unverändert. Die Esti-Messe ist gut beschickt und hat Interessante Verbesserungen zu verzeichnen. Viel des Interessanten bergen auch die noch fehlenden Hallen wie Halle 13 und die nebeneinander liegenden Hallen 4 und 5.
Die russische Ausstellung, die nach der neuen Halle 18 gezogen ist' hat an Qualität und Quantität sehr zudenommen. Sie gibt einen wohl ziemlich lückenlosen Ueberblick über alle russischen Ausfuhrerzeugnisse, welche sich aus Bodenschätzen, landwirtschaftlichen und Pelzprodukten in erster Linie zusammensetzen. Hier wird jedem Besucher klar, welche Bedeutung das unermeßliche Rußland für uns besitzt. Im vorigen Herbst war sie in Halle 12 untergebracht und litt durch nicht genügende Raumzuweisung.
In der nämlichen Halle sind noch zwei weitere Sondergruppen erstmalig auf der Messe vertreten, welche dem Besucher wertvolle Winke geben. Es ist dies in dem einen Flügel der Halle die Schau des Ausland- und Kolonialbedarfs und in dem anderen die Auskunftsstelle der Deutschen Maschinenbauanstalten, welche durch eine reiche Katalog- sammlung dem Interessenten die Möglichkeit weitgehender Unterrichtung gibt, auch über nicht ausgestellte Maschinen. Die erstere klärt den deutschen Fabrikanten über die Bedürfnisse des Auslandes und von Uebersee in sehr zweckmäßiger Weise auf. Wir geben der Hoffnung Ausdruck, daß beide Sonderausstellungen in Zukunft ein ständiger Teil der Technischen Messe sein werden.
Wirtschaft.
* Die Frankfurter Frühjahrsmesse. Da die Kölner Frühjahrsmesse nicht abgehalten wird, ist die Frankfurter Messe im deutschen Westen und Süden wieder der einzige Großmarkt. Sie wird vom 11. bis 14. April stattfinden.
* Leichter Rückgang der Konkurse im Februar. Nach einer Zusammenstellung der Fingnzzeitschrift „Die Bank" ist im Februar die Zahl der Konkurse von 2104 im Januar auf 2016 zurückgegangen. Die mangels Masse zurückgewiesenen Konkurse sind von 102 auf 124 gestiegen. Die Geschäftsaufsichten stiegen von 1573 auf 1580.
* Der Umtausch der Aktien imAni-- linkonzern. Die Stammaktionäre der Farbenfabriken vorm. Friedr. Bayer u. Co., der Farbwerke dorm. Meister Lucius u. Brüning, der A.<- G. für Anilinfabrikation, der Chem. Fabrik Griesheim-Elektron und der Chem. Fabriken vorm. Weiler-ter Meer werden nunmeHr zum Timtausch ihrer Aktien in solche der J.-G. Farbenindustrie A.-G. in Frankfurt a. M. aufgefordert. Die ihn* tauschsrist läuft bis 15. Juni 1926. Der Timtausch der aus den Aamen der Badischen Anilin- und Soda-Fabrik lautenden Aktien findet vorerst nicht statt.
