S icherheitsbedürftrisse durch den Locarnopakt ja auch ©egenftanb bet Besprechung von Thotry gewesen, wobei man sich beidersetts darüber im klaren war, das; ein solches Verfahren mit dem Hinsehen auf die Lebensbedürfnisse beider Seiten zugleich eine entscheidende Friedensgarantie und Bürgschaft für jenes Zusammenarbeiten schaffen würde, wie c8 Briand nach seiner gestrigen Rede anftrebt.
liniierte Besprechungen über die Kontrollfrage.
Haris. 1. Dez. (WB.) Der Vertreter der Belgischen Telegrophenagentur in Paris will in der Lage sein, im Hinblick auf die zwischen Briand und Chamberlain in Paris stattfindende Besprechung einige nähere Angaben machen zu können. Nach dem Eintreffen des englischen Memorandums in Brüssel habe sich Außenminister Dandervelde nach Paris begeben, um vor Beantwortung m i t Briand Fühlung xu nehmen. Er bavs die Einmütigkeit des französischen und des englischen Standpunktes bestätigt. Belgien, Frankreich und England hätten nunmehr fast die gleichen Ansichten. P o i n c a rö sei es, der darauf bestehe, daß man in Berlin beginne, die Entwaffnungs- bebingungen des Versailler Friedensoertrages zu respektieren. Er habe in diesem Sinne in Brüssel, London und Rom Mitteilung machen lassen.
Regierungsumbildung in Rumänien.
Paris. 2.Dez. <WTD. Funkspruch.) Havas berichtet aus Bukarest, man glaube, bah die Bildung einer Konzentrattonsregierung unmittelbar bevorstehe. General Averescu werde die Mmslerpräsidenlschoft be'bchilen, Bratianu werde nicht in das Kabinett eintreten, jedoch einige seiner politischen Freunde. Bor ihrer Abreise nach Bukarest hatte Königin Maria eine Besprechung mit dem Prinzen Karol. Diese Zusammenkunft soll nach dem „Reuyork Herold" auf Verlangen Königs Ferdinands erfolgt sein. In Bukarest soll eine 'Bewegung zugunsten einer Uebertragung her Regentschaft an die Königin Maria und ötc Prinzessin 3leana im Dange fein. Bratianu sei nicht unbeteiligt an der Abfassung des von König Ferdinand an den Ministerpräsidenten gerichteten Briefes.
Das Arbeitszeitgesetz.
Eine Vorlage der Regierungsparteien.
Berlin 2. Dez. (VDZ.) Die Verhandlungen der Regierungsparteien über die Arbeitszeitfrage haben zu einer Einigung unten den Regierungsparteien geführt, obwohl in der Frage des Begriffe der freiwilligen Mehrarbeit anscheinend grobe Schwierigkeiten zu überwinden waren. Der Reichskanzler hat noch gestern abend, entsprechend dem Wunsche der Regierungsparteien, die von diesen vereinbarten Vorschläge den Vertretern! der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion unterbreitet. Die Blätter halten es für zweifelhaft, ob die Sozialdemokraten sich mit der voregschlagenen Regelung einDerftanben erklären werden. Kommt eine Einigung nicht zustande, so würden die Regierungsparteien die von ihnen vereinbarten Vorschläge dem Reichstag in Form eines Inttlativgesetzentwurfes unter» breiten, während die Sozialdemokraten den Roi- gesetzentwurs der Gewerkschaften als eigenen Antrag im Reichstag einbringen würden.
Haushaltberatungen im Reichstag.
DaMeichsschnlgesetz. Der„Pr)temkjn"-Kilm
Berlin, 1. Dez. (VDZ.) Sie zweite Beratung des RachtragSetats wird fortgesetzt beim Haushalt des ReichSministeriums für Ernährung und Landwirtschaft.
Qlbg. Frau Bohm-Schuch (S.) wirst der Rechten vor, sie hätte durch ihr Verhalten die Bereitstellung von fünf Millionen zur Kinderspeisung verhindert. Die furchtbare Rot der Ktnder werde von allen Parteien anerkannt. Es fei schon ein Erfolg, daß zwei Millionen für die Kinderspeisung vom Ausschuß bewilligt worden sind.
