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det die Wurzel der Verwicklung nicht in dem Schein und dem Irrtum, sondern in der ethischen Verkehrung, in der Macht des Lösen, hier scheint ein ungeheurer Zwiespalt vorzuliegen, der das Leben bei sich selbst zer­reißt und das Streben seinen wahren Zwecken entfremdet: Die Zerrüttung durch diesen Zwie­spalt scheint viel zu tief, als daß der Mensch sie aus eigenem Vermögen überwinden könnte-, so kann nur der rettende und umwälzende Wille der Gottheit eine Rettung bringen, er vollzieht das durch das Schaffen eines neuen, von der Verwicklung unberühren Lebens, )urch eine geistige Wiedergeburt, notwendig ist 'inStirb und Werde", durch schwerste Er­schütterung hindurch kann Liebe und Glaube -ine durchgreifende Wendung vollziehen, kön­nen ursprüngliche Kräfte aus dem Verhältnis zur allumfassenden Einheit entspringen, und läßt sich auf diesem neugeschaffenen Grunde ein mutiger Kampf gegen das Böse im Welt­stände, m den menschlichen Verhältnissen, in der eigenen Seele unternehmen; hier wird ein Heroismus der Gesinnung möglich, der auch durch Leid und Schmerz hindurch innerlich wächst. So von einem überlegenen Weltwillen getragen, vermag der Mensch einen frohen Le­bensmut zu schöpfen, das Ganze des gehobenen Lebens zu bejahen, zuversichtlich einen Aufstieg auch im menschlichen Bereich wogen. Das alles atmet einen anderen Geist, als er den Buddhis­mus durchdringt. So gewiß dieser eine unbe­streitbare Größe in der Ueberwindung des nie­deren Lebenstriebes besitzt, das Christentum ist größer, weil es durch das Rein hindurch zum Aufbau eines Ja fortschreitet und dabei frische Kräfte einsetzt. Das ist die tiefste Wur­zel des Ostergedankens mit seinem Aufer­stehungsgedanken, er durchdringt über alle konfessionelle Fassung hinaus als ein höherer Lebensglaube alles echte Streben der Mensch­heit. Und auf einen solchen wesenhaften Le­bens- und Erneuerungsglauben, auf eine solche geistige Erhöhung muß auch unsere schwan­kende Zeit ihr Vertrauen setzen und darin einen festen Halt suchen. Darüber aber kann kein Zweifel sein, daß nur eine innere Er­neuerung des Menschen von Ganzen her den Verwicklungen dieser zerrissenen Zeit gewach­sen ist; nur das Vertrauen auf das Walten eines überlegenen Weltwillens kann uns einen freudigen Osterglauben einflößen.

Ein solcher Auferstehungsglaube findet auch in den weltgeschichtlichen Erfahrungen unseres deutschen Volkes eine willkommene Bestätigung und Kräftigung. Das deutsche Leben hat nach furchtbaren Erschütterungen denken wir nur an den 30jährigen Krieg immer wieder den Mut und die Kraft zu neuen Aufgaben gefunden, es hat sie aber nur gefunden, weil überlegene geistige Zusammenhänge ihm die Kraft verliehen haben, allen Widerständen zu trotzen und unbeirrt den Weg zur Höhe zu verfolgen. An der Steigerungsfähigkeit des Lebens hängt auch für das deutsche Volk alle Zukunft und alles Gelingen. Aber diese Stei­gerungsfähigkeit läßt sich nur begründen, wenn in Erhebung über die gegenwärtigen Röte die gqnze Tiefe unseres Wesens aufgerüttelt und unsere Kräfte energisch konzentriert werden, ginb wenn eine Verbindung unseres Strebens mit den schaffenden Mächten des Weltalls in Einern zuversichtlichen Auferstehungsglauben .gewonnen wird.

Eine Vismarck-Rede Streiemanns.