** Allgemeine Elcktrizitätsgesell- schäft, B e r l i n. In der Hauptversammlung nahm einleitend Geheimrat Deutsch zur allgemeinen Wirtschaftslage in Deutschland, über die Aussichten der Elektrotechnik und über die Geschäftslage in der A. E. G. in längeren Ausführungen Stellung. Daraus ist besonders heroorzuheben, daß Geheimrat Deutsch für einen horizontalen Aufbau auch in der deutschen Elektroindustrie eintrat. Der Zusammenschluß in der chemischen Industrie und der bevorstehende in der Montanindustrie zeige, daß in Deutschland ein Vertikoltrust nur unter besonders günstigen Bedingungen Berechtigung habe, während der größte Teil der Industrie den nach der Branche orientierten Weg des horizontalen Aufbaues beschreiten muß. Das Gebiet der Elektrotechnik wird ’ für die Zukunft außerordentlich zuversichtlich betrachtet. Die Elektrifizierung der Welt schreitet im beschleunigten Tempo vorwärts, und gerade in Deutschland lägen auf diesem Gebiete in naher Zukunft sehr große Aufgaben. Ein umfangreiches Projekt habe die A. E. G. jetzt durch den Bau des großen Kraftwerkes Rummelsburg durchzuführen. Weiterhin sei das Unternehmen mit einer großen Anzahl von technisch wichtigen Problemen intensiv beschäftigt, wie Kohlenstaubfeuerung und Kohlenveredelung, die große Aussichten für die Zukunft bieten. Schließlich betonte Geheimrat Deutsch, auf allgemeine Wirtschaftsfragen übergehend, daß wir systematisch die Abkehr vom Hochschutzzollsystem in allen Ländern forcieren und propagieren müssen, damit eine rationelle und planmäßige Verteilung und Produktion die Grundlage für eine neue wirtschaftliche Entwicklung und Erstarkung unseres Kontinents schaffen kann. Im Anschluß an diese Ausführungen wurde der be
reits bekannte Abschluß der A. E. G. genehmigt. In der ordentlichen Hauptversammlung wurde sodann die Erhöhung der Dividende von 6 auf 8 Prozent, von anderer Seite sogar aus 10 Prozent verlangt, mit der Begründung, daß der Wertpapierbeftand heute wertvoller sei als zur Zeit des Abschlusses, und daß die Steuern abgebaut würden, lieber die Anfragen ging die Verwaltung stillschweigend hinweg. Die Dividende wurde auf 6 Prozent, zahlbar ab 1. März, festgesetzt. Angeregt wurde noch, die Vorzugsaktien, die durch die Llufwertungsbestim- mung stark benachteiligt seien, dadurch zu entschädigen, daß entweder der feste Dividendensatz erhöht werde oder diese Kategorien entsprechend .einer früheren Absicht der Verwaltung in Stammaktien umgewandelt würden.
entarte.
Frankfurt a.M.
Berlin
Schlllg- fiurs
1-Uht- fiute
Schlich, fitrr»
Anfang auTG
Datum:
2.3. ;
3.3.
2.3
3. 3.
5% Deutsche Reichsanleibe ■ 4% Deutsche Rcichsanleibe .
L362
0,3725
0.3602
0 3495
0.375
0.36
B'/e% Deutsche Rcichsanlcche
0,350
0,3i5
0 3405
0 355
3% Deutsche Retchsanlcihe •
0,4 i0
—
0,4 >05
0,480
Deutsche Svarprämienonlethe
0 239
—
0-205
4% Preußische Kousols . . .
4% Hessen....... .
t.365
0.370
—
0,350
0,3625
3-/,% Hessen..........
3°/o Hessen...........
0,330
—
—
—
—
—
Deutsche Wertb. Dollar-Anl.
100
—
—
_
bto. Doll.-Schatz-Anweisna-'i
99,35
-
99 5
—
4*/o Zolltürfen.........
11,3
11,3
11,2
5% Goldmcrikaner • . . .
39,12
38
l -
—
Berliner Handelsgesellschaft. Commerz- und Privat-Bank
144,5
107.5'
107,5
144,5*
101 7*
144'
108.5*
Darm ft und Nalionalbank ■
126
124,2'
125,5*
Deutsche Bank.........
123
124*
125'
Deutsche BereinSbank ....
73
—
Disconto Commandit . . .
119
119'
118,2'
119*
Metallbank..........
St
Mitteldeutsche Kreditbank. . Oesterreichische Creditansialt •
101,5'
6,62
101,5'
6,62
101,6*
6,62
101,62
6.62
Westbank..........
0 036
0,036
-
Bochumer Guß ......
80
_
81.25
Buderus ..........
42
—
41,9
Caro ............
43
43 5
—
Deutsch-Lurcmburg......
84,5
85'
84.25'
85*
Gelsenkirchener Bergwerke . .