Damit schließt die Beratung.
Es folgt die zweite Beratung des Haushalts des Reichsinnenministeriums.
Der Ausschuß beantragt den Betrag von 675 000 Reichsmark zum Anlauf eines Dienstgebäudes für das Gesetzsammlungsamt zu streichen, ebenso die Mehrforderung von 65 000 Mark zur Förderung der Beamtenerholungsheime.
Mit einem weiteren Ausschußantrag sollen verheiratete Beamte bei Versetzungen an Orte mit höheren Bildungsanstalten bevorzugt werden.
Abg. Erispien (<5.) begründet eine sozialdemokratische Interpellation, die sich dagegen wendet, daß entgegen dem Spruch der Oberprüfstelle die Aufführung des Potemkin- filme- von den üandäbehörden in Bayern und Württemberg verboten worden ist. Die Reichsregierung wird gefragt, was sie zu tun gedenkt, um dem Reichsrecht auch in Bayern und Württemberg Geltung zu verschaffen. Der Redner erklärt unter lauten Hört! Hört! - Rufen der Cinten, hinter den bayerischen und württein- bergischen Verboten stehe das Reichslommissariat für öffentliche Ordnung und das Reichswehrministerium. Die Rcichsregierung habe eine eigenartige Rolle gespielt. Rach der „Täglichen Rundschau" habe das Reichskabinett an die preußische Regierung das Ansinnen gestellt, von sich aus den Film zu verbieten. (Hört! Hörti)
Reichsminister Dr. Külz! Die in der Interpellation erörterten Vorgänge bedürfen sorgfältigster Prüfung durch die Reichsregierung. (Lebhafte Rufe linkS: Es wird endlich Zeit!) Wir haben uns mit der bayerischen und toürttem- berglschen Regierung ins Benehmen gesetzt. Die Antwort der württembergischen Regierung steht zur Zeit noch aus. (Die Sozialdemokraten weisen auf den zuständigen Zentrumsabgeordneten Bolz und rufen; Da fitzt ja der zuständige württem- bergische Innenminister.) Sowie Liese Antwort vorliegt, bin ich bereit, die Interpellation inhaltlich zu beantworten. (Laute Ruse links: Was hat denn Bayern geantwortet? Warum schweigen Si.- über Bayern? Ähr habt Angst vor Bayern?
Abg. Dr. Philipp (Dn) begründet eine Interpellation der Seut?d)nationalen, in der die Reichsreaierung gefragt wird, wann endlich das in Artiiel 104 der Verfassung verheißene Reichsschulgesetz vorliege. Die Frage sei längst spruchreif. Der Innenminister ist schon fünfviertel Jahre im Amt. (Hufe links: Diel zu lange!) Die Mehrheit des Dolkes verlangt die Verankerung der christlichen Schule in einem Reichsschulgesetz. Wir verkennen nicht die Schwierigkeit en, die Dr. Külz dadurch gemacht werden, daß die Demokraten immer im letzten Moment ausbrechen. Der Minister kann ein großer Mann in Deutschland werden, wenn .. . (Die letzten Worte gehen im Gelächter der Linken unter.) Wenn die Reichsregierung die alte 'Forderung des Reichsschulgesetzes nicht schnell erfüllt, dann muh an die letzte Instanz, an daS deutsche Voll, appelliert werden.' Die Forderung der freien Entwicklung und Wiederherstellung der christlichen Bekenntnisschule wird von einer großen Mehrheit des deutschen Dolles erhoben.
