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«worden seien, sei es bei der vorliegenden Ge­fahr gerade Pflicht der Polizei gewesen, un­verzüglich einzuschreiten. Daß bei verschiedenen Persönlichkeiten kein Delastungsmote- rial vorgefunden worden sei, fei auf das vor­zeitige Bekanntwerden der polizeilichen Aktion zurückzuführen. Daran habe keine amtliche Stelle irgendein Verschulden. Del den Haussuchun­gen sei belastendes Material, Korrespondenzen, der militärische Aufmarschplan gegen die Hauptstadt usw. gefunden worden. Die Durch­suchung auch bei einwandfreien Persönlichkeiten sei unvermeidlich gewesen. Die Polizei dürfe nicht zweierlei Arten von Staatsbürgern kennen. Liebrigens sei die Polizeiaktion u. a. von einer prominenten Persönlichkeit der Rechtsparteien nicht nur begrüßt, sondern es sei von ihr sogar schärfstes Zufassen empfohlen und eine Er­weiterung des Kreises der betreffenden Per­sönlichkeiten angeregt worden, wobei auch vor der Immunität nicht Halt gemacht werden sollte. Daß zu der polizeilichen Aktion Anlaß ge­wesen sei, beweise die Tatsache, daß gegen Claß, v. Luck und v. Knauer die gerichtliche Vor­untersuchung vom Reichsgericht eröffnet wor­den sei. Die Angriffe gegen die Regierung wegen der Veröffentlichung von Briefen, die bei den Haussuchungen gefunden worden seien, feien durchaus unbegründet. Es sei seit der Staats­umwälzung ein anerkanntes Rotrecht des Staates, die Oefsentlichkeit über die Gefahren, die dem Staate drohen, schnellstens zu unterrichten, um die staatstreue Bevölkerung zum Schutze des Staates zu mahnen. Die preußische Polizei werde unbeirrt weiter ihre Pflicht tun.

Ministerialdirektor Dr. Abegg konnte seine Rede nur unter den größten Schwierigkeiten durchführen, da He fast bei jedem Satze von stürmischen Widerspruchsrufen aus der Rechten gestört wurde, Rufe, die wieder Gegen rufe von der Linken hervorriefen, so daß der Vizepräsident Dr. Porsch zu wieder­holten Malen sehr energisch das Haus zur Ruhe ermahnen und die Abgeordneten, die sich in einen dichten Haufen in den Vordergrund des Saales geschart hatten, auffordern mußte, ihre Plätze einzunehmen. Als der Redner erklärt, daß selbst rechtsstehende Kreise die Regierung auf die Gefahr hingewiesen Ijätten, verlangten die Rufer der Rechten unausgesetzt, daß er Ramen nenne. Der Redner verweigert es, Ramen anzu­geben. Derselbe Ruf nach Ramensnennung er­tönte wiederholt bei den einzelnen Angaben des Redners. Als der Redner zum Schluß erklärt, die Gefahr fei beseitigt, dröhnte ihm anhaltendes Gelächter von den Bänken der Deutschnatwnalen und Völkischen entgegen, in dem seine weiteren Ausführungen verloren gehen.

Der Abg. Metzenthin (D. Vp.) meint, man habe in keiner Weise aus dem, was Mini­sterialdirektor Abegg vorgebracht hat, ein Bild davon gewinnen können, was angeblich dem Staat drohte. (Großer Lärm links.) Die Annahme, daß die Wirtschaftsführer im Westen in keinerlei Putsch verwickelt seien, habe sich als vollberechtigt erwiesen, denn der Oberreichsanwalt habe Herrn Vögler das beschlagnahmte Material mit einem entschul­digendem Schreiben zurückgegeben und zum Ausdruck gebracht, daß er die Haussuchung nicht angevrdnet habe. (Hort! Hörti) Von der Polizei, die ohne Zweifel -um Schutze da sei, muß man eilte ruhige Einstellung verlangen. (Der komm. Abg. Caspin gerät mit Vertre­tern der Rechten ht einen erregten Wortwechsel und wird von Abgeordneten der Mittelparteien zurückgehalten, um eventuelle Tätlichkeiten zu ver­meiden.) Der Redner verweist auf die schweren wirtschaftlichen Schädigungen der von der Haus­suchung zu Anrecht Betroffenen hin und betont, Ministerpräsident Braun habe gewissermaßen um Entschuldigung gebeten.

