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Ar. 78 Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gbecheffen)

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Samstag, 5. April 1926

Von Ostern und vom deutschen NaLurgefühl.

Ostern, das Fest der Wiederauferstehung Christi und zugleich des Wiedererwachens der Natur, hat die christliche Empfindungswelt in tiefgehender Weife beeinflußt. Ja, man kann sogar sagen, daß unser ganzes Noturgesühl sich zunächst an Dem Ostererleb- nis entwickelt und verfeinert hat, und daß für uns dieses Fest aufs engste mit dem beglückenden Gefühl für die Schönheit der Umwelt verbunden ist. Diese bisher wenig beachtete geschichtliche Erscheinung tritt neben vielen anderen überraschenden Erkenntnissen aus dem WerkDas N a t u r g e f ü h l im Wandel der Zeiten" von Alfred Biese her­vor. Der bekannte Verfasser, der sich diesen Studien durch ein langes Leben hin immer wieder gewidmet hak, behandelt hier in lichtvoller Darstellung das ganze gewaltige Gebiet und verweilt besonders liebe­voll bei dem Keimen und Erblühen der deutschen Landschaftsfreude. Dem Menschen des Nordens er­schloß sich ja die Natur nicht so leicht und selbstver­ständlich wie den Menschen des Südens, dem mehr Sonne und üppige Fruchtbarkeit das Wunder der Schöpfung nachdrücklicher einprägen. 2lber gerade auf der kargeren Erde und unter trüberem Himmel ist allmählich ein Naturgefühl entstanden, das ver­tiefter und innerlicher wurde als das des Süd­länders. Die alten Germanen befaßen jene den Ariern gemeinsame Naturphantasie, die auf Berges­gipfeln, in Flüssen, im dunklen Hain und im Rau­schen der Baumkronen die Nähe göttlicher Wesen ahnte. Solche Naturoerehrung hat sich Jahrhunderte hindurch unter Sachsen und Friesen erhalten. Aber der spröde Charakter der Landschaft verlockte nicht viel zu Schilderungen, und so finden wir die Natur in der ältesten germanischen Dichtung nur selten er­wähnt. Im angelsächsischenBeowulf", diesem düste­ren Gesang von Moor und Winter, von Meer und Nebel, leuchtet nur dann ein schwacher Lichtstrahl auf, wenn die Wonne des Frühlings erwähnt wird. Erst das Christentum mit seinem erwärmenden und verfeinernden Hauch öffnete dem deutschen Menschen

Wünsche zum neuen Effenbahnsahrp an.

Am 15. Mal wird der neue Eisenbahn- Fahrplan in Kraft treten. Der erste Ent­wurf dieses Planes liegt jetzt vor. BK seiner kritischen Durchsicht ergibt sich, daß vom Stand­punkt des Verkehrsbedürfnisses aus erhebliche Bedenken gegen die Fahrplanabsichten der Reichs- bahndirektion Frankfurt a. M. geltend zu machen sind. So hat der Hessische B e r k e h r s v er­bau d , Vorort Darmstadt, in einem Schreiben an die Reichsbahndirektion zahlreiche Beanstan­dungen erhoben, die er auch an die Presse zur Veröffentlichung mitteilte, leider aber in einer Fassung, mit der die Leser nichts hätten anfan- gen können. 3n dieser Eingabe werden stets nur die Zugnummern genannt, die niemand aus dem Publikum kennt, anstatt die Abfahrt- und An­kunftzeiten auf der Ausgangs- bzw. Endstation zu nennen, die allgemein geläufig find. Diese un­praktische Formulierung bewog uns, von dem Abdruck der Eingabe abzusehen, weil unsre Leser daraus doch keinen Aufschluß erhalten hätten. Ferner hat sich der Verkehrspolitische Ausschuß des Gießener Verkehrs­vereins am Donnerstag abend in einer Sit­zung eingehend mit diesem Fahrplan-Entwurf be­schäftigt und dabei mancherlei Mängel festgestellt, deren Beseitigung im Interesse unserer Stadt und der weiteren Umgebung dringend geboten erscheint. In einer Eingabe an die Reichsbahn­direktion Frankfurt a. M. soll um die Erfüllung dieser Verkehrswünsche ersucht werden. Diesen Forderungen geben wir gerne unsere Llnterstüt- zung, denn sie sind berechtigt: ihre Befriedigung wird übrigen^ in hohem Maße auch den Inter­essen der Reichsbahn entsprechen. Betrachten wir die Gießener Eisenbahnwünsche nunmehr im Ein­zelnen.