Reichsminister Dc. Külz: Der Entwurf des Reichrschulgesetzes ist im Rttchsmini st er ium des Innern f e r t i g g e ft e 111. Einzelheiten über seinen Inhalt mitzuteilrn. sehe ich mich so lange nicht in der Lage, als sie Gegenstand der Beschlußfassung im Kabinett sind. Wie bisher, so wird auch künftig das Reichsministerium des Innern diese gesetzgeberische Materie mit der Beschleunigung, aber auch mit der Sorgfalt behandeln, die ihr bei ihrer Dringlichkeit und bei ihrer weittragenden Bedeutung zuwmmrn
Abg. Landsberg (6daj wendet sich gegen die Art, in der Minister Dr. Külz die „Poiemkin"-Interpellation b: .ttwortet hat. Zu der Interpellation, die von' Jl. Oktober d. I. datiert ist, konnten und muhten Sie heute sachlich reden. Der Tatbestand in vollkommen klar. Daß nach der Zulassung des ZilmS durch die Ole.-prüfstelle das Verbot seiner Vorführung durch die bayrische und württembergische Regie- rung tem Reichsrecht widerspricht, kann von niemand bestritten werden. Daß mit dem Verbot in Bayern und Württemberg eine Verletzung der Reichsverfassung verübt wollen ist, muß Ihnen, Herr Minister, als berufener Hüter der Reichsverfasfung klar fein. (Eeiächier links und Rufe: Schöner VersassungS- huter!)
Reichsminister Dr. Külz erklärt: Soweit Württemberg in Frage steht, liegt das Material noch nicht abgeschlossen vor, doch ist in der Sache ein verwaltungsgerichtliches Verfahren im Gange, das noch nicht erledigt ist. Die bayrische Regierung hat erwidert, daß die in der Press? r?r- breitete Nachricht von einem solchen --.n Verbot nicht den Tatsachen entspricht. Soweit Polizeibehörden die öffentliche Vorführung verhindert hätten, hätten sie in Ausübung der ihnen gesetzmäßig zukommendrn Aufgabe ge- handelt. die Ruhe und Ordnung zu sichern. Ich muß dl? Verantwortung dafür, ob das orts° polizeiliche Einschreiten gegen die Vorführung geboten war. zunächst der bayrischen Regierung überlassen. Sie wird die polizeilichen Anordnungen daraufhin zu prüfen haben, ob die ihr unterstellten Behörden in ihrer Besorgnis nicht zu weit gegangen sind. Ich werde die bayrische Regierung ersuchen, in eine solche Rachprüfung ein- zutreten. ,
Damit schließt die allgemeine Aussprache. In der Einzelberatung wird auf Antrag Schuldt (Dem.) bei schwacher Besetzung der rechten Seite des Hauses mit den Stimmen der Demokraten, Sozialdemolraten und Kommunisten die vom Ausschuß gestrichene Position für de Beamt en - erholungsheime wieder hergestellt. Die übrigen Ausfchußanträge werden angenommen und der Haushalt bewilligt. Um 61/2 älhr vertagt sich das Haus auf Donnerstag.
Eine Anssallverficherung für Exporteure.
London, 2. Dez. (WTB. - Funttpruch.) „Daily Rews" meldet, daß über hundert hervorragende Bankiers und Versicherungsfachverständige aus 14 europäischen Ländern am nächsten Mittwoch in London eine Private Konferenz abhalten werden. Sie würden Mittel und Wege erörtern, durch Versicherung von Ausfuhrfirmen gegen insolvente Kunden den Handel in Europa zu ennuten. Gs soll die Möglichkeit einer Zusammenarbeit der Banken und Derslcherungsgefellschasten zur Dek- hmg des Risikos erörtert werden. Ferner besteht der Plan, in Londpn ein Clearinghouse zu errichten, wo Rachrichten über die finanzielle Lage europäischer Fir- men zentralisiert werden sollen.
Kleine politische Nachrichten.
Das Neichskabinett wird sich in den nächsten Tagen mit einem Gesetzentwurf beschäftigen, der unter dem Namen Knegsgerategesetz btc Ausfuhr von Waffen, Waffenteilen und Kriegs- Maschinen verbieten soll.
Der Deutsche Rentnerbund hat allen Fraktionen des Reichstages den Entwurf eines Rentner-Derficherungsgefetzes eingereicht.