Abg. Eberlein, (Komm.) erklärt, obwohl Material gefunden worden sei, würde den Faszi- sten kein Haar gekrümmt und die Regierung ent­schuldige sich sogar noch.

Abg. Rave (Dem.) dankt der Polizei für ihre Haltung und bedauert, daß beim Etat nicht in wei­terem Umfange eine Besserstellung der Polizei­beamten herausgekommen fei. Das Personal der Kriminalpolizei müßte weiter verstärkt werden, auch eine höhere Besoldung dieser Beamten sei erfor­derlich.

Abg. Prelle (W. Vgg.) bezeichnet die Entwick­lung der Polizei in den letzten Jahren als günstig. Man habe jetzt beinahe den Eindruck gewonnen, daß der vielerwähnteRechtsputsch" tatsächlich ein Regierungsputsch sei. Das Land sehne sich nicht nach neuen Putfchen.

Ministerialdirektor Dr. A b e g g erklärt, die Re­gierung würde in den Ausschußberatungen auf die in der Debatte oorgebrachten Einzelheiten zurück- foinmen.

Abg. Dr. Körner (Bölk.) verlangt Auskunft darüber, wie es um die Angelegenheit des früheren Berliner Polizeipräsidenten Richter stehe. Der Red­ner wendet sich weiterhin gegen die Spitzelwirtschaft.

Abg. R u s ch k e (Dem.) bezeichnet es als Ver­brechen, Nervosität in die Polizei und in die Oeffent- lichkeit zu tragen, wie es durch falsche Alarmnach­richten geschehen sei. Putschplänen gegenüber müße die Regierung einen festen Arm zeigen, selbst auf die Gefahr hin, einmal daneben zu bauen.

Der Polizeietat wird hierauf ben-l Hauptausschuß überwiesen. Um $6 Uhr vertagt sich der Landtag auf Mittwoch 11 Uhr. Eingemeindung in Oberschlesien, Finanzetat.

Die Sorgen der Landwirtschaft.

(Sitte neue Rede Haslindes.

Breslau, l.Iuni. (TA.) Bei Eröffnung der landwirtschaftlichen Ausstellung in Breslau hielt der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Dr. H a s l i n d e folgende An­sprache: Ramens der Reichsregierung entbiete ich der Deutschen Lanöwirtschaftsgesellschaft zur Eröffnung ihrer zweiunddreißigsten Wanderaus­stellung die herzlichsten Grüße und Wünsche. Ich brauche in Ihrem Kreise keine näheren Aus­führungen zu machen über die schweren, bitter­schweren Sorgen, die im Rorden wie im Süden, im Osten und im Westen des Reiches, heute in das Haus des deutschen Land­man n e s Einzug gehalten haben I

Sie wissen' aus meinem bisherigen öfsent- lichen Auftreten auch, wie sehr die großen Sor­gen der Landwirtschaft meine Sorgen sind, und wie ich und mit mir die gesamte Reichsregie­rung in enger Fühlungnahme mit den Landes­regierungen unablässig bemüht sind, Mittel und Wege zu finden, um den übermäßigen wirt­schaftlichen und seelischen Druck, der aut Zeit auf der deutschen Wirtschaft lastet, toenigftens auf ein erträgliches Maß herab­

zumildern, durchdrungen von der Aeber- zeugung, daß nur auf der Grundlage einer wiederer stärkten, blühenden Land­wirtschaft der Wiederaufstieg unse­res gesamten wirtschaftlichen Le­bens möglich ist. Aber auch darüber kann kein Zweifel fein: Reich und Staat können zwar in gewissem Umfange helfend und fördernd ein­greifen, aber letzten Endes muh die Land­wirtschaft aus sich selbst heraus die Kräfte entwickeln, die erforderlich sind, um sie aus der Rot dieser Tage einer helleren Zukunft entgegenzuführen. Ich habe das feste Vertrauen zu dem zähen Selbstbehauptungswillen unseres kernigen Landvolkes, daß es allen Widerständen zum Trotz sich durchsetzen und seinen Weg vor­wärts gehen wird.