Als eine empfindliche Beeinträchtigung der Verkehrsinteressen Gießens und der Umgebung muh es angesehen werden, daß -i>er neue Rachtschnellzug Altona Kassel 5 r a n f f u r tB asel den Bahnhof Gießen ohne Halt durchfahren soll. Dieser Zug, der eine sehr gute Verbindung aus Rorddeutschland darstellt, soll nach dem neuen Fahrplan um> 2.33 Uhr nachts in Kassel abfahren, Marburg! und Gießen ohne Halt passieren und um 5.04 Uhr früh erst in Bad-Rauheim wieder Aufent­halt bekommen. Der Gegenzug Basel-^- F r an k f u r tK a s s e lA11 on a soll eben­falls in Gießen nicht halten: Frankfurt a. M. ab 11.29 Uhr nachts, Bad-Rauheim 12.10 Uhr, Kassel an 2.40 Uhr früh. Dieses Zugpaar wird in seiner Bedeutung für unser Gebiet noch er­höht durch die Tatsache, daß es Kurswagen von bzw. nach Berlin mit sich führt, also nicht nur eine vortreffliche Verbindung mit der Wasserkante, sondern auch mit der Reichshaupt­stadt darstellt. Es ist unverständlich, daß man die oberhessische Provinzial haupt- st a d t, den bedeutenden Eisenbahnknoten­punkt Gießen, von einer so wichtigen neuen Zugverbindung ausschließen will. Die Reichs­bahnverwaltung wird es nicht als unbilliges Verlangen ansehen können, wenn gefordert wird, diesen Zügen Aufenthalt in Gießen zu geben. Dieser könnte, da eine Paketbeförbe­lang ja nicht in Betracht kommt, auf eine oben zwei Minuten beschränkt werden. Ein weiterer Wunsch an die Reichsbahndirektion Frankfurt am Main betrifft gleichfalls die Strecke Frank- f u r tG ieße nK a s s e l. Hier soll, wie wir hören, von Mitte April ab der Personen­zug 7 71, Frankfurt a. M. ab 11.44 Uhr nachts, Friedberg 12.52 UJjr, Bad-Rauheim 1.01 Uhr, Butzbach 1.20 Uhr. Gießen an 1.50 Uhr. ebenfalls in Fortfall kommen. Ferner soll der Gegenzug 778 KasselGießen Frankfurt, ab Kassel 4.40 Uhr nachm., ab Gie­ßen 8.56 Uhr abends, gestrichen werden. Legen wir auch der letztgenannten Beschränkung keine Bedeutung für das Publikum von Gießen bei, weil unmittelbar vorher und auch durch spätergehcnde Züge immer noch eine ausreichende Verbindung in der Richtung Frankfurt bzw. zu den Rachbarorten Gießens bestehen bleibt, so ist dagegen die Streichung des Spätper­sonenzuges ab Frankfurt a. M. 11,44 Uhr nachts für Friedberg, Rarcheim, Butzbach und Gießen außerordentlich unangenehm. Man denke nur an die oberhessischen Besucher

