Nr. 206 Zweites Blatt Eietzener Anzeiger iGenerai-Anzeiger für Obeihe,seii) 8reilug, 5. ^inoer (926
Der Streit um den vöiterbund.
Don unserem (-e).Sonderberichterstatter. (Dachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!)
(Senf, den 1. Sept. 1925.
Wenn die Hoteliers, ZimmervermieterinneN und Barbesiher in Genf über die Bedeutung des Völkerbundes zu entscheiden hätten, und wenn steigende LebcnLhaltungslostcn ein Maßiab für die Bewertung dieser Institution wären, dann könnte man dem Völkerbunde eine geradezu blendende Prognose stellen. 'Bereits jetzt, und lange vor der Ankunft der wichtigsten Delegierten und Der prominenteren Völierbundsbummler he rscht eine Teuerung in der „Stadt des Friedens", wie man sie wohl sonst auf dem Kontinent nicht wieder treffen bür'te. Das drei- uni) vierfache der normalen Zimmerpreise bei den Hotels, fast verdoppelte Speiserechnungen lassen dar- auf schließen, das; man mit einer ganz besonders hohen Desucherziffer für die diesmalige Völker- bundssession rechnet. Trotzdem sieht man jedoch nirgends frohe Gesichter. Die politische Krise, die nun seit bald einem Jahre die Fundamente des Völkerbundes erschüttert, ist zu groß, und manche Gastwirte, die beianntlich durchaus nicht immer den schlechtesten Instinkt zu entwickeln ^pflegen, wenn Geschäft und Politik für, sie selber wichtig werden, zeigen verdrießliche Mienen. Sie befürchten, daß die Herren Politiker ihnen ihr schönes und ohne eigenes Verdienst in den Schoß gefallenes Geschäft verderben werden.
Das ist natürlich nur eine Ansicht aus der Froschperspektive und, den offiziellen Versionen nach, durchaus fein Grund zum Pessimismus. Im Gegenteil, der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund ist, wie alle amtlichen Vertreter erklären, gesicherter denn je. Da sie aber niemals hinzufügen, daß auch die Völkerbundskrisegelöst sei — die Dinge gehen gar nicht so sehr um Deutschland, als um die Interessen der Alliierten — stimmt gerade dieser Optimismus verdächtig. Cs sieht fast so aus. als ob man absichtlich an der Tatsache vorbeiredet, die in Genf jeder weih, und die doch niemand sich auszusprechen getraut, weil sie so ungeheuerlich klingt: die Tatsache nämlich, daß der Völkerbundsgedanke, so wie ihn die Pazifisten und vielleicht auch Wilson sich vorgestellt haben, bereits jetzt im siebenten Jahre seines Bestehens so völlig erledigt ist, daß man den Bankerott nicht einmal mehr zu verbergen trachtet! Ein bitterer Zynismus hat Platz gegriffen, der es allerhöchstens gestattet, von einer politischen Me i nun g s bö r s e in Genf zu sprechen und alles Geschäfts- und Iobbermäßige, das man mit dem Begriff der Börse zu verbinden pflegt, ist darin einbezogen. Gewiß reden noch einige Idealisten und einige Karrierebedürftige sehr lebhaft vom „ewigen Frieden" — aber ernst nimmt sie von den Eingeweihten niemand mehr. Man duldet sie, weil man weiß, daß selbst der Völkerbund im Zeitalter der Reklame einiger Schreier auf dem internationalen Markte bedarf, um toeiterhin als Ware, wenn auch nicht ganz vollwertige, angesehen zu werden.
Diese Entwicklung der Ansichten der Dinge, die, je länger desto mehr auf eine politische Entwertung des Völkerbundes hinauslaufen müssen, leugnet hier in Genf, also an Ort und Stelle, niemand. Selbst Völker bundsfreunde, die fanatisch am Dölkerbundsgedanken hängen, wagen es nicht, die zutage getretene Dekadenz zu bestreiten. Ahn so erstaunlicher mag es darum erscheinen, daß der große Kampf zwischen England und Frankreich um diese In- stttution immer noch mit solcher Energie ausgekochten wird. Denn um England und Frankreich handelt es sich bei all den Intrigen, von denen die Blätter voll toaren, ja ganz allein. Zwar kommt es auch vor, daß die eine oder andere Macht, wie z. B. Brasilien oder jetzt Spanien, — nachdem sie ursprünglich von der einen von diesen beiden Mächten aufgestachelt wurden, plötzlich Politikauf eigene Faust machen, aber das gehört im allgemeinen zu den Seltenheiten. Für gewöhnlich parieren die Kleinen den Großen auch in Genf auf das Wort.
