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llr. 285 Zweites Blatt

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Ein Wort für China.

Bon einem Oftasiendeutfchen.

Las kultivierte Europa und ollen voran Großbritannien entrüstet sich heute über bie »un­haltbaren Zustände" in China. Die Mächte ha­ben in Peking einen in gemäßigtem Tone ge­haltenen Protest eingereichr. 3n seiner ameri- Ionischen H».mat, die sich im übrigen gegen Ehina und Japan hermetisch abgeschlossen hat, hielt jetzt der Vorsitzende der Kommission für extern- loriafcs Recht in Ehina. Mr. Silas A. Strawn. eine ♦jh edler Empörung übersprudelnde Rede, worin er Chinas Untergang durch eigene Schuld des Landes prophezeite. Ganz besonders regte er sich dabei über die Forderungen der ver- schiedenen Heerführer gegenüber den chinesischen Eisenbahnen sowie gegenüber den Zoll- und Finanzämtern auf, von denen dauernd ganz un­erhörte Leistungen und Zahlungen gefor­dert würden. China habe keine wirk ame Zentral- regietung mehr, und die fremden Mächte könnten leine Genugtuung für die an ihren Untertanen begangenen Ungerechtigkeiten erlangen. Aus all

Dründen könne man Ehina gegenüber keine fest bestimmte Politik mehr betreiben.

3m Hankee-Slang würde das alles kurzweg etwa Heiden:give it up as a bad job' Herr 3ila6 H Strawn hat für China nichts nwhr übrig, er hat es auf gegeben, beim China will von Silas H. Strawn und den exterrirorialen Rechtsansprüchen, eigener Gerichtsbarkeit der abenkRändischen Konsulate usw.nidjö mehr hören. China HL wie vor 70 3a6ren fein Rachbar Japan nun völlig erwacht und zur klaren Er­kenntnis seiner souveränen Rechte als altes Kulturvolk gekommen. 3m 3mieten des Riesen- reiches von über 400 Millionen Einwohnern tobt der Bürgerkrieg und dieser, nicht aber die abendländischen Mächte mit ihren auch heute noch immer arroganten und exorbitanten Forde­rungen, wird über daS zukünftige Schirks al Ehinas entscheiden.

□Denn in Ostasien heute überall ein ausge­sprochener Hast gegen Europa und Amerika be­stehl, so erntet das Abendland die Saat, die es dort brausten unter rücksichtsloser Anwendung von Gewalt ausgesät.

Seit dem Anfang des vorigen 3ahrhunderts datiert dieses Spiel rücksichtsloser Ausbeutung Chinas. 2lls die Chinesen damals energisch und mit vollem Recht gegen die Einfuhr des ihre Rasse verderbenden Opiums aus Britisch-Indien vrotestierten, da wurde ihnen von den Engländern mit brutaler Gewalt im Kriege 1839/41 der Opiumgenust aufgezwungen, und z '.gleich nahmen die Briten ohne alles Recht das chinesisch? An^g- kong in Besitz und bauten es zu einem Krieys- mb Handelsha'en ersten Ranges aus. Dem briti­schen Beispiel folgten die Fra:izosrn in Tongking, die Russen in der Mandschurei und in Port Arthur. Mir Deutschen nahmen Tsingtau. Wir fetzten unS am Leibe des alten Kulturreiches China, angesichts der jungaufstrebenden Groh- macht Japan, fest und stellten peremtorische For­derungen genau wie die anderen Kulturmächte des Abendlandes.

Trotz der glänzenden Leistungen, die Deutsch­land in der Entwicklung Tsingtaus für sich in der Weltgeschichte buchen kann, muh diese Beschlag­nahme chinesischen Bodens durch uns ein- für allemal als ein großer politischer und besonders auch als ein großer strategischer Fehler bezeichnet werden. Denn weit entfernt von unserer heimat­lichen Basis konnten wir gegenüber den rasch auf­strebenden Mächten des fernen Ostens Tsingtau auf die Dauer nicht halten.

