schuf feS von 25 Mark fand Annahme. Dem hiesigen Männerturnverein wurde ein einmaliger Zuschuß von 200 Mark betoilligt, nachdem unlängst auch dem Turnverein 1860 eine Beihilfe in Höhe von 300 Mark gewährt worden tvar. Die bewilligten Mittel sind zur Anschaffung von Geräten bestimmt. Lieber einen Beitrag zur Zeppelin-Eckener-Spende wurde noch nicht Beschluß gefaßt, der Punkt wurde von der Tagesordnung abgesetzt. Vom st ä d t i s ch e n Neubau Lut her st ratze 5 lag die Wirtschaftsrechnung in Höhe von 64 221,57 Mark vor: sie wurde auf Vorschlag des Dauausschusses genehmigt. Dem Feldschutzpersonal, das in einem vorliegenden Gesuch um Stellung eines Mantels und weiterer Kleidungsstücke bat, wurde die Gestellung von wasserdichten Llmhängen zu- gebilligt. In der Aussprache wurde von den Stadtverordneten I. Schäfer und Wieder- m a n n angeregt, curch für die Stadtdiener und die städtischen Arbeiter nach dem Dorbilde Friedbergs Wettermäntel zu beschaffen. Es soll darüber spater beschlossen werden. Linker Besprechungen kam Stadtv. S t a in m auf die Vorwürfe zurück, die in voriger Sitzung gegen den Vorsitzenden des Wohnungsamtes erhoben worden waren. Der Bürgermeister konnte dazu mitteilen, dah eine dieser Tage stattgefundene Verhandlung in der Sache nichts Nachteiliges gegen den betreffenden Beamten ergeben habe. In der nichtöffentlichen Sitzung wurde über Aufwertungsansprüche an den städtischen Grundbesitz beschlossen, der Vertrag mit dem Schularzt erneuert, die Heizung im Feuerwehrgerätehaus vergeben und über ein Gesuch von Erwerbslosen Beschluß gefaßt. Weiter wurde über Geländcerwerb in zwei Fällen beschlossen, ein Geländeverkauf abgelehnt. Die Gebühren des Pfandmeisters wurden anderweit geregelt, einem Baubeihilfegesuch entsprochen und über die Besetzung der R ekt o r st elle an der Fortbildungsschule Beschluß gefaßt. — Beide Kirchen gemeinden beschlossen, das alte Jahr am Silvesterabend mit kirchlichen Iahresschluhfeiern. Die Gotteshäuser waren überfüllt und konnten nicht allen Andächtigen Einlaß gewahren. 3n der Bonifatiuskirche fand Predigt mit erhebender Schluhandacht statt, in der Dankeskirche war die Silvesterpredigt des Geistlichen von Lhören des Männergesangvereins „Frohsinn" umrahmt, der unter Leitung seines verdienstvollen Dirigenten. Neallehrer Bechtolsheim er. „Der Herr ist mein Hirte" und „Herr, bleibe bei uns, denn es will Abend werden" weihevoll zum Vortrag brachte. Nach den Gottesdiensten waren die Familien in der Hauptsache Sammelpuntte zum Verbringen der letzten Stunden des alten Jahres. In denLokalen, von bcnen mehrere besondere Sildesterveranstal- tungen angesagt hatten, setzte erst um die Mitwr- nachtSstunde lebhafterer Verkehr ein. Jedoch blieb es im allgemeinen viel ruhiger als in den Vorjahren. Dasselbe gilt vom Strahenverkehr zur Stunde des Jahreswechsels. Er nahm nur ganz geringe Ausmaße an, manche Strahenzüge wurden davon kaum berührt. Feuerwerkskör- p s rs u. dgl. spielten eine wesentlich geringere Rolle als in den Vorjahren. Don irgendwelchen Llnfüllen ist nichts bekannt geworden. Eine nicht gerade erfreuliche Neujahrsüberraschung wurde den Stammitgliedern des staatlichen Kurorchesters zuteil, von denen viels schon seit Jahrzehnten unserer Kurkapelke angeboren. Der hessische Staat hat das Vertragsverhültnis in der fetther bestandenen Form zum 1. April gekündigt.
