nach ihrer Vermahlung in Briefwechsel mit dem großen Olympier geblieben ist, hat sie nie verleugnen können. Kam ich zu den Ferien aus Kassel nach Hause, dann muhte ich ihr meine Zeugnisse zeigen und ihr alles erklären, die LInlerrichtsfächer, die Lehrer und die Mitschüler. Am meisten hat sich meine Großmutter Wohl in der letzten Zeit vor meiner Einsegnung um mich bekümmert, wovon i f bereits svrach; sie hat damals vielem, was »nein kindlicher Geist nicht verstanden hatte, erst Leben und Farbe gegeben. Zn ihrem festgegründeten Glauben, mit ihrem praktischen Christentum und ihrem steten Zu- rüägehen auf die Person deS Herrn ist sie — gleich meiner Tante Luise, die in allem ihr Widerschein war — mir in dieser schwierigen Zeit ein fester Rückhalt gewesen. In repräsentativer Beziehung hatte meine Großmutter wohl etwas Katholisieren.es an sich, Zum Beispiel hatte sie eine Haustapelle eingerichtet, doch vermochte das nie Einfluß auf ihre Glaubensrichtung zu gewinnen. Diese Neigungen sind zweifellos die Reaktion auf die rationalistische Zeit gewesen, die sie miterlebt hatte.
In späteren Iahren mußte ich meine Großmutter immer am Arm führrn, wenn sie Cercle abhielt. Damals fanden bei den Hossesten noch Steh- und Sprechcouren statt, die äußerst anstrengend waren. Erst nach dem Unfall meiner Großmutter ist der Hof zu Defrliercouren übergegangen, wie ich sie zu meiner Zeit grundsätzlich cingeführt habe. Ich habe bei jenen Sprech- courcn immer die große Kunst bewundern müssen, mit der meine Großmutter jedem in hübscher Form etwas Verbindliches und doch Individuelles zu sagen verstand. Sie war in dieser Kunst in ihrer Iugend besonders erzogen worden: als sie noch ein vierjähriges Kind war, wurden zu ihrem Unterricht eine Anzahl leerer Stühle ausgestellt, die sie als bestimmte Personen zu betrachten und entsprechend anzureden hatte. Ich habe das Glück gehabt, meine Großmutter jahrelang führen zu dürfen, bis sie infolge ihres Leidens in den Rollstuhl kam und gefahren werden mußte. Don meinen Besuchen bei der Kaiser.n auf ihrem Schloß in Koblenz, das sie so sehr liebte und dessen Anlagen am Rhein sie selbst geschaffen hatte, werde ich an einer anderen Stelle zu sprechen haben. Sie pflegte dort gern den rheinischen Adel heranzuziehen, immer bemüht, geistige Brücken zu schlagen. Im Herbst weilte sie gewöhnlich in Baden-Baden, wo sie im Meßmerschen Hause zu wohnen pflegte. Zu ihrem Geburtstage am 30. September kam stets die gan^e Familie hin, und es wurden dann schöne Ausflüge und Picknicks veranstaltet. Meine Großmutter machte bei diesen Gelegenheiten, ebenso wie in Koblenz, in reizender Weise die Wirtin. Höchst amüsant war es zu beobachten, wie auch mein Großvater an beiden Orten sich nur als Gast betrachtete.
Rach dem Tode meines Großvaters blieb die Kaiserin, was ich mit tiefem Dank begrüßte, zunächst in Berlin; denn sie tat, was in ihren Kräften stand, um ihrem Sohne und mir die schwere Zeit der neunundneunzrg Tage zu erleichtern Ein ergreifender Augenblick war es, als die Fahnen der Garde, die bis dahin im Palais meines Großvaters ausgestellt gewesen waren, nach meinem Regierungsantritt in das Berliner Schloß übergeführt werden mußten. Umflorten Blickes sah sie dem feierlichen und für sie so weh- mütiaen Schauspiel zu. Denn die weimarische Prinzessin war zur kernpreußischen Königin und deutschen Kaiserin geworden. Daß sie daneben für mich die beste aller Großmütter gewesen ist, bl. ' 4 ihr bis an mein Ende unvergessen.
Außenpolitische Umschau.
Von Professor Dr. Otto Hoetzsch, M. d.R.