Port Arthur fiel, Tsingtau fiel und das bri­tische Hongkong wird ihr Schicksal früher oder später teilen. Das. wurde den E.'.glandertt schon wiederholt in führenden japanischen und chinesi­schen Blättern prophezeit

Europa säte Gewalt, und im 3ahre 1900 hat es beim erstmaligen Erwachen Chinas im Dv?eraufstank) Gegengewalt geerntet

Bor längeren 3ahrcn, es war noch vor dem Weltkriege, wurde Schreiber dieser Zeilen dort brausten In Ostasien von einem hochge­bildeten Japaner gefragt, was wohl in Europa geschehen würde, wenn eine ostasiatische Macht, die militärischen Mittel vorausgesetzt, einfach Southampton oder Wilhelmshaven besetzen würde? Damals mußte man über einen berarti-

k

bas llonzert des 5ängerkran;es.

Händels Oratorien sind aus feinem Opern­schaffen hervorgewachsen, da durch eine Ver­fügung des Londoner Bischofs Dr. Gibfon die Darbietung geistlicher Stoffe auf der Bühne ver­boten wurde, war damit der Weg von der Rapprcsentazione sacra zum Konzertoratorium gegeben. So wurde zur Aufführung von(Silber bekannt gemacht:Es wird keine Aktion auf der Bühne fein, aber man wird die Szene passend ausschmücken."

Durch diese Aenderung wurde das Konzert- mästige des Oratoriums nachhaltend gefördert Sa im Konzen ein Auswendigsingen nicht mehr erforderlich war, fo konnte der Anteil der Chöre viel mehr vergröbert, die Zahl der Sänger bedeutend vermehrt werden. Die Massenwirkun- gen der Chöre wie auch bet gan>e Stil des Konzertoratvriums weisen darauf hin, dah es weniger für eine Ausführung in der Kirche als im Saal ober gar im Theater gedacht ist.

älnd dist immer noch irgendwelche, wenn auch nur gedachte, Beziehung zum Dühnenspiel be­steht, zeigen die szenischen Bemerkungen im Text­buch, so auch imSamson".

Händel hatte alle die Stilelemente feiner Zeit in sich ausgenommen und zu einer Einheit ver­schmolzen, die seinen Werken die Lebenskraft bis in unsere Zeit hinein erhalten hat: Italiens Entwicklung und Hochblüte des Belcanto, die in Deutschland Übliche Thorbehandlung und die Hymnenmusik Englands. Seine Musik hat etwas Lichtes, in ihrer al-fresco-Olrt Großzügiges. Mo­numentales und dennoch unendlich jtiared. Er ist eben der Musiker, der den weiten Blick des Weltmannes in feinem Schaffen nicht verliert. Cin Gegensatz zu 3oh. Seb. Dach, dort subjek­tive Frömmigkeit, hier mehr der ethische Hinter­grund. 11 nb dast Händel durchaus nicht seine deutsche Art verleugnet hat, dafür zeugt manches, insbesondere feine Genrebilder in einzelnen Wer­ken, die nur auf dem Grunde deutscher «Ge­mütsromantik erwachsen sind.

Es gibt für eine Choroereinigung kaum eine dankbarere Aufgabe als die Aufführung Händelschcr

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen)Sreitag, 5. Dezember 1926

gen Vergleich noch lächeln, heute aber kann man klar verstehen, wie tief berechtigt jene Frage war.

Die Politik der dauernden Gewalteingriffe hat den europäischen Hirnen den Gedanken ein- gehämmert, daß wir Abendländer dort drausten im fernen Osten ein in alle Ewigkeit verbrieftes Recht auf ganz besondere Privilegien mit Bezug auf die juristische Stellung unserer Staatsange- hörigen und dann vor allem mit Bezug auf den Handel jener Länder haben. Wir sollen aber nicht vergessen, dah heute nicht nur Japan, sondern überhaupt alle allen Kulturländer Ost- asiens sich klar bewußt sind, dah ihnen auf Grund ihrer alten geschichtlichen und kulturellen Entwicklung ein glevf'b-.v? ctigter Platz unter den Rationen der Welt gebührt.