Man wird daher guttun, die übertrieben unschuldige Miene, die ein Teil der französischen Diplomaten anläßlich der letzten Ereignisse als
Ludwig Reeg.
Don Emil D e h r e, Darmstadt.
Ludwig Reeg, der als Schriftsteller auf religiösem Gebiet sich eine stattliche Gemeinde bt Hessen geschaffen hat, ist in diesen Tagen M Jahre alt geworden. Er ist aus dem Pfarrerberuf hervorgegangen und hat in verschiedenen hessischen Orten als geschätzter Prediger gewirkt, bis Krankheit ihn zwang, diesem Beruf zu entsagen. Besonders bekannt geworden ist er durch seine Schriften: „Don der tiefen Wirklichkeit", „Das verborgene Leben". „Der Heimweg", „Die Gemeinde", „Das Gedicht Gottes", die alle im Verlag von C. H. Deck in München erschienen sind. Ludwig Reeg ist ein tiefer Denker, der leine philosophischen Betrachtungen über das Sein und das Ewige in einer rhythmischen Sprache mitteilt, die sich oftmals zu dichterischem Schwung erhebt. Ludwig Reeg ist einer der Stillen im öanbe, der keinen Anschluß an eine literarische Zeitströmung hat, darum sei auf seine lebensechten Schriften nachdrücklich hingewiesen, Llrn einen Einblick in seine ganz nach Innen gekehrte Weltanschauung zu geben, lassen wir hier drei Proben aus seinen Werken folgen; die ersten beiden sind dem „Heimweg" und die dritte der Schrift „Von der tiefen Wirklichkeit" entnommen.
Meine Stube.
Endlich habe ich, was mir gehört meine Stube! Meine Wände, meinen Tisch und Stuhl! Und niemand fragt nach meinem Kommen und Gehen, und niemand wartet unerwartet. Die- mand sieht nach meinem Angesicht, und keines forscht in meinen Augen! Ich bin allein, nicht Stunden, sondern Jahre, nicht allein gelassen aus Rücksicht, aus Zorn, aus Güte; nein, so allein, wie mics zukommt, mir selbst überlassen, mir selbst geschenkt! Ich hin am Abend heimgekommen, ich habe mein Haus geöffnet, mit großen Schritten ist die Katze die Treppe hinunter gestiegen und hat mich schmeichelnd umstrichen, und nun bin ich in meiner Stube. Ich will nichts tun in dieser Abendstunde, nicht arbeiten, nicht die Zeit vertreiben. O, wie lieb ich diese Zeit! Bei all der drängenden Hast meiner Seele will ich zu dieser Stunde ruhen in meinem Sein, weil es mein Sein ist, das ich wiederfand.
das zu werten, was sie ist, — als einen der üblichen Knif,e bei der Arbeit im Völkerbunde, die immer angewandt urd doch nie geglaubt werden. Frankreich kann gar nicht so uninteressiert an den Dingen in Gen sein, wie es das gerne darstellen mochte. Ist doch der Döltcr- bund nach der Ratifikation Locarn-3 das einzige politische Instrument auf dem Kontinent, auf dem Frankreich auch gegen England Politik treiben kann, ohne sich allzusehr blohzustellen Man stelle sich nur einmal vor, was ein von England beherrschter Dölkerbu;D zu den letzten Verträgen Frankreichs mit Rumänien und Dem polnisch-jugoslawüchen Vertrage sagen würde, und wie fatal es wäre, wenn Frankreich in Den Abrüstung^ fragen sich den englischen Wünschen, also Der Abschaffung feiner großen Armee, beugen mühte! Dein. Frankreich kann so etwas nicht zugestehen, solange es noch die Absicht einer selbständigen Politik behalten Hal Man braucht deswegen nicht gleich zu vermuten, daß das unbedingt gegen Deutschland gerichte, wäre, obgleich es natürlich für uns peinlich ist. so zum Schacherobjekt zwischen zwei anderen Mächten gemacht zu werden. Es ist denkbar, und vernünftige Franzosen werden nicht müde, das einem zu versichern, daß ein französisch orientierter Völkerbund bef<er mit Deutschland zusarn- menarbeiten würde, als ein Völkerbund, in Dem sich Angelsachsen und Franzosen um den Vorrang
Polen und Die deutsche Holzwirtschaft.
