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Mittwoch, 2. Juni 1926

176. Jahrgang

Ur. 126 Erstes Blatt

> verfügt.

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noch vor endgültiger ausgeglichen werden, den im übrigen zum

Verabschiedung des Etats Di? Mehrausgaben wer« Teil mit den vermehrtem

Preußischer Landtag.

Berlin, l.Suni, 12 Ahr mittags. Erster Punkt der Tagesordnung ist die erste Beratung eines Crgänzungscntwurfes zum Haushalt des Ministeriums des Inneren, insbesondere des Pvlizeihaushaltes. Die hier angefor­derten neuen Mittel für die Polizei sind vorerst nur soweit gedeckt, daß noch ein Minus von 16 Millionen bleibt. Dieses Defizit soll aber

Vas englische Unterhaus zur Uohlentrise.

Die Erklärung Baldwins.

London, 1. Juni. (TU.) Im Unterhaus gab Premierminister Baldwin bei Eröffnung der Sitzung die Erklärung ab, daß die Regierung sich nach Ablehnung ihrer Vorschläge sowohl seitens der Grubenbesitzer als auch seitens'der Berg­arbeiter nunmehr vollkommene Hand- lungsfreiheit Vorbehalte. Die Subventions- Zahlungen seien zu Ende. Macdonald, auf dessen Anfrage diese Erklärung Baldwins die Ant­wort war, kritisierte die Haltung der Regierung in den letzten 14 Tagen. Ihre ganze Tätigkeit, sogar ihre Untätigkeit, sei nur darauf abgezielt gewesen, den Schrittmacher der Grubenbesitzer zu machen. Wenn die beiden streitenden Parteien sich nicht eini­gen wollten, so habe die Regierung die Pflicht, ein­zuschreiten und Maßnahmen zu treffen, die zur

Vriands Sieg.

Die Interpellationsdebatte vertagt.

Lanah«e von Anzeigen für die lagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, 'plohvorschrift 20° , mehr.

Ehefredakteur:

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwottlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lanae; für Feuilleton Dr. H.Tyyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein; für den An­zeigenteil Hans Iüstetz sämtlich in Gießen.

Ausgaben für die Erwerbslosenfürsor^e be­gründet.

Sn der allgemeinen Besprechung verlangt Abg. Marckwald (S.). daß für die Beamten der Schutzpolizei so schnell wie möglich dieselben Rechte gewährt toert-en, wie für die übrigen Beamten. Die in dieser Richtung vom Landtag angenommenen Anträge seien vom Ministerium nicht in die Praxis umgeseht werden.

Abg. Dorck (Dn.) verzichtet darauf, ein­zelne Fälle aus der Personalpolitik des Ministers Severing vorzutragen. Das ändere nicht an der ablehnenden Kritik einer Partei. Der Minister verlangt unbedingt republikanische Gesinnung von seinen Beamten. (Sehr richttg links. Zurufe rechts: Gesinnungsterrorl) So werde die Be­amtenschaft einfach in das Parieigetriebe hinein­gezogen. Mit Haussuchungen geht man gegen verdiente Männer vor. Bewußt werde die öffent­liche Meinung irre geführt. Wenn die Rechtsver­bände sich zusammenschliehen, um sich gegen die rote Gefahr zu schützen, so ist das einfach eine Selbstversicherung. Die Haussuchungen waren völlig gesetzwidrig. Ans liegt am Herzen, bah das Recht im deutschen Bolle nicht gebeugt werde. Wir verlangen vom Minister, day die Polizei­beamtenschaft von unsauberen Elementen gereinigt wird. Wir begrüßen alle Bestrebungen, eine Vereinheitlichung des Polizeiwesens herbeizufüh­ren. Sm früheren Regime waren die Beamten besser aufgehoben als bei den Sozialdemokraten und den sozialistischen Ministern.

Abg. Stieler (Ztr.) fragt, was den Poli­zeibeamten passiert wäre, die sich unter der Monarchie gegen den Staat gewandt haben wür­den. Es liege im Snteresse der Polizeibeamten, des Polizeistandes und »berufes, dah sich der Polizeibeamte gewisse Einschränkungen der allge­meinen polittschen Freiheit des Staatsbürgers ge­fallen läßt. Der Beamte hat unbedingt und rest­los zur Verfassung zu stehen, auf die er den Cid geleistet hat. Zu wünschen sei, daß den wirt­schaftlichen Wünschen der Polizeibeamten mög­lichst entgegengekommen werde.