In dieser meiner Zuversicht werde ich bestärkt durch diese Ausstellung, der ich gerade darum eine ganz besondere Bedeutung beimesse. Es ist ein großes Verdienst der Deutschen Landwirtschafts­gesellschaft, dah sie ungeachtet aller Schwierig­keiten, die sich ihr in den Weg gestellt haben, an dem Plane der Ausstellung festgehalten und ihn mit der ihr eigenen Amsicht und Tatkraft verwirklicht hat. Gewiß, der Rahmen der dies­jährigen Ausstellung hat. in Anpassung an die Angunst der wirtschaftlichen Lage, enger als in den vorhergehenden Jahren gesteckt werden müs­sen. Aber auch in ihrer verkleinerten Gestalt legt sie ein glänzendes Zeugnis ab von dem hohen Stande der Entwicklung unserer heimi­schen Landwirtschaft.

Generalkommisfar Schmidt zum Staatssekretär ernannt.

Berlin, 2. Juni. (WTB.-Funkspruch.) Der bisherige Generalkornmisfar für die besetzten Ge­biete, Schmidt, ist den Blättern zufolge zum Staatssekretär für die besetzten Ge­biete ernannt worden. Von der Ernennung eines selbständigen Ministers für die besetzten Gebiete und von der Reuernennung eines Justiz- Ministers soll bis auf weiteres Abstand genommen werden. Beide Ministerien werden vorläufig kommissarisch vom Reichskanzler mit verwaltet.

AbschLutz der KoLonialwoche in Bochum.

Bochum, 1. Juni. (TU.) Den Abschluß der aus Anlaß der Kolonialwoche in Bochum getroffenen Veranstaltungen bildeten die gestern vormittag unter dem Vorsitz des Präsidenten Dr. Seitz und Gene­ral von Epp abgehaltenen Verhandlungen der kolonialen Reichsarbeitsgemein­schaft. Die von den anderen Körperschaften auf ihren Tagungen gefaßten Entschließungen wurden wieder gewählt. Die nächste Tagung soll in Königs­berg stattsinden. Mit einem Ausflug nach Blanken­stein endete die Kolonialwoche.

Aus aller Welt.

Deutsche Kriegsschiffe in Barcelona.

Die deutschen KriegsschiffeSchleswig- H o l st e i n" undElsa ß" mit dem Flottenchef an Bord sind zu einem mehrtägigen Aufenthalt in Barcelona eingetroffen.

Acht lote bei einem holelbrand.

DerLokalanzeiger" meldet aus Neunork: Im Hotel Taft in Brooklyn brach gestern ein Riesen- brand aus. Acht Personen sind in den Flammen umgekommen: sechs weitere werden vermißt.

Blitzschäden in Steiermark.

In Pettau im jugoslawisch-steierischen Grenz­gebiet schlug bei einem Gewitter der Blitz in einen Kastanienbaum, unter den sich drei junge Burschen geflüchtet hatten. Alte drei wurden getötet. Die Pfarrkirche von Allerheiligen (Steiermark), eines der bedeutendsten Kunstwerke der Spätgotik, ist in der Rächt zum Dienstag durch Blitzstrahl in Brand gesetzt und vollständig z e r st ö r t worden.

Grohsener in einer Glasfabrik.

Die große Spiegelglassabrik Aeberöacher bei Lobelbad in Steiermark ist durch einen Riesen­brand eingeäschert worden. Der Schaden ist sehr hoch. Die Arsache des Feuers dürfte Brand­stiftung fein.

Zusammenstoß zwischen Eilgüterzug und Lastkraftwagen.

Nach einer Meldung aus Paderborn wurde auf dem Straßenübergang am Westende des Bahn­hofes Bad Driburg ein Lastkraftwagen von der Lokomotive eines einfahrenden Eilgüterzuges er­faßt und zertrümmert. Der Führer des Kraftwagens wurde sofort getötet, drei weitere Personen wurden schwer verletzt. Von den Verletzten ist einer inzwischen im Krankenhaus g e ft o r b e n. Der folgenschwere Zusammenstoß konnte sich er­eignen, weil die Schranke zu spät geschlossen wurde.