Annaberg, 1. April. (WB.) Anläßlich einer Bismarckseier sprach Reichsaußenminister Dr. Stresemcmn am Geburtstage des Reichsgrün- ders in Annaberg. In seinen Ausführungen, die im Schluhteil die heutige politische Lage streiften, betonte er. daß die Konstellation, vor der Deutsch­land heute stände, mit keiner Lage zu vergleichen wäre, die von Bismarck gemeistert wurde und daß Bismarck über diejenigen lächeln würde, die da glauben, aus seinen Reden und Handlungen Rezepte für die heutige Lage formen zu können. Die Kritik der heutigen Politik habe ihre tiefste Ursache in dem großen Gegensah der Empfindung, mit welcher der Deutsche der ge­waltigen geschichtlichen Größe seines Vaterlandes gedenkt und der Unfreiheit und politisch geringen BewegrrngsmöglicUeit, zu der wir heute ver­urteilt sind. Wir müssen uns langsam unsere Großmachtstellung wieder erringen. Das Fehlen jeglicher Machtmittel bedingt, abgesehen von der friedlichen Einstellung Deutschlands, dessen stolzeste Zeit diejenige ist, in der Bismarck Europas Frie­den erhielt, die Anwendung nur politischer Me­thoden und eine neue Einstellung im Verhältnis der Mächte. Zwei Gesichtspunkte beherrschen die gegenwärtige Lage. Der eine ist die Friedens- s^nsucht der Völler, die erkannt haben, daß der Weltkrieg selbst für die Siegerstaaten kein dauern­des Glück schuf, die Weltwirtschaft aber aus ihren festen Regeln beinahe in ein Chaos geworfen hat, und daraus ergibt sich, die zweite Aufgabe für die Gegenwart, nämlich die aus den Fugen ge­ratene Weltwirtschaft wieder einzurenken, eine Aufgabe, die ohne Deutschlands Mitwirkung nicht zu lösen ist. Auf diesem Boden ergibt sich für Deutschland die Rvtwendigkeit zu in­ternationaler Zusammenarbeit au der Grundlage einer Verständigung unter gleich­berechtigten Ländern. Diese Politik führte uns von London über Locarno nach Genf. Die Vertrauenskrise der letzten Völkerbundstagung ist noch nicht überwunden. Ob wir den Weg nach Gen zurückfinden können, hängt davon ab, ob diejenigen die das Friedenswerk von Locarno mit dem Ge­danken des Völkerbundes verbanden, den Weg fiir Deutschland freizumachen verstehen, den Deutsch­land gehen kann.

Die deutschen Reparations­leistungen.

Berlin, 1. April. (Wolff.) Die Bank für deutsche Jndustrieobligationen Hot für 62,5 Millio­nen Goldmark gemäß den Bestimmungen des In- dusiriebelastungsgesetzes auf das Reichsbank- konto des Generalagenten für die Repa­rationszahlungen für Rechnung des Treuhänders

Vriands Sieg in der Kammer.

Annahme der Steuernovelle.

In einer mehr als 24stündigen Dauersitzung hat die französische Kammer die Finanz- r e f o r m, die seit einem halben Iahr tm Brenn­punkt der inneren Politik stand und bereits vier Finanzministern das Leben gekostet hatte, durch­gepeitscht, mit dem Ergebnis, daß in der Schlutz- abstimmung die Gesamtvorlage mit 236:159 Stim­men angenommen tourte. Die Stimmen­mehrheit sieht auf dem Papier ganz stattlich aus, nachdem Havas selbst vorher nur mit einer Majorität Driands von zwanzig Stimmen ge­rechnet hatte. Sie erhält aber ein ganz anders Gesicht, wenn man dagegen hält, daß die Depu­tiertenkammer 584 Mitglieder zählt, daß also weniger als die Hälfte für die Re­gierung gestimmt haben. DerS^g" ist nur dadurch zustande gekommen, daß nicht allein die über 100 Mitglieder starke Fraktion der So­zi a l i st e n in ihrer überwiegenden Mehrheit sich der Stimme enthielt, sondern auch vom linken Flügel des b l o c national die gleiche Taktik verfolgt wurde. Die entschiedene Oppo- ition der Sozialisten allein hätte also schon ge­fügt, um das Kabinett Briand von neuem zu türzen. Aber den französischen Deputes ist es gegangen, wie auch schon so oft ihren deutschen Kollegen: sie haben Angst vor ihrer eigenen Courage bekommen.

Herr Briand ist wieder einmal der über­legene Taktiker gewesen, er hat die Kammer zer­mürbt und es so erreicht, daß fast dieselbe Vorlage, die unmittelbar vor Genf zu seinem Sturz führte, diesmal angenommen wurde. Dor allem ist das Kernstück der Vorlage, die Erhöhung der Umsatzsteuer, zu deren Abschaffung sich die Parteien des Linkskartells bei den Wahlen feierlich' verpflichtet hatten, aufrecht erhalten worden, und es ist nur ein schwacher Trost, daß dafür die Mono­polisierung der Petroleum - und der Zuckereinfuhr im letzten Augenblick noch angenommen wurde; beides Gelegenheitsgesehe, deren Ertrag vorläufig nur auf dem Papier teht. Zu allem Uebersluh ist auch noch die ..B ü r g e r a b g a b e" als Steuer beschlossen worden, eine sehr hohe Kopfsteuer, die man mit einigem guten Willen als den Anfang einer Einkommensteuer betrachten kann, die aber doch im Grunde weiter nichts ist, als der typische Beweis, daß die französische Kammer immer noch Steuergesetze macht, die um Gottes willen dem Steuerzahler nicht weh tun dürfen.