Ministerialdirektor Dr. A b e g g nimmt in Vertretung des Ministers des Snnern das Wort zu der jüngsten Polizeiaktion: Als am 10. Mai der Berliner politischen Polizei der Diktaturplan und die Ramen der dafür in Aussicht genommenen Persönlichkeiten bekannt

Die Regierungsbildung in Rumänien.

Bukarest, 2. Suni. (TA.) Averescu wird in den nächsten Tagen seine Arbeiten zur Umbildung des Kabinetts aufnehmen. Sustizminister C u d a l h u scheidet aus und über­nimmt das Präsidium der beiden Parlamente. Handelsminister Coanda wird durch Anterstaats» sekretär M a n o i l e s c u erseht. Sustizminister wird der Bukarester Bürgermeister Teodo- r e s c u. Das Kultusministerium übernimmt G o l» dis. Das Sonderministerium für Siebenbürgen erhält als neuer Leiter Petrovici, bisher Minister ohne Portefeuille. Außenminister wird Goga, während die Besetzung des Gesundheits­ministeriums, das bisher Lupas leitete, offen bleibt. Die ParlameiM treten am 20. Suni zu­sammen zur Entgegennahme und Besprechung der Thronrede. Am 12. Suli beginnt dann wie­der die Herbstpause.

Der neue rumänische Zolltarif.

Bukarest, 2. Suni. (TA.) Der rumänische Ministerrat hat am Dienstag über den neuen rumänischen Zolltarif verhandelt und beschlossen, daß die Zollsätze für Eisen und Tex­tilwaren. soweit sie im neuen Zolltarif nicht um mehr als 50 Proz. erhöht worden sind, bestehen bleiben sollen. Sind für Eisen und Textilwaren im neuen Zolltarif höhere Sähe als 50 Proz. über den alten Tarifsätzen vorgesehen, so soll der Sah um die Halste dieser Mehrerhöhung ver­mindert werden. Bei anderen Zollpvsten sollen die Sähe des neuen Tarifs in keinem Falle hoher als 300 Proz. des alten Tarifs fein. Der neun Tarif tritt am 5. Suni in Kraft.

Vie Vorgänge in Portugal.

Bo-lin, 2. Suni. Rach einer Havas- nreldung c.u Lissabon bereitet sich der Arbeiter­verband darauf vor, in die Opposition zu treten, fal' 1 eine Militärdiktatur er­richtet tix :den sollte. Die Truppen der Divisionen aus dem Rorden und Süden unter dem Befehl des Generals Gomes Costa marschieren auf Lissabon. Sie werden in der Umgebung der Hauptstadt bis zur Ankunft des Generals Feld­lager beziehen. Diö Revolutionäre haben den Senator Torres Rovas und den Abgeord­neten Tereina Osorio sowie den Führer der Republikanischen Aktion in der Kammer, Alvaro Castro, fe st genommen.

Der Gewerkschaftsverband hat sich grund­sätzlich für den General st reik in ganz Portugal ausgesprochen, um der evtl. Bildung einer Militärdiktatur entgegenzulreten.

Erscheint täglich,außer Sonntags und Feiertag».

Beilagen:

Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

Monatr-Bezugrpreis: 2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger« lohn, auch bei Richter- scheinen einzelnerRummern Infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: Ächriftleitung 112, Ver­lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach- richten. Anzeiger Eiehen, poftschemonto:

£ronffurt am Main 11686.

Klärung der Situation führten. Die Lage dränge zu schnellem Entschluß. Macdonald schloß:Ich ver­stehe die Haltung des Ministerpräsiden- t e n mit Bezug auf die Subventionszahlungen nicht. Sind diese Zahlungen ein Geschäft etwa i n d e r Form von Bestechungsgeld für eine will­fährige Grubenbesitzerschaft? Sollen hier amerika­nische Methoden eingeführt werden? Die Subven­tionszahlungen sind in. E. für den englischen Berg­bau eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Ich glaube nicht, daß der Ministerpräsident den Sinn der Sub­vention selbst anders auslegt. Er würde sich sonst selbst am meisten schaden."

