Ausgabe 
3.12.1926
 
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(Seite 2

Der Lefskttfreunb

3tr. 4/1916

$t.4/

Soll der Z. Hessische Landtag aufgelöst werden?

Nein

Ja

gung stellt."

Wir

Oie Stimmabgabe für alle Wähler und Wäh­leri, men, die für die Auflösung des Landtags ein­treten, erfolgt so, daß der Abstimmende durch ein Kreuz in dem mit3o/z bezeichneten Kreis - wie oben angegeben - kenntlich macht, daß er mit30* stimmt.

sind dem Reichsfinanzminister für seine offene, rück­haltlose Sprache außerordentlich dankbar. Die ganze traurige und abhängige Lage, in die der hessische Staat durch seine grundfalsche Finanzwirtschaft geraten ist, konnte

nicht treffender illustriert

werden, als durch das erwähnte Schreiben des Reichs­finanzministers.

Wie

am Sonntag abgesiimmt wird!

Oie Anrufung des Volksentscheids ist keingrober Mißbrauch", wie sich der Finanz­minister in seiner großen Verlegenheit auszudrücken beliebt, sondern zunächst ein wichtiges Volks- recht und des weiteren eine

ehrliche, brauchbare Waffe

von der die ausgequetschten hessischen Steuerzahler am 6. Dezember Gebrauch machen werden; mögen sie nun Konsumenten sein oder Produ­zenten, Angestellte, Arbeiter oder Beamte, die beim Staatsbankrott ihres Gehaltes verlustig gehen werden,

sie alle drückt der gleiche Schuh!

ohne Llnterschied der Partei.

Mr einZa" am 5. Dezember macht den Weg zur Rettung frei!

Der Reichsfinanzminister bestätigt unsere Mitteilungen.

Der Reichsfinanzminister hat auf die Bitte des hessischen Finanzministers Henrich diesem einen Brief geschrieben.

Dieser Brief, der nunmehr in Massenauflage mit einem wahren Freudengeheul verbreitet wird, soll uns angeblich Lügen strafen.

Tut er das wirklich?

Die Antwort darauf kann nur lauten: Nein!

Der Brief des Reichsfinanzministers, der jetzt im Wahl­kampf eine Rolle spielt, ist natürlich sehr vorsichtig abgefaßt und sucht den hilfesuchenden Finanzminister zu schonen.

Wer zwischen den Zeilen zu lesen versteht, der

weih genug!

Aber auch außerdem kann der Brief nicht miß­verstanden werden, denn er enthält einen Satz, der das

Kernstück

des ganzen Schreibens ist. Es handelt sich 1. um die berühmte Kontrollkommission und 2. um die sich daraus ergebenden, für den hessischen Finanzminister so bitteren Folgerungen:

Dieser Satz lautet:

Don dem Ergebnis dieser Prü­fung wird es abhängen, ob das Reich dem Lande Hessen die zur Erfüllung seiner staatspolitischen, insbesondere seiner kul­turellen und sozialen Verpflichtungen nötigen Summen, die es aus eigenen Mitteln bei sparsamer Verwaltung nicht aufbringen Kann, besonders zur Versü.

Wir sind im Besitze einer der genannten Presse- zusendungen des Finanzministers. Um den

amtlichen Charakter

zu beweisen, geben wir den diesbezüglichen Teil nachstehend ebenfalls im Original wieder:

Darmdtadt. den 25.November 1926

Sekretariat

des Hessischen Ministeriums

der Pinanzene

amten des Staates, die unmittelbaren und mittelbaren ihrem Arbeitgeber, dem Staat gegenüber, rechtlich

ganz ebenso stellen

wie nach unseren Gesetzen die Privat- beamten gegenüber ihrem Arbeitgeber stehen".

Berufsbeamte

Schützt Euch und Euere Familien vor Kündigung und Raub Euerer Pension.

Stimmt alle geschloffen mit3a"

Der Finanzminister hat sich selbst gerichtet. Sein Vorgehen ist ein unerhörter öffentlicher Skandal! Das hessische Volk wird die Antwort nicht schuldig bleiben.

Wähler!

gebt diesen Männern, die mit Euren Steuergeldern ihre Parteiherrschaft erhalten wollen, die richtige Antwort:

Stimmt alle mitJa

Me Zulonst der Veamien nach sozialdemokaiischer Auffassung

Der Abgeordnete Kaul-Ofsenbach, der Führer der Sozialdemokraten, führte im Hessischen Landtage folgendes wörtlich aus:

Nach unserer Auffassung müßte sich im souveränen Volksstaat unbedingt die Notwendigkeit einer vollständig

umwälzenden Neugestaltung

unseres Beamtenrechts ergeben. Ich persönlich, das will ich durchaus nicht leugnen, habe die Auf­fassung, daß die beste Lösung der Frage des Beamtenrechtes die ist, wenn wir die Be-

Schlußbilanz

Jedermann in Hessen weiß es, daß die derzeitige Landesregierung eine geradezu verhängnisvolle Finanzwirtschast treibt, die den Staat dem Banke­

rott zuführt, und den hessischen Steuerzahler zur Verzweiflung bringt.

Daran ändern auch leider

die Worte des Herrn Finanzmimsiers nichts, der uns glauben machen will, daß in Hessen außerordentlich gesunde Verhältnisse herrschen!

Damit wird er aber beim hessischen Steuerzahler keinen Eindruck Hervorrufen; der Steuer­zahler weiß es nämlich besser: er spürt es jeden Tag aufs Neue an seinem Geldbeutel, wie gesund t die Verhältnisse in Hessen sind!!

F Und bei all' diesen Landessteuern noch das

riesige Millionendefizii!

Heute möchte es der Finanzminister aus Angst vor dem Volksentscheid am 5. Dezember auf einmal wegleugnen.

Mit allem Nachdruck berufen wir uns dem­gegenüber auf denselben Finanzminister, der vor dem Wahlkampf das Millionendefizit selbst zugegeben und damit diesen traurigen Nagel mitten auf den Kopf getroffen hat.

(Sin interessantes Zwiegespräch.

Finanzminister: Liebe Sozialdemokraten, Sie sind die einzigen, die mir in diesem für mich so verteufelt schwierigen Kampfe beigestanden

haben. Aber was werden Sie nach dem 5. Dezember tun?

Vertreter der Sozialdemokraten: Lieber Herr Finanzminister, da können Sie völlig beruhigt sein, wir werden Ihnen nach wie vor ein­stimmig alle neuen Steuern bewilligen, die die Anderen bezahlen müssen.

Finanzminister: Gott sei Dank!

Das hessische Volk aber sagt: Nein, dahin soll es nicht kommen. Deshalb stimmen wir alle am 5. Dezember mit

Ja"

Achtung!

(§s wird uns mitgeteilt, daß die Gegner des Volks­entscheids, um für sich noch zu retten, was zu retten ist, kurz vor der Wahl einen

großen Wahlschwindel

ins Werk setzen wollen. Wir fordern deshalb die schaffen« den Stände Hessens, sowie sämtliche Steuerzahler auf, sich nicht verblüffen zu lassen.

Aieder mit der Steuerschrauben - Politik!

Alles stimmt mit V9 J A*