U5a
)25
I00an
160 0.95 195 1.25
Sommeröireftor ^mbr.
Stadttheater n'Ä8’5^«»..
13.ÜNt|« MihMtt,
"'eil, toc
Nr. 2 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheffen) Montag, 4. Zanuar 1926
■rnmJirw^aagxa«y_-WK-^g—aum—iimi um «ei ■mee m m» »»«mm „„»i i ni । im i
Das Reichsheer 1925.
Von Oberstleutnant K. von Oertzen.
Die Jugendjahre unseres jungen Heeres,sind nicht leicht. Nicht nur, daß cs mit unserem ganzen Volke an den Lasten des verlorenen Krieges und der daraus entspringenden notbringenden wirtschaftlichen Lage mitzutragcn hat: schmerzliche Ereignisse, die wertvolle Menschenleben kosteten, stehen als Meilensteine an dem Wege des Heeres durch das Jahr 1925. Im März rissen die Wellen der Weser 80 junge Soldaten in den Tod, im September raubte ein Eisenbahnunglück dem Heere weitere zwei Menschenleben und Ende Oktober fiel auf dem Schießplatz Jüterbog ein hoher Offizier der abgeirrten Kugel eines Maschinengewehres zum Opfer. Schmerzliche Opfer, die in ihrer Häufung besonders erschütterten. Bei der militärischen Ausbildung sind leider ebenso wie bei vielen anderen Berufen Betriebsunfälle nicht zu vermeiden: wünschen wir unserem Heere, daß im Jahre 1926 ein günstigerer Stern über seinem Streben walte.
Das verflossene Jahr brachte noch einmal einen heftigen Angriff unserer Kriegsgegner gegen unsere bewaffnete Macht. Nach dem Vertrag von Versailles hätte der nördliche Bezirk des von den gegen Deutschland verbündeten Mächten besetzten westlichen Deutschlands am 10. Januar geräumt werden müssen. Damals dauerte die widerrechtliche Besetzung des Ruhrgebietes noch an. Schon deswegen konnten nach Ansicht des französischen Generalstabes die Lande um Köln glicht von der Besatzung verlassen werden. Den Vorwand für den Bruch des Versailler Vertrages mußte die Behauptung abgeben, die deutsche Regierung habe die militärischen Klauseln des Versailler Vertrages noch nicht vollständig erfüllt. Zunächst hielt man zwar nicht für nötig, den Deutschen auch nur mitzuteilen, worin die angeblichen Versäumnisse eigentlich gefunden wären. Etwa ein halbes Jahr wurde die Frage in der Schwebe gelassen. Da fanden sich in unserem Vaterland tatsächlich Leute, die an irgendwelche geheimen Rüstungen in den deutschen Grenzen zu glauben vorgaben. Beschämt lernten sie schweigen, als die Alliierten mit ihrer bekannten Juni-Note herauskamen. Etwa 300 Verfehlungen waren in ihr zwar aufgeführt. Aber was für Lächerlichkeiten. Danach hatte Deutschland zuviel Hufeisen, zuviel Platzpatronen, zuviel Lebensrnittel in den Magazinen, wo bei der geringen Stärke des Heeres in keinem Fall mehr lagert, als man bei jedem Lebensmittelhändler täglich kaufen kann.
'Reben diesen komisch anmutenden, nur durch da« Chine'entum des französischen Militär- bureaukatismus zu erklärenden Dingen, griff auch die 3uni=2lrtc das Gesüge des Heeres und der Polizei an. Es waren zwar keine geheimen Rüstungen, die beanstandet wurden, sondern die offen zu Tage liegende Organisation, die seit 1920 bestand und sich in schweren Tagen bewährt hatte. Die militärischen Klauseln des Versailler Vertrages boten keinen Anhalt zu den neuen Forderungen: bei der Lage Deutschlands, die durch den Pakt Don Locarno gebessert werden sollte, mußte auch diesmal nachgegeben werden. Die Interalliierte Mi'i ärkrntrollkommission hat 1925 weitergearbeitet, wirkt heute noch und bleibt uns leider auch 1926 solange erhalten, bis sie aud) die Durchführung der letzten deutschen Zugeständnisse sestgestellt hat. Dem deutschen Heere und dem deutschen Volke muß man wünschen, daß diese Einrichtung, dies sichtbare Kennzeichen der deutschen Riederlage und der Demütigungen, die ihr gefolgt sind, bald der Erinnerung angehören möge. —
Der Erfolg des FreiwilligenheereK hängt in erster Linie von den Aussichten ab, die dem Soldaten nach Beendigung seiner zwölfjährigen Dienstzeit geboten werden. Sie zu verbessern bemüht sich eine Ergänzung des Wehrmachtsversorgungsgesetzes, das im Sommer fast einstimmig vom Reichstage beschlossen wurde.