Die Völkerbundsversammlung, Wohl die wichtigste seit Bestehen dieses Bundes, ist beendet; auch die Delegationen sind auseinandergegangen. Für einen umfassenden Plan deutscher Völkerbundsarbeit ist die Zeit noch nicht gekommen. Wohl aber ist zu überlegen, wie Deutschlands Vertretung in diesem Bunde nun im einzelnen zu regeln ist.
Dabei ist verschiedenes zu unterscheiden. Einmal die laufende Verwaltungsarbeit, die im Auftrage des Rates von dem Sekretariat in Genf und seinen 12 Abteilungen zu leisten ist. Wir erinnern an den unangenehmen Streit an die hier für Deutschland in Aussicht genommenen Posten im letzten Iahr. Es dreht sich um verhältnismäßig wenige Stellen. Davon am wichtigsten ist der zweite Llntergeneral- sekret ä r und wohl auch der Direktor der Rechtsabteilung. Bemerkt sei, daß diese Stellen vom Generalsekretär des Völkerbundes besetzt werden, keineswegs einfach auf Präsentation der betreffenden Regierungen, sondern daß dieser die Liste von Kandidaten ein- sordert, aus der er wählt und ernennt. Dabei wäre sehr zu wünschen, daß unangenehme Personalerörterungen, wie sie gleich wieder begonnen haben, uns erspart bleiben. Aber in der
Hanse liefen die Tränen über bas Gesicht. Du armes Menschenkind! War das nun der Givfel der Not ober war das himmlische Barmherzigkeit? — Sie öffnete die Flurtür und rief den Tischler. „Holen Sie doch meinen Mann, Meister, er ist vei Schlachter Timm, da find die Kinder krank."
Madam Eggers achtete auf ihr Aus- und Eingehen so wenig wie auf ihre Worte. Hüstelnd, zitternd, aufgeregt flüsterte sie vor, sich hin.
„Alle wollten sie nichts wissen von mein' Fiete. Aber ich hab' es ihnen tüchtig gegeben. Oha, stecken sich die Briefe nid) Hintern Spiegel. Sei man ruhig, mein Fiete, bist doch der beste. Sollst doch en seiner Herr werden. Und kriegst die Allerschönste. 2a, ja, mein Fiete, dein' alle Mutter will da woll für sorgen."
Ihre irrenden Blicke fielen auf Hanfe; etwas wie Verständnis kam in die Augen. „Sind Sie das, Frau Doktor? Sie haben noch gar nid) das Seidene an. Oha, Sie sind ja ganz in was Schwarzes. Nee, wo kann man einmal, wenn fo'n Fest ist! Da, hören Sie nicht? Die Glocken?"
Die Kirchenglocken begannen zu gehe«. Pastor Jessen ließ fie ziehen zur Ehre seines alten Kantors, ehe sie den Hochzeitsfang für feine Tochter an- ftimmten.
„Fein klingt das. Nun kommt mein Fiete gleich mit fein' Braut. O mein 2>mg, o mein guten, klugen Jung — — jo, ja, ich zieh' mich schon an, ich mach' mich schon fein/'
Sie fummelte an ihrem Kleid herum; Hanse trat heran und löste leise die Haken und Knöpfe, zog ihr bas Zeug ab und sagte sanft: „Eh« er Sie holt, Mu.ter Eggers, müssen Sie ein bißchen ruhen, sonst wird der Tag zu viel für Sie."
Beziehung ist es Wohl vergeblich, auf die nötige Diskretion Überall zu hoffen. Hinzugefügt sei noch, daß diese Beamten auf 7 Iahre kündba r ange stellt werden und aus ihrer heimischen Stelmng und Laufbahn vollständig ausscheiden müssen.
Daneben kommt für die laufende Arbeit noch in Frage das internationale Arbeitsamt, mit den Stellungen, die eventuell an Deutsche vergeben werden, und dann im weiteren der Weltschiedsgerichtshof im Haag, der aus 11 Richtern und 4 Ersatzrichtcrn besteht. Letzteren wird selbstverständlich Deutschland in absehbarer Zeit auch beitreten, und es wird auch da die ihm zukommenden Stellen erhalten.