Dom Hessischen Waldocsitzerver- oand wird uns geschrieben:
Mit Spannung lieht man zur Zeit sowohl in Kreilm d?r deut chen wie der polnische;-. Holz- wirtschaft der Weiterentwicklung der beiderseitigen Wirtschaftsverhältnisse entgegen. Bekanntlich lind Die vor einigen Woch.n wegen Meinungsverschiedenheiten vertagte.! Vcr^ nDlungen zur Beendigung des deutsch-polnischen Zollkrieges nunmehr wieder in vollem Gange. Cs wäre zu wünschen, daß Die polnischen Delegierten sich inzwischen auf eine gemäßigtere Haltung bcsinnen, sowohl in Fragen des Ried erlassungsrechtes als auch w .s die Holzwirtschaft- lichen Belange anbetrifft. Man ist deutscherseits Len Polen bisher schon sehr weit dadurch ent» gegengekommen, daß man bereit war. in dem an« gestrebten Handelsverträge Holzzollsätze in Hohe Der Vorkriegszeit einzuräumen; doch Damit waren die polnischen Delegierten nicht einverstanden, sondern jic verlangten eine darüber hinaus- gehet.d' Ermäßigung unseres Einfuhrzolles auf Schnitt! v!z um rund 60 Prozent. Da diese Forderung hier und da in Deutschen Kreisen in Pin* kenntnis der Sachlage auf eine gewisse Gegenliebe zu stoßen scheint, ist es notwendig, auf die Folgen
Die Zeitungsanzeige belebt das GeWaßit
streiten. Aber die Voraussetzung einer solchen Möglichkeit ist eben, daß Frankreich wirklich mit und nicht gegen uns arbeiten will. Was mit den französischen Liebesbeteuerungen noch lange nicht erwiesen ist.
Man muß also vorläufig, wenn man die großen Linien des Kampfes um Den Völkerbund nicht aus dem Auge verlieren will, wünschen, daß man sich in Deutschland Darüber klar ist, daß es zum mindesten gefährlich ist, wenn ausgerechnet der Franzose F r o m a g e o t sich mit Gauß über die Völkerbundsreform in Berlin unterhielt. Dem Beobachter in Genf will es erscheinen, als ob es richtiger wäre, wenn man sich in Genf nicht so weit von der englischen Linie entfernte sei es auch nur als Gegengewicht gegen die etwas allzu fontinentale Politik Der letzten Monate. So unsympathisch die oft krummen Wege Der englischen Außenpolitik manchmal erscheinen mögen — in Genf wird England niemals eine Politik dulden. Die alle Mächte gegen eine (lies: alle Mächte gegen England oder Deutschland) zusammenfaht. ^InD die Politik des „Dividc et impera“ auf dem Kontinent, Die einige Franzosenfreunde in Deutschland nicht genug verleumden können, ist, das muß einmal offen ausgesprochen werden, für Deutschland in Der nächsten Zeit diel wichtiger und reeller als alle Beteuerungen des guten Willens von feiten der Franzosen. Oder hat man in Deutschland vergessen, daß Poincare als der begabteste unter Den internationalen Intriganten gilt?
Vom Wege fort.
Um mich ist keine Wirklichkeit, so muß sie in mir auf stehen! Was wollte ich? Ich wollte das Leben, das ganze Leben! UnD weil ich es in seiner Tiefe wollte, in seiner Hingabe und Freiheit zugleich, so suchte ich nach seiner letzten Frömmigkeit. Da kam ich auf den Weg Der Religion und wirkte in ihrer Gemeinschaft und in ihrer Form. Daß ich mein Leben gab, bis Leib und Seele ermattete, das war mein echtes Teil, doch war ich auf Dem Wege stets ein FremDer. Ich gehe fort vom Wege, Den ich viele Jahre ging, gehe weglos, Denn ich weiß keine neue Bahn. Ich will gehorchen dem Gesetz meiner Seele, Die nach Wahrheit und Freiheit Dürftet. Dicht nach Der Freiheit Der Gedanken oder Worte, Die ihr niemals jemanD beftriiten hat, sonDern nach Der Freiheit und Wahrheit ihres eigenen, eigenartigen Lebens, Die jeDermann bewußt ober unbewußt beengt hat Durch fremDen Anspruch, fremdes Maß. Ich wollte Das Leben: so will ich ein Mensch Des eigenen Wesens sein! Ist nicht das Leben Der Weg zu sich, Der Heimweg?
