Ausgabe 
3.7.1926
 
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Nr. HZ Drittes Blatt

Die Stratzenreinigung in Gießen.

Unter ben kommunalen Schmerzenskindern anferer Stadt steht an bemerkenswerter Stelle die städtische Strahenreinigung. Lieber dieses Kapitel ist schon viel gesprochen und gar nanches geschrieben worden, bis jetzt hat sich -der an dem unerfreulichen Anblick, den untere .Straften vielfach bieten, nichts geändert. Wir denken dabei nicht nur an die Beseitigung von Vapierfehen, Obstresten, Teilen von Mull, die i|n den Hunden aus Mülleimern, -kästen und »rtons oft genug auf den Bürgersteig gekratzt ;rden und nun dort eine zeitlang in voller dchönheit" glänzen, sondern wir haben hier auch 2 Bekämpfung der Staubplage im Auge. ti Anlauf zur Beseitigung der Liebelstände jrße Ende vorigen Jahres mit dem Stadt- rordnetenbeschluh unternommen, unsere gesamte lastenre'migung auf Motorbetrieb um» i ft eilen. 3m diesjährigen Haushaltsplan >rde von den Stadtverordneten im M a i die aste Rate für diese Llmstellung bewilligt; leider licht einstimmig, wie wir und viele Mitbürger liiAesichts der Lage der Dinge es erwartet hatten. 3on einem sichtbaren Ergebnis dieses Anlaufes oben wir bis jetzt aber nichts bemerkt, und liter must man anscheinend die Möglichkeit an» ehmen, dast wir in diesem Sommer und ielleicht auch im Herbst noch nicht darauf pchnen fönnetv, die Neuerung vor uns zu sehen. Dir möchten den Langsamschritt in der Abwicke- img dieser Angelegenheit auf das Konto der kngtoierigen kommunalparlamentarischen Behänd» hng der Sache schreiben; was hier monate- kng versäumt wurde, kann die Verwaltung in tenigen Wochen nicht wieder einholen. Diel- Kidbt erleben wir aber im nächsten Winter oder friihjahr die Freude, die Motor-Strasten- 5ehr Maschinen in unseren Straßen arbeiten sehen.

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Ein wichtiger Teil der Strahenreinrgung, fic DekärnPfung der Staubplage, hat »rstern die öffentliche Aufmerksamkeit erneut in p>em Maste auf sich gelenkt. Den Anlaß dazu Sifr die von der Firma Auto-Schneider vor onirnunalpolttikern und vor den breitesten Bür- gwfchichten veranstaltete Vorführung eines Lai m ler»S t r a h enfp ren g wa g en s. Wir haben gestern bereits in einer kurzen Rott; der Tagesereignisse betont, dast dieser Wagen starke lleberrafchungen bereitete und allgemeines Lob smb. Cs ist nicht zuviel gesagt, wenn man be­hauptet, ein einziger dieser Äutomobil-Strasten- frrengtoagen ersetzt zahlreiche Pferdefuhrwerke mit den leider nur recht selten zu bemerkenden Ticßwagen von heute, und er arbeitet weit Endlicher als diese. Anstelle der bisherigen, räumlich zeitlich und infolgedessen auch 6c» triebswirtschastlich recht ungenügenden Tätigkeit dcr Giehwagen bietet der Automobil-Spreng» tragen eine Arbeitsleistung, die den weitgehend- fkn Ansprüchen gerecht werden kann. Dieser Äutvtvasserwagen hat zunächst das sehr an- sehnliche Fas s ungsverm ö gen von 5 Kubik­