C Nieder-Florstadt, 2. Jan. Der Einspruch gegen die Gemeinderatswahl wird am 9. Januar vor dem Kreisaus- schuß verhandelt. Der alte Gemeinderat konnte mit dem Jahreswechsel seine Tätigkeit nicht beschließen und wird auch im neuen J'hr noch tagen müssen. Sollte dem Einspruch ftattgegcbm und die Dahl für ungültig erklärt werden, dann wird ein starker Wahlkampf einsehen. der allerdings an dem ersten Ergebnis wenig ändern dürfte.
Kreis Büdingen.
Nidda. 2. Jan. Am Neujahrs tag abend hielt die hiesige freiwillige Feuerwehr seit langen Jahren wieder einmal ein Konzert n7bst Ball im Gambrinus ab. Der sehr ft arte Besuch der Feier bewies die große Beliebtheit und Wertschätzung, die die Bewohner unserer Stadt dem überaus wichtigen Dereine entgegenbringen.
Kreis Schotten.
e,n e i n d e h u n d e st e u e r für
lg. Gedern, 1. Ian. Aus her letzten Sitzung en Gemeinderates ist zu
des seitherig, berichten: Die G ,
1 9 2 6 wurde auf 6 Mk. für den ersten Hund und für jeden weiteren Hund je 4 Mk. mehr festgesetzt, mithin wären zu entrichten für den zweiten Hund 10 Mk., für den dritten Hund 14 Mk. usw. Nach
Erledigung einiger weiterer Angelegenheiten von geringerer Bedeutung gab Bürgermeister Müller in einer Ansprache einen Ueberblick auf die Tätigkeit des seitherigen Gemeinderates während der verflossenen Wahlperiode. Nicht weniger als 1475 Gegenstände sanden während dieser Zeit ihre Erledigung. In aufopferungsvoller und selbstloser Arbeit, die ohne jeden Parteihader und irgendwelche Sonderinteressen cjelei tet worden sei, habe die Gemeindevertretung sich tets redlich bemüht, dem Wohle der Allgemeinheit zu dienen. Ihr besonderes Verdienst, das um so schwerer ins Gewicht falle, als durch die schwierige Gesamtlage von Reich und Staat den Gemeinden gewaltige Lasten aufgebürdet worden seien, bestehe darin, daß es ihr gelungen sei, die Finanzen der Gemeinde trotz schwerer Zeit (Jnflations- und Uebergangszeit) in bester Ordnung zu erhalten. Der Bürgermeister sprach für diese ersprießliche Tätigkeit der Gemeindevertretung seine volle 2lnerfennung und seinen Dank aus und gab der Hoffnung Ausdruck, dah sich die ausscheidenden Mitglieder allezeit gerne ihrer einstigen Mitwirkung an verantwortlicher Stelle erinnern möchten. An die wiedergewählten Gemeindevertreter richtete er die Bitte, auch in der neuen Amtsperiode ihre ganze Kraft zum Wohl der Gemeinde einzufetzen.
ld. Aus dem Vogelsberg, 2. Ian. In den letzten Tagen des Dezember haben in den Dörfern des Bogelsbergs viele Hunde, treue Wächter im Hofe und fleißige Helfer an der Weide, ihr Leben lassen müssen, da bei der ungeheuren Steuerlast und der großen Geldnot die Hundesteuer im Betrage von 15—20 Mk. eine ansehnliche Summe darstellt, die man im neuen Jahre sparen will. Die I a g d p ä ch t e r werden die Abnahme der Hunde zahl mit großer Freude begrüßen, da sich unter den Weidhunden und Hofhunden eine große Zahl von leidenschaftlichen Jägern findet, die manches juhge ober halbwüchsige Häschen auf dem Gewissen hat. Die Jäger hoffen, mit abnehmender Hundezahl einen stets wachsenden Bestand von Hasen in ihre Jagden zu bekommen, denn sie sehen in der feit Kriegsende ungemein aeftiegenen Zahl der Hunde einen wesentlichen Grund für den geringen Hasenbestand in Vogelsberger Jagdbezirken. — In der Kriegs- und Nachkriegszeit hatte die Schafzucht Im Vogelsberge wieder bedeutend zuoenommen, weil man unter dem Druck der Verhältnisse wieder dazu kam, Smnnrad und Webstuhl mehr und mehr zu benutzen. Der Vers „Selbst gesponnen, selbst