Der Sieg Driands ist also schließlich nur aufgebaut auf der Feigheit der Opposition, die Ang st vor einer neuen Krise war das ausschlaggebende Clement. Die Kammer wußte, daß sie eine höchst unglückliche Rolle gespielt hatte; der letzte Sturz Driands hatte eine Kahen- jammerstimmung zurückgelassen, und wenn dies Kabinett nun noch einmal aus dem gleichen An­laß siel, dann war der Parlamentarismus mit

seiner Weisheit zu Ende. Man braucht den faszistischen Betrieb in Frankreich gewiß nicht allzu hoch einzuschähen, aber er gewinnt natürlich durch die Aktionsunsähigleit der Kammer, auf der anderen Seite ist auch ter Sieg der beiden Kommunisten am vergangenen Sonntag in Paris ein Warnungssignal gewesen, das verstanden sein wollte. So hat selbst Herr T a r d i e u, der kommende Führer des bloc national, für die Finanzvorlage der Regierung gestimmt, nur da­mit endlich einmal etwas zustande kam. Aber Herr Briand wird selbst nicht glauben, daß er mit dieser Mehrheit praktisch etwas anfangen kann. Dazu ist sie viel zu brüchig, sie fällt bei der ersten besten Gelegenheit auseinander, schon well sie eben in Wahrheit keine Mehrheit ist.

Die Dinge längen anders, wenn mit der Annahme dieser Vorlage das Finanzproblem tatsächlich für längere Zeit von dem inner- politischen Kriegsschauplatz Frankreichs ver­schwände. Aber eben daran ist nicht zu denken. Der Haushalt ist freilich rechnerisch im Gleichgewicht, aber nur rechnerisch. Denn als er aufgestellt wurde, stand der Franken auf 110, heute steht er schon auf 140. Im günstigsten Falle kann die Dank von Frankreich jetzt einen kleinen Schachzug gegen die Baissiers unter­nehmen, stark heraufdrücken wird sie den Franken­kurs nicht können. Die innere Teuerung aber geht weiter und deshalb ist dies mühsam zu Ende gebrachte Werk nur einekleine Finanzreform", der in wenigen Monaten schon eine neue folgen muh, die zu überwinden noch viel schwieriger sein wird, weil der Staat nicht nur laufende Einnahmen braucht, sondern auch von dem Schwergewicht der zur Höhe von fast 45 Milliarden angeschwollenen kurzfristigen An­leihen gedrückt wird. Selbst angenommen also, daß der Senat keine Schwierigkeiten macht und die Vorschläge der Kammer unbesehen schluckt, ist dieser Ausgang der Kammerverhandlungen im besten Falle ein Waffenstillstand. Gr wird die Teuerung nicht aufhalten; spätestens in einigen Monaten steht Frankreich erneut vor dem Problem, wie cs der Inflasion ein Ente machen will. Und ob das Kabinett Briand, das nach links hin an Boden verloren, nach rechts hin aber keine Bundesgenossen gewonnen hat, dann stark genug ist, um den neuen parlamen­tarischen Sturm zu bestehen, daran darf man heute bereits sehr berechsigte Zweifel äußern.

Die Kammersitzung.

Paris, 1. April. ($11.) Die Kammer hat die gesamte Finanzvorlage mit 236 gegen 159 Stimmen angenommen. Im Mittelpunkt der Aus­sprache stand die Debatte über die Erhöhung der Geschäftsumsahsteuer. Der Kom­munist G a r h e r h beantragte Ablehnung der Steuer. Der Abgeordnete Dubois betonte für

die Rechte, daß die Kammer über die Tragweite der vorgeschlagenen Steuer von der Regierung zwar nicht genügend aufgellärt worden sei, daß man aber die Rotwendigleit begreife, dem Kabi­nett die 5um Ausgleich des Budgets notwendigen Summen in die Hand zu geben. Vincent Aurivl legte dann die Gründe dar, die die Sozia­listen veranlaßten, sich der Abstimmung zu enthalten. Vornehmlich ist es die Be­fürchtung einer Kabinettskrise, die nach Auffassung des sozialistischen Redners ein An­ziehen der Devisenkurse und eine ver­schärfte Krise des Schatzamtes bei neu einsetzen­den Rückerstattungsforderungen zur Folge haben würde.