meter. Der Wasserkessel farm mittels der motorischen Kraft in wenigen Minuten gefüllt werden; die Vorführung der Füllung an der Lahn zeigte gestern, dast der Kessel in der Seit von 3 Minuten fein volles Quantum er­halten hatte. Die Auswurfbreite der Spreng­vorrichtung erstreckt sich beiderseits auf etwa 25 Meter insgesamt, also eine Breite, die sehr beachtenswert ist; selbstverständlich kann die Cfrengtoette auch auf beliebig kleinere Entfer» Hungert eingestellt werden, und dazu bedarf es mur eines kleinen Handgriffs, dem der Mechanis­mus gestern spielend gehorchte. Dast die Schnellig­keit dieses Detriebsautos weit größer ist als die -Frrtbewegungsmöglichkeit eines Pferdefuhr- iwrf£,_ sei hier als Selbstverständlichkeit nur der Bvllständigkeit halber registriert. Wir glauben nicht zuvrel zu sagen, wenn wir der Meinung Ausdruck geben, dast mit einem oder zwei solcher Autosprengwagen alle Straßen der Stadt in der Morgenfrühe in etwa zwei bis drei Stunden belvrengt fein können. Lind wenn diesem Sp ren g- ccaaen die ebenfalls automobile Kehr­maschine auf der Stelle folgen würde, so 'könnten unsere Straßen sorgfältig gereinigt fein, Mh ehe wie bisher der Publikumsverkehr richtig einseht. 3m Verlaufe heißer Tage könnte idr7 Autosprengwagen, dank seiner Schnelligkeit, itrcy voller oder starker Wasserbelastung, noch 'Mige Male den größten Teil der Stadt be- tlfrcngen und dadurch sehr bedeutsam zur De- Ü-Lnpfung der Staubplage bei tragen. Man würde »ilfo mit diesem Gefährt erhebliche betriebswirt» l'cchülliche Vorteile gegenüber dem bisherigen Be- t2i>v erreichen; die Tatsache, dast neben dem OEMfeur noch ein Mann zur Bedienung der !Hpnchhebel mitfahren muh, vermag u. C. die stark üwbelferte Wirtschaftlichkeit des Autos gegenüber Den jetzigen Betrieb nicht so erheblich zu beein- ftlulsen, daß Bedenken am Platze wären. Reben 8« betriebswirtschaftlichen Verbesserung wäre der nicht minder bedeutsame Gewinn für die Ge­sundheitspflege in den Straßen zu verzeichnen, öet in der Möglichkeit einer wirksameren Staub- SÄimpsung als bisher liegt Zu diesen beiden Wuspunkten kämen nach der gestern gvzeigten Mschme noch weitere. Der Autowasserwagen kl»m irämllch auch als Feuerspritze verwendet üd-rden. Gestern vormittag an derLahn vorgesührte Spätzproben aus zwei Schlauchleitungen ergaben « gute Brauchbarkeit des Gefährts auch für

Zweck. Wahrend mit motorischer Kraft Wasser in den Kessel gesaugt wurde und diesen durchschnittlich zur Hälfte gefüllt hielt, Ltwde gleichzeitig aus zwei Schläuchen qe- und dabei eine Hohe des Wasserstrahls «iÄett, die der Leistung unserer Motorspritze r-'chÄ nachsteht. Die Anschaffung eines solchen Wagens würde allo auch eine Verstärkung un- saanr städtischen Feuerschuheinrichtungen bedeu» ha. Endlich bietet der Autosprengwagen noch die WgllchLeit, durch verhältnismäßig einfache Um- peCung, die hier vorgenommen werden kann, in tnmn Schneepflug oder Straßenreini- >!<: verwandelt zu werden, also in Maschinen, n* u.n£ im Winter recht willkommen sind. 3n uMzr inetfeitigen Benuhungsart ist der hier c-rsyriebene Autosprengwagen bereits in zahl- 4«ü6en Städten, großen und mittleren, im Ge- und allgemein wird er günstig beurteilt.

Das Interesse unserer Mitbürger dürfte sich nun der Preisfrage zuwenden. Hierzu ist ßiu lagen, dast ein Wagen der oben beschrie- bsmm Art rund 27 OOO Mark kostet. Wer sich die bSLshiedenartigsten Rutzungsmoglichkeiten vor Magen hält und dabei an die begrüßenswerten,

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Gießener Anzeiger (Seneral-Anzeiger für Oberhessen) Samstag, 3. Juli 1926