Gebote der Liebe.
Habt lieb euren Weg, auch wenn er dunkel und schwer ist, denn er ist Der Weg Des Lebens, und ihn schilt nur, wer ihn nicht verstand. Habt lieb eure freie Einsamkeit. Manchen sah ich nach Ehre gehen, und er wurde ein Knecht, nach Menschengefallen, und er verlor sein Selbst und seine Tiefe. Habt lieb die Iasagenden, Die Selbst- lebenden und Bauenden; und auch Die ehrlichen Selbsthasser, die wunden Seelen, Die Dein sagen unD dennoch Ja sind. Habt lieb eure Seele.
wie Weltrekord geflogen wird.
Heber feinen, Weltrekord bedeutenden, motorlosen Streckenflug von 55,2 Kilometer erzählt Der Kasseler Segelflieger Kegel folgenDes:
„Wohl hatte ich wieDerholt schon Die Absicht, bei günstiger Gelegenheit auf Strecke zu fliegen, unD hatte mich Demzufolge schon eifrig mit Der LanDkarte vertraut gemacht, war im Geiste schon manch unbekanntem Hang entlanggesegelt. Aber Diesmal kam ich Dazu, ohne zu wissen wie. Das ging etwa so zu: Der Wind hatte auf ungefähr
eines Dachgebens in diesem Punkte erneut hinzuweisen.
Der Schnittholzzoll ist der Angelpunkt der Gruppe Der Holzzolle im Zolltarif; seine Veränderung betrifft die Forstwirtschaft, Die Sägeindustrie, den Holzhandel, die Möbel- und Holzwarenindustrie und das Baugewerbe. Aus einer Herabsetzung des Schnittholzzolles kann praktisch nur der Holzhandel Gewinn ziehen, soweit er fein Holz aus dem Ausland bezieht; dies ist jedoch nur ein Bruchteil des deutschen Holzhandels. Alle anderen genannten Wirtschaftsgruppen werden durch Herabsetzung Der jetzt gültigen Zollsätze einen entschiedenen Dachteil erleiden. Das Gros der Deutschen Hvlz- wirtschaft ist mit Der Urproduktion Der deutschen Forstwirtschaft aufs engste verbunden und es liegt im Interesse aller, daß ihre Produkte durch hinreichenden Zoll gegen ausländische Schleuder- konkurrenz geschützt sind.
Es wird vielfach in Der Presse Die Ansicht vertreten, daß wir im eigenen LanDe unfern Holz bedarf nicht Decken konnten und Der zollfreien Einfuhr Deshalb Die Tore öffnen mühten. Demgegenüber muh festgestellt werden, Dah Dem stark verringerten InlanDbeDars ein sehr stark vermehrter InlanDanfall an Holz gegenübersteht. LeDiglich Die Papierindustrie weist einen Holz- beöarf auf, Der Dem Der Vorkriegszeit mit etwa 6,2 Mill. Festmeter (Waldmah) pro Jahr gleichkommt. Der Bedarf aller anderen holzverbrauchenden Wirtschaften steht keineswegs auf
10 Meter-Sekunden aufgefrischt und sollte, wie mir Die „Lagerfrösche" (Die im Lager stationierten Meteorologen) prophezeiten, noch ganz beträchtlich an Stärke zunehmen unD auch ein Gewitter im Gefolge haben. Wenn es bloß bei Hagelschauern blieb, konnte Das nicht viel schaDen; Denn Dagegen haben wir ja im Laufe Des diesjährigen Rhön-Wettbewerbs bereits ein dickes Fell be- kommen. Ich brachte meine Maschine am West- hang zum Start. Also „Startseil einhängen! Ausziehen! Laufen! Frei!" folgten Die KommanDos, unD schon sank Der Erdboden unter mir hinweg, lautlos kurvte Die Maschine Den Hang entlang, stänDig an Hohe gewinnend. Mittlerweile hatte sich Der Himmel aber beträchtlich verDunkelt, unD wie eine schwarze WanD rückte es vom Dord- westen heran. Die „Cöthen" unter Führung von Schulz unD „Witwe Bolte" mit Dem Martensflieger Weber waren mit einem Male verschwunden. Bei einer scharfen Wendung sah ich sie gerade noch im Gelände landen. Grad wollte ich mich auch zur Landung anschicken. Da faßte es mich plötzlich unD zog mich fahrstuhlartig in Die Hohe, Daß ich alle Mühe hatte, mit Dem Steuerknüppel Das Gleichgewicht zu erhallen. Ich sah noch. Daß Die Flugrichtung gen Bischofsheim ging, Da war ich auf einmal mitten in Den Wollen Drin unD wußte nicht mehr, was vorn unD hinten, oben und unten war. Alles, wohin ich blickte, war grau in grau. Donnerwetter, dachte ich im stlllen. wenn du Da mit heiler Haut herauskommst, haste aber Dusel. AllerhanD Gedanken schossen mir Durch Das Hirn, aber Dann bekam ich fast einen Galgenhumor.
