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Turnen, Sport und Spiel

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Vie llleinrentnerfürforge.

Don Direktorin Dr. Matz, Mitgl. des Reichstags.

Cs wird in Rentnerkreisen allgemein dankbar anerkannt, daß die Kleinrentnerinterpellation der Deutschen Volkspartei, die seinerzeit in der Reichstagssihung vom 1. März zur Verhandlung kam, die Erörterung über die brennenden Lebens­fragen der Kleinrentner, die in der Oeffentlichkeit ziemlich ruhten, wieder in Fluß gebracht hat. Die Reichsregierung hatte geglaubt, durch den §*633 der Reichsgrundsähe die Heraushebung der Rentner aus der allgemeinen Fürsorge zu sichern, indem die Bestimmung getroffen wurde, daß die Leistungen für die Rentner grundsätzlich mm ein Viertel höher sein sollten als die Sähe der allgemeinen Fürsorge. Auch die Forderung der gehobenen Fürsorge für die Rentner hin­sichtlich der äußeren Form ist von der Reichs­regierung immer erneut aufgestellt worden. Da­mit aber waren die Dinge regierungsseitig zur Ruhe gekommen, und das Reichsarbeitsministe­rium hat sich gegenüber einem selbständigen Rentncrversorgungsgesetz bisher ganz ablehnend verhalten, sowohl gegenüber dem vom Deutschen Rentnerbuird vorgelegten formulierten Gesetzent­wurf als auch gegenüber sonstigen Anregungen auf Rückübernahme der Rentnerfürsorge auf das Reich.

In der Kleinrentnerinterpellation der Deut­schen Volkspartei wurden folgende Punkte in der Durchführung der Rentnersürsorge besonders beanstandet:

1. Härten bei der Auferlegung der Arbeits­pflicht, 2. Anrechnung des Arbeitsverdienstes, 3. Anbilligkeit bei der Heranziehung der unter­haltsverpflichteten Angehörigen. 4. Verpfändung des Rachlasses zu Lebzeiten des Rentners. Die Aussprache im Plenum gab weiter Veran­lassung, darauf hinzuweisen, daß der § 33a, der den Kleinrentnern die gehobenen Sähe zubilligt, in vielen Gemeinden ebenso auf dem Papier steht, wie die Vorschrift der Freilassung eines Zins­einkommens von 270 Mark aus Hypotheken- zinsen oder nach dem Anleiheablösungsgesetz. Die Antwort des Regierungsvertreters war durchaus unbefriedigend. Der Hinweis auf die Richt- Verantwortlichkeit des Reichsarbeitsministeriums, da die Fürsorge Angelegenheit der Eelbstver- waltungskörper sei, und der Hinweis auf die Landesregierungen geht über die Verpflichtung des Reiches den durch Reichsmaßnohmen ge­schädigten Kapitalrentnern gegenüber glatt hin­weg und bedeutet ein Versagen des Reiches, dos die beteiligten Kreise mit Recht bitter emp­finden. Demgegenüber mutz immer erneut betont werben, daß Länder und Kommunen wenn auch jetzt nach dem Buchstaben der Verordnung über die Fürsorgepflicht zu Trägern der Für­sorge bestimmt dem Kleinrentner gegenüber keine unmittelbare Verpflichtung haben, weil der Rentner kein Armer, kein Fürsvrgebedürfiiger im alten Sinne ist, sondern daß das Reich den Kaditalrentnern gegenüber ebenso verantwortlich und verpflichtet ist wie in anderer Beziehung den Kriegerh'nterbliebenen und Kriegsbeschädig­ten. Auch bei der Tleberweisung der Fürsorge an andere Träger mutz das Reich die letzte Instanz 'bleiben.

Di? lebhaften Klagen, die in dieser Reichs- togs^ebatte von verschiedenen Seiten vorgebracht wurden, hoben nunmehr einen neuen Erlab des Reichsa'-beitsministe'i ims an di? für die Kl^in- rentnerfür^orne zuständigen Ministerien der Län- der herbeigekührt. Dieser Erlaß bedeutet trotz mancher outen Worte rmd treffenden Bemer- kunoen für die Rentner ein« neue Enttäuschung, weil alles wieder aufKannvorschriften", auf Empfehlung von Wohlwollen und schonender Be­handlung binousläuft. Ri'bt Wohlwollen und schonende Behandlung, die den früheren Dräger mi^telbürgerffcher Selbständigkeit outs tiefste de­mütigt. wiff der Kleinrentner, sondern einfach« Durchsetzung seines guten Rechts. Es H nehenbe? bemerkt, daß in zahlreichen Fäffen

