«ute kommen. Schon jetzt besitzt üer deutsche Bergbau elektrische Kraftwerke von etwa 1 Mil- Hon Kilowatt mit einer Jahreserzeugung von 1500 Millionen BOT.-Einheiten. 60 Prozent der deutschen Kohle wird mechanisch gefördert. Die im Jahre 1914 unter Tage beschäftigten 8000 Ponys sind fast ganz verschwunden. Wenn die englischen Kohlenbergwerke elektrifiziert würden, und zwar in dem gleichen Ausmaße, so würden sie alljährlich etwa 5000 Millionen BOT.-Einheiten verbrauchen. Es wäre natürlich sehr interessant, festzustellen, wie hoch ihr Verbrauch heute ist. Dieser Verbrauch kann sich keineswegs auch nur annähernd um diese Ziffer herum bewegen.
Aus den Zahlen, die in einem aufschlußreichen Berichte eines großen englischen Jndustrieoerbandes verössentlicht wurden, erdellt, daß die deutsche Eisen- und Stahlindustrie elektrische Kraftwerke von etwa 2 Millionen Kilowatt mit einer jährlichen Erzeugung von etwa 3000 Millionen BOT.-Einheiten in ihren Betrieben eingebaut hat. Falls die englischen Stahlwerke in derselben Weise wie die deutschen Werte elektrifiziert würden, so würde ihr Bedarf etwa 2400 Millionen BOT.-Ein- beiten betragen. Mit anderen Worten: wenn die britische Kohlen- und Stahlindustrie in demselben Umfang, wie die deutsche Industrie elektrifiziert würde, so würde ihr Gesamtbetrag weit über der gesamten Erzeugung der elektrischen Kraftstationen öffentlicher Hand im Jahre 1925 liegen.
Deutschland hat heute auch schon erhebliche Teile seiner Haupteiienbahnstrecken elektrifiziert, wobei das Bestreben bestand, das Transportwesen zu vervollkommnen, die Tarife zu verbilligen und die Errichtung von neuen Kraftstationen zu rechtfertigen. Hierdurch wurden den privaten Llektrizitätsgelell- schaften ungeheure Arbeitsmöglichkeiten geschaffen und die Beschäftigungslosigkeit erfolgreich bekämpft.
Die bestehenden Kraftstationen in Berlin, einschließlich der neuen 500 000-'Kilowatt-Station, die jetzt in Rummelsburg im Bau ist, sind mit den großen Kraftwerken im Sächsischen Braun- ko h l e n f e l d verbunden. Diese wiederum sind auf der einen Seite mit den durch Steinkohle befeuerten Werken in Schlesien und an der tschechoslowakischen und polnischen Grenze verbunden und auf der anderen Seite mit den durch Wasserkraft betriebenen bayerischen Stationen in der Nähe von München und den Bayerischen Alpen. Die letzteren sind bei Passau, Innsbruck und Salzburg mit den österreichischen Werken verbunden.
Don München dehnt sich das Netz nach Nürnberg und Frankfurt a. M. aus. Von dort laufen die Leitungen südlich nach Karlsruhe, Stuttgart und den hydro-elektrischen Stationen am Rhein. Hier tauscht man elektrischen Strom mit der Schweiz aus, indem man in eirfer Saison aus der Kraftstation des S. Gotthard Strom nimmt und in einer anderen dem Schweizer Netze Strom zuführt.
Von Frankfurt geht das Ueberlandnetz nach 1 Norden, indem es in der Nähe von Köln mit den Kraftstationen an der Ruhr und in West- falen verbunden ist, die meistens mit Braunkohle befeuert werden. Von der Ruhr lausen die Leitungen nach Bremen, Hamburg und Lübeck und zweigen in der Nähe von Hannover nach Berlin ab. Diese Haupttransmissionslinien bilden einen H o ch s p a n n u n g s r i n g, der Deutschland fest umschließt. Die meisten dieser Leitungen sind entweder sertiggestellt, im Bau begriffen oder für bald geplant. In Bayern und an der Ruhr sind bereits 1500 englische Meilen Hochspannungsleitungen errichtet worden.