Das Unangenehmste an Der ganzen Situation war. Daß ich überhaupt nicht wußte, wie Die Maschine in Der Luft lag, unD wie hoch ich mich über Dem ErDboDen befand, denn einen Höhenschreiber hatte ich nicht mitgenommen. Vor einer unfreiwilligen Landung bei tiefgehenden Wolken in Bäumen oder an felsigen Berghängen hatte ich aber allen Respekt, zumal sich unter mir ein starkes Waldesrauschen vernehmen ließ. Das einzige, was ich bei mir hatte, war meine LIHr, und die schien mir fa’ft zehnmal so langsam zu gehen wie sonst. Wer beim Militär in dunkler Dacht Wache schieben mußte, kennt dieses Gefühl; aber wenn die Rerven bis aufs äußerste ge-
gleicher Hohe mit Der DorlriegZzeit. B kens- wcrt sind beispielsweise die neuen Ermittlungen des Bergbauvereins und Der Druoenhvlzbörss ul er Den Grubcnhvlzbedari der deut'en Zechen Demnach stellt sich der Bedarf an Grubenholz auf: 1913
4,5 Mill. Kubikm. im Ruhrgebiet
2^ „im übrigen D.ut'chlqnd
7.3 „ = 8,5 Mill Festm. (Waldnaab)
1924.25
3,0 Mill. Kubikm. im Ruhrgebiet
1.15 „ „ im übrigen Deutschland
4,15 „ „ — 5 Mill. Festm. (Waldmah).
Das bedeutet einen Rückgang bo3 Grubenholz- bedarfs um rund 8Trotzdem wurden in dem ersten Halbjahr 1926 bisher rund 1 QUill. Fest- meter Grubenholz aus Polen eingeführt, während das deutsche Grubenholz in den ostdeutschen Forsten leinen Absatz findet.
Es ist nichts Dagegen einzuwendea, daß besondere Holzarten, Die wir selbst nicht genügend haben und Dringend gebrauche «, im Wege Der Kontingentierung hereingelaffen werden, a :r es muß Daran festgehalten werden, daß vor allen Dingen das inländische Angebot untergebracht wird und nicht Dem Verderben anheim fällt. Im übrigen ist der momentan anhaltende und sich progressiv steigernde Holzexport Polens innerlich selbst ungesund, weil er in der Verschlechterung der Währung seinen ausschlaggebenden Grund hat. Er kann weder für Polen selbst noch für Die europäische Holzwirtschaft zu etwas gutem führen, da er Die Entwicklung der Schnittwarenpreise des internationalen Marktes aus einen gesunden für den Produzenten und die Gesamtwirtschaft nutzbringenden StanD aufhält. Je mehr sich im östlichen Ausland die Wirtschaftsverhält- niffe bessern werden, um so mehr werden dis Holzerportländer dazu übergehen, Fertigfabrikate ins Ausland zu liefern, den Rundholzerport jedoch einzuschränken. Haben wir Dann keine genüg en Den Holzzölle, Die den unmittelbar betroffenen Wirtschaftsgruppen: der Forstwirtschaft und der Holzindustrie, einen Schuh ihrer Inland- produkte gewähren, so wird Die schwerste Gefahr heraufbeschworen.