Den Belangen bes Heeres ist die Volksvertretung auch sonst bereitwillig entgegengekommen. Soweit Kritik geübt wurde, richtete sie sich, to?e ausdrücklich von den Abgeordneten, die das Wort ergriffen, hervorgehoben wurde, nicht gegen die Truppe und ihre Führung, sondern gegen die Politik der militärischen Zentralbehörde, die bei der politischen Zerrissenheit unseres Volkes und der Schärfe der Gegensätze nicht unangefochten bleiben kann.
Erfreulich ist, daß diese politisch-parlamentarischen Zwistigkeiten weder die Truppe in Mitleidenschaft ziehen, noch ihr gutes Einvernehmen mit allen Schichten der Bevölkerung stören. Alle Verbände des Heeres konnten im letzten Fahre auch außerhalb der Truppenüb mgsvlätze üben. Einheitlich ist aus dem Lager aller Parteien und aller Richtungen ihrer Haltung, ihrer Mannes- zwcht, ihrer- 'Ausbildung, ihrer Eingabe an den Dienst Anerkennung gezollt worden.
Das neue Heer ist ein wohlgelittenes, anerkanntes Organ des neuen Deutschland gewor-
Fünfzig Jahre deutsche Münzwährung.
Bei Ablauf des Iahres 1925 sind sie ein halbes Jahrhundert alt, die Mark und der Pfennig, fast vergessen sind ihre Vorgänger, der Taler, Gulden, Groschen, Kreuzer, ebenso wie die noch älteren Batzen, Heller usw. Wir sprechen Wohl noch davon, daß wir etwas „bei Heller und Pfennig bezahlt haben, geben uns aber über die Herkunft des seligen Hellers keine Rechenschaft. Die richtige Schreibweise wäre eigentlich „Haller", denn er war die Münze der alten schwäbischen Reichsstadt Hall und hat von ihr feinen Rainen.
„Ein Heller und ein Batzen War'n all zwei beide mein", sagt das alte Lied, und der Süddeutsche kennt noch die Redensart: „Er ist keinen Batzen wert!" Dieser ,.Batze n" kommt ursprünglich aus der Schweiz, aus dem Kanton Bern, der den Bären im Wappen führt. Auch die Berner Münzen trugen das Bild des Bären, der bekanntlich Petz oder Bätz genannt wird, daher der Name Batzen. Die ersten „Kreu - z e r" find zweifellos in Tirol geprägt worden, denn Meraner oder „Etschkreuzer" sind die frühesten, die erwähnt werden. Sie tragen das bischöflich Brixener Wappen, ein Kreuz, haben also ihren Namen gleichfalls vom Gepräge. Sie fanden nament- „ lich im Süden ausgedehnte Verbreitung.
Den „Jrofchen" kennt der Berliner noch heute. Zuerst ließ Wenzel von Böhmen gegen Ende des
hcn. 1926 wird cs auf feinem Wege weiterführen, dem Ziele entgegen, der Schutz und der Stolz seines Vaterlandes zu werden.
Englands Jahresbilanz.
Bon unserem K.-Derichterst alter. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
London, Ende Dezember 1925.