Boni Reichskanzler Dr. Luther, der nach glücklich beendetem Südamerikaflug mit dem Dor- nierwal-Flugb.oot „Atlantic" in R i o de Janeiro gelandet ist, ging bei dor Deutschen Lufthansa in Berlin ein Funkspruch ein, den Dr. Qu* th2i vom Flugzeug aus vor der Landung in Rio de Janeiro ausgab: „Deutsches Glückab vom flie» genden Allantic. Luthers
Das Linienschiff „Hannover" ist am 29. Rovember in Villagarcia eingdaufen und wird am 4. Dezember nach Amsterdam in See gehen. Der Kreuzer „Emden" ist am 30. Rovember in Arrecife auf der Insel Lanza- re t e (Kanarische Inseln) eingetros en. Der Kreuzer „H a m b u r g" ist von Indien kommend in Aden dngetroffen.
Der russische Außenkommissar Tschitscherin, der in der russischen Botschaft Wohnung genommen hat, hat Höflichkeitsbesuche bei den Ministern des Kabinetts gemocht. Außenminister Dr. Stresemann wird ein Frühstück für Tschitscherin geben, an bem eine Anzahl führenden politischer Peinlichkeiten teilnehmen wird.
Das Reichskabinett befaßte sich mit einem Kreditgesuch der Firma Krupp. Die Reichsregierung sah in der Gewährung einer Rdchscw.kihe aus grundsätzlichen Erwägungen
leine brauchbare Lösung zur Beseitigung der offensichtlich besonders starken Rotlage, jedoch wird die Reichscegierung durch die zuständigen Ressorts mit der Firma und der Stadt Etten wegen etwaiger sonstiger noch möglicher Hilfsmaßnahmen sofort in Verbindung treten.
In Griechenland ist es gelungen, ein Kabinett der nationalen Einigkeit zu bilden, das alle Parteigruppen umsaht. Das Präsidium hat Zaimis übernommen, das Finanzministerium Kasandaris, die auswärtigen AngelegTnheiten Michahakopuios. das Verkehrswesen Metaxas, das Innere T s a l d a n i s , das Ackerbauministerium P a p a- nastasiu. Kriegs- und Marineministerium werden durch die republikanischen Fützrer bestimmt werden.
Die letzten Vorschläge des als Schiedsrichter in dem Tacna-Ar ia-Streit zwischen Bolivien und Chile fungierenden amerikanischen Staatssekretärs Kellogg sehen die Abtretung dieser Gebiete an Bolivien vor, das Chile für alle dort zur Hebung dieser Gebiete gemachten finanziellen Aufwendungen entschädigen soll. Kellogg schlägt ferner vor, die Stadt Arica zum Freihafen zu erklären und zu entmilitarifieren. Ferner sollen zwischen Chlle. Peru und Bolivien Handelsverträge abgeschlossen werden.
3lus aller Welt.
Lin 3ournaliftenjubiläum.
Der Leiter der Frankfurter Aiederlassung des Wolsckchen Telegraphenbureaus, Dr. Paul Albrecht, konnte am 1. Dezember auf eine 30jährige journalistische Berufstätigkeit zurückblicken Der 3ubilar trat am 1. Dezeinb' . in die Magdeburger Filiale des W. T. B. ein, übernahm 1905 die Filiale in Halle und wurde im Frühjahr 1918 an die Spitze der granfurter Agentur des W.T.B. berufen. Im öffentlichen Leben Frankfurts erfreut sich Dr. Albrecht überall hoher Achtung und allgemeiner Beliebtheit. Besondere Verdienste hat er sich auch um die Förderung des Leibessports erworben. Auch sein crfolg- reiches Wirken in seiner Berufsorganisation, dem Reichsverband der Deutschen Presse, wo er jahrelang Schriftführer der Frankfurter Ortsgruppe war, wird überall anerkannt und gewürdigt.
Degen Giftmordes zum Tode verurteilt.
In dem Darmstädter Prozeß gegen cen 21- jährigen Schuhmacher Jakob Erbecle aus Lorsch, der fein uneheliches 13 Monate altes Kind bei einem Besuch mit Pralinäs, die mit Strychnin gefüllt waren, vergiftet hotte, wurde der Angeklagte z uni Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlich: n Ehrenrechte verurteilt.
Gefängnisstrafe für eine Fundunterschlagung.