gemacht, ist die beste Bauerntracht" kam wieder zu Ehren. Mit Beendigung der Inflationszeit setzte dann die rückläufige Bewegung ein; die Schafzucht geht seitdem dauernd zurück, am ftärfften in den Orten, in denen man nicht eine Ge- meinde-, sondern eine Gesellschaftsschäferei hat Wenn die Gewinne, die die Schafhaltung abwirft, allgemein gering sind, so sind diese völlig in Frage gestellt, wenn eine kleine Anzahl von Schafhaltern, die sich zur Schäfereigesellschaft zuiammengeschlossen haben, alle Kosten des Schäfereibetriebs aus eigenen Mitteln aufbringen muß. Da ist beizutragen zum Barlohn des Schäfers, Effen für den Sckäfer ins Feld zu tragen, her Pferch zu klopfen, find Lebensrnittel aller Art (Frucht, Kartoffeln, Milch, Honig, Del) für die Familie des Schäfers zu liefern, ist Weidegelände zur Veriügung zu stellen oder von der „Schäferei" zu pachten. Dazu kommen noch die ewigen Reibereien rrit den Gegnern der Schafhaltung unter den kleineren Landwirten, die Teile der Allmende als Viehweide benutzen wollen, kurzum, die Gefellschafts- fd)äferei ist mit so viel Umständlichkeiten und Aerger verknüpft, daß in diesen Orten die Schafhaltung über kurz ober lang aufgegeben werden wird. Ob sich in Orten mit Gemeindeschäferei die Schafzucht halten wird, hängt von der künftigen Gestaltung der Lage der heimischen Landwirtschaft ab Käme bald eine bessere Zeit, so wurden besonders in Gemeinden mit starker Rindviehzucht die Schafherden rasch verschwinden.
Kreis Wetzlar.
ZJ Wetzlar, 1. Jan. Sturm, Regen und Hochwasser waren diesmal auch hier die Begleiter der
Der Sternhimmel int Januar.
(Nachdruck verboten.)
Sonnenaufgang von etwa 8,14 Llhr bis 7,47 Llhr, Sonnenuntergang von 3,53 Llhr bis 4,41 Llhr.
Lichtest alten des Mondes: Letztes Viertel am 7„ Neumond am 14., erstes Viertel am 21. und Vollmond am 29. Januar.
Im Januar erstrahlt der Fixsternhimmel in voller Pracht. Orion, das herrlichste unserer Sternbilder, erscheint zu Beginn des Monats
schon die Alten gerade um die Sterne dieses Himmelsteils woben, beweist, welchen Eindruck die große Zahl Heller Sterne dieser Himmelsgegend auf sie gemacht bat. Auch die neuere Forschung findet dort viele Sterne, an die sich eine Fülle gelehrter Forschungsarbeiten anknüpft, beispielsweise Beteigeuze, den rötlichen Hauptstern links oben im Orion, der ein Gasball von so ungeheurer Große sein soll, dah die
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Der die Stundenzahlen enthaltende Kreta und die dick punktierte Linie, «der »»genannte Horizont, lind feststehend tu denken. Der Sternhimmel dreht lieh samt dem damit verbundenen, durch Mitternacht gezeichneten Pfeil — gewissermaßen dem Zeiger dar Himmelsuhr — üt 4 Minuten weniger als 24 Stunden im Sinne des durch 12 Uhr mittags gezeichneten Pfeils einmal-um seinen Mittelpunkt. Der eingezeichnete Horizont bildet ein Fenster, das die um Mitternacht der Monatsmitte sichtbaren Sterne umschließt. Will man r» einer anderen Stunde beobachten, so denke man sich den Sternhimmel so gedreht, daß der durch Mitternacht gezeichnete, mitzudrehende Pfeil nunmehr durch die Beobach tu ngsstunde geht, wodurch dann die zu dieser Zeil sichtbaren Sterne in den nicht milzudrehenden Horizont hineingedreht werden. Für je 5 Tage vor der Monatsmitte ul der Sternhimmel um */# Stunde früher, für je 5 Tage nach der Monalsmitte um €]$ Stunde später einzustellen. Man vergleiche die nächste Monatskarte. Der Mond nimmt die gezeichneten Stellungen ein, wenn
er die angedeutete Lichlgeslalt zeigt.
