41110
Sendung!
licoenjorh"
6 0HSE WlUm
?Ag Vlen über W !n,rage s*« Llndenai? Norwegen 1!» abends 81/ iil nbur& s'ltersÜhr’ ,g der Unkosten6'
1450 M 'Motor 1350 SUt Vorführung auf ®un(d), erich & Co., Ue für Motorräder
ÖT Tankstelle.
ten
Mahlung erwiesenen wir allen recht herzlich m Wagner geb. Schneider ben 2.3uni 1926. C;
t001" SÄtCffi
gr-vlorenr
Perloren r
M
*wv 1(01 Warne ! I™' 6lew«.Ä?» «E* *ss%ä
erbeten.
Vereine
tchtuna . werb. äW. irt nb m
1111) chtung 1. M.
Neuen« Zahlung: ii, zwei nl, fünf I Diwan 1 großer o'Zeuer« großen, ugu.v.a. 'nuhren, l.Tabal inbt);
lat und
;r 03880 . erbe»
hererH ter 47550
MM.
Fuhrwerk ober Auto baSMitieJE -rantfurt n.J
Raunte- t 47850
etwas »uAtÄ -He oeä^
3 K-n chs
SS LS Mb al»
MkKz ui- ’!• jin»-
Olm Samslagaben
M G*
„ 4.
-s^
Kruscto-SakerMAt die Gesundheit, reinigt das Blut, htit Leber und Nieren in miterPunktion,sorgt iür normalen Ston- wechsel, hält Magen und Verdauung ü Ordnung.
Muk 3.- pro CUk , KreufDrogerie, ■ StMuflM*» ' 8w6«!äk—S
SlMkMZ NN'NtnI'da^^»« 2>.,Itn'iung
DruäniLÄw».
* SL
los&*
Mittwoch, 2. Juni 1924»
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger fürGberhesten)
Ur. 126 Zweites Blatt
Jugend und Hochschule.
vor
Westeuropäismus.
Don Dr. Siegfried Mauermann.
Wan kann bas Schuljahr 1925/26, das
einiger Zeit zu Ende ging, ein Niedergangs' fchuljahr nennen. Das Schuljahr 1926/27, das sich nunmehr daran anschloß, wird eine Reihe neuartiger Schuljahre einleiten. Man wird sich mehr und mehr mit Bewußtsein darum bemühen, den Weltblick auch für das Schulwesen in einer der Zeiten- und Weltenwende entsprechenden Art nutzbar zu machen. Da die Schule mit Recht «in mithelsendes Allgemeininteresse gefunden Hot. ist eine kurze Erörterung eines Gegenstandes, der im Sinne des Weltblicks auch auf der Schule behandelt werden soll, vor einem gröberen Leserkreis durchaus angebracht. Es handelt sich um den Westeuropäismus.
Es ist das kein Schlagwort auf -ismus wie so manche -ität oder -ation; der Westeuropäismus ist vielmehr eine organisch gewordene Tatsache, die unbedingte Beachtung verdient. Man könnte fast wie weiland Schiller eine Antrittsvorlesung hallen und das Thema etwas ändern in „Was ist und zu welchem Zwecke studiert man Westeuropäismus?"
Er ist ein Kulturergebnis, entstanden aus gegenseitiger Durchdringung, Beeinflussung, Annahme und Ablehnung bewußter und unbewußter Art in den Ländern westlich der Weichsel. Man ersaht das Was durch die in der Pädagogik und Didaktik immer mehr geläufigen Methoden des Vergleichens und der Querschnitte. Einige naheliegende Beispiele mögen das illustrieren. Wir sprechen von deutscher Geistigkeit, französischem Esprit und englisch-amerikanischer Mentalität. Liberty, Ildertö und Freiheit regen zu fruchtbringenden Dergleichen an. wenn wir etwa Hume, Rousseau und Treilschke studieren. Der unver- gehllche Erich Schmidt hat bereits etwas von jenem Westeuropäismus gewußt, als er im Jahre 1875 seine älntersuchung über den sentimentalen Roman bei Richardson. Rousseau und Goethe veröffentllchte. Die Empfindsamkeit tote die Aufklärung wurde bei beeinflussendem Hm und Her ein westeuropäisches Allgemeingut. Wie haben Wandertruppen das geistige Leben in Westeuropa beeinflußt! Die italienische Oper kam mit ihrem Ballett nach Paris, kam ms friderizianische Berlin: das spanische Tleater übte leinen Einfluß aus: die engllschen Komödianten
Vom Wesen der deutschen Universität'' Don Staatsminister Prof. Dr. E. H Decker.
