Tine Autolinie zwischen Metzen und Grünberg?
Schon monatelang sind Verhandlungen im Gange über die Errichtung einer Autobuslinie, die von Gießen nach Grünberg führen soll. Rachstehende Orte sollen dabei berührt werden: Annerod, Steinbach, Alba ch, Burkhardsfelden, Hattenrod und Harbach. Es hat sich eine Finna aus Bremen bereit erklärt, den Ausbau der Linie 34 übernehmen, ohnejegliche finanzielle Linker stütz ungen der betreffende n Gemeinden. Der Unternehmer will Wagen uixi) die notwendige Wagenhalle auf eigene Kosten stellen und den Wagen selber fahren. Die Fahrpreise sollen in niedrigen Grenzen gehalten werden, so daß ' auf eine Benutzung, namentlich auch aus Arbeiterkreisen, gerechnet werden könnte. Auch die Stadt Gießen stellte der Errichtung dieser Linie keine größere Schwierigkeiten in den Weg, ausgenommen einige kleinere Bedingungen, deren Erfüllung leicht war. Die Stadt wünschte nämlich als Endstation der Linie den Trieb. Sollte aber die Linie bis zum Gießener Bahnhof durchgeführt werden, so sollte der Fahrpreis innerhalb der Stadt nicht weniger betragen als der geringste Lieberlandpreis. Damit war der Autobus als Konkurrenz der Gießener Straßenbahn ausgeschaltet. Da . die Rcichspost die geplante Linie nicht fahren wollte, so war auch hier auf Genehmigung zu rechnen. Allerdings hielt sich die Reichspost das Recht aus, die gegebene Konzession sofort zu entziehen bei einer etwaigen Llebernahme der "Linie in eigene Verwaltung. Run hat aber das hessische Ministerium, an dem als letzter Instanz die Hauptentscheidung hängt, der Errichtung der Autolinie nicht z u g e st i m m t. Als Begründung wird ins Feld geführt, daß der Strahenunterbau nicht start genug sei, bzw. leide er zu sehr not durch die Benutzung der Straßen mit diesen schweren Wagen. Auch müßte ein solches Llnternehmen, wenn irgend möglich, einer hessischen Firma übertragen werden. Insbesondere aber würde die Deutsche Reichsbahngesellschaft der Errichtung der Linie nicht zustimmen. Die Reichsbahngesellschast befürchtet nämlich die Abwanderung eines Teiles der Eisenbahnfahrgäste in den Autobus und damit die Verminderung ihrer Einnahmen. Man darf aber trotz der ablehnenden Haltung des hessischen Ministeriums das Liniernehmen, noch nicht als endgültig gescheitert ansehen. Wenn nämlich der Antrag auf Errichtung dieser wichtigen Linie erneut gestellt wird, so ist die Reichsbahngesellschaft bereit, in nächster Zeit Erhebungen über den Personenverkehr in dieser Richtung anzustellen.
Wie steht es nun in Wirklichkeit mit einer eventuellen Abwanderung der Fahrgäste in den Autobus. Für den zuerst zu berührenden Ort Annerod mit 638 Einwohnern kommt eine Eisenbahnlinie überhaupt nicht in Frage, denn alle von hier nach Gießen reisenden Personen müssen den Weg bis jetzt immer zu Fuß zurücklegen. Das zweite in Betracht kommende Dorf Steinbach mit 1122 Einwohnern schickt ebenfalls viele Personen zu Fuß direkt nach Gießen, so daß also für diese beiden Orte ein Ausfall von Einnahmen aus Fahrkarten überl-aupt nicht oder nur ganz minimal (Steinbach) in Frage kommt. Aehnlich liegen die Verhältnisse in bezug auf A l b a ch. Lind den anderen in Betracht kommenden Dörfern, deren Einwohner alle einen Fußweg von 1/2 Stunde und mehr an die nächste Bahnstation haben, ist eine Verbesserung ihrer Verkehrsverhältnisse dringend zu wünschen.
Hoffen wir. daß die Verhandlungen über die Errichtung dieser Linie erneut wieder ausgenommen werden, damit die von jeglichem Verkehr abgeschlossenen Ortschaften doch noch den Segen eines besseren Verkehrmittels genießen dürfen.