Sm weiteren Verlauf der Anterhausdebatte über die Kohlenkrise erklärte Lloyd George ebenfalls, daß der Regierung nichts anderes übrig bleiben werde als selbst die Snitintiüe zu ergreifen. Der Kohlenbericht biete der Regierung eine Handhabe, auf gesetzlichem Wege an die Reorganisation der Kohlen­industrie heranzugehen. Ein nationales Lohnbureau müsse errichtet werden. Rur so sei eine angenehme Liquidation dieses so unan­genehmen Kapitels möglich. Baldwin erwiderte. Die Vorschläge der Regierung hätten sich durch­aus auf dem Boden der im Kohlenbericht niedergelegten Richtlinien bewegt. Aber da hätten die Grubenbesitzer schon von derEin­mischung der Regierung" gesprochen. Er sei selbst der Ansicht, daß, je weniger sich Par­lament und Regierung in das interne Leben der Wirtschaft hineinmischten, desto besser dies für die gesamte Wirtschaft sein werde. Aber so wie die Dinge lagen, muhte/jede verant­wortungsbewußte Regierung ein­greifen.

Die Existenz der Ration sei durch die Kohlenkrise bedroht. Trotzdem müsse die Re­gierung darauf bedacht sein, ohne Zwangsmaß­nahmen zu einer befriedigenden Lösung zu ge­langen. Die Lage scheine allerdings im Moment aussichtslos, aber er versichere, er werde die Führung nicht einen Augenblick verlieren und fei jederzeit in der Lage, die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Die Arsache der Kohlenkrise liege viel zu tief, als daß man die Lösung allzu sehr forcieren dürfte. Er wisse genau, daß es ganz ohne regierungsseitige Anterstützung nicht gehen werde. Auf der andern Seite aber habe er nicht die Absicht, die Steuerkraft des englischen Bürgers zugunsten einer ein­zelnen Sndustrie zu überspannen. Die Ein­sicht würde vielleicht früher als allgemein er­wartet zur Geltung kommen, und wenn nicht bald, so werde er im geeigneten Moment auch die gesetzlichen Mittel im Snteresse des Landes anzuwenden wissen.

Das deutsch-spanische Handels­abkommen in Kraft.

Berlin, 2. Suni. (TA.) Amtlich wird mit- geteilt: Die Ratifikationsurkunden zu dem Handelsabkommen zwischen dem Deutschen Reich und dem Königreich Spanien vom 7. Mai 1926 sind am 31. Mai in Madrid ausgetauschi worden. Das Handels­abkommen ist am 1. Suni in Kraft getreten.

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Paris, 1. Juni (TU.) Der heute vormittag stattgehabte Rlinisterrat hat einmütig b e - schlossen, Lriand für seine Politik das ver­trauen auszusprechen und nach wie vor an dem Beschlüsse seslzuhalten, jede General­debatte über die Finanzlage a b ; u l e h n e n , bis die Vorlegung eines klaren und einwandfreien Berichtes möglich fein wird.

Die heutige Kammerfihung wurde unter un­geheurem Andrang des Publikums eröffnet. Es lagen mehrere Snterpellationen vor: an erster Stelle die des Radikalfozialisten Hulin, der auf sofortiger Festsetzung des Datums der Be­antwortung feiner Snterpellation bestand. Dar­auf ergriff Briand das Wort und erklärte, daß die Regierung genau wie vor acht Tagen so auch heute eine F i n anz d e b a t te nicht wünsche. Das Parlament müsse sich auch über die parteipolitischen Erwägungen stel­len. Eine nationale Einigung sei unerläßlich. Aufgabe der Abgeordneten sei es, als gute Franzosen sich um die Regierung zu scharen, wenigstens solange die Finanzschwierigkeiten nicht behoben sind. Später könne dann der Kampf um die polittschen Doktrinen wieder aufgenommen werden. Die Regierung bedürfe jetzt einer stabilen Mehrheit. Eine Regierung, deren Dasein in einer so ernsten Lage des Landes nut an einem Faden hänge, könne die schwere Verantwortung nicht auf sich nehmen. Wenn eine Einigung nicht erzielt werden könnte, so bleibe der Regierung nichts anderes übrig, als zurückzutreten. Das Schlimmste, was es für das Kabinett gebe, sei die gegen­wärtige Ungewißheit. Worauf es jetzt ankomme, sei eine methodische Zusammenarbeit zwischen Parlament und Regierung. Hulin erwiderte, er sei bereit, seine Snterpellatton zurückzuziehen, wenn die Regierung die Zusicherung gebe, daß sie in keiner Weise zur Neubildung des Rationalen Blocks Beitragen werde. Darauf ergriff Ho gar o das Wort. Der Red­ner vermutet, dah die Regierung gegenüber der (Bange de France zu weitgehende Verpflichtungen übernommen habe. Diesen Ausführungen wider­sprach der Finanzminister. Der Sozialist Vin- zent Auriol fritifierte die Zusammensetzung des Sachverständigenkomitees, in dem die Ver­treter der Hochfinanz das Aebergewicht hätten.

