kleinen, innerhalb und a m Rande Preußens liegenden Länder kein Interesse besitze. Es ist anzunehmen, daß in allen übrigen Fragen im Laufe der heutigen Verhandlungen ein alle Teile befriedigender Ausgleich gefunden wird. Man würde es in den Kreisen der Länder bedauern, wenn diese nur scheinbar rein finanziellen, in Wirklichkeit aber staats- und reichspolitischen Fragen Anlab zu schwierigen Auseinant-er^etzungen im Reichs rat und im Landtag geben würden. Man hofft deshalb, dah das Reichsfinanzministerium von sich aus auf die Beseitigung des Paragraphen 35 verzichten wird.
Eine Rede Westarps.
Recklinghausen, 2. Rov. (Sil.) Hier sprach heute in einer öffentlichen Versammlung der Deut'chnationalen Volkspartei Graf Westarp. Bei der Ablehnung des Gedankens, mit der Sozialdemokratischen Partei in eine Regierungsgemein- schaft zu treten, wies er darauf hin, tote die Mittelparteien, insbesondere das Zentrum, immer neue Formulierungen heranzögen, um ihre Ablehnung der Deut chnattonaleri als Regierungspartei zu rechtfertig en. Er führte dann werter aus: »Jetzt steht im Vordergrund der Vorwurf, man wollte die Svzialdemotratre grundsätzlich von jedern Einfluh ausschalten. Es handelt sich bei denr, was wir vertreten, gar nicht um eine grundsätzliche Ausschliehung der Sozialdemokratie, son- dern um eine einfache Feststellung praktischer Politik Sie geht dahin, dah
wir Deulschnalionalen ein Zusammengehen mit dec Sozialdemokratischen Partes in einer Re- gierungsgemeinschast für unmöglich halten.
Für uns kommt es darauf an, die handarbeitenden Massen von dem Programm und den Methoden der Sozialdemokratie loszulösen. Die Sozialdemokratische Partei lehnt selbst jede Wandlung ab. Sie stellt nach wie vor ihre Außenpolitik programmatisch und praktisch unter den Gesichtspunkt des Ziels, das im Heidelberger Programm von 1925 ausgedrückt ist. Auch im Innern hält die Sozialdemokratische Partei an dem antikapitalistischen Ziel und den verhetzenden Methoden des Klassenkampfes fest. Aus diesem Grunde sehen wir Deutschnationalen keine Möglichkeit, eine Negierungsgemeinschaft zu bilden, in der die Interessen des Landes nach außen und innen wirklich gefördert werden könnten. Was wir den Parteien der Mitte nicht ersparen können, das ist die Wahl zwischen der Sozialdemokratie und uns. Wenn die jetzt regierende Minderheit glaubt, im Winter dieser Wahl aiisweichen zu können, so wird sie sich davon überzeugen müssen, dah keine positiven Erfolge erzielt werden können." Zur Außenpolitik übergehend wies Graf Westarp darauf hin, daß die Bezeichnung besten, was Stresemann und Briand in Thoiry erreicht hätten, als Gesamtlösung recht lückenhaft ist. Weder die Ost frage, noch die Kriegs schuld frage sei dort überhaupt berührt. In der Welt zweifle kein Mensch mehr daran, daß die R e p a r a i i o n s l a st des Dawesabkom- mens neu geregelt werden müßte.
Das könne nur dadurch geschehen, dah an Stelle dec öffentlich-rechtlichen Zahlungen eine Gesamt- ; anleihe, möglichst eine internationale Anleihe, trete, deren Zinsendienst nicht höher sein dürfe ' als der Betrag, den Deutschland wirklich ohne Gefährdung seiner Währung bezahlen könne.
Der Redner fuhr dann fort: „Auch wir halten eine sachliche Prüfung der von B r t a n d vorgeschlagenen Teillösung für möglich. Aber sie mutz verbunden fein mit der Prüfung der Möglichkeiten, die sich für eine Gesamtlösung der Reparationslast ergeben"
Thoiry.