Und weiterhin sollen wir Abendländer klar erkennen, dast neben Japan nun auch das er­wachte China im Begriff ist, sich eine eigene Industrie nach modernem europäisch-amerikani­schem Muster zu schassen. Dazu sind alle Vorbe­dingungen, Rohstoffe und hochwertiges Menschen- material als Arbeitskräfte vorhanden. Der Chinese selbst ist aber zweifellos der tüchtigste Kaufmann in Ostasien.

In diesem Jahre tagte in der japanischen Stadt Ragasaki ein panasiatifcher Kongreß der ost- und südasiatischen Völker. Politisch war dieser Kongrest wohl ohne graste Bedeutung, aber interessant war die seelische Einstellung dieser Asiaten gegenüber Europa. Sie zeugte von hellausloderndem Hast. Und dieser Hast wird nicht erlöschen, ehe wir nicht den alten Kultur­völkern Asiens volle Anerkennung und Gleich­berechtigung gewähren.

Wir Deutschen haben durch Aufgabe unserer exterritorialen Rechte, unserer eigenen Gerichts­barkeit und durch ausdrü Gliche Anerkennung der Gleichberechtigung Chinas im -vertrage vom Jahre 1922 den richtigen Schritt getan. Die Zahl der Deutschen in China hat heute schon den Vorkriegsstand überschritten, und trotz der dauernden Düraerkriege hat sich unser Handel mit China wieder gut entwickelt. Wir haben unsere Sonderrechte aufgegeben, und das chine­sische Volk zeigt uns dafür seine Dankbarkeit dadurch, dast es unsere Landsleute überall mit größter Zuvorkommenheit und Gerechtigkeit be- iXlndelt. Warum können die übrigen Rationen Europas, warum fann Amerika unserem Bei­spiel nicht folgen.

Politische Kreise und Presseorgane in Europa, die sonst den Gedanken des Völkerbundes und der allgemeinen Völkerversöhnung nicht hoch genug loben können, regen sich jetzt darüber auf, dast China nicht gewillt ist, den kürzlich abge­laufenen Vertrag mit Belgien zu erneuern und somit alle Belgier in China unter chinesische Oberhoheit stellt. China, so beißt es, habe dazu noch keine moralische Berechtigung. 3m Lande tobe der Krieg und eine geordnete Zentral­regierung sei nicht vorhanden.

Auch In Europa hat ein großer Krieg ge­tobt, und in den 3obren daraus brachen wieder­holt in verschiedenen Ländern Revolutionen auS. Wie die Dinge liegen, ist der Zustand Europas heute keineswegs als stabil und gesichert zu bezeichnen. Die ostasiatischen Mächte haben mit militärischen Streitkräften nicht in die Entwicke­lung des europäischen Krieges eingegriffen. Mit Recht verlangen fic, daß auch Europa sich jed­weden Gewalteingriffes im fern n Osten enthält. Derartige Eingriffe müßten nach heutiger Lage der Dinge ja auch ohne Zweifel zu einem neuen Weltbrande führen.

China ist im Zustande einer Reuentwickelung, und die einzelnen Parteien des Landes sind im Bürgerkriege gegeneinander begriffen, um so das Schicksal, tue Zukunft des Landes zu entscheiden. Die fortschrittlich und zweifellos stark so­zialistisch eingestellte Regierung von Kanton hat cs verstanden, in raschem Feldzuge ganz Süd- china bis an den Vangtsekiang und darüber hinaus zu unterwerfen. Auch der Machthaber in den Seeprovinzen um Shanghai, Suntschuan- fang, hat jetzt vor den Angriffen der Kantonesen beträchtlich an Boden verloren. Die Kantonesen stehen hart vor Shanghai. Wupeifu, nödlich des Vangtse an der Dahn nach Peking, kann sich augenscheinlich von der schweren Riederlage, die ihm der kantonesische Oberführer Tschangkaitschek in und um Hankau am OZangtsekiang beibrachte, nicht erholen. Unterstützung von England, die ihm früher so reichlich zusloß, scheint er nicht mehr

Werke. Einmal, weil dem Chor ein wesentlicher Teil zufällt, zum andern aber auch, weil Händels Musik ihre Wirkung auf die Hörer nie verfehlen wird wegen ihrer Durchsichtigkeit, selbst in den kon- trapunktisch kunstvoll durchgeführten Sätzen. Und jede Händelausführung ist eine Kulturtat, indem sie kostbare Schätze der Allgemeinheit zugänglich macht.