Eschenröder Mädchen durch den geöffneten Oberteil einer Haustüre in ein Haus geschwemmt worden. Am Abend des ersten Dfingsttages hotte man auf der Strecke EschenrodUnter-Schmitten 26 Tote ge«

Vtevarischen, ein anderer mit mehr politisch- psychologischer und ein dritter vielleicht mit einer rein historischen Dlickeinstellung Herangehen. Die Hauptsache ist, daß jeder nur das Problem der Presse in seiner ganzen Vielgestaltigkeit versteht und erfaßt. TInd das sollte sich der Student in ganz besonderem Maße zur Ausgabe stellen. Hier ist noch viel, sehr viel von und an der deutschen Studentenschaft zu tun.

Vereinfachungen oder Ersparnisse für die Verwal­tung ohne gleichzettige Schädigung dienstlicher oder ariderer Belange nicht erwarten lassen. Dahin gehören u. a. die Vereinigung des ge­samten technischen Außendienstes im Hochbau-, Tiefbau-, Kulturbau- und Vermessrmgswesen zu gemeinsamen technischen Bezirksämtern im Wege der organisatorischen und örtlichen Zusammen­legung, die Aufhebung der Staatsrentämter, die Verwaltung zweier Öberämter duvch einen ge­meinsamen Vorstand, di« Verringerung der Zah­len der Rotariatsbezirke. Die Tätigkeit des Landes-Sparausschusses ist indessen damit keines­falls beendigt. Glitter den weiteren Sparmaß­nahmen, die ihn noch zu beschäftigen haben werden, sind für die nächste Zeit die Verein­fachung des staatlichen Kastenwesens durch Ver­ringerung der Zahr und Zusammenlegung be­stehender Kassen sowie Einführung eines ver­einfachten Rechnungssystems, die räumliche Zu- sammenlegung von Behörden derselben Verwal­tung, die Erzielung von Ersparniffen bei der Schutzpolizei infolge der dorzunehmenden Ver­ringerung ihrer Kopfstärke und insbesondere die Frage einer neuen Dezirkseinteilung bzw. der Zusammenlegung von Bezirksämtern (Oberämtar, Amtsgerichte) vorgesehen. Es besteht ferner die Absicht, ein Landesverwaltungsgosed aufzu­stellen, das die Zuständigkeit der Behörden, das Verfahren in Derwaltungs- und Derwaltungs- vechtssachen, den Beschwerdeweg und deS Zwangs- voNstreckungswesens unter dem Gesichtspunkt möglichster Zweckniäßigkeit und Vereinfachung zu regeln bestimmt ist. Endlich soll ein« Kodifikation des gesamten württembergischen Rechts duvch- geführt werden.

De vere nsachunassorschläge der Ztaatrreaierung von Württemberg.

Von Bazille, Staatspräsident von Württemberg.

D. S. D. Das Württembevgisch« Staats­ministerium hat im Oktober 1925 einen Landes­sparausschuh eingesetzt, der aus Vertretern des Staatsministeriums und der Einzelministerien unter dem Vorsitz des Finanzministers gebildet und dem die Aufgabe gesetzt rst, Vorschläge für eine sparsamere und wirtschaftlichere Verwal­tung aufAustellen und dem Staatsministerium zur Entscheidung vorzulegen. Rachdem erst auf 1. April 1924 anläßlich der Durchführung der Personal-Abbau-Verordnung durchschnittlich 20 v. H. des vorhandenen Deamtenpersonals aus den einzelnen staatlichen Verwaltungen aus- geschieden worden sind, tonnte es sich bei den neu eingeleiteten Sparmaßnahmen weniger um eine alsbaldige weitere und erhebliche Verrin­gerung der Beamtenzahl handeln, zumal, da in Württemberg der Grundsatz möglichster Spar­samkeit und Einfachheit in der Organisation der staatlichen Verwaltung und der Ausstattung der Aemter mit Personal schon von je her ein­gehalten wurde und auch in den Rachkriegs- jahren eine Aufblähung der Aemter mit zahl­reichen Beamtenstellen, von Ausnahmen abge­sehen, vermieden geblieben waren. Die Tätig­keit des Landes-Sparausschusses hatte sich da­her in erster Linie auf Maßnahmen zu richten, die auf eine Einschränkung der staatlichen Ver­waltungsaufgaben, soweit sie bei der heutigen Finanzlage des Staates nicht mehr tragbar er­scheinen, auf eine Vereinfachung der Dehörden- ovganisatton, des Geschäftsganges und des Ver­

fahrens und auf eine zweckmäßige Arbeits­einteilung abzielen und die auf diesem Wege zu dem Ziel einer Vereinfachung des Behörden­apparates und einer Verringerung der Deamten- zahl führen.