Dom Wesen der deutschen Universität kann man nur mit ehrfürchtiger Scheu sprechen. Es ist ein Thema, dessen Inhalt jeder Gebildete ebenso verschieden umschreiben wird wie den Begriff der Wissenschaft selber, gemeint wird aber mit den verschiedenen Formeln immer das gleiche. Wenn wir von Universität sprechen, so denken wir dabei nicht an diese oder jene bestimmte Universität oder Hochschule, nicht an den Typus Berlin oder Heidelberg oder Greifswald, nicht an diese oder jene Fakultät, nicht an Dorlesungs- betrieb, Seminar, Klinik oder Laboratorium, nicht an Professoren oder Studenten, überhaupt nicht an diese Fülle und ihre Differenziertheit, deren Dorzüge und Rachteile der Kritik unterliegen. fonbern uns steht klar und deutlich ein Idealbild vor der Seele, eine Art von Gralsburg der reinen Wissenschaft. Ihre Ritter vollziehen einen heiligen Dienst: vom Heiligtum zu allerlei wissenschaftlichem Dienst entsandt, durchwandern und durchforschen sie die Welt, jeder in seiner Weise, jeder nach seinen Mechoden, mit seinen Mitteln, nach seinen Kräften, alle aber verbunden durch die Verpflichtung aegenüber dem Gral, der das Symbol der Ein- yert in bezug auf Gesinnung und Ziel darstellt. Don den echten Gralsrittern geht eine suggestive Kraft aus, daß die Rovizen sich zu ihnen drängen, daß auch Unternehmer und Interessenten sich bemühen, durch ihre Dermittlung selbst Ruh- nieher des heiligen Dc^irks zu werden: aber die Zahl der Ritter ist klein: mancher sucht sein Leben lang vergeblich nach dem Zutritt zur Durg, die nur den vom Schicksal dazu Berufenen sich erschließt, für alle aber liegt hier — je nach Geschmack und Temperament — ein Walhall oder ein Wölkenkuckucksheim.
An diesem Bild soll gleich zu Beginn ganz klar gemacht werden, daß das Wesen der Universität für den Deutschen mit irgendwelchen Rützlichkeitserwägungen, mit Fachschulung und Berufsausbildung im Grunde nicht viel zu tun hat. Gewiß werden von unseren Universitäten auch diese Ausgaben mit übernommen, aber das Wesen der deutschen Universität versteht nur. wer sich der tiefen Spaniucng zwischen ihren völlig durch rationalisierten Mechoden und praktischen Zwecken und ihrem letzten, ganz irrationalen, idealen, einheitlichen Endziel bewußt bleibt.
Diese Gralsburg der Wissenschaft ist nun aber keine Loge für Dereinsbrstder und kein Gewerkschaftshaus für einen Berufsstand, es ist ein nationales Heiligtum für das ganze deutsche Doll. Sein bestes Streben sieht der Deutsche verkörpert in dem reinen Dienst an der Wissenschaft. Ratürlich gibt es auch bei uns Banausen und Geschäftemacher. aber das Entscheidende ist das selbstlose und zwecklose Suchen nach der reinen Erkenntnis, und das ist nicht für den Gelehrtem sondern für daS ganze Doll so unbedingt die Hauptsache bei der Universität, daß sie auf Grund dieses ideologischen Postulats ihre unvergleichliche Positton im Selbstbewuhtsein der Ratton besitzt. Der ganze deutsche Glaube an den Wert geistiger Güter findet seinen greifbarsten Ausdruck in der Wertschätzung der Universität als Idee. An den einzelnen Universitäten und nun gar erst an den Professoren und Studenten wird herumkritisierl, daß manchmal kein gutes Haar an ihnen bleibt und man glauben könnte,
') Diese Wesensschau des deuttchen Unwersi- tätsideales ist entnommen dem kürzlich erschienenen, aufschlußreichen Buche von Schairer- Hoffmann, „Die Universitätsideale der Kulturvölker". Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig.