Das Fahr 1925 bescherte England den bedeutungsvollsten politischen Umschwung feit dem Ende des Krieges. Das Ministerium Baldwin, die Konservativen, die mit so großen Hoffnungen begrüßt wurden, und die dann zunächst enttäuschten, haben sich jetzt allerorts durchge- setzt. Manche Schwierigkeiten waren zu überwinden. Mac Donald und feine Regierung hatten das englische Staatsschiff in ei gefährliches Fahrwasser gesteuert und es galt umzukehren und einen völligen politischen Reubau mit den vorhandenen Brocken anzufangen. Erschwert wurde diese Arbeit — so eigenartig wie das klingt — wohl am meisten durch die Tatsache, daß der Kabinett Baldwin eine geradezu überwältigende Mehrheit im Kabinett hinter sich hatte, daß eine Opposition überhaupt nicht zu Worte kam, und daß infolgedessen die gesamte Verantwortung gänzlich ungeteilt und ungeschmälert durch Hinweise auf parlamentarische Schwierigkeiten bei dem fast souverän herrschenden konservativen Kabinett lag.
Es ist nur zu verständlich, daß der englische Bürger, der seinen konservativ"! Stimmzettel abegeben hatte, nun von seinen Erzählten auch schleunigste Sanierungsmaßnahmen erwartete. Sie blieben zunächst aus und die Folge war die leise beginnende Kritik, die sich zunächst in den Witzblättern äußerte und bald in die ernsten Spalten der Zeitungen überging. Heute, am Ende des Fahres, aber sieht es ganz anders aus. Außenpolitisch hat die Regievung das Verhältnis z u Frankreich auf eine neue Basis gestellt und hat sich vor allen Dingen durch den Abschluß des Locarnopaktes völlige Freiheit in Europa gesichert. Es war ja der am meisten beklagte Mißgriff Mac Donalds, seine Festlegung in Europa, die ihren stärksten Ausdruck fand in seinem Verhalten zum Völkerbund. Heute hat England das Instrument des Locarnopaktes als Garant in der Hand und kann, ohne sich in seinen weltpolitischen Entscheidungen wesentlich hindern zu lassen, „das europäische Gleichgewicht" ausoalanzieren, sobald das nötig wird. Es ist oft ausgesprochen worden, daß Locarno einen Anfang bedeutet. Die Deutung dieses Anfangs aber ist hier eine wesentlich andere als in Paris oder Berlin, denn hier bedeutet der Locarnopakt den Anfang der endlich wieder erreichten Freiheit der Entscheidungen.
Fnnerpolitisch hat es die Regierung Baldwin fertiggebracht, endlich die heikle Frage des Arbeitslosenproblems zu regeln. Schon zu Beginn des Winters. zeigte sich ein ständiges Abnehmen der Arbeitslosenziffern. Das Geheimnis dieser Tatsache liegt in dem Bruch eines gegebenen Versprechens, in der Rückkehr zum Schutzzollgedanken. Gcrade diese englische Schutzpolitik ist im Ausland sehr wenig beachtet worden, trotzdem sie eines der interessantesten Beispiele für die Mentalität des englischen Politikers ist. Die Wahlversprechungen sicherten zu, daß man Schutzzölle nicht einführen würde. Lind doch hat England heute neue Zölle und ist auf" dem besten Wege, zum Hochschutzzolland zu werden. Erreicht wurde das auf einigen Schleichwegen, das Wort Schutzzoll wurde nie ausgesprochen. Heute gibt es einen Zoll auf Seide und eine ganze Menge Zolltarifposten, trotzdem ein Zolltarif nicht existiert. Das Ziel ist ein Ausbau dieses Schemas bis zu dem Stand, an dem keine englische Industrie, die irgendwie unter ausländischer- Konkurrenz zu leiden hat, ungeschützt ist. Daß aber dieser Weg nicht ganz ohne Schwierigkeiten ist, beweist das Vorgehen Amerikas und der beginnende Gummikrieg. Aber man darf wvhl damit rechnen, daß die beiden angelsächsischen Staaten Mittel und Wege zu einer gütlichen Einigung finden werden. Als Erfolg dieser Politik ist im Innern die Tleberwin- dung der Kris is im Kohlenbergbau und die Besserung der allgemeinen Wirtschaftskon- junktur zu buchen. Lind die Öffentlichkeit ist bereit, diese Erfolge der Regierung auch anzuerkennen.