Autounglück bei Königerode.

Aus der Fahrt nach dem Harz, die von etwa 200 in Sangerhausen au Gast wei­lenden Schwestern des Iungdeutschen Ordens auf Lastkraftwagen unternommen wurde, ist ein mit 28 Personen besetzter Wagen auf dem Wege zwischen Wippra und Königerode umgeschlagen. Mehrere Fahrgäste sind schwer, die meisten leicht verletzt. Alle sind aber glücklich am Leben geblieben. Das Auto ist vollständig zer­trümmert. Die Bergung der Verletzten war sehr mühsam: man hat sie in das Krankenhaus San- gershausen eingeliefert.

Eine mutige Tat mit dem Tode bezahlt.

Aus Rürnberg wird gemeldet: Der 19 Jahre alte Gütlerssohn Josef Forster von Klein- duggendorf war kürzlich mit Futterheimfahren beschäftigt, als ihm plötzlich die Ochsen scheu­ten und mit dem Wagen durchgingen. Auf demselben befanden sich die drei kleinen Kinder seines Dienstherrn. Entschlossen sprang Forster den scheuenden Tieren entgegen und konnte das Ochsengespann zwar zum Halten bringen, bedauerlicherweise geriet er aber unter d i e Räder, wobei er schwere Verletzungen erlitt, an welchen er im Krankenhaus verstarb.

Eine rufsische Stadt in Flammen.

Die Stadt Kotelnitsch im Gouvernement Wjatka, die zum großen Teile aus Holzhäusern besteht, steht nun schon seit drei Tagen in Flammen. Alle städtischen Gebäude sind be­reits abgebrannt. Der angerichtete Schaden be­läuft sich auf Millionen. Heber 700 M e n- schen sind obdachlos geworden. Die Zahl der Opfer an Menschenleben ist noch nicht fest- i gestellt.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 2. Juni 1926.

Provinzialausschuh-Sitzung am 29. Mai.

1. Klage der Mechaniker-Zwangs- i n n un g in Gießen Stadt- und Land gegen das Kreisamt Gießen auf Aufhebung des Beschlusses vom 16. September 1925 i. S. Heranziehung der Firma August Schneider in Gießen zur Mechaniker- Zwangsinnung. Das Kreisamt Gießen hatte durch Beschluß vom 16. September 1925 dahin entschie­den, daß August Schneider in Gießen nicht ver­pflichtet ist, der Mechaniker-Zwangsinnung in Gießen-Stadt und -Land anzugehören, weil es den Standpunkt vertrat, daß ein handwerksmäßiger Be­trieb nicht in Frage komme. In der Beweisauf­nahme vor dem Prooinzialausschuß wurde als Sachverständiger Obergewerberat Dr. Gerhardt zu Gießen angehört. Der Provinzialausschuß gewann auf Grund der von dem Sachverständigen gegebenen Erläuterung des Betriebs den Eindruck, daß von einem Fabrikbetrieb nicht geredet werden könne, die Reparaturwerkstätte der Firma Schneider für Kraftfahrzeuge vielmehr einen handwerksmäßigen Betrieb darstelle. Der Beschwerde der Mechaniker- Zwangsinnung wurde unter Aufhebung des Be­schlusses des Kreisamts Gießen vom 16. September 1925 stattgegeben und August Schneider zu Gießen für verpflichtet erklärt, der Mechaniker- Zwangsinnung Gießen-Stadt und -Land anzuge­hören. Mit den Kosten des Berfahrens wurde August Schneider belastet.

2. Antrag des Kreisamts Büdingen auf Ent­ziehung des dem Heinrich Wilhelm, genannt Bernhard Schäfer in Nidda erteilten Führer- zeugniffes zum Führen eines Kraftfahrzeugs. Dem Antrag wurde ftattgegeben und dem Heinrich Wilhelm, genannt Bernhard Schäfer zu Nidda der ihm am 30. Januar 1922 vom Kreisamt Büdingen ausgestellte Führerschein zum Führen eines Kraftfahrzeugs der Klaffe Ille auf die Dauer von 2 Jahren, gerechnet vom Tage der Rechtskraft der Entscheidung an, entzogen. Mit den Kosten des Verfahrens wurde Schäfer belastet.