Vertin, 2. Rov. In der gestrigen Sitzung des sogenannten Thoirh-Ausschusses des Reichskabinetts, der aus dem Reichsauhen- minister, dem Reichswirtschaftsminister und dem Reichsfinanzminister besteht, erstatteten die Minister Bericht über das Ergebnis der Beratungen, die bisher innerhalb der einzelnen ; Ministerien stattgefunden haben. Der Aus- _ schuß wird in den nächsten Tagen wieder zu- < sammentveten.
Neue Instruktionen für Hösch.
Paris, 1. Rov. (TU.) Zu den deutschfranzösischen Annäherungsverhandlungen will der »Paris Midi" wisseir, daß Botschafter von Hösch aus Berlin neue Instruktionen erhalten werde, und zwar für seine für den kommenden Mittwoch festgesetzte Unterredung imt Briand. Sonst behauptet das Blatt noch, daß deutsche politische Kreise hinsichtlich der Politik von Thoiry einen Fortschritt verzeichnen zu können glauben.
Die Politik der Schiedsgerichtsverträge.
Paris, 1. Rov. (WB.) Der .TempS" bespricht auS Anlaß des gegen Mussolini verübten Attentats die Politik Italiens. Er erwähnt den spanisch - italienischen Schiedsgerichtsvertrag und betont, daß im Augenblick die Regierung In Rom mit Deutschland über einen gleichartigen Vertrag verhandele. Die Politik der Schiedsgerichtsver- träge sei ein« wesentliche französische Politik. Der Gedanke, der diese auf französische Initiative zurückzuführende Politik beherrsche, sei, daß man ein weitgehendes System Don Schiedsgerichtsabkommen nach und nach über ganz Europa verbreiten wolle, durch das es ermöglicht werde, alle Meinungsverschiedenheiten friedlich zu regeln. Rach dem Ausgebern des Protokolls von Genf bedeutet dieses System das sicherste Mittel, das man heute besitzt, um den Frieden zu gewährleisten. Man könne sich also nur darüber freuen, daß Italien sich dem Standpunkt anschliehe, den Frankreich fortgesetzt verteidigt habe, und unter diesen Gesichtspurrkten könne ,edes Abkommen zwischen Rom und Berlin nur als ein Akt ausgelegt werden, der keine politische Tragweite besitze, die geeignet sei, in irgendeiner Weise die internationale Lage abzuändem.
Der deutsche Vertreter im Völkerbundssekretariat. London, 1. Nov. (WB.) Der Genfer Korrespondent des „Manchester Guardian" schreibt zur Ernennung des Botschaftsrats Dufour-Fe- r o n c e zum Untergcncraltetrelär des Völkerbünde«- Die großen Fähigkeiten Dufour-Feronces, die sich bei seiner Tätigkeit in der deutschen Botschaft in London zeigten, sind der Hauptgrund für seine Ernennung. Die V ö l k e r b u n d s k r e i se sind
befriedigt darüber, daß Dufour-Feronce den größten Teil seines Lebens in der I n d u st r l e zu- brachte und kein Berufsdiplomat ist. Man glaubt, daß Berufsdiplomaten, ditz ihr ganzes Leben lediglich im Dienste ihrer eigenen Länder zubringen, es schwierig finden, die Aufgaben eines Dölkerbundsbeamten zu erfüllen, eine Aufgabe, die vollste Berücksichtigung der allgemeinen Interessen der Nationen fordert.
Die a i (t) Rews" schreibt, es werde allgemeines" B e d a u e r n in London herrschen daß Dufor Feronce London verläßt. Das Blatt bemerkt, Dufour habe sich ruhig und behar-'ich der Aufgabe gewidmet, die englisch-deutschen ziehungen zu bessern. Er sei für eine solche beit ausgezeichnet geeignet. Wemge Deutsche ? : süßen eine intimere Kenntnis des englischen Lebens. In allen feinen Teilen habe er das Verständnis, das den Wann vor Irrtümern in psychologischer Beurteilung bewahrt, denen einige der klügsten Männer seiner Rasse unterliegen würden. Es sei gut. sowohl für Deutschland als auch England, daß ein Mann von so viel Klugheit, Verständnis und Geduld unter den Vertretern Deutschlands beim Völkerbund sei.