Hinzu kommt die für England günstige Entscheidung des Völkerbundes in der Mossultra g e, die England als eine Art Weihnachtsgabe überraschte. Auch hier haben sich anfängliche Befürchtungen zerstreut. Die Türkei scheint sich zu besinnen und auf einen kriegerischen Konflikt zu verzichten. Die dunkle Wolle bleibt nur das russisch-türkische Bündnis, dessen Rätsel man noch zu lösen versucht. Aber diese Frage ist heute noch nicht aktuell und
— kommt Zeit, kommt Rat! Die Verhältnisse in den Dominions haben sich ebenfalls günstig gestaltet, die radikalen Tendenzen, die in einem direkten politischen Druck auf das Mutterland in Erscheinung traten, Hingen immer mehr ab. Lind auch d i e indis che Politik hat sich im letzten Iahre wesentlich beruhigt. Der Jahreswechsel 1925 auf 26 zeigt dem Engländer eine politische Situation, wie sie günstig seit dem Ende des Weltkrieges noch nie dagewesen ist.
Parlamentarisches aus Hessen.
Dem Landtag sind folgende Anträge der Parteien zugrgangen: Die demokratische Fraktion beantragt, die Regierung zu ersuchen, 1. zu prüfen, ob und in welcher Weise zur Beschaffung langfristiger Kredite für Lan" wi t ch ft. Industr e H nael un) Gew rb duck) Vermittelung des Staates An.eihen — auch im Auslande — aufgenommen werden können und gegcb.ncn Falles dem Landtag alsbald Vorlage zu machen: 2. dafür besorgt zu sein, daß die der Hess. Landeshypothekenbank obliegende Aufg be zur B:g bring hypot -.ekarisch gesicherter Darlehen baldigst wieder ausgenommen werde.
Ein volksparteilicher Antrag fordert, der Landtag wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, die Finanzämter sind arzuwcisen, bei der Beitreibung rückständiger Steuern in weitestgehendem Umfang Rücksicht auf Die wirtschaftliche Ro11age der Steuerpflichtigen zu nehmen, zinslose Stundung überall dort eineretrn zu lassen, wo eine Beitreibung die Fortführung eines Betriebs unmöglich machen wurde, auf jeden Fall aber die B triebseinrichtungen eines S.euerpfiich- tigen bei Beitreibungen unangetastet zu lassen.
Ooerhessen.
Die Überschwemmungen in Oderhessen.
t. Aus dein Buseckertal, 2. Jan. Auch in unserem Tal macht sich das Hochwasser bc- merkbar. Der ausgedehnte Wicsengrund von Grünberg bis Gießen bildet eine einzige, nur hier und da unterbrochene Wasserfläche. Bei dem Dorfe Linden struth tritt das Wasser auf der einen Seite bis an den Bahndamm heran, auf der anderen Seite greift es bis über die Staatsstraße hinweg. Wie die Erfahrung lehrt, wird sich hier das Wajfer auch nicht in kurzer Zeit verlaufen: denn dieser Wiesengrrmd ist die Sammelstelle aus dem ganzen oberen Busecker- tal, und bis das Wasser sich von den langgestreckten Hängen gesammelt hat, vergeht immer längere Zeit. Sollte jedoch der Regen noch weiter anhalten, dann besteht die Gefahr, daß auch einzelne Ortschaften unter der Waffernot leiden.
—/— Ortenberg, 2. Ian. Das Hochwasser der Ridder, das weite Strecken des Landes zwischen hier und Stockheim überschwemmt, aber durch die neue Regulierung der Ridder bei Stockheim rascher als sonst abfliehen kann, richtete an der hiesigen alten Ridder- brüde mehrfachen Schaden an, so daß die Brücke zunächst polizeilich gesperrt werden mußte.
Z Steinfurth, 2. Jan. Das Heber- schwemmungs gebiet dehnt sich jetzt hier und in der Umgegend bis an die Talwände des breiten Wettertales aus. Wenn man mit der Nebenbahn von Bad-Nauheim nach Griedel fährt, erblickt man einen sich lang hinstreckenden See, aus dem nur noch die Bäume herausragen. Das Wasser strömt selbst bis an höhergelegene Häuser heran, bringt in die Keller ein, so daß fortgesetzt Pumpen in Tätigkeit sein müssen, um sich der eindringenden Flut einigermaßen zu erwehren. Die sonst friedliche Wetter ist ein wilder Fluß geworden, der schmutzig- gelbe Wassermassen dahinwälzt in der respektablen Höhe von 2,30 Meter, während der Wasserstand im Sommer nur 20 bis 30 Zentimeter beträgt. Das Hochwasser hat zwar bis jetzt noch keinen erheblicheren Schaden angerichtet, die großen Wiesenflächen aber, die in den letzten Jahren öfters unter Wasser standen, werden wohl bald nur noch saure Gräser hervorbringen.