bald nach Eintritt der Dunkelheit, gegen Ende steht es schon ziemlich hoch am östlichen Abendhimmel. Wenn der in der Verlängerung der drei Mittelsterne des Orion stehende Sirius sichtbar wird, was am Anfang des Monats etwa um 1/J8 Llhr, gegen Schluß um 1 '26 Llhr eintritt, so ist der schönste Teil des Fixsternhimmels, der sich von der hoch in der Nähe des Zenitbs stehenden Eapella im Fuhrmann über die Ple- jaden und den Orion nach dem Sirius hin erstreckt und auf der linken Seite vom Vorläufer des Sirius, dem kleinen Hund oder Prvkyvn, und den Zwillingen mit (Saflor und Pollux begrenzt wird, voll sichtbar. Die Fülle der Sagen, die
Erde und auch ihr Nachbarplanet Mars in ihm für ihren Umlauf um die Sonne Platz fänden. Umgekehrt hat der Sirius einen dunklen, nur mit Mühe in starken Fernrohren sichtbaren Begleiter, der nur etwa dreimal so groß sein soll wie die Erde, dafür aber von einer kaum vorstellbaren Dichte feiner Masse.
Von den Wandelstemen ist am Abendhiimnel die Vemls sichtbar, deren Sichtbarkeitsdauer freilich, da sie sich der von Westen herannahendsn Sonne entgegenbewegt, rasch abnimmt. Schon vorher ist der Jupiter in der Abenddämmerung verschwunden. Am Morgenhimmel stehen der Satum und der Mars. Küstermann.
Jahreswende. Am Silvesternachmittag setzte noch ein solcher Regen ein, baß es fast unmöglich war, die Straße zu betreten. Das an unb für sich schon starke Hochwasser würbe hierburch in ber Neu- jahrsnacht so bebrohlich, baß in den gefährbeten Gebieten ber Stabt, befonbers in ber Langgasfe, ber Neustabt und im Bezirk Niedergirmes schleunigst Notstege gebaut werben mußten, weil bas Wasser die Straßen überflutete. Erst heute in ben Vormittagsstunden trat ein langsames Sinken in Erscheinung, so vaß die größte Gefahr, wie sie uns seit 1920 bekannt ist, glücklich gebannt erscheint. Trotzdem hat auch das jetzige Hochwasier wieder viel Schaden an den Gebäuden, in ben Kellern unb Ställen angerichtet. Hunderte von Personen benutzten den heutigen trockenen Nachmittag, um sich das Hochwassergebiet anzusehen. Der Silvester
abend ist diesmal wegen des schlechten Wetters äußerst ruhig verlaufen. Der um 5 Uhr abgehaltene evangelische Gottesbien st, in bem nach althergebrachtem Brauch stets ber Männer - gesangverein mitzuwirken pflegt, war trotz ber Ungunst bes Wetters von einer so großen Zahl von Anbächtigen besucht, baß selbst die Treppen alle besetzt waren. Nachts 12 Uhr läuteten die Dom- glucken in feierlicher Weise bas neue Jahr ein, währenb eine ansehnliche Menschenmenge sich auf bem Domplatz versammelt hatte unb bie Jugend sich mit bem Abbrennen von Feuerwerkskörpern vergnügte. Nach Schluß bes Läutens ertönten von der Galerie bes Domturms herab ernste Klänge von Chorälen, gespielt von einem Bläserchor. Hoffentlich wirb diese schöne Sitte, bie vor bem Kriege in ber Neujahrsnacht öfter so viel
Franziska.
Roman von Liesbet Dill.
34. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Der Judenzank setzte ein, der sich wie ein verworrener, unharmonischer Lärm anhörte. Es fehlte noch der führende Daß. „Wo bleibt der Kammersänger Drast?" ries Mariot dazwischen. „Ist nicht vorhanden? Gut, wenn die Sänger nicht da sind, stören sie wenigstens nicht!" Da erschien Drast, herbeigeholt aus den Kulissen, und das verworrene Geschrei bztam durch diesen orgelgleichen Daß gleichsam einen Halt, ein Fundament, auf dem es sich harmonisch abhob.