Die internationale Arbeitskonferenz. Der deutsche Standpunkt.

Genf, 1. Suni. (TA.) Sn der heutigen ^nfiftung der Sntemationalen Arbeitskonferenz ; -urbe die Beratung des Berichtes des Direktors iss Internationalen Arbeitsamtes fortgesetzt. 9<r englische Arbeiterde legierte wies auf die Bedeutung 9er Arbeiten des Sntemationalen Arbeitsamtes über die wirtschaftlichen und so- |.a(en Verhältnisse in Sowjet-Ruhland hin. Er )cüdte die Hoffnung aus, dah auf der nächsten Aabeitskonferenz der Bericht des Direktors die Attache der Ratifizierung des Dashingtoner Abkommens durch die Regierungen feststellen werde. Es fiel allgemein auf, dah der englische Bergarbeiter- lonflikt von ihm nicht erwähnt wurde. Ein 'ranzöfischer Arbeiterführer erklärte, dah die Mchtrattfizierung des Washingtoner Abkommens eine Gefahrung der Arbeiten des Snter- nationalen Arbeitsamtes darstelle.

Rach ihm sprach der englische Regierungs- Dertteter, der auf die großen Fortschritte in der totalen Gesetzgebung der Rachtriegszeit hinwies. Dfctoobl das Washingtoner Abkommen noch nicht oc»ii allen europäischen Staaten ratifiziert worden et, habe es schon jetzt eine große praktische Be­deutung.

Hierauf ergriff der deutsche Regie­rungsvertreter. Ministerialrat Feig das Wort. Er drückte zunächst dem Direktor des Inte mattonalen Arbeitsamtes seine Anerkennung I* für den wertvollen Dienst und den Snhalt seines Berichtes aus. Dieser Bericht entwickele sich innner mehr zu einem internationalen Handbuch bei Sozialpolitik, das über den Stand der sozialen Scsehgebung und den Stand der sozialen Ver- . hältnisse in den verschiedenen Ländern inert- Dllc Einblicke gewähre. Richt ganz zutreffend ; fei allerdings die Angabe, daß Deutschland Mlcit längerer Zeit ferne Schifiswerften unterstütze mtb ihnen zur Zeit 60 Millionen Mark als Dar­lehen gewährt habe. Tatsächlich sei von Unter- 'liitjungen feine Rede gewesen. Es habe ich vielmehr nur um einen einmaligen Kredit ui Linderung der Arbeitslosigkeit auf den deut­schen Schiffswerften gehandelt.

Ministerialrat Felg ging dann auf die neue »ZeitschriftDie Chronik der Anfallverhütung" du, mit deren Herausgabe sich das Snternatio» nah Arbeitsamt ein hervorragendes Verdienst Iertnorben habe. Die Ausgestaltung dieser Zeit- chttft entspreche durchaus den von ihr ange- flrebten Zwecken und ihr Snhalt werde immer reichhaltiger.

Ministerialrat Feig ging dann auf die Frage bet Ratifizierung des Arbe itszeit- ribereinkommmens ein. Er erklärte, es 'ei darauf hingewiesen worden, dah die Gr- flirungen der Regierungsvertreter sich sehr ähn­lich seien. Seit kurzem sei aber ein sehr wich - !i ge s Ereignis eingetreten, in dem zweifel­los auch die Regierungen der Konferenzteil­nehmer einen wesentlichen Fortschritt . auf dem Wege der Ratifizierung des Acht­sundentagübereinkommens erblicken würden: die Asnferenz in London. Die deutsche Regierung ml für die Snitiatitie des englischen Arbeits­riinsters sehr dankbar gewesen und sie glaube, ball die Einigung der wichtigsten Sndustrie- ia aten über die Auslegung verschiedener zweifel­hafter Punkte des Washingtoner Abkommens ber Weg für die Ratifizierung dieses Ab- ' »ko immens ebnen.