Illinois. Da die. Prohibition rn die Derfassui^ ausgenommen ist, können Abstimmungen natürlich das Prohibitionsgesetz nicht andern Dbr^r den Konareßkandidaten besinden sich auch verschiedene Deullch-Amerikaner, so z. D. der ^nAorkerdemo- kratische Senatskandidat Wagner. D.ese Kandidaturen sind als Zeichen dafür anzusehen, daß der Krieg in Amerika immer mehr m Vergessenheit gerät.
Dr. Luther in Buenos Aires.
Buenos Aires, I.Rov. (WTB.) Deichs- kan-iler a.D. Dr. Luther wurde vom argen- ‘inSd-en Außenminister Dr. Gallardo un Re- cherungsgebäude zu einem Frühstück eingeladen, an dem außer dem deutschen Gesandten die Mit- alieder der deutschen Gesandtschaft, sämtliche ar- aentinische Minister, mehrere frühere Minister, bie Mitalieder der Generalität und der Admiralität sowie der Rektor der Universität Buenos Aires und Vertreter des argentinischen Wirtschaftslebens und der deutschen Kolonie teil* nahmen. _________
Ein deutscher Gedenkstein
Minister Churchill gegen Rußland.
London, 2. Rov. (WTD. Funkspruch.) Minister Churchill sagte in einer Rede, m der er sich mit dem Streik i m Bergbau beschäftigte, Großbritannien sei gegenwärtig Gegenstand der gespanntesten Aufmerksamkeit mid unermüdlicher Energie einer auswärtigen Regierung, iiämlich der b o l s ch e w i st i s ch e n R egierung Rußlands. Die Ration könne sich auf die Regierung verlassen, daß sie bei feder sich etwa ergebenden Gelegenheit die erforderlichen Schritte tun werde, um die freie Ausübung des Bürgerrechtes jedes Mitgliedes ber Volksgemeinschaft zu sichern und einen A u f st a n d mit starker Hand niederzuschlagen. Ernste Erkrankung Krassins?
London, 2. Nov. (WTB. Funkspruch.) „Daily News" meldet, der russische Geschäftsträger in London, Krassin, sei erkrankt. Sein Befinden habe gestern zu beträchtlichen Besorgnissen Anlaß gegeben. Die Aerzte beabsichtigten eine neue Bluttransfusion.
Absplitterung im englischen Bergarbeiterstreik.
London, 2. Rov. (WTB. Funkspruch.) Trotz der in letzter Zeit von dem Kriegsrat des Der g- arbeiterverbandes betriebenen Propaganda wurde gestern abend auf einer unoffiziellen Zusammenkunft von Delegierten der Dergleute von Rvttinghamshire beschlossen, heute mit den Bergwerksbesihern in Verhandlungen wegen einer örtlichen Lohnvereinbarung einzutreten.
Die Zahl der Arbeitenden im Bergbau betrug gestern 278130. Das bedeutet gegenüber Freitag ehre Zunahme von 8573.
Der Dergarbeiterführer Cook erklärte in einer Rede m Liverpool, wenn die Bergarbeiter zu einer längeren Arbeitszeit gezwungen würden, so würden 'sie nicht arbeiten. Sie würden in die Schächte gehen und mehr zerstören als arbeiten.
Szenen, die an die Kriegszeiten in Deutschland erinnern, formten gestern in allen Teilen Englands beobachtet werden. Die Hausfrauen undMädchenstandeninlangenReihen vor den für die Belieferung von Kohlenzuteilungsscheinen eingesetzten Behörden.
Ergebnisse
der englischen Gemeindewahlen.