die deuttchen Universitäten seien die rückständigsten unb Verstaubtesten Instituttonen der Well, aber — das alles geschieht aus Respett vor dem Gralstempel, von dem jeder gebildete Deutsche Har oder unklar ein Abbild in sich trägt. Die reine Erkenntnis ist für den Deutschen eine heilige Angelegenheit. Wer ihr sein Leben widmet, hat priesterlichen Rang, aber auch priesterliche Pflichten und trägt eine gewaltige Verantwortung. Willig räumt die Ratton dem Gelehrten eine bevorzugte gesellschaftliche Stellung ein. Ieder Professor ist ein Pfründer der. Ratton. nicht weil er künftige Staatsdiener bildet oder der Industrie den Rachwuchs erzieht, nein, weil die Ratton die Rotwendigkeit einsieht, daß der Diener am Gral frei und unabhängig dastehen muh: das Prinzip der nur sich selbst verantwortlichen, freien Forschung ist ihr so heilig wie das der richterlichen Unabhängigkeit. Run könnte man glauben, daß die führende Stellung der deutschen Wissenschaft im Rahmen des nationalen Lebens mit den ungeheuren Erfolgen der Raturwissenschaft und der Technik in den letzten fünfzig Iahren und mit der handgreiflichen praktischen Verwertbar- keit der Resultate der wissenschaftlichen Arbeit zusammenhängt. Daran ist gewiß richtig, daß die Bedeutung der Wissenschaft damit auch dem letzten Praktiker klar geworden ist, aber das Ansehen der deutschen Wissenschaft im Dolk daraus erklären zu wollen, wäre eine gan; verfehlte nachträgliche Erklärung eines aus ganz anderen Gründen bestehe..den Zustandes. Historisch hängt dieser Zustand schon eher mit dem Aufklärungsideal. mit dem »Wissen ist Macht", mit dem Fortschrittsprinzip zusammen, aber diese Ideen sind in Deutschland durch den klassischen Idealismus hindurchgegangen und von ihm zu einer fast religiösen Angelegenheit für das ganze Dolk geläutert worden. Es ist ganz falsch, die ilebcr- schähung des Akademischen, unter der wir in Deutschland leiden, auf die Rühlichkeitswerte der besseren Ausbildung für den materiellen Aufstieg zurückführen zu wollem so sehr heutzutage gelegentlich akademische Bildung und Besoldungsstufe in einer gewissen Relation stehen: der Ausgangspunkt liegt vielmehr in dieser letzten Ehrfurcht vor der Wissenschaft, deren Dienst manchmal auch Gewinn bringt, jedenfalls aber adelt.
Dieser Adel liegt in der inneren Freiheit zu beliebiger Fragestellung. Es ist kein Zufall, daß der. deutsche Mensch im »Professor" Faust sein geistiges Prototyp erblickt: der Professor, der eben mehr ist als Professor, der auf dem älmweg über den Professor zum Menschen wird, der vom Deicken zum Erleben der letzten Tiefen des Daseins fortschreitet. Fragen, Forschen ist alles. Rur aus der Frage wird auch die Ehrfurcht geboren, und nur wer zu fragen wagt, weiß schließlich, was niemals erfragt werden kann. Aber die Raivität muh einmal verloren gewesen sein, um wiedergewonnen als Wert empfunden zu werden. Der nicht fragende, sich über nichts wundernde Par- zival war der Gralsburg noch nicht würdig. Wer aber das Fragen gelernt hat, wird die Sehnsucht nach der Antwort nicht mehr los. Ihn braucht man nicht mehr zu gängeln, er hat entweder die Kraft zur eigenen Antwort in sich oder er gehörte nicht in den heiligen Bezirk. Das ist in letzter Linie der Grund für unsere so oft mihverstandene Lehr» und Lernfreiheit. Gewiß, die Freiheit der Forschung wird wohl überall anerkannt, aber schon bei der Lehre kann es Konflikte geben; daß man endlich aber, auch das Lernen nicht pädagogisch regelt, sondern der freien Initiative des Studenten überläßt, scheint dem Außenstehenden höchst unprakttsch und unbegreiflich. Gewih liegen hier Bedenken vor, aber daran kann kein Zweifel bestehen, daß sich dies ganze System einheitlich auf einen letzten, fast religiösen Postulat aufbaut. Der Wissenschaft kann man