Mariot Hopfte auf und blätterte in der Partitur: „Wir nehmen erst noch einmal die Stelle mit dem Kopf. Haben Sie das? Also bttte." Das Orchester feite ein, und nun sah Hasse Franziska. Sie stand zwischen den Kulissen, die Hande in den Taschen ihres Sealmantels, mit einer jüngeren Kollegin, die eine Cleo°de-Merode-Frisur trug und einen Kopf Heiner war als sie. „Ich hab' heut' einen Llnglücks- tag", sagte Franziska. „Wie ich vorhin gekommen bin, hat mir die Garderobefrau die Nummer dreizehn zum Verfchließfach in die Hand gedrückt, das ist mir noch nit passiert, seit ich beim Theater bin..."
„Die Nummer sollt's gar nicht geben", warf die kleine schwarze Schauspielerin ein.
„Seitdem ist eine Llnruhe in mir,“ fuhr Franziska fort, welche auf und ab ging, um sich zu erwärmen. „Ich friere wahrhaftig, ich zittere, sehen Sie her", und sie streckte der Kleinen ihren Arm aus dem weichen Mantel hin.
„Wo bleibt denn der Kopf?" rief Mariot heraus.
Der dritte Kapellmeister, der in der Zisterne dirigierte, hatte das Zeichen verpatzt.
„Sehen Sie doch in die Partitur", rief Mariot.
Lieber den Rand der Zisterne tauchte eine Hand auf, die eine OeriUberte Pappschüsfel in die Höhe hielt.
Ein schrecklicher, in dieser ungewissen Beleuchtung grausiger, bleicher Kopf erschien mit langem, schwarzem Haar.
In diesem Augenblick rief jemand: „ Fräulein Rott." Sie hörte an einem scharfen, ungeduldigen Aufllopsen, daß Mariot sie wünschte, und trat auf die matterleuchtete Bühne.
Zu dieser Aufführung hatten so viel Proben stattgefunden, daß sie unbedingt glatt gehen mußte, eS war heute die letzte, die Generalprobe, und sie war ruhig, ihrer musikalischen Sache sicher.
Der Akt begann von vorne, ein straffer Zug kam in die Sänger, sie nahmen ihre Stellungen ein, und das Orchester fetzte mit dem Hauptmotiv der Salome ein.
Aus der Tiefe erttang ein prachtvoll ruhiger Bariton, die Stimme des Propheten:
„Nach mir wird einer kommen, Der stärker ist als ich."
Das ist Stephansberger, dachte Hasse beunruhigt. Man hatte ihn zu dieser Nolle aus Hannover herüberiommen lassen. Er beugte sich vor. um besser sehen zu können.
Franziska wari ihren Mantel ab und trat auf die Terrasse hinaus in einem graublauen, rotbestickten Gewand, das, vom Gürtel ab mit Perlenschnüren und glitzernden Juwelen bedangen, geschlitzt war bis zu dem bunten, breiten Gürtel, Rubinen funkelten an den Händen und Armen. Sie schaute zum sternbesäten Nachthimmel auf. Den silbernen Mond fang sie an. Diese biegsame Stimme Hang so rein, so ruhig, so zart, die hohen Töne schwangen sich leicht und sicher empor, mühelos und flar schmiegten sie sich der Begleitung an. Was war aus dieser ungleichmätzigen, unsicheren Stimme geworden!
Die rauhe Stimme des Propheten in der Zisterne unterbrach ihren süßen Gesang. Bestürzt und neugierig lauscht sie, gierig verschlingt sie seine mahnenden Worte. „Siehe, der Herr ist gekommen."
Salome wird aufmerksam, welch seltsame Stimme. Sie will mit ihm sprechen. Die Soldaten treten ihr in den Weg: wir dürfen es nicht, Prinzessin, aber sie will ihn sehen, diesen Mann, der so schreckliche Dinge über ihre Mut
ter sagt. Sie biegt sich lauschend über den Brunnen: „Sprich mehr!"
Niemals hatte des Stephansbergers milde volle Stimme so ergreifenb geklungen. Oder kam es Ihm nur so vor in dieser sonderbaren Angst der Erwartung, der äußersten Anspannung aller Kräfte?