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oben nur kurz angrdeuteien Erfolge denkt, wird diesen Preis verstehen. Zur Finanzierung des Kaufs von einem oder zwei solcher Wasser- Wagen wäre vielleicht der Gedanke mit zu er- wägen, ob nicht bei den ortseingeführten Feuerversicherungs-Gesellschaften eine finanzielle Mitwirkung erreicht werden könnte. An erhöhtem Feuerschutz, den ein solcher Wagen im Verein mit unseren übrigen Feuer­wehreinrichtungen darstellt, sind doch zweifel­los alle Feuerversicherungen stark interessiert, und wenn sie durch ein gewisses Mittragen an der Finanzlast bei der Beschaffung eines solchen 3nstrum.ents gemeindlicher Arbeit vorbeugend wirken, so ist das u. C. doch besser, als wenn sie hinterher nach großen Bränden unter ilmftän» den ganz gewaltige Schadenersahsummen be­zahlen müssen. Allzu schwierig dürfte mithin die Lösung der Finanzfrage nicht gerade fein.

Wir haben bei dieser Betrachtung dem gestern vorgeführten Daimler-Strahensprengwa- gen als Musterbeispiel einen breiteren Raum gewidmet. LInleugbar bietet dieser Wagen starke Anziehungspunkte; er ist wert, die vollste Auf­merksamkeit der maßgebenden Personen zu fin­den. Damit wollen wir uns aber keineswegs auf dieses eine Produtt festlegen, und ebensowenig benfen totr daran, bei unseren Lesern allein für diesen Wagen Stimmung machen zu wollen. Maßgebend ist für uns nur der Gesichtspunkt, und der dringende Wunsch, nun möglichst bald zu einer Llmstellung unseres Strahenreinigungs- betriebs auf motorische Grundlage zu kommen, und bei dieser Motorisierung ein so bedeutsames Werk, die den gezeigten Daimlerwagen, seiner viel­seitigen Verwendungsmöglichkeit halber so ernst­lich in Betracht zu ziehen, wie es angezeigt er­scheint. Taucht allerdings zur rechten Zeit ein noch besseren und finanziell gleichfalls erschwing­bares Fabrikat dieser Branche auf, bann wird ohne Schwanken und Zögern diesem der Vorrang zu geben sein. 3eht möchten wir gerne bald Taten sehen!

Automobil - Fernstraßen.

Von Dr. H e y m a n n , Berlin.

3n den letzten Monaten sind in Fachkreisen Pläne aufgetaucht, die dahin gehen, ganz Deutsch­land mit einem sog. Fern st raßen- oder Durchgangs st raßen-Netz zu überziehen und zu dessen Herstellung hauptsächlich die Kraft- fahrzeugsteuer zu verwenden. Vorläufig zeichnet man auf dem Papier erst die Verbindungs­linien zwischen den Städten, die in dieses Netz einbezogen werden sollen, und bekümmert sich noch wenig oder gar nicht um die Art der Ausführung der Straßen. Don der Herstellung neuer Auto- mobil st raßen, wie sie in anderen Ländern, insbesondere in Italien und Amerika, bestehen, will man bis aus wenige Ausnahmen allerdings absehen. Vielmehr sollen in der Hauptsache vorhandene Strahenzüge in schwerer Bauweise befestigt und einige Umgehungsstraßen geschaffen werden. Nach Feststellung dieser Straßen erster Ordnung soll dann ein Netz von Straßen zweiter und schließlich ein Netz von Straßen dritter Ordnung ausgestellt und danach die Ver­teilung der Kraftfahrzeugsteuer eingerichtet werden.

Bei der außerordentlichen Bedeutung dieser Ver­kehrs- und Steuerverwendungsfragen für die ge­samte Volkswirtschaft empfiehlt es sich, schon in den Anfängen dieser Projekte das Für und Wider un­befangen zu untersuchen, damit man sich nicht am Ende fertigen Tatsachen gegenübersieht, die einen Rückweg nicht mehr gestatten.