Wichtiger als das ist, was man Vertretung Deutschlands in und beim Völkerbund nennt. Wir sprechen uns durchaus gegen eine irgendwie geartete ständige Vertretung Deutschlands in Genf aus, wie verschiedene andere Starten sich eingerichtet haben. Einen Zweck hat das nicht, es kostet nur Geld und erhöht die Reibungen in einer Arbeit, die gerade bei uns sowieso außerordentlich viele verschiedene Stellen berührt. Unter Vertretung Deutschlands beim Völkerbund ist genauer zu verstehen: die Vertretung in der einmal im Iahre stattfindenden Döllerbundsverfarnrnlung und in den mehrmals im Iahr abzuhaltenden Sitzungen des Völkerbundsrates, in dem ja Deutschland ständiges Mitglied ist. Dafür stehen jedem Staat eine Anzahl formell als solcher bezeichneter Delegierten zu. Tlns scheint selbstverständlich, daß der erste dieser Delegierten, entsprechend der Praxis der anderen Staaten, in Versammlung und Rat der deutsche Außenminister sein muß. Die Ernennung des zweiten und dritten Delegierten kann jeweils wechseln. Darum haben die einzelnen Staaten noch eine Anzahl von Mitgliedern einer im ganzen so genannten Delegation. Erwünscht ist natürlich dabei eine Kontinuität, wie sie etwa auf englischer Seite in Lord Robert Cecil oder noch mehr auf französischer Seite durch das Trio: Briand, Bon- cour und Loucheur, die die formellen und tatsächlich die drei regelmäßigen Vertreter Frankreichs sind, gegeben ist.
Diese Zahlen reichen insofern nicht aus, als die sechs Kommissionen des Völkerbundes ständig arbeiten, unter denen die Abrüstungskommission im Augenblick die wichtigste ist. Es ist zweckmäßig, daß auch hierhin die deutsche Regierung immer die gleichen Delegierten entsendet, die ja nicht dieselben, wie die Hauptdelegierten zu sein brauchen, damit allmählich heranwächst, was wir noch nicht haben: ein Stamm von wirklich sachver ständigen Männern, die Deutschlands höchst schwierige und verwickelte Aufgabe im Bunde wahrnehmen. Dabei ist die Frage nicht entscheidend, ob das ein Diplomat, ein Beamter, ein Parlamentarier oder sonst irgend ein Sachverständiger ist, ein Mann oder eine Frau usw. Die Hauptsache ist: wirkliche Kenntnisse oder die Fähigkeit, solche zu erwerben, Sicherheit in der Bewegung auf dem schwierigen Gelände und bei der Auswahl und Bestimmung, Ausscheiden aller inner-, namentlich aller part eipolitischen Gesichtspunkt e.
Die Ausgaben Deutschlands find so groß und verwickelt, daß noch darüber hinaus eine Stelle da fein muß, die laufend dafür arbeitet. Der gegebene Ort ist selbstverständlich das Auswärtige Amt. Richt Genf, nicht das deutsche Konsulat in Genf, oder irgend eine besondere Einrichtung, sondern das Außenministerium in Berlin, daß unter der Leitung des Ministers und Staatssekretärs eine Stelle zur Bearbeitung der ganzen Frage haben muh. Die war ja schon vorhanden und erhält jetzt größere Aufgaben und einen welkeren Wirkungskreis. Es sei nur an das Minderheitenproblem erinnert, an feine Konsequenzen nach außen und nach innen, zum Beweis dafür, daß eine ständige Stelle für diese Arbeit vorhanden fein muß.
Darüber wird in einiger Zeit zu sprechen sein. In Form einer Gtatforderung muß bas ja ebenso wie die Forderung des Beitrage s Deutschlands an den Völkerbund, der rund zwei Millionen Schweizer Franken jährlich betragen wird, dem Reichstag vorgelegt werden. Die Hauptsache ist, daß, nachdem nun einmal die Entscheidung gefallen ist, mit dem Blick nach vorwärts, so ruhig und überlegt wie möglich an die Arbeit gegangen wird: mit Kenntnis des Geländes, der Verhältnisse und Personen, mit Taktgefühl und Fingerspitzengefühl. Es ist ganz selbstverständlich, daß Deutschland hier nicht mit allen möglichen Forderungen sofort mit der Tür ins Haus fallen kann, wozu ihm Voraussetzungen und Erfahrungen fehlen. Die Besonderheit der deutschen Position liegt ja darin, daß es als Großmacht in den Völkerbund eingetreten ist. aber als eine nicht gleichberechtigte Groß- m a dj t, sondern mit gefesselter und eingeschränkter Souveränität, als eine Großmacht der b e - siegten Seite, die deshalb für ihre Entschei-
„Zu viel? Wie^o viel?" Aber hilflos und fiebernd ließ sie es geschehen, daß sie in iyr Bett gehoben und eingepackt wurde. Einmal auf dem Lager, sank der erschöpfte Körper willenlos zusammen, die Lippen bewegten sich noch, doch man verstand nichts mehr.