Wir sehen daher die Braun- und Steinkohlen- felder dar Ruhr und Westfalens über Berlin mit den Braunkohlenseldern von Sachsen und Schlesien verbunden und diese wiederum mit den hydro-elektrischen Stationen Bayerns, Württembergs, Badens und der Schweiz verknüpft. Eventuell können sie auch bis zu den Kohlenfeldern an der Saar ausgedehnt werden.
Man schätzt, daß in zwei bis drei Jahren zuzüg. lich der 5000 Millionen BOT.-Einheiten, die von der deutschen Kohlen- und Stahlindustrie erzeugt und verbraucht werden, etwa 9 Millionen BOT - 'Einheiten weiterhin produziert und den Netzen zugeführt werden.
Die Kriegerkameradschaft Hasfia teilt uns mit, daß am 28. November in Berlin die 6. Reichsoertreterversammlung ihres Spitzenverbandes der Kriegsbeschädigten und Kriegerhinterbliebenen des Deutschen Reichskriegerbundes „Kyffhäuser" stattfand, an der Vertreter oller Landesgruppen des Reiches sowie eine größere Anzahl von Vertretern der Behörden und des Reichstages teilnahmen. Der 1. Vor-
Zeitlupenaufnahmen aus der Porzellanfabrib.
Don Lev Lania.
Keine phantastischen Maschinen gibt ess hier, nicht da« tückische Gleißen blanker Kolben und Räder, nicht bo» verwirrende Surren der Trans- Mssionsriemen: diese Fabrik ist nicht ein Zwinger kaum gebändigter, immer zum Ausbruch bereiter Angeheuer und etfl recht reine Schreckenskammer unheimlicher Folterinstrumente wie bauchiger Retorten, langhälsiger Phiolen, zischender Brenner, kurz, diese Fabrik — doch ist denn dieses große Hau» mit seinen vielen Hallen, Zimmern, langen Korridoren überhaupt eine Fabrik? Der gewaltige Kamin, auS dem sich der schwarte Rauch wie ein dickflüssiger Sirup wälzt, die verschlungenen Gleise, auf denen ganze Züge von der nächst gelegenen Bahnstation bis vor die Tore gekrochen kommen, in den weiten Höfen rangieren, Tag aus. Tag ein, Kisten und immer noch Kisten ins Land hinaus frachten — ja, hier drauven rings um die Mauer der vielstöckigen Gebäude brandet dos stürmische Leben der Fabrik: drin in den Hatten aber regiert nicht die Maschine, sondern Die Hand, nicht die rumänische Kraft, sondern das scharfe Auge M Modelleurs, der Formen- und Farbensinn geschulter Arbeiter: diese Fabrik ist eine Werkstatt.
Bei dem Versuch, künstlichem Gold zu erzeugen, ist im Mittelalter das Porzellan in Europa entdeckt worden. (Wieder entdeckt worden. nachdem di« Shinesen schon Jahrhunderte vorher dos Porzellan erfunden hatten.) Di« Alchemie ist tot, nur noch Legendenstoss für Schulkinder, die so überlegen den Anverstand und die Raivttät der alten Magier belächeln dürfen. Run, die Herstellung des Porzellan« ist die moderne Alchemie. Aus Quarz und Feldspat, den gewöhnlichsten, verbreitetsten Siel- nen, aus dem Kaolin, einer unscheinbaren Erde,
sitzende des Verbandes, Staatsrat a. D. Dr. Quar ck, begrüßte zunächst die Vertreter der Behörden und gedachte des am 9. Oktober verstorbenen Präsidenten des Deutschen Reichskriegerbundes „Knffhäuser", Generalobersten v. Heeringen, dessen Verdienste um den Verband er mit warmherzigen Worten würdigte. Aus dem Geschäftsbericht, den der geschäftssührende Vorsitzende, Major a. D. Goe- dicke, erstattete, ging hervor, daß die Entwicklung der Organisation im verflossenen Jahre außerordentliche Fortschritte gemacht Hai. Die Anzahl der Mitglieder der Organisation, die ihren festen Rückhalt an den Kriegerverbänden hat, beträgt zur Zeit rund 400 000. Min.