Von diesen Gesichtspunkten ausgehend, hat der Landes-Sparausschuß zunächst die sämtlichen staatlichen Verwaltungen auf ihre Geschäftstätig­keit und die Zweckmäßigkeit ihrer Organisation eingehend durchgeprüft und Einzelvorschläge zur Vereinfachung der Verwaltung und Erzielung von Ersparnissen aufgestellt (Abbau von Plan­stellen, Zusammenlegung bisher selbständiger Be­hörden). Außerdem sind von ihm für die Reu­ordnung des Registraturwesens, die einheitliche Regelung des Beschaffungswesens u. a. Richt­linien ausgearbeitet worden, die eine Ersparnis an Arbeit und Kosten erwarten lassen. Er hat sich ferner mit der Frage der Behördenorgani- sation in den einzelnen Verwaltungen und be­sonders mit der Eingliederung der Landesmittel­behörden in die Ministerien befaßt: über den letzteren Gegenstand liegt ein Gesetzentwurf dem Landtag vor. Bereits durchgeführt ist sodann die Einrichtung einer zentralen Lehrerbesoldungs- kasse in Verbindung mit der Staatshauptläss«. Auch sind zur Zeit Versuche mit der Verwendung von staatlich beschafften und betriebenen Kraft­wagen für die Dienstreisen der Beamten in Gang, um zu prüfen, ob mit dieser Einrichtung der Dienstreisen der Beamten verschiedener Verwal­tungen, die an einem Ort vereinigt sind, zweck­mäßiger und billiger ausgeführt werden können.

Dagegen haben in anderen Fragen, die den Landes-Sparausschuß beschäftigt haben, De bis­herigen älntersuchungen ergeben, daß sich dabei

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funden, und am Nachmittag des zweiten Pfingst- feiertags klang in den Dörfern des Eicheltales die Totenglocke und floß ein Strom von Tränen auf 26 frische Gräber. Erst am 26. Juni fanden die Eicheffächser beim Räumen ihrer Wirsen den letz­ten ihrer verunglückten Dorfgenossen und Übergaben ihn am folgenden Tage der Heimaterde.

Unverdrossen gingen die Eicheltäler an die Ar­beit, die Wasserschäden zu beseitigen, von hilfsbe­reiten Nachbargemeinden nachdrücklich unterstützt. Der Heimatacker schrie nach Armen, die Ernte des Sommers zu bergen, und die Fülle der Arbeit half die Unglückszeit überwinden.

Der aussterbende Wisent.

Von Ernst Valentin.

Bis zum Ausbruch des Weltkrieges gab es in Europa etwa 1000 Wisente, von Denen etwa 700 Stück im Tlrwald von Bialowice sorgsam ge­hegt wurden. Eine Herde von 70 Stück befand sich im Kreis Pleh in Oberschlesien, eine größere Herde von einigen 100 Tieren im Kubangebiet im Kaukasus. Außerdem wurden einige Dutzend in verschiedenen Tiergärten europäischer Groß­städte gehalten. Der Wisentbestand von Bialo­wice wurde während des Krieges restlos ver­nichtet, in Oberschlesien blieben 4 Tiere übrig, im Kubangebiet etwa 25. Der ganze Wisent- bestand in Europa betrug nach Kriegs­ende (einschließlich der Wisente in den zoolo­gischen Gärten) nur noch etwa 6 0 Stück! Eine Ziffer, die erschreckend ist und zeigt, welch un­geheuerlichen Blutzoll ter Wisent während des Krieges zahlen mußte. Das Schicksal dieses edel­sten Raturdenkmals unserer europäischen Tier­welt schien so besiegelt, wie das des Auerochsen, der Anfang des 17. Jahrhunderts ausstarb.