[ Rieder-Florstadt, 2. Ian. Das Hochwasser der Ridda steigt weiter und ist in den tiefer gelegenen Straßen in die Hofe und Stallungen eingedrungen. Einzelne Häuser sind ganz von Wasser umspült und Werkstätten stehen unter Wasser. Die Weitgasse war gestern schon in der Rähe der Brücke überschwemmt, in der Rächt ging das Wasser auch über die Turmstrahe, in der es jetzt ca. 50 Ztm. hoch steht. Die Feuerwehrleitern, die man gestern zur Ausrechterhaltung des Verkehrs gelegt hatte, genügten heute nicht mehr, so daß das Dorf von Hinsbach getrennt war. Wer gestern abend zur Reujahrsfeier in den anderen Teil des Dorfes ging, konnte vor Tag nicht wieder
zurück. Auch der Gottesdienst muhte aussallen. Heute früh wurde die Feuerwehr alarmiert und Rotbrücken angelegt. In der Weitgakse find 7 Wagen aneinandergestellt und durch starke Bretter unb Leitern verbunden worden. Die im Walser liegenden Häuser wurden durch Rotstege zugänglich gemacht. Da noch immer Walser aus dem Flußbett ausfließt, muß mit weiterem Steigen gerechnet werden. Der Wasserspiegel der Ridda steht etwa 2' Meter über dem n o r m a l e n 61 a n b. Auch alte Leute können lich an eine derartig ausgedehnte Lleber'chweininung nicht erinnern.
Z Vilbel, 2. Jan. Unsere Stadt wird besonders stark von der H o ch w a f s e r k a t a st r o p h e mitgenommen. Von den sieben großen Ueberflu- tungen, die die südliche Wenerau innerhalb der legten anderthalb Jahre zu überftehen hatte, ist die gegenwärtige am stärksten. Die meisten Keller stehen im Wasser, und auch einige Straßen werden von den Flutwellen überspült. Der Bahndamm zwischen Vilbel Süd und Berkersheim ist wie immer besonders gefährdet. Da in den letzten Jahren, besonders im letzten Sommer, erhebliche Befestigungsarbeiten an demselben vorgenommen worden sind, rechnet man damit, daß nach der Flut diesmal keine Sen- kungserscheinnngen sich bemerkbar machen. Der heft fifdx Grenzort H arheim ist f a ft völlig vom Verkehr abgeschnitten. Die zahlreich daselbst wohnenden Arbeiter können nur auf Umwegen zur Bahn gelangen. Die im Niddagebiet gelegenen Orte Groß-Frankfurts haben alle stark unter der Flut zu leiden. Die Elektrische mußte nach einigen von ihnen den Verkehr einstellen. Gänz - 1 i ch abgeschlossen ist z. B. Hausen. Von Bockenheim aus mußte ein mehrere hundert Meter langer 'Halft eg nach diesem Orte errichtet werden. Die Schrebergärten Groß-Frankfurts stehen alle unter Wasser. Es ragen nur die Gartenhäuschen hervor, soweit sie der Flut nicht zum Opfer gefallen find. Der Ruf nach der Niddaregulierung erschallt in der ganzen Gegend lebhafter denn je zuvor. Die Vorteile der Regulierung erkennt man deutlich an dem Beispiel des Erlenbachs s, der vom Taunus kommt, durch hessisches Gebiet fließt und bei dem nahen Massenbeim in die Nidda mündet. Sein Tal bleibt von Ueberfchwemmungen frei, seitdem die Regulierung des Baches durchgeführt ist. Stark zu leiden unter dem Hochwasser haben auch die Anlagen der hiesigen bekannten Gartenbaufirma Gebrüder Siesmayer.