Zunächst ergibt sich die naheliegende Frage, wie |id) denn die Langen jener Fernstraßen zu dem übrigen Landstraßennetz verhalten. Nach den ursprünglichen Vorschlägen war an rund 30 000 Kilometer Durchgangsstraßen gedacht, neuerdings aber nur an die Hälfte, also 15 000 Kilometer. Diese sollen bei einem Preise von 80-, 120» und 200 000 Mark je Kilometer rund etwas mehr als 14 Milliar­den Mark kosten. Natürlich könnte die Durchführung nur mit Anleihen wenn es solche gibt ge­schehen; die Verzinsung und Tilgung würde in den ersten sechs Jahren mindestens 4 Milliarde Mark erfordern. Das Erträgnis der Kraft- f a h rz e u g ft e u e r wird für dieselbe Zeit auf rund eine ganze Milliarde geschätzt, wobei man mit einer Zunahme der Kraftfahrzeuge um jährlich 20 Prozent rechnet. Den verbleibenden Teil von der Kraftfahrzeugsteuer hält man in jenen Fachkreisen für ausreichend, um genügende Zuschüsse zur Unter­haltung und zum Umbau aller übrigen, vom Fern­straßenplan nicht betroffenen Landstraßen zu ge­währen. Dies ijt jedoch ein Irrtum; denn dabei wird nicht beachtet, daß es weit mehr als zehnmal soviel Land st raßen gibt, als der Fahrstraßenplan umfaßt, nämlich 170 000 Kilometer, von denen 120 000 Kilometer gewöhnliche Schotterstraßen sind. Diese können in der bisherigen Bauart, d. h. in der Bindung mit Santo und Wasser, unmöglich weiter erhalten bleiben, sondern bedürfen wesentlich höherer Erhal­tungskosten. Diese sind bedingt einmal durch Auf­wendung vermehrter Ausbesserungsarbeiten, beste- ren Wegebaumaterials, vor allen Dingen aber durch Verwendung eines besseren Bindemittels als des Wassers, d. h. es ist eine Oberflächenbehandlung mit leer, Asphalt ober anderen Stoffen umum - gänzlich notwendig. Insbesondere kann die entsetzliche Staubplage auf den Landstraßen und in den Ortschaften nur auf diese Weise und Verhältnis- mäßig billig bekämpft werden. Don der Anwendung mittelschwerer, moderner Bauarten, d. h. z. B. der Jnnenteerung, die durchschnittlich etwa 50000 Mark je Kilometer kostet, ist gar nicht zu reden. Noch weniger kommt für diese in Rede stehenden weiten Strecken Klein-, Großpflaster, Beton und andere harte Decken in Betracht, da sie noch viel teurer sind. Es wird daher wohl einleuchten, daß bei diesen modernen Anforderungen an die Erhaltung der Sttaßendecken mit dem halben (Erträgnis der Kraftfahrzeug st euer nicht durch- jufommen ist, selbst wenn die Wegeunterhal­tungspflichtigen aus ihrem Einkommensteueranteil, aus der Gewerbesteuer usw. noch das Doppelte hin­zutun wollten und könnten, was aber sehr zu be­zweifeln ist. Der bisher übliche und anerkannte Prozentsatz der Zuschüsse aus allgemeinen Steuern findet bei der Not der Wirtschaft, die ja auch diese Steuern aufbringen muß, seine Grenze.

Die Automobil- und Motorradbesitzer werden sich daher bei näherer Ueberlegung bedanken, wenn mit der Kraftfahrzeugsteuer nur jene paar tausend Kilometer Fernstraßen gebaut werden sollen, wäh­rend das gesamte übrige Wegenetz in kürzester Zeit weiter dem Verfalle entgegenginge. Das Intereste jedes einzelnen geht doch dahin, daß er in der