Auf Veranlassung des Direktors des Zoolo­gischen Gartens in Frankfurt a. M., Dr. P. P r i e m e l. kamen alle Wisentbesiyer Europas im September 1923 zu einer zoologischen Tagung in Berlin zusammen, Deren Ergebnis Die Grün­dung DerInternationalen Gesellschaft zur Er­haltung des Wisents" war. Die ersten Arbeiten bestanden darin, alle noch vorhandenen Wisents zu registrieren, sie vor Seuchen zu schützen und Maßnahmen zur Aufzucht zu beraten. Obgleich

die Durchführung des Rechtsansprr^es auf di« Dvrzugsrente durch einzelne Wohlfahrtsämter ganz unnötigerweise zu einer Fürfvrgeangelegen- heit gestempelt wird.

Der Erlaß stellt fest, daß nach dem Ergebnis einer vom Reichsarbeitsmimsterium veranstalteten Rundfrage die Rentensätze bei manchen Versorgungs- oerbänden noch zu niedrig sind, besonders in länd­lichen Bezirken. Irgendwelche bindenden Vorschrif­ten über Erhöhung werden jedoch nicht gegeben.

Die Zuweisung von Arbeit soll nur bann m Frage kommen, wenn die Arbeit dem Rentner unter billiger Berücksichtigung der früheren Lebensverhält- nisi'e zugemutet werden kann und seine Kräfte nicht übersteigt. Die Arbeitspflicht als solche bleibt also bestehen, und der Rentner unterliegt nach wie vor jeder willkürlichen Festsetzung. Bei Anrechnung des Arbeitsverdienstes soll mit besonderem Wohlwollen verfahren werden. Statt endlich den spärlichen Ar­beitsverdienst grundsätzlich freizugeben, bleibt also praktisch alles beim alten.

Der Erlaß beklagt, daß Ersatzansprüche gegen unterhaltsverpflichtete Angehörige auch gegen Per­sonen geltend gemacht sind, die selbst schwer um den Unterhalt ihrer Familie zu ringen haben, und emp­fiehlt sorgfältige Prüfung zur Ausschaltung von Härten. Wieder keine bindende Vorschrift, wieder Entscheidung nach Ermessen!

Dasselbe gilt von Der Heranziehung Des Ver­mögens zur Ersatzleistung und Der VerpfänDung Des Hausrats unD Der hypothekarischen Sicher­stellung an einem CrunDstück. Der Erlaß stellt fest, Daß Die regelmäßige Durchführung eines solchen Verfahrens mit Den ReichsgrunDsähen nicht zu vereinbaren ist. und begründet Dies ein- leuchtenD aus Den Vorschriften und Gedanken« gangen Der ReichsgrunDsätz« Trotzdem keine festen Richtlinien. Daß bei bestimmten Tatbestän­den VorhanDensein Des üblichen bürgerlichen Hausrats eine Verpflichtung und Verpfändung nicht mehr bcrlanat werden Darf, sonDern nur Die altbekannte Vorschrift, Daß eine Verpflichtung in Der Regel nicht verlangt werDen soll. Prattisch beDeutet Das, Daß manche Wohlfahrtsämter, um sich zu sichern, vorsichtshalber Doch ohne Aus- nähme Die Gewährung Der Rente von Dem Unter­schreiben einer Verpfändungsverpflichtung ab­hängig machen.

In Der DrückenDen Abhängigkeit Des Rentners von den Wohlfahrtsämtern, Die eine starke see­lische Belastung Dieser Kreise Darstellt unD von ihnen als unwürDig empfunDen wirD, wird durch diesen Erlaß nichts geändert.

Derartige wohlgemeinte, aber ganz unge­nügende Maßnahmen Des Reiches sinD nicht ge­eignet, Die TragöDie Des Deutschen Rentners einem versöhnlichen Abschluß zuzuführen.

Hunter Suchen nach den Ertrunkenen. Kaum 100 er von ihrem Hause hing die Frau Heun in den Nußbaumes. Bis Winaershausen fand man vier weitere Tote, und im Dorfe selbst war ein

DK EichMöler Wasserflut vor hundert Zähren.

Von Wilhelm Würz. Eichelsdorf.