Die deutsche Regierung habe nicht gezögert, aus Ergebnissen der Konferenz von London die Tigerungen zu ziehen. Schon vorher sei im beut- Wien Reichsarbeitsministerium der Entwurf eines Kietzes vorbereitet worden, in dem außer blustigem Arbeiterschutz die Arbeitszeit geregelt wer- Ilm soll. Dieser Entwurf fei auf Grund der Ergeb- liste der Londoner Konferenz umgearbeitet worden, h handle sich um einen vorläufigen Entwurf, der innerhalb des Arbeitsministeriums ausgearbeitet rorben fei unb über ben ober noch nicht eine Be° fhlußfasfung bes Kabinetts ftattgefunben habe, te-lltfchlanb stehe auf bem grundsätzlichen 6 ta n b p u n 11, ein Abkommen nicht zu ratifizieren, d>e es nicht feine Gesetzgebung in volle rl Übereinstimmung mit bem Inhalt des Erschlossenen Abkommens gebracht habe, ter gegenwärtig ausgearbeitete Entwurf des Ar- pnerfchutzgefetzes fei so gefaßt, daß er die Rati- iction einer großen Reihe von internationalen lelercinfommen bedeuten, insbesondere aber des lichistundentagsübereinkommens ermöglichen würde. <\< Vollziehung der Ratifikation werde von der |!echz^itigen Ratifikation durch die anderen fiuptinbuftrieftaaten abhängig sein.

Nach der Wahl Moscickis.

Warschau. 1. Suni. (TA.) Sm zweiten Wahlgang der Wahl fiir den polnischere Staats- tt<sidenten in der Rationalversammlung erhielt, btt bereits gestern gemeldet wurde. P r o s e s - Io r Moscicki 281 Stimmen. Derx Posener Dojwode Bninski Kandidat der Rechten, cr- jrelt 200 Slimmen. also 15 Stimmen weniger als n ersten Wahlgang. Der Sozialdemokrat M a - te t erhielt eine Stimme. Sttmmenthaltungen 13. Die absolute Mehrheit betrug 243.

Der neue Staatspräsident, Professor Dr. Aoscicki ist im Sahre 1867 im Kreise Plock Iieboren. Er besuchte das Polytechnikum in Riga, mißte wegen politischer Betätigung in Warschau vS Ausland gehen und arbeitete die nächsten trü Sahre in London. 1894 begab er sich nach Sniburg i. Br., wo er Assistent am physikalischen

Snftitut der Aniversität wurde. 1901 wurde er Leiter eines eigenen Laboratoriums. Er beschäf­tigte sich hauptsächlich mit den elektro-chemischen Elementen und hat verschiedene wichtige Er­findungen gemacht. 1902 wurde auf Grund seiner Erfindungen die erste Stickstofiabrik der Welt im Kanton Wallis erbaut. 1912 wurde er aus einen, speziell für ihn geschaffenen Lehrstuhl für Elektrochemie der Aniversität Lemberg be­rufen und als die Chorzower Werke an Polen fielen, wurde er Leiter dieser Werke. Er ist nun Direktor der technischen Hochschulen in Lem­berg und Warschau und hat viele Lehr- und technische Bücher in polnischer, deutscher und französischer Sprache geschrieben. Sm neuen Polen ist er politisch noch nicht hervorgetreten. Er ist aber überzeugter Demokrat.

Wie von gut unterrichteter Seite verlautet, soll heute um sechs Ahr die Eidesleistung des Präsrdenten ftattfinben, gleichzeitig die ilebergabe des Amtes durch den proviso­rischen Präsidenten R a t a j an den Präsidenten Moscicki. Sn politischen Kreisen Warschaus rech­net man auch damit, dah eventuell noch heute abend oder spätestens morgen das Kabinett Bartel seine Demission einreichen wird. Es gibt dann zwei Möglichkeiten: Entweder der Präsident nimmt die Demission des Kabinetts Bartel nicht an und verlangt eine Rekonstruktion, oder Bartel, der ein persönlicher Freund des neuen Präsidenten ist, wird damit betraut wer­den, ein neues Kabinett zu bilden. Große Aenderungen in dem Kabinett Bartel sind aber wohl auch in diesem Fall nicht zu erwarten. Höchst wahrscheinlich wird die Leitung des Fi­nanzministeriums eine Aenderung erfahren. An Stelle von Ciechowih soll der frühere Legations­rat in Washington Gliwic zum Finanzminister bestimmt werden.