84.75
86,5'
84.9*
85,9*
Harpencr Bergbau......
Kalttverke Aschersleben....
103*
113
104,5*
102'
113,25
104 7*
Kaliwerk Wclteregelu.....
116
—
115 75
Laurahütte..........
33
--
32,13
33
Oberbedars ..........
44.25
—-
43,25*
46*
Phöntr Bergbau .......
73.5*
71,4'
72,75*
74*
Rheinstahl ...........
77,25'
78 5*
76 25*
78,2 >'
Riebcck Montan........
81
80,13
Tcllus Bergbau......
53
53.25
__
Hamburg-Amerika Paket. . .
Norddeutscher Llovd ....
127 7'
122 7*
130,7*
125 5'
127*
12t.2'
130.6*
126'
Cheramische Werke Albtn . .
40.5
—
Zementwerk Heidelberg • . .
80
63
-
Philipp Holzmann......
62,25
63 13
Anglo-Cont.-Guano.....
—
81,25
Chemische Mayer Alapin . .
—
—
I. G. Farbenindustrie, A.-G- Goldschmidt..........
122,2'
123,5'
65,5
122'
64,5
122.7*
65.75
Holzverkohlung........
55,5
—
Rülgerswerkc.........
72,5
—
72,5
—
Scheideanstalt.........
90
91
—
Mg. Elektrizitäts-Gesellschaft
88,6*
88 9'
87,9'
88,75
Bergmann .......
Mamkraftwerke ........
—
—
79,5'
79,5*
84
—
Schultert......... . .
Siemens & Halske ......
78'
79.5'
77,75'
78.75*
96.5
97,25'
98'
Ädlcrwerkc ......
39,2
41.5
39
40,75.
Daimler Motoren. ......
34,25
36,5
34,9
35
Hehligensiaedt .........
23
——
Mcguin. ...........
29
—-
—
Motorenwerke Mannheim .
—
—-
—
Frankfurter Armaturen . . .
Konservenfabrik Braun . . .
20
45
—
—
——
KÄSS.“:
Schuhfabrik Herz ......
91.5
61,5
___
26,5
—
—
——
sichel..............
Zellstoff Waldhof.......
5
5
5
—
107
——
106 25
106,75
Zuckerfabrik Frankenthal . .
Zuckerfabrik Waghäusel . . .
42,25
45,25
42,13
46,25
—
Berliner Börse.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".)
Berlin, 3. März. Die aus N e u y o r k vorliegenden sensationellen Nachrichten über die gestrige B a i s s e b e w e g u n g an der ' dortigen Effektenbörse blieb auf den hiesigen Markt auffallenderweise ohne Einfluß. Die Spekulation hatte es sich bei Beginn des heutigen' Geschäfts vielmehr von der Beeinflussung durch die amerikanische Tendenz losgelöst und neigte zu Rückkäufen, zumal eine weitere Erleichterung des Geldmarktes eingetreten ist. Die Börse verkehrte bei kleinem Geschäft in befestigter Haltung. Die Kursgewinne betrugen zirka 1 bis 2 Prozent. Einen günstigen Eindruck hinterließ außer den fortschreitenden Gründungsberatungen der Vereinigten Stahlwerke A.-G. die Rede des Reichskanzlers Dr. L u- ther, in der die deutschen Forderungen
gegenüber b c m Völkerbünde einmal schärfer formuliert wurden als bisher. Auch die erhebliche Besserung des französischen Frankenkurses, die int heutigen Vormittagsverkehr eintrat, wirkte auf die Meinung günstig ein. Der Zahltag der Ultimo-Liquidationen ist glatt verlausen, wie dies nach den Entlastungsabgaben der letzten Tage auch nicht anders zu erwarten war. Am Geldmarkt hörte man Tagesgeld mit ,6 bis 7 Prozent. Im D e v i s e n v e r k e h r konnte sich Paris auf Interventionen der Bank von Frankreich hin gegen London auf 1297/8 befestigen. London notierte gegen Kabel 4,85'/«. Die japanische Währung lag mit 45,65 gegen Kabel gebessert. Kabel Warschau blieb umsatzlos.