Es war am Pfingstsamstag (3. Juni) des Jahres 1826. Aus wolkenlosem Himmel brannte die Sonne mit hochsommerlicher Kraft. Drückend lastete die Hitze auf Mensch und Tier. Nachmittags türmten sich drunten übermhohen Wald" mächtige Gewit­terwolken, die langsam den Höhen des Vogelsbergs näherrückten. Der lag wurde zur Nacht. Blitz auf Blitz zuckle hernieder, und unaufhörlich rollte der Donner. Am Bilstein blieben die Wolkenmassen hän- Sen und entluden sich in einem furchtbaren Wolken­ruch. Im Nu war das enge Tütchen, in dem die Orte Breungeshain, Buienborn, Eschen­rod, Wingershausen, Eichelsachsen und E i ch e l s d o r f liegen, von einem reißenden Strom erfüllt, der zunächst das dicht an den Bach gebaute Eschenrod verheerend traf. Das im oberen Teile des Dorfes gelegene Gemeindebrauhaus stürzte un­ter dem Druck der Wellen zusammen. Der Brau­kessel klemmte sich in einer Biegung des viel $u engen Vachbettes fest und stemmte sich im Verein mit angeschwemmten Holzmassen, Steinen und Ackergeräten de« Wassern entgegen, diese in die Dorfstraße treibend, die von der Gewalt der Flu- len 20 bis 30 Fuß tief ausgewaschen wurde. Die Grundmauern vieler Häuser wurden untergraben, und diese stürzten dann ganz oder teilweise mit den Bewohnern in den Strom. So trug das entfesselte Element die gesamte Familie Heun, Vater, Mut­ter, vier Kinder und eine Pflegetochter samt dem zu- fammengestürzten Hause davon. Der aus dem Felde heimkehrende Johann Heinrich Herrmann sand 'auf der Stätte seines Hauses ein stockwerktiefes Loch, in dem die Wasser mahlten. Seine Frau, drei Kinder, der Knecht und ein Bursche aus der Nach- barschaft, der zur Zeit des Unglücks im Haufe weilte, waren verschwunden. Von einer dritten Fa­milie Buß blieben nur zwei auswärts bedienstete Kinder übrig; die zu Hause weilenden sechs Glie­der der Familie wurden mit der gesamten Hofreite fortgespült, ebenso Mutter und Tochter Weigand.

In Eschenrod fanden 21 Menschen den Tod in den Wellen. Dazu kam zahlreiches Vieh, das noch

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Sonntag iD"

Bemühungen Der Gesellschaft von manchen Kreisen für nutzlos erklärt wurden, ging man unbeirrt ans Werk und nach zweijähriger Arbeit Darf gesagt werden, daß sie erfolgreich war. Der Wisentbö- stanD hat sich im Lauf von zwei Jahren um 20 Prozent vermehrt. Inzwischen sind in 3tal$.en, in Oesterreich unD in Der Schweiz Landesgruppen Der genannten Gesellschaft gegründet worden und man hofft auf Dec Anfang September D. I. in Wien stattfinDenDen Tagung neue Fortschritt« feststellen zu können.

Der gegenwärtige WisentbestanD ist auf bte Städte verteilt: Berlin, Hamburg, Stuttgart. Posen, Wien, Amsterdam, Kopenhagen, Stock­holm, London und Petersburg. UnD zwar be­finden sich im Stockholmer Tiergarten auf ©Fan­ten 11 Tiere, womit dieser Tierpark eine Rekord­zahl aufweist. Ferner befinden sich m privaten Waldungen: 7 in der Mark Brandenburg (Graf von Arnim-Boihenburg) , 6 in Mecklenburg (Großgrundbesitzer Beumer), 7 in Holland (Be­sitzer Blauw), 7 in England (Herzog von Bed­ford). Eine Herde von 25 Wisenten soll sich noch, wie schon erwähnt, im Kubangebiet im Kaukasus befinden. Zum Schutz dieses Bestandes hat die russische Regierung Maßnahmen angeord­net: jeder Jäger, der einen Wisent erlegt, wird mit dem Tode bestraft.

Die Bestrebungen gehen dahin, durch sorg­fältige Aufzucht die vorhandenen Bestände so zu vermehren, daß in einigen Jahrzehnten in ge­wissen Wäldern Europas größere Stammherden auSgesetzt werden können. Da unter Den vor­handenen Wisenten vier Blutströme fest­gestellt wurden, so ist ein« Degeneration durch Inzucht nicht zu befürchten. Außerdem hat die amerikanische Bison Society der Internationalen Wisent-Gesellschaft in Europa einige Dison- Kühe überlassen, die durch Kreuzungen mit Wi­sentstieren nach einigen Generationen Tiere lie­fern dürften, die sich von einem Wisent in reiner Abstammung kaum unterscheiden werden.