3. Gesuch der Frau Katharine Buch zu Butzbach um Erlaubnis zum Betriebe einer (9 a ft- wirtschaft in dem Hause Kasernenstraße Nr. 6. Da die Stadtverordnetenversammlung zu Butzbach die Bedürfnisfrage zur Konzessionierung der Wirt­schaft verneinte, erteilte das Kreisamt Friedberg die nachgesuchte Konzession nicht, sondern legte das Ge­such dem Prooinzialausschuß zur Entscheidung vor. Der Prooinzialausschuß gab dem Gesuch statt. Die Kosten des Verfahrens wurden der Antrag­stellerin zur Last gelegt.

4. Klage des Gemeinderechners Joh. Kröll III. von Hergersdorf auf Aufhebung des G e - meinderatsbefchlusfes vom 8. Januar 1926 wegen feiner Kündigung: hier: Berufung gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Alsfeld vom 7. April 1926. Der Gemeinderat zu Hergersdorf hat dem Gemeinderechner Johannes Kröll III. das Amt gekündigt, weil er angeblich das Vertrauen in der Gemeinde nicht mehr besitze. Kröll hat hiergegen Klage Im Verwaltungsstreitverfahren erhoben und erblickt die Ursache zur Kündigung darin, daß ihm im Verwaltungsstreitverfahren durch Urteil des Provinzialausschusses das Gehalt nach den ministe­riellen Richtlinien für die Besoldung der Gemeinde­beamten bewilligt worden ist. Der Kreisausschuß zu Alsfeld hat am 7. April 1926 die Klage als un­begründet zurückgewiesen unter Verurteilung des Klägers in die Kosten des Verfahrens, weil nach der derzeitigen Gesetzgebung und Rechtsprechung der Ge­meinderat in der Lage war, dem Gemeinderechner zu kündigen, solange er nicht unwiderruflich an- gestellt ist. Geaen dieses Urteil verfolgte der Ge­meinderechner Berufung an den Prooinzialausschuß. Das Berufungsgericht wies jedoch die Beru­fung kostenpflichtig zurück und bestätigte das erstinstanzliche Urteil.

5. Gesuch des Ludwig Dietz in Herchenhain um Erlaubnis zumBetriebe einer Schank­wirtschaft: hier: Berufung gegen das Urteil des Kreisausschusses des Kreises Schotten vom 31. März 1926. Ludwig Dietz hat beim Kreisamt Schotten um die Erlaubnis zum Betriebe einer Schankwirt- schaft in der Gemeinde Herchenhain nachgesucht. Der Gemeinderat hat die Bedürsnisfrage verneint, weil in der Gemeinde zwei Schankwirtschaften und eine Gastwirtschaft vorhanden sind. Der Kreisausschuß zu Schotten gab am 31. März 1926 dem Gesuch statt. Gegen dieses Urteil verfolgte der Vorsitzende des Kreisausschusses Berufung mit dem Antrag, das Gesuch abzulehnen. Nach dem Ergebnis der Be­weisaufnahme vor dem Berufungsgericht ist in der 328 Einwohner zählenden Gemeinde zur Zeit im Ortsbereich nur eine Wirtschaft vorhanden, die zu­dem im Sommer noch öfter geschlossen ist, weil der Besitzer eine größere Landwirtschaft betreibt. Die zweite konzessionierte Wirtschaft hält der Inhaber Familienverhältnisse halber geschlossen und die dritte Wirtschaft ist eine Gastwirtschaft, die über­wiegend Pensionszwecken dient und etwa 10 Mi­nuten vom Ortsbereich entfernt liegt. Der Prooin- zialausschuß bejahte die Bedürfnisfrage und wies die eingelegte Berufung zurück. Die Kosten des Verfahrens wurden dem Gesuchsteller zur Last gelegt.

Wettervoraussage.

Anfangs kräftige Erwärmung, nach erneuten Regenschauern wieder kühler bei wechselnden Winden.

Gestrige Tagesteniperaturen: Maximum 17,4 Grad Celsius, Minimum 5,3 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur 10,0 Grad Celsius.