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M.
Telegraphische Auszahlung.
Banknoten.
2 März.
3. März.
Amtliche Noti rurta
Amtliche Notierung
Geld
Bricr
Geld
Brief
Amst.-Ron
i6i.85
168,27
167,94
168,:-6
Buen.-Aires
1,69 i
L70II 19.095
1,6dl
1,695
Brss-Anlw
19,055
19 055
19.095
Gbrtftfania.
90,51
90,75
90.07
90,2 >
Kopenhagen
108,91
109,19
108,01
109.19
Stockholm .
112,47
112.75
112,41
112,69
Helstngfors.
10.562
10,6)2
10,56
10,60
Italien. . .
16.81 -
16.85
16.84
16,88
London - •
20,372
20,422
20,380
20,4 2
Ncuyork . .
1.195
4,2'15
4,195
4,205
Paris. - .
15,37
15,41
1 i ,68
>5,72
Schwei; . .
80,74
80.94
SO 73
80.93
Spanien • .
59,04
59,18
59.12
59,26
yapcm . . . wo de Jan-
1,905
1.611
1,909 0.616
1,913
0 616
1,917 1.618
Wien in D--
Lest, abgest.
59.14
59,28
59,11
59,23
Prag ....
12,415
12,455
12,411
12,456
Belgrad . .
7,397
7,417
7,395
7,415
Budapest. . Bulaaricu
5,875
5,805
5,875
5,895
3,035
3,045
3,035
3,045
Lissabon
21,215
21,265
21 125
21,175
Daruig. . . Konstantin.
80.80
81.00
80 84
81.04
2,18
2,19
2,185
2,195
Athen.
5.99
6.01
5 t9
601
Canada - . - Uruguav
4.178
4,188
4.178
4,188
4,305
4,315
4.305
4,315
Berlin, 2. März
Geld
Bries
Amerikanische Noten.....
4.186
4,306
Belgische Noten ......
19.00
19.10
Dänische Noten .......
108.63
109,17
Englische Noten........
20,345
20,445
Französische Noten ......
15,60
16 68
Holländische Noten .....
167,38
108.22
Italienische Noten......
16 84
16,92
Norwegische Noten ...... Deutsch-Oesterr., ä 100 Kronen Rumänische Noten......
90,37
90.83
59,01
69,31
Schwedische Noten......
112,19
112,75
Schweizer Noten.......
80,605
81.005
Spanische Noten ....... Tschechoslowakische Noten ..
51,96
59,26
13.38
12,44
Ungarische Noten . . ...»
5,83
5,87
Frankfurter Börse.
(Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeiger-".)
Frankfurt, 3. März. Tendenz fester. Die Börse eröffnete in zuversichtlicher Stimmung, nachdem die flaue Haltung der Neuyorker Börse auf den gestrigen Verkehr stark deprimierend gewirkt hatte. Der Grund für die freundlichere Veranlagung ist darin zu fliehen, daß die Geldknappheit als überwunden beiracytet werden kann und der Spekulation sich nun die Möglichkeit bot, aus der bisher beobachteten Reserve herauszugehen. Auch die außenpolitische Situation begegnet einer freundlicheren Auffassung. Da auch die Rede des Reichskanzlers Dr. Luther, der in seinen Ausführungen die Besserung der Wirtschaftslage her- oorhob, stimulierte, so konnten die das Geschäft hemmenden Momente als beseitigt gelten, was in einer lebhafteren Umsatztätigkeit zum Ausdruck kam. Starkes Interesse konzentrierte sich wieder auf Schiffahrtsaktien, für die das bevor- stehende Aokommen zwischen der Hapag und dem Harriman-Konzern anregte. Hapao waren um vier und Nordlloyd um 3 Proz. gebessert. Der M o n - tan markt war weniger begünstigt, zumeist konnten hier nur die vorbörslich erlittenen Verluste wieder eingeholt werden. Farbwerte lagen leicht befestigt. Auch Elcktroaktien hatten leichte Besserungen zu verzeichnen. Elektr. Lieferung plus 3 Proz. Die variablen Werte strebten nach' oben, doch waren hier die Besserungen gering. Bankaktien lagen ruhig. Von Bauaktien waren Heidelberg gesucht und hatten eine weitere Steigerung um 3 Proz. zu verzeichnen. A u t o a k t i e n konnten sich wesentlich befestigen. Kleyer plus 1,25, Daimler plus 1,5 Proz. Von Zellstoffaktien wurden Aschaffenburger mäßig höher. Zucker- a k t i e n zogen erneut an mit Ausnahme von Frankenthal, die 0,9 nachgeben mußten. Deutsche An-
Die tolle Herzogin.