WSR. Frankfurt a. M, 3 Ian. (Amtlich.) Am 2. Ianuar ist das Güter zug- Einfahrtgleise der Main-Wescr-Babn in dem Güterbahnhof Friedberg und ta? Ql u s- fah rtgleis ans dem Gütcrbahnhof tn.ucn Dammrutsches gesperrt toorben. Die Güterzüge werden über den Personenbahnhof umgeleitet.
Landkreis (hicsrcn.
-1- Wieseck , 2. Jan. Der Hanget st einer Höhenklub, der, wie der 'Harne besagt, den Sinn für Wanderung und Erholung in Wald und Flur der engeren Heimat zu pflegen sucht, feierte am 1. Januar auf der Wellersburg fein 15. Stif- tungsfeft. Gute Musik und sonstige Unterhaltung erfreuten die zahlreich anwesenden Mitglieder und Gäste bis zum späten Abend. Dem ältesten Mitglied, Ludwig D a u b e r t, wurde in Anerkennung seiner Verdienste um den Klub durch Herrn Kümmel ein Diplom überreicht.
* Rödgen, 2. Jan. Zu unserer Notiz vom 28. Dezember, betr. Vortrag des Herrn Hartmann aus Gießen, ging uns von diesem folgende Berichtigung zu: „Der Satz „Rettung sei nur möglich, wenn es gelänge, Geld von Holland und Amerika zu erhalten", entspricht nicht meinen Ausführungen. Ich sehe im Auslandkredit keine Rettung, sondern nur für Bauluftige ein notwendiges Hebet da Jnlandkredit erstens kaum zu beschaffen und zweitens zu teuer ist.
Streik Fricdbcrg.
Bad-Rau heim, 1. Ian. In der letzten Sitzung der alten Stadtverordnetenversammlung verabschiedete, wie w'.r bereits mitgeteilt haben, Bürgermeister Dr. Kayser die nicht mehr gewählten Stadtverordneten mit herzlichen Dankesw orten. Unter den ausgeschiedenen Mitgliedern des Parlaments befindet sich der Stadtv. Iakob Minder, der 20 Iahre lang dem Kollegium angehört und in dieser Zeit äußerst segensreich für das Gemeinwohl gewirkt hat. Aus den Verhandlungen der Sitzung fei folgendes mitgeteilt: Als Beitrag für den Heilstättenverein in Hessen, der eine Kinderheilstätte für tuberkulöse Kinder errichten will, hatte der Finanzausschuß die Summe von 300 Mr. in Vorschlag gebracht. Ein kommunistischer Antrag wollte die Beihilfe auf 1000 Mark erhöht sehen. Rach Fürsprache des volksparteilichen Arztes Dr. Haeberlin wurde der Antrag angenommen. Ein Gesuch des Zuch t- Vereins für das schwarzbunte R i e- derungsvieh in der Provinz Ober- Hessen um Bewilligung eines jährlichm Zu
dreizehnten Jahrhunderts „Grossi" prägen; ihm folgten die Markgrafen von Meißen mit ihren Groschen die sich rasch über ganz Norddeutschland verbreiteten. Nichts mit dem Groschen zu tun haben die oldenburgischen und bremischen „Graten", womit ursprünglich eine große Münze bezeichnet wurde, im Gegensatz zu einer kleinen. Die Bremer „©roten" waren, nebenbei gesagt, der Ueberlieferung nach so ziemlich das schmutzigste und abgegriffenste Blechgeld, das es je in Deufchland gab.
„Da hast du 'n Taler, geh auf den Markt, tauf dir ’n Kühchen und ’n Kälbchen und ’n Mulle- Wullegänschen", sagt die Mutter auch heute noch zu ihrem Kleinen und mahnt den Heranwachsenden: „Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert", obwohl es die Münze schon so lange nicht mehr gibt. Wie die englische Guinee ihren Namen hat von dem Gold aus Guinea, aus dem sie gemünzt ist, so hat der Taler seinen Namen nach dem Orte Joachimstal in Böhmen erhalten. Aus dem Joachimsthaler Bergwerk nämlich, das dem Grafen Schlick gehörte, stammt das Silber, aus dem die ersten Taler geprägt wurden, die an Wert dem Goldgulden gleich standen. Es sollte eigentlich heißen „Joachimstaler Gulden". Daraus wurde „Jo- achimstaler" oder Schlickentaler"; dann blieben noch „Joachim" und „Schlick" fort, und es hieß einfach „Taler, Taler, du mußt wandern". Und so wanderte er bis nach Amerika, denn auch der Dollar, der allmächtige Herrscher der Inflation, hat mittelbar seinen 'Hamen aus dem kleinen erzgebirgi- schen Städtchen bezogen. Gulden und Dukaten blicken auf einen ähnlichen Werdegang zurück: Als
Florenz im Jahre 1252 Goldmünzen prägen ließ, schmückte es sie mit seinem Wappen, den drei Lilien, und nannte sie „Giliati", Lilienmünzen. Die Fremden aber nannten sie „Florinen", Blumenmünzen (vom lateinischen flos, pl. flores).