Bornotizen.

Tageskalender für Mittwoch: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die Perle des Re­giments".

Der Bezirksverband Gießen des H e f f i s ch e n Vaterländischen Blocks veranstaltet am Donnerstagabend einen Vortragsabend, auf dem der bekannte Schriftsteller Grube aus Wien über die Flagaenfrage sowie über unser Verhältnis zum Auslanddeutschtum sprechen wird. Herr Major Lind en au wird im Anschluß an den Grubeschen Vortrag einen Lichtbildervortrag halten über das Thema:M i t T 1 5 8 n a ch N o r - wegen". Herr Lindenau hat diese Seereise im Sommer vorigen Jahres mit einem Torpedoboot unternommen und wird Gelegenheit nehmen, eine Reihe prachtvoller Aufnahmen vorzuführen. (Siehe heutige Anzeige.)

Aus d e m Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Als zweite Gastspielaus­

führung geht am Dienstag. 8. Juni, Karl 6Lo- bodas interessantes Lustspiel®ic Wette" in Szene. Der Verfasser, von seinem ^Teetisch" her als charmanter Plauderer bekannt, bringt auch in feinem neuen Werk alle Vorzüge seiner drama­tischen Kunst zur Geltung, und so dürfte das Werk auch hier wie in Frankfurt, wo es am Reuen Theater eine Serie von Aufführungen erlebte, em beifallfreudiges Publikum finden.

Ausgabe neuer Rentenbank­scheine. Die Deutsche Rentenbank gibt bekannt, daß vom 15. Juni ab neue Rentenbankscheine über 5 Rentenmark mit dem Ausstellungsdatum 2. Jan. 1926 ausgegeben werden. Die neuen Scheine treten an die Stelle der bisher ausgegebenen Rentenbankscheine über 5 Rentenmark vom 1.11. 1923; die noch umlaufenden Scheine der alten Art behalten aber bis auf weiteres ihre volle Gültig­keit.

* * Sonntagskarten. Es sei darauf auf­merksam gemacht, daß für die beiden katholischen Feiettage dieses Monats, 3. und 29. Juni (Fron­leichnam und Peter und Paul), Sonntags­karten bei der Reichsbahn ausgegeben werden.

* 25 Jahre im Polizeidienst. Am 1. Juni konnte der Polizei-Derwciktrmtzs-Inspektor Beate auf eine 25jährige Tätigkeit im Polizei­verwaltungsdienst zurückblicken. Rachdern er bis zum 8. Dezember 1924 beim Polizeiamt Darmstadt tätig gewesen war, wurde er an genanntem Tage zum Polizeiamt Gießen verseht. Er hat sich auch hier durch seine Kenntnisse seine Pflichttreue und sein entgegenkommendes Wesen das Vertrauen seines Vorgesetzten und seiner Untergebenen, so­wie des Publikums erworben.

Die Maul- und Klauenseuche ist neuerdings in Grünberg (Kr. Gießen), Schweins­berg (Kr. Alsfeld), Heldenbergen (Kr. Friedberg), Hochelheim (Kr. Wetzlar) amtlich festgestellt wor­den. In Butzbach, Dorlar, Münchholzhausen und Hachborn ist die Seuche erloschen.

* * Die Benirkstierfchau in Grün- berg verschoben. Wie der Landwirtschaft«- kammerausschuß für Oberhessen uns mitteilt, ist die für den 9. Juni in Grünberg vorgesehene Bezirks­tierschau wegen Ausbruchs der Maul- und Klauen­seuche in Grünberg auf unbestimmte Zeit verschoben worden.

* * Blitzschlag. Am Samstagabend 5 Uhr schlug der Blitz in die elektrische Leitung bei dem Anwesen der Gießener Studentenhilfe auf der Schönen Aussicht". Er folgte der Leitung bis in das Haupthaus der Studentenhilfe, wo er vor dem Zähler einen Brand verursachte, bei dem große Stichflammen herausschlugen und ein größeres Stück der Leitung schmolz. Durch das energische Ein­greifen des Hausmeisters mit zwei Minimax-Appa- raten, wobei auch die Bewohner des Eger-Heims tatkräftig eingriffen, wurde weiteres Unheil ver­hütet.