Wirtschaft.
Don den Schlachtviehmärkten.
An den deutschen Schlachtviehmärkten der vorigen Woche hat sich die Marktlage für Rinder beträchtlich verschlechtert, während sie bei Kälbern etwa dem Verlaufe der Vorwoche entsprach. Bei Schafen und Schweinen war die Situation gegenüber der Vorwoche weniger gün
stig. Die Auftriebsziffern erfuhren für Kälber eine wesentliche Zunahme, während bei den übrigen Gattungen eine ebenfalls größere Abnahme zu verzeichnen ist. Die Preise konnten für Kälber überwiegend etwas anziehen, für Rinder waren sie knapp behauptet, für Schafe und Schweine zumeist stärker nachgebend.
Auf den nachstehenden Märkten wurden für 1 Pfund Lebendgewicht in Pfennig notiert:
Rinder
Kalber
Schafe
Schwein
Berlin
18-51
45-84
28-52
70-81
Bremen
28-55
30-90
25-50
65-78
Breslau
20-51
55-92
•35-52
62-77
Chemnitz
24-50
40-86
25-50
67-82
Dortmund
18-58
45-115
30-55
70-80
Dresden
22-51
33-87
30-57
60-80
Düsseldorf
22-60
40-85
45-55
65-82
Elberfeld
20-54
45-80
25-50
65-80
Essen
25-56
42-100
20-55
65-80
FrankfurtM.
17-57
52-86
36-50
65-82
Hamburg
14-54
45-85
—
65-77
Hannover
20-55
30-85
30—55
65-78
Husum
—
—
—
——
Karlsruhe
22-58
70-80
—
72-84
Kastel
23-57
50-75
—
72-84
Kiel
19-51
20-117
24-72
49-76
Köln
18-56
40-110
40-52
64-82
Leipzig
20-51
50-85
40-54
73-82
Magdeburg
18-52
30-80
20-45
71-84
Mannheim
14-56
56-90
30-55
66-81
München
15-54
63-84
—
58-80
Stettin
10-50
30-78
15-43
65-80
Stuttgart
12-52
55-80
—
57-79
Zwickau
15-50
40-85
25-60
72-85
* Heinrich Lanz A.-G., Mannheim — R. Wolf A.-G., Magdeburg-Buckau. Die beiden Gesellschaften, die seit 1924 durch eine Interessengemeinschaft verbunden sind, haben eine Aufteilung ihrer Fabrikationsprogramme vorge- nomnien. Die Heinrich Lanz A.-G. übernimmt den gesamten Dreschmaschinen- und Traktorenbau, die R. Wolf A.-G. dagegen den gesamten Lokomobilen- lind stationären Motorenbau. Die bisherige Erzeugung gleichartiger Maschinen an getrennten Pro- duktionsstätten ist dadurch vermieden und damit ein weitgehender Fortschritt in der Rationalisierung beider Werke getan.
* D i e Weinheimer „Baden! a" gesichert. Wie verlautet, ist das Fortbestehen der unter Geschäftsaufsicht stehenden Maschinenfabrik „Badcnia" A.-G. in Weinheim gesichert. Die maßgebenden Gläubiger sollen sich mit einem Arrangement auf der Grundlage von 30 bis 40 Proz. einverstanden erklärt haben. Die Gläubiqerversamm- lung wird Mitte d. M. stattfinden. Zur Zeit arbeiten in der Fabrik noch etwa 180 Arbeiter und Angestellte; man hofft, daß nach dem Arrangement wieder 3H0 bis 400 Personen Beschäftigung finden können.
Frankfurter Börse.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".)