-Rat Frhr. o. Gemmingen vom Reichsarbeitsministerium hielt hierauf einen sehr interessanten Vortrag über die Entwicklung und den heutigen Stand der Kriegsbeschädigten und Krieger- Hinterbliebenen-Fürsorge, sowie über da« Schwer- beschädtgtengesetz. Major G o e b i rf e entwickelte anschließend da» Forderungsprogramm des Verbandes bzgl. des Ausbaues der Versorgungsgesetze und des Verfahrensgesetze». Er erörterte besonders diejenigen Punkte, die der Verbesserung dringend bedürfen. Geheimrat Kerschen st einer vom Reichsarbeitsministerium nahm zu den Wünschen des Verbandes Stellung. Die Regierung sei nach besten Kräften bestrebt, die Belange der Kriegs- beschädigten und Kriegerhinterdliebenen zu sördern. In der anschließenden, sehr eingehenden Diskussion, an der sich auch Reichstagsabgeordneter L o i b l beteiligte, wurden weitere Forderungen, Siedlungsfragen und andere soziale Angelegenheiten erörtert. Es wurde nachstehende Entschließung angenommen:
„Nachdem der Reichstag in einer Entschließung vom 1. Juli 1926 anerkannt hat, daß die gegenwärtige Versorgung der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen den berechtigten Bedürfnissen nicht entspricht, und die Reichsregierung um Bereitstellung der notwendigen Mittel für eine Verbesserung der Versorgung ersucht hat, erwarten die zur 6. Reichs- vertreteroersammlung am 28. November 1926 In Berlin zusammengetretenen Vertreter der im Deutschen Reichskriegerbund Kyffhäu.ser üerelrrlgten Kriegsbeschädigten, Kriegerhinterbliebenen und Altrentner zuversichtlich, daß die Reichsregienmg nunmehr die erforderlichen, auf eine ausreichende Bemessung der Renten gerichteten Maßnahmen ergreift."
Oberbeffen.
Landkreis Gießen
X Klein-Linden, 2. Dez. Ein Eisen- bahnbeamter von hier st ü r z t e dieser Tage so schwer von feinem Fahrrad, daß er mit einer Gehirnerschütterung in seine Wohnung überführt werdet! mutzte. Den Anlaß zu dem Sturz gab eine Katze, die dem vorbei- radelnden 2Hanne In daS Rad sprang. Der Verunglückte befindet sich noch in ärztlicher Behandlung.
X Wieseck, 2. Dez. Mit dem Steuerassistenten i. R. Valentin Bohn wurde hier wieder ein Veteran von 1866 und 1870, Inhaber des Eisernen Kreuzes, zu Grabe gebracht. Sr hatte das 82. Lebensjahr überschritten.
: Beuern, 2. Dez. Am Sonntag abend hielt der hiesige Volksbildungsverein im „Holländischen Hof" einen Lichtbilder- Vortrag, bei dem Stud. phil. Rub. Fischer von Laubach über das Thema „AuSoestoröene und aussterbende Tiere und VSgel^ sprach. Der Redner schilderte in fesselnder Weise die Lebensart dieser Tiere und wie sie der Mensch in seinem Iagdeiser und feiner Vertilgungswut zum Teil ausgerottet hat. Schutzmaßnahmen seien von den beteiligten Regierungen zum Teil zu spät erlassen worden, um zu retten und zu erhalten, waS noch übrig blieb. Die Lichtbilder waren sehr schön und deutlich. Die zahlreichen Zuhörer spendeten dem Redner reichen Beifall.
t Grünberg, 2. Dez. Dieser Tage wurde hier von einem Vertreter der Firma Magirus eine Motorspritze vorgefüdrt, deren Leistungen bei den verschiedenartigsten Betriebsproben allgemein befriedigten. Die Spritze ruht auf zwei Rädern; sie kann von zwei Mann bequem transportiert wer- den, ist aber auch als Wogenanhänger eingerichtet. Die Stadtverwaltung beabsichtigt, nach dem Bau eines neuen Spritzenhauses der Anschaffung einer solchen Spritze näherzutreten.