Reichweite feines Fahrzeugs und auf den Wegen, die es täglich oder öfter zu befahren pflegt,, möglichst gute Straßen oorsindet, die seine Betriebskosten^ verringern und ihm ein angenehmes und sicheres Fahren gestatten. Der Fahrbereich der Hauptmasse der Kraftsahrzeuge liegt aber fast aus­schließlich in und dicht um den Heimatsort herum. Mit anderen Worten: Es wird in der Regel nur das Hauptwegenetz der näheren Um­gebung benutzt. Hiermit stimmt überein, daß die bisherigen Verkehrszählungen in graphischer Dar­stellungsweise die Anhäufung des Verkehrs in Knoten und nicht in breiten, durch das ganze Reich ziehenden Bändern zeigen. Es wäre also Verschwen­dung, wenn man die mühsam aufgebrachte Kraft­fahrzeugsteuer zu Lurusstraßen verwenden wollte, obwohl ein gut ausgebautes Eisenbahnnetz bei uns vorhanden ist. Wirtschaftlich können die Mit­tel nur verwandt werden zum Ausbau der zer­streuten, hauotbelasteten einzelnen Wegenetze. Diese Aufgabe kann aber nur von den dezentralisierten Landstraßen-Unterhaltungs- pflichtigen geschehen und nicht von großen Zentral- verwaltungen, die zu teuer wirtschaften würden, weil sie von der einzelnen Straßenstrecke zu weit entfernt und an ihr doch zu wenig interessiert sind. Freilich werden wegen der Knappheit der Geld­mittel die Wegeunterhaltungspflichtigen dabei unter­einander viel weitgehender Fühlung nehmen müssen, als es vor dem Kriege der Fall war. Hierzu bedarf es jedoch gar feiner Gesetzesänderungen oder gar einer grundsätzlichen Aenderung in der Verteilung der Unterhaltslast auf die unzähligen Kommunal­verbände Deutschlands. Sie würde in der gegenwär­tigen Krisis des Landstraßenwesens gar nicht recht­zeitig durchgeführt werden können, nur Verwirrung stiften und die Lösung jener großen Ausgabe aus­halten ober gar verhindern.

Glockeneinholung in Butzbach.

Pb Butzbach, 2. 3uli. Gestern morgen lief die Kunde von der Ankunft der neuen großen Glocke durch die Stadt. Froh und freudig wurde diese Rachricht begrüßt, und schnell seitens der Stadtverwaltung und des Kirchen­vorstandes alle Vorbereitungen für die würdige Einholung getroffen. Die Glocke, die ein Ge­wicht von 2414 Kilogramm hat, wurde zunächst in der Fabrik von Samesreuther ausgeladen und dort für den Einzug mit Girlanden und Blumen geschmückt. Sie hat eine der alten ähn­liche Form und trägt auch die lateinische In­schrift der für die Verteidigung des Vaterlandes geopferten Glocke, die folgendermaßen lautete: Sit aura pia dum rogat ist maira est sua vox bambam potens repelrc satan. Conitruum rumpo, mortuum defleo, sacrilegum voco. Zu deutsch: Sei frommes Echo Wehen, während jene bittet Maria ist ihre Stimme bambam, mächtig den Satan zu vertreiben. Donner breche ich, Tote beweine ich, Gottlose rufe ich. Hierunter steht: Diese Inschrift trug ich, als ich 1917 zur Ver­teidigung des Vaterlandes eingegossen wurde. Weiter enthält die Glocke noch folgende In­schriften:

Meine Vorgängerin gab ihr Leben her, Sie wurde zerschlagen zu Deutschlands Wehr Ich möchte künden nach Zank und Streit Den heilen Frieden in Ewigkeit.

Weiter: 1926 konnte ich durch die Opfer­willigkeit der Einwohnerschaft Butzbachs auf An­regung des Bürgermeisters Dr. Jansen zur Ehre Gottes und zum Gedächtnis ter gefallenen Helden wieder ertönen.

Gegosfyi von Gebrüder LI l r i ch A.-G., Glockengießerei, Apolda.