Detlev Nottmann kam in die Tür. Sein Auge sah, wie es stand. Kaum noch ein Wehren des elenden Leibes gegen den dunklen Freund, der fdjon an der Tür harrte und winkte. Hanse sah ihn fragend an; er zuckte nur die Schultern. „Der Arzt ist machtlos. Ist hier niemand, der nach ihr sehen kann?"
„Ich bleibe bei ihr."
„Es kann Abend werden, ehe sie Ruhe findet. Und Niekchen Jessen —"
„Mam Eggers hat mich nötiger als Riekchen Jessen. Ist Raven gekommen?"
„Ich weiß nicht, ich war nicht im Hause. Aber die Post fuhr vorhin ein. Halt' dich tapfer, meine Hanfe. Und wenn du mich brauchst, schick' hinüber."
Sie gaben sich die Hand, bann ging er.
Hanse sah ihm nadi und sah durch die kleinen, trüben Scheiben einen schlanken Mann von der Post her zu ihrem Hause hingehen, lächelte ein bißchen und dachte: „Wie nah sind heute Tod und Leben!" Dann setzte sie sich an das Bett und horchte auf die müden Atemzüge. „Nun brauch' ich es dir nicht mehr zu sagen, du armes Menschenkind!"
--Ilse stand oben in ihrem Zimmer, als das Posthorn blies. Sie wußte, wer da einfuhr in das Städtchen, und fühlte zu ihrem eigenen Erstaunen «ine jähe Iubelwelle emporströmen vom Herzen zu den Wangen. War sie so wankelmütig? Wußte sie denn nicht, wen sie eigentlich liebte? Hatte sie immer schon, auch damals im Sommer, unbewußt den
düngen nicht einfach die Front der Großmächte als für sich veroinblich betrachten wirb.
Inwieweit die Hoffnungen und Erwartungen, die seit Iahren von den Völkerbunds- freunden auf den Eintritt gesetzt worden sind, sich erfüllen, inwieweit im besonderen die neue Konstruktion des Rates funktionieren wird, das wird sich zeigen. Was Deutschland dazu beitragen kann, wird und soll es tun. Maßgebend aber können für die Vötterbundspolitik unseres Staates ausschließlich die deutschen Interessen sein, mit den Forderungen zunächst und ganz allgemein der Gleichberechtigung, der Revisionsmöglichkeit für die Friedensveriräge, des Minderbeitenrech^s, und in dem Rahmen, daß Deutschland eben ist und bleibt der Staat zwischen Westen und Osten. Ein Deutschland im Völkerbund darf und soll erst recht nicht vergessen seine Beziehungen zu Rußland und sein Verhältnis zu den Vereinigten Staaten von Amerika.' Zunächst ist vor allem das letztere wichtig: es immer im Auge zu halten, ist eine Hauptforderung für die deutsche Außenpolitik, wenn nun nach Abschluß der Völkerbundsaktion, mit der die Völkerbundfragen als solche zu- förderst in die zweite Linie treten, das Programm der Verständigung mit Frankreich in Angriff genommen wird.
v Oberhessen.
Landkreis Gießen.
* Klein-Linden, 2. Oft. Der Männer- Gesangverein „21 r i o n“ hält am Sonntag, 10. Oktober, sein diesjähriges Konzert ab. Außer Volksliedern und Schwierigkeitschören wird unter der Leitung des Chormeisters K. 21 ifolai der Chor „Deutsche Tänze" von Schubert mit Orchesterbegleitung und Tenorsolo zum Vortrag kommen.