Des ferneren wirb oft Darauf hingewiesen. Daß eine Durch Auslandbezug eintretende Verbilligung des Rohstoffes im Interesse Der Exportsteigerung liege. So richtig Diese Forderung ist, so Darf doch nicht außer Acht gelassen werden, dah Die Deutschen Rundholzpreise bereits einen Tiefstand erreicht haben, der längst nicht mehr Den entsprechenden Preisen anDercr Warengruppen angepaht ist. WerDen diese Preise Durch Valuta-Dumping unD Herabsetzung Der Hoizzölle künstlich noch weiter gesenkt, so würde das zum Dachtell der gesamten Wirtschaft ausschlagen, weil er die Wirtschaft beunruhigen und das Eintreten der so nötigen Stetigkeit verzögert würde.
Der Holzmarkt leidet im Inlande zur Zeit schwer, der Rundholzmartt besonders durch die übermäßige Einfuhr polnischen Runlcholzes und durch Den Druck Der überaus niedrigen. Preise der Schnittwaren. Der Schnittwarenmartt ist fast völlig zerstört infolge des mangelnden Absatzes auf dem Baumarkt und an Die holzverarbeitende Industrie, sowie durch das Lieberangebot billigen Dalutamaterials aus Lohnschnitt polnischen Rundholzes in Deutschland.
Unter Berücksichtigung all Dieser Momente kann es ein Verhandeln über Holzzölle in all ihren Abarten, sowohl beim Schnittholz- wie Rundholzzoll, nicht mehr geben. Die jetzt gültigen Tarifsätze sind zur Erhaltung Des Cxistenzmini- mums für Die Deutsche Forstwirtschaft und Holzindustrie unbedingt erforderlich, im Interesse einer produktiven Wirtschaftsführung jedoch mühte eine mäßige Erhöhung zugebilligt werden.
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spannt sind, Dauerte noch viel länger. Das große Rätselraten, wo ich mich wohl befinden würde, war meine Hauptunterhaltung. ^Endlich — nach schier endlos langer Zeit, und DSch waren es nur 20 Minuten — schimmerte es Heller durch Die Wolken, unD mit einem Mal sah ich tief unter mir Das typische Bild einer Landschaft mit Feldern unD Wäldern und einen größeren Ort, was ich mit wahrem Freudengeheul konstatierte. Im toieDererlangten Gleichgewichtsgefühl ging ich mit einem eleganten Sturzflug unter Die Wolken.
So hoch hatte ich mich im Segelflug noch nie befunden, unD gleich erwachte mit großer Begeisterung Der Gedanke in mir, diese Situation zu einem großen Coup auszunühen. Durch leichtes Kurven mit und gegen Wind stellte ich zunächst seine Richtung fest und sah mir daraufhin das Gelände etwas näher an, wo ich Aufwind zu erwarten hätte. Da ich die Rhönberge im Rücken hcttte und meine anfängliche Richtung über Bischofsheim ging, mußte ich wohl (so vermutete ich dank meiner erworbenen Kenntnisse in der Heimatgeographie) „rings um Die Wasserkuppe" Deustadt überflogen haben unD Richtung Königshofen—Heldburg nehmen. Ich segelte also quietschvergnügt Die Derghänge entlang. Mit wachsenDer Genugtuung konstatierte ich. Daß ich Den Streden- reforD von 24,6 Kilometer längst gebrochen haben mußte. Im Geiste sah ich schon Das strahlende Gesicht Des Rhönvaters LI r s i n u s, als mir auf einmal mit Schrecken einfiel, was man wohl jetzt von mir denken würde. Sicherlich glaubte man mich mit Kleinholz irgendwo in Den Bergen liegen. Also setzte ich hinter Königshofen zum Gleitslug an unD ent Deckte bei einem Dorf — Gompertshausen — Die Stelle, wo ich meinen abenteuerlichem Flug beenDcn konnte.
Als ich Dann per Telephon Dem Fliegerlager meinen LanDungsort und die näheren Llrnstände rnttteille, hörte ich Deutlich Den Stoßseufzer Der Erleichterung unseres lieben Geschäftsführers, Graf P s e n b u r g, Denn Das ganze Lager toarc durch mein spurloses Verschwinden alarmiert, man hatte sogar Das Darmstädter Motorflugzeug zur Suche ausgeschickt. Glücklicherweise waren ihre Befürchtungen unbegründet gewesen, und ich konnte sie sogar mit einem Streckenrekord ent* schädigen."