Und gerade der Anteil des Chores ist imSam= fon" von besonderer Wichtigkeit. Es würde zu weit führen, auf Einzelheiten einzugehen. Nur ein Bei­spiel, wie fein Händel die Charakterisierung einer dramatisch belebten und erregten Volksmenge ge­lungen ist: Der Gegenchor der Israeliten und Phi­lister:Ehret in seiner Herrlichkeit Jehova". Er hätte die beiden Völker einfach einander gegenüber­stellen und einzeln charakteristisch gestalten können, aber er verknüpft die Massen so, daß er beide Gruppen unter Führung ihrer Häupter gleichzeitig unter dem Eindruck gleicher innerlicher Erregung beten läßt und erreicht so eine starke dramatische Wirkung.

Die Chöre erklangen in der Ausführung frisch und in gerundeter Klangfülle und trafen auch in den dramatischen Höhepunkten den Händelschen Chorstil; die Fugen waren auch dynamisch gut durchgearbeitet, besonders der Schlußchor mit seinen Koloraturen verdient besondere Anerkennung. Nur bei freien Einsätzen müssen die Tenöre noch etwas vorsichtiger in der Tongebung [ein.

Damit ist auch der Arbeit des Dirigenten, Herrn Albert Kasten, ihr wohlverdientes Lob gegeben; auch in der Begleitung der Solisten bewies er sich als sicherer Führer. Das Orchester (Kapelle der Reichswehr) wurde den Anforderungen Händels voll imb ganz gerecht, besonders aber bewährten sich die Bläser in ihren Solostellen, vor allem die Trompete. Den Cembalopart führte Frl. Hella Maternus (Gießen) mit Geschick und Anpassungsvermögen durch.

An die Gesangssolisten stellt Händel ganz besonders hohe Anforderungen, gibt aber da­mit dem Könnenden um so dankbarere Auf­gaben. Die Titelpartie ist mit ihrer Durch- füfjrung ausschlaggebend. Samson, der betro­gene. geblendete, klagende Held muß um so stär­ker durch Verinnerlichung mitten, als ihm we­niger Gelegenheit gegeben ist fein Heldentum

zu erhalten. Großbritannien hat sich ja auch durch sein wiederholtes Eingreifen nur ungeheuer ge­schadet. Riesig sind seine Verluste durch den Kantvnboykott. so daß die ionft so finanz­kräftige Hongkonger Kaufmannschaft auf Par­lamentsbeschluß vom Muttcrlande unterstützt wer­den mußte. Offiziell hat die Kanton-Regierung den Boykott für ausgehoben erklärt, aber in­offiziell wird er mit gleichen Kräften fortgesetzt und hat durch da- Dorrücken der Kantonese.t zum Vangtse und nach Wittelchina sogar an Ausdeh­nung zugenommen.

Tschangtsolin, der Machthaber in der Man­dschurei und im nördlichen China ist nun aus sei­ner offenbar stark durch Japan beeinfluyten neutralen Haltung herausgetreten. Er hat mit dem durch Kantons Streitkräfte zurückgeworfenen Wupeifu sowie mit Suntschuansang, dem Macht­haber der Provinzen um Shanghai, und anderen Führern des Rordens eine Konferenz in Tientsin abgehalten. Dabei wurde Liyüanhong aufs neue zum Präsidenten von China und Tschangtsolin zum Vizepräsidenten ernannt. Diese Wahl soll durch die noch einzuberusende Rationalversamm- lung bestätigt werden. Weiterhin will man von der Rordseite im Falle eines Widerstandes oder einer Ablehnung von feiten Kantons 500 000 Mann gegen den S.-den inS Feld schicken. 150 000 Mann davon sollen sogleich am untern Pangtse dem bedrohten Shanghai zu Hilfe kommen.