der Frankfurter Theater! Heute schon ist die Sach­lage so, daß man in Frankfurt von den Theatern zu ben Schnellzügen 10,33 bzw. 10,33 Uhr hetzen muß: verpaßt man diese aber doch, so hat man immer noch den Trost, den Personenzua 11,44 Uhr benutzen zu können. Dieser Behelf soll nur ver­schwinden: es tonnte dann den ober hessischen Theaterbesuchern sehr leicht dasVergnügen" beschieden sein, beim Verpassen der Schnellzüge zwangsweise die ganze Rächt bis zu dem Früh- zuae 5.45 Uhr ab Frankfurt in der Mamstadi zu- zuoringen. Es wird auch von der Reichsbahn nicht bestritten werden können, daß dies eine unerträgliche Härte für die oberhessischen Freunde der Frankfurter Theater sein würde, eine Zu­mutung, die so stark ist, daß mancher vielleicht sogar auf den Theaterbesuch in Frankfurt ver­zichten dürste, auch zum Schaden der Frankfurter Theater! Wir sehen, falls die Reichsbahn den genannten Spätpersonenzug unweigerlich streichen will, nur zwei Möglichkeiten zur Befriedigung der berechtigten Eisenbahnwünsche der oberhessi­schen Theaterfreunde Frankfurts: entweder läßt die Reichsbahndirektion den obenerwähnten Racht­schnellzug D 191 (ab Frankfurt 11,29 Uhr) min­destens in Friedberg. Bad-Rauheim (wo er ja ohnehin schon halten soll). Butzbach und Gießen halten ben Halt dieses Zuges in Gießen be­trachten wir auch ohne Theaterbesucher als eine dringende Rotwendigkeit!, oder sie läßt als Ersatz bis nach Gießen einen Triebwagen oder sog. kleinen Dani Pfzug fahren. Im Hinblick darauf, baß auch die Landorte zwischen Frankfurt und Gießen am Frankfurter Theater, wie überhaupt an einer Spätabendverbindung von der Mainstadt aus Interesse haben dürsten, möchten wir die letztgenannte Art der Lösung zur Durchführung empfehlen, zumal ja die Bahn schon aus betrieblichen Gründen kaum geneigt fein wird, den Rachtschnellzug D 191 in den kleinen Städten Friedberg und Butzbach halten zu lassen. Hoffentlich kommt die Bahnverwattung auf dem bezeichneten Mittelwege den Wünschen des Publikums entgegen. Mit dem Gießener Der- kehrsverein und der Gießener Stadtverwaltung, die beide schon am Werk sind, sollten auch die Handelskammern Gießen und Friedberg und die Stadtverwaltungen von Butzbach, Bad-Rauheim und Friedberg in dieser Angelegenheit Schritte unternehmen.

Für die Strecke Gießen Gelnhausen und die Strecke RiddaSchotten erscheint vor allem für ben Sonntagsverkehr eine Ver­besserung des Fahrplanes dringend notwendig. Wer von Gießen aus über Schotten den Vogels­berg, 5- D. ben Hoherodskopf, besuchen teilt, kann jetzt und nach dem neuen Fahrplan auch künftighin Sonntags erst um 8,14 Uhr vormittags abfahren, trifft um 9,22 Uhr in Ridda ein. fährt dort 9,35 Uhr ab und ist um 10.16 Uhr in Schotten. Bis dorthin ist also der halbe Aus- flugstag schon verstrichen, und für bie Wanderung in den Wald bleibt nicht mehr allzu viel Zeit. Von den Ausflüglern. deren Zähl sehr groß ist, würde es begrüßt werden, weirn bie Reichsbahn­direktion die jetzigen Werktags züge Gießen Ridda, ab Gießen 5,31 Uhr früh, an Ridda 6,36 4Ihr, an Stcxkheim 6,57 Uhr und Ridda Schotten, ab Ridda 6,49 Uhr, an Schotten 7,30 Uhr vorm., auch an Sonn- und Feiertagen verkehren lassen würde: auf der Strecke Gießen Gelnhausen am besten bis Stockheim, mit ent­sprechendem Anschluß nach Ortenberg und Gedern, der noch herzustellen wäre, evtl, mittels Trieb­wagens. Säe Besetzung dieser Züge wird sicherlich für die Reichsbahn zufriedenstellend ausfallen, denn allen Ausflüglern wird es angenehm fein, toenn sie bei ihren Tagestouren möglichst früh am Ausgangspunkt ihrer Wanderungen eintreffen können. Die Rückfahrgelegenheiten am Abend von Schotten bzw. von Gedern aus über Stockheim nach Gießen sind in befriedigender Weise vor­gesehen.

Der Strecke Giehen-Lollar-Grün- berg möchten wir ebenfalls eine bessere Be­rücksichtigung im neuen Fahrplan wünschen. Schon die Zugfolge an den Werktagen ist außerordent­lich mangelhaft. Hier wäre eine Ausfüllung der großen Lücken vielleicht durch Triebwagen am Platz». Die Bürgermeister der Rabenau- Gemeinden werden der Reichsbahnbircktion sicher­lich gerne mit entsprechenden Ratschlägen dienen. Aber auch die Sonn- und Feiertags-Bahnver­bindung ist sehr verbesserungsbedürfttg. Es dürfte sich empfehlen, etwa gegen 1/21 oder 1

Uhr mittags an Sonn- und Feiertagen ab Gie­ßen eine Verbindung nach dem Lumdatal zu schaffen: cvll. tonnte im Anschluß an den um 12.30 Uhr mittags hier abfahrenden Personen- zug in Richtung Marburg ein Pendelverkehr zwischen Lollar und Londorf eingerichtet werden. Ferner wird es angebracht sein, den um 8.30 Uhr abends in Gießen abfahrenden Sonntagszug nicht nur bis Londorf, sondern bis nach Grünberg zu führen. Schließlich würde man es auch gern sehen, wenn abends gegen 7 Uhr von Londorf aus eine Rückfahrgelegenheit nach Gießen ge­schaffen würde.