London, 2. Rov. (W. T. D. Funkspruch.) Rach den um 12 Tlhr nachts vorliegenden Ergebnissen der englischen Gemeinderatswahlen ist der Stand der Parteien olgender: Arbeiterpartei 147 Gewinne, 8 Verluste, Konservative 18 Gewinne, 87 Verluste, Liberale 7 Gewinne, 56 Verluste, Unabhängige 13 Gewinne, 34 Verluste. In Birmingham gewann die Arbeiterpartei 8 Sitze, in Rottingham 5 Sitze und in Bootle 2 Sitze. In dem neugeschaffenen Wahlkreis Twickenham dagegen wurden 19 Konservative und 5 Unabhängige gewählt, während 14 Arbeiterkandidaten unterlagen. Das Arbeiterblatt „Daily Herald" schreibt, die vernichtende Riederlage, die die Konservativen erlitten hätten, sollten dem Premierminister und seinen Kollegen zu denken geben.
Die Tunisfrage.
London, 1. Nov. (Wolff.) Laut „Westminster Gazette" soll der italienische Botschafter in Paris, Baron Avezzana, in seiner jüngsten Unterredung mit Briand angeboten haben, die italienischen Ansprüche in bezug auf Tunis zurückzuziehen und Frankreich zu helfen, sein nordasrikanisches Reich im Austausch gegen die Zurückziehung der französischen Einwände gegen eine freie Hand Italiens im nahen und mittleren Osten zu konsolidieren. Es sei auch vorgeschlagen worden, daß Frankreich mit Italien bei der Bekämpfung der Bewegung, die einen deutsch-österreichischen Zusammenschluß zum Ziele hat, zusammenwirken mochten.
Die amerikanischen Kongreh- wahlen.
Reuhork, 1. Rov. (TU.) Die Wahlkam- dagne für die am morgigen Dienstag stattfindenden Kongreßwahlen wird mit aller Schärfe geführt, jedoch stehen nur innerpolit ische Fragen zur Diskussion. Die Außenpolitik wird kaum gestreift, waS als Beweis dafür anzusehen ist, wie wenig die politischen Ereignisse in Europa hier Interesse erwecken. Schon heute läßt sich daher sagen, daß, wie auch immer die Wahlen ausfallen mögen, sie feinen Einfluß a u s die europäische Politik der Vereinigten Staaten haben werden. Auch die Frage der Zollpolitik und die des deutschen Eigentums wird durch die Wahlen kaum berührt. Die Wahlen haben vor allem ihre Bedeutung, weil sie darüber entscheiden, wie sich die künftige Regierungsmehrheit im Repräsentantenhaus und Senat gestalten wird. Außerdem, weil sie Rückschlüsse darauf zulassen, wie die nächsten Präsidentenwahlen auss allen werden. Gleichzeitig mit den Wahlen zum Kongreß stimmen acht Staaten über die Frage der Prohibition ab, u.a. Reuyvrk, Rowada und
in Schweden.
Trelleborg, 1. Nov. (WTB.) Die gestrige Enthüllung eines beut fd) en Gedenk st eines gestaltete sich unter lebhafter Anteilnahme ber hiesigen Einwohnerschaft unb in Anwesenheit zahlreicher in» und auslänbischer Gäste, barunter bes deutschen Gesandten in Stockholm, v. Rosenberg, zu einer eindrucksvollen Feier. Der durch die Vermittlung bes Deutschen Roten Kreuzes Schweden zum Geschenk gemachte Denkstein trägt die deutsche Inschrift:
„Dem schwedischen Volke für die Talen der Menschenliebe. Das deutsche Volk 1926."
Tlach der Riederlegung der Kränze wurden Ansprachen gewechselt, wobei der deutsche Gesandte namens der Reichsregierung und des deutschen Volkes der Stadt Trelleborg und Schweden unter lebhafter Anerkennung der liebevollen schwedischen Hilfstätigkeit den Dank aussprach Mit kurzer, die Verdienste des schwedischen Roten Kreuzes hervorhebenden Ansprache übergab der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes. Landesdirektor v. W i n t e r f e l d t, das Denkmal in die Obhut des schwedischen Roten Kreuzes, in dessen Ramen Generalstabsarzt Dauer, der als Vertreter des Präsidenten des schwedischen Roten Kreuzes, Prinz Karl von Schweden, teilnahm, dankte.