Roman von Ernst Klein.
Copyright by Carl Duncker, Verlag, Berlin.
6. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Sie stand vor dem Spiegel und zupfte sich ihre Locken zurecht. Er trat an sie heran und legte langsam feine Hände auf ihre Schultern. Köstlich weich war ihre Haut, die seine Finger berührten. Er beugte sich zu ihr herab---
Ihre Augen trafen die feinigen im Spiegel. Hunderte Kobolde tanzten in ihnen. Mit der gra- ziösen Geschmeidigkeit eines Kätzchens glitt sie ihm unter den Händen davon. Spöttisch perlte ihr Lachen auf. —
„Ich benötige Ihre Dienste, mein Herr, nur als Geschäftsfrau."
James Wood biß sich auf die Sippen.
Sie stellte sich vor ihn hin und äugte ihn mit schief gelegtem Kopf an.
„Sollten Sie als so kluger Mann nicht bemerkt haben, daß unter meinen zahllosen Tugenden als oberste die Treue paradiert?"
„Die Treue--?"
„Ich bin doch Ihrer Diskretion auch in diesem Punkte sicher?"
„Unbedingt."
„Gegen jedermann?"
„Gegen jedermann."
„Auch gegen Sperazzi?"
„Auch gegen Sperazzi."
„Ich bin gar nicht seine Schwester, sondern seine Frau."
Zehn Minuten später stieg ein still vergnügter, leise vor sich hinpfeifender junger Mann die Marmortreppe der Maison Astarte hinunter. Er trug einen eleganten Smoking, und in dessen Brusttasche blähte sich ein dickes Paket guter englischer Hundertpfundnoten.
Am Fuße der Treppe stand Ibrahim, das breite, glänzende Gesicht ein einziges grinsendes Fragezeichen.
„Sie leben, Herr, Gott sei Dank!" rief er.
,Lch lebe, und ich zahle. Fünf Prozent, wie ver abredet."
James Wood zählte aus dem dicken Paket zehn Scheine ab und drückte sie dem Neger in die teller- große Pratze. Der riß die Augen wie Scheunentore so weit auf und starrte bald auf das Geld, bald auf den Mann, der es ihm gab.
Der lachte.
„Ist es dir zu wenig, wackerer Ibrahim? Be- daure, mehr habe ich nicht gewonnen. Zweitausend Pfund. Du siehst, ein Gentleman hält sein Wort. So, und nun gib mir meinen Ueberzieher!"
5. Kapitel.
James Wood war ein Frühaufsteher. Wenn die Sonne in die Fenster seines Schlafzimmers schien, mußte er auf und sie öffnen.
Ganz gleich, wie er die Nacht vorher ausgefüllt — ganz gleich, ob mit Karten oder mit Wein ober mit Weibern, ganz gleich, wann er sie beendet hatte — mit dem ersten Sonnengruß stieg er aus den warmen Federn und ins kalte Bad. Folgte eine Stunde fanatischer Turnübungen — und als Beschluß ein ausgiebiges Frühstück. Sehr ausgiebig sogar. Am liebsten fing er den Tag mit einem halb- pfünbigen Steak an. Alles anbere betrachtete er als Fastenrost.