Das Schöffengericht Berlin verurteilte den Kraftwagenführer j) o r n e be r wegen Fundunterschlagung zu sechs Monaten Gefängnis. Er hatte eine Aktentasche mit einer großen oumme Geldes, die S>ei Beamte des Auswärtigen Amtes in feinem agen hatten liegen lassen, nicht abgeliefert. Der Angeklagte legte Berufung ein.
Ausbruch
von Schwerverbrechern aus dem Zuchthaus.
In der Strafanstalt Lichtenburg bei Torgau erfolgte gestern ein Ausbruch von sechs Gefangenen. Von den Ausbrechern find zwei zu lebenslänglichem Zuchthaus und die übrigen zu Zuchthausstrafen von mehr als zehn Jahren verurteilt. Noch in der Nacht gelang es, drei der Entwichenen wieder e i n z u f a n g e n. Die Übrigen hallen sich wahrscheinlich in Annaburger Forst Durfte tf t. Es wird von einem großen Schupoaufgebot nach ihnen gefahndet. Die Verbrecher hatten die Balken einer Wand ihres Arbeitssaales dUrchsägt und sich dann vom zweiten Stockwerk in den Hof heruntergelassen.
Line ganze Jamilie durch Typhus dahiogerasft.
Im Dorfe Schönecken bei Prum in der Eifel wurden innerhalb einer Woche fünf Mitglieder der Familie eines Postmeisters durch Typhuserkrantungen dahingerafft. Qtur ein Sohn blieb am Leben.
Line Mondsüchtige auf dem Dache einer v-Zuges.
Auf e.nem in Hamburg einlaufenden Ö- Zug aus Frankfurt (Main) fand man auf Lern Dache eines Wagens liegend ein junges Mädchen. Es wurde sestgestellt, daß sich das Mädchen in einem krankhaften Zustand an diesen gefährlichen Ort begeben hatte. Die Mutter, die sich im Zuge befand, hatte ihre Tochter schon vermißt und überall gesucht. Als ein großes Glück muh es bezeichnet werden, daß die Rächt wandlerin keinerlei Schaden davontrug.
Lin italienisches Großkampfslugzeug.
Auf dem Flugfeld von Lonato in der Lorn- dardei wurde ein großes Flugzeug E. A. 73 aus- probiert, welches 23 Mann mit vollständiger Bewaffnung und Maschinengewehren aufnehmen kann. Man glaubt, daß dieses Flugzeug sich ganz besonders für die Kolonien eignen werde. Es könnte von einem nach dem anderen Punkt der Kolonien fliegen, und nach dem Niedergehen könnte die Besetzung von 2ö Mann sich mit der mitgeführ* ten Munition mehrere Tage verteidigen, während ein Radioapparat die Verbindung mit den Zen- iralbehörden vermittelt.
Die Bergrukschkatastrophe bei Rtzza.
In Roquebilllere sind weitere zehn Häuser e i n g e st ü r z t. Eine Sachverständigenkommission ha. sestgestellt. daß es unmöglich sei, einen Teil des Dorfes vor Verschüttung zu bewahren.
Frecher kassenraub.
Landshut, 1. Dez. 'Wolff.) Heute früh drangen während der Auszahlung der Bensionen im hiesigen Bahnhof zwei elegant gekleidete maskierte Burschen in daS hauptsächlich von Frauen dicht besetzte Zimmer, hielten die Menge mit Revolvern in Schach, streuten den Kassenbeamten Pfesser in die Augen und raubten die Kasse mit etwa 5000 Mark Inhalt. Die Kassenräuber wurden s e st g e n o m rn e n. Die Täter sind zwei Bruder aus Regensburg, der Diplomingenieur Moritz Horn und der LandwirtschastSingenieur Fritz Horn. Die Kasse konnte vollständig beigebracht werden.
Explosion in einem Hüttenwerk.
In Athuu ^Luxemburg) gerier in einem Hüttenwerk eine unterirdiiche Gasleitung in Brand. Die Arbeiter fluchteten. Diner von ihnen stürzte in einen Dasschacht, dessen Verschluß durch die Exvlosion fortgeschleudert worden war. Erst nach Löschung der Hochöfen konnte I die vollständig verkohlte Lerche geborgen werden.