Iltis aller Welt.
Ein neues Großverkehrsflugzeug in Dienst gestellt.
Das Großflugzeug Ro VIII (Roland ber Rohr- dach-Metall-Flugzeugbau G. m. b. ch), bas vollkommen aus Metall erbaut ist (zehn Passagiere, brei Führer, brei Motore zu je 250 PS.), unb bas bei dem Tempelhofer Flugtag erstmalig vor bie Oeffent- lichkeit trat, ist nunmehr von ber Deutschen Lufthansa übernommen worben. Zwei weitere gleiche, ebenfalls für bie Lufthansa bestimmte Großverkehrsflugzeuge ber Rohrbach Metallflugzeugbau G. m. b. ch sinb im Bau.
Weltrekord eines britischen Jfiegerleutnanls.
Der britische Fliegerleutnant C a l v e h ist im Kampfeinsiher in vier Minuten 45 Sekunden bis zu einer Höhe von 4000 Fuß (ca. 1200 Meter) auf- und niedergestiegen. Gr hat damit einen Weltrekord aufgestellt.
Der Beginn des Leiferder Prozesses.
Heute beginnt in Hildesheim ber Prozeß gegen bie Urheber berEisenbahnkatastrophe von Leise rbe. Angeklagt sinb Willi Weber unb Schlesinger wegen Mordes unb Personen- transportgefahrbung bzw. wegen versuchten Morbes unb Personentransportgefährbung. Ferner wirb sich Walter Weber wegen Beihilfe unb Nichtanzeige eines geplanten Verbrechens zu verantworten haben. Für bie Beweisaufnahme sinb 19 Zeugen aus ber Umgebung von Leiferbe geloben. Die Urteilsoer» künbung bürste am Donerstagnachrnittag zu erwarten sein.
Jrau Walker wieder in Reuyork.
Wie die Berliner Morgenblätter aus Reu- york melden, ist Frau Walker, bie Gattin des Reuyvrker Bürgermeisters, gestern von ihrer Deutschlandreise zurückgekehrt. Dei ihrer Ankunft sprach sie sich b e g «i st e r t über Deutschland und die gastliche Aufnahme aus, die sie dort gefunden habe. Jedermann in Deutschland sei sehr liebenswürdig und freundlich gegen Amerikaner.
Dampferzusammenstoh auf der Elbe.
Der Hamburger Dampfer „Wiedau". mit Stückgütern nach Bristol unterwegs, ist in der Rähe von Altenbruch bei Hamburg mit dem im Ballast von England aufkommenden englischen Dampfer „Fleetwing" zusammengestoßen. Die »Wiedau" ist stark beschädigt zurückgekehrt. Der englische Dampfer ist ebenfalls schwer beschädigt zur Werft von Blohm & Doß geschleppt worden.
Hochwasser im vorharz.
Wie ber „Braunschweiger Allgemeine Anzeiger" meldet, haben eingetretenes Tauwetter unb ununterbrochene Regenfälle Hochwassergefahr für den Harz unb Umgegenb herbeigeführt. Bei Börs - s u m steht bas Gelände westlich der Oker unter Wasser. Die Ilse ist über bie Ufer getreten. Die Bahnhöfe Heinigen, Burgborf unb Gittelde sind nur durch Fuhrwerk zu erreichen. Ueber dem Auerhahn ist gestern ein schweres Unwetter niedergegangen. Än Groß-Quenstebt brang bas Hochwasser in die Gärten, in die Keller unb zum Teil In bie Ställe ein. Besonders großen Schaden befürchtet man für die Obstkulturen und für die Zuckerrüoenfelber, die zum größten Teil noch nicht abgeerntet sind.