brachten im 17. Jahrhundert nicht nur ihre Pickelhäringspähe. sondern auch ihren Shakespeare nach Deutschland. Die Meininger sind hinausgezogen genau so wie später Max Reinhardt mit seinem Ensemble: uns hat Mounet- Sullh, uns hat Beerbohm-Tree besucht: Dirtuo- fen haben uns Eigenartiges gezeigt, wie etwa ein Coquelin einen unnachahmlichen Cyrano. wir haben unfern Kainz und unsere Sornta hinaus- esandt. — Milieu und Struktur sind große Begriffe in Westeuropa geworden von Taine bis zu Dllthey. Ewige Renaissance verstehen lernt Spranger, ewige Revolution Kawerau. Man ist geneigt, nicht mehr Sammler zu sein sondern zum Forscher emporzusteigen. Man trägt nicht mehr Material zusammen, man ergründet bereits etwas wie einen Sinn der Kultur: man ist versucht, an Entwicklung zu glauben, wenn sich nur nicht immer wieder das Bild vom Auf und Rieder der Kulturwellen aufdrängte: wenn nur nicht immer wieder die Erhaltung der Kraft, das gleichbleibende Maß des Stoffes, die Relativität unseres Denkens, die Unzulänglichkeit unserer Organe Einhalt geböten. Das Bild vorn Ringe der Ringe eines Rietzsche predigt Wiederkehr: vielleicht Ringe in Schraubenwindungen aufwärts: letzter Ausweg, um Evolution und Entwicklung festzuhalten. Der weise Salomo wird aber mit seinem „Alles ist eitel“ doch recht behalten: auch Ben Akiba, Und da ist es gut. auch einmal schematisch etwa nach Jahrzehnten oder Jahrhunderten Querschnitte zu machen. So günstig wie das Jahr 1781 werden nicht viele Jahre Material für westeuropäische Querschnitte hergeben. Da flammen des 22jährigen Schillers „Räuber" auf. da schreibt der 30jäh- rige Johann Heinrich Dotz seine Odysseeüber- sehung, der duldsame Lessing schließt seine Augen für ewig, der Königsberger Denker Kant redet das schwere Deutsch seiner „Kritck der reinen Dernunft". Pestalozzi widmet sich den kleinen Leuten in „Lienhard und Gertrud". Dohm schreibt über die bürgerliche Verbesserung der Juden, in Oesterreich gibt Joseph II sein Toleranzedikt heraus er hebt die Leibeigenschaft der Bauern auf, Buffon und Mirabeau gewinnen an Einfluß in dem unter S'e-ierlast schwer seufzenden Frankreich. Robert Burns verliert durch Brand fein ganzes Vermögen, und George Etephenson. der Erbauer der Lokomotive, wird am 9. Juni desselben Jahres geboren. — Damit sind wir vom rein Geistigen der Kultur
nur in freier Zucht und in eigener Der - anttoortung dienen. Rach dem Vorbild des Meisters soll auch der Schüler leben. Es führen viele Wege nach Rom, zum Gral so viele, als es Sucher gibt, ilnb doch ist diese Vielheit eben eine Einheit, zum mindesten eine Einheit in der Blickrichtung, eine Universitas. Die Universität ist keine Totalität im Quantitativen, der Begriff der Totalität erschöpft sich im Qualitativen: denn wer das Eine, das not tut. ersaht hat. der hat damit das Ganze. Der gehört zur Gemeinschaft der Universitas.
Student und Presse.
Von Dr. Walther Heide, Hannover.