Kreis Büdingen.
h. Ridda, 2. Dez. Die längeren Dsrhand- lungen über die Errichtung eines Zweckver- bandes für die Autoverbindung von Alfa nach Ridda sind nun so weit gediehen, datz die Eröffnung des Autoverkehrs
ersieht das köstlichste Gefäß, die zierlichste Base, ein von Lichtern, Tönen, Farbrsflexen umspielter Teller, hauchzarte Täßchen, Wunderwerke der Plastik und die allen Attentaten des Wetters rrohenden Isolatoren der Telegraphenlettungen. Keiner komplizierten Maschinen bedarf es dazu und keines ausgeklügelten Verfahrens. Während der moderne Fabrikationsprozeh von Dag zu Tag neue Wandlungen durchmacht, in den Konst ruk- tionsbureaus aller Werke Ingenieure und Lhe- mifet Reißbretter mit einem Gewirr von Strichen und unverständlichen Zeichen bedecken, Zahlen zu gewaltigen Kolonnen reihen, dort eine neue Schraube einfügen, ein Rädchen entfernen, den elektrischen Strom droffeln, entwischen lassen, ein- fangen, durch tausende von Drähten jagen, wird hier in der Porzellanfabrik nach einem in mehreren hundert Iahren kaum wesentlich gewandelten Verfahren gearbeitet. Hat man einst den Quarz und Feldspat mit einem Hammer zer- kleinert, in primitiven Mühlen das Demengsel zerrieben, so besorgen das heute Kollergänge, rotierende Trommelmühlen — kein grober Unterschied. Wie auch die neuen Fillerpressen, in denen dem Brei aus Quarz, Feldspat und Kaolin das Wasser entzogen wird, die Knetmaschinen, die die Por^ellanmasse gleichmäßig durchwalken, die Verwandtschaft und Abstammung von ihren mittelalterlichen Vorfahren kaum verleugnen formen.
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Dann beginnt der eigentliche Fabrikattons- vrvzeß: die Formung. Und da ist der Triumph des alten Handwerks vollkommen. Da steht der moderne Arbeiter wie der Töpfer im alten Athen ober Sparta vor der Töpferscheibe; einst ist sie mit dem Fuß angetrieben worden, jetzt besorgt das die Elektrizität, aber vor der rotierenden Scheibe ist der Arbeiter ganz auf sich selbst gestellt. Gewiß, eS gibt besondere Schablonen: Formen au» GipS, Die die innere Höhluna des betreffenden Gegenstandes erhaben widergeben, werden auf die Scheibe gestellt, und während diese votiert, dreht der Arbeiter mtt der eisernen Schablone, aus der aus die Gipsfvrmen gepreßten
in Kurse erfolgen fawi In diesen Tagen fanden Probefahrten der hiesigen und Ulfaer Ge° meinbenertreter mit entsprechenden Wagen' verschiedener Firmen statt. Heute wurde ein Auto durch den hiesigen Stadtvorftand a n g e t a u f t. Es ist ein lösitzigcc Benzwagen. Die Stelle eines Chauffeur» soll baldigst vergeben werden. Man hofft die nötigen Formalitäten so rasch zu er- lebigen, daß der Betrieb «roch vor Weihnachten regelmäßig stattfinden kann.
Usenborn, 2. Dez. 'Nachdem die cixin- Plische Gemeinde bereits vor Iahren In der Kirche eine Erinnerungstafel für die Gefallenen angebracht hatte, wird nunmehr auch ein öffentliches Denkm al für die Gefallenen errichtet. Es kommt an einen der schönsten Plätze unseres Dorfes, unmittelbar vor die evangelische Kirche zu stehen. Der Platz wurde für diesen Zweck schön hergerichtet. Das Denkmal, für besten Entwurf verschiedene Künstler auf gefordert wurden, soll im Frühjahr ein- geweiht werden.
th. Leit>beden, 2. Dez. Zur Behebung der Arbeitslosigkeit und um die Erwerbslosen, deren Zahl in unserer Gemeinde, 12 Mann beträgt, zu beschäftigen, werden Im hiesigen Gemsindewalde zur Zeit größere Kulturarbeiten ausgeführt. Ferner wird in den nächsten Tagen mit der Holzhauerei begonnen.
Kreis Schotten.