Seine Frau erdrosselt.
In einem Walde bei -Utfort in der Rähe von Moers wurde die Leiche einer Frau gefunden, die mit einem Strick erdrosselt worden war. Der Polizei gelang es, die Täter, nämlich den Ehemann der Ermordeten, dessen Geliebte und noch eine dritte Person zu verhaften.
Den Vater erschlagen.
Während des Melkens geriet der Sohn eines Milchhändlers tn Alsterdorf bei Hamburg mit seinem Vater in Streit und erschlug ihn mit einem Wagenfchwengel. Rach der Tat ging der Mörder nach Hause und legte sich zu Bett, als toeim nichts geschehen wäre.
Drei Opfer eines Autounglücks.
In der Rächt zum Sonntag uoecschlug sich auf der Chaussee nach Dölle bei Magdeburg bas Auto eines Diehkommissionärs infolge Reifen
defektes mehrere Male. Einer der Insassen wurde aus dem Wagen geschleudert unb blieb mit gebrochenem Genick tot liegen. Zwei weitere Personen kamen unter das Auto zu liegen, wobei einem die Brust eingedrückt und der andere bis zur Tlnkenntlichkeit verstümmelt wurde.
Starte Kälte in Norwegen.
Gestern herrschte im östlichen Rorwegen eine für die jetzige Jahreszeit starke Kalte. In Rörvs betrug die Temperatur morgens minus 25 Grad Castus. Aus vielen Orten wurde eine Kälte von 20 bis 25 Grad Celsius gemeldet. Der Schnee, der an verschiedenen Stellen gefallen ist. liegt bereits einen Meter hoch.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 2. Rovember 1926.
Gießener Wochenmarktpreise.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 160 bis 180, Matte 35, Wirsing 4 bis 12, Weißkraut 3 bis 8, Rotkraut 5 bis 15, gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 10 bis 15, Spinat 20 bis 25, Unter-Kohlrabi 4 bis 6, Grünkohl 20, Rosenkohl 45 bis 50, Feldsalat 80 bis 100, Tomaten 40 bis 50, Zwiebeln 8 bis 10, Meerrettich 35 bis 100, Schwarzwurzeln 45 bis 60, Kartoffeln 5i/2 bis 6, Aepsel 15 bis 30, Dirnen 10 bis 15, Rüsse 80, Suppenhühner 100, Gänse 100 bis 120 Pf. das Pfund: Käse 10 Stück 60 bis 150 Pf.: Eier 15 bis 18, Blumenkohl 50 bis 150, Endivien 8 bis 15, Ober-Kohlrabi 5 bis 10, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 20 bis 50 Pf. das Stück —
Bornotizcn.
— Tageskalender für Dienstag: Stadttheater: 7.30 Uhr, „Der alte Textor" (Ende 10 Uhr). — Deutschnationaler Hanblungsgehilfen- Verband: 8.30 Uhr, Kaufmännisches Dereinshaus, Vortrag. — Lichtspielhaus, Bahnhofstruße: „Heim- liche Sünder" unb „Rin-Tin-Tin rettet seinen Herrn". — Astoria-Lichtspiele: „Der Hund von Baskerville".
— Aus betn S t a b 11 h e a t e r b u r e a u wirb uns geschrieben: Die Ausführung der Strauß, scheu Operette „Der lustige K r i e g" ift In rondjenlangen Proben sorgfältig vorbereitet worden, da das Werk musikalisch sehr anspruchsvoll ist unb eigentlich in das Reich der Spieloper gehört. Die Inszenierung liegt in den Händen des für die Operette neu verpflichteten Oberfpielleiters Curt H a m p e, bisher erster Operettentenor am Neuen Operettentheater Frankfurt a. M., der auch die Partie des Marchese singt. Don bekannten Fachkräften wurden wir Herrn Curt Steinbrecher unb Frl. Else Simon sehen. Die Violetta singt als Gast Frl. Inge van Heer, bie im Walzertraum so ausnehmend gefallen hat. Für die Partie der Artemisia ist Frl. NuschL Wiesner vom Frankfurter Operettentheater und für den Tulpenhändler Balthasar Groot Herr Ernst T s ch ö r n e r, Baßbuffo vom Nürnberger Stadttheater verpflichtet worden. Als musikalisch besonders wertvolle Nummern feien hervorgehoben bie Auftrittslieber der Violetta unb des Balthasar Groot, das Duett Violetta-Umberto, ber Walzer des Marchese sowie bie Finales. Die musikalische Leitung liegt in ben Händen bes Herrn Kapellmeisters N ef f.