Die feierliche Einholung fand heute abend 7 LlHr vom Fabrikhof der Firma Sames­reuther aus statt. An der Einholung nahmen fast sämtliche Vereine der Stadt mit ihren Fah­nen und Wimpeln teil. Rachdem durch den Schülerchor der Stadtschule der Choral:Danket dem Herrn" gesungen worden war, setzte sich der Wagen mtt der festlich geschmückten Glocke unter den Klängen der Feuerwehrkapelle und unter Dorantritt der Schüler der Weidig-Oberrealschule und der Stadtschule in Bewegung. Ihm folgten zunächst der Stadtvorstand mit Bürgermeister Dr. J a n s e n an der Spitze, der Kirchenvorstand, mit dem ersten Geistlichen, Pfarrer Schneider, der Vorstand des Kugelhaussonds, dem sich dann die einzelnen Vereine in endlos langem Zuge anschlossen. Der Zug bewegte sich durch die dichtbesehte Kaiser-, Bahnhofs- und Rieder- weiUerstraße, über den Marktplatz, die Griedeler­strahe bis zum Kirchenplatz, wo der Wagen vor dem Portal der Kirche hielt. Rach einem Musik­stück der Feuerwehrkapelle hielt Bürgermeister Dr. Jansen eine Ansprache, worin er betonte, daß es trotz der schweren Zeit Dank der Opferwilligkeit und dem Gemeinsinn der Bürgerschaft gelungen sei, dies Werk zu voll­enden und der Stadt wieder die Beschaffung einer neuen großen Glocke zu ermöglichen. Er sprach allen, die bei dem Werk mitgeholfen. Dank aus. Hierauf ergriff der erste Geistliche, Pfarrer Schneider das Wort und dankte Gott dafür, daß es gelungen sei, dies Werk, den Guß und die Herstellung der Glocke ohne LInfall zu vollenden. Möge auch das weitere Werk, die Verbringung der Glocke in den Glockentuvm, ohne LInfall vonstatten gehen. Beinahe fünf Jahrhunderte habe die alte Glocke ihre eherne Stimme über Butzbachs Gefilde ertönen lassen, möge es der neuen ebenso vergönnt sein, durch die ferneren Jahrhunderte zum Frieden und Segen der Stadt und Gemeinde, und zum Ge­dächtnis der im Welttrieg gefallenen Helden zu erklingen. Llmrahmt wurde die eindrucksvolle Feier durch weihevolle Lieder des Kirchenge­sangvereins und des Chores der Weidig-Ober­realschule. Das niederländische Dankgebet, ge- spiekt von der Kapelle der Freiwilligen Feuer­wehr, beschloß den für Stadt und Gemeinde denkwürdigen geschichtlichen Vorgang.

Kirche und Schule.

Don der Baseler Festwoche.

h. Basel, 1. Juli. Die Basler Fest­woche. in der verschiedene Jahresfeiern christ­licher Vereinigungen stattfinden, in deren Mit­telpunkt aber die Mission steht, erfreut sich immer stärkeren Besuches, sind doch in diesem Jahve etwa 1000 Festgäste aus Suddeutschland, auch aus Hessen, anwesend.

Am Sonntag begann die Festwoche mit einer würdigen Gedächtisfeier für den auch in Hessen wohlbekannten und schmerzlich ver­mißten, schnell verstorbenen Pfarrer Würz und Pfarrer K i n z l e r, Lehrer am Missionshaus.

Die seit einigen Jahren gebildeteHeimat- gemeindevertretung" (H. G. V.) gab ihre Zu­stimmung zu der Vereinigung der Basler und der kanarischen Mission (das ist die Mission der fra.rzösischen Ostschw.'iz. die wäh­rend des Krieges nach Ausschluß von Basel das indische Mistionsfeld übernommen hatte).

Heute sanden in der Generalkonfe­renz die üblichen Begrüßungen der Delegierten der Heimatgemeinde statt. Besonderes Inter­esse erregte die in gutem Deutsch gehaltene An­sprache des schwarzen Pfarrers Clerk von Adamsoo (Geldküste. Afrika), der im Ramcn der dortigen Kirchensynode Gruß und Dank an die Basler Mission in einer Dankadresse übermittelte und zu diesem Fest besonders delegiert war.

Zu der Sinsegnungsfeier im Mün - st e r waren die weiten Hallen fast zu klein, um die Tausende der Festbesucher zu fassen. Es wurden 11 Brüder eingesegnet. Paul L i e r a d (Kamerun), W. Hermann (Indien), P. L e u (Kamerun), G. Bär (Borneo), Dr. H. Lutz (China), A. Martin (Goldküste), Fr. Stendle (Kamerun), C. Autenrieth (China), C. Keller (Kamerun), A. Ernst (Indien), W. Hamm (Goldküste). Außerdem waren in einem besonderen Gottedienste der Frauenmission 7 Missionsschwestcrn einge­segnet worden.

Direktor Dipper nahm Absck)ied als Direktor, weil er ein Pfarramt in Stuttgart übernommen hat. Er wurde von der hiesigen theologischen Fakultät zum theologischen Ehrendoktor feierlich ernannt.