Dann ergrisi unter allgemeiner Spannung der F i n a n z m i n i st e r P e r e t das Wort. Er wies auf die Schwierigkeiten hin, mit denen seine Aufgabe umgeben war. __

Er sei nicht imstande gewesen, einen "neuen selbständigen plan elnzureichen, weil er von dem Defizit sozusagen an der Kehle gepackt war. (Beifall.) Das vorliegende Finanzprojekt sei schon so abgefaht, daß es ein vollständiges Ausgleichen des Budgets gewährleiste.

Der Finanzminister sucht dann weiter die gegen das Projekt gerichtete Kritik zu entkräften und meinte zum Schluß, je länger man die Annahme der notwendigen Steuern und darunter beson­ders der erhöhten Geschäftsumsahsteuer hin­ausziehe, um so mehr würden die Schwierig­keiten des Finanzamtes erschwert. Die 4iyV Milliarden bedeuteten eine Tageslast von 12 Mil­lionen und wenn die jetzige Regierung durch ein Minderheitsvotum zum Rücktritt gezwungen würde, dann werde das darauffolgende Kabinett ähnlichen Schwierigkeiten begegnen. Die kata­strophalen Folgen einer Kabinettskrise im gegen­wärtigen Augenblick lägen auf der Hand.

Die Entscheidung über die Finanzlage fiel erst indenspätenMorgen stunden. Ein Antrag auf Abtrennung der Erhöhung der Umsatzsteuer wurde mit 227 gegen 103 Stimmen abgelehnt. Die Regierung stellte hierbei die Vertrauensfrage. Gegen die Regierung stimmten etwa 50 Abgeordnete der Rechten, die Kommunisten, sowie etwa 25 Sozia­listen. Vor der Abstimmung erklärten die Sozialisten nochmals durch Vincent Auriol und Löon Blum, daß sie sich der Stimme enthalten würden. Das­selbe erklärte auch der Delegierte des Nationalen Blockes. Großes Aufsehen erregte eine Erklärung Xarbieus, er werde, trotzdem er ein Gegner der Negierung sei, für d i e R e g i e r u ng stim­men, um der allgemeinen Verwirrung endlich ein Ende zu machen. Damit hat die Abstimmung über die Finanzoorlage mit einem Sieg der Regierung geendet, den man nach dem bisherigen Verlauf der Dinge in diesem Umfange nicht erwarten durfte.

ür deutsche Industrieobligationen überwiesen. Die- er Betrag stellt die erste Hälfte der für das zweite Reparationssahr vorgesehenen Iahres- ; insleistuna von 2,5 Prozent auf die Fünf- Milliarden-Belastung der deutschen Industrie dar, die dem Treuhänder seinerzeit in Form von Indn- triebonds und veräußerlichen Obligationen über­leben worden ist. Mit dieser Zahlung sind trotz der chwierigen Lage der deutschen Wirtschaft die zum 1. April 1926 aus der Jndustriebelastung sich er- gebenden Verpflichtungen frist- und ordnungs­gemäß erfüllt worden.

Eine Abrüstungsdebatte im Unterhaus.

TU. London, 1. April. Zu einer inter­essanten Debatte über das Abrüstungsproblem kam es heute im Unterhaus. Ponsvnbh, der Unterstaatssekretär für auswärtige Angelegen­heiten im Kabinett Macdonald, äußerte Be­fürchtungen über die Möglichkeit eines negativen Ausgangs der vorbereitenden Abrüstungskon­ferenz. In diesem Falle müsse England nicht nur ein voll bewaffnetes Frankreich gegen ein ent­waffnetes Deutschland verteidigen, sondern auch ein entwaffnetes Deutschland gegen ein schwer bewaffnetes Frankreich. Trotz allem Gerede über Abrüstung seien die heutigen Ausgaben für Rü­stungen 10 Prozent höher als im Iahre 1913, und das alles, obwohl Deutschland entwaffnet sei. Es sei kein Wunder, daß man die europäischen Staatsmänner als unver­besserliche Heuchler betrachte.