— Dor Mandolinen» und ®i« tarren-Verein „Reapolita" Dreßen wird am nächsten Sonntag, 7. Rov., nachmittags 5 Uhr, in der Reuen Aula der ^Inivevsckätz sein fünftes Konzert geben. Unter der Leitung des Herrn Hans Sonntag werden Werke von R. Cilenberg, Strauß, Mozart, Sidney Smith usw. zum Vortrag gebracht. Dem Verein ist es, wie man uns schreibt, gelungen, das tn Sän- gerckreisen bestens bekannte Wendling- Quartett aus Offenbach a. M. zu dem Konzert zu verpflichten. Den Konzertbesuchern steht ein besonderer Kunstgenuß bevor. Man beachte die heutige Anzeige.
Wettervoraussage.
Verhältnismäßig milde, meist trüb, Regenfälle, südliche Winde.
Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 5,3 Grad Celsius, Minimum 0,6 Grad Celsius. Niederschläge 2,1 Millimeter. Heutige Morgentemperatur 3,1 Grad Celsius.
Ein finanzielles Rach spiel der Lungenseuche in L ich. Wie bekannt, war im Frühjahr dieses Jahres in Lich die Lungenseuche ausgebrochen. Ilm eine Weiterverbreitung der Seuche zu verhüten, mußte eine Anzahl Viehbestände abgeschlachtet werden. Die den betroffenen Diehbesihern gebotenen Entschädigungen hielten diese zum Teil für zu gering, und sie erhoben deshaw Beschwerde bei dem Kreisausschuß Gießen. In dessen jüngster öffentlicher Sitzung kamen fünf solcher Beschwerden zur Verhandlung. 3n drei Fällen erging Beweisbeschluß, noch weitere Zeugen zur Sache zu vernehmen, eine Beschwerde wurde als un* begründet kostenpflichtig abgewiefen, während im fünften Falle der Kläger seine Klage im Laufe der Verhandlung zurückgenommen hatte.
** Der Eisenbahnverkehr auf der Strecke Marburg — Biedenkopf behindert. Wegen Hochwasiers ist die Brückenbaustelle zwischen Biedenkopf unb Lubwigshütte für ben gesamten Eisenbahnverkehr bis auf weiteres gesperrt. Es verkehren Züge von Marburg bis zur Baustelle unb von dieser nach ber Richtung Laasphe unb Gönnern. Der Verkehr wirb durch Umsteigen an der Baustelle aufrechterhalten.
** Im Straßenschotter versunken. An dem neuen Eisenbahn-Uedergang in dem Stra- ßenzuH Bismarckstraße—Ecke Gnauthstraße—Sdnf- fenberger Weg blieb gestern mittag gegen 12 Uhr ein Lastauto mit Anhänger hängen und versank in dem neu aufgeschütteten Straßenschotter. Der von Fulda kommende Zug konnte infolgedesien bie Strecke nicht passieren unb erlitt eine Verspätung von einer Viertelstunbe. Durch Abhängen bes Anhängers des Autos wurde der Weg für ben Zug sreigemacht. Kurz zuvor blieb ein 4spänniges Fuhrwerk mit Schottersteinen ebenfalls in ber Straße stecken. Dadurch war es auch dem Chauffeur des nachfolgenden Autos unmöglich, die Straße in etwas schärferem Tempo zu nehmen.
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