is. Steinbach, 1. OH. Lehrer i. R. Ranz, der seit 1900 die hiesige erste Schulklasse leitete, verließ heute mit Familie unseren Ort, um seinen Ruhesitz in Lletzhausen bei Salzschlirf zu nehmen. Lehrer Ranz trat 1878 in den Schuldienst und wirkte abwechselnd in den Gemeinden Altenschlirf, Schlitz, Freiensteinau (Kr. Lauterbach), von 1883 bis 1900 in Albach (Kr. Gießen) und ab 1900 in Steinbach, wo er am 1. Iuli 1924 abgebaut wurde, In den beiden letzten Gemeinden, die zu einem Kirchspiel gehören und nur 10 Minuten von einander entfernt sind, war Lehrer Ranz durch seine über 40jäbrige Tätigkeit als Lehrer und Organist eine bekannte und allgemein beliebte Persönlichkeit. Auch leitete er in beiden Dörfern lange Iahre hindurch als Dirigent die Gesangvereine. Gerne hätte er hier in Steinbach seinen Ruhesitz genommen, es sand sich aber keine passende Wohnung. Sein Vorhaben, sich auf dem ihm von der Gemeinde überlassenen Schulgarten ein Wohnhaus zu errichten, zerschlug sich, da ihm der Gemeinderat die Genehmigung dazu nicht erteilen konnte. Eine geplante Ehrung seitens verschiedener Vereine vor dem Weggang mußte unterbleiben, da Herr Nanz infolge seines angegriffenen Gesundheitszustandes ablehnte.
(D Grüningen, 1. Oft. Im Auftrage des Evangelischen Bundes hielt am Sonntagabend Pfarrer Haupt (Gießen) im gut besetzten Gotteshause einen interessanten Vortrag über das Thema „Ewigkeit oder nicht?" Den spannenden Ausführungen lauschten die Zuhörer mit größter Aufmerksamkeit. Zum Schluss« folgte eine Film- vo Währung.
t Gründerg, 1. OH. Die Kartoffelernte ist in unserer Gegend zufriedenstellend ausgefallen. Gegenwärtig ist man mit dem Einbringen der D i ck w u r z und mit der neuen Aussaat beschäftigt, die bei den günstigen Witterungsverhältnissen recht gut bon- kalten. geht. — In der gestrigen Gemeinde- ratssihung wurde von dem Vorsitzenden ein Schreiben des Landesfinairzamtes bekanntgegeben, wonach sich das Landesfinanzamt bereit erklärt, von dem ihm überlassenen Baugelände von 1658 Quadratmeter 500 Quadratmeter für die Erbauung eines Beamtenhauses abzugeben, wenn ihm der Bauplatz von 1158 Quadratmeter bedingungslos überlassen wird und der Bauplatz von 500 Quadratmeter nur für die Erbauung eines Deamtenhauses Verwendung findet. Der Gemeinderat beschloß demgemäß und überläßt nun dem Hessischen Ministerium der Finanzen den 500 Quadratmeter großen Bauplatz in der Theo-Kochstraße zur Errichtung eines Deamtenhauses. Die städtischen Wiegegebühren, die bis jetzt bei Großvieh 25 Pf., bei Kleinvieh 20 Pf. je Zentner ein bzw. zwei Pfennig, je nach Art, betrugen, sind bei Großvieh auf 50, bei Kleinvieh auf 30 und bei anderen Wiegungen auf 2 bzw, 4 Pf., mindestens jedoch für eine Wiegung auf 30 Pf. festgesetzt worden. In einem kreisamtlichen Schreiben wird die chemische Untersuchung des städtischen Trinkwassers auf seinen gesundheitlichen Zustand hin empfohlen. Da sich die hiesigen
stolzen, dunklen Mann im Herzen getragen und es nur nicht erkannt, weil er ihr zu hoch stand? — Was sollte sie sagen, wenn er nun kam? Wenn doch wenigstens Hanse im Hause geblieben märe! — Da ging schon die Tür — nun hörte sie die Stimme des kleinen Bruders: „Unsere Ilse? Die sitzt auf ihrem Zimmer. Du, Onkel Raben, die Treppe rauf und denn geradezu. Geh man dreist rein!'
Dieser Junge! Sie sprang auf und trat aus der Tür, sah aus dem dunklen Treppenhaus einen großen Mann heraufkommen, faßte die Türklinke hinter sich, wäre am liebsten wieder in die Stube zurück- geflüdjfet und hatte solche Schwäche in den Knien, daß sie zitterte.