Schotten, 2. Dez. Die Stadt hat die Genehmigung erwirkt, daß Kraftsahrzeuge die Hauptstraße von der Molkerei bis zum Kveisamt nur mit einer Stunbengeschwin- digkeit bi# zu 20 Kilometer befahren dürfen. Bekanntlich ist diese Straße cm verschiedenen Stellen so eng, daß sich zwei Fuhrwerke kaum ausweichen können.
# Freienseen, 2. Dez. Begünstigt Dom schönsten Wetter, konnte der diesjährige W inte r m a r 11 (Schweine- und Krämermarkt) in befriedigender Weife abgehalten werben. ES kamen etwa 50 Iungttere zum Auftrieb. Die Kauflust war recht rege, da durchweg bestes Material angeboten wurde, so daß nur geringer Ueberstand verblieb. Für v bis 8 Wochen alt; Ferkel zahlte man 32 biS 40 M... 8 bis 10 Wochen alte erreichten Preise bis zu 45 Mk. Das Marti- bild wurde, wie üblich, durch einige Krämerständr vervollständigt.
-s- Her ch enhain, 2. Dez. Hier ist eine Waiernepidernie ausgebrvchen. Die Krankheit tritt in manchen Fällen sehr bösartig aus. Da fast sämtliche Schulkinder erkrankt sind wurde die Volksschule auf vorläufig 8 Tage geschloffen.
Kreis Lauterbach.
fl. Lauterbach, 2. Dez. Das Schul- l i ch t b i l d w e s e n ist in unserem Kreise hoch entwickelt. Viele Schulen besitzen bereits Licht - bilbapparate, meist neuerer Art. Obwohl auch hier und da schon eine Anzahl Lichtbilder vorhanden sind, wird die Schaffung eines Bildarchivs angestrebt. Zur Filmvorführung stehen bereits -Wei eigene Apparate zur Verfügung, die von eigens dazu ausgebildeten Lehrern bt» dient Werdern Etwa alle sechs Wochen werden in den einzelnen Bezirken unsres Kreises Lehrfilme aus den verschiedenen Wissensgebieten voraeführt. Dieser Tage wurde dec von Kreis- schmrat Lorentz aufgenommene Lauterbach film, soweit er bis jetzt serriggestellt ist, gezeigt. ES ist etn rechter Heimatfilm, frei von jeder aufdringlichen Reklame, auf den Lauterbach und vor allem fein Schöpfer stolz fein können.
Starkenburg.
' Darmstadt, 2. Dez. Der von der Hanauer Polizei wegen Mordversuches steckbrieflich verfolgte Zigeuner und Artist G g. Rose wurde hier verhaftet. Er betätigte sich hier als Betrüger, indem er versuchte, minderwertige Geigen als wertvolle zu verkaufen.
WSA. Offenbach, 2. Dez. Datz jemand silberne Hochzeit feiert, ift eine alltägliche Sache; eine protze Seltenheit ist es jedoch, daß jemand diese Feier zum zweiten Male begehen kann. Dieser Fall hat sich hier ereignet. Der Gerber Peter Fath von hier konnte im Februar 1898 mit seiner Frau die Silberhochzeit feiern; kurze Zeit nachher starb seine. Frau und Fath heiratete bald darauf zum zweiten Male. In voller Gesundheit kann er nun am kommenden Sonntag, 5. Dezember, zum zweiten Male silberne Hochzeit begehen.
Dorzellanmasse den Wulst de» Dellers, die verschiedenen Formen und Zierate der Lasse heraus. Sie ist nur ein geringe» Hilfsmittel, diese Schablone, am Ende entscheidet doch die freie tand: etn um eine winzige Ruance zu starker ruck, ein leiseS Zittern, ein Nachlassen der Aufmerksamkeit für den Bruchteil einer Minute — und die Form ist mißglückt.
Bei der Gießmethode wird die verflüssigte Masse in besondere Gipsformen gegossen. Die Kunstporzellane. Basen und Figuren werden auf diese Weise zuerst in verschiedene einzelne Teile gesondert gegossen unb dann zusammen- gefügt, in halberstarrtem Zustand werden die Telle gewissermaßen aneinandergeklebt. Xer «der Lasse, das älntergestell der Vase, Slften einer Figur fügen sich zur niet- unb fugenlosen Einheit.