Zum Schluß möchten wir der Reichsbahn- direktivn Frankfurt noch empfehlen, den in un­serem ArtikelCisenbahnverkehrswünsche des Kreises Gießen" in Rr. 61 desGieß. Anz." ge­äußerten Wunsch nach einer Triebwagenfahrt Gießen Mücke Laubach Hungen Ridda Hungen Lich Gießen einer recht wähl­te olleirden Prüfung zu unterziehen. Das Pub­likum wird ein Entgegenkommen der Reichsbahn sicherlich nicht unerwidert lassen.

Oberheffen.

Landkreis Gieszen.

br. Sau bringen, 1. April. In unserem Echulsaale versammelten sich die jetzt zur Ent­lassung gekommenen Schüler und deren Eltern zu einer schlichten Schulentlassungsfeier. Der Klassenlehrer Dr. Balser sprach zunächst kurz über Unterrichtsziele und -weise des mo­dernen Unterrichts, so wie ihn die Arbeitsschule fordert, und gab dann den Anwesenden ein prak­tisches Lehrbeispiel durch Behandlung des Themas Arbeitslosigkeit". Durch von der Hand der Kin­der angefertigte statistische Darstellungen und sonstige Zeichnungen konnte er sehr schön zeigen, wie sich auch schon Schulkinder die schwierigen Begriffe der Volkswirtschaft erarbeiten können. Umrahmt wurde die Feier von einigen stim­mungsvollen dreistimmigen Chören.

: Beuern, 2. April. Infolge stockender Absatzmöglichkeiten ist die hiesige Zigarren­fabrik, eine Filiale der Firma I. B. Roll in Gießen, bis auf weiteres ftillgclegt wor­den. Der Rest der Arbeiterinnen wurde entlassen. Der Zeitpunkt der Wiederaufnahme des Betriebs ist heute noch nicht abzusehen.

t Grünberg, 1. April. Der Viehver- sicherungsoerein (Brünberg hielt gestern seine Hauptversammlung ab. Aus der Nechnungsablage war zu entnehmen, daß im Jahre 1925 die Einnahmen 1556,31 Mk., die Ausgaben 1300,96 Mk. betrugen, so daß ein Kassenbestcmd von 255,35 Mk. verblieb. Dem Verein gehören gegenwärtig 91 Mitglieder an. Bei der Neuwahl des Vorstandes wurden die Herren Großhaus, Flick und K r c u b e r III. gewählt. Im übrigen beschäftigte sich die Versammlung mit einigen in­ternen Angelegenheiten. Zu der jüngsten Holz- versteigerung im Stadtwalde waren viele Steigerer erschienen, was sich bei der Preissteige­rung sehr auswirkte. Durchschnittlich wurde für ein Raummeter bezahlt: Sch e i t h o l z: Buchen 16,50, Kiefern 7,50, Fichten 5, Eichen 8, Erle 3, Aspen 4 Mk.: Knüppel: Buchen 12, Kiefern 5,50, Fich­ten 4, Eichen 6 Mk.: Stöcke: Buchen 6,50, Kiefern 4,50, Fichten 0,60, Eichen 4 Mk.; Reisig: Buchen 2, Kiefernreisigknüppel 2, Eichen 0,60 Mk.

Kreis Friedberg.

ll Stamm heim. 1. April. Der 10 Jahre alte Junge einer hiesigen Familie vergnügte" sich damit, glühendes Blei in Patronenhülsen zu füllen. Hierbei schüttete er das heiße Blei auch in eine Patronenhülse, die noch mit Pulver gefüllt war. Der Junge wurde durch die Explosion am Körper so­wie im Gesicht so schwer verletzt, daß er in die Klinik nach Gießen verbracht werden mußte.

Kreis Büdingen.