Kanton als bolschewistischen Staat zu be­zeichnen ist sicherlich falsch. Aber ohne Zweifel wird Kanton von den Bolschewisten mit Rat und Tat unterstützt. Auch befinden sich eine Anzahl bo .schea: ist sicher Ratgeber und Militärinstrukteure bei den Kantonesen. Letztere haben auch mit Fengyuhsiang und seiner Volksarmee, die mit sowjetrwsischer Hilfe neu ausgerüstet in Stärke von, wie glaubwürdige Quellen berichten, etwa 150 000 Wann in der Mongolei steht, ein Bünd-

NW Md WW

Don Sir Philip Davson, M.

nis abgeschlossen, und die nächste Entwicklung der Dinge in China wird ganz wesentlich von der Haltung dieser mongolischen Armee Fengyu- hsiangS abhängen. Reben anbeten sowjetrusii- schcn Offizieren ist auch der aus dem Kriege gegen Polen bekannte Reilergenetal Budienny als militärischer Ratgeber bei den Streitkräften Fengs in der Mongolei. Gegenwärtig ist Feng in Shensi (Rordwestchina) eingerückt.

Wenn in einem Lande militärische Operatio­nen im Gange find, so können neutrale Mächte nicht verlangen, daß ihre Handels- und Kriegs­fahrzeuge völlig ungehindert auf den Binnen­gewässern hin- und herfahren. Sie müssen auch gewärtig lein, baß derartige Fahrzeuge gege­benen Falles zu militärischen Transporlzwecken benutzt werden, denn das ist ja auch in deo Kriegsführung europäischer Staaten Ufu8. Don solchen Gesichtspunkten aus muß man auch die Meldungen über Beschlagnahme von Schissen auf dem Vangtsekiang lesen. Diese Meldungen stammen fast durchweg aus englischer Quelle und geben stets alle Schuld den Chinesen.

Don allen Parteien China- wird übrigens stillschweigend, ohne daß sie allerdings wirk­liche Machtbefugnis'e besitzt, di§ Zentralregierung in Peking anerkannt. Sie vertritt quasi das ge­samte, im Bürgerkriege befindliche China ge­genüber dem Auslanpe, und in dieser Beziehung werden ihre Schritte offenbar auch von den einzelnen Machthabern und Parteien Chinas gut­geheißen.

Wir Deutschen stehen mit China auf freund­schaftlichstem Fuße Ostasien, und dort ganz besonders China, war vor dem Krieg unser Hauptabsatzmarkt im Exporthandel. So haben wir allen Grund dazu, die Entwickelung der Dinge im fernen Osten mit wohlwollender Reu- tralilät und ohne Doreingenommenheit zu be­obachten. P. F.

UWMiWl.

Inst. C. E. etc. M. P., London.

Dor dem Kriege besaß Groß-B ritan- n i e n in der Eleltrizitätsversorgung seines Ge­bietes durch öffentliche Kraftwerke einen Dor° sprung vor Deutschland. Diesen Dor- sprung hat Deutschland seit Beendigung des Krieges durch eine vorbildliche Clektrizitätswiri- schäft mehr als ausgeglichen. 3nfolge der Austeilung von Oberschlesien, des Drrlustes von Lothringen und des Saar-Kohlenbeckens hat sich bekanntllch Deutschlands jährliche Kohlenproduk­tion um etwa 50 Millionen Sonnen verringert. Deutschland mußte also, um die Leistungsfähig­keit seiner Industrie, von der wiederum die ganze wirtschaftliche Entwicklung des Landes abßängt, aufrecht zu erhalten, eine äußerst sparsame Kräftewirtschaft treiben. Dieses Ziel wäre durch höchstmögliche Anwendung von Elektrizität für Transport- und Industriezwecke und durch die Verwendung von billigeren Brennstoffen für die hochwertige Kohle, die sonst für die Erzeugung von Cleltrizität in Frage kam, erreicht.