So darf man hoffen, daß es gelingt, den Wisent vor der Vernichtung zu schützen und dieses einzigartige Tier, eine Zierde der euro­päischen Fauna, zu neuen großen Beständen her­anzuzüchten: auch dies ein Ziel, das nur durch internationale Zusammenarbeit erreichbar ist.

durch die Kette mit der futterspendenden Krippe verbunden, von den Wassermassen fortgetra­gen wurde. 26 Gebäude, darunter drei schöne Hofreiten, waren völlig vernichtet, 29 Gebäude mehr oder weniger beschädigt, mehrere Brücken und Stege weggeschwemmt worden.

Wingershausen, das den sumpfigen Tal- gründ meidet und mehr an den Hängen beiderseits des Baches erbaut ist, litt weit weniger. Nur eine Frau, Johanna Elisabeth Löwen er., die ihre Habe aus dem gefährdeten Haufe retten wollte, wurde auf dem Wege zwischen Haus und Stall vor den Augen ihres Mannes weggespült. Vier Ställe und eine Scheuer stürzte ein, sechs Gebäude wur­den beschädigt.

In Eichelsachsen, das sich nur an die Eichel anlehnt, wurde eine Witwe R a u mit ihren vier Kindern samt dem Wohnhause fortgerissen und die herrschaftliche Zehntscheuer teilweise ruiniert.

Das an der Mündung der Eichel gelegene Eichelsdorf litt am wenigsten. Ein Verlust an Menschenleben war nicht zu beklagen: ein Back­haus und das Gemeindebrauhaus wurden nütge- rissen. Da sich die Fluten in dem weiter gebauten Dorfe mit seinem breiten Bachbett und den Dorf- strahen beiderseits der Eichel mehr ausbreiten konnten, als in den Ortschaften des oberen Eichel- tales, blieben die Hofreiten unbeschädigt.

Mit Hilfe einer damals angebrachten Wasser- marke kann man feststellen, daß das Wasser im oberen Teile von Eichelsdorf 1,70 Meter über der Dorfstraße und 2,90 Meter über der Sohle des Bachbettes stand.

Strahlend ging die Pfingstsonne Auf. Aber welch ein Bild bot das sonst um diese Zeit so liebliche Eicheltal! Ein breiter Geröllstreifen lagerte beider­seits des Baches im Wiesengrunde. Möbel, Balken, Scheitholz, entwurzelte Bäume, Wagon, Ackergeräte, Bettzeug, Kleidungsstücke, tote Menschen und Tiere in wirrem Durcheinander! Der erste Pfingsttag Der­

ben nächstjährigen Spielen gewiß eine besser, Tech­nik sich angeeignet haben. Auch Tv. 1846 Gießen blieb hinter dem Können seiner Gegner zurück, wie überhaupt der alte Gießener Verein heute von einem nicht glücklichen Stern geführt wurde. Schuld daran mag wohl der Umstand haben, daß die 1846er in teilweise anderer Aufstellung als in den Vorjahren gespielt haben. Die Punktzahl Gießens wäre aber gewiß auch etwas höher ausgefallen, wenn es nicht vorzeitig das Spielfeld verlassen hätte. Eine Entschuldigung für dieses Verhalten, das all­gemein verurteilt wurde, kann es nicht aeben. Ms Platzoerein hätte To. 1846 aushalten müssen, so gut wie es die anderen Vereine getan, von denen einer schon seit 3 Uhr früh auf den Beinen war.

Erwähnung verdient noch das mehrgemüt­liche*, aber trotzdem recht schöne Momente bietende Propagandaspiel, das zwei Turnerinnen- Mannschaften des M t v. Gießen mit dem End­ergebnis 47:48 gegeneinander austrugen. Es ist zu begrüßen, daß im Gau Hessen nun auch die Turne­rinnen sich des schönen und für Frauen hervor- ragend geeigneten Faustballspiels mit Eifer an­nehmen. Mögen dem Beispiel des Mtv. weitere Turnerinnen-Mannschaften im Gau folgen!

Zusammenfassend kann über die Spiele für* ge­sagt werden, daß auf der ganzen Linie eine Besse­rung zu verzeichnen ist, daß sie technisch auf bedeu­tend höherer Stufe als in den Vorjahren standen.

Fußball.

Spielvereinigung 1900 (Sieben.