Die drei ersten Programmpunkte waren erledigt — Bad, Turnen und Steak. James Wood begab sich an den vierten, nicht minder wichtigen — die Toilette, lieber reiche Auswahl verfügte er ja nicht, denn seinen letzten großen Garberobekoffer samt Inhalt hatte er in Algier verspielt — doch immerhin einige bescheidene Reste des ehemaligen Staates waren noch vorhanden. Zwei, drei Straßenanzüge, zwei Dutzend Krawatten.
Dann war auch die Toilette beendet, und James Wood konnte sich dem Vergnügen hingeben, bas er sich in ber ersten Minute, ba er die Augen auf. schlug, versprochen hatte. Er setzte sich an den Tisch unb zählte sein Geld. Er wußte ja, es waren genau neunzehnhundert Pfunb. Waren über Nacht nicht mehr unb nicht weniger geworden. Neunzehnhundert! Alles in schönen Hunderternoten, lauter eleganten, aristokratischen Scheinen, nicht wie der schmutzstarrende Fetzen, mit dem er gestern abend in seinen Kampf gegen das Schicksal gezogen war. Aber es war ein solcher Hochgenuß, zu zählen — eins — zwei — drei — vier--. Lüstern knister
ten die feinen Papiere zwischen den Fingern, jedes für sich ein Versprechen. Fünf — sechs — sieben —
'Zukunftspläne begannen sich zu formen. Nebelhaft, kaum erkennbar. Jagten, ehe sie noch feste Gestalt annehmen konnten, einer den andern. Flogen hinter- und durcheinander her wie Wolken, die der übermütige Sturmwind peitscht. Der Sturmwind war James Woods Lebensfreude
Neunzehnhundert Pfund! Eigentlich doch ein armselig Stück Geld! Mehr, viel mehr hatte er schon durchgebracht. Mehr oft nur in einer Nacht. Aber doch — feit einem Jahr unaufhörlichen Berg- abs ein Ruhepunkt. Man konnte Atem holen. Konnte Nachdenken, lieber alle Nebelpläne hinweg reckte sich die Vernunft empor--. Man konnte
nicht nur ausruhen. Man konnte ganz und gar Haltmachen. Irgend etwas anfangen.
Aber was--? Was?
James Wood mußte über sich selbst lächeln. Er — anfangen! Ein solides bürgerliches Leben? Einen Laden für Herrenmoben ausmachen? Sich als Vertreter für Schreibmaschinen ober Hühneraugenringe etablieren? Also was — was?
Das Schicksal gab ihm selbst bie Antwort auf die Frage.
An seiner Zimmertür klopfte es.
Er legte bie Scheine sorgfältig zusammen unb schob sie ohne Hast in die Rocktasche, zog den Vorhang vor das ungemachte Bett und rief: „Herein!"
Elegant, in makellosem Rohseideanzug, trat Herr Aristides Sperazzi ein, trotz der frühen Morgenstunde bereits eine schwarze Havanna im Mundwinkel.
„Ein günstiger Morgenwind, der Sie ins Zimmer weht!" lachte James Wood.
Mit seinem liebenswürdigsten Lächeln erwiderte der Levantiner den Gruß, ließ sich grazil in den kleinen Plüschfauteuil fallen, ber in allen seinen Fugen krachte, unb blickte mit väterlicher Schalkhaftigkeit den jungen Mann an.
„Warum, glauben Sie, mein lieber Wood, bin ich hier? So früh am Morgen?"
Lieber Wooo? Hm — diese Vertraulichkeit! Nicht ganz nach seinem Geschmack, ober er quittierte sie doch mit billigendem Nicken.
„Sie haben eingesehen, daß ich mein Leben zu billig eingeschätzt habe, unb bringen mir noch tausend Pfund?"