* Ein parlamentarisches Aach- spiel zum Gießener Reichsbanner- t ag. Die Abg. Dr. Werner, D. Diehl und Gen. (Deutschnatl.) haben im Hess. Landtag eine Anfrage eingebracht, in der gefragt wird, ob es zutreftend sei, daß das LandÄamt für das Dil- dungswesen die Landesuniversität Gießen als wissenschaftliches, parteipolittsch neutrales Insti­tut geatoungen habe, ihre sämtlichen Dienstgebäude aus Anlaß einer unzweifelhaft parteipolitischen Veranstaltung (gemeint ist die Reichsbanner­tagung in Gießen) zu beflaggen. Ferner wird die Regierung gefragt, wie sie diese Maßnahme, die von wettesten Krisen der Bevölkerung als Pro- vokation empfunden werde, zu rechtfertigen ge­denke.

* * Vom Gießener Krematorium. Am Montag nachmittag 41/« Tlhr fand die erste Probe-Einäscherung auf dem Friedhöfe statt. Die Leiche des Schneiders Joh. Käfer wurde den Flammen übergeben. Die Verbren­nung dauerte etwa 1V2 Stunde und ergab, daß die Anlage gut funktioniert. Dis zur offiziellen Eröffnung der Anlage sollen noch weitere Ver­suche unternommen werden, um Anhaltspunkte über den Brennstoffverbrauch usw. zu gewinnen. Wegen der noch nötig gewordenen Ilmbauten in der Friedhvfskapelle finden die Leichenfeiern bei Erdbestattungen bis auf weiteres an den Grä­bern statt.

** Gießener Schachklub. In den oberen Räumen des Cafs Astoria fand am Montagabend das angekündigte, vorn Schachklub Gießen veran­laßte Simultanspiel des Schachgroßmeisters S p i e l m a n n - Wien in Gegenwart einer beträcht­lichen Zufchauennenge statt. Herr Spielmann spielte gegen 31 Gegner. Er gewann in 4i Stunden 24 Partien, verlor 3 und machte 4 remis. Ihre Par­tien haben gewonnen die Herren Oberarzt Dr. Bccker-Herborn, Amtsgerichtsrat Leun-Butzbach und Dr. Gerhardt-Gießen. Remis erzielten die Herren Professor Weißgerber, Dr. Wertheim, Stern und Rosenthal-Gießen. Die Genannten find sämtlich Mit­glieder des Gießener Schachklubs.

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

Das Amtsverkündigungsblatt Rr. 4 4 vom 1. Juni enthält: Volksentscheid am 20. Juni. Höchstsätze in der Erwerbslosen­fürsorge. Juni-Miete. Maul- und Klauen­seuche in Ruttershausen und Grüirberg. Straßensperre. Feldbereinigung Reinhards- hain. Straßenverkehr. Drenstnachrichten.

Der Kasfia-Vezirkstag des Bezirks Giehen

fand am Sonntag bei starker Beteiligung im Post- keller statt. Von den 29 Kriegervereinen des Be­zirks waren 28 erschienen. Der Vorsitzende Professor Dr. K r a e m e r = Gießen begrüßte besonders herzlich den wieder neu erstandenen Kriegerverein Gar­benteich, der sich mit 55 Mitgliedern zum Bezirk Gießen angemeldet hat. Der Bezirk zählt jetzt nahe­zu 1900 Mitglieder, der Zuwachs beträgt 113 Mit­glieder. An Auszeichnungen wurden verliehen: Der goldene Fahnennagel an den Kriegerverein Lollar, der mit 81 Jahren der älteste Oberhessens ist, her silberne Fahnennagel an die Vereine Gießen, Watzenborn-Steinberg und Steinbach, das Hassia- Ehrenkreuz an die altverdienten Kameraden Mül­ler- Steinbach, Balser und Schäfer -Watzen­born-Steinberg, Haas-Burkhardsfelden, Schifft nie, Waas, Mayer, Kraemer, Trüm - pert und Haupt-Gießen: zwölf weitere Karne- 1 raden erhielten die Ehrentafel. Der Vorsitzende teilte

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