Aus der Provinzfalhauptstadt.
Gießen, den 2. Dezember 19M
Wohlfahrlsbrresmarken.
Von Oberregicrungsrat Dr. Aler Meyer-Berlin.
2lb 1. Dezember gelangen vier neue Wohl» fohrtsbriefmarken der Reichspostverwaktung zur Ausgabe, i^ren Ertrag wiederum der Deutschen Nothilfe zufließt. Die neuen Marken setzen die Im vorigen Jahre begonnene Serie mehrfarbiger Wohl« fahrtsbriefmarken mit den Wappen der deutschen Länder fort. In diesem Jahre werden ausgegeben: eine 5-Pf.-Marke mit dem Wappen Würtlem » berg, eine W-Pf.-Marke mit bem Wappen B a • den, eine 25-Pf.-Marke mit dem Wappen Thü - ringen (Auslandporto), eine 50-Pf..Marke mit dem Wappen von Hessen, endlich Marken- Heftchen, enthaltend 8 Marken zu 5 Pf. und 6 Marken zu 10 Pf (Preis 2 Mk.).
Es ist vorgesehen, die Ausgabe der Wohlfahrts» briefmarken. wie es im Auslonde — besonders in der Schweiz — mit so grobem Erfolge geschieht, wenn irgend möglich, alljährlich zu wiederholen.
Das bisherige Ergebnis des Wohlfahrtsbriefmarkenoertriebes im Jahre 1924 und 1925 belief sich auf 2,5 Millionen Mark Reinerlös. Es kann als nicht ungünstig bezeichnet werden. Auf 1000 Einwohner entfiel durchschnittlich ein Erlös von rund J4 Mk. Allerdings reicht dieses Ergebnis noch In feiner Weise an die Zohlen des Auslandes heran, das seit Jahren alljährlich Wohlfahrtsmarken teil» mit, teils ohne Frankaturwert herausgibt: so mürben u. a. in der Schweiz durch den Verkauf der Pro Juventute-fDlarten im Jahre 1927 atff 1000 Ein- ^"" 100,20 Mk., in Amerika auf 1000 Einwohner 198,20 Mk. erzielt.
Die geringeren Ergebnisse in Deutschland hatten einerseits — und zwar im wesentlichen — in der ungünstigen Wirtschaftslage ihren verständlichen Grund, andererseit» war bei uns bisher der Vertrieb noch nicht so durchorganisiert, wie dies in bett Ländern des Auslandes geschehen ist.
Unsere Wirtschaftslage Hal sich, wie bei vorsichtigster Beurteilung unbedenklich feftgefteUi werden farm, erfreulicherweise gegen das Vorjahr gebessert. Es ist daher zu erhoffen, daß die wirtschaftlichen Unternehmungen in diesem Jahre in größerem Umfange geneigt sein werden, ihre Geschäftspost eine Zeillong mit Wohlfahrtsbriefmarkeu zu fron« fieren und dadurch das Gesamtergebnis nicht unerheblich zu steigern. Den Zohlen des Auslandes werden wir uns erst dann nähern, wenn es wie dort, auch bei uns zum guten Ion gehören wird, daß jeder seine Post zu Weihnachten und Neu- iahr mit Wohlfahrtsbriesmarken frankiert.
Finanzminister Henrich zum Volksentscheid.