Frankfurt a. M., 6. April. Tendenz: Stetig. Die Effektenbörse eröffnete nach der viertägigen Unterbrechung in ruhiger, aber fester Tendenz. Die in den letzten 14 Tagen andauernd vorherrschende Haussestimmung fand keine wesentliche Förderung, da anregende Momente fehlten und andererseits unkontrollierbare Gerüchte umgingen von der beabsichtigten Aufnahme einer deutschen Anleihe. Da auch der Geldmarkt eine leichte Berstei- sung anzunehmen droht, so war die Kauflust wesentlich geringer als an den Vortagen, und die Stimmung zeigte sich dadurch etwas beeinträchtigt. Trotz der Verstimmung, die aber nur vorübergehend in Erscheinung trat, wurden an den Aktienmärkten neue Kurs st eigerungen, vereinzelt von beträchtlichem Ausmaß, erzielt. Stärkere Nachfrage bestand besonders für Motoren- und Maschinenaktien. Gerüchte über Fusionsbestrebungen, die von einem Zusammenschluß zwischen Daimler und Benz wissen wollten, förderten die stürmische Kaufbewegung in diesen Werten. Kleyer zogen um 6,75 Proz., Daimler um 4,75, Hansa-Lloyd um 5,75 Prozent an. Im F r e i o e r - kehr waren Benz um 4 Prozent gesteigert. Von Maschinenaktien wurden Karlsruher um 5 Prozent und Eßlinger um 7 Prozent höher. Daneben setzten sich die Steigerungen für Zellstoff-, Bau und Maschinenaktien fort. Am M o n t a n m a r k t traten Besserungen von Belang nicht ein. Gut befestigt waren Rheinische
Braunkohlen, Rheinstahl und Deutsch-Lux, ferner oberschlesische Werte. Farbwerte waren günstig veranlagt und erzielten eine Besserung von 3,5 Prozent. Elektroaktien lagen ruhig und kaum verändert. Bankaktien fest. Deutsche Renten waren gut gefragt. Ausländische Renten lagen befestigt, ebenso verkehrten Pfandbriefe in fester Haltung. Der Freiverkehr zeigte eben- ft lls feste Tendenz. Becker Stahl 40, Becker Kohle 60, Benz 62, Brown Boveri 70, Entreprise 11, Gro- wag 60, Hansabank 85, Krügershall 106, Petroleum 70, Rastatter Waggon 21, Ufa 54, 5, Usra 78 Proz. Der weitere Verlauf stand im Zeichen größerer Unsicherheit. Einsetzende Realisationen übten e-nen stärkeren Kursdruck aus, so daß Einbußen von 1 bis 1,5 Prozent für führende Werte eintraten. Am Geldmarkt war eine leichte Anspannung zu bemerken. Tagesgeld 5,5 bis 7 Prozent, Monats- 6,75 bis 7 Prozent, Bankdiskonten 5 Prozent, Jn- duftrieakzepte 5,75 bis 6 Prozent. Im Devisen- verkehr waren nennenswerte Veränderungen nicht zu verzeichnen. Paris notierte gegen London 139.
Dörsenkurle.
Berliner Börse.
Frankfurt a.Pi.
Berlin
Schlug, flurs
1-Ut)t. fiurs
Schluh. Kur»
Anfang Sure
Datum: |
1. 4. |
6.4.
l.j
6. 4
5% Deutsche Rcichßanleihe .
0,4387
0.460
0,4325
0,4575
4% Deutsche Rcichsanleihe . B‘/2% Deutsche ReichSanlcthe 3% Deutsche Reichsanleihe . Deutsche Sparprämicnanleihe
—
—
0,4175
0,570
0,390
—
0,4175
0,550
0,490
0,269
_
0,5 0,2625
0,530
4% Preußische Konsols . . .
4°/o Hellen...........
0,395
—
0,415
0,470
3'/,''/°. Hellen . . ........
3% Hellen...........
Deutsche Wertb. Dollar-Anl.
0,390
—
—
—
0,390
_
0.37
- -
93,25
—
96,5
_
dto- Doll.-Schav-Anwetsng.')
99,6
—
99,35
—
4% Zolltürken.........
11,975
12,4
11,9
_
5°/o Goldmertkaner.....
40,75
40,5
—
Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Prtvat-Bank
153
116-
154,7‘
116-
153,2* 115-
116-
Darmst. und Nationalbank .
140,5*
141-
140,2-
140,5-
Deutsche Bank.........
137,1-
137,7-
137-
138,2*
Deutsche Bereinsbank ....
—
—
Tisconto Commandit ...
133
134,1*
133,5-
134,5-
Metallbank...........
102
103
—
Mitteldeutsche Kreditbank.