Auf dem Deuttchen Studententag in Berlin im Sommer 1925 wurden eine Reihe von Entschließungen angenommen, die das Verhältnis der Studentenschaft zur Presse behandelten. In ihnen wurde allgemein anerkannt, daß auf eine Zusammenarbeit mit den Tageszeitungen der größte Wert gelegt werden müsse. Wo Hochschulbeilagen bestünden, sollten sie von berufenen Vertretern der Studentenschaft tatfräftig gefördert werden. Dem Problem der akademischen oder studentischen Presse wollte man besondere Sorgfalt zuwenden. Diese Enttchliehungen waren der Riederschlag einer Entwicklung, die als eine erfreuliche Rachkriegserfcheinung das Problem „Student und Presse" umschließt, die aber in ihnen noch keineswegs ihren Abschluß darstellt. Wie aus der polittschen imö wirtschaftlichen Zwangslage Deutschlands eine Umformung der staatlichen und sozialen Daseinsgestaltung erwuchs, so wurde sich der Student im Zusammenhang hiermit einer stärkeren Betonung feiner Standesinterefsen bewußt, ein naturnotwendiger Fortschritt, der in der Studentenverfafsung und ähnlichem feinen Riederschlag fand.
Was war verständlicher, als daß die Studentenschaft aus gefchlosienem Solidaritätsgefühl heraus und folgerichtig ihre Gedanken, Interessen und Forderungen an die breite Oeffentlich- keit heranzutragen sich bemühte, um gemeinschaftliche Ziele wirttingsvoll und erfolgreich durchzudrücken. Sie erkannte, daß eine Interessenvertretung ohne Unterstützung der Presse bald auf totem Gleise stehe, wie in positiver Hinsicht eine kulturpolitische Beeinflussung der Umwelt und ein Verständnis für die Bedeutung der Hochschulen für Staat und Dolk nur eine akademische oder akademisch beeinflußte Presse erreichen könne. So entstanden akademische Zeitschriften und Hochschulbeilagen, studentische Presseämter sammelten in Pressearchiven Material und werteten es aus. und man sah auch, wie der deuttche Student vettuchte. als mitentscheidender Faktor sich aktiv am Leben der Ration zu beteiligen. Es ist dem Studenten der Vorwurf gemacht worden, daß diese Dersuche größtenteils problematischer Ratur feien. Gewih, der Student ist da vor neue Aufgaben gestellt, die in ihrer Problemhaften Schwierigkeit erst von ihm noch zu meistern sind. Gut Ding will Weile haben! Es wäre verkehrt gewesen, hätte der Student in jugendlicher Begeisterung für eine neue Sache überstürzt gehandelt. Eine studenttsche Pressearbeit muh aus sich selbst wachsen und reifen, an eigener Erfahrung lernen. Da sie für die Akademikerschaft eine Lebensfrage ist, sollte jeder Student in sich die Derpflichtung fühlen, tarträftig und opferwillig nach besten Kräften an ihrer Ausgestaltung zu tourt n.
Aber der Student muh über seine reinen Standesfragen hinaus auch noch in erweiterter Form den Kontakt mit der Presse suchen. Er hat sich mit ihr als dem Ausdrucksmittel der öffentlichen Meinung zu beschäftigen, die von ihr vermittelten politischen, wirtschaftlichen, soziologischen und literarischen Gestaltungen zu verfolgen und sie dann in eigenem Durchdenken bis zu
bereits zum Wirtschaftlichen und zum Staatlichen gekommen. Das Erwerbsleben, die Beamtenaufgaben, die Staats- und Regierungsformen werden für das Zusammenleben in Westeuropa bestimmend. Handel und Handelsverträge, Diplomatenverkehr gehören zum Westeuropäismus, Zeitung und Banken unentbehrlich für das Gewoge von drüben nach hüben, von hüben nach drüben.