Andere italienische Städte und Fürsten «schlugen Münzen mit der Umschrift:
Sit tibi, Chnste, datus Quem tu ipse regis ducatus, (Dir, Christus, sei dies Herzogtum [ducatus] geweiht, das du selbst regierst.)
Nach dieser Umschrift nannte man die Goldstücke „Dukaten". Durch den lebhaften Handel, den Italien damals trieb, wurden die Münzen in anderen Ländern bekannt, auch Ungarn, Böhmen und Lübeck prägten sie und nannten sie, da sie aus Gold waren, „Gulden"; in Frankreich aber hießen sie „Florins". Aus dem Goldgulden wurde dann allgemach ein silberner. Zunächst prägte man im 15. und 16. Jahrhundert in Deutschland Gulden von geringerem Gehalt, denen dann bald gleichwertige Münzen aus reinem Silber zur Seite gestellt wurden. Man unterschied jetzt Gold- und Silbergulden. Recht häufig führen wir eine andere längst verschollene Münze im Munde, das „Scherflein" der Witwe. Es hat seinen Namen vom „Scherf", einer kleinen Münze, die ihren Ursprung in dem lateinischen scripulus oder scrupulus hat, dem „Skrupel", ursprünglich auch einer kleinen Münze.
Im Kinderreim hat sich der „Dreier" ober „Dreiling" erhalten, den schon Fischart und Hans Sachs erwähnen, und der später in Hessen ein Vierhellerstück war, während in Württemberg drei Dreier einen Schilling ausmachten.
Das heutige „berappen" erinnert uns an den alten Schweizer „Rappe n", eine Silbermiinze, die in der zweiten Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts erstmals erwähnt wird. Seit 1403 bildete der „Rappen" die Münzeinheit des sogenannten Rappenmünzbundes, der aus den Städten Bafel, Freiburg i. Br., Kolmar usw. bestand.
Im Sprachschatz erhalten hat sich auch der „Deut", sagen wir doch: „Das ist keinen Deut wert". Zuerst erwähnt wird diese kleinste Münze, deren Name aus dem niederländischen „buit" stammt, im Jahr 1716. Sie galt z preußische Pfennige ober £ Stüber. Der „Stäbe r" selbst galt ehedem am Nieberrhein einsechzigstel Taler. Die Bezeichnung würbe aus bem Niederländischen „stuyver" abgeleitet, bas wohl mit bem mittelniederdeutschen „stuve", bas ist „Rest" zusammenhängt.
Ganz ber Vergessenheit anheimgefallen ist der „Stiefelknech t", so genannt nach ber Form ber Namenschiffre, bie Friebrich ber Große darauf prägen liefe, und ebenso erging es bem „Schin- berlin g", ben zuerst Kaiser Friebrich im Jahr 1475 schlagen liefe, und ben bann später bie Herzöge von Lanbshut prägten, unb ben schlechten „Ephraimite n", die nach ihrem Urheber hie- feen, bem Münzpächter Friedrichs des Großen, bem Vettel Heine Ephraim.
Sie alle finb ben Orkus hinab, unsere Herrscher finb bie Mark (Verzeihung, bie Rentenmark!) und ber Pfennig, dessen Herkunft sich nicht mit Sicherheit bestimmen läßt. Aber, möge er stammen, woher er wolle, ber biebere Pfennig, laßt uns ihn ehren, auf baß wir des Talers wert werben. -hagh-