Zn e'.ner überfüllten Wählerversammüma m cer Turnhalle am Oswaldsgartin f;sat gestern al end Finanzminister Henrich über be beim VollLentschew am 5. Dezember zur Entscheidung stehenden Fragen der hettischen Politik, uisbe'ondere der Finanzpolitik. Ginleitend seiner etwa zweistündigen Rede bestätigte er die Aich- tigleit des Erlasses der in unserem gestrigen Anzeigenteil vom Wirtschafts- und Ordnung-, block zur öffentlichen Kenntnis gebrachten Verfügung les Zinanzministers an die Bürgermeiste- reten und Kreisämter bett, den öffentlichen Anschlag von Plakaten der Regierung zum Volksentscheid. Die schwer angegriffene Regierung habe zu ihrer Verteidigung diesen Weg gehen müssen, nachdem sich herausgestellt, daß ihre Kundgebungen nur in einem Teil der Presse Aufnahme gefunden haben. Da eS sich' hierbei um eine Regierungsangelegenheit handele, wür- len auch die Kosten aus Regierungsmitteln gc- Leat werden, nötigenfalls könne man die paar Hundert Mark aber auch aus dcr eigenen Tasche bezahlen. Sodann verurteilte der Redncr die Art, wie der Kamps von der Gegenseite ge- lUhrt werde, und eriuchte, im politischen Kampf allgemein den Standpunkt deS Sachlichen mehr zur Edtung zu bringen. Zu den politischen Sttettjragen im einzelnen übergehend, äußerte sich ter Redner in ruhiger fachlicher Art über die Argumente der Oppvsitton und die Stellung dec Regierung zu den umstrittenen Problemen, dabei d<n Standpunkt erweitert präzisierend, den er m seinen, auch von uns veröffentlichten Ant- wortarti ein auf die Aufsätze des Abg. Dingel- dey eingenommen hat. Von besonderem Interesse war eine neue Mltteilu-g des Ministers über 'Die weiteren Sparpläne, die gegenwärtig Lrm Ministerium in Darmstadt zur Beratung vorliegen. Er sagte, er perfönlich halte dio Provinzialb erwaltungen als Zwischenglied zwischen Regierung und Kreisämtern eigentlich sür überflüssig, jedoch habe diese Behörde so viele Aufgaben der Selbstverwaltung zu erfüllen, besonders in Oberhefsen, daß fte beibebalten teerten müsse. Dagegen sei es wohl möglich, daß das e:ne ober andere Kreisamt entbehrt werden könne, wenn die Kreisämter auf die rein staatlichen Aufgaben und die Angelegenheiten bet Sdbstverwaltuim beschränkt und die großen Städte, wie z. B. Gießen, kreisfrei würden. D.es« ganze Crsparnisftaae unterliege aber zur Zeit noch der Prüfung durch das Ministerium, deshalb wolle er es bei dieser ganz allgemeinen Betrachtung bewenden lassen. Geipart worden sei aber auch bisher schon in weitgehendem Matze überall da, wo es möglich und zweckmähig gewesen fei. Redner erinnerte z. B. an den Beamten-- und Qebrcrabbau. In der Steurrsrago sei auch das Möglichste zur Erleichterung getan wonen, He,sen habe durchaus nicht die höchsten Steuern im Reichs, in verschiedenen Steuern steha es '?gar unter dem ReichSdurchschnitt: im übrigen fei ja die Steuerpolitik der Länder in weitgehendem Maße durch die Reichsgeseygebung gebunden. Trotzdem solle auf diesem Gebiete Wetter gespart werben, sofern badurch unabweisbar notwendige Aufgaben nicht Rot litten. Das Dll- bungswesen wolle man nicht verkümmern lassen, benn zu bet materiellen Rot durch den verlorenen Krieg bürfe man nicht auch noch em aeistige- Heraosinken hinzukommen lassen Hessen ki auch nicht bankerott, ebensowenig stehe ober komme eS unter Geschäftsaufsicht. S ine V -rnögenSlag? fei gut. wenn es gegenwärtig trotzdem ftnanz eile Schwierigkeiten Überwinden müsse, so sei da« lediglich d'.e Folge der wetten Bisetzung und des Ruyrkrieges. dcr Trümmer ohnegleichen tm besetzten Gebiet und damit im reichsten Teile Hessens zurückgelassen habe. Für diese Rotlage müffe aber bas Reich eintreten Das sei auch zu erwarten Die Regierung unb bie R-g erungsparieten hätten bisher in angestrengtem Mühen a ifbauenb gearbeitet und wer wolle, bah ber bisherige Weg der erprobten Arbeit weiterbelchritten werden solle, der ftimme am Sonntag über das Der-


