wiese herab. Mit einem Satz war Alcina aus dem Sattel, blieb aber mit dem Fuß an einem Hindernis im Steigbügel hängen. Das Hindernis war --Dtebenschelm. ,
„Erbarmen. Meisterin," schluchzte der Wicht, „schlage mich, haue mich, nur jag mich nicht fort! Wenn mich Merlino erwischt, bringt er mich um."
„Daß dich die Raben stückweise fressen," schrie Alcina wütend, „was soll ich denn mit dir Taugenichts anfangen?" i
„Ich werde dir wie ein Sklave gehorchen. Daß ich ein äußerst scharfes Gehör habe, daß ich auch nachtS sehe, daß ich schneller sein kann wie der Wind, weißt du. Wer tonnte deine Botschaften besser besorgen als ich?"
Alcina überlegte einen Augenblick. Steben- schclm konnte ihr tatsächlich sehr nützlich sein. Und das sogleich und auf der Stelle. Sie befahl ihm, das Ohr auf die Erde zu legen und ausmerksam zu lauschen. Siebenschelm gehorchte.
..Was hörst du?"
„Ich höre das Gras wachsen."
„Schafskopf, das höre ich auch. Aber weiter weg, ganz in der Ferne?"
„Ich höre einen Fluh rauschen."
„Ah — das ist die Pegnitz. Weiter?"
„Ich höre Leute gehen und aufgeregt diskutieren."
„Ausgezeichnet, Hnö was hörst du noch?"
„Ich höre eine Gummikatze mit einem Storch sprechen und sich rühmen, sie habe alles gemacht."
„Was noch?"
„Ich höre einen Mann vor Verzweiflung weinen und klagen. Er sagt, es wäre besser gewesen, ihn im Gefängnis sterben zu lassen. Die anderen suchten ihn zu trösten, aber umsonst. Gr weint immerzu und verlangt zu wissen, wo seine Kinder seien. Niemand kann es ihm sagen."
Die Hexe frohlockte. „Mach die Ohren noch weiter auf, Siebenschelm, du mußt noch etwas anderes hören und spüren."
„Au," sagte Siebenschelm, „ich spüre eine Ameise, die mich ins Ohr zwickt."
„Daß gleich ein ganzes Heer käme und dich aushöhlte wie einen faulen Apfel", erboste sich Alcina. „Mach schnell, sage mir, ws du sonst noch hörst!"
..Ich höre Pelzmartin, wie er siegesbewußt auf und ab geht, über die Gummikahe spottet, die keinen Schimmer begriffen habe, und überall ankündigt, daß Otto und Liefe! Land binnen kurzem da sein würden. Er hat es Bringglück versichert, den Dohlen und den Schwalben. Jetzt steigt er in ein unterirdisches Gewölbe hinab und berichtet die Neuigkeit einer Menge von Leuten, die mit den Füßen trampeln und sich überhaupt sehr ungeduldig zeigen. Sie seien jetzt seit fünf Monaten in diesem finsteren Loch und hätten es satt. Einer, den sie Christophorus Herzensräuber nennen, schreit am lautesten. Er verlangt eine Entschädigung und einen Kuraufenthalt für den Rheumatismus, den er sich
hier Zugezogen habe. Pelzmärtel antwortet H« trocken, wegen der paar Monate brauche er kein solches Wesen zu machen."
„Genug," lobte die Hexe, „jetzt steige auf diesen Baum und schau rückwärts, so weit du kannst. Was siehst du?"
„Ich sehe einen Himmel, so heiter, wie wir ihn seit langem nicht mehr hatten. Nicht ein einziges Wolkenschäfchen, nicht der geringste Windhauch. Bis zu den blauen Bergen in der Feme alles hell und klar."