„Der kleine Murillo schickt mich. Ich soll nur dreist hereingehen. Wenn man aber gar nicht dreist ist? Wenn man gar keinen Mut Hai? Wollen Sie mir nicht ein bißchen Helsen, liebe Ilse?"
„Ich hab' nicht gedacht, daß Thomas Raben, der mit den widerspenstigsten Sündern fertig wird, vor einem dummen Mädel Angst haben kann."
„Ich glaube, wenn das kleine Mädchen, statt so dazustehen, als wollte es gleich fortlaufen, hierher käme und den Kopf an meine Schulter legen wollte, bann würde ich viel mutiger werden. Sollte es nicht geschehen?"
„Wenn Sie meinen —-w
„Immer noch S i e?" /
„Wenn — wenn du es meinst —"
Da hätte Thomas Raben den nötigen Mut ganz von selber roiebergefunben, hob die zierliche Gestalt auf seine Arme, trug sie die Treppe hinab, hinein in die Wohnstube, wo das Instrument stand, und sagte: „Hier hab' ich deine Stimme'zum erstenmal gehört und dich zum erstenmal gesehen: hier will ich dich feierlich fragen: Willst du Schmalebeck auf
Quellen in vorzüglichem Zustande befinden und ihr Wasser aus großer Tiefe erhalten, wird von einer Untersuchung Abstand genommen. Beschlossen wurde ferner, das Ministerium zu ersuchen, die seinerzeit eingereichten Steuersätze der Gemeindesteuer zu genehmigen, damit die Stadtverwaltung mit dem Einziehen der Steuer bald beginnen kann. Dem Reit- und Fahrverein wurde auf Ersuchen ein Platz, auf dem er seine Vorführungen am Gatlusmarkt ausführen tann, zur Verfügung gestellt und ein Ehrenpreis gestffttt.
I Lauter, 1. DH. Eine einzige kalte Mainacht hat in hiesiger Gemarkung fast die ganze Obsternte zerstört. War in normalen Iahren die Slpfelernte hier eine Arbeit von 14 Tagen, so dürfte in diesem Jahre in drei Tagen die Ernte erledigt fein. Schätzungsweise beträgt der Ausfall an Tafelobst 1500 bis 2000 Zentner, an Kelterobst 1000 bis 1200 Zentner. Nur ganz vereinzelt zeigten Winter-Goldparmänen, Schöner von Boskoop und Baumanns Reinette einen mittelguten Behang.
Kreis Büdingen.
—/— Liß berg, 1. Oft Zur Zeit sind Bestrebungen im Gange, neben den bereits bestehenden beiden Steinbrüchen der Firmen Seipel & Scherer noch einen dritten; Sternbruch zu eröffnen. Sowohl die Firma Seipel-MühHeim, als auch Ingenieur Ias- kowski-Hanau haben Verhandlungen zum Erwerb des nötigen Geländes eingeleitet. Im Interesse unserer Gemeinde und der Timgegend ist natürlich sehr zu wünschen, daß die Eröffnung des neuen Steinbruchs bald erfolgen könnte. — Gestern ereignete sich in einem erst vor kurzer Zeit im Walddistritt „Stein" eröffneten Steinbruch -einer auswärtigen Firma ein Un« glücksfall. Der Arbeiter Hr. C r kvon Schwik- kartshausen wurde so unglücklich von einem herab stürzenden Stein getroffen, daß er schwer verletzt wurde und auf dem Transport nach dem Krankenhaus in Büdingen starb. Der Verunglückte, der im Alter von 41 Iahren stand, hinterläßt eine Witwe unb. vier Kinder. Wen die Schuld an dem ilngludt trifft, steht noch nicht fest.
—/— Aus dem Riddertal, 1. Oft. In sonstigen Iahren herrschte in der Herbstzeit an unseren Bahnhöfen ein reger Ob st verkehr. Infolge der schlechten diesjährigen Obsternte werden nur hier und d a einzelne Waggons verladen. Strichweise ist die Aepfel- emte besser ausgefallen, als man zuerst onnahm. Infolge schlechter Ernte und großer Rachfrage sind die Preise sehr hoch und fortgesetzt im Steigen. Für Schütteläpfel werden 8 bis 10 Mk. Pro Zentner, für Tafeläpfel 15 bis 20 Mk., bei einzelnen besonders guten Sorten sogar bis zu 30 Mk. geboten und bezahlt.