Rur West europäismus könnte man trotz der Fülle des Stoffes fragen; nicht auch Rord- und Süd und Ost? Gemach: es soll durch West nichts anderes zurückgeseht werden; aber die deutschen Kulturbestrebungen gingen zum größten Teil nach Westen, etwa gegen Ende des vorigen Iahrhunderts; die wichtigsten Kultureinflüsse, die bisher auf Deutschland ausgeübt wurden, kamen vom Westen; und endlich die Schulgattung, die in erster Linie mit diesem Westkulturgut vertraut gemacht werden soll, ist der realgymnasiale Zweig unseres Bildungswesens; da handelt es sich bekanntlich um den modernsprachlichen Westen in Französisch. Englisch, Spanisch, Italienisch, wenn auch das Russische nicht gerade übergangen werden soll. Es wird in der nächsten Zukunft der Blick nach Osten wirtschaftlich lohnend sein: Es wird schon heute beispielsweise von den Türken anerkannt, daß sich Deutschland bemüht, durch sein Dildungswesen das Derständnis zwischen orientalischem Wesen und Westkultur zu fördern. Es wird also der Westeuropäismus gerade bei der großen Bevölkerungsdichte in Deutschland zu ergänzen sein durch Gedanken über Ostkultur; aber wenn einmal aus dem geschichtlich reicher bewegten Westen Stoff und Zweck und Methode gewonnen sind, wird es ein Leichtes sein, die anderen Kulturen anzuschliehen, die sich ja schließlich auch auf dasselbe zu- spihen: auf Verständigung, auf das bekannte tout comprendre. Und damit ist nun schon die Frage beantwortet „Zu welchem Zwecke studiert man Westeuropäismus?" Kulturkunde, das heute oft gehörte Wort, ist ebensowenig eine Phrase. Kulturkunde ist ein Bildungsgrundsah universaler Art. Er soll schon auf der Schule zur Geltung kommen: dann wird er sich auch im Leben mehr bemerkbar machen als bisher, und davon sollen auch die Eltern Kentttnis erhallen, dem sollen auch die Erwachsenen zustimmen. — Der Gedanke ist geworden, er ist nicht gemacht worden. Bereits in den Drucksachen des Preußischen Abgeordnetenhauses (1916'17, Rr 388) ftn-
ihren lehren Konsequenzen zu ergründen. Leider macht sich in diesem Puirtte unter der Studentenschaft eine Intcrefsenlosigkeit geltend, die er- schreckend um sich greift und wofür die Schuld nur zum ganz geringen Teil in den wechsel- vollen Geschehnissen der Gegenwart und bei der Presse selbst liegt. Wer seine Zett kennen und verstehen lernen will, der muß die Ereignisse in der Presse verfolgen, muh die täglich aufs neue in ihr andrängenden Probleme mit dem Bewußtsein ihrer Schwierigkeit sorgsälttg zu durchdenken versuchen und sie nicht mit Schlagworten übereilter Stellungnahme abtun.
Man sieht beim Studenten so oft ein geringschätziges Achselzucken für die Presse in ihrer Gesamthell, als ob sie zur Liebermittlung von Sensationen wohl tauge, aber weder Kenntnisse vermittle, noch Wissen in sich berge. Da- ist eine Verkennung der Bedeutung einer Presse, die größere Geister als Dildungsmittel schon seit langem anerkennen, wie es der berühmte englische Geschichtsschreiber M a c a u l a y tut. der sagt, daß die einzig wahre Geschichte eines Laüdes in der Zeitung zu finden sei. Dr. S t r e f e - mann hat einmal von der „Ertüchtigung des Geistes" gesprochen, welche die Iugend erstreben müsse, eine Forderung, die auch Oswald Spengler im Frühjahr 1924 auf einer Tagung in Würzburg erhob, als er sagte:
»Ich vermisse in der Jugend, die heute mitten in der nationalen Bewegung steht, den Umfang des Wissens, den sie sich hätte aneignen können und müssen; denn Politik beruht nicht auf einem Wollen, sondern auf einem Können, und das Können seht voraus, daß man alle diejenigen Gebiete beherrscht, auf denen Politik getrieben wird. Das ist es. was ich zunächst als Aufgabe der nationalen Jugend sehe, sich mit eisernem Fleiß einzuarbeiten in das, was man das weltpolitische Ziel der Ration nennen könnte, und damit geistig über die Grenze hinauszuwachsen, die Deutschem!) heute noch von der Welt abschneidet. Denn die Zukunft Deutschlands beruht nicht auf dem, was innerhalb der Grenzen in neuer Form entsteht, sondern was infolge dieser Form außerhalb der Grenze erzielt und erreicht wird."
Wer aber vermittelt diese Kenntnis vorn Weltgeschehen besser als die Pressei Hier also harrt das Problem »Student und Presse" noch der so notwendigen Lösung.