„Ich dachte mir's", sagte Alcina befriedigt. „Sie werden eine schnelle Reise gehabt haben und in den ersten Nachtstunden hier ein treffen. Jetzt gilt es! Du, Siebenschelm, bleibst auf dem Baum! Wenn du die Störche kommen hörst, stößt du den Alarmschrei der Schwalben auS: „Ziriii, ziriii — siiieh, siiieh, siiieh!" Bei diesem zwischen den Vögeln vereinbarten Gefahrensignal werden die Störche sofort ihren Flug verlangsamen. Darauf schreist du mit aller Kraft, tee die Lungen hergeben: „Hier Bote vom Pelz- märtel! Heruntergehen!" Wenn dann btt Störche haltgemacht haben, stellst du dich al« Bote vom Pelzmärtel vor und erklärst ihnen, er habe bestimmt, daß die Ankunft in Nürnberg mit der gebührenden Feierlichkeit stattftnden müsse, und daß sie daher auf dieser ‘JDiefc’ übernachten und die Morgenröte abwarten sollten, um mit der ausgehenden Sonne ihren Einzug zu hatten. Verstanden?"
„Zu dienen!" versicherte Siebenschelm.
„Ziehe aber deine Kapuze über den Kopf, damit sie dich nicht erkennen: verstelle auch deine Stimme —"
„Ich kann durch den Bauch reden", unterbrach sie Siebenschelm großartig.
„Um so besser. Immerhin mußt du dich gut im Laubwerk verstecken. WaS mich anbelangt, so werden sie mich nach meiner Verwandlung schwerlich wieder erkennen."
Das glaube ich gern, dachte Äiebenschelm etwas zu laut, so daß eS die eitle Hexe Hörde und ihm eine Maulschelle gab, die ihn den Himmel für einen Brummkreisel anschauen Netz.
(Fortsetzung folgt.)
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Die über das Vermögen des F. E. Günther (Llniverfitätsrestaurant) in Gießen ungeordnete Gefchästsaufstcht ist durch rechtskräftigen Zwangsvergleich vom 6. November 1925 beendigt. 117B
Gießen, den 24. Dezember 1925. Hessische Amtsgericht.
Nutz-und Brennholz-Versteigerung.
SamStag, den S. Januar 1926, vormittags 11 Ahr, werben in der Gastwirtschaft von Ronthaler in Langd aus den Staatswalddistrikten Katzenberg 2 und Merloh der Försterei Langd versteigert: Nutzholz: D er bst an gen: Lärche 1. Kl.
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Brennholz: Scheiter: Rm.. 51 Buche, 14 Eiche. Knüppel Rm.: 310Buche, 104 Hainbuche, 163 Eiche 1. Kl., 73 Eiche 2. Kl., 2 Erle, 6 Kiefer, 32 Lärche, neun Fichte. Stammreisig Rm.412Buche, 8 Kiefer, 8 Fichte. Astreisig Rm.: 634 Buche, 238 Siche.
Das Holz beliebe man sich vorher an* zusehen. Nähere Auskunft durch Herrn Förster Büttner in Langd und die unterzeichnete Stelle.
Eichelsdors, den 31. Dezember 1925.
Hessisches Forstamt Eichelsdorf.
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Gießen, den 16. Dezember 1925.
I. A. des Hest. Amtsgerichts Gießen Leo, Ortsgerichtsvorsteher.
Bekanntmachung.
In unser Handelsregister Abt. A wurde eingetragen: Am 12. Dezember 1925 bei der Firma Sigmund Jacob in Gießen: Die offene Handelsgesellschaft ist durch den Tod des Siegbert Jacob erloschen. SigmundIacob in Gießen ist nunmehr Alleininhaber.
Am 19. Dezember 1925 a) bei der Firma 3- K. Spieß in Gießen: Die Firma ist erloschen. b) bei der Firma Samuel Löwenberg in Reiskirchen: Die Firma ist erloschen.
Am 24. Dezember 1925 bei der Firma Schunk & (Ebe, Heuchelheim: Dem Ingenieur Willi Fritze zu Köln°Deutz, Karlstraße 27, und Albert Paatz in Marburg a. d. Lahn, Friedrichsttaße 12 ist derart Gesamtprokura erteilt, daß beide gemeinschaftlich oder je in Gemeinschaft mit einem der anderen seither schon bestellten Gesamlprokuristen zur Vertretung der Firma befugt sind.
Gießen, den 24. Dezember 1926.
Hessisches Amtsgericht. 118B