Verwirrend und in einer besonderen Act beglückend ist diese Arbeit an der Töpferscheibe, mehr Spiel als Arbeit, die Öaune des Schöpfers treibt sichtbar ihre Blüten au» schmutzig weißen Klumpen sprießen die Gebilde künstlerischer Inspiration. Ünb so schnell, so leicht geht das von- statten, daß man gar niqjt an die mühsame Vorarbeit erinnert wird, die hierzu im Bureau der Modelleure, in den Ateliers der Klettrplastiker geleistet werden mußte.
Ein Stockwerk tiefer: hier ist da» Reich des Feuers. In dem Brennofen wird da» leid>t- zerbrechliche Porzellan, das jetzt noch welch ist, wie frischer Gips, geglüht. Aus 700 bw 800 Grad erhitzt, verliert das Porzellan das reslllche Wasser, bleibt aber noch spröde und porös. Es kann jetzt glasiert werden: der betvefsende Gegenstand wird in eine flüssige Masse getaucht, die im wesentlichen die gleiche Zusammensetzung hat wie die Porzellanmasse selbst, die aber mehr »lub- mittel zu gesetzt erhält. Die Glasur bleibt in Form eine» feinen Staubes auf der Oberfläche haften. Im folgenden Glattbrcmd schmilzt dieser Staub zu einer durchsichtigen Glasschicht zusammen, überzieht das ganze Porzellan mit seinem Glanz.
WSA. G c o h - A m st a d t, 2. Dez. Die drei jungen Burschen die kürzlich im benachbarten Wenigumstadt einen jungen Mann aus Hainhausen bei Offenbach überfallen und gesteinigt haben, konnten jetzt verhaftet werden. Von den Tätern sind die beiden jüngsten wegen grundloser Messerstechereien schon wiederholt, der eine sogar fünfmal, vorbestraft. Einer derselben hat den Ortspoli- Listen im Vorjahre so schwer gestochen, daß er die Sprache verlor und aus dem Dienst ausscheiden muhte. Am Orte des Ueberfall» find acht 'chwcre Steine im Gewicht bis zu 2'/- Pfund aufgelesen worden, mit denen der fremde Mann bombardiert wurde. Der gesteinigte Wann liegt immer noch in Lebensgefahr hn Aschaffenburger Krankenhaus darnieder.
Rheinhessen.
WER.Mainz, 2.Dez. Hebet dteRiel«n- Unterschlagung bei der Badenheimer Darlehnskassc wird weiter bekannt, bub bic beiden Verhafteten, Sparkassendirektor Lp.'chl und Fabrikant Kohl, seit längerer Zeit faule Kreditgeschäfte gemacht habeii. Kohl zahlte mit faulen Wechseln, die mit Protest zurückkamen. Das kürzliche eigentümliche Verschwinden Spechts brachte die Sache in» Rollen. Insgesamt sind 116 000 Mark unterschlagen worden, wofür nur teilweise Deckung vorhanden ist. Wie die Summe gedeckt werden wird, ist noch völlig zweifelhaft. Voraussichtlich durften die Mitglieder der Kasse alle» kleine Leute, schweren Schaden erleiden, ebenso einige ^Burgen des ungetreuen ISparrolftn»
Preußen.
Kreis Wetzlar.
* Krofdorf, 2. Dez. Die Maul, und Klauenseuche ist in unserem Dorfe bis jetzt noch nicht zum Stillstand gekommen, Zur Zeit sind 83 Gehöfte verseucht, unb 50 Stück Hinder unb Jungvieh sind der Seuche schon' zum Opfer gefallen. In dem benachbarten Dorfe Wißmar ist die Seuche bis jetzt in drei Gehöften aufgetreten.
-j- Dutenhofen, 2. Dez. In unserem Otte war in den letzten Iahten die Bautätigkeit sehr rege. Am Südausgang de» Dorfe», an der Wetzlarer Straße, ist eine Reihe stattlicher Heubauten erstanden, die eine ganze Kolonie bilden. Dort hat die Gemeinde Tetlie von ihrem Grundbesitz zu Bauzwecken für Bau- lustige unter günstigen Bedingungen, pro Qua#- brahneter 2 bi» 2,50 Mark, zur Verfügung gestellt. Leider ist der Weg in dem neuerftanSenen Ortsteil das Schmerzenskind der Anwohner, da dieser bei 'schlechter Witterung sehr schlecht passierbar ist. Sobald die Mittel es ertauben, will die Gemeinde hier Wandel schaftetr und den Weg ausbauen.