„Ich bringe Ihnen mehr als tausend Pfund — ich bringe Ihnen Arbeit!"
leihen waren anfangs gleichfalls befestigt. Siriegsanlcihe 0,3724, Schutzgebiet 6,975. Späterhin gingen aber diese Kurse etwas zurück. Ausländische Renten blieben behauptet. V o r f r i e g s« Pfandbriefe hatten an Bedeutung wesentlich verloren, die Werte dieser Gruppe waren knapp gehalten. Der Freiverkehr hatte lustlose Haltung. Beckerstahl 45, Beckerkohle 41,5, Benz 42, Brown- Boveri 69, Growag 50, Hansabank 70, Krügershall 85, Petroleum 68, Rastatter Waggon 17, Kabel Rheydt 102, Ufa 53,5, Ufra 65,5 Proz. Der weitere Verlauf wurde durch die Erholung besfran» zosisch en F ra nkenkurses weiter günstig beeinflußt. DieKurserhöhungen setzten sich in geringem Umfange fort. Der Geldmarkt war nach Verlauf ber Ultimo-Liquibationen wesentlich erleichtert. lagesgelb war roieber mit 5 bis 7 Proz. angeboten. Monatsgelb unueränbert 6,50 bis 8,50 Proz. Bankdiskonten 5 Proz. Jnbustrieakzepte 6,50 Proz. Im
Kauft in Giessen!
Devisenverkehr konnte sich Paris gegen London auf 131 befestigten. Das englrfchL^Psund behauptete seinen gestrigen Stand von 4,854.
Frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a. M., 3. März. Es wurden notiert: Weizen, Wetterauer, 26,25 bis 26,50 Mk.; Roggen, inländischer, 17; Sommergerste für Brau- zmecke 20 bis 22,50; Hafer, inländischer, 18,50 bis 22,50; Mais, gelb, 18,25 bis 18,50; Weizenmehl, inländisches (Spezial 0) 39,50 bis 40; Roggenmehl 25 bis 25,50; Weizenkleie 9,25; Roggenkleie 9,50 bis 9,75 Mk. Tendenz: ruhig.
Berliner Produktenbörse.
Berlin, 2. Würz. Die feste ©tünnurta des Vortages ging, nachdem Amerika und auch Liverpool scharfe Preisstürze meldeten, heute bei Beginn der amtlichen Produktenbörse wieder vollständig verloren. Weizen ermäßigt« sich um etwa! 2 Mark, Roggen um etwa 1 Mark. Sn beiden Artikeln ist das greifbare Material recht knapp. Gerste ftUl, auch Hafer ruhig. Mehl behielt im großen und ganzen schwieriges Geschäft. 3m Zeitgeschäft bewegten sich die Rückgänge für Weizen zwischen 21/, bis 4 Mark pro tausend Kilogramm. März wurde mit einem ersten KurS von 264 um 21/s Mark, Mai mit 26&A um 3V1 Mark und 3uli mit 272 um 4 Mark hevab- kkgesetzt. Widerstandsfähiger begann Roggen, ba nur geringes Inlandangebot vorlag, um so mehr, als wieder Mühlen Bedarf zeigen und die Forderungen auch bewilligt wurden. Die ersten Kurse eröffneten l1/, Mark schwächer. März 157, Mai 169 und Juli 170. Es wurden notiert für je 1000 Kilo: Weizen, märk. 248 bis 252, do. März 264 bis 264,50, do. Mai 268 bis 267,50, do. Juli 272 bis 271,50, Roggen, märk. 142 bis 146, do. pomm. 141 bis 145, do. März 157 bis 156, do. Mai 169, do. Juli 170, Braugerste, märk. 163 bis 187, Futtergerste, neue 136 bis 150, Hafer, märk. 156 bis 165, do. März 171,50, do. Mai 176, für 100 Kg.: Weizenmehl 32,25—35,75, Roggemnchl 21—23, Weizenkleie 9,80—10, Roggenkleie 8,90 bis 9, Viktoriaerbsen 26 biS 32, kleine Erbsen 23 bis 25, Futtererbsen 20 bis 22, Peluschken 20 bis 21,50, Ackerbohnen 20 bis 21, Wicken 22 bis 25, Lupinen, blau 11,50 bis 12,50, do. gelb 13,75 bis 14,50, Serradelle, neu 26 bis 28, Rapskuchen 14 bis 14,50, Leinkuchen 19,20 bis 19,70, Trockenschnihel 8,20 bis 8,50, Soyafchrot 18,70 bis 18,80, Kartoffelstöcken 14,40 bis 14,60.