Sn Warschau spricht man übrigens in be­stimmtester Form von der Möglichkeit, daß nach dem Rücktritt des provisorischen Minister­präsidenten Bartel Pilsudski selbst die Führung des neuen Kabinetts über­nehmen werde.

Die Abstimmung.

Bei Wiederaufnahme der Sitzung schritt man zur Abstimmung. Die Regierung beantragte die Vertagung der Interpellation und stellte die Vertrauensfrage. Der Antrag wurde mit 313 gegen 147 Stimmen angenommen. Die Radikalsozialisten haben sich der Abstimmung enthalten, mit Ausnahme von 20 Abgeordneten, die für die Regierung stimmten. Die Regierungsmehrheit setzte sich selbst nur aus Rechtselementen zusammen. Unge­fähr 140 Abgeordnete nahmen an der Abstimmung nicht teil.

Es wäre verfehlt, das Abstimmungsergebnis als eine stabile Mehrheit für das Kabinett Briand auffassen zu wollen, und es liegt auf der Hand, daß das starke Eintreten der Rechtsparteien für das Kabinett die Lage der radikalfozialiftifchen Kabinettsmitglieder noch mehr erschwert. Immerhin hat das Kabinett B r i a n d für die nächste Zeit Ruhe. Die neue Entscheidung wird erst am Ende des Monats bei der Eröffnung der .fachlichen F i - nanzdebatte fallen.

Marokko.

Paris, 1. Juni. (TU.) Rach Meldungen aus Marokko hat die K a m p f t ä t i g k e i t in den letzten Tagen weiter zu genommen. Die Unzu­friedenheit der Stämme ist stark gewachsen. Unter dem Oberbefehl des Bruders Abd el Krims haben starke Riftruppen Tetuan angegrif­fen und sich der Vorstädte bemächtigt.

Wie der Sonderberichterstatter derInforma­tion" aus Fez berichtet, haben die Rifftämme den französischen Militärbehörden den Deutschen Klemp, der in Dien st en von Abd el Krim stand, ausgeliefert. Klemn sei aus der Fremdenlegion desertiert und durch die unerwartete Explosion einer Granate kürzlich verletzt worden. Klemp habe die Geschütze der Rifleute repariert und Flugblätter in deutscher und französischer Sprache abgefaßt, in denen die französischen Soldaten, beson­ders die der Fremdenlegion aufgefordert wurden, zu desertieren.

An der Küste Bokkoja haben sich von dem spa­nischen Oberkommissar mehrere Kaids und Rota- beln der Eingeborenen, darunter zwei Söhne Raisulis, unterworfen.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnlck und Verlag: vrühl'lche UnioerfilälL-vuch- und Lteindruckerei H. Lange in Sieben. Schristleitnng und Seschästsstelle: SchnlMaße 7.

von .Hermann Sudermann n Lelhagen & Sla= ! n. Er spielt in der tolle Professor". Er ist ein r Bewegung und unge- 5d)öpfung, bit mit ihrer cunlid) tiefen (Bebauter.- ?, was der WomaiMjIer Sehr reich ist die illu- ftes. Neben den meister­en nach Derlen von M, ein die sarbitzen Aussätze von Dr. Paul Ferdinand iunst" von Pros. Dr. Georg Mrichs reizende i Land der Luche und ihn Wagner mit duftigen imüttt hat. Pros. Dr. Mlh. zum 100. Todestage Carl in bisher unveröffentlichtes nes Bildnis des Kompo-

mung des hansischen. Sk- großen Siebenhundechch- . diesem Anlaß wurde °>e iimmer des "Lübecke 5 gewidmet der rühm Hansestadt. Dem..Lub--k als moderner und M

Md Hafenstadt gut die liz Deutsch-Mdische Son- ille Istausgabe ausgezogen.

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