L Münchholzhausen, 2. Dez. Die Voruntersuchung in der Strafsache gegen den Landwirt Otto Schno rr wegen gefährlicher Körperverletzung des Mechaniker» Karl Hahn, die dessen Tod zur Folge hatte, ist beveit« soweit fortgeschritten, daß Der Fall irr der am 6. Dezember beginnenden Sidmrgsperioda des Schwurgerichts Limburg zur Verhandlung kommen wird. Der Täter befindet fi4> in älnöettuchung-hast.
DillkreiS.
bl. Dillenburg, 2. Dez. Die Kreisver- nj a 11 u n p wird im Einvernehmen mit der Ort»» krankenkaßc für den DIUtrels In den ersten Monaten des kommenden Jahres eine große Hy gieneausfteHung, hauptsächlich auf brm Gc biete der Säuglingspflege, veranstalten.
Kirche und Schule.
Lekanatsro«ferenz ht Gießen.
X Der Dekanatskonserenz der Evangelischen Geistlichen des Dekanats Gießen am Dienstag Im Markussoal In Gießen wohnte als Gast der Superintendent von Overhessen, Oberkirchenrat Wagner, bei. Rach Schrlft- lesung und Geixt des Hauptreferenten begrüßte der Vorsitzende. Dekan (Buhmann, Kirchberg, und machte eine Reihe amtlicher Mitteilungen. Von allgemeinem Interests dürfte sein, daß bei den Schulzeugnissen, bie nun überall mindestens einmal irn Jahr erteilt werden sollen, in der Note für Religion auch die am Religionsunterricht der vetr. Klassen beteiligten GeIstllchen ihr Ur-
Bis auf 1450 Grad muh das Porzellan erhitzt werden, ehe cs da» scharfe Feuer verlassen farm. Da stehen Tassen und Teller zu gewaltigen Säulen geschichtet, jede» Stuck für fich allem t-n besonderen Ehamottekavseln in einem merkwürdigen Bau. Wie ein Krematoriuni mutet dieser Ofen an, der, nachdem er da» Porzellan ausgenommen hat, vollkommen »ugemauert wird. Grelle Weißglut umzüngelt ihn, die Arbeiter mit blauen Schutzbrillen umkreisen ihn tote böse Gnomen, reizen da» Feuer zu immer wilderer Empörung, gucken durch fietm Löcher in der Ofenwand nach dem ,Garwerden" des Porzellan».
Daß in einer Zeit, hie Den Triumph de» ..laufenden DandeS' verkündet unb mit der Zerlegung jeder Arbeit in eine älnzabl primitivster Handgriffe den Sieg der selbständig gewordenen Maschine über die schaffende Hand ibre» Schöpfer» proklamiert, ein FabrikationsproAeh die Methoden des alten Handwerks bewatzren unb vervollkommnen konnte, das macht Den Bejuch einer so wenig aufregenden Porzellanfabril interessant unb zu einem eigenartigen Erlebnis Hier hat der Arbeiter nicht nur noch innere Beziehungen zu Ieinem Beruf, sondern auch da» uralte. heule schon fast völlig verfchwundene menschliche Verhältnis zum Geaenstand seiner Arbeit: das Material ift ihm nicht ein totes Werkzeug, sondern ein besoclter Körper, den zum Leben zu erwecken, .lltein seiner schöpferischen Hand Vorbehalten bleibt. ZweiuMünfzig Haa^güsie sind notwendig, ehe eine einfache Lasse ihre endgültige Form erhält, unb wenn sie noch verziert werden soll, die Malerei passieren muß, um vergoldet ober geätzt zu werden, mag ihr Werdegang mit drei bl» vier Monaten bo» rechnpt werden. Man sieht der kleinen Lasse, der zierlichen Vase ihre Geschichte nicht an. Sie scheint fo leicht gewachsen, fo gar nicht gearbeitet: und da» ist vielleicht das hübscheste am Pnv- zellan.