ö. 1900 hatte am Sonntag Gäste au» Süd­deutschland. Die Gäste hielten den Ruf, der ihnen Dornusging und siegten mit 3:1 Toren (Halbzeit 0:0). Oberursels Ännensturm trieb vor dem Tore Ueberkombination, so daß die Gießener Verteidi­gung, die gut auf dem Posten war, immer wieder rettend eingreifen konnte. Die Einheimischen hatten nur drei ihrer seitherigen Ligakämpen zur Stelle. In der ersten Spielhälfte entwickelte sich ein schnel­les, ausgeglichenes Spiel. Was der Gegner an Tech­nik voraus hatte, glichen die Vereinigten durch großen Eifer aus. Wenn Gießen zu keinem Erfolg tarn, so lag das in der Hauptsache an der Nervosi­tät der Stürmer, die in den aussichtsreichen Schuß­stellungen den Ball verfehlten, darüber oder da­neben tagten. Glänzend wehrte Gießens Ersatzhüter , mehrere brenzliche Angriffe der Gäste ab. Nach dem - Wechsel zunächst dasselbe Bild. 20 Minuten nach Halbzeit verschuldet 1900 einen Eckball, der, gut ge­treten, von Oberursel zum ersten Tor eingeköpft wird. Der Platzoerein liegt dauernd im Angriff. Ein

Turnen.

©aumeifter; chaftsspleke der D. T.

In Ergänzung unseres Berichts vom Montag ist zu den einzelnen Spielen noch folgendes zu be­merken: Große Spielerfahrung und sicheres Können zeichnet die Friedberger Mannschaft aus. Das Spiel gegen Tv. 1846 Gießen gab besonders Gelegenheit, das zu beobachten. In der ersten Halbzeit standen sich die beiden Mannschaften, die bisher immer die besten des Gaues waren, in äußerst spannendem Spielverlauf gleichwertig gegenüber. Nach Seiten­wechsel aber setzte sich Friedbergs stärkerer Sieges­wille durch und konnte Punkt für Punkt gewinnen. Ein äußerst spannendes Treffen lieferten sich auch Tv. 1846 Gießen und To. Frankenau, welch letzterer als würdiger Vertreter des 6. (Frankenber- aer) Bezirks zum erstenmal an den Gaumeister­schaftsspielen teilnahm. Frankenau war in der 1. Halbzeit mit geringem Vorsprung führend: in der 2. Halbzeit holte Tv. 1845 Gießen in besserem Zu­sammenspiel bald bis s r Führung auf. Gegen Ende stand das auf b.iben »eiten gleichwertige Spiel ständig aufunentschieden", bis bann das Glück wenige Sekunden vor Smelschluß den wacke­ren Frankenauern mit einem P uspunkt den Sieg in die Hand drückte. Der Ausgang dieses Spieles war wohl die größte Ucl erraschung des Tages. Ganz gut gefiel in der Meisterklasse auch Tv. Holz­heim, der als 2. Sieger bei den Bezirksspielen des 5. Bezirks auf besonderen Gaubeschluß hin die Berechtigung zur Teilnahme an den Gauspielen er­halten hatte. In dem Spiele gegen den. Bezirks- bruber Friedberg sowohl als auch im Treffen gegen Frankenau hielt es sich in der 1. Spielhälf'e ganz tapfer, mußte aber bann nach Seitenwechsel sich der Ueberleaenheit der Gegner beugen. Man sah der Mannschaft Holzheims aber un, daß sie seit den Bezirksspielen recht hübsche Fortschritte gemacht hat, die sich nicht zuletzt in einer erfreulichen Besse­rung im Zusammenspiel zeigten.

In deck Faustball-^.Klasse verdient To. Fran­kenau besondere Hervorhebung. Er gewann die Gaumeisterschaft, was deshalb große Anerkennung verdient, weil es dem einfachen Landverein von den Edderbergen gelungen ist, sich so hervorragend gegen Vereine mit älterer Spielerfahrung zu schla­gen. Dann ist Tv. Nidda zu nennen, der sich gut gehalten hat, obwohl ihm in seinem Bezirk nicht die Gelegenheit geboten ist, sich an der Kraft spiel- erprobter Gegner zu messen: Friedberg fiel in der ^.-Klasse stark ab. Die Mannschaft wird, wenn sie sich ihre 1. Mannschaft als Vorbild nimmt, bis zu

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