Von allgemeinem Interesse ist iwch zu be­merken, daß Missionsdozent Dr. Oehler (Tü­bingen) zum Missionsinspekwr und Dezernenten für China, außerdem zum Herausgeber des seit­her von Dr. Würz geleiteten bekanntenMis­sionsmagazins" .ernannt worden ist.

Wirtschaft.

Börse und Geldmarkt.

_ Wenn man die Kursbewegung an der Börse beobachtet, erhält man den Eindruck, als ob Deutschland bereits wieder mitten in einer Aufschwungsperiode sich befände, während man doch höchstens von Anzeichen einer sehr langsam fortschreitenden Besserung sprechen kann. Allerdings lehrt die Erfahrung aus früheren Jahrzehnten, daß die Börse dem Wirtschafts­leben stets voranging, und so darf man vielleicht auch in der jetzigen Bewegung den Anfang eines wirklichen Aufschwunges sehen. Ob nicht aller­dings doch im Verhältnis der zu erwartenden Rendite heute schon manche Papiere über­wertet werden, scheint nicht ganz von der Hand zu weisen zu sein. Das llngefunbe an der jetzi­gen Bewegung liegt doch wohl in der Kon­zentration des Interesses auf die Termin- märkte. Zwar find in der letzten Zeit auch die variablen Märkte etwas gefolgt, am Kassamarkt war bisher jedoch die Belebung nur sehr sporadisch, und es bedarf keines Zwei­fels, daß, am Ertrage gemessen, viele gute Kassa- Papiere ebenso sehr vernachlässigt sind, wie Terminpapiere allzusehr in den Vordergrund gerückt. Wenn man z. B. die Bewegung der letzten Tage in einzelnen oberschlesischen Werten betrachtet, an Werten, die auf Jahre hinaus zur Dividendenlosigkeit verurteilt sind, so erscheint ein tüchtig Teil Skepsis doch anti Platze. Man führt diese Bewegung allerdings zurück auf Verhandlungen, die mit den Ver­einigten Stahlwerken zwecks Angliede­rung geführt werden sollen. Diese Gerüchte haben aber von autoritativer Seite aus noch keinerlei Bestätigung gefunden, sie sind im Gegenteil be­reits verschiedentlich dementiert worden, und ein plausibler Grund für die Vereinigten Stahl­werke, sich mit den oberschlesischen Montanwerken zu belasten, ist einstweilen noch nicht ersichtlich. Bestenfalls wird es sich nur darum handeln, das eine oder andere Werk der Eisenerzeugung, das zu dem oberschlesischen Konzern gehört, aus diesem herauszunehmen und den Vereinigten Stahlwerken anzugliedern. Dom technischen Ge­sichtspunkte aus gesehen, birgt die derzeitige Bewegung sicherlich leicht große Gefahren eines Rückschlages. Bekanntlich hat sich in der letzten Zeit die Depositen- und Provinzkundschaft er­heblich an der Börsenspekulation beteiligt und dadurch ist das Material vielfach in schwächere Hände gelangt, die einen Rückfchlag nicht durch­zuhalten vermögen. Es fehlt auch zur Zeit völlig an der Kvntremine, da naturgemäß die Baisse­spekulation zur Zeit ausgefchaltet ist. Deckungs­käufe, die an den Terminmärtten geeignet sind Rückschläge zu mildern, würden also kaum in Be­tracht kommen. Bekannt ist auch, daß von ge­wisser Grohbankseite die derzeitige Bewegung stark unterstützt worden ist, um der in der nächsten Woche aufzulegenden Anleihe des Montan- t rüst es, wie auch der beabsichtigten Einfüh­rung eines Postens Aktien der Bereinig­ten Stahlwerke die Wege zu ebnen. Wenn diese beiden Ziele erreicht sind, könnte von dieser Seite aus sehr leicht der Markt sich selbst über* lassen werden. Wenn also einmal Wom ente

Sonntnnöbtenft Ä. Aerztc u.Avotb-ken am 4.7.26 Dr. Ploch. Hirschavolheke.

Zahnarzt: Dr. Milcher.D

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