1! Büdingen, 1. April. Die schweren Ueberschwemmungsschäden, die in den letzten Jahren von der Ridder und der Ridda verursacht wurden, haben die in Be­tracht kommenden Gemeinden zu dem Entschluß gebracht, die Wasserläufe zu regulie­ren. Man hofft, durch diese Maßnahme einer Wiederholung dieser Schäden endgültig Vorbeu­gen zu können. Im vorigen Jahre regulierten die Gemeinden St ockheim und Glau berg die

in ihren Gemarkungen gelegenen Flußsirecken der Ridder. In diesem Jahr hat die Gemeinde Höchst a. d. R. die cllg.mein vorhandene Er­werbs! offokeit benutzt, um den in ihrer Gemar­kung gelegenen Flußlauf zu regulieren. Die Ar­beiten. die als große Rotstand-arbeiten, durch den Kreisarbeilsnachweis Friedberg-Büdingen anerkannt, ausgeführt werden, beschäftigen 270 bis 300 Arbeiter, sodaß in den umliegenden Ge­meinden z. Zt. keine Erwerbslose vorhanden find. Sie Gemeinde Höchst hat den Vorteil, daß ihr zu den eines Tages doch notwendigen Ar­beiten heute ein bedeutender Zuschuß gewahrt teirb. Man hofft, bis Ende Mai oder spätestens Ende Juni fertig zu sein. Die Regulierung in der angreirzenden preußischen Gemeinde K a i ch e n ist bereits vor Iahreir durchgeführt toorben. Bis 1930 soll die Regulierung von allen Gemein­den durchgeführt sein.

/X Ridda, I. Apr. Gestern nachmittag sand an der hiesigen Gewerbeschule der Schluß des Wintersemesters statt, womit eine kleine Feier verbunden wurde. Die Eltern der Schüler und sonstige Interessenten des gewerb­lichen Llnterrichtswesens versammelten sich mit den Lehrern und Schülern der Anstalt und be­sichtigten unter Führung des Leiters der Schule, Rektor Vitt, die in den Llnlerrichtssälen aus- geftellten Zeichnungen. Modelle und technischen und schriftlichen Arbeiten der Schüler. Alle Fach­leute fanden die Leistungen der Schüler höchst lobenswert rnb stimmten in dem Urteil überein, daß eine solche theoretische Ausbildung der künf­tigen Meister und Gesellen sicher gute Früchte bringen werde. An der Anstalt wirkten im Winterhalbjahr außer dem Reltor noch fünf Gewerbelehrer und ein Fortbildungsschullehrer im Hauptamt. Die Zahl der Gewerbefchüler be­trug 75. Eine Rachfeier im Gambrinus ver­einigte die Teilnehmer der Schlußfeier einige Stunden, wobei noch beherzigenswerte An­sprachen gehalten wurden. Dieser Sage hielt das Forst amt Ridda H o l z v e r st e i g e r u n gen ab, bei denen die Preise wieder so hoch waren wie vor 10 Tagen. Ein Raummeter Buchen- Scheitholz kam bis auf 20 Mk., em Raummeter Buchen-Knüppel bis 12 Mk.. ein Raummeter Buchen-Stöcke bis 5 Mk. und gewöhnliches Reisig ein Raummeter bis 2,50 Ml.

* Kreis Schotten.

Id. Schotten. 1. April. Wie alljährlich, so wandern auch in diesen Sagen viele Frauen aus den höhergelegenen Vogelsberger Dörfern ins Riddatal, laufen dort eben ausgeschlüpfte junge Gänschen zur Aufzucht und bezahlen für das Stück etwa 1 Mk. Im Spätherbst werden d.e gemästeten Gänse wieder abgeseht. Zuchtgänse hält man im oberen Vogelsberg nicht, den Rach- wuchs liefert das Riddatal. Erst mit der Wasser­leitung ist in viele Vogelsberger Dotier die Gänseaufzucht eingezogen, denn bis dahin be­nutzte man das durchfließende Bächlein als Vieh­tränke und konnte deshalb die das Wasser ver­unreinigenden Gänse nicht gebrauchen.