Lind sie sollte nicht schwer sein, wenn man an die Möglichkeiten denkt, die dem Studenten in allernächster Rähe erwachsen. Als neue Disziplin greift die Zeitungswissenschaft auf immer weitere Hochschulen über, und die Studentenschaft darf es sich als ganz besonderes Verdienst anrechnen, schon vor dem Kriege durch wiederholte Eingaben an die akademischen Senate die Einführung der wissenschaftlichen Zeitungskunde entgegen aller Zurückhaltung in den Fakultäten einiger Hochschulen gefordert zu haben. Die meisten Studenten toeroen nun in der neuen Disziplin lediglich eine Berufsausbildung des Journalisten erblicken, was sie keineswegs ist. Die Tattache, daß sie bei 7 deutschen il.uDerfi- täten als Lehrzweig der phllosophischen, bei 4 der rechts- und staatswissenschaftlichen bzw. Wirtschafts- und svzialwissenschaftlichen und bei 5 ald Disziplin beider Fakultäten besteht, zeigt, wie die Presse nach den verschiedensten Richtungen hin, nach ihrer geschichtlichen, wirtschaftlichen, politischen und psychologischen Wir ung, zerlegbar ift Und diese Tatsache lehrt, daß die Zeitungswissenschaft in starkem Maße auf die anderen Disziplinen der Hochschule übergreift und also nicht nur auf die zukünftigen Journalisten sich beschränkt, sondern den Philologen ebenso wie den Juristen, den Dolkswirtschaftler ebenso wie den Histori er in ihren Binn zieht und so das Problem ihrer Mannigfaltiakeit dartut. Demzufolge wird der eine an die 'Zeitungswissenschaft mit einer mehr
den wir von dem damaligen Geheimen Regierungsrate Professor Dr. Becker verfaßte amtliche „Denkschrift des Preußischen Kultusministeriums über die Förderung der Auslandstudien".
Dort und auch in früheren und späteren Darlegungen kommt vor allem das Wie zur Erörterung. Soll man auf den Universitäten eigene Kulturlehrstühle einrichten, sollen Auslandinstitute wirken, damit gut vorbereitete Lehrer den Schülern das Grundlegende für die Kulturkunde beibringen? Rach den ministeriellen Anregungen und Vorschriften wird bereits jetzt verlangt „das Einleben in die schöpferischen ®e- danken des Westeuropäischen"; man soll „die deutsche Kultur in ihrer geschichtlichen Auseinandersetzung mit den westlichen Kulturen" betrachten lernen. Das Versöhnliche der Austauschprofessuren, der Auslandreisen, wie sie uns etwa Frenssen in seinen Briefen aus Amerika schildert, der Ferienkurse, auch der Schüleraustausche, der Lektorate und Ausländersprechübungen sind methodische Einzelheiten, die unter einem großen wissenschaftlichen Gesichtspunkt zusammen- gefaht und in ein System gebracht werden sollen. Es soll das Gesammelte durchforscht, der Sammler zu einem Forscher, die einzelne wichtige Erfahrung zu einem aufschlußreichen Gesamtbilde verwertet werden. Zunächst allerdings wird das Buch, das das wichtigste Material zusammen- stellt, der erste Lehrmeister sein, Vorträge und Funkmllteilungen werden das Zweite sein. Es ist der Plan, daß etwa jeden Montagvormittag zwischen 10 und 11 ilfjr in allen Schulen und Bildungsstätten Deutschlands auf funktechnischem Wege von London her ein Vortrag über englische Kulturfragen in englischer Sprache gehört werden muß, gar nicht von der Hand zu weisen. Es werden dann die Auslandreisen einsehen, wobei man sich auf halbem Wege, bildlich wie wörtlich verstanden, entgegenkommt. Es wird endlich als Abschluß etwas wie Weltsoziologie, ja Erdkulturkunde und der ihr entsprechende Unterricht, das ihr entsprechende Studium Segen stiften. Denken wir an die Kongresse alter und neuer Zeit, wie treffliche Dienste hat da das Latein geleistet! Soll es Wunder nehmen, daß man auf diesem Wege weiter fortschreiten will? Vom Buch der Wirllichkeit? Vom Latein zum Esperartto? Wir brauchen Ausdehnung. Gebe man sie uns auf dem Wege über eine allseitige Kullurkunde!