Am ll.Rovember erlangte die Englische Elektrizitäts-Dill Gesetzeskraft, ein Vor­gang, der für die gesamte wirtschaftliche Ent­wicklung Englands von größter Wichtigkeit ist, hängt doch von ihr außerordentlich viel für die künftige Wettbewerbsfähigkeit Groß- Britanniens auf dem Weltmärkte ab. Obwohl sich der Verbrauch von Elektrizität in den letzten Jahren wesentlich gehoben hat et betrug z. B. in den Jahren 1922/23 pro Kops der Bevöl­kerung etwa 88 Einheiten, im Jahre 1924 etwa 117 Einheiten steht England in der Verwen­dung von Elektrizität noch sehr tief unter anderen in weitgehendem Maße elektrifizierten Ländern. So beträgt z. D. der Elektrizitätsverbrauch in Rorwegen und Schweden etwa 500 Ein­heiten, in Kanada etwa 900 Einheiten und in gewissen Teilen der Vereinigten Staa- t e n wie z. D. dem industriereichen Chicago und in Kalifornien über 1000 Einheiten pro Kopf der Bevölkerung.

Da Deutschland der schärfste Konkurrent Englands auf dem Weltmarkt ist, so kann man die künftigen Erfordernisse der englischen Elel- trizitätsverforgung aber auch seine Möglich­keiten vielleicht am besten durch einen 03 er-

8U zeigen. als das Mitgefühl zu erregen. Herr August Jordan (Tenor) schuf seine Ototle aus dem szenischen Erleben heraus. Mit seiner Mo­dulation der Stimme ließ er sein Schicksal er­füllen und ergriff die Hörer. Aber in der Auf­wallung erstand sein Organ in heldischer Frische, in Kraft und Glanz. Ganz ungebrochen in seiner Stärke und überzeugend war er im Schimpfduett mit feinem ebenbürtigen Partner Herrn Her­mann Diersch (Baß). Als Harapha voller Gppri und Hohn, als Manoa voll väterlicher Wärme: sein umfangreiches Organ war voller dramatischer Kraft, im Koloraturgesang zeigte er sich als Meister des ausgeprägten, charak­terisierenden Stiles. Agnes Braunfels (Alt) gab bem Micha warme, edle Töne: vielleicht wäre in den Rezitativen mehr dramatische Durchschlagskraft erwünscht gewesen, um so schöner erllang ihre Stimme in den Arien und ausgeglichen in den Koloraturen.

Wally K i r s a m e r (Sopran) war anschei­nend nicht recht disponiert, ihre Höhe erschien eng und nicht strahlend genug; die Koloraturen hätten viel mehr organische Durcharbeitung er­fahren können. Sonst aber führte sie ihren Part besonders die Taubenarie und die Schlußarie^ mit Erfolg durch. In ihrem Sirenengesang fand sie ein glückliches Echo in Frau Dr Wolfs (Gießen).

Für denSängerkranz" bedeutet die Auf­führung mit ihrem wohlverdienten Erfolg den Abschluß einer längeren gründlichen Arbeit; mö­gen neue erfolgreiche Taten sich anschließen!

in

Iubiläumskonzert des Offenbacher Sängervereins.

Zur Feier des 100jährigen Beste- h e n s hielt der Sängerverein Offen­bach a. 021. am 1. Dezember im Frankfurter Saalbau ein Iubiläumskonzert unter Sei- tung von Dr. Stephan Temesvary und unter Mitwirkung des Frankfurter Symphonie-Orche- sterS ab. Rach der Eröffnung des Konzerts durch einen A-cappe!la-®ßor von Brahms trug der So-

gl e i ch der beiden Wettbewerber ermitteln, denn iic Grundgedanken deS englischen Gesetzes sind bereits in weitgehendem Maße in Deutschland in die Tat umgeseht tnorben. Die Wirtschafts­politik, die von Deutschland in feiner tzlektrizi- tätstvirtschaft verfolgt wird, ruht auf vier Grund­sätzen:

1. Zentralisierung der Elektri­zitätserzeugung in Großkraftstationen: unter gleichzeitiger Schließung der kleinen und unwirtschaftlichen Stationen, um ein Höchstmaß von Leistungsfähigkeit zu erzielen.