Schotten. 1. April. Rach der Volks­zählung vom 16. Juni 1925 haben, gemessen an der Bevölkerungszahl von 1910, fast die Hälfte aller Ortschaf t en des Kreises mehr oder weniger an Bevölkerung a b ge­nommen. Insbesondere sind es die Gemeinden, die allein auf Landwirtschaft angewiesen sind, ohne Gelegenheit zu haben, einen Teil ihrer Arbeitskräfte in industriellen Unternehmungen unterzubringen. Auffallend stark ist auch der Rückgang der israelitischen Devölkerrmg in un­serem Kreise, der fast 20 Prozent beträgt. Abge­sehen von Gedern, das einen geringen Zu­wachs aufweist, ist allenthalben die Zahl der Israeliten zurückgegangen. Am stärksten macht sich die Abnahme an kleineren Orten, wie D o - benhausen II und Einartsyausen, be­merkbar.

XlX Schotten, 1. April Der Kreis- ausschuh des Kreises Schotten beschäftigte sich in einer öffentlichen Sitzung mit einer Klage des Gastwirts Rühl und Gen. zu Hart­mannshain gegen den dortigen Gemeinderat. Der Klage lag folgender Sachverhalt zugrunde: Der Gemeinderat von Harttnannshain beschloß, von den Richtortsbürgern das Dop­pelte an Weidegeld zu erheben. Cs soll­ten hiermit diejenigen Personen getroffen werden, die schon seit vielen Jahren in der Gemeinde wohnen, jedoch keine Ortsbürger find und doch Teil an dem Ortsbürgernuhen nahmen. Die

allmählich den Sinn für die Schönheit der Natur. Besonders zu Ostern war das Gemüt der Frommen feierlich gestimmt, freudig bewegt von dem großen Heilswunder und daher aufgefchloffen mit Herz und Sinnen für die Eindrücke der Umwelt. Während es in der antiken Dichtung die Schönheit der Geliebten ist, die zum Vergleich mit den Reizen der Natur auf- fvrdert, bringt dem geistlichen Sänger die Liebe zu Ehriftus und die Ueberwindung des Todes durch den Auferstandenen zu Vergleichen mit der Land­schaft. Das Erwachen neuen Lebens in der Natur offenbart sich als Widerhall der Osterbotfchaft So singt der große Lehrer der alten Deutschen Notker Balbulus, der Stammler, in seiner Ostersequenz zum erstenmal in der deutschen Dichtung auch von der Herrlichkeit der Schöpfung:Dem aus Grabesnacht auferstandenen Heiland huldigt die Natur. Blum' und Saatgefild sind erwacht zu neuem Leben: der Vögel Chor nach des Winters Rauhreif singt ein Jubellied. Heller strahlen nun Mond und Sonne, die des Heilands Tod verstört, und im frischen Grün preist die Erde den Erstandenen, die, als er starb, dumpf erbereyb ihrem Einsturz nahe schien."

Nun erwacht mit der Osterfreude ganz langsam auch die Lebenslust und das Gefallen am Diesseits, die so lange durch den Blick ins Jenseits in den Bann geschlagen waren. Der Mensch bringt sein eigenes Gefühlsleben mit dem Leben der Natur in Be­ziehung, und ergreifend ist in dieser Entwicklung das in einer Cambridger Handschrift gefundene lateini­sche Liebeslied einer jungen Nonne, in dem das sprießende Naturleben des Frühlings gemalt wird und im Gegensatz dazu die verdorrende Innenwelt. In einem Zwiegespräch zwischen Kleriker und Nonne, das man das älteste deutsche Liebeslied genannt hat, klingt uns das Lob des Frühlings als der Zeit der Liebe entgegen, und nun lacht die erwachende Früh­lingslust durch die halb lateinischen und halb deut­schen Volkslieder, durch die Gesänge der fahrenden -Schüler, bis in desMinnesangs Frühlings" ein un- endlick;er Preis des Lenzes losbricht. Es ist bezeich­nend für diese Verschmelzung christlicher Osterfreude und heidnischer Naturoerehrung, daß auch im Minne­sang Ostern häufig zur Bezeichnung höchster Früh­lingswonne verwendet wird. Der schöne Maientag