]:[ Aus dem Dieichenbachtal, 1. Oft. Allenthalben haben in unserem Tale die Herbst- ferien begonnen, um den Kindern Gelegenheit zu geben, ihren Eltern bei der Kartoffelernte zu helfen. Außerordentlich früh hat in diesem Iahre die Ernte eingesetzt. Sehr warm kommen die Kartoffeln aus der Erde, und die Leute sind Lgezwungen, sie bis zum Abend auf dem Acker liegen zu lassen. Andere Landwirte helfen sich dadurch, daß si eihre Kartoffeln erst übergießen, ehe sie in den Keller kommen.
Kreis Scholten.
----- Gedern, 1. Oft. Rachdem der Gemeinderat kürzlich die Anlage einer Iungviehweide in der hiesigen Gemarkung genehmigt hatte, fand gestern unter Leitung des Reg.-R.ats Weber (Schotten) in Gegenwart der Hutweidew-R-eliovationskommission, bestehend'u. a. aus Kreisdirektpr Michel (Lauterbach), Kultur- Oberinspektor Kunz (Lauterbach) und Landtagsabgeordneter Isst (Bermuthshain), eine Besichtigung des zur Melioration vorgesehenen Geländes in der „Seife" statt, die ein sehr günstiges Ergebnis zeitigte. An die Besichtigung schloß sich eine Besprechung mit der Gemeinde- Vertretung, die nach Darlegung der allgemeinen Vorteile der Hutweidenverbesserung und der ausführlichen Behandlung der finanziellen und Rentabilitätsfrage als Ergebnis das Zustandekommen eines Vertrages hatte, wonach der Staat einen Z^s chuß von 50 Prozent und auheübein dke Dcrwaltungskosten Während der Anlage gibt. Für später sind'Melio» rationen an der Rachtweide, im Riddern und anderen Gemarkungsteilen vorgesehen, Die Meliorationsarbeiten in der „Seife" sollen baldmöglichst in Angriff genommen und allgemein an Arbeitsuchende der Gemeinde vergeben werden. Es dürste dadurch manchem eine willkommene Verdienstmöglichkeit während des Winters bis vielleicht zum Sommer des nächsten Iahres geboten fein.
-------- Glashütten. 1. Oft. Am 20. Oft. wird hier auf Veranlassung des Hessischen Feld- bereinigungsiommlssars eine Versammlung der hiesigen Grundeigentümer stattsinden, die sichmitderAusbringungderKostensür die geplante Feldbereinigung 6e-
immer verlassen und mit einem fremden Mann in die große Welt ziehen, du geliebter, kleiner Sing» oogel du?"
„Wenn es nicht anders sein kann." Und plötzlich schien ihr Schmalebeck, die kleine, oft verachtete Stadt wie ein stilles Paradies, aus dem sie hinausgehen sollte. Sie faßte die Hand, die sich an ihre Schulter legte, und druckte die Wange daran. „Ich geye, wohin du mich führst."
*
Als der Tag zu Ende ging, hatte eine müde Seele Ruhe gefunden, ein junges Paar den gemeinsamen Lebensweg angetreten und ein anderes dachte an den nahen Nestbau. — Trauer und Freude war in den stillen Schmalebecker Häusern einge» kehrt, Tränen des Leides waren geflossen und Tränen des Glücks, und der Mond, der in vollem Licht über der kleinen Stadt stand, sah hier und dort noch Fenster erleuchtet, die sonst zu dieser Stunde längst dunkel lagen.
Mehr sah er nicht; denn die dunklen Bäume, in deren noch kahlen Zweigen der Nachtwind rauschte, die alten Fachwerkhäuser, die kleine Kirche und die glitzernde Schmale — alles war wie seit hundert Jahren. Droben in der Luft schrien Nachtvogel, der Hahn auf dem Kirchturm leuchtete wie Silber, die Wellen tm Fluß murmelten ihr heimlich-süßes Lied — draußen in den Feldern ruschelte es im jung- grünen Roggen; Rehe traten aus dem Holze und hoben die feinen Köpfe empor zu seinem Glanz — was wußte die Natur von Menschenunruhe und all den törichten Wirren und Kämpfen dieser Eintags- fliegen! —
Klein und schmucklos lag Schmalebeck unter dem stillen Himmelslicht, nur feine Pulse klopften unhörbar durch die Nacht.