Büchertisch.
— Goethes Märchen. Mit einer Einführung und einer Stofstammlung zur Geschichte und Rachgeschichte des „Märchens". Von Theodor Friedrich. (Reclam Leipzig.) Heft 1,20 Mk., Band 2 Mk., Ganzleder 6 Mk. — Goethes Märchen haben auch heute noch den ursprünglichen Glanz Iwchster künstlerischer Vollendung, der jeden.Unbefangenen von Anfang bis Ende in ihren Bann zwingt und im reinen Genießen volle Befriedigung gewährt. Sie sind stets der Gegenstand eifrigster Forschung und Deutung gewesen; die sich immer wieder ändernde Betrachtungsweise hat stets neue Gesichtspunkte und Beweisstoffe aufgebracht. Der vorliegende Band stellt die Ergebnisse neu zusammen und überprüft sie. Gr gibt somit jedem, der die Geschichte der Märchen kennenlernen und sich in ihren Sinn vertiefen will, die wichtigsten Forschungsergebnisse klar unb Übersichtlich zusammengestellt an die Hand. 898
„Arbeit, mir? Herr Sperazzi, Sie sind ber erste Mensch, ber mir so etwas zumutet! Darf ich fragen, welcher Art diese Arbeit ist? Soll ich in Ihrem humanistifchen Institute, burch Ibrahim, den Sohn des Abbullah, wirksam unterstützt, bie Honneurs machen? Ober soll ich Ihnen bie Bücher führen? Ober soll ich--?"
„Sie sollen mir zunächst einmal zuhören! Sie entsinnen sich, baß Madame Leonie--"
„Bei diesem Namen mochte ich Sie doch unterbrechen. Nie konnte ich es mir vergeben, wenn ich ihn nennen höre, ohne zu fragen, wie es seiner Trägerin geht. Ich hoffe, unser kleines Diner ist ihr gut bekommen?"
„Ausgezeichnet! Sie haben ihr außerordentlich gefallen — ja, mein lieber Wood--"
In ber nächsten Minute nennt er mich Jimmy unb klopft mir auf bie Schulter! ängstigte sich James Woob. Doch Sperazzi fuhr unbeirrt fort, sein sonniges Gemüt vor dem neuen Freunbe zu entschleiern.
„Ganz ausgezeichnet haben Sie ihr gefallen! Ich sage Ihnen, sie hat sich in Sie verliebt, und wenn ich nicht ihr Bruder, sondern ihr Mann wäre — bei allen Gottern Griechenlands, ich müßte eifersüchtig sein! Sie ist begeistert von Ihnen, mein lieber James--!"
Da war 's! Zwar noch nicht ganz nahe, aber doch schon in unentrinnbarer Nähe. Ob man ihn nicht besser hinausschmiß?
„Ja — ja---das ist sie, mein lieber James",
flötete der Levantiner weiter. „Sie können sich denken, daß sie in unserem Geschäft gelernt hat, Mensci-en richtig einzusätzen. Sie will Sie festhalten. Sie entsinnen sich, sie sagte Ihnen gestern, wir brauchten einen solchen Mann wie Sie, unb die zweitausend Pfund, die wir Ihnen für Ihre kleine Entdeckung zahlten, sollten uns Zinsen tragen."
Himmelherrgott! Das hatte er total vergessen! Hatte er. nicht so etwas wie eine halbe Zusage gemacht?
„Nun und?"
„Wenn Sie mir die Ehre geben wollen, lieber James, mich zu begleiten, so wird Ihnen Madame L6onie sofort die Frage selbst beantworten. Sie erwartet Sie bereits in unserem Bureau."
(Fortsetzung folgt.)