Salome fragt die Soldaten nach dem Fremden aus, sie umdrängt den Hauptmann mit schmeichlerischer Bitte. Er windet sich, wehrte sie ab, aber mit dem Eigensinn des Weibes, dem Starrsinn, der jeder Vernunft trotzt, verlangt sie nach dem Propheten. Sie will sich dem schrecklichen wilden Mann nähern. „Du wirst es für mich tun, Narraboth:" sie sprach es singend, fast atemlos. „Nicht wahr, ich war dir immer gewogen... und morgen, wenn ich in meiner Sänfte an dem Torweg, wo die Götzenbilder stehen, vorbeikomme, werde ich eine kleine Blume für dich fallen lassem"
Niemand konnte ihr widerstehen.
Der Hauptmaim hebt den Arm, und aus der Tiefe des Brunnens steigt groß und finster der Prophet. Wie betäubt von dem Licht, erschaut er Salome: er schließt die Augen, erschauernd.
„Ich will deinen Mund küssen, Jochanaan", bricht sie in Entzücken aus. Sie umringt ihn neugierig, schmeichelnd, sie will seinen Leib berühren. Er weicht entsetzt zurück. Er stößt die rubinfunkelnde zarte Hand zurück. Er flucht ihr unb ihrer Mutter.
„Sprich mehr, JochanaanI" lächelt sie, während es in ihren Augen auffunkelt.
„Geh in die Wüste", rät er ihr.
„Ich will deinen Mund küssen", flüstert Salome.
Herodes und Herodias mit (Säften unb Gefolge treten auf die Terrasse. „Legt Teppiche hierher, bringt Wein!" Herodes erblickt die junge Salome: er halt den Atem an, wie schön ist sie heut abend in ihrem ebelftelnfunfelnben Mieder der leuchtenden weißen Haut... Ihn fröstelt...
Der Prophet taucht lautlos in den Brunnen hinab.
Salome starrt ihm nach
„Salome, komm, trink Wein mit mir“, aber Salome hat sich auf eine Marmorbank geworfen und zuckt die Achseln. „Ich bin nicht durstig." Bebend lauscht sie den fürchterlichen Drohungen des Propheten, dessen dunkle Stimme mahnend aus dem Brunnen zu ihr spricht. Es ist etwas ganz Neues, das er sagt. Gr regt etwas in ihr an, das bisher geschlafen hat, das Gewissen. Sie schaudert und schließt die Augen: ihre blonden Locken hängen ihr zu beiden Seiten des blassen, verdüsterten Gesichts herab.
„Salome, tanz für mich", bittet ber entzückte Herodes. Salome starrt vor sich hin, ihre weiße Brust hebt und senkt sich im Sturm. „Zurückge- wiesen!" zucken ihre Lippen. Don einem Manne! Sie, das verwöhnte, reizende Kind, das schönste Weib, die Königstochter? Kann man ein Weib tiefer kränken? Sie hat sich ihm in ben Weg geworfen, sie begehrt ihn, ben seltsamen, ungewöhnlichen Menschen, der ihr, den Tod vor Augen, so grausame, schreckliche, neue, große Dinge sagt unb sie wiederholt, weil sie seine Lleberzeugung sind. Lind für diese Lieberzeugung will er sterben, ber große Prophet. Es ist etwas Lieberwältigendes in seinen Wahrheiten, etwas Ewiges, etwas, das sie erbeben macht unb erschüttert. Nichts hat sie bis jetzt so gepackt. Rasend vor Leidenschaft, zitternd vor verhaltener Begierde, verzehrt von einer Liebe, die nicht erwidert wird, liegt sie rasch atmend unb sinnt mit verdüsterter Stirn.
„Salome, tanz für mich! Salome!" fleht Herodes. Die Mutter rät ab: „Tanze nicht, meine Tochter!" plötzlich richtet sich Salome entschlossen auf, das seidene Haar zurückwerfend.
Wie Flammen bricht es aus ihren Augen. Mit welchen, leichten, febernben Schritten nähert sie sich Herodes.
Hasse sah, wie sich das aschgraue Profil des Kapellmeisters Ihr zuwandte, von bem grünlichen Lampenlicht grell beleuchtet unb doch halb In Schatten getaucht.
Das bleiche Gesicht Mariots war durchleuchtet wie von einem inneren Feuer, während seine Blicke sich mit denen Franziskas kreuzten. Es lag wie eine Spannung in der Luft. ।
(Fortsetzung folgt)