2. Die Verwendung aller nur möglichen Ersatz- und Hilfs st offe für die teure Steinkohle, wie Draunkvhle, Wasserkraft usw.

3. Die Schaffung eines weitverzweigten Rehes von Lieberlandlinien durch Ver­bindung der Hauptkraftstationen im Lande.

4. Die Trennung von Großerzeu­gung und Leitung vom 03er trieb, wo­bei Erzeugung und Leitung unter R.gierungs- aussicht erfolgen, während die Verteilung ent- weder durch städtische Behörden oder private Gesellschaften vor sich geht.

Um diesen ganzen Plan, der bisher auf rein freiwilliger Basis durchgesührt wurde, schneller und wirkungsvoller zu regeln, plant die deutsche Regierung die Einbringung eines Elektrizi- tätsgesehes ähnlich der British Electricity Bill.

Die OÖemeilüngen eines der bedeutendsten deutschen Industrieführer, nämlich des Geheim­rat Felix Deutsch von der AG.G. geben hier wertvolle Fingerzeige. Dieser hervorragende Fachmann etflärte, daß die Bildung einer staat­lichen Organisation zur Regulierung der Erzeugung und Vermittlung von Hochspannungs- stromen und zur Zusammenfassung der verschie­denen Quellen von Elektrizitätsversorgung im Interesse der allgemeinen Wohlfahrt liege, wobei er nebenbei bemerkte, daß nach seiner Meinung die Elektrifizierung von dünnbevölkerten Distrik­ten keineswegs unökonomisch wäre.

Die Erfahrungen, die Deutschland bisher in der Elektrifizierung seiner Wirtschaft gemacht hat, wer­den natürlich seiner künstigen Wirtschaftspolitik zu­

list des Abends, der Baritonist HermannScheh aus Berlin ein Pfitznersches Lied mit Orchester- begleitung vor.Wanderers Sturmlied" für Chor und Orchester von Richard Strauß beschloß den ersten Teil der Darbietungen. Zwei Urauffüfj* rungen standen im weiteren Verlause im Mittel­punkt des Interesses. DasWessobrunner- Ge­bet" von H. Kaminski und die Morgenhymne von St. Temesvary, dem Leiter des Vereins, wurden mit reichem Deifall ausgenommen, der neben den Solisten Scheh, Ria Ginster und Susi Schoembs-Schneider auch dem Organisten C. Drei den st ein galt. Am eindrucksvollsten gestaltete sich nach demStabat Mater von Verdi für Chor und Orchester und dem 43. Psalm, vertont von O. Klemperer für Bariton und Orchester der Schluß mit demTe Deura von A. Bruckner, zu dessen Gelingen neben Chor, Orchester, Orgel und den schon genannten So­listen der Tenor L. b an Tulder, Haag, in hervorragendem Maße beitrug. Alle Künstler, insbesondere aber der Leiter und Dirigent, Dr. Temesvary, wurden durch reichen Beifall be­lohnt.

9m Angesichte des Todes.

Zu^dem in Nr. 93 derGießener Familien- blätter vom 20. November erschienenen AufsatzIm Angesicht des Todes von Dr. Fritz Adolf Hunjch erhielten mir eine Zuschrift von Herrn Stiftsdechan­ten L e n 3 in Lich, der wir folgendes entnehmen: Es ist festzustellen, daß nach allen biblischen Berichten Jesus nicht mit dem SchreiMein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlaßen?" verschieden ist. Bei Matthaus und Markus, die beide nur dieses eine Wort des Gekreuzigten auheidjncn, folgt dar­auf noch die Tränkung, dann noch einige Spottreden der Kriegsknechte, bann erst ein letzter Schrei und dann der Tod. Die Worte des letzten Rufs sind bei Matthäus und Markus gar nicht angegeben. Sie finden sich bei Lukas 23, 46, wo es heißt: .Jesus rief laut und svrach.Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände. Johannes berichtet als letztes Wortes ist vollbracht", was wohl dem letzten Wort bei Lukas vorausgegangen fein mag.