Der Unterstaatssekretär des Aeußeren, Locker-Lampson, erwiderte aus die Aus­führungen Ponsvnbys u. a.: Die britische Regie­rung ist von ganzem Herzen bereit, jeglichen internationalen Schritt zu unterstützen, welcher zu ter allgemeinen Bewegung in der Richtung auf die Abrüstung führt. Der Dämon des interncttio- nalen Mißtrauens muß gebannt werden. Meines Erachtens ist es ein Unglück, daß in Washington nur für Großkampfschiffe und nicht auch f ü r Uboote Einschränkungen beschlossen tourten. Die englische Marine tourte auf Grund des Washing­toner Vertrages beträchtlich vermindert. Es muß auch berücksichtigt werden, daß Großbritannien sehr ausgedehnte verletzliche Han­delswege zu beschützen hat. Der Umfang des britischen Landheeres werde durch den Heeresumfang ter anderen Länder nicht beein­flußt werden. Rach dem Krieg wurden die bri­tischen Luststreitkrätte nahezu auf Rull vermln- dert. England würde den Plan einer Einschrän­kung begrüßen, damit eine Uebereinstimmung zwi­schen bttttschen Luststreitkräften und denen anderer Länder erzielt wird.

Kleine politische Nachrichten.

Der bayerische Finanzminister Dr. Krausneck weilte am Dienstag und Mittwoch in Darmstadt, wo er Besprechungen mit dem hessischen Finanz­minister Henrich hatte.

Im Reichsarbeitsministerium fand eine Be­sprechung mit einer Abordnung des Reichs- bundes der Kinderreichen unter Füh­rung des Vorsitzenden Konrad statt übet den von Medizinalrat Dr. Engelsmann, Kiel, aus­gearbeiteten Entwurf für eine Elternschaft­versicherung. Die Besprechung ergab darin llebereinftimmung, daß aus bevölkerungspoliti­

schen Grünten für die in Arbeit stehenden kinderreichen Familien mehr als bisher ge­schehen müsse. Vor allem müßten die Kinder- zulagen mehr dem Existenzminimum für ein Kind angeglichen werten.

Der tschechoslowakische Geschäftsträger über­reichte dem österreichischen Bundespräsi­denten Hainisch im Auftrage des Prä­sidenten ter Tschechoslowakei den Orden zum Weihen Löwen.

Die französische Kammer hat mit 311 gegen 29 Stimmen eine 30proz. Erhöhung der Zolltarife angenommen.

DaS amerikanische Repräsentan­tenhaus war am Donnerstag Schauplatz einer Szene, die in den Annalen dieses Parlaments einzig dastehen dürste. Im Verlaufe der De­batte riefen sich die beiden Disputierten Mills und M a n f i n gegenseitig die schwersten persön­lichen Beleidigungen zu. Plötzlich entledigten sich beide Kampfhähne ihrer Röcke und begannen einen Boxkampf, der infolge des Dazwischen­tretens mehrerer Polizeibeamterunentschieden" verlies.

Der Termin für die Wahl des Präsiden­ten der griechischen Republik ist auf den 4. April anberaumt worden. General Pangalos hot sich nunmehr endgültig für die Präsidentschafts­wahl als Kandidat aufstellen zu lassen, nachdem die Verhandlungen über eine Einheitskandidatur Za i - m i s gescheitert sind.

Aus aller Wett.

Lin Tabaksorschungsinslilut.

Auf Betreiben Badens zeigt die Reichs­regierung Reigung, in Baden ein Labaks- forschungsinstittlt zu errichten, das von der Ba­dischen Landwirtschaftskammer in Betrieb ge­nommen werden soll. Letztere ist bereit, auf dem Forchheimer Gelände ein Versuchs­feld und Trockenschuppen unentgeltlich zur Ver­fügung zu stellen. Der Badische Staatsdorcm- schlag für 1926/27 sieht einen Zuschuß von 50 000 Mk. vor. Mit Rücksicht auf den badischen, hessischen und pfälzischen Tabakbau wäre das Zustandekommen dieses Planes sehr erwünscht.

Line zehnköpfige Verbrecherbande verhaftet.