102-
102,2-
102,2-
_
Lesterretchische Creditanstalt.
7,12
7,25
7,12
7,4
Weltbank............
0,04
0.041
Bochumer Guß...... .
99
_
98,5'
100,5-
Buderus ........ . .
67
67,5
67
70
Caro .............
50’
—
50-
53,5'
Deutsch-Luxemburg......
Gelsenkirchener Bergwerke . .
100.5
105,4'
105,2’ 105'
104,5- 106-
105,9- 106'
Harpencr Bergbau ......
113-
114,7-
113,1-
114.7
Kaliwerke Aschersleben....
135
—
136’
137,4"
Kaliwerk Westcregelu.....
139,5
——
143,2*
143,2
Laurahiitte...........
Oberbedarf...........
41,75
44
41
42.9
51
52-
53-
52,75’
Phönix Bergbau ......
Rheinstahl...........
86,5-
92,75-
86,75-
93,75-
87,25’
92,9-
87,25' 94’
Niebeck Montan........
101,5
-
102
101,7’
Tellus Bergbau. .......
71,5
-
Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd .....
161,5- 158'
162-
156,2-
161,5’ 158-
161- 157»
Cheramische Werke Albin . .
49,25
_
—
—
Zementwerk Heidelberg . .
105,75
105
Philipp Holzmann......
86
88
86
Anglo-Cont-Guano.....
96,5
_
97
97,75
Chemische Mayer Alapin . .
_
9- G. Farbcnindustrie, A.-G-
145,7*
149,2-
146.7-
149,7*
Goldschmidt..........
89
89,9
90
Holzverkohlung ...... .
Rütgcrswerke........
Echetdcanstalt.........
80
88
123,5
1 ZI
88
Illi
ANg. Elektrizitäts-Gesellschaft
107,2*
107,7-
107,5‘
109’
Bergmann...........
Mamkrastwerke........
98’
—»
100«
106-
93
_
—
Schuckert ..........
94
94,5-
93,75*
95,65-
Siemens & Halsk ......
121,5
—
120-
Adlcrwerke Kleyer ......
58
64,75
59,75
63,5
Daimler Motoren.......
63
67,5
63,5
Hcyliaenstacdt.........
Mcguur.............
33
48
—
—
Motorenwerke Mannheim .
—
—
—
—
Frankfurter Armaturen . . .
Konservenfabrik Braun . . .
51
—
-
—
115,5 91
115
91
_
Schuhiabrik Her; . . ....
46
—-
43
—
vichel..............
Zellstoff Woldhof.......
4,5
—
—
—
128
130
126
Zuckerfabrik Frankenthal . .
Zuckerfabrik Waghäusel . . .
56,5
67,25
67,5-
57,5
—
(Eigener Drahtberichl des ..Gießener Anzeigers".)
Berlin, 6. April. Wie zu erwnrten war, setzte sich nach der viertägigen Pause die Oster- Hausse auch in der neuen Woche fort. Das Geschäft war nirgends stürmisch, doch waren die Ansangskurse infolge größerer Käufe aus der Provinz fast durchweg weiter befestigt. Die Berichte der preußischen Handelskammern, die eine allgemeine Besserung der Wirtschaftslage feststellten, wirkten stimulierend,
weil sie die optimistische Dörsenstimmung für gerechtfertigt erklärten. Die auch weiterhin wenig günstigen Ausführungen über den Eisen- und Kohlenmarkt fielen demgegenüber nicht ins Gewicht. Am Montanmarkt waren besonders Rombacher Hütte stärker bevorzugt und um weitere 2 Prozent höher. In Schiffahrtswerten kam anfangs durch Realisationen etwas mehr Material heraus, das aber im Verlaufe gute Aufnahme fand so daß die schwächeren Anfangskurse sich wieder erholen konnten. Auch am Montanmarkt lagen die ersten Kurse infolge von Abgaben 0,5 bis 1 Prozent niedriger. Am Anleihemarkt hatten Kriegsanleihen lebhaftes Geschäft aufzuweisen. 5proz. Reichsanleihe 0,458. Am Geldmarkt läßt die durch den ■Ultimo hervorgerufene kleine Anspannung wieder nach. Tagesgeld 4,5 bis 6 Prozent. Im Devisenverkehr notierte Paris gegen London 139,75. Brüssel gegen London 130,40.
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt <l M.
Telegraphische Auszahlung.
1 April.
6. April.
Amtliche
Kotierung
Bries
Amtliche Notierung
Geld । Brici
Geld
Amst.°Ron Buen.-Aires
168,23
1.660
169,65
1,664
UiL.43
1,66*-
168,85
1,666
Brll-Antw
15,16
15,20
15,47
15,51
Christiania.
89.27
89,79
90,19
90,41
Kopenhagen
109,98
110,26
109,92
110,20
Stockholm -
112,48
112,76
112,48
112176
SMngfors.
10,557
10,597
10,556
10,566
Italien. .
16,88
16,92
16,87
16,91
London -
20,399
20,451
20,324
20,446
Neuhork . .
4,195
4,205
4,195
4,205
Paris. . .
14,56
14,96
14,525
14,635
Schweiz .
80,80
81,00
80,84
81,04
Spanten.
49,15
49,29
59,26
59,40
Japan . . . Rio de Jan.
—
—
1,931
0,593
0,595
0,593
0,595
Wien tn D--
Oest. abgest
59,25
59,39
59,25
59,39
Prag .... Belgrad . .
12,418
7,384
12,458
12,418
12,458
7,407
5,891
3,03
7,389
7,409
Budapest. . Bulgarien -
5,871
3,02
5,87
3,05
5,89
3,06
Lissabon
21,241
21,295
21,325
21,375
Danzig. . .
80,89
81,39
80,92
81,13
Konstantin.
2,125
2,135
2,108
2,118
Athen. .
5.50
5,52
5,50
5,52
(Sanaba. . .
4,186
4,196
4,187
4,197
Uruguay
4,255
4.265
4.225
4,285
Frankfurter Schlachtviehmarkt.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".)
Frankfurt a. M., 6. April. Auftrieb: 3387 Schweine. Schweine: Vollfleischige von 80 bis 100 Kilogramm 76 bis 80, unter 80 Kilogramm 70 bis 75, 100 bis 120 Kilogramm 76 bis 79, 120 bis 150 Kilogramm 76 bis 78, unreine Sauen und geschnittene Eber 60 bis 70. Marktverkauf: Bei flauem Geschäftsgang Lieberstand.
Frankfurter Getreidebörse.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers"^
Frankfurt a. M., 6.-Juni. Es wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 27,75 bis 28, Roggen (inl.) 18,50 bis 19, Sommergerste (für Brauzwecke) 21,50 bis 24, Hafer (inl.) 20 bis 22, Mais (gelb) 18,25 bis 18,50, Weizenmehl (inl., Spezial 0) 40,50 bis 41, Roggenmehl 27,75 bis 28, Weizenkleie 9,90, Roggenkleie 10,75. — Tendenz. Fest.
unserer
schnelles Verkehrsmittel.
Dieses
dingt zuverlässige Bereifung.
Reifen
! unbe- Größte
verlangt । das Auto.
Geschwindigkeit, wunderbare Elastizität und absolute Fahrtsicherheit verbürgt der
Wer Conti fährt, weiß was er hat.
Die tolle Herzogin.
Roman von Ernst Klein.
Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin.
33. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Gloria und Grace wechselten einen raschen Blick des Schreckens miteinander. Die jüngere Schwester, die sich nicht so in der Gewalt hatte, wandte sich ab und machte sich an dem Tischchen zu schaffen, auf dem die Medikamente standen. Doch Gloria rührte sich nicht. Ihre Augen lächelten den Vater an--
„Da kann ich mir oorstellen," sagte sie, „wie froh du warst, als du den Vertrag wiederfandest!"
„Und wie froh war ich, Gloria! Kinder, es ift besser, nicht an die Folgen zu denken, die mir eine vorzeitige Veröffentlichung des Vertrages bringen müßte! Ganz abgesehen von der Gefahr, daß das ganze Geschäft in die Brüche gehen könnte, würde in ganz Europa ein furchtbarer Sturm losbrechen. Wir haben ja einen Vorgeschmack bereits vor einigen Wochen gehabt, ehe der Premierminister seine große Rede hielt. Aber es ist ja lächerlich — wer sollte auch in unserem Hause einen Diebstahl begehen! Lächerlich, wirklich lächerlich! Doch an meinem Schrecken damals könnt ihr ermessen, wie groß die Gefahr ift."
„Vater, es ist Zeit, daß Gloria ihre Medizin nimmt. Und dann muß sie ruhen", sagte Grace.
„Ich verstehe", erwiderte Lord Burnham, drückte einen Kutz auf Glorias Stirn und ging in seinen Klub.
Als sich die Tür hinter ihm geschlossen hatte, ließ sich Grace mit wildem Stöhnen in den Sessel neben dem Bett fallen.
„Noch eine Minute, und ich hätte mich verraten!"
Gloria sprach nichts. Sie schloß die Augen. Sie dachte nach. Zwang mit oller Energie den schmerzenden Kopf, zu arbeiten.
Jenes Papier! Ob es am Ende nicht dock noch in dem Haufe auf dem Berkeley Square versorgen war? Vielleicht hatte Las Valdas sie belogen, um sie noch mehr in seine Macht zu bekommen? Ja — jo, so konnte es sein! Wer sollte ihm denn dos Pa- rier stehlen? Und dann war es noch irgendwo in seinem Hause! Vielleicht hatte die Polizei es nur
nicht gesunden. Und die Briefe! Ein verzweifelter Gedanke! Aber an was klammert sich die Verzweiflung nicht, wenn sie keinen anderen Rat mehr weiß!
Sie läutete. Mutter Anne trat ein.
„Höre, Mutter Anne", sagte sie. „Ich halte es nicht mehr aus, hier im Bett zu liegen und mich von den Aerzten mißhandeln zu lassen. Ich werde sonst wirklich krank. Laß mir ein Glas recht starken Glühwein kochen, und dann mache mir einen deiner berühmten Wickel!"
„Um Gottes willen," schrie Grace, „was werden Doktor Vivian und Doktor Bartsmith sagen!"
„Das ist mir höchst gleichgültig. Tu, was ich dir sage, Mutter Anne!"
Mutter Anne verachtete die eingebüffelte Weisheit der Doktoren, war nur für die Anwendung probater Hausmittel — und wenn sie noch so radikal waren. Sie gab begeisterte Zustimmung zu erkennen.
„Das ist zwar eine Pferdekur," lachte sie, „aber die wird auch helfen!"
„Bin ich nicht gewöhnt, mit Pferden umzugehen? Vorwärts, Mutter Anne!"
Als sie den Glühwein getrunken hatte und von den Zehen bis zum Kinn in ihre Kompressen gewickelt war, schickte sie die Alte hinaus. Grace hielt sie noch eine Minute zurück.
„Hast du irgendwelche Nachrichten von — Harald?"
„Nein. Du hast ja gesagt, wir könnten es jetzt, da er in der Gewalt der Polizei wäre, nicht wagen, uns mit ihm in Verbindung zu fetzen."
,Ja, das habe ich gesagt. Hat er aber nichts von sich hören lassen? Nichts geschrieben?"
„Nichts."
Gloria schloß für einen Moment wieder die Augen.
„Er hält mich für schuldig," sagte sie bann, „verachtet mich sicher. Oh — es ist schrecklich — schrecklich ---!
„Ich werde ihm die Wahrheit schreiben, Gloria! Ich kann cs nicht mehr zugeben, daß du auch das noch für mich trägst!"
„Damit die Polizei deinen Brief vorher liest? Nein — nein! Dazu ift es jetzt zu spät! Erst muß
ich das Papier und deine Briefe wiederhaben. Dann in Gottes Namen--“
„Gloria — du willst doch nicht — ?"
„Ich will! Ich muß! Soll ich zulaffen, daß Harald vor das Gericht gestellt wird? Nein, Grace, ich habe geschossen — ich muß büßen! Jetzt geh und bitte — niemand soll zu mir hereinkornrnen, bis ich läute. Ich will schlafen — schlafen--und morgen auf
stehen."
Gehorsam ging Grace hinaus.
2 2. Kapitel.
Als sie am nächsten Morgen um zehn Uhr mit dem Vater beim Frühstück saß, kam plötzlich Mutter Anne hereingestürzt, ganz aufgelöst vor Freude und Aufregung.
Mylord -- Mylord — — das Kind — — Gloria--"
Grace war schon an der Tür.
„Gesund ist sie!"" rief die Alte.
Da ließ der Vater den Kaffee, den Schinken, den lockenden Toast stehen und rannte hinter Grace die Treppen hinauf.
Sie fanden Gloria aufrecht in ihrem Bett sitzen, vor sich ein riesiges Tablett, auf dem ein opulentes Frühstück stand. Gerade biß sie mit großem Appetit in ein Butterbrötchen.
„Nun, was sagt ihr, ihr Hasenfüße?" rief sie ihnen triumphierend entgegen. „Meine Pferdekur hat genützt. In einer Stunde stehe ich auf]"
Leichte Röte lag noch über ihren Wangen. Dunkle Schatten zogen sich noch um ihre Augen. Aber die selbst waren frisch und klar wie ihre Stimme. Ohne Zweifel — Gloria Sainsbury hatte das Fieber besiegt.
„Ich habe vorhin selbst meine Temperatur gemessen — 38 Grad have ich!"
Ein erbitterter Streit erhob sich, ob sie gleich aufstehen oder erst den Spruch der Aerzte abwarten sollte. Da man sich nicht einigen konnte, so schloß man eine Art Waffenstillstand — Lord Burnham und Grace ließen sich ihr Frühstück nach oben bringen.
„Wenn die Aerzte es gestatten, könntest du dann bald nach Burnham Tower zurückgehen, Gloria," meinte der Vater, „das Wetter ist wunderschön — dein Junge könnte herunterkommen, und wir wer
den ganz für uns allein eine wunderschöne Zeit haben."
Es klopfte, und Mutter Anne, die sich nicht nehmen lieh, die Herrschaft bei diesem glücklichen Frühstück selbst zu bedienen, ging an die Tür, um nachzusehen. Ein Lakai brachte die Karte eines Herrn, der Grace zu sprechen wünschte.
„Mich?"
Und Grace erschrak. Sie las die Karte:
„Sir Walter Ryce
St. James Club London."
„Sir Walter — —" sagte sie, indem sie vergebens sich zu fassen suchte. „Ich glaube, das ist ein Jugendfreund Haralds. Was mag er von mir wollen?"
„Ryce — laß sehen! Vielleicht hat er eine Nachricht von Harald", rief Lord Burnham erfreut. Er hoffte noch immer im stillen--
Gloria und Grace blickten einander an. Bis jetzt war es ihnen gelungen, vor dem Vater die Ankunft Lord Nevilles zu verheimlichen. Da auch in den Zeitungen kein Wort über ihn gestanden hatte, wußte Lord Burnham nicht einmal, daß fein Schwiegersohn in London war, geschweige denn, daß er im Untersuchungsgefängnis faß! Und jetzt Ryce!
Gloria gab der Schwester einen Wink. Diese erhob sich--
„Halt," rief der Vater. „Ich weiß schon, warum Sir Walter dich zu sprechen wünscht. Er ist doch im Geheimdienst--warum schaut ihr so erstaunt,
wußtet ihr das nicht? Er gilt als einer unserer fähigsten Beamten. Ein Genie auf feinem Gebiete Ja — ja, so ist es--und — Kinder, nun muß
ich euch sagen, warum er zu uns kommt. Ich habe es vor drei Tagen im Klub erfahren — wollte aber nichts verraten, um Gloria nicht unnötig auf zu-' regen. Denkt euch, Las Valdas ist in feinem Haus ermordet aufgefunden worden."
Ein Glück, daß Grace in diesem Moment hinter dem Rücken Lord Burnhams stand. Sie preßte die eine Hand auf die Brust--griff mit der andern
nach der Lehne des Sessels, auf dem der Vater faß.
Ganz unmerklich zitterte die Kaffeetasse, die Gloria gerade an den Mund führte. Kaum merklich — doch sie zitterte.---
(Fortsetzung folgt.)