mit seinem klaren Sonnenschein und dem lieblichen Blumenprangen wird von Heinrich von M o - rungenein österlicher Tag" genannt, und die Geliebte bezeichnet er kosend alsmeines Herzens Osterspiel". Wie bei diesem ersten leidenschaftlichen Schilderer der Natur (Bottesminne und Lebensfreude sich innig vereinen, so ist es auch später das Mit­klingen der Osterfreude, das das Naturgefühl durch­leuchtet. Einen lachenden Dftertag schaut der Sänger in den Augen der geliebten Frau, und bei dem größten Lyriker dieser Zeit, bei Walther von der Vogelweide, verbindet sich mit der Osterhoffnung die Frühlingssehnsucht zu einer wundervollen Beseelung der Natur. Nunmehr ist das Leben des Deutschen eng mit dem Naturleben verwoben, und er ahnt auch die weihevollen und geheimnisvollen Stimmungen, die sich in der Neugeburt der Natur vollziehen. In Wolfram von EschenbachsParzifal", dieser größten Osterdichtung unseres Schrifttums, offenbart sich das feierliche Wunder des Todes und der Auferstehung, wie es sich in der Natur spiegelt. Seitdem sind im deutschen Dichten Ostern und Frühling immer wie­der in innigen Betrachtungen verknüpft worden, bis dann schließlich in Goethes faustischer Osterbotfchaft der ganze Jubel über die Schönheit der Natur durch­bricht in den jauchzenden Versen:Von Eise befreit sind Strom und Bäche durch des Frühlings holden belebenden Blick". Mit alldurchdringender Liebs um­faßt der Dichter die ganze Schöpfung und dankt dem Erdgeist dafür, daß er ihm gaballes, worum ich bat . . . Gabst mir die herrliche Natur zum König­reich, Kraft, sie zu fühlen, zu genießen . . ."

Conan Doylcs spiritistisches Museum.

Conan Doyle, der Schöpfer des Sherlock Holmes, hat sich bekanntlich seit längerer Zeit ganz dem Spiritismus verschrieben und jetzt sein Wirken für die okkulten Wissenschaften gekrönt durch die Errichtung eines Museums, das sich in der Londoner Victoria Street im Schatten der Westminster-Abtei befindet. Einem Besucher, der uns davon in einer englischen Zeitschrift berich­tet. zeigte Conan Dohle die merkwürdigen Dinge, die hier die Entwicklung des Spiritismus im letzten halben Jahrhundert veranschaulichen sol­

len. Als demAnfang aller Dinge" natürlich vom spiritistischen Standpunkte aus bezeichnet er ein Bild, das die Szene vom 31. März 1848 toieöergibt, als die Klopfgeister zum erstenmal von der Familie Fox zu Hydeville im Staate Reuyork gehört wurden. Damit manifestierten: sich die Geister der übersinnlichen Welt zum erstenmal. und es begann jene Mode des Tffch- rückens, in der die Schwestern Fox als die ersten modernen Medien glänzten. Unter den Bil­dern, die an den Wänden hingen, befinden sich auch außerdem Gemälde, die von Geistern ver­anlaßt wurden, Geisterphotographien und ähn­liches. In den Glaskästen liegen Protokollbücher über Protokollbücher, in denen die Geister die ihnen gestellten Fragen durchautomatisches Schreiben" beantwortet haben. In einem Kasten »findet man Münzen, die bei einer Sitzung in Australien von einem Geist auf den Tisch, an dem Conan Dohle saß. geworfen wurden: eine merkwürdig verzierte assyrische Vase ist auf dem­selben geheimnisvollen Wege in den Besitz des Dichters gelangt, und ebenso eine große Anzahl anderer kurioser Dinge. Als größte Kostbarkeit des Museums gelten dieektoplasmischcn Hände", die wächsernen Abdrücke zweier linken Hände, bei denen die Daumen über den Handteller gelegt sind. Sie sind für Conan Doyle der stärkste Be­weis dafür, daß ein Weiterleben nach dem Tode besteht. Diese Geisterabdrücke wurden bei einer Sitzung mit einem polnischen Medium gewonnen, bei der Gelehrte von internationalem Ruf ver­sammelt waren. Der ganze Vorgang ist im Bilde festgehalten. Als die Geister erschienen, wurden sie aufgefordert, ihre Hände in ein Gefäß mit Paraffin zu tauchen. Auf diese Weise wurden mehr als ein Dutzend solcher Abdrücke genommen, und zwei Proben dieser Art sind im Museum auf geteilt. Außerdem kann man eine ganze An­zahl von Briefen bewundern, die berühmte Ver­storbene an Conan Doyle geschrieben haben,. so z. B. ein Schreiben Oscar Wildes, dessen Schrift­züge genau mit denen eines Briefes übereinstim­men, den Wilde noch zu Lebzeiten an Conan Doyle richtete.