In der Wiener Reustadt wurde eine zehnköpfige Einbrecherbande verhaftet, die in der dortigen Gegend seit 7 Iahren gehaust hat und der auch vermögende Geschäftsleute und eine Frau als Anführerin angeboren. Die Ver­hafteten haben bereits ein Geständnis abgelegt. Bis jetzt sind ihnen 70 Einbrüche und Dieb­stähle und fünf Brandstiftungen nachge- wiesen worden, außerdem zwei Mordver­suche. Die Verbrecher waren stets bis andre Zähne bewaffnet und machten bei jeder Gelegenheit von Der Schußwaffe Gebrauch. Außer ihnen ist gegen 25 Personen Anzeige wegen Teil- nähme an den Diebstählen erstattet worden.

Lin Automobil in die Elbe gestürzt.

Freitag früh kurz nach Mitternacht ereignete sich auf der Elbebrücke in 21 u f f i g ein schweres Auto­mobilunglück. Bei der zur BrMe aufftcigenben scharfen Biegung versagte einem ßaftautomobil, dos mit 25 Hektoliter Bier beladen war, die Bremse. Das Automobil überrannte das Stra­ßengeländer und stürzte aus einer Höhe von

6 Meter in den Fluß. Dem zweiten Chauffeur gelang es, noch rechtzeitig abzusprtngen, während der Führer mit dem Wogen ins Wasser stürzte und von den Trümmern des Automobils begraben wurde. Er konnte nur noch als Leiche geborgen werden.

Voruntersuchung gegen IürgenS.

Die Voruntersuchung gegen den Landgerichts­direktor Jürgens ist neuerdings auch auf einen Detrugsversuch gegenüber dem Reichsfiskus ausgedehnt worden. 2m An­schluß an den letzten fingierten Einbruch in seiner Stargarder Wohnung hatte Iürgens in seiner Eigenschaft als Untersuchungsrichter des Staats­gerichtshofes, als welcher er dem Reichsjustiz­ministerium untersteht, bei dieser Dehöre Antrag auf Schadenersatz für die ihm angeblich ge­raubten Wertgegenstände gestellt, und der Reichs- siskus hatte auch bereits die entsprechenden Schritte eingeleitet. Weiterhin hat ter Unter­suchungsrichter im Hinblick auf die in der Öf­fentlichkeit gegen Iürgens erhobenen Vorwürfe wegen seiner Tätigkeit bei dem General­kommando in Hannover während des Krieges nunmehr die Akten der Staatsanwalt­schaft Hildesheim und Celle angefordert.

Ein schwerer Unglücksfall.

In Freiburg stürzten von einem durchgehen­den Lastgeschirr zwei 13jährige Knaben ab. Der eine wurde auf der Stelle getötet, der andere erlitt so schwere Verletzungen, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. Auch der Kutscher wurde schwer verletzt.

Razzia auf lästige Ausländer In Amerika.

Das amerikanische Arbeitsdepartement beabsich­tigt im Laufe des Frühjahrs 100 000 unerwünschte Ausländer a u s z u w e i s e n, die auf ungesetz­lichem Wege in die Vereinigten Staaten einfle* wandert sind. 600 000 Dollar sollen für diese Sau- berungsaMion bereits zur Verfügung gestellt wor­den sein.

Eine Windhose in Sachsen.

In der Umgebung des Städtchens Roßwein hot eine Windhose, die bei heftigem Frühlings- aewitter in Erscheinung trat, in drei Minuten dauerndem Wüten cuiherordentlich schweren Scha­den angerichtet. Besonders arg wurde die Ortschaft Vöhringen heimgesucht. Don der sogenannten Alten Schmiede wurde dos über 50 Quadratmeter große Doch abgehoben, geknickt und etwa 150 Meter gegen den Eisenbahndamm geschleudert. In dem aus Bir­ken bestehenden Bahnhofswäldchen wurden vierzig Stämme, darunter einige von 15 Meter Höhe und mehr als ein Meter Umfang, entwurzelt. Menschen­leben sind nicht zu beklagen.

Die Wordassäre Rosen.

Die Breslauer Untersuchungsbehörte hat jetzt die seit Iahresfrist in Untersuchungshaft befind­liche Hausdame Reumann auf freien Fuß gesetzt, da die Beweismomente für die Täter­schaft bei der Ermordung des Breslauer Pro­fessors Rosen nicht ausreichten. Ebenso werden her Briefträger Stock und seine Ehefrau noch heute aus der Untersuchungshaft entlassen. Das Untersuchungsverfahren ist auf dem toten Puntt angelangt. Rur noch zwei Zuchthäusler, die sich gegenseitig der Mittäterschaft beschuldigen, be­reiten der Untersuchungsbehörte Schwierigkeiten.

MUififflUliinill Dr.